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Jüdische Rundschau · 1932-01-05 · Heft 1 (5.1.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 1 (5.1.1932)
Date
1932-01-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1, 5.11932 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seit« 3 Die Revisionistentagung in Warschau (Von unserem Korrespondenten.) Wie bringen nachstehend einen Bericht untere» Wartehauer Karrttpondenten, der!ich aller krititchen Urteile enthält. Wir behalten uns vor, zu dem auf dimer Konferenz von den revisionistischen Führern entwickelten neuen Programm noch Stellung zu nehmen. Red. —g. Warschau, 31. Dezember 1931. Die vom 27.—30. Dezember in Warschau mit Beteiligung von etwa 200 Delegierten abgehaltene Konferenz der Revisionisten Polens hat wegen der Teilnahme von Jabotinsky und Groß mann und ihrer Erklärungen eine über die Landesgrenze hinausgehende Bedeutung. Da — wie Großmann sagte — eine Weltkonferenz der Union infolge finanzieller Schwierigkeiten in der nächsten Zeit nicht zusammen treten kann, wählte man die Tribüne der polnischen Landeskonferenz, um die neuen Wege und Ziele der Bewegung zu verkünden. Die Bedeutung dieser Konferenz liegt ferner darin, daß die stärkste Landesorganisation der Revisionisten zu den B e - Schlüssen von Calais, zumal nach der letzten unzweideutigen Erklärung der Exekutive der Zionistischen Weit- Organisation, Stellung zu nehmen hatte. Ferner nahm die Konferenz Beschlüsse an, die endlich Klarheit im allgemein-zionistischen Lager Polens schaffen werden. Das neue politische Programm der Revisionisten, das in den Referaten Großmanns und Jabotinskis verkündet wurde, kann etwa folgendermaßen formuliert werden: Die gegenwärtige Krise der zionistischen Bewegung sei keine finanzielle, sondern eine Vertrauenskrise. Die zionistische Öffentlichkeit habe das Vertrauen zu Engfand vollständig verloren. Großbritannien, das in Herzen von 15 Millionen Juden eine große Hoffnung aufflackern ließ, habe durch seine 13jährige Herrschaft in Palästina diese große Hoffnung vernichtet und das jüdische Volk betrogen. Also habe England damit 15 Millionen Flammen angezündet, . die für das britische Weltreich keine geringe Gefahr sein können. Zwar hätte sich — objektiv genommen — das Verhältnis Englands zum Palästinaproblem nicht ändern müssen. Auch nach wie vor liege es im Interesse Englands, Palästina ln ein Land mit einer jüdischen Mehrheit zu verwandeln. Das Islam- und Indienproblem seien keinesfalls mit dem Palästinaproblem organisch verbunden. Die Moslems in Indien müssen m ihrem eigenen Interesse Verbündete Englands bleiben. Das verstehen auch viele Engländer sehr gut. In England gibt es auch noch ein Volksgewissen, an das man auch jetzt appellieren könne. Aber nicht die objektiven Umstände, wohl aber die psychologischen haben sich geändert. Und diese lassen es zwecklos erscheinen, eine Mobilisierung der englischen öffentlichen Meinung für unsere Sache zu versuchen. Diese Wandlung in England — meint Jabotinski — ist mit dem letzten Kongreß zeitlich zusammengefallen. Man erwartete dort von den Baseler Beschlüssen entweder eine Bestätigung des ״Kleinzionismus“ im Sinne Achad Haams, oder eine Auflehnung gegen das bisherige Regime und die Proklamierung eines neuen Zionismus In der Herzischen Formulierung. Nim ist weder das eine noch das andere geschehen. In England macht sich seit einer gewissen Zeit eine Erschlaffung des imperialistischen Dranges bemerkbar. Wir verlangen von England Macht und Willen uns zu helfen. Dazu ist England aber jetzt nicht mehr imstande. einer ökonomischen Reorganisation und die damit zusammenhängenden enormen wirtschaftlichen Schwierigketten machen es England unmöglich, sich mit unseren Problemen eingehend zu befassen. England hat genug eigene Sorgen. Wir können nicht mehr auf England als auf denjenigen Faktor bauen, der uns unseren Judenstaat durch ein Kolonisationsregime in Palästina verwirklichen hilft. Die Zeit der Orientierung auf England ist im Zionismus vorüber. Bisher war Großbritannien in Palästina gegenüber dem Nationalheim passiv. Schon dies war eine Vergewaltigung der Mandatsverpflichtungen. Jetzt aber begann eine neue Taktik Englands in Erez-lsrael. England beginnt aktiv zu werden, aber zugunsten der Araber. Damit endet das letzte Experiment mit England, das die Revisionisten noch vor Jahren unternommen haben. England kann uns nicht mehr hellen. Und diejenige Macht, die uns nicht helfen kann, bedeutet eine Störung für unser Werk. Wir erklären England keinen Krieg, aber wir stellen fest, daß wir uns nicht mehr auf England orientieren. Unabhängig von den Revisionisten — meint Jabotinski — sei schon das jüdische Volk psychologisch antienglisch eingestellt. Die Revisionisten gehen nun daran, neue Wegein der Politik zu suchen. Das Programm ist noch nicht klar. Es ergeben sich aus der oben geschilderten Sachlage verschie dene Möglichkeiten. Der Schwerpunkt müsse von London nach Palästina verlegt werden. Der Jischuw, der nicht mehr auf Hilfe von draußen rechnen kann, könnte sich eines Tages mit der arabischen Bevölkerung des Landes verständigen (soviel Zertifikate, wie von der jetzigen Londoner Regierung, werde man direkt von den Arabern sicher bekommen) und dann könnten Juden und Araber ge meinsam vor dem Völkerbund erscheinen und den Mandatsverzicht Englands verlangen. Die Kleinmütigen in Palästina beginnen schon solche Pläne zu spinnen. Und die Mutigerei; unter der palästinensischen Jugend haben schon anläßlich der Volkszählung die Losung der Nlchtkooperation mit England ausgegeben, und dafür schmachten sie jetzt in Gefängnissen. Aber wir sind in Palästina schon stark genug — erklärte Großmann — um die Regierungsmaschine, die gegen uns gerichtet ist, empfindlich in ihrem Gange zu stören. England spiele im ganzen Orient eine verdächtige Rolle. Ueberall mobilisiere Großbritannien die finsteren Eiemente gegen den Fortschritt und Zivilisation. Wir müssen ruft Jabotinski aus — dieses Spiel Englands Im Orient vor der ganzen Welt demaskieren. Jabotinski glaubt, daß eine Zeit anbrech«! kann, wo große Revisionen in der Welt vor sich gehen werden und für diesen Zeitpunkt müssen wir gerüstet sein. Vielleicht können wir die Freundschaft einer neuen Macht gewinnen, die bei gewissen Umständen und Gegenleistungen unsererseits bereif sein werde, uns hei der Verwirklichung unseres Traumes zu helfen? Für alle Fälle müsse das jüdische Volk das jüdische Land und in erster Linie die jüdische Jugend für diesen Tag der Entscheidung vorbereiten. Aber bis dahin? Welches Arbeitsprogramm habe der Revisionismus für die nächste Zukunft für seine Anhänger? Auch diesbezüglich sollte nach einer Aeußerung Großmanns — diese Konferenz ein neues Wort aussprechen. EÄe neue Parole heißt: Tozereth Haarez und Or■ garisierung von Kooperativen und Spargruppen zwecks Uebersiedlung nicht nur der Jugend, sondern auch anderer Schichten der Judenheit nach Palästina, aber nicht gemiS den bisherigen Prinzipien der Kollektivsammlung und KoDektivtiedfcüig, sondern mit kollektiver Anstrengung solle dem Einzelnen geholfen werden, sich wirtschaftlich In Erez-lsrael einzufügen, Ueber Propagandamethoden für Tozereth Haarez hielt Jabotinski ein ausführliches Referat, worin er u. a. meinte, dies sei jetzt, wo man keine politische Arbeit leisten und für die Fonds nicht recht gut arbeiten kann, die nützlichste zionistische Beschäftigung, insbesondere für die jüdische Jugend. Die Konferenz hatte für diese politischen Ausführungen der Führer weniger Verständnis als für die leidenschaftlichen Debatten für oder gegen Ratifizierung der Beschlüsse von Calais. Wie aut dem politisch-programmatischen Gebiete, so auch auf dem organisatorischen, stellte sich zum Schluß der Tagung heraus, daß die Delegierten, wie die ganze revisionistische Anhängerschaft, insbesondere die Jugend (die ״Trumeldorianer“,.eigentlich nur die Geführten sind und dem ührer blindlings folgen, auch wenn sie, wie im Falle ״Calais“, ganz anderer Meinung sind als Jabotinski. Und trotzdem sich die Mehrzahl, wie die Debatte zeigte, gegen die Ratifikation sträubte, stimmte doch die überwiegende Zahl der Delegierten für Ratifikation (134 für, 14 gegen, 12 Stimmenthaltungenj. Jabotinski setzte die ganze Kraft seiner Persönlichkeit und seiner Argumentation für die Ratifikation ein und setzte seinen Willen durch. Zwecks Begründung der Richtigkeit und Unvermeidlichkeit der Beschlüsse von Calais gaben Großmann und Jabotinski zuerst eine kritische Abschätzung des letzten Kongresses und der neuen Exekutive. Man habe unser Prioritätsrecht in Palästina aufgegeben und an dessen Stelle das Prinzip der Parität gesetzt. Die neue Exekutive begnüge sich mit dem ״Status quo“ und sei unfähig, etwas Positives zu unternehmen. Während aber Großmann noch an die Zionistische Organisation und ihre Rekonstruktionsmöglichkeiten auf dem nächsten Kongresse glaubt und gewillt ist, in der Organisation zu bleiben, erklärte Jabotinski wiederholt, daß er diesen Glauben restlos verloren habe und niemand ihn zwängen könne, den Schekel zu kaufen. Und da nun innerhalb der revisionistischen Union Vertreter dieser beiden Richtungen seit dem Kongresse vorhanden sind, drohte der Union eine Spaltung, der die Beschlüsse von Calais Vorbeugen sollen. Diesen Weg bezeichneten Großmann und Jabotinski als den einzig möglichen und logischen im jetzigen Augenblick. Die Revisionisten beurteilen zwar die Lebenskraft der Zionistischen Organisation verschieden, aber es vereinigt sie alle der Judenstaatsgedanke und der Wille, eine selbständige politische Arbeit zu führen. Dies sei aber im Rahmen der Zionistischen Weltorganisation für die Revisionisten unmöglich. Bis zum nächsten Kongresse werden sich beide Riehtungen in der Union jeder Propaganda für oder gegen den Schekel enthalten. Es sei aber nicht ausgeschlossen, erklärte Jabotinski, daß unmittelbar vor dem Kongresse eine revisionistische Schekelagitation einsetzen werde, um die Zionistische Organisation zu erobern. Die Beschlüsse von Calais sind vielleicht unbequem, aber die Bequemlichkeit — forderte Jabotinski — müsse für die Einheit der revisionistischen Organisation geopf ert werden. Viele Redner, insbesondere aus der Provinz, machten während der Debatte die größten Anstrengungen, um die Ratifikation zu verhindern. Wenn wir auf noch ein Experiment mit England eingingen, meinte einer der Delegierten, können wir doch noch die letzte Probe mit den Zionisten machen und mit ihnen gemeinsam zum 18. Kongresse gehen. Es gab auch Stimmen, die gegen die Ratifikation sprachen, weil sie den unbedingten Austritt aus der Zionistischen Welt- Organisation verlangten. Eine ganze Nacht währte diese Sitzung und endlich kam das für die Führer gewünschte Resultat zustande. Die Konferenz beschloß im Zusammenhang damit, daß die Revisionisten sich überall für die Schaffeig van Territorial verbinden einzusetzen haben. Ferner wurde mit derselben Stimmenmehrheit beschlossen, aus der allgemeinzionistischen Landesorganisation auszutreten. Das bedeutet zunächst, daß der für Ende Januar anberaumte Delegiertentag der Allgemeinen Zionisten Kongreß- Polens (der bereits Anfang Dezember zusammentreten sollte und verschoben wurde, um den Beschluß der Revisionisten abzuwarten), nunmehr von den Revisionisten nicht beschickt werden wird. Welche Haltung wird jetzt die Gruppe ״Eth Liwnoth“ einnehmen? Nachdem sie bereits zur Vereinigung mit dem ״Al Hamischmar“ bereit waren, worüber hier schon berichtet wurde, zogen sie sich dann wieder zurück und hofften noch auf eine Koalition mit den Revisionisten. Für die ״Eth Liwnoth“ bedeutet der Exodus der Revisionisten eine große Enttäuschung. Die Londoner ״Times“ brachte einen Bericht ihres Warschauer Korrespondenten über dieRedeJabotinskys, in der er zum Kampf gegen England aufruft. In der ״Times“ vom 1. Januar ist ein Brief von Dr. Eder als Präsident der English Zionist Federation veröffentlicht, worin er unter Bezugnahme auf diesen Bericht erklärt, daß der Rat der zionistischen Föderation Großbritanniens ״von den Jabotinsky zugeschriebenen unverantwortlichen Aeußerungen abrückt“, Presseschaa ״ManchesterGuardian“ veröffentlicht einen Längeren Artikel ihres Jerusalemer Korrespondenten, in welchem die Ansicht zum Ausdruck gebracht wird, daß die Finanzkrise in Großbritannien den Plan der Aufbringung einer Anleihe von 2500000 Pfund für die landwirtschaftliche Ent• Wicklung Palästinas gewissermaßen verschlungen zu haben scheint. Darüber seien aber weder die Araber noch die Juden außer Fassung gebracht. Die Araber brachten dem Plan von Anfang an keine Sympathie entgegen, weil dessen Durchführung dazu angetan gewesen wäre, ihre Politik der Non-cooperation zu stören. Die Araber argumentieren, die Verwirklichung des Planes würde die jüdische Einwanderung steigern. Außerdem habe die Großgrundbesitzer-Klasse kein Interesse an der Intensivierung ihres Bodens, der heute von den Pächtern nach dem alten Feudalsystem bewirtschaftet wird. Auch auf der Seite der Juden hat der Plan keinen Enthusiasmus geweckt. Die Juden, die die Basis der Simpsonschen Konklusionen ablehnen, bringen auch dem vorgeschlagenen Heilmittel Argwohn entgegen. Trotzdem haben sie den Landentwicklungsplan, wenigstens nach außen hin, mit einem gewissen Wohlwollen aufgenommen. Sie sind jetzt der Ansicht, daß von Simpson-Bericht und MacDonald-Brief bis auf den Namen wenig übrig darf aiisf Levante-Messe in Tel-Awiw. Eine große Reihe angesehener polnischer Textil-Industrieller in Lodz, Bialystok und in anderen Industriezentren, sowie die Glashütten von Pietrkow, ebenso mehrere Firmen der chemischen Industrie haben bereits die Beschickung der Ausstellung angemeldet. — Das Departement für Außenhandel der e n g 1 i s c h e n Regierung versandte ein Kommuniquee an die englische Presse, in welchem auf die außerordentliche Bedeutung der Levante-Messe in Tel-Awiw für den englische« Handel im Nahm Osten hingewiesen wird. Im Laufe des Monats Dezember 1931 kamen, wie soeben vom Einvanderungsamt mitgeteilt wird, 499 Juden, 139 Christen und 15 Moslems nach Palästina. Im gleichen Monat verließen 80 Personen das Land« Zur Berliner zionistischen Stadtkonferenz Von MaxTischler. Soll trotz der Ungunst der Verhältnisse und trotz der erschwerten Arbeitsbedingungen unsere Arbeit für Palästina weitergefulirt ־׳ - ja ausgebaut werden —, so muß jetzt von allen Zionist e n praktische Arbeit geleistet werden. Bevor Vorschläge zur praktischen Arbeit gemacht werden können, soll zuerst etwas über ihre Träger gesagt werden. In jeder politischen Organisation oder Partei ist cs so, daß — abgesehen von Führung, politischen Verhandlungen und ähnlicher Arbeit, die naturgemäß nur von kleineren Kreisen geleistet werden können — die Hauptträger der Arbeit die Grundgebilde der Organisation, wie Ortsgruppen, Zellen und ähnliches, sind. Die Werbefähigkeit von Organisationen, ihre Entwicklung und Leistung hängt also letzten Endes immer davon ab, welcher Geist und welche Aktivität diesen Grundge bi Iden innewohnt. Es gab Ixet uns von Anfang an neben der natürlichen, horizontalen Schichtung nach Ortsgruppen eine vertikale Gliederung nach Parteien, Jugendbünden, Berufsgruppen usw. Mit zunehmendem Alter des Zionismus begannen die Ursprungliehen, lebendigen Organisationsformen der Bewegung mehr und mehr nur noch Formen zu sein und ihre Inhalte zu verlieren. Von dieser Entwicklung wurden vor allem viele Ortsgruppen, besonders in Berlin, betroffen, während die vertikalen Gliederungen fürs erste weniger unter dieser Entwicklung zu leiden hatten. Die Ortsgruppen verflachten — dies besonders in den größten Städten - bis sie schließlich ihre Rolle als Mittelpunkt zionistischen Lebens ausgespielt hatten. Ein geeigneter Ersatz konnte nicht gefunden werden. Darunter litt nicht nur die eigentliche zionistische Arbeit und Werbetätigkeit ־— in welchem Umfang sehen wir erst heute, wo wir uns unter schwersten äußeren Bedingungen für unsere Sache zu bewähren haben — sondern auch die vertikalen Gliederungen, die ja die aktiven Elemente aus den Ortsgruppen an sich gezogen haben. Es zeigt sich dort bei weitem nicht jene »onistische Werbefähigkeit und Aktivität, die sie früher, wo es den fruchtbaren Austausch zwischen Längs- und Querverbindüngen des Zionismus gab, besessen haben. Die Aufgabe ist also, die Ortsgruppe neu zu beleben und ihr durch aktive, selbständige Mensch« Impulse zu truchtbarer Arbeit zu geben. Jeder organisierte Zionist muß einer Ortsgruppe angehören und an ihrer Arbeit teilnehmen. Diese Forderung wird sich. — das ist klar — nur nach und nach verwirklich« lass«. Wir können jedoch heute schon die Erreichung dieses Idealzustandes fördern, wenn bei uns Gesetz wird, daß jeder zionistische Funktionär und Repräsentant verpflichtet ist, einer Ortsgruppe anzugehören. Bezeichnend für den ungesund« Zustand unserer Bewegung ist es, daß heute fci der Regel die zionistischen Führer kleiner« und größer« Kalibers ohne Fühlung mit der Allgemeinheit der Zionist« sind. Man wird z. B. bei all« Veranstaltung« Berliner Beziricsgrupp« vergeblich die bekannten zionistischen Führer unter dm Zuhörem suchen. Der Typ des rein« Repräsentationszionistm, der in einem Gremium sitzt und nur vor Wahl«, w«n es zionistische Politik zu beeinflussen oder gewählt zu werdm gilt, in der Oeffentlichkeit sichtbar wird, hat überhand genommen und muß abgebaut werd«. Eten Zionismus führ« und repräsentieren kann nur, wer sich um d« zionistischen Alltag kümmert und seine Arbeit beispielgebend leistet Ab- Weichlingen hiervon könn« in einzelnen Fall« gestattet werdra. Bei einem derartig« Aufbau der Organisation würde das Interesse des einzelnen Zionist« an seiner Ortsgruppe und sein Vertrau« zur zionistisch« Führung steig«. Che Ortsgruppen würden wieder Mittelpunkte zionistisch« Lebens und zionistischer Arbeit sein. Zur Tätigkeit der Ortsgruppe kam kurz folgendes gesagt werd«; 1. Eine Ortsgruppe kann nur leb«, wem als Zmtrun» ein fester Kern interessierter und arbeitswilliger Zionisten vorhanden ist. Die meist« Berliner Beziricsgrupp« sind daran zugrunde gegangen, daß diese alt« Zc’.’ 3a Lauf der Jahre auseinandergefalieti sind und man immer wieder <fcn vergeh- Kchen Versuch machte, mit denselben alt« Kraft« die Grupp« weiterzuführen. Soll ein neuer Versuch auf diesem Gebiet Erfolg habra, so muß die Arbeit damit beginn«, dies« Kern aus jungen, in dieser Arbeit noch unverbraucht« M«sch« zu bilden. Einige Versuche dieser Art, die zu Beginn dieses Winters in Berlin unternommen wund«, bestätig« bisher die Richtigkeit dieser Anschauung. 2. Die Veranstaltung von Vortrapabenden ist notwendig, genügt aber nicht. Wichtig ist die bereits alte Feststellung, daß sich in einer Ortsgruppe nur dann wirkliches Leb« entwickeln kann, wenn die Veranstaltung« mindestens 14tigig stattfinden und auch zwischendurch etwas für die «gere Fühlungnahme der einzelnen Angehörigen der Bezirksgruppen durch Ab- Haltung von Arbeitsgemeinschaften, Veranstaltung« von Kurs« usw. geschieht. Diese Regelmäßigkeit der Veranstaltung« und Interessierung an der Arbeit ist besonders in Berlin mit sein« groß« Abknkungsmöglichkeit« notwendig. 3. Die Vorträge müssen aktualisiert und auf neue M«sch« eingestellt werden, Die gegenwärtige Entwicklung mit ihren ständig wachsenden und sich verschärfend« Problemen bietet ausreichend Möglichkeiten, den Zionismus und seine Grund- Wahrheit« über das jüdische Problem zeitgemäß, interessant, und dabei doch nicht oberflächlich darzustellen. Diese Vorträge muss« aber, wie überhaupt die Arbeit der Ortsgrupp«, neben der Befriedigung des Informations- und Bildungsbedürfnisses auf die Werbung neuer Mensch« eingestellt sein. Ke Möglichkeit zur Werbung ist gegeben, nur ist sie bisher nicht genügend ausgenutzt worden. 4. Gerade in der gegenwärtig« Zeit mit ihren Sorg« um die Behauptung in Deutschland muß bei der Arbeit in d« Ortsgruppen Palästina als unsere Aufgabe in den Mittelpunkt gerückt werden. Dies soll nicht nur bei der Auswahl der Vortragsthemen geschehen, sondern vor allem in der praktischen Arbeit. Die Ortsgruppe muß sich daher h» ihrem Bezirk verantwortlich fühlen: al Für Schekelarbeit, b) für Keren Hajessod, c) für Keren Kajemeth. Verantwortlich fühlen heißt, diese alt« zionistischen Arbeitsgebiete, die in Berlin bisher der ״Meinekestraße“ überlassen wurden, so weit als notwendig wieder selbst zu übernehm«, 5. Neben diesen «historischen“ Arbeitsgebiet« gibt es neue, in der Oeffentlichkeit kaum bekannte, die in Angriff ge* nommen werd« muss«. Dazu gehören: at Förderung von Tozereth Haarez, b) Ausbau der wirtschaftlich« Verbindung« mit Palästina, c) Vorbereitung der Alijah mittelständischer Elemente. Die Bedeutung dieser Arbeitsgebiete ist augenscheinlich. Im Rahmen dieses Artikels können Einzelheiten hierzu nicht gesagt werden. Dazu wird auf der Stadtkonferenz Geleg«- hat sein. Diese Uebersicht hat gezeigt, daß einerseits die Ortsgrupp« notwendig und andererseits Arbeitsgebiete für sie vorhanden sind. Die Arbeit muß nur wieder zielbewußt und mit energischen Händen angefaßt werden, um fruchtbare Resuitate zu «geben. Ke entscheidende Wendung hierzu soll die Stadtkonferenz bring«.

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