Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVII (1932)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1932)
- Date
- 1932-01-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 2, &L 1932 haben diese beiden Herren, Herr Färbst ein und Herr Neumann, bisher ihre Tätigkeit in Palästina noch nicht angetreten. Von Herrn Neumann hört man, daß er sich mit der Gründung verschiedener politischer Komitees in Amerika beschäftigt, von Herrn Farbstein erfuhr man nur, daß er zunächst eine Reise nach London unternommen hat. Seit dem Kongreß ist aber ein halbes Jahr v e r g a n g e n, der vierte Teil der gesamten Amtsperiode ist abgelaufen, und es war eine Zeit, wo das jüdische Leben schwere Erschütterungen durchzumachen hatte, wo die Juden nach einem Ausweg ausschauten, wo von verschiedenen Kreisen, von links und rechts, im Organ der palästinensischen Pflanzer ״Boustenai“, im Arbeiterblatt ״Davar“, in verschiedenen zionistischen Zeitungen des Galuth (darunter auch der ״Jüdischen Rundschau“) nachdrücklich gefordert wurde, daß die JewishAgency ihre Tätigkeit zur Organisierung einer Mittelstands - Einwanderung aufnimmt. Leider ist bisher in dieser Sache — wenigstens unseres Wissens — nichts geschehen. Wir sind gewiß mit Kritik unserer Exekutivorgane, die mit schweren Verhältnissen zu ringen haben, sehr zurückhaltend, aber wir glauben in diesem Fall einer in zionistischen Kreisen immer stärker um sich greifenden Verwunderung Ausdruck geben zu müssen, daß in dieser Zeit gerade das am stärksten fühlbare Bedürfnis der zionistischen Bewegung, das in den ökonomischen Beratungen des letzten Kongresses bewußt in den Vordergrund geschoben wurde, unbeachtet bleibt. Von seiten der Jewish Agency erhalten weder die nach genauen Informationen verlangenden Einwanderungswerber ausreichendes Material und Ratschläge, noch tut die Agency auch nur das geringste, um die Ein- Wanderung solcher für Palästina im gegenwärtigen Zeitpunkt besonders wertvoller Elemente zu organisieren. Wir alle wissen, daß die Chaluz-Einwanderung auf große Schwierigkeiten stößt, da die Palästina-Regierung angesichts der Wirtschaftskrise und der unsicheren finanziellen Verhältnisse Englands in der Ausgabe von Zertifikaten sehr sparsam ist, so daß die Arbeitereinwanderung ernstlieh stockt. Trotzdem sind nach der letzten Statistik im Monat Dezember 500 Juden eingewandert; eine Spezifikation dieser Ziffer fehlt noch, daher läßt sich nicht sagen, wie viele von diesen zur Kategorie der Kapitalisten gehören. Sicher aber ist, daß trotz allen Beschränkungen sich ein wenn auch kleiner Strom von Einwanderern ständig in das Land ergießt, weil der Auswanderungsdrang der Juden so groß ist, daß eine völlige Absperrung unmöglich ist. Die zionistische Welt erwartet seit langern, daß die Exekutive so schnell als möglich geeignete Schritte für die Mittelstands-Einwanderung unternehmen wird oder Aufklärungen darüber gibt, warum diese Tätig* keit unterbleibt. Ist niemand da, der dies energisch in die Hand nehmen kann? Die Verhältnisse in der Palästina- Exekutive erscheinen dem Außenstehenden etwas unge- J1&ttr^rl1öfen, daß das Kölönlsatiönsdepattlemeht.lceinen Leiter hat, daß auch das Erziehungsdepartement seit dem Rücktritt Dr. Berksons verwaist ist. Wir wissen zwar, daß Dr. Arlosoroff das politische Ressort und Dr. Senator die Treasury führt, aber welche Zweige der Palästinaarbeit nun eigentlich den Herren Dr. Hexter und Dr. Berkson unterstehen, darüber ist nichts bekannt. Dr. Hexter ist zugleich der Verwalter des nach den August-Unruhen gesammelten Notstands-Fonds, der noch über einige hunderttausend Pfund verfügen soll; aber dieser Fonds wurde der Kompetenz der Exekutive ausdrücklich entzogen, und die Verwaltung eines Fonds außerhalb der Ingerenz der selbst materiell schwer leiden• den Exekutive kann wohl keineswegs als die Ressort- Funktion eines Exekutivmitgliedes gedeutet werden. Ob Farbstein und Neumann überhaupt in absehbarer Zeit ihr Amt antreten werden, ist auch unklar. Es wäre sehr zu wünschen, wenn die Oeffentlichkeit der zionistischen und nichtzionistischen Wähler der Exekutive einmal offiziell eingeweiht würde, wie die Dinge eigentlich liegen. Alle jetzt brachliegenden Kräfte der Leitung sollten, so ist zweifellos die öffentliche Meinung, in der Richtung der Förderung der Privatinitiative und der privaten Ansiedlung im Lande eingesetzt werden. Eine Gelegenheit der Anknüpfung von Beziehungen gewährt die bevorstehende Reisesaison, die diesmal durch die Veranstaltung der Makkabiade und der Levante-Messe in Tel-Awiw einen besonderen Anreiz bekommt. Es wäre eine wichtige zionistische Aufgabe, Reisen von Juden zur Levante-Messe in Tel-Awiw in großem Stile zu organisieren. Infolge der Pfundentwertung sind solche Reisen jetzt billiger geworden als früher, besonders wenn man englische (oder z. B. japanische) Schiffe benützen kann. Mit relativ wenig Kosten läßt sich eine Palästinareise heute bewerkstelligen. Man müßte aber dafür sorgen, daß die Ankommenden im Lande wirklich praktische Anweisungen und konkret verwertbares Material erhalten. Vielleicht könnte im Rahmen der Messe ein Organ für diese Angelegenheiten geschaffen werden, man wird gewiß aus allen Schichten der palästinensischen Bevölkerung erfahrene Menschen gewinnen können, die sich für beratende Tätigkeit zur Verfügung stellen, wenn die Sache nur ernst gemeint ist. Auf diese Weise könnte man für viele Men* sehen eine direkte Beziehung zum Lande herstellen, und dies kann dann in der weiteren Folge Früchte tragen. Aber all dies muß von langer Hand vorbereitet werden, und davon merkt man nichts. Die Zeit bis Peßach ist sehr kurz. Worauf es ankommt, ist der Entschluß zur Ueberwindüng der heute herrschenden Apathie. Gerade in diesen schweren Zeiten könnte das Beispiel einer tatkräftigen Bewegung, die zielbewußt einen konstruktiven Weg zu einem neuen Aufbau geht, stärkend und belebend auf das ganze Judentum wirken. Das jüdische Volk weiß, daß Schwierigkeiten genug auf unserem Wege liegen und daß auch der Hinweis auf Palästina keine geglättete Bahn weist. Aber viele sind bereit, Mühen und Anstrengungen auf sich zu nehmen, wenn sie wieder eine Zukunftshoffnüng haben, wenn sie an den Sinn der Arbeit glauben können. Im Galuth neu zu beginnen, wenn die alte Existenz zerbrochen ist, ist heute besonders schwer, weil man den Glauben verloren hat. Aber gerade in dem Moment, wo tausende und zehntausende Juden den Glauben an das Galuth verloren haben, muß der Glaube an Zion, an ein Leben in Palästina, in ihnen lebendig werden. Hier nicht nur ideelle Losungen zu geben, sondern praktischeHilfezu leisten, die materiellen Voraussetzungen zu schaffen, dies ist eine eminente Aufgabe der zionistisehen Leitung und der Jewish Agency. Wir hoffen bald zu hören, daß diese Aufgabe energisch in Angriff genommen wird. Aus dem nationalsozialistischen Lager Die gegenwärtig in Moabit unter dem Vorsitz des Landgerichtsrats Ohnesorge durchgeführt eti Berufung s verhandlungengegendieNationalsoziaiisten.die am Rosch Haschanah Juden und andere Passanten auf dem Kurfürstendamm überfallen und verprügelt haben, finden in der Oeffentlichkeit eine viel geringere Resonanz als die beiden vorhergegangenen Prozesse erster Instanz. So sehr in der Berufungsinstanz noch versucht wird, durch alle möglichen juristischen Manöver den ersten Eindruck abzuschwächen und so sehr man dabei auch auf die Wirkung des Zeitablaufes spekuliert, der schließlich die Erregung zum Abflauen bringt, kann man doch wohl sagen, daß für die Oeffentliehkeit der Charakter der Vorfälle auf dem Kurfürstendamm bereits unbezweifelbar feststeht. Auf nationalsozialistischer Seite rühmt man sich gelegentlich dieser Heldentaten. Auf jüdischer Seite wird keine noch so fein gesponnene Verdrehung die Ueberzeugung erschüttern, daß es sich hier um eine organisierte Judenhatz gehandelt hat. Die Angeklagten verfolgen in diesem Prozeß wieder die Taktik, sich als Unschuldslämmer hinzustellen. Die Führer der S. A., vor allem Graf Helldorf, verteidigen sich mit der Versicherung, sic hätten von den geplanten Demonstrationen nichts gewußt und ihre S. A.-Leute seien ganz zufällig an jenem Abend auf dem Kurfürstendamm zusammengeströmt. Für die jüdische Oeffentlichkeit ist es schließlich gleichgültig, ob dieser oder jener S. A.-Führer persönlich für die Sache verantwortlich ist. Bel einer 90 disziplinierten Gruppe wie der S. A. kann man es jedenfalls schwer verstehen, daß die Leute gegen den Willen ihrer Führer zu einer solchen Aktion ausbrechen. Für die Zukunft aber Ist es außerordentlich wichtig, daß nicht derartige Ereignisse geschehen und man nachher zuläßt, daß alle Führer und verantwortlichen Personen ihr Nichtwissen betonen und ihre Hände in Unschuld waschen. Auf diese Weise kann jede Ausschreitung riskiert werden. Es scheint wenig männlich und wenig ritterlich, wenn die Führer und Tater einer solchen beschämenden Aktion nicht auch offen die Verantwortung für ihr Vorgehen tragen, ׳ ••Im übrigen ־setztet die׳׳Nat|önal$otiäösfenli»e'׳ Tätigkeit auch im Auslände weiter fort. Ueber die außenpolitische Tätigkeit von Hitlers Attachd Rosenberg, der kürzlich In London war, brachte die ״New York Times" einen beachtenswerten Bericht. Danach habe Herr Rosenberg in London gesagt, Deutschland müsse den ganzen europäischen Osten einschließlich Südrußland für die Ansiedlung von Deutschen zur Verfügung bekommen. ״New York Times“ bemerkt hierzu, daß gegenüber derartigen ״verrückten“ Plänen sich alle anderen Nationen, insbesondere England und Frankreich, zusammenschließen müßten. Interessant ist auch eine Erklärung des Senators Borah, der bekanntlich in der Reparationsfrage einen sehr deutschfreundlichen Standpunkt einnimmt. Da die Nationalsozialisten sich mehrfach auf Borahs Aeußerungen berufen haben, hat dieser in Amerika eine Erklärung veröffentlicht, worin er seiner entschiedenen Verurteilung aller rassenhetzerischen Tend e n z e n Ausdruck gibt und erklärt, er wolle mit Bewegungen dieser Art nichts zu tun haben. Der ״Völkische Beobachter“ weiß zu melden, daß sich in Schweden und in den Niederlanden eine nationalsozialistische Part« nach dem Vorbild der deutschen gebildet habe, gleichfalls ausgesprochen antisemitisch. Zugleich scheint man durch Emissäre in verschiedenen Ländern den schlechten Eindruck, den die antisemitische Brutalität des Nazi-Programms macht, übertünchen zu wollen. Während in Deutschland auf dem natio• nalistischen Aerzte-Kongreß ein Professor die Schaffung eines ״Gesetzes zur Scheidung der Rassen“ vorschlägt und in verschiedenen Publikationen betont wird, daß den Juden die Vollbürgerschaft im künftigen Deutschen Reich abzusprechen ist, wird gleichzeitig im Ausland eine ganz andere Darstellung gegeben. Wir haben kürzlich aus dem Londoner ״Spectator“ die Zuschrift des Nationalsozialisten Hans. Jürgen Schucht aus München wiedergegeben, der der englischen Oeffentlichkeit auseinandersetzt, der Antisemitismus der Nazis wende sich lediglich gegen die ״aus dem Osten eingewanderten Neureichen“. Im Inland ist man schon etwas offener. Ein führender Nationalsozialist, Hermann Esser, der Chefredakteur des ״Illustrierten Beobachters“, spricht in seinem Neujahrsartikel offen aus, es bleibe nichts anderes übrig, ״als das Staatsbürgerrecht der Juden in Deutschland aufzuheben“. Wir versagen es uns im allgemeinen, in der ״Jüdisehen Rundschau“ Zitate aus nationalsozialistischen Blättern zu bringen, weil man zu viel damit zu tun hätte, alle Stilblüten zu registrieren und weil diese Aeußerungen ohnedies zur öffentliche Versammlung (Zionistisch• Stadtkonferenz) Sonnabend, den 9. Januar 193t abends 830 Uhr, Logen haus, Berlin W, Kleiststraßs 10 B. LOCKER, London: JUDENSCHICKSAL BARAK, dis zionistische Propagandatruppe Kenntnis der Oeffentlichkeit gelangen. Wir glauben, daß eine jüdische Zeitung heute vor allem positive Aufgaben hat und die Diskussion mit Aeußerungen des vulgären Antisemitismus ist ja aussichtslos und unmöglich. Dennoch möchten wir in diesem Falle einen Absatz aus Essers Artikel wiedergeben, da■ mit unsere jüdischen Leser auch außerhalb Deutschlands einen Eindruck davon bekommen, was sich die Juden aus Deutschland heute gefallen lassen müssen. Herr Esser schreibt: ״Ja, sagt man da, die Juden sind doch auch Menschen, die tragen doch auch Menschenantlitz und haben ein Recht auf Gleichberechtigung. Dem kann man entgegenhalten, daß ja schließlich auch der Wolf ein Tier ist und es deshalb noch lange niemand einfällt, ihn mit anderen Tieren, nämlich Schafen, zusammen in einen Pferch zu sperren. Uebrigens sind die Indianer und die Hottentotten einschließlich der Menschenfresser auf den Inseln des Stillen Ozeans auch Menschen, und doch fällt es niemand ein, einen von ihnen ernstlich zum Minister des Innern oder vielleicht zum Bürgermeister vorzuschlagen, wobei die Menschenfresser und die Hottentotten, gar nicht zu sprechen von den Indianern, immer noch tausendmal sympathischere Menschen sind als jene Mißgeburt der Weltgeschichte, die sich allen Ernstes berufen fühlt, gleich die Völker der ganzen Erde aufzufressen oder zum mindesten sie für alle Zeiten sich dienstbar zu machen.“ Wir sind weit davon entfernt, den ganzen jungen deutsehen Nationalismus mit solchen Aeußerungen zu identifizieren. Wir wissen sehr wohl, daß ein großer Teil der idealisti sehen deutschen Jugend im nationalen und nationalsozialistischen Lager steht und daß diese jungen Menschen eine geistige und sittliche Wiedergeburt ihrer Nation ersehnen. Was aber sagt dieser Teil der nationalsozialistischen Bewegung dazu, daß Unflätigkeiten der hier zitierten Art fortgesetzt von der nationalsozialistischen Presse veröffentlicht werden? Wir haben zwar, wie gesagt, in einer englischen Zeitschrift eine Zuschrift gelesen, die den wahren Sachverhalt zu vertuschen versucht, aber noch niemals in Deutschland selbst eine Aeußerung gebildeter Nationalsozialisten, die — bei allem Festhalten an ihrer Gesinnung — gegen diese unwürdige, unernste und unsittliche Form antisemitischer Propaganda sich gewendet hätte. Es scheint, daß man so sehr von der Wirksamkeit des Radau-Antisemitismus als Agitationsmittel überzeugt ist, daß man bereit ist, sich seiner ohne Gewissensskrupel in allen Formen zu bedienen. * ״Die jüdische Hochfinanz will Deutschland helfen!" Die auf dem äußersten rechten Flügel stehende englische ״National Review“ kämpft unentwegt gegen Deutsche, Juden und Bolschewisten. Im Dezemberheft wird die eng■ fische Regierung und Hochfinanz wegen ihrer Bemühungen Deutschland vor dem Zusammenbruch zu retten, heftig an• gegriffen. In Wahrheit, so meint die ״National Review2, die in den letzten zwölf Jahren offenbar nichts gelernt hat, sei England keineswegs am Wohlergehen Deutschlands interessiert, das überall sein schlimmster Konkurrent sei. Aber die deutsch-jüdischen Londoner Bankiers, die in der City eine gewaltige Macht bildeten, hätten, ebenso wie ihre Brüder in New York, riesige Sqmmen in ihrem ״geistigen Vaterlande“ investiert, und leider auch Engländer zu der* selben Torheit verleitet, und jetzt versuchten diese Kreise die englische Politik zu den größten Anstrengungen zu treiben, nur damit sie nicht durch einen deutschen Zusammenbruch ihr Geld verlören! — Dieser Angriff, der übrigens im Ton von der bei uns eingerissenen Verwilderung noch weit ent* fernt ist, zeigt die ganze Absurdität der jüdischen Lage! Während der ״Völkische Beobachter“ in jeder Nummer gegen die ״internationale jüdische Hochfinanz“ als gegen den schlimmsten, auf den Ruin Deutschlands hinarbeiten* den Feind hetzt, greifen die englischen Chauvinisten dieselbe jüdische Hochfinanz an, weil sie Deutschland partout helfen wolle! Was die Juden auch immer tun mögen — es ist nichts als Verrat. Deutsche and Juden in Rumänien Die jüdisch-rumänischen Deputierten Dr. Max Diamant und Dr. Manfred Reifer erhielten vom Deutschen Volksrat in Czernowitz ein Schreiben, in welchem den genannten Depürierten der Dank der am 20. d. M. im Deutschen Hause abgehaltenen Versammlung und auch des Deutschen Volksrates dafür ausgesprochen wird, daß sie in offener Kammer- Sitzung bzw. in der Schulkommission des Parlaments sich für die Erhaltung des Czernowitzer Deutschen Gymnasiums in seinem vollen Umfange eingesetzt haben. — In dem Schreiben wird zum Ausdruck gebracht, daß die Haltung der jüdischen Deputierten in erster Linie vom Gerechtigkeits- und Solidaritätsgefühl mit allen Minderheiten des Landes diktiert war. * Wie wir schon kürzlich berichtet haben, hat an dem Kongreß der rumänischen nationalistischen Studenten inGroßwardein auch ein Vertreter der deutschen Nationalsozialisten namens Karl Motz teilgenommen. Es scheint jedoch, daß die Mission des Herrn Motz weniger mit einer internationalen Kooperation der Antisemiten zu tun hat als vielmehr mit einem Versuch der Nationalsozialisten, für die Zeit ihrer kommenden Herrschaft in Deutschland eine Außenpolitik vorzubereiten. Unter diesem Gesichtspunkt gewinnen Mitteilungen der Kisehenewer jiddischen Tageszeitung ״Unsere Zeit“ an Interesse, die erfahren haben will, daß Herr Motz mit der rumänisehen Cuza-Gruppe eine Art Pakt abgeschlossen hat, worin u. a. die rumänische Westgrenze garantiert wird. Es ist bekannt, daß der Balkan und insbesondere Rumänien in den Vorstellungen mancher nationalsozialistischen Kreise von einem ״zwischeneuropäischen Raum“ eine besondere Rolle spielt. Vom jüdischen Standpunkt Ist ein Bericht der Zeitung ״Uj Kelet“ von Interesse, den das Blatt direkt von dem Unterstaatssekretär für nationale Minderheiten, Dr. Rudolf Brandsch, erhalten haben will. Dr. Brandsch, bekanntlich ein Deutscher, vertritt in der rumänischen Regierung die Interessen sämtlicher Minderheiten, also auch der Juden. Nach dem Bericht des ״Uj Kelet“ hatte Dr. Brandsch ein Gespräch mit dem nationalsozialistischen Delegierten Karl Motz, wobei der Unterstaatssekretär auf Befragen die national jüdischen Anschauungen der rumänisehen Juden charakterisierte. Darauf soll Herr Motz geantwortet haben: ״Für Juden mit solchen Anschauungen habe ich jeden Respekt und ziehe meinen Hut vor ihnen. Der Nationalsozialismus wendet sich nicht gegen solche Juden.“ Wir wissen nicht, welcher Wahrheitsgehalt diesen Berichten zukommt und auch nicht, ob Herr Motz wirklich offizieller Sprecher der Nationalsozialisten ist und ob er die hier erwähnten Aeußerungen getan hat. Wir begnügen uns also mit der Wiedergabe der Berichte, zu denen sich ein Kommentar ohnedies erübrigt, _