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Jüdische Rundschau · 1931-12-30 · Heft 101-102 (30.12.1931) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 101-102 (30.12.1931)
Date
1931-12-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 588 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nach den Ausschreitungen Brief aus Polen Von unserem Korrespondenten. -g. Warschau, Ende Dezember 1031. Die Nachwirkungen der antijüdischen Ausschreitungen in Polen dauern fort. Die vergiftete Atmosphäre des Hasses und der Verunglimpfung ist noch vorhanden, weht! auch Gewaltakte nicht mehr zu verzeichnen sind. In Wilna begannen die ersten Prozesse gegen die Exzedenten. Merkwürdigerweise aber sah man auf der Angeklagt enbank meistens —Juden, denen die Staatsanwaltschaft Ueberfälle auf christliche Studenten und Passanten verwirft. Und die ersten Urteile waren für manche dieser beschuldigten Juden sehr hart, obwohl inan schlüssige Beweise für ihre Schuld nicht erbringen konnte. Wenn auch andere Juden befreit wurden, so ließe sich fast ans den Wilnaer Urteilen schließen, daß die Juden die letzten Exzesse in Polen veranstaltet haben. Man gewinnt den Eindruck, daß es manchen Stellen darum zu tun ist, diese Ueber/eugung in der polnischen Oeffentlichkeit weiter zu verankern, Gegen solche Urteilssprüche sind natürlieh die Juden hilflos. An den Hochschulen wurde der Lehrbetrieb im allgemeinen wieder aufgenommen. Die Gehässigkeiten gegen jüd'ische Studenten, auch seitens mancher Professoren, wieder* holen sich aber noch immer. Seitens der nationaldemokratischen Studentenschaft, der auch andere Gruppen folgen, wurde die Parole strengen gesellschaftlichen Boykotts an den Universitäten ausgegeben, was rigoros durchgeführt wird. Die jüdischen Studenten sind gezwungen, ihre Plätze in den Hör* und Uebungssälen nur auf der linken Seite und separiert von anderen einzunehmen. Die Universitätsbehörden, auch wo sie dazu gewillt wären, erwiesen sich gegenüber diesem Vor* gehen machtlos und gaben den jüdischen Studenten, die energisch dagegen protestierten, den guten Rat, die neue Schikane ruhig hinzunehmen. Es sollen auch manche polnische Stimmen mit Genugtuung verzeichnet werden, die sich nach den Unruhen sehr scharf gegen die antisemitischen Studenten wandten. So j. B. veröffentlidite der bekannte Philosophieprofessor an der War* schauer Universität Kotarbinski einen überaus mutigen und ehrlichen Aufsatz, in welchem er mit aller Entschiedenheit das barbarische Vorgehen der Studenten brandmarkt und von Vorfällen an den Universitäten erzählt, die bisher der Ocffentlichkeit unbekannt waren. Die antisemitischen Studenten gingen nun nach _ den Exzessen daran, auf einem anderen Gebiete ihre Energie zu bctätigen. Die nationaldemokratische Partei lieferte ihnen die Losung des ökonomischer! Judenboykotts. Schon vor dem Kriege, als die Juden Warschaus im Jahre 1912 bei den Wahlen zur russischen Duma es abgelehnt hatten, ihre Stimmen für den Nationaldemokraten abzugeben und dem pol* irischen Sozialisten Jagiello zum Siege verhalfen — antworteten damals die Antisemiten mit der Boykottparole, die auf die Juden großen Eindruck machte, ihnen aber wirtschaftlich im großen und ganzen nicht viel schadete, da sie wirtschaftlich mehr vom russischen als vom polnischen Markte abhängig waren. Heute bleiben diese Parolen der Antisemiten und die Bemühungen der ״Ritter“ des ״grünen Bandes“ (so der Name und das Abzeichen der Boykottanhänger) sowohl auf die jüdische als auch die überwiegende Mehrzahl der christlichen Bevölkerung ohne nennenswerte Wirkungen. Die Gründe sind sehr einfach: In Wirklichkeit existiert In Polen ein fakttucher Boykott der Juden schon seit vielen Jahren und wird von sämtlichen polnischen Parteien und allen Re* gierungen des neuerstandenen Polen unterstützt oder wenigstens toleriert. Die Juden Polens sind nicht zuletzt infolge dieses Boykotts so pauperisiert, daß ihre Lage durch die jetzige Propaganda der Nationaldemokraten schon nicht erheblieh verschlimmert werden kann. Ferner ist die allgemeine wirtschaftliche Krise im Lande so stark, daß die große Masse der Bevölkerung solchen Parolen, von denen sie unmittelbar für sich keine Hilfe erwartet, meistens gleichgültig gegenübersteht. Die Nationaldemokraten haben ohne Umschweife in ihren offiziellen Kundgebungen das Treiben ihrer studentischen Anhlnger lobend anerkannt, sie als Muster für die ganze polnische Gesellschaft hingestellt und, um die Studenten in ihrem Eifer zu bestärken, im Sejm ein Gesetzesprojekt eingebracht, wonach gesetzlich der numerus clausus an allen Schulen Polens eingeführt werden soll. Es besteht natürlich keine Aussicht, daß ihr Antrag zum Gesetz erhoben wird. Wozu auch? Faktisch besteht doch der numerus clausus im Ausmaße von 10 e/0 (diese Höchstgrenze verlangen auch die Nationaldemokraten) an sämtlichen Hochschulen. Wozu nun ein verfassungswidriges Gesetz offiziell beschließen? Die Nationaldemokraten machen, obzwar sie gleichzeitig im Prozeß gegen die sogenannten Brest er Gefangenen laut egen die Gesetzlosigkeit und Willkür in Polen protestieren, eTn Hehl daraus, daß sie in bezug auf die Juden mit den geltenden Gesetzen nicht mehr rechnen wollen. Sie berufen sich dabei auf Hitler und die Nazis, deren Programme und Taten von der nationaldemokratischen Presse in Polen mit großer Genugtuung verzeichnet und kommentiert werden. Demgegenüber weist die polnische Regierung ein gewisses Verständnis dafür auf, daß die Judenschaft im Auslande, insbesondere in Amerika, mit großer Aufmerksamkeit und Beunrahigung die Berichte aus Polen aufnimmt. Die Resignation des Vorsitzenden des ״Good-WilE'-Komitees, Dr. Tonenbäum, die Beschlüsse des Jüdischen Kongresses in Amerika und des Jüdisch-Amerikanischen Komitees blieben hier nicht ohne Eindruck. Allerdings fehlt es noch immer an entscheidenden, wirkungsvollen Schritten seitens der polnischen Regierung. Sfr“ Die am 9. Dezember in der ganzen Republik durchgeführte Volkszählung, von deren Bedeutung für die Juden wir bereits berichteten, hat noch im letzten Augenblick die Aufraerksamkeit der jüdischen Parteien und Organisationen auf sich gelenkt. In Aufrufen und in der Presse wurden die Juden aufgefordert, Hebräisch oder jiddisch als Muttersprache anzugeben. Auf eine diesbezügliche Interpellation des jüdischen Parlamentsklubs antwortete knapp vor der Volkszählung der Innenminister, daß es der Regierung fernsteht,' die jüdische Nationalität und deren Sprachen zu beeinträchtigen. Die Rubrik ״Nationalität“ wurde in den Zählungsbogen nicht aufgenommen — erklärte der Minister —, da nicht in allen Gegenden Polens, zumal im Osten, das nationale Bewußtsein bei samtliehen Bewohnern bereits kristallisiert ist. Man wählte nun als mehr objektives Kriterium die Muttersprache, wobei darunter diejenige Sprache zu verstehen ist, der man ״gefühlsmäßig am nahesten ist“. Ferner entschuldigte sich der Minister, warum in den Formularen weder die hebräische noch die jiddische Sprache angegeben wurde. Es geschah erstens aus technischen Gründen, zweitens daher, ״daß ein Teil der Juden Hebräisch, der andere Jiddisch anerkennt“. Die Ergebnisse der Volkszählung sind natürlich noch nicht bekannt, während die obige authentische Interpretation der Regierung den jüdischen Standpunkt grundsätzlich billigte und den Juden die Möglichkeit gab, ihr Bekenntnis frei abzugeben, haben doch in vielen Orten die Volkszählungskommissare die Juden schikaniert, Begegnung mit Schaukat Ali Von G Z. Klötzel. Der Ver Jasser, der 1929 Gelegenheit halte, den Führer der Kalifatsbewegung, Schaukat AU, in Bombay eingehend kennen za lernen,!teilt uns nachstehende Charakteristik zur Verfügung, die auch für diejenigen Leser interessant sein wird, die meinen, daß der Inder hier vielleicht mit den etwas zu liebevollen Augen des impressionistischen Schriftstellers gesehen ist. Bei dieser Gelegenheit möchten wir auf des Verfassers interessantes B11 •h ,.Indien im Schmchliegcl'4 (Verleg F.A. Brockhaus) hinweiten. Red. . Das klapperige Ford-Auto, das mich zu Schaukat Ali bringen sollte, trug auf dem Kühler den weißen Halbmond mit dem Stern im roten Feld, und die gleiche Flagge wehte vom Dach des Hauses, vor dem cs mich absetzte. Nur daß daneben auch noch Gandhis Freiheitsfahne mit dem Spinnrad hing. Wie Schaukat Ali ins Zimmer tritt, wirkt er wie sein eigenes Monument. Nie sah ich einen Menschen von gewaltigerer Leiblichkeit. Ein orientalischer Rübezahl, lieber dem riesigen Körper ein bärtiges Haupt. Ein schönes, fast wildes Männerantlitz mit großen, braunen Kinderaugen. Zyklopenarme. Fäuste, die einen Stier erschlagen könnten. Schultern eines Sirnson. Bauch... nun, er selbst schlägt sich mit den gewaltigen Tatzen auf diesen Bauch, daß er dröhnt wie eine Pauke. Dabei lacht er: ״Und ich war einmal der beste Kricketspieler Indiens . . .!“ Das ist der ältere der einst so berühmten ״Ali Brothers“, Generalsekretär der Allmoslemitischen Kalifatsbewegung, nach dem vor einiger Zeit erfolgten Tode des älteren Bruders Mohammed die Verkörperung dieser Bewegung weit über Indien hinaus. Mohammed Ali war der Bedeutendere von ihnen, ein scharfsinniger Politiker und glänzender Schreiber. Aber der Populärere ist immer Schaukat gewesen, schon weil er — das Gegenteil eines Politikers — sein Herz stets aut der Zunge trägt, und mit einer Löwenstimme, die auch die riesigste Versammlung unter freiem Himmel beherrscht, stets das in die Welt posaunt, was er meint Der Zionismus hat noch nie einen so gefährlichen Feind gehabt, der als Mensch so liebenswert war wie dieser Schaukat Ali. Das ist ein Gegner, vor dem man tief den Degen senken muß, ehe man kräftig zuhaut Denn Schaukat Ali ist eine rciric Seele, und er ist ein wilder Kerl. Er ist bis in die tiefsten Fasern seines Herzens vom Gedanken des Mohammedanismus erfüllt, und er würde keinen Augenblick zögern, die Lehre von Mekka wieder mit Feuer und Schwert zu predigen, wenn die Zeiten danach angetan wären. Er sagte mir einmal wörtlich:: ״Ich kann den Koran auswendig, und ich halte jedes seiner Gebote. Das ist für mich kein Opfer, sondern meine größte Freude, meine beste Erquickung!“ Er sagte es in einem Ton, in dem ein Europäer kaum von der Liebe sprechen würde. Daß der Koran die Quelle aller Wahrheit ist und das einzige Gesetz, dem sich der Moslem zu unterwerfen hat, ist für ihn nicht nur ein theoretischer Glaubenssatz. Ais die Eng-!ander keinen Finger rührten, um die endgültige Zerstörung des Kalifats zu verhindern, führten die Brüder Ali die indischen Moslems zum Kampf gegen die Regierung. Damals kam cs zur Verbrüderung mit Gandhi, der klug die Kalifatsfrage zur Sache der indischen Freiheitsbewegung gemacht hatte. Und nun war es Schaukat Ali, der in voller Oetfentlichkeit, vor Tausenden, als Erster und Einziger immer wieder von der ״treten indischen Republik“ sprach und von ihrem ״ersten Präsidenten Mahatma Gandhi“, Er ging aber noch weiter und entfaltete eine starke Agitation unter den mohammedanischen Truppen, die Waffen niederzulegen, da England zu einer moslemreindlichen Macht geworden sei, der kein Mohammedaner dienen dürfe. Jetzt griff die Regierung zu, und der Prozeß, den sie den Brüdern Ali und ihren Anhängern machte, gehörte in einen neuen Prtaval. Schaukat Ali berief sich immer wieder darauf, daß das, was er getan habe, den Gesetzen seiner Religion entspreche, und daß er also gar nicht anders habe handeln können. ״Nehmen Sie denn den Koran wörtlich?“ fragte der englische Richter, und Schaukat bejahte eifrig. ״Nun,“ meinte der Richter, ״das würde doch zu unmöglichen Konsequenzen führen. Nach dem Koran soll z. B. einem Dieb die Hand abeschlagen werden. Wollen Sie wirklich von mir verlangen, aß ich derartige Urteile fälle?“ Schaukat Ali schüttelte den Kopf: ״Von Ihnen nicht, Mylord, Sie sind Christ. Aber wenn an Ihrer Stelle ein gläubiger Moslem säße, so müßte er es selbstverständlich tun!“ Die indischen Politiker haben Schaukat Ali immer etwas über die Achsel angesehen, er ist ihnen zu naiv und geradeaus. Alles, was nach Diplomatie schmeckt, liegt ihm mellenfern. Daß er mit einem Mann wie dem Mufti von Jerusalem nicht auskommen kann, war zu erwarten. Denn der gute Schaukat würde zwar ohne Zucken einen Menschen eigenhändig erwürgen, der Allah gelästert hat, aber er brächte nicht die kleinste Zweck- oder Notlüge über die Lippen, um einen politischen Vorteil zu erlangen — denn Allah hat die Lüge nun einmal verboten. Diese Sinnesart macht Schaukat Ali zu einem ebenso anständigen wie gefährlichen Gegner. Sein Wirkungskreis ist die breite Oetfentlichkeit Mag er im Beratungszimmer der Unbeholfenere, weil Ungeduldigere sein, — sobald dieser riesige Mann als Redner vor einer Masse einfacher Menschen steht, wird er zu einem Agitator ganz großen Stils und von größter Ueberzeugungskraft. Denn gerade die einfachen Moslems empfinden, daß die Flamme des Glaubens in ihm glüht, und sie spüren, daß er es mit jedem Wort, das er spricht, ernst meint. Schaukat Ali wird den palästinensischen Mohammedanern niemals Lügen über die Juden erzählen: das hat er nicht nötig. Er wird ihnen einfach sagen, daß Allah nicht will, daß Palästina ein jüdisches Land wird, daß man die Juden zum Teufel jagen muß, wenn sie nicht freiwillig gehen, nicht, weil die Juden Schurken und Banditen sind, sondern weil Allah es so und nicht anders will. Und die Moslems Palästinas werden ihm glauben, weil sie fühlen, wie sehr er selbst davon überzeugt ist. Wir, die wir wissen, welche Kraft in einer Ueberzeugung liegt, werden einem so gearteten Gegner weder die Achtung verweigern, die ihm gebührt, noch werden wir aut die Anstrengungen verzichten, die nötig sind, um ihn zu besiegen. Aber wir wünschen uns lauter solche Feinde, wie Mulana Schaukat Ali einer ist. Jerusalem, 27. Dezember. (J. T. A.)• Der Bürgermeister von Tel-Awiw, Mayer Dizengoff, besuchte den neuen Oberkommissar •und erhob ihm gegenüber Beschwerde egen den Beschluß der obersten Polizeibehörde Palästinas, ie bis jetzt autonome Polizei von Tel-Awiw mit der allgemeinen palästinensischen Polizei zu verschmelzen. Dizengoff rührte ins Treffen, daß die Abschaffung der jüdischen Polizeimacht von Tel-Awiw, der einzigen in der Welt, deren Kommandosprache hebräisch ist, von der ludenheit als ein Schlag gegen die jüdische Entwicklung in Palästina empfunden werden würde. Im Alter von 63 Jahren starb in Paris Rabbi Jules Bauer, der Direktor des französischen Rabbinerseminars. Nr. 101/׳I02, 30. XII1931 Oer HeUdorl-Prozeß Im Prozeß gegen die Führer und Geführten bei den antisemitischen Ausschreitungen auf dem Kurfürstendamm am letzten jüdischen Neujahr sind aus Anlaß des Weihnachtsfestes sämtliche Angeklagten bis auf zwei aus der Haft entlassen worden. Ein Teil der Presse weist darauf hin, daß das Gericht aus Anlaß des christlichen Weihnachtsfestes eine sehr große Milde gegen diejenigen walten läßt, die das jüdische Neujahrsfest auf so grausame Weise gestört hatten. Der ״Vorwärts“ veröffentlicht ein in Berliner SA-Kreisen zirkulierendes Rundschreiben, das von mehreren ehemaligen SA- Führern, u. a. vom Führer des SA-Sturms 24, Fritz Gü nthe r, unterzeichnet ist. Es heißt darin u. a.: ״ . . . Wir haben die Pflicht, offen und ohne Rücksicht auszusprechen, weshalb wir nicht mehr hinter den Führern Goebbels und Helldorf stehen — hinter Leuten, die uns verraten und verkauft haben: man hat uns als SA-Funktionäre und SA-Leute plan- und befehlsgemäß in die Zusammenstöße am Kurfürstendamm hineingehetzt, um uns dann schmählich im Stich zu lassen. Ihr wißt, daß es schon drei Tage vor den Krawallen bei uns allen offenes Geheimnis war, daß zum jüdischen Neujahrstag eine Aktion der SA steigen sollte: an diesem Tage selbst wurde mittags den SA-Führern ein Dienstzettel zugestellt, der die Anweisung enthielt, daß wir geschlossen uns am Abend an bestimmten Plätzen zu versammeln haben, ״das Koppel untergeschnallt“ In den SA-Küchen wurde gleichzeitig (auch daran könnt ihr euch erinnem) dieser Befehl schon Stunden vorher von Mund zu Mund weitergegeben. Und am Abend selbst erschien Graf Helldorf in eigener Person, gab uns diese und jene Befehle und dirigierte uns schließlich nach dem Kaffeehaus Reimarm — das wenige Minuten später zerstört war. Ihr wißt, Kameraden, daß wir nur befehlsgemäß gehandelt haben; doch im Prozeß? Man überließ uns unserem Schicksal!“ Ein ametUianisdies Pro •Palästina* Komitee New York, 27. Dezember. (J.T.A.) Mehrere den ver• schiedenen Parteien angehörende führende Senatoren und Mitglieder des Kongresses der Vereinigten Staaten haben sich zu einer Gruppe zusammengeschlossen, deren Ziel es ist, den Aufbau des JüdisehenNationalheims in Palästina zu fördern. In diesen Tagen hielten die Mitglieder dieser Gruppe gemeinschaftlich mit mehreren führenden Zionisten aus New York eine Konferenz ab, in der ein Plan zur Förderung des jüdischen Palästinawerks aufgestellt wurde. Einzelheiten des Plans sind noch nicht bekanntgegeben worden. Der Plan wird bei Zusammentritt des Kongresses der Vereinigten Staaten zu Beginn des Jahres 1932 offiziell bekanntgegeben werden. Präsident Hoovcr, der schon als Handelsminister der Vereinigten Staaten im Jahre 1922 aus Anlaß der Annahme der Resolution betreffend das Jüdische Nationalheim in Palästina durch den Kongreß der Vereinigten Staaten ein Statement erlassen hat, in welchem er dem jüdischen Aufbau in Palästina die Sympathie der regierenden Kreise der Vereinigten Staaten zum Ausdruck brachte, stehlt auch dieser neuen Aktion zugunsten des jüdischen Werkes in Palästina mit Sympathie gegenüber. In diesen Tagen wird eine Konferenz prominenter Nichtjuden aus allen Teilen der Vereinigten Staaten abgehalten werden, in der praktische Maßnahmen zur Förderung des jüdischen Aufbauwerks in Palästina zur Erörterung stehen werden. Der diesjährige Palästina •Drive New York ,27. Dezember. (J.T. A.) Nach einer Reihe von Konferenzen, an denen repräsentative Mitglieder der Zionistischen Organisation Amerikas und prominente Nichtionisten, sowie Emanuel Neu man teilnahmen, wurde zwischen der Jewish Agency, der Hadassah und der Leitung des Jüdischen Nationalfonds in Amerika ein Uebereinkommen getroffen dahingehend, daß diese drei Gruppen eine gemeinschaftliche Kampagne in den Vereinigten Staaten für die jüdische Arbeit in Palästina durchführen. Zur Durchführung der Kampagne tritt am 17. Jan. in New York eine Konferenz zusammen, in der Nahum Sokolow das Hauptreferat halten wird. Selbstanzeige• Ludwig Klein , Marxismus und Zionismus. Schriften zur Diskussion des Zionismus Nr. 7, Herausgegeben von der Studentenverbindung ״Barissm * in Prag. — Es kann keineswegs die Aufgabe der zionistischen Diskussion sein, den oft wiederholten Versuch einer Widerlegung des Marxismus zu erneuern. Die vorliegende Schrift will vielmehr zeigen, daß Sozialismus und Kommunismus das Suchen nach einer Lösung der Judenfrage, die Entscheidung zwischen Assimilation und Renaissance des Judentums nicht überflüssig machen. Die Schrift will einen Beitrag zur Diskussion des Zionismus unter voller Anerkennung des marxistisehen Standpunktes sein. Sie versucht daher, im engen Rahmen eine Skizze der materialistischen Geschichtsauffassung, insbesondere des Begriffs der Ideologie zu gebem lm An- Schluß daran werden aie Abhandlungen von Marx ״Zur Judenfrage“, sowie die Acußerungen von Lenin und Otto Bauer über die Judenfrage einer Erörterung unterzogen. Schließlich sucht •der Verfasser, vom Sinn des Sozialismus aus, vom ״Letztgemeinten im Sozialismus“ her zur zionistischen Lösung der Judenfrage Stellung zu gewinnen. — Das Buch von Otto Heller, ״Der Untergang des Judentums“, lag bei Abfassung dieser kleinen Schrift noch nicht vor. Dennoch wird der Leser darin schon eine Stellungnahme zu den Fragen, die Heller erörtert, finden und feststellen, daß unter voller Bejahung der Lehren von Marx eine ganz andere Beantwortung der Fragen richtig erscheint als die, die Heller vorgetragen hat. _ Noch einmal: ״Das jüdische Lied“. Auch die dritte Wiederholung der Programmfolge hatte starken Erfolg. Frau Rapp- Janowskaja bewies von neuem ihre vitalen und charmanten Gestaltungstalente und das Streichtrio Körner-Wiegand-Weil entzückte wieder durch Kultiviertheit und Klangfülle. Der Saal des Klub ״Achdut“ war freilich etwas knapp für das tonliche und auch für das musikalische Format dieser Darbietung: Die Lieder sind durch die Art der Bearbeitungen nun einmal dem Rahmen des Volksmäßigen beinahe enthoben, sie wirken bisweilen wie Miniatur-Sinfonien. Ihre Stärke ist es ja auch gerade, daß sie — bei relativ geringen Grundformen — die Keime zu weitgespannten Steigerungen in sich tragen. Der Komponist wie der Hörer findet auch in den bekanntesten von ihnen immer neue Schönheiten, und es ist interessant, daß es erst den Re- Präsentanten ausgereifter Musikkultur gelingt, diese Schönheiten dem anspruchsvollen Berliner Konzertpublikum zu erschließen. — Wir möchten noch einmal den Wunsch aussprechen, daß diese Bestrebungen in weiteren Bearbeitungen glücklich fortgesetzt werden mögen: es ist ein großes und unausgeschöpftes Stoffgebiet vorhanden und an fähigen jungen Komponisten fehlt es uns doch auch nicht. A.J.-L. Ernst H. Schiff gestorben. Ernst H. Schiff, der seit vielen Jahren im jüdischen öffentlichen Leben Englands führend tätig war, ist im Alter von 50 fahren verstorben. Er war Angehöriger der bekannten New Vorker Bankier-Familie Schiff,

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