Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 99-100 (28.12.1931)
- Date
- 1931-12-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 99/100, 23. HI. 1031 Seite 581 Getarnter Prospekt (Otto Heller: ״Der Untergang des Judentums“. Verlag für Kultur und Politik, Berlin-Wien.) Dieses neue Brevier der in Deutschland agitierenden Oeserd- Gruppe ist nicht von vornherein mit einer Handbewegung abzutun. Ausgangspunkt für die Abfassung dieser umfangreichen Kompilation ist zweifellos der Wunsch, für die an sich anerkennenswerten Versuche der Sowjetregierung, der russischen Judenfrage an den Leib zu rücken, auf Kosten anderer Reklame zu machen. Im Grunde handelt es sich um einen Prospekt für die russisch-jüdische Kolonisation in Biro-Bidschan und in der Krim, der in der Schale einer mehrere hundert Seiten umfassenden Schrift eingewickelt ist. Von Hellers Buch kann man, wie einst ein witziger Kritiker in Wien gesagt hat, wiederholen: ״Es bringt |jel Gutes und viel Neues, doch ist das Gute nicht neu und das Neue nicht gut.“ Tatsächlich sind, was bei einer Kompilation nicht verwundern kann, sehr viel richtige Feststellungen und Einsichten wiedergegeben. Schon der Titel ist eine Paraphrase der vor vielen Jahren von unserem Freunde Dr. Felix Theilhaber zuerst geprägten Formel: ״Der Untergang der deutschen Juden.“ Allerdings sprach Theilhaber dieses Wort warnend aus, während Heller es geradezu triumphierend in die Weit stößt, wobei diese Auffassung weder originell, noch, in der Hellerschen Fassung, richtig ist. Vor vielen Jahrzehnten schon haben Kenner des Judenproblems, zu denen freilich Heller nicht gehört, festgestellt, daß sich die jüdische Gemeinschaft in einem Prozesse der Säkularisierung befindet, womit gesagt ist, daß die während der Diaspora vorhanden gewesenen Lebensformen der jüdischen Gemeinschaft in Auflösung begriffen sind. Es ist keine neue Erkenntnis, daß angesichts der in der Welt vor sich gehenden Umwälzungen ■wirtschaftlicher und sozialer Art für das Gros der Judenheit in der Welt eine Schicksalsstunde von prinzipieller Bedeutung geschlagen hat. Man kann das schon in der frühzionistischen Literatur bei Moses Heß, bei Pinsker und in zahlreichen anderen Schriften nachlesen. Es ist keine tiefschürfende Erkenntnis, wenn Heller feststellt, daß das jüdische Problem sozialer Natur ist; es ist aber eine Vergewaltigung des Tat- Bestandes, wenn Heller meint, es sei n u r sozialer Art. Ein Rest bleibt bei derartigen Diagnosen immer zurück. Heller macht es jedoch wie Prokrustes: Er hat seine maniakalisch wiederholten marxistisch-materialistischen Formeln, für oder gegen deren Allgemeingültigkeit in diesem Zusammenhänge nichts gesagt zu werden braucht, und preßt dann alle Phänomene des Judentums und des jüdischen Volkstums in seine Zwangsbegriffe. Hierbei macht er aus Marx, Engels, Lenin und Stalin unanfechtbare Sachverständige der jüdischen Frage. Daß eine derartige Methode zu Verzerrungen, Schiefheiten und stellenweise zu barem Unsinn führen muß, beweist Otto Hellers Buch. Erheiternd wirken apodiktische Aussprüche, die von vornherein das als unbezweifeibar hinstellen, was erst bewiesen werden müßte. Ausgangspunkt für die Hellersche Konzeption und die seiner jüdischen Gesinnungsfreunde ist in den meisten Fällen instinktmäßige Verneinungdesjudentums und der jüdischen Volksexistenz. Andererseits kann Heller jedoch die Tatsache des Vorhandenseins einer jüdischen Gemeinschaft nicht gut in Abrede stellen. Also greift er zur Ausflucht, dem Judentum ein Todesurteil zu diktieren, die Realität der jüdischen Gemeinsehaft'aberdurelr das Mittel der bolschewistischen •Patentlösung bestehen zu lassen. Lustig wirkt die von Heller gewählte Terminologie, die, Juden seien, nach Marx, eine ״Kaste“. Warum gerade Kaste? Warum nicht Orden, warum nicht Sekte? Und wenn Kaste, worauf bezogen, Kaste? Innerhalb welcher Gemeinschaft? Gesetzt den Fall, Heller habe recht, und die Juden sind in Abessinien als die alleinigen Schmiede eine Kaste. Sind sie es dann naturnotwendig auch in Polen? Sind sie es auch in Rumänien, 6ind sie cs vielleicht in Deutschland? Vielleicht tut man Heller unrecht und er meint, die Juden seien im Mittelalter eine Kaste gewesen. Waren sie es aber auch im arabischen Spanien? Waren sie es in dem polnischen Reich des Königs Kasimir, wo sie geradezu einen ganzen Stand, nämlich das Bürgertum, repräsentierten? War oder ist denn die ganze Welt zu irgendeiner Zeit, die Welt, in der die Juden zerstreut waren oder sind, eine so homogene Einheit, daß man die jüdische Gemeinschaft mit einer einzigen Formel zureichend definieren könnte? Heller begeht in dieser Hinsicht den gleichen Fehler wie die Assimilanten, die in den Juden nur eine ״Religionsgemeinschaft“ erblicken wollen. Es gibt für die Charakteristik der Judenheit, genau gesehen, keine zureichende Definition. Jede Aussage erweist sich entweder als zu eng oder als zu weit für den Inhalt. Es kommt aber gar nicht auf neue oder auf alte Worte an, sondern auf die Tatsache, daß die Juden, in ihrer Gesamtheit eine Gemeinschaft darstellen, von einem bestimmten, in abgestuftem Maße empfundenen und betätigten Lebensstil, der bestimmt ist durch den Blick in eine gemeinsame Vergangenheit und durch, wiederum vielfach abgestufte, Vorstellungen von einer gemeinsamen Zukunft. Diese Lebensform hat viele Facetten. Eine, und nicht die unwesentlichste, ist sozialer Art. Daneben aber sind noch viele andere vorhanden, die in kein vorhandenes Prokrustes-Bett hineinpassen. Wie wäre es, wenn man sich ein für allemal ent* schlösse zu sagen, was ist? Nämlich, daß die Juden ein Volk in einer anormalen Situation sind. Was Otto Heller vom Zionismus und vom Palästinawerk zu sagen hat, ist schlimmste partelpolitischeSchablone. Selbstverständlich ist hierbei alles auf die Formel ״Bürgertum“, ״Kleinbürgertum“, ״Imperialismus“ usw. gebracht. So einfach liegen die Dinge nun nicht, mögen sie auch von einem Prediger mit erhobenem Zeigefinger in überheblichem Besserwissen-Tone als absolute unbestreitbare Wahrheit ausgesprochen sein. Sicherlich ist manches kritische Wort über Zionismus und den Palästinaaufbau im Hellersehen Buch durchaus zutreffend. Aber das alles ist mit größerer Sachkenntnis, mit tieferem wissenschaftlichen und sittlichen Ernst in zahllosen Publikationen zionistischer Provenienz hundertmal ausgesprochen worden. Doch darüber, was Heller gegenständlich zum Palästinaaufbau zu sagen hat, soll mit ihm nicht gerechtet werden. Auch darüber kann man zur Tagesordnung hinweggehen, Was er zur Stützung seiner These, das jüdische Volk hätte sich quasi ohne Uebergang aus einem Nomadenin ein Handelsvolk verwandelt, vorzubringen weiß. Es ist bekannt, daß man durch aus dem Zusammenhang gerissene Zitate, durch mißverständliche Erklärungtn und Deutungen von Stellen in dem ungeheuren Kornpendium judaistlscher Wissenschaft stets auch das Gegenteil zu beweisen vermag. Heller gibt allen Ernstes von vornherein als feststehend aus, die Juden wären seit jeher ein Handelsvolk kat exochea und darum also prädestiniert gewesen, eine-*Kaste“ JÜDISCHE RUNDSCHAU mmmmmmm!! 1 ..1...*י.י.וו■ m. 1 71. mmmmmmmmmmmmmmmmrnm zu werden. Das kommt daher, wenn man blindgläubig einen unrichtigen Ausspruch des Meisters als göttliche Offenbarung auf faßt und hinterdrein zur Stützung dieser Wahrheit dilettantisch Zitate vergewaltigt; Für zwei Dinge aber verdient Otto Heller recht derb auf die Finger geklopft zu werden. Zunächst weil er für sich das ausschließliche Recht arrogiert, in seinen Darlegungen die ״proletarisch-revolutionäre“ Auffassung der Judenfrage zu geben. Sind etwa die vielen Hunderte sozialestischer Zionisten, die in Sibiriens Verbannungsorten, dank freundlieber Unterstützung von Hellers Gesinnungsfreunden in der Jewsekjia, schmachten, keine revolutionären Proletarier? Bestenfalls kann Heller für seine Auffassung beanspruchen, daß sie als eine proletarische angesehen werde. D i e proletarische und gar die revolutionäre ist sie aber nicht. Denn all das, was der Sowjetstaat als Beitrag zur Lösung der Judenfrage leistet, ist Derivat zionistischer Ideologie, sowohl Produkt!- vierung wie Autonomie-Forderung und geschlossene Sicdiung. Als man diese Grundsätze zum ersten Male proklamierte und ihre Realisierung im jüdischen Leben forderte, bedeutete das, vom jüdischen Standpunkt aus gesehen, Revolution. Damals waren die Hellers jener Zeit entschiedene Gegner all dieser Parolen. Die Wege, die der Bolschewismus in der Judenfrage gehen muß, sind also jetzt eigentlich konservativer Zionismus — ohne Zion. Viel schlimmer als alles, was Heller in seinem Buche sagt, mißversteht und verdreht, ist jedoch die fortgesetzt durchgeführtc Absicht, 1m Jargon des nationaldeutsehen Verbandes von Max Naumann Zionisten und Deutschvölkische gleichzusetzen. Heller kann für sich den Ruhm in Anspruch nehmen, die Worte ״Hakenkreuz und Davidstem“ zusammengekoppelt zu haben. Er gefällt sich so sehr in seiner Erfindung, daß er sie schon mehrfach in Berliner Zeitungen vorgeführt hat und er kann auch nicht darauf verzichten, diesen Geistesblitz in seinem Buche leuchten zu lassen. Er findet z. B., daß die Rassentheoretiker der Nationalsozialisten sich von Ruppin und Zolschan in ihrem Wesen nicht unterscheiden. Das ist nicht mehr Mißverständnis, sondern Böswilligkeit oder absolute Ignoranz. Wie überhaupt Hellers Buch zur Judenfrage ein Beispiel von Auto-Ignoranz in jüdischen Dingen darstellt. Wie gesagt, das Hellersche Buch oder, genauer ausgedrückt, der große Umfang dieses Buches und der aufgewendete pseudowissenschaftliche Apparat sind im Grunde nur Attrappe. Wesentlieh ist bei dieser großen Arbeit die Anreißerei für Biro- Bidschan und fü r die Krim-Kolonisation. Heller leugnet das nicht, und das ist das einzig Sympathische an seinem Buch. Er gefällt sich in folgender geschmackvollen Formulierung: ״Nächstes Jahr in Jerusalem? Nächstes Jahr in Biro-Bidschan!“ Das ist eine klare Sprache, und das lobe ich mir. Fraglich ist nur, ob Biro-Bidschan wirklich das gelobte Land ist und ob es von der Judenheit in der ganzen Welt im Laufe der Ereignisse jemals als gelobtes Land anerkannt werden wird. Allerdings kommt es ja nicht nur auf die Neigungen oder Abneigungen der Juden allein an. Es gibt eherne Entwicklungsgesetze, die den Weg einer Gemeinschaft bestimmen. Das wissen wir genau so gut wie Otto Heller. Wir zweifeln nur, ob diese ehernen Ent- Wicklungsgesetze die Judenheit nach Biro-Bidschan führen werden. Uns scheint vielmehr, daß es tatsächlich in der gegen- »׳artigen Situation für die jüdische Gemeinschaft um Bestand oder Untergang geht. Uns erscheint es ferner als wesentlich, daßdiehistorische Kategorie, j tum und zwardas Judentum ih seinem glfeichblelbenden Jahrtausende alten Wesenskern, erhalten bleibe. Und in diesem Punkte scheiden sich die Geister. Otto Heller und seine Freunde betrachten dieses Moment als unerheblich, ja als überflüssig und schädlich. Wir sind anderer Ansicht und, worauf es hauptsächlich ankommt, anderen Willens. Genau gesehen, ist als׳' die Kontroverse Otto Heller und zionistische Auffassung der Judenfrage nicht ein Konflikt zwischen Zionismus und Kommunismus, sondern der alte Gegensatz zwischen Judentums-Bejahung und Judentums-Verneinung. Diesmal vollzieht er sich auf der Ebene jüdisch-, kommunistischer Parteigeschäftigkeit. Uns erscheint der wesentlichste Grund, warum der praktische Kommunismus gegen Zionismus und Palästinaaufbau ist, der zu sein, daß ein erheblicher Teil der jüdischen Kommunisten assimilatorisch gestimmt ist und daß Palästina im Machtbereich des englischen Imperialismus und nicht in dem von Moskau liegt. Säße der Komintern als Souverän in Palästina, so würde er wohl — wir lassen die voraussichtliche Opposition der kommunistischen Juden-Assimilanten außer Betracht — dieses Land auch als geeigneten Kolonisationsbezirk für jüdische Siedler betrachten. Hat er doch ohne weiteres sich keinen Bedenken hingegeben, in ukrainischen und tatarischen Ländern, Cherson, Krim usw., geschlossene jüdische Siedlungen anzulegen. Die Gegnerschaft zum Palästinaaufbau ist also nicht von vornherein ideologischer, naturnotwendiger Art. Sie ist ein Ergebnis der politischen Konstellation, dadurch nicht minder eine beachtenswerte Realität, keineswegs jedoch eine ideologisch immanente Kon- Sequenz. Ebensowenig wie es einen naturnotwendigen Gegensatz Judentum-Sozialismus gibt, ebensowenig muß es einen ideologischen Konflikt Zionismus-Kommunismus geben. Otto Hellers Buch wird voraussichtlich in den beteiligten Kreisen zitiert oder als Waffe gegen den Zionismus verwendet werden. Aber jede einigermaßen kritische Lektüre muß zu der Erkenntnis kommen, daß es sich um einen getarnten Prospekt handelt s. n. Ara 16. Dezember fand In London eine Tagung des Rates der American Joint Reconstruction Foundation unter dem Vorsitz ihres Präsidenten Sir Leonard L. Cohen statt. Der Rat bewilligte neue Kredite für die jüdischen genossenschaftliehen Darlehenskassen in mehreren Ländern. Am 18. Dezember begann in London eine Tagung des Conseil der Je wis h Colonisation Association (Ica) mit einer Doppelfeier: der des 100. Geburtstages des Gründers der Ica, Baron Hirsch, und der des 40jährigen Be- Stehens der Ica. Aus diesem Anlaß sind der Ica aus allen Teilen der Welt Glückwunschtelegramme zugegangen. Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat dem Jüdischen Schulverein in Breslau genehmigt, daß zu Ostern 1932 von dem Jüdischen Schulverein in Breslau ein privates R e f or m-R ea 1 gy mn a - si um der Regelform mit Gemeinschaftsunterricht errichtet wird und daß die zurzeit bestehenden drei untersten Klassen der privaten mittleren jüdischen Schule in Breslau als Sexta, Quinta und Quarta des neuen Reform-Realgymnasiums anerkannt werden. Dr. Nahum Goldmann tritt Ende Dezember eine Reise nach den Vereinigten Staaten an, wo er als Mitglied der Keren Hajessod-Delegation Sokolows an der Kampagne teil nehmen wird. ‘ י' ׳' ׳־.׳ . Ausstellungen jfldlsdier KOnstler Die Herbstausstellung der Akademie der Künste brachte an jüdischen Bildern nur eine Reihe Holzschnitte von Joseph Budko. Mit ihnen dokumentiert und unterstreicht der Kunstkr in bewußter Auswahl — das ist neben dem künstlerischen ein jüdisches Verdienst — ein jüdisches Bekenntnis. Der eindrucksvollste der Schnitte ״Ein Mensch wie ich flieht nicht“ stellt symbolisch einen selbstbewußt und mutig in die Ferne blickenden Jüngling dar, der über Schultern und Haupt eines Greises hinauswächst, welcher sich gebückt auf die Arme des Jünglings stützt: altes und neues Judentum. Ebenso stark die Darstellung ״Jeremias, 31, 4“: Jüdische Menschen hinter 1hohem Zaune abgesperrt, schauen hinüber zu dem Propheten Jeremias, der mit verheißungsvollem Blick ln die Ferne, mit tröstender Gebärde vor dem Zaune sitzt. Ein gütiger Humor, ein Lachen mit einer Träne im Auge wird lebendig in dem Schnitt ״Der jüdische Schneider“, der, skizzenhaft gehalten nur, doch ein ganzes ostjüdisches Schicksal zeigt. Eine Ausstellung von besonderer Eigenart war die im Haus der Juryfreieu veranstaltete Internationale Ausstellung ״Frauen in Not“. Hier haben auch jüdische Künstler mutige und ergreifende Beiträge geliefert, so Jankel Adler mit einem mitleidsvollen jüdischen Frauenbild, S. Chaim, Arthur Scgal, Jakob Steinhardt und die auch im Ernst gern lächelnden Käte Münzer-Ncumann und Felix Nußbäum. Georg Ehrlich (Wien) ragt hervor mit seinen ergreifenden Graphiken ״Prolctarierin im Spital“ und ״Bucklige“. Das Jüdischste der Bilder sandte Chagall mit seinem kleinen Aquarell ״Das Lied von der jidischen Mammc“, einem Bild, das die ganze Ursprünglichkeit und Melancholie des Volksliedhaften in sich trägt: ein jüdischer Leiermann, zerwehte, zerzauste, umgetriebene Gestalt mit tieftraurigen Augen, spielt auf dem Leierkasten irgendwo, an einem Zaun unter herbstliehen Bäumen, vor fremden Hütten, spielt voll abgründigem Kummer und Heimweh das Lied von der jüdischen Mutter. Einen sehr wesentlichen jüdischen Künstler, den Frankfurter Bildhauer BcnnoEIkan, zeigte endlich in Berlin zum erstenmal die Galerie Victor Hartberg. Die melancholisch-spöttische Maske des jüdischen Malers Pascirt, die geistig-ruhevolle Plastjk Walther Rathenaus, das edle Marmorbildnis der Habimah- Schauspielerin Hanna Rowina sind bemerkenswerte jüdische Porträts. Für den jüdischen Beschauer von größtem Interesse aber ist der erstmalig hier ausgestellte monumentale Bibelleuchtcr Elkans, der in zehnjähriger Arbeit entstand. Er ist nicht nur kunsthandwerklicn eine ganz ungewöhnliche Leistung, sondern stellt auch in seiner Verbindung von reügiösem Gefühl und künstlerischer Gestaltung einen hohen Grad von jüdischer Kunst dar. 32 biblische Figuren verteilen sich einzeln oder in Szenen über das bronzene Gerank des Leuchters, der mit breit ausladenden und sich überschneidenden Armen zu geschlossener Form sich rundet. Gerade vom jüdischen Standpunkt gebührt diesem Werke des Künstlers höchste Anerkennung, weil er in ihm mit intensivstem schöpferischem Willen in einer Zeit der Zerrissenheit ein Symbol jüdischer Selbstbesinnung, ein Monument unseres Glaubens geschaffen hat. Will Pleß. Lesser Ury-Gedenkausstellung. Am 19. Dezember wurde im alten Hause der Nationalgalerie eine große Gedenkausstellung von Werken Lesser Urys eröffnet. Die Ausstellung war schon zu Lebzeiten Lesser Urys als Jubiläumsausstellung zu seinem 70. Geburtstag geplant gewesen, jetzt wurde sie zu einer Gedenkausstellung. Sie umfaßt 160 Bilder und ist seit der Gedenkausstellung für Corinth die größte Ausstellung, die bisher die Nationalgalerie vom Schaffen eines modernen Künstlers bot. ,Dip Ausstellung, zeigt Werke Uyysjpn 1880 bis 1931 in chronologischer Anordnung. Wir haben das Gesamtwerk dieses jfidischen Künstlers aus dem traurigen Anlaß seines Todes an dieser Stelle ausführlich gewürdigt. Vermischtes Leo Gollanin 60 Jahre. Am 5. Januar wird Oberkantor Leo Golianin von der Neuen Synagoge zu Berlin 60 Jahre alt. Gollanin, der zu den hervorragendsten Trägern des kantoralen Amtes in Berlin gehört, wurde 1872 in Riga geboren, war Schüler des hervorragenden Komponisten und Historikers des Synagogengesangs Eduard Birnbaum und lebt seit 1894 in Berlin. Gollanin ist ein über Deutschland hinaus bekannter Interpret des jüdischen Volksliedes, dem er pionier- 11aft den Konzertsaal erobert hat. Seine jüdischen Liederabende erfreuen sich seit vielen Jahren großer Popularität. In der Kantorenbewegung stellt Gollanin an vorderster Front, mit Gleichgesinnten kämpft er dafür, dem Kantor die ideelle Stel- Jung zu erringen, die ihm in einer jüdschen Gemeinde durch das Gewicht seines Amtes zusteht. Dr. Elias Auerbach spricht im Rundfunk (Berliner Funkstunde) am Freitag, 8. Januar, nachm. 3.40 Uhr, übeT das Thema: ״Erlebnisse eines Arztes im Orient“. Der Vortrag gibt ein Bild der arabischen Bevölkerung Palästinas. Hebräische Lehranstalt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Wiederbeginn des Unterrichts nach den Winterferien Donners- ■tag, den 7. Januar. Anmeldungen bet N. B e r g g r ü n , Grunewald, Trabener Str. 2 (Brabant 501). Der Jüdische Lehrerverband in Preußen veranstaltet am 28. Dezember, um 11 Uhr, in der Kleiststraße 10 (Logenhaus), eine öffentliche Vorstandssitzung, zu der Gäste willkommen sind. Tagesordnung: Die Lage der Lehrer und Kultusbeamten. — Ruhegehalt und Hinterbliebenenversorgung. — Bezirksrabbinate und Inspektion des Religionsunterrichts. — Beamtenordnung. KKL-Jubiläums-Ball bei Kroll. Auch diesmal eines der schönen Feste, wie sie der KKL seit ein paar Jahren so gut zu arrangieren versteht. 1100 Gäste, gute Musik, reiche Tombola, fröhliches Beisammensein bis in den Morgen. Irene Eisinger hatte leider wegen einer Erkrankung im letzten Augenblick abgesagt. Aber sonst klappte alles vorzüglich; der KKL kann dank seiner klugen Preispolitik einen Ueberschuß von fast 1500 Mark buchen und feststellen, daß seine traditionelle gesellschaftliche Zusammenkunft auch in diesem Jahr schwieriger Wirtschaftsverhältnisse von seinem zionistischen Stamm publikum als Teil des KKL-Arbeitssystems für Palästina gern anerkannt wird. — Kleine Ausstellungen der Firma Assis (Jafforange), des Phönix, der Wizo (Palästina-Handarbeiten), der Buchhandlung Rosenbaum gefielen gut. Die reizende Blumenspende war ein Geschenk der Firma Gerson, Meinekestraße. Jüdische Gastspiele in Berlin. Das in Berlin zurzeit mit großem Erfolg gastierende jüdische Ensemble gibt am 26. und 27. Dezember die beiden letzter» Vorstellungen. Zur Aufführung gelangt zum ersten Male in Berlin die große Schlageroperetta ״C h a j k « im siebenten Ilimme 1“. Titelrolle: Anna Jacobowitz: ferner wirken mit: Ester und Jakob Moschkowitz, Ester und Moritz Seidcrmann, Jakob und Mary Scheps. Regie: Heimann Jacobowitr. Näheres sich« Inserat. Verloren wurden beim KKL-Ball ein sciiwarzseidenes Umhängetuch mit gestickten roten Blumen. Ferner eine Brosche. Mitteilungen werden an das KKL-Büro, Bismarck 7165, erbeten-