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Jüdische Rundschau · 1932-01-05 · Heft 1 (5.1.1932) · page 1

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/ ״ ^in Freden5 ’ fugendtaq in Palästina Einzelnummer OJtä Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erachemt jeden Diene tag u •Freitag. Bezugapreia bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldmark. AusUnctaabonnement« in dbt Wihrung der einxeloefi Lindur berechn w. Anwir.*'» pren, h c«p. Ncmpare1H«ctl0 0,50 G- M. St*Un1E«fturhe 0.25 G.-M. Nummer 1 Berlin, 9.1.1932 Redaktion, Verlag und Anzeigen -Verwaltung: Jüdische Rundschau G. m, b. H., Berlin W15, Meinekentr.lO. Telefon: J 1 Bismarck 7165-70. Aaz«f«»cU<1& Ditaitt! «a4fr«iuj tuckmiiiii• 4Uhr RedaktionaschluS Sonntag und Mittwoch nachmittag. len: Berlin 1759-'., HiimI V»m, Helar.rf 6H032, ■t S9693, Danzig 1973, Hm* 140470, Prag 59410, ■urs 16430, Warschau 190708, Wir» 1560» armstidter - und Nationalbanit, Dapoailan - Kau« BarUn, un«n1aJw Kreditbank, Onwuti (KiBiara״), Anfl» XXXVII. Jahrg. Oer Zionismus •rstrobl für das Jüdische Volk die Schaffung einer dffontllcli - rechtlich gesicherten HelmstStte In PalBitlna. ״Baseler Programm.11 Sokolow« Konferenz in New York _ 3eglei Norman An gell und des Rabbi eingetroffen. Der Palästina-Drive beginnt Dr. Cyrus Adler, Herbert H. Lehman, Richter Julian W. Mack, Felix M. War bürg, Dr. Stephen S. Wise, James Marshall (der Sohn von Louis Marshall), Nathan Straus jr. und andere jüdische Persönlichkeiten in den Vereinigten Staaten haben eine Einladung an die Führer aller jüdischen Gemeinden und Organisationen in allen Teilen der Vereinigten Staaten zur Teilnahme an der am 7. Januar in New York beginnenden Konferenz der amerikanischen Juden zur Beratung von Plänen betreffend den Wiederaufbau Palästinas unterzeichnet. Hauptredner in der Eröffnungssitzung der Konferenz wird Nahuni Sokolow sein. 30. Dezember. (J. T. A.) Nahum Sokolow des früheren englischen Parlamentsmitglieds .Meir Berlin in New York Lord Reading In Palästina Lord Reading ist am 24. Dezember in Begleitung von Lady Reading in Palästina eingetroffen. Sie begegneten in Kantara Pinchas Ruthenberg und reisten dann nach Haifa. . Sie besuchten das große Jordan-Stauwerk der Palestine Electric Corporation, deren Präsident Lord Reading ist Am Freitag weilten Lord und Lady Reading in Dagani ah, wo sie mit Dr. Chaim Arlosoroff zusammentrafen. In Dagania hielt Lord Reading an die Siedler eine Ansprache, in der er sagte: Das Jüdische Nationalheim, das sich bisher so gut entwickelt hat, wird auch in Zukunft immer mehr an Kraft zunehmen. Die jüdischen Kolonisten und auch ihre Kinder werden sich der Sicherheit erfreuen, die sie reichlich verdienen. Dr. Chaim Arlosoroff hieß Lord und Lady Reading im Namen der Jewish Agency willkommen Joseph Baratz, der im Namen der palästinensischen Arbeiterorganisationen sprach, beklagte es, daß heute noch keine Sicherheit dafür bestehe, daß das jüdische Werk in Palästina fortgeführt werden könne, ohne die Furcht, daß cs unterminiert und Angriffen ausgesetzt werde. Mit diesen Ausführungen spielte Baratz auf die auf der jungst in Jerusalem abgehaltene Moslem-Konferenz gegen die Juden geführte Hetze an. Von Dagania begaben sich Lord und Lady Reading nach dem Balfour-Wald, wo jeder von ihnen eine Kiefer einpflanzte. Lord und Lady Reading begaben sich hierauf . ״ ..... Gedenkgottesdienst abgehalten wurde Lord Reading hielt die Gedenkrede auf Lord Melehett und sagte, Lord Melchett war es. der ihn, Reading, inspiriert habe, für Palästina zu arbeiten. Ohne diese Inspiration, schloß Reading, hätte ich nicht den zehnten Teil dessen für Palästina getan, das ich jetzt tue. Im Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds in Jerusalem fand _ am 30. Dezember nachmittags ein Empfang für Lord Reading statt, an dem die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency, die Mitglieder des Waad Leumi, die Direktoren des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth und andere Führer des Jischuw teilnahmen. Dr. Chaim Arlosoroff, M. M. Ussischkin und Ben Zwi im Namen des Waad Leumi hielten Ansprachen, in denen sie darüber Klage führten, daß nieiten Ansprachen, in denen sie darüber Klage führten, daß der Aufbau des Jüdischen Nationalheims infolge der Non- Cooperation seitens der britischen Administration behindert sei. Lord Reading erwiderte auf die Begrüßungen ungefähr: Ich kenne genau die Schwierigkeiten, unter denen Sie zu arbeiten haben, ich will diese Schwierigkeiten nicht verkleinern, wenn sie auch in einem gewissen Maße überboten werden. Was heute in Palästina erreicht ist, ist das Ergebnis großgedachter Aktionen, ungeheurer Energie und vielfacher Anstrengungen. Entwicklung und Fortschritt Palästinas sind in einem hohen Maße das Ergebnis jüdischer Arbeit. Es ist wahr, daß auch die Araber Fortschritte gemacht haben, aber auch diese Fortschritte haben ihren Anstoß durch das jüdische Werk erhalten: die einheimische Bevölkerung folgte dem Beispiel der eingewanderten Juden und arbeitete auch ihrerseits an der Entwicklung des Landes mit. Der zukünftige Fortschritt wird vielleicht nicht so rapide vor sich gehen wie der in den ersten Jahren erzielte, aber das eine ist sicher: das Werk wird weiter fortschreiten. Die von den Juden geschaffenen Werte und die von den Juden in Palästina erworbenen Rechte, schloß Lord Reading, sind zu sehr gefestigt, als daß sie unwirksam werden könnten. Was aber die Rechte’ der Araber betrifft, so werden diese von niemandem bedroht und es besteht deshalb kein Grund, daß nicht Juden und Araber harmonisch Zusammenarbeiten. T e 1 - A w i w , 29. Dezember. (]. T. A.). Die Bevölkerung von T e 1 - A w i w bereitete Lord Reading bei seinem Besuche in der Stadt einen Empfang, wie er bisher nur Lord Balfour und Baron Edmond de Rothschild bei ihrem Besuch in Tel-Awiw zuteil geworden ist. Durch ein dichtes Spalier von Menschen, die den Gast begeistert begrüßten, yvurde Lord Reading in das Stadthaus geleitet, wo ihm Bürgermeister Mayer Dizengoff mitteilte, daß der Stadtrat ihn zum Ehrenbürger der Stadt ernannt hat. Lord Reading ist damit nach Lord Balfour, Baron Edmond de Rothschild, Sir Herbert Samuel, Prof. Albert Einstein, Samuel Untermayer und Achad Haam der siebente Ehrenbürger von Tel-Awiw. Lord Reading dankte bewegt für den ihm bereiteten Empfang und sagte u. a.: ״Als ich heute die jüdische Stadt Tel-Awiw erblickte, übermannte mich ein Gefühl der Begeisterung, wie ich es bis heute bei mir noch nicht kannte. Ich gewann die Erkenntnis von der großen Freiheitsliebe der Juden. Ich lernte die Unabhängigkeit ihres Denkens schätzen und ihr Bestreben, ihre Kinder zu freien und unabhängigen Menschen zu erziehen. Ohne mich in politische Auslassungen ergehen zu wollen, will ich nur feststellen, daß der britische Arm weit reicht und das Jüdische Nationalheim, wie es in der Balfour- Deklaration verkündet worden ist, für England ei n nicht unwichtiges Unternehmen bedeutet. England wird an der Politik des Nationalheims festhaiten. Die Juden in Palästina haben Anspruch auf eine absolute Garantie für Sicherheit ihm Lebens und Eigentums,“ Zum neuen Jahrgang Wenn mit der heutigen Nummer die ״Jüdische Rundschau“ in einen neuen Jahrgang eintritt, so ist es wohl am Platze, angesichts der außerordentlichen Zeitverhältnisse ein Wort an unsere Leser zu richten. Niemand weiß, wie das heute beginnende Jahr sit!1 gestalten wird. Die Weltlage ist so verworren, wie sie seit Jahrzehnten nicht war, und in dem allgemeinen Wirbel der Ereignisse bildet das Schicksal der Juden einen kleinen Ausschnitt. Von allen Katastrophen werden die Juden mitbetrofren, und zwar in einer spezifischen und charakteristischen Weise. Auch innerhalb des jüdischen Volkes vollziehen sich rapide Veränderungen, die materielle Lage der Juden in den meisten Ländern hat einen beängstigenden Tiefstand erreicht, und der immer stärker anwachsende rassengläubige Nationalismus hat eine besondere Art der politischen Not hinzugesellt, die uns die Judenfrage, die in besseren Zeiten nur dem Tieferblickenden in ihrem wahren Wesen erkennbar war, mit jäher Gewalt zum Bewußtsein bringt. Wir glauben, daß in einer solchen Zeit nichts dringender ist als eine aufmerksame Verfolgung aller die Juden und das Judentum betreffenden Tatsachen, eine ungeschminkte Erkenntnis der Lage, eine würdige Haltung, Kampf für das jüdische Lebensrecht, und ein stolzes und aufrechtes Bekenntnis zur jüdischen Sache, im Bewußtsein unserer jahrhundertealten Geschichte und der jüdischen Leistung innerhalb der Menschheitsgeschichte. Niemals war es deutlicher als heute, daß fast alle jüdischen Positionen in der Welt wanken und die Erhaltung und Erneuerung des Judentums, die dem jüdischen Leben wieder einen Aufschwung gibt, nur von dem Zentrum eines selbstverantwortlichen Volljudentums, das sich im Jüdisehen Nationalheim in Palästina entwickelt, ausgehen kann. Palästina gibt schon heute dem gesamten Judentum gewaltige moralische Werte, es wird — so hoffen wir — in immer höherem Maße auch Möglichkeiten materieller Verwurzelung für eine große Zahl von Juden bieten. Der Kampf für unser Recht auf dieses Nationalheim und für die Freiheit der Entfaltung der jüdischen schöpferischen Kräfte in Palästina ist wichtigere Aufgabe als je .ן», der Geschichte des Kauipf־z1riüfne»HiK«1»stifte׳־ sü.d b7l:su.i lieh in den letzten zwei oder drei Jahren die Meinungen besonders scharf innerhalb der zionistischen Welt auseinandergegangen. Die ״Jüdische Rundschau“ hat hier häufig einen Standpunkt vertreten, der innerhalb der zionistischen Welt stark umstritten war. Diese Differenzen haben sich jetzt etwas beruhigt, aber die Fragen sind nicht aus der Welt geschafft, wenn sie auch unter weit ungünstigeren Umständen neu aufgerollt werden werden, als wir gewünscht hätten. Wir haben Grund zu der Annahme, daß heute mancher Zionist anders über die Kämpfe von damals denkt und daß im Lichte der inzwischen eingetretenen Tatsachen unsere Ansicht, durch Mäßigung der zionistischen Zielsetzung auf eine kontinuierliehe, organische, durch politisch überspitzte Konflikte nicht gestörte Aufbaumögliclikeit hinzuwirken, vielen bereits anders erscheint als vor drei oder vier Jahren. Wir wollen an dieser Stelle nicht in eine ausführliche politische Betrachtung eintreten, und nur versichern, daß die ״Jüdische Rundschau“ auch in Zukunft unbeirrt ihren Weg gehen wird, daß sie versuchen wird, eine politische Orientierung für den Zionismus׳■ zu erkämpfen. Abgesehen von dieser unserer auf Palästina gerichteten Aufgabe ist es heute gerade in Deutschland besonders wichtig, daß das nationalfuhlende Judentum durch ein starkes und angesehenes Organ gegenüber der nichtjüdischen und jüdischen Außenwelt repräsentiert ist. Wir betrachten es als unsere Pflicht, über die Lebensrechte der Juden in Deutschland zu wachen, zugleich aber eine geistige Auseinander- Setzung mit allen Strömungen der uns umgebenden Welt zu führen, einer Welt, die vielfach das Judentum nur in Ver- Zerrungen oder in assimilatorischen Entartungserscheinungen, die niemandem Respekt einniflößen vermögen, sieht. Wir glauben, daß cs fur das Judentum wichtig ist, wenn dieser Kampf mit Ruhe und innerem Gleichgewicht, mit klarer Erkenntnis der Wirklichkeit und mit tiefem Glauben an das Judentum und die jüdische Zukunft geführt wird. Wir halten es für den richtigen Weg, wenn man sich sowohl in zionisiNcheii als auch in allgemein-jüdischen Fragen von Uebertreibungen und sensationellen Aufbauschungen fernhält und jenen vulgären Ton vermeidet, der leider in einem großen Teil der Presse heute Mode geworden ist, von da auch in einen Teil der jüdischen Presse cin/udringcn beginnt und in unseren engen jüdischen Verhältnissen manchmal besonders deplaciert wirkt. Die ״Jüdische Rundschau“ war stets bemüht, nur geprüfte, gewissenhafte Informationen zu bringen und zu einer besonnenen Beurteilung der Lage anzuregen. In diesem Geiste wollen wir unsere Arbeit auch in Zukunft führen. Wir bedürfen dazu der Unterstützung, des verständnisvollen Mitgehens unserer Leser. Wir bitten unsere Freunde, so wie sie . fJbst zr.r. bisher treu geWebw **״d, יי״״י d#•«®« zu sein, daß durch Werbung neuer Abonnenten wir in den Stand versetzt werden, die Aufgaben, die einem zionistischen Blatt heute zufallen, in besserer und großzügigerer Weise zu lösen. Wir wenden uns daher am Beginn dieses Jahres mit diesem Appell an unsere Leser und Abonnenten.’ Wir erwarten, daß sie dazu beitragen werden, die ״Jüdische Rundschau“ in ihrer Leistungsfähigkeit zu erhalten und zu stärken, und wir unsererseits können nur versprechen, daß wir alles daran setzen werden, unsere Pflicht gegenüber der jüdisehen Sache zu erfüllen. Nach dem Moslem״Kongre$ Eine englische, eine arabische Stimme Ueber den islamischen Kongreß in Jerusalem liegen uns zwei überaus interessante Presseäußerungen vor, die zeigen, wie diese Konferenz einerseits in englischen, andererseits in offiziell arabischen Kreisen beurteilt wird. Beide Aeußerungen stimmen darin überein, daß der Kongreß in erster Reihe als antizionistische Kundgebung zu werten ist Das englische Blatt hält den Kongreß für mißlungen, aber an sich scheint ihm der Plan künftiger derartiger Veranstaltungen durchaus begrüßenswert. An der arabischen Beurteilung ist besonders interessant die scharfe Betonung der Frage der Heiligen Stätten im Zusammenhang des gesamten politischen Palästinaproblems. Es wird liier suggeriert, daß um der Heiligen Stätten willen die Herrschaft in Palästina unbedingt arabisch bleiben müsse, da kein Zw'eifet bestehen könne, daß die Juden, wenn sie erst die Macht dazu haben, die Heiligen Stätten des Islam rauben werden. Wir lassen die beiden Pressestimmen auszugsweise folgen. ״The Near East and India“ widmet dein islamischen Kongreß den Leitartikel seiner Nummer vom 24. Dezember. Wenn die Zionisten, so schreibt das Blatt, die Frage, ob die islamische Konferenz die ganze islamische Welt repräsentiere, beurteilen, dann dürfen sie zunächst nicht vergessen, daß auch sie auf ihren Zionistenkongressen häufig den Anspruch erhoben haben, das ganze Judentum zu vertreten. Der islamische Kongreß war gegenüber dem Zionismus kompromißlos feindlich und alle seine Beschlüsse scheinen vor allem vom Haß gegen den Zionismus inspiriert zu sein. Aber in keiner Weise kann dieser Kongreß, für den der Mufti und Schaukat AH ganz persönlich verantwortlich zu sein scheinen, für den Gesamtislam als repräsentativ gelten. Die Grundstimmung des Kongresses war der landläufige ״Anti-Imperialismus“, wie Schaukat Ali bald entdeckte und, ״zu seiner Ehre sei es gesagt“, mutig bekämpfte. Diese politische Atmosphäre und das Schauspiel von miteinander zankenden Kongreßdelegierten machte den Kongreß ungewöhnlich eindruckslos. Der ganze Kongreß war unüberlegt veranstaltet; die Abwesenheit eines einflußreichen Teiles der palästfnensischen Araber war bereits eine Verdammung, das Nichterscheinen offizieller Vertreter so vieler wichtiger moslemischer Länder, vor allem auch des Königs Ibn Saud, ließen der Außenwelt diesen Kongreß recht fragwürdig erscheinen, und die Rauferei zwischen einem unabhängig denkenden Aegypter und der Masse des Kongresses machten die ganzen späteren Verhandlungen lächerlich. Im Islam jedoch lebt eine Würde, die auch derartige Ereignisse überstehen kann. Gewisse Delegierten setzten sich dafür ein, daß man von kleinen Eifersüchteleiea sich lernhalte und den größera! Idealen des Islam zuwende. Sir Muhamed Ikbal (der indisch-moslemische Dichter) betonte, daß die wahren Gefahren für den Islam weder die Zionisten, noch die imperialistischen Mächte sind, sondern der atheistische Materialismus und der territorial beschränkte Patriotismus. Diesem Appell an die islamische Einigkeit stimmt ״Near East and India“ zu. Nach Besprechung der einzelnen Beschlüsse gibt schließlich das Blatt der Hoffnung Ausdruck, daß künftige Kongresse besser und würdiger verlaufen werden als dieser erste. Die englische Ausgabe des arabischen ״Felestin“ betont zunächst, daß der Schutz der Heiligen Stätten des Islam abhängig sei von der Existenz einer moslemischen Majorität in Palästina, die sich auf einen entsprechenden Bodenbesitz stützt. Das Ziel, die Akza-Moschee in Besitz zu nehmen, um die alte Herrlichkeit Israels wieder aufzurichten, ist offen von vielen jüdischen Führern, darunter Israel Zangwill und Lord Melchett, verkündet worden. Wenn heute jüdische Führer solche Absichten ableugnen, so kann das die Moslems nicht beruhigen. Solange eine moslemische Majorität im Lande ist, können sie das Ziel nicht erreichen. Wenn aber der Verkauf von Boden an Juden so wie bisher weitergeht und durch den Mangel an Hilfe für die verarmten Bauern gefördert wird, dann werden die landlos gewordenen Moslems sich als Majorität nicht halten können. Die Bodenfrage wird daher ein integrierender Bestandteil der Frage der Heiligen Stätten. Demgemäß hat auch das vom Kongreß für die Behandlung der Frage der Heiligen Stätten eingesetzte Komitee u. a. die Gründung einer Agrar-Bank empfohlen. Die palästinensischen Delegierten gingen aber noch weiter. Das Bodenproblem ist durch das jüdische National heim entstanden und daher führt es logisch zu einer Ablehnung des Mandates. In der Frage der Bekämpfung des Palästina-Mandates zeigte sich eine beträchtliche Meinungsverschiedenheit zwischen den indischen Delegierten auf der einen Seite und den Palästinensem und Syrern auf der anderen Seite. Die indischen Delegierten waren der Meinung, daß ein Kampf gegen das Mandat den Kongreß mit einer Aufgabe belasten würde, die er nicht auf sich nehmen kann; die palästinensischen Delegierten jedoch faßten eine solche Resolution nur als eine Wiederholung früherer arabischer Kundgebungen auf. Man muß aber verstehen, daß beide das Mandat ablehnen, nur würde nach Meinung der Inder eine derartige Resolution einen aktiven Kampf nach sich ziehen müssen, während nach Meinung der Araber die Resolution nur eine demonstrative Erklärung sein sollte. Nur durch die merkwürdige Auffassung einiger Journalisten wurde die indische Haltung als ״entgegenkommender“ dargestellt. Die Meinung Schaukat Alis, das Problem des Palästina-Mandates würde sich zugleich mit dem von Irak und Indien lösen, scheint dem ״Felestin“ unrichtig, denn dabei sei das Jüdische Nationalbeim vergessen, das Palästina in eine andere Lage bringt.

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