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Jüdische Rundschau · 1932-01-05 · Heft 1 (5.1.1932) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVII (1932)
Issue
Heft 1 (5.1.1932)
Date
1932-01-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 1, 5. t» 1932 Der Friedens ~ Jugendta# in Ben~$d1emen Von Dr. Ernst Simon, Haifa. Infolge der großen Raamknappheit konnte der Bericht von Erntt Simon über das Jugendtreffen in Ben-Schemen bisher nicht veröffentlicht werden. Obwohl inzwischen das Ereignis bereits ein Vierteljahr zurückliegt, glauben wir doch, daß der Bericht noch heute bei vielen fiesem Interesse finden wird, da sowohl die Schilderung des äußeren Verlaufes eines so eigenartigen palästinensischen Festes als auch die Darstellung der geistigen Auseinandersetzung in gewissem Sinn vom Datum unabhängig sind. IMder können wir den Beitrag, der nach den eigenen Erklärungen des Verfassers — wenigstens teilweise — als subjektive Betrachtung zu werten ist, nur mit starken Kürzungen tum Abdruck bringen. Red. Der Verlauf Dr. Siegfried Lehmann, der Begründer und Letter des Jugenddorfes Ben-Schemen, hatte seit langem den Plan erwogen, den Kundgebungen europäischer Jugend, die sich alljährlich zum ״Weltfriedenstag“, dem 4, August, zu versammeln pflegen, eine gleichgerichtete Manifestation der jüdischeu Jugend Palästinas zur Seite zu stellen. Nach langen Verhandlungen mit den Jugendorganisationen der Arbeiterschaft und der linksbürgerlkhen Mitte gelang es schließlich, sich auf ein gemeinsames’ Programm zu einigen. So fand die Tagung schließlich am Sabbath — Simchat Torah — dem 3. und 4. Oktober, in Bcn-Schemen statt. Viele Hunderte von jungen Menschen bevölkerten die Landstraße nach Bai-Schemen in Automobilen und Wagen, zu Rad und zu Fuß. Es sind über 1500 Gäste in Ben-Schemen zusammengetroffen, so daß, mit den Bewohnern des Jugenddorfes selber und der benachbarten Kolonie, insgesamt etwa 2000 Festteilnehmer vorhanden waren. Es ist mehr als ein Zeichen äußerer Ordnung und Disziplin, es ist ein Beweis innerer Gesittung, daß die Verteilung, Unterbringung und Verpflegung solcher Massen in hervorragender Weise und ohne jede sientbare Schwierigkeit gelang; es ist aber vor allem ein Beweis der bewunderungswürdigen Organisationsfähigkeit Ben- Schemens und seiner Leitung. Die Feier begann am Freitagabend mit einer gemeinsamen Mahlzeit auf dem großen Platz vor dem Hauptgebäude des Jugenddorfes. Der Platz war schön ausgeschmückt; Girfanden, viele Lichter, eine Ausstellung der Ernteerzeugnisse zum ״Feste des Einsammelns“, dazu die beinahe unendlichen Reihen weißgedeckter Tische boten in der herrlich linden palästinensischen Nacht ein beinahe zauberhaftes Bild. Nachdem alles Platz genommen, ertönte Musik; zwei Lehrer der Anstalt spielten mehrere Stücke von Bach, die in andächtigem Schweigen aufgenonunen wurden. Dann begrüßte ein anderer Lehrer und las einige Verse aus dem Buche Nechcmia vor, in denen sowohl von der Rückkehr Israels nach Palästina wie vom Hüttenfeste die Rede ist In seinen einleitenden Worten betonte er die Notwendigkeit unsere neue Kultur auf den Grundlagen der alten aufzubauen. Nach dem Essen hielt Salman Rubaschow das erste der vorgesehenen Referate ״Der Sozialismus und die Friedensbewegung“. Hierauf begab sich die ganze Versammlung zur Freilichtbühne, um dort bemerkenswert gut gespielte Szenen aus Remarques ״Im Westen nichts Neues“ und verschiedenen Stücken Ernst Tollers zu hören, die geschickt zu einem einheitlichen Ganzen verbunden waren. Der Gedanke des Völkerfriedens und der über ihm hin ausreichende der Oewaltlosigkeit auch in den Klassenkämpfen wurde in diesen Szenen zum Ausdruck gebracht, wob« vielleicht die paiifierende Wirkung der Darstellung von Kriegsgreueln und Kriegsgefahren einem fugendpsycbologischen Zweifel unter• legen kann. Die Nacht, von den meisten Teilnehmern in ihren Zetten und Lagern wohl nicht allzu ruhig verbracht, war kaum vorüber, als der neue Tag schon wieder mit neuen Darbietungen ein setzte. Um 7 Uhr Wettschwimmen in Ben-Schemens eigenem Bassin. soSter spef*teir? Wettkämpfe und em regdrechtes ״Fitlliikv..-......jiw ....׳-־ ׳; •■״־ ,־־»-»-J ׳■' Besucher, von denen andere wieder sich zu theoretischen Besprechungen im Rahmen ihrer Verbände versammelten. Um 9 Uhr nahmen dann die Hauptverhandlungen ihren Fortgang, die durch zwei Referate eingeleitet wurden: Michael Assaf behandelte das Thema ״Der Zionismus und die Friedensbewegung“; dann hielt ich mein Referat über ״Die Friedensidee im Judentum“. Eine lebhafte Diskussion, an der sich Vertreter der meisten Jugendorganisationen sowie eingeladene Einzel- Personen, unter ihnen Nathan Chofschi, Moses Calvary und Abraham Schwadron beteiligten, wurde von einem Jugendlichen ausgezeichnet geleitet und in einer Disziplin geführt, die den politischen Auseinandersetzungen der Parteien mir zu wünschen wäre. Um die Mittagszeit trafen zahlreiche arabische Gäste aus der Umgebung in Ben-Schemen ein — es mögen 150 bis 200 gewesen sein — Scheichs, Lehrer, Beamte, aber auch einfache Fellachen. Alle wurden auf das freundlichste aufgenommen und bewirtet. Außerdem wurde die Mittagspause zur Besichtigung einer recht umfangreichen ״Anti-Kriegs-Aus- Stellung“ benutzt, die in Statistiken und Diagrammen sowie in Photographien die Schrecken des Krieges zeigt. Vielleicht noch wirksamer mag der positive Teil der Ausstellung gewesen sein, der in einem nicht sofort, aber dann um so tiefer einleuchtenden Zusammenhang mit dem Hauptthema wundervolle Bilder des menschlichen Antlitzes, dieses ewig unzerstörbaren Heiligtums, geben ließ. Gegen 3 Uhr nachmittags versammelte sich die Festgemeinde, die nun allmählich wirklich immer mehr zur Oemeinde zusammenwuchs, wieder auf dem großen Platze, und nun folgte wohl der schönste Teil des Ganzen. Es wurden Tänze gezeigt, Tänze von allen Völkern der Welt, in den ihnen eigenartigen Kostümen und Ausdrucksbewegungen. Der einleitende Sprecher hob den Gedanken hervor, daß in der Bewegung des Körpers, die bei jedem Volke national gestaltet ist, doch ein Mittel übernational«• Verständigung gegeben sei, einer Verständigung, die nicht erst der Erlernung fremder Sprachen bedarf. Dann folgten die Tänze, von Frau Gert Kaufmann mit vollendetem Üeberblick einstudiert und von den zahlreichen jugendlichen Mitwirkenden mit voller Hingabe und großem Temperament aufgeführt. Sie begannen mit Darbietungen der ״Stämme Israels“: eine künstlerisch getanzte Horra, ein Jemenitentanz, ein bucharischer Bräutigam mit seiner Braut Daum erschienen fünf junge arabische Fellachen, von der Jugend gleich mit Beifall begrüßt, um ihnen zu zeigen, daß man ihre aktive Mitwirkung an diesem Feste des jüdischen Palästinas zu würdigen weiß. Auch sie zeigten die ganze edle Elastizität einer alten Kulturrasse. Zum Westen übergehend kamen eigenartige Tänze fast aller europäischer Kultornationen zu ihrem Recht, bis man sich zum Schluß über die Randstaaten, Polen, Rußland und Kaukasien wieder Palästina näherte und durch eine zweite Horra, in anderem Stil, das Ende mit dem Anfang verknüpfte. Noch stundenlang später wurden die Tänze ״prfvatim“ fortgesetzt, wobei vielfach arabische und jüdische Jugend gemeinsame Gruppen bildeten. Als die Nacht herniedersank, versammelte man sich noch einmal, um dem Sprechchor des Tel-Awiwer ״Hapoel“ zu lauschen. Zum Schluß sprach Moses Calvary in wenigen, würdigen Worten die Quintessenz des Festes und auch den von allen Teilnehmern sehr aufrichtig empfundenen Dank für Ben-Schemen und Dr. Lehmann aus, worauf die Propheten- «orte aus Jesaia und Micha erklangen, die von jener Zcü künden, in der die Schwerter zu Sicheln umgeschmiedet werden. Dann tragen die Autos die Gäste wieder an die Stätten ihrer täglichen Arbeit. Der geitilge Erfrag Abgesehen von dem stimmungsmäßigen Anstoß, den der Tag wohl zweifellos allen Teilnehmern gebracht hat, muß nun auch von dem eigentlichen Inhalt der gehörten Referate und Diskussionsreden gesprochen werden. Es sei zunächst der Versuch gemacht, deren Hauptgedanken unter Zurück- Stellung der Kritik möglichst objektiv wiederzugeben. Rubaschow führte uns zurück ins Jahr 1912, zu jener Friedenstagung der sozialistischen Internationale im Baseler Münster, die damals, kaum zwei Jahre vor Ausbruch des Weltkrieges, über Mittel und Wege beriet, um das Völkermorden zu verhindern, und in ein grandioses Treue- und Solidaritäts-Gelöbnis des geeinigten und zum Widerstand gegen jeden imperialistischen Krieg entschlossenen Proletariats ausklang. Wie war es angesichts solcher Vorbereitungen möglich, daß die Internationale trotzdem kaum einen ernsthaften Versuch gemacht hat, die Ereignisse vom Juli und August 1914 wirksam im Sinne ihrer Beschlüsse zu beeinflussen? Es lag an der allzu illusionären Orientierung der damaligen Sozialdemokratie zum Gegenwartsstaate. Die bittere Lehre aus diesem Versagen muß der unbeugsame Entschluß sein, schon jetzt, noch vor dem vollendeten Umbau der heutigen Gesell- Schaftsordnung, auf ihre Leitung in dem Sinne Einfluß zu nehmen, daß sowohl Kriege zwischen Staaten wie die sie erst ermöglichende zwangsweise Wehrpflicht abgeschafft werden. Der ausgeprägte Internationalismus der jüdischen Sozialisten und Revolutionäre der Neuzeit, von Heinrich Heine bis Trotzki, hatte in den Augen der anderen etwas Unglaubwürdiges, weil er als ein ״ideologischer Ueberbau“ der Zer- Streuung Israels erschien. Erst die Sammlung des jüdischen Volkes im Lande wird den echten jüdischen Internationalismus ermöglichen. Assaf charakterisierte zunächst den bürgerlichen ״utopischen“ Pazifismus, der an einen rein politischen Frieden ohne Umbildung der Gesellschaft durch die Herrschaft der Arbeitcrklasse glaubt; ein solcher Frieden könne nicht von Dauer sein. Auf der anderen Seite sei das internationale Proletariat mit seinen Interessen auf die Erhaltung des Weltfriedens angewiesen. Für den Zionismus bedeutet dies, daß nur seine organisierte Arbeiterbewegung die Trägerin wirksamer Friedenstendenzen sein könne, und weiterhin, daß er eine doppelte Front zu halten habe: einmal gegen die ungerechtfertigten Ansprüche des arabischen Imperialismus, der die legitimsten Lebensnotwendigkeiten des jüdischen Volkes verneintj undzweitens gegen die chauvinistischen Strömungen im eigenen Lager. Selbst wenn aber die heutige Leitung der arabischen Nationalbewegung imperialistisch ist und also eine momentane Verständigung erschwert oder gar unmöglich macht, muß unsere prinzipielle Friedensbereitschaft bestehen bleiben, um im geeigneten Augenblick aktuell werden zu können. Ich selbst begann mit der Frage, ob eine jüdische Ver- Sammlung, ״in der die Thora am Tag ihrer Freude nicht einmal ein halbes Minjan fand“, überhaupt für das Thema ״Die Friedensidee 1m Judentum“ Interesse haben könne, da ihr zweifellos ״Sozialismus“ und ״Zionismus“ viel lebenswichtigere Fragen sind als gerade ״Judentum“. Die Frage winde bejaht unter Hinweis darauf, daß diese Jugend sich für Palistina statt für die Krim, für Hebräisch statt für Jiddisch entschieden hat und somit zwei große Komplexe der Tradition m ihr Leben auf nimmt In einem schnellen Üeberblick über Thora, Propheten, haggadisches und halachisches Schrifttum (Maimonides) sowie teuere Rcligtonsphflasophk, (Herma Stellungnahme des Judentums gegen den Krieg wahrheitsgemäß licht die Rede sein könne. Wenn demnach das Judentum kein einheitlich dogmatisches System, sondern ein lebendiger Prozeß ist, so obliegt es jeder Generation, und vielleicht besonders unserer heutigen in Palästina, diesen Prozeß mit zu entscheiden. Das kann in positivem Sinne nur in einer Gesinnung geschehen, die den Kampf gegen den jüdisehen Chauvinismus für wichtiger hält als den gegen den arabischen und die insbesondere die konkrete Frage klärt, welchen Preis man für den Frieden anzulegen gesonnen ist. Ke Diskussion brachte nur verhältnismäßig wenig Zustimmung zu den Gedanken der Referate und besonders viel Kritik am Inhalt des letzten. Zum Teil wurde erklärt, daß überhaupt die Wahl dieses Themas für die erste Tagung jüdischer Jugend in Palästina verfehlt gewesen sei: man hätte vielmehr den Aufbau des Landes in den Mittelpunkt stellen und in sein m Rahmen dann auch die Friedensfrage behandein sollen. Den größten Eindruck aut die Versammlung machten wohl zwei in sich sehr verschiedenartige Reden, nicht allein wegen ihres Inhalts, sondern auch wegen der sie tragenden Persönlichkeiten: die Ansprachen Nathan Chofscnis und Moses C a 1 v a r y s. Chofschi, Bauer in Nahalal, ein Mann der zweiten Aliiah, radikaler Vegetarianer und ״Naturalist", der sogar die Bestellung seines Ackers mit Kühen und Pferden verschmäht, richtete einen stillen, ganz unpathetischen, aber mindestens für den Augenblick sehr wirksamen Appell an die Versammlung, jeder Gewaltanwendung abzusagen und, im Sinne der ״Internationale der Kriegsdienstgegner“, sich an keinem Kriege, auch an dem gerechtest scheinenden, zu beteiligen. Calvary, der Pestalozzityp unter den palästinensisehen Lehrern, ging, im Gegensatz zu Chofschi, von der Bösheit der Natur, auch der Natur des Menschen, aus. Gerade sie, gerade der in der Natur Vorgefundene Daseinskampf und die uim im Menschen entsprechenden Mordtriebe aller Art, machen die Tragik unseres Kampfes für den Frieden aus, aber sie begründen auch seine Notwendigkeit. Der Wirklichkeit gegenüber haben wir eine doppelte Aufgabe: wir dürfen uns ihr nicht entziehen und wir dürfen uns mit ihr nicht zufrieden geben, sondern wir müssen sie aus ihrer vollen Kenntnis her zu verändern suchen. In den Schlußworten der Referenten — Assaf verziehtete — erläuterte ich in sehr begrenzter Redezeit nur meinen fTaktischen Vorschlag zur Schäftung einer Organisation von ugendführern, während Rubaschow noch einmal in länferer Rede seine Grundgedanken zusammenfassen konnte. r prägte sie in vier ״Miscbnajoth“: Jeder Nationalismus, der nicht international ist; jeder Parifismus, der nicht sozialistisch ist; jeder Zionismus, der die Rechte der Araber verkürzen will, und jeder Pazifismus in Palästina, der auf die volle Verwirklichung des Zionismus verrichtet, sind ״passul“, illegitim, ln positiver Wendung stellte Rubaschow zum Schluß den ungebrochenen Glauben an die einstmalige Sammlung der Diaspora“ gewissermaßen visionär dar und erwartete für diesen Augenblick auch eine nachträgliche historische Rechtfertigung der — insbesondere von mir — abgelehnten ״pseudomessianischen“ Bewegungen vor und im Zionismus. Keses einzige Mai folgte — sonst in Palästinas Jugendkreisen nicht üblicher — spontaner Beifall den Worten des Redners. Kritik und Ausblick Ke folgenden, naturgemäß ganz subjektiven Schlußausführungen sollen die Frage behandeln: was hat diese Tagung erreicht? Ke Gefahr derartiger Zusammenkünfte mit einer demonstrativen Losung besteht darin, daß eine Jugend, die in Wahr* heit gar nicht zum Frieden oder nicht zur Bezahlung seines konkreten Präses entschlossen ist, rieh bereits für ״parifistisch“ hält, weil sie an einer Kundgebung teilgenommen hat. Kese Gefahr ist meines Erachtens in Ben-Schemen nli c h t eingetreten. Das liegt zum Teil an der hier erstmalig geschaffenen Möglichkeit, daß Vertreter radikaler und fkansequenter Anschauungen persönlich zu einem ganz großen Jugendkreise, ja man darf sagen: zum repräsentativsten Teijle der arbeitenden Jugend Palästinas, sprechen durften, und in Ruhe und Würde, wenn auch unter starkem Widerspruch in der Kskussion, angehört wurden. Ke Vertreter der Jugend selbst aber haben das Hauptverdienst daran, daß jene Schlagwort- Beruhigung nicht eintrat. Gerade ihr Widerspruch, gerade die ehrliche Vorsicht, mit der man sich vor dem Namen Pazifismus scheute, ergab zwar eine in der Tat keineswegs pazifistische Gesinnung, ließ aber, der Ausgesprochenheit dieser Kfferenz wegen, die Möglichkeit ernsteren geistigen Ringens durchaus offen. Keser Judentyp, der schon durch seine Verknüpfung mit der Arbeit und das von ihm gelöste Berufs- Problem viel sachlicher und unschwärmerischer, aber freilich auch viel früher parteigebunden und viel dogmengläubiger ist als etwa die frühere deutsche Jugendbewegung, an die er in manchem Aeußerlichen erinnert, dieser Jugendtyp kann gerade, weil er so ganz der Wirklichkeit zugewandt ist, sie auch einmal sehen lernen, wenn sie ihm auch jetzt noch durch so offen pseudomessianische Illusionen wie die der letzten Worte Rubaschows verschleiert ist. Seine innere Kraft könnte versprechen, daß er auch dann seinen verhaltenen Schwung und sein inneres Feuer nicht verlieren wird, wenn ihm klar f" . Auf der Heimreise, am Sonntagmorgen mit dem Milchauto zur Bahn, fragte ich eine junge Mutter nach dem Namen des kleinen Sohnes, den sie aut dem Arm trug: ״Jechiam“ — das Volk wird leben, war die Antwort. Früher hat man unsere Kinder ״Jechiel“ genannt: Gott wird leben, es lebe Gott!, und in dieser Gewißheit war als selbstverständlich auch jene erste E* . liehen Einzelerscheinungen und ebenso in dieser Namensgebung zeigte und die an und für sich unwiderruflich scheint, möge sie nicht die Fähigkeit vernichten, im aktuellen ״Das Volk wird leben“ jenes ewige ״Gott wird leben“ mitzudenken. Das würde auch für die Frage des jüdischen Parifismus und des palästinensischen Friedens nicht die schlechteste Sicherung sein. _ Hinrichtung eines jüdisch-persischen Führers Aus Teheran kommt die kaum zu bezweifelnde Nachricht, daß dort der ehemalige jüdische Vertreter im Parlament Persiens (auf Grund der persischen Verfassung wählen die 60 000 persischen Juden in einer besonderen Kurie einen Parlaments- Vertreter), Schmuei Jecheskel Chaim, hingerichtet wurde. Er war wegen einer angeblichen Verschwörung gegen das Leben des Schah zum Tode verurteilt worden. Im Mal 1926 wurde Chaim verhaftet, kurz darauf aus der Haft entlassen, dann im Oktober 1926 neuerdings verhaftet und ungeachtet der von der ZionistischenExekutivein London zu seinen Gunsten unternommenen Interventionen bis zu sein« Hinrichtung in Haft gehalten worden. Chaim war im Mai . 'י auf Vorschlag der Zionisten Teherans zum Vertreter der E ative in Angelegenheit der Auswanderung persischer Jude« nach Palästina bestellt worden. Im Verlaufe der Bemühungen, Chaim freizubekommen, stellte sich heraus, daß der wirkliche Grund seiner Verhaftung die Absendung eines Briefes an den Völkerbund gewesen ist, in welchem sich Chaim Über d|e icMepbte Betowpaa der,•Men. I*t ..Perei« »ufge11!«Ät wSt®* Völkerbund in einem zweiten Schreib« mitzuteilen, daß die persische Regierung nunmehr alles veranlaßt habe, um die jüdischen Beschwerden gegenstandslos zu machen. Chaim we|- gerte sich, eine derartige Erklärung abzuschicken, es sei denn, man würde vorher die an der Verfolgung der Juden schuldigen Polizeifunktionäre maßregeln. Daraufhin wurde Chaim ver: haftet und wegen ״Verschwörung gegen den Schah“ zum Tode verurteilt. Leider fehlen bisher authentische Darlegungen der persischen Behörden. Bevor diese nicht vorliegen, muß man die über diesen Fall verbreiteten Meldungen als wahr unterstellen. Die persische Regierung sollte sich bemüßigt fühlen, über diese Sache, die im ganzen jüdischen Volk — -יי1--* —"— י" י ** “6 land, infolge der‘Forderung, ihr unbequeme persische Journalisten auszuweisen, Schaden gelitten. Wir behalten uns vor, nach Feststellung des genauen Tatbestandes auf diese Angelegenheit zurückzukommen. Nicht sparen bei der Polizei! Mahatma des palästinensischen Polizeikommandanfen In einem interessanten Vortrag in Jerusalem wandte sich der gegenwärtige Polizeikommandant Palästinas, Mr. Spicer, gegen die Vorschläge der O’Donnel-Kommission, die bekanntlich aus Sparsamkeitsgründen eine starke Verkleinerung der Polizei verlange. U. a. wies der Redner darauf hin, daß die Auflösung der Palästina-Gendarmerie im Jahre 1926 und der britisch« Gendarmerie 1928 sowie die Verkleinerung der Zahl der britischen Polizist« eine der Hauptur- Sachen der Unruhen von 1929 gewesen sind. Unter den gegenwärtigen Umstand«, bei der klein« Zahl der palästinensischen Polizisten müsse jedermann 14 Stunden und noch mehr arbeit«. In Palästina sei das Verhältnis von Polizei zur Bevölkerung 1:467, in Senegal 1:279, in anderen Orten 1:335, obwohl die palästinensische Kriminalität viel größer ist als beispielsweise die von Kenya. Der Redner er- Bärte daher, daß er entschieden gegen die weiteren Spar- Vorschläge auf dem Gebiete des Pohzeiwesens sei. Bei den bisher bereits durchgeführt« Abbaumaßnahmen im palästinensisch« Polizeiwes« ist auch ein großer Teil 4er Polizei-Musikkapelle aufgelöst worden. Entlassen wurde u. a. auch der Leiter der Musikkapelle, Mr. S i 1 v e r, einer der wenig« jüdischen Polizeioffiziere im Lande. Auch unter d« ander« entlassen« Polizeimusikanten ist der Großteil jüdisch. Aktion tflr das hebräische Bach Anläßlich der Anwesenheit von Bialik in Deutschland. Der Aufenthalt Bialiks in Deutschland soll zu einer Aktion, die der Verbreitung der hebräischen Literatur dient, ausgenutzt werden. Die beiden Verlage ״Dwir“ und ״Stybel“ haben sich zu einer gemeinsamen Propaganda vereinigt und schreiben Bücher-Subskriptionen gegen feste Jahres-Abonnements aus. Der Jahres-Abonnemenfspreis beträgt a) 42,— M., b) 105,— M., c) 210,— M. und mehr. Alle Kenner, Freunde und Lem«de der hebräischen Sprache werden aufgefordert, sich durch eigene Subskription und durch die Aufbringung von Abonnements an der Aktion zu beteiligen. Meldung« und Bestellungen können ergehen an: Brit Iwrit Olamit, Berlin W 15, Kurfürstendämm 61, sowie an: Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W. 15* Meinekestr, JO.

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