Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 99-100 (28.12.1931)
- Date
- 1931-12-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Saite 580 zeigt und der Begkittcxt besagt, Wer würden Juden von England rum Kampf gegen die Araber bewaffnet und «Inexerziert. Das gefährdet nicht den Frieden im Lande? Diese Bilder, wurden unter einer Deckadresse vom Aegypten aui an die Delegierten versandt, obwohl sie identisch sind mit Bildern, die kürzlich in Haifa hcrgestellt und dort beschlagnahmt wurden. Die Veranstalter der Konferenz haben die ״Verantwortung dafür abgelehnt‘', aber der Mufti Heß unter den Delegierten Misracl1*Bildcr und Slmchat Thora-Fähnchen verteilen, die als Beweis der jüdischen Absichten auf Wieder• Herstellung des Tempels an Stelle der Omar-Mosche« dienen sollen. Von jüdischer Seite wurde diese Attacke abzuwehren versucht. Die Rede Arlosoroffs, worin er die angeblichen Absichten der Juden auf die Heiligen Stätten des Islam als Wahngebilde bezeichnete, wurde ins Arabische übersetzt und unter die Kongreßteilnehmer verteilt. Außerdem erschien eine anonyme arabische Broschüre, wahrscheinlich aus den Kreisen der Opposition gegen den Mufti stammend, worin die Behauptungen über die jüdischen Absichten auf die Omar- Moschee bestritten werden und der Mufti angegriffen wird. Die Regierung aber tat nichts. Sie war offenbar der Ansicht, daß sie eine derartige religiöse Konferenz nicht verbieten könne, insbesondere, da die von ihr protegierten Indischen Moslems daran teilnalimen; sie hatte aber zweifellos die Macht und die Möglichkeit, darüber zu wachen, daß ebenso wie Angriffe gegen Italien und andere ausländische Mächte auch Angriffe gegen den Zionismus oder zumindest Verleumdungen unterblieben. In diesem Punkt aber scheint die Regierung die Methode der abwartenden Beobachtung — »weit and see“ — fortzusetzen, die bisher bereits öfter Unheil gebracht hat Aus diesem Verhalten müssen die Gegner des Jüdischen Nationalheims den Eindruck gewinnen, daß die Regierung ihre Agitation nachsichtig duldet Man kann der Meinung sein, daß die moslemische Konferenz in ihren Hauptzielen gescheitert ist, und die Abkühlung zwischen dem Mufti und Schaulcät Ali ist gewiß ein be* merkenswertes Ereignis. Aber auf der anderen Seite darf man, 80 schlecht auch der Kongreß gewesen sein mag, die Wirkung nicht unterschätze«, die sich aus der Bildung einer in mehreren Ländern vertretenen islamischen Organisation mit dem Sitz in Jerusalem ergibt. Bei der Haltung, die die englieche Regierung bisher eingenommen hat, ist anzunehmen, daß sie auf eine solche Organisation immer mehr Rücksichten nehmen zu müssen behaupten wird. Diese Politik steht in krassem Widerspruch zu dem Ursprungliehen Sinne des Palästina-Mandats. Es ist daher ein dringendes Erfordernis, die Grundrichtung der Palästina- Politik mit der Regierung klarzustellen. Gerade heute, Wo eine neue englische Regierung, ein neuer Kolonialminister, ein neuer High Commissioner und neuer Ressortleiter im Kolonialamt ihre Arbeit beginnen, müßte Klarheit darüber geschaffen werden, daß Englands Politik des Abwartens und Zusehens nicht unbegrenzt fortgesetzt werden kann, sondern ein bewußter Wille zur Durchführung des Mandates und des Jüdischen N ation a Ihel ms in Er- Schönung treten muß. In der letzten Zelt sind wieder in einem Teil der eng- Hseh-jüdischen Presse Vergleiche zwischen der Pa- 11 s t i n i p 0111J k Eh gl a n d s U n d der rb n de r § o w - Jet-Regierung betriebenen jüdischen Koloni- *ation gezogen worden. Die ״Jüdische Rundschau“ hat stets darauf hfngewiesen, daß diese beiden Unternehmungen vom Jüdischen Standpunkt aus unvergleichbar sind. Denn Palästina ist für die Juden das Land ihres geschichtlichen und geistigen Ursprungs, das Land, mit dem ewige Hoffnungen sich unauslöschlich verbinden, während es sich in Sowjet-Rußland nur um die zwar sehr wichtige, aber unter historischen Perspektiven ganz anders zu bewertende Frage der sozialen Umschichtung eines Teiles der verelendeten russisehen Juden handelt Aber technisch gesehen, haben die beiden Unternehmungen gewisse Aehnlichkeiten, In der letzten Nummer der englischen Zeitschrift ״Contemporary Review“ hat William Zuckermann, ein jüdischer Journalist, einen Vergleich zwischen der russischen und der palästinensischen Siedlung gezogen und die Vorzüge der russischen in der aus der Sowjet-Propaganda bekannten Art und Weise herausgestrichen. Dieser Behauptung gegenüber beruft sich ״Near Esst and India“ auf eine Londoner Rede von Mrs. Bentwich, der Gattin des früheren palästinensischen Justizsekretirs, die zwar die Verdienste der russischen Juden-Kolonisation anerkannt hat, zugleich aber betonte, daß diese Vorrüge auf Kosten des Judentums gehen, das In geistiger Be- Ziehung in Rußland zugrunde geht. Es ist merkwürdig, daß ausgerechnet diese englische Zeitschrift sich gegen die Gefahr der Assimilation in Rußland wendet und demgegenüber die jüdische Bedeutung Palästinas hervorhebt Zwar glauben wir, daß dieses Argument richtig ist, aber dies ist eigentlich Sache der Juden, während die Engländer doch die Frage der Staatsaufgaben bei der technischen Durchführung der Kolonisation nicht bagatellisieren dürften. In dieser Be- Ziehung ist zweifellos ein Vergleich zwischen Rußland und Palästina am Platze. Was immer man gegen das russische Werk sagen kann, man muß zugeben, daß ein entschlossener und offen propagierter Wille der Staatsmacht dahinter steht In Palästina aber vermissen wir jede Festigkeit und jede konstruktive Mithilfe der Regierung sowohl ln tech- Wischer als auch in politischer Beziehung. In technischer Be- Ziehung beschränkt sich die Regierung darauf, im nachhinein die Wirtschaftsfehler der jüdischen Kolonisation, die von den Juden selbständig geführt werden mußte, zu kritisieren, in politischer Beziehung scheint England es für richtig zu halten, eine Atmosphäre der labilen Ungewißheit atffreehtzuerhalt« und nicht einmal dann ein deutliches Wort zu sprechen, wenn offenkundig unfaire und gefährliche Mittel gegen das Jüdische Nationalheim angewandt werden. Hierfür ist das Verhalten Englands zu dem moslemischen Kongreß ein gutes Beispiel. Wir sind davon entfernt, die Regierung veranlassen zu wollen, daß sie die Bewegungsfreiheit der Moslems in Palästina und ihre kulturellen Bestrebungen behindert Aber genau so wie sie dafür sorgen konnte, daß Handlungen unterlassen werden, die England aus politischen Gründen unangenehm sind, genau so hätte man die antijödlsche Hetze verhindlem können. Es wäre traurig, wenn ein Islam-Kongreß keine anderen Aufgaben vor sich gesehen hätte als antijüdische Propaganda, und es wäre daher keine Störung dieser Veranstaltung gewesen, wenn die Regierung gerade bei dieser Gelegenheit gezeigt hätte, daß diese politische Propaganda eine Grenze haben muß. JOPtSCHE RUNDSCHAU .... - . .. . Nr. 00/100, 28. m 1081• Interview mit Sir John Hope Simpson An» JUrael'• Mesaenger״, Schanghai Sir John Hope Simpson, der im Frühling 1039 im Auftrage der britischen Regierung eine Lfntersuchung über die Möglichkeiten der Einwanderung, landwirtschaftlichen Ansiedlung und Entwicklung in Palästina angestellt und einen Berieht erstattet hat, auf den sich das bekannte Weißbuch vom Oktober 1930 (Passfield-Statetnent) stützt, wurde bekanntlich vor einiger Zeit zum Kommissar bei dem H i I f s w e r k für die Opfer des Hochwassers In China ernannt. Er hat seinen Sitz in Schanghai und gewährte der dort erscheinenden zionistischen Monatsschrift ,.Israel’« Mes-!enger“ ein Interview, über das die Zeitschrift am 1. Dezemoer berichtet. Der Redakteur der Zeitschrift, Mr. Ezra, fragte zuerst: Olauben Sie, Sir John, daß die Baffour-Deklaration ein Fehler war? ״Nein, sicherlich nicht. Es war ein Akt d er Gerechtigkeit den Juden gegenüber, daß man ihnen zusagte, sie dürften in ihre Heimat zurßekkehren und das alte Land aufbauen. Ich glaube, daß England seiner Zusage treu bleiben und dem jüdischen Volke helfen wird, sein Land aufzubauen. Gleichzeitig wird England dafür sorgen, daß die Rechte der Araber, auf welche sie Anspruch haben, in keiner Welse verletzt werden.“ ~ Teilen Sie die Ansicht, daß das Weißbuch ein Schritt zur Annullierung der Balfour-Dekfaration und zur Vernichtung der Hoffnungen der Juden in bezug auf ihr Heimatland gewesen ist? ״Ich möchte nicht gern über die guten und die schlechten Selten des Weißbuches sprechen. Es ist mir nicht zur Genehmfgung vorgelegt worden und ich hatte mit seiner Vorbereitung auch nicht das Mindeste zu tun. Es gibt Punkte im Weißbuch, die meiner Ansicht nach nicht ganz i m Einklang mit dem von mir erstatteten Bericht stehen.“ — Haben Sie von ihrem Bericht etwas zurückzunehmen oder ihm etwas hinzuzufügen? ״Nein. Ich halte ihn aufrecht und wiederhole meine Ansichten, wie scharf sie auch kritisiert werden mögen. Ich bin immer noch überzeugt, daß es ein Fehler war, die arabischen Arbeiter aus ihrer Beschäftigung in jüdischen Kolonien zu verdrängen, obgleich ich volles Verstandn i 8 für den jüdischen Gesichtspunkt habe und ihn würdige. Meiner Auffassung nach erhöht diese ungleiche Behandlung die Schwierigkeiten der ganzen Situation und verschärft die arabisch-jüdischen Beziehungen, denn sie öffnet Tür und Tor für unnötige Agitation. Ich wiederhole, daß ich die jüdsche Haltung in der Sache keineswegs außer acht lasse, die bestrebt ist, sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, daß sie arabische Arbeiter für den Aufbau des Landes ausnützt an Stelle jüdischer Arbeiter, auf welche die Last der Wieder- Belebung des Landes fallen sollte. Darüber kann man verschieden« Ansicht sein, aber Ich bleibe bei der meinigen und glaube, daß die zionistische Auffassung irrig Ist.“ Im weiteren Verlauf des Gesprächs erklärte Simpson schließlich, er hoffe ln dieser Sache auf ein Kompromiß. Im Gespräch über die Entstehung der Balfour-Deklaration sagte Sir John, sie sei zu einer Zeit erlassen worden, wo die Welt glaubte, Palästina sei ein Land ohne Volk. Heute aber sei die Welt genau der entgegengesetzten Meinung. Die Araber würden landlos infolge der jüdischen Bodenkäufe .׳und. so. fühlten־ sie die Schwierigkeit der Situation und befürchteten, aus dem Land« gedrängt zu werden. Er selbst glaube, daß die Situation ernst sei und vorsichtiges Vorgehen gebiete. Die Araber würden nicht dulden, daß die Juden den Böden erobern, und ihre Neigung zum Widerstand müsse sich nur noch verstärken. Auf den Einwand, daß je mehr man das Land entwickle, desto mehr Raum für die Einwanderung vorhanden sei, antwortete Sir John, er sei geneigt zuzugeben, das Recht der Juden, Palästina zu kolonisieren und dort zu leben, stehe im Einklänge mit den Rechten, die man ihnen zugesagt habe; er glaube jedoch, daß der Fortschritt nur langsam sein könne und nicht auf die Gefahr hin fordert werden dürfe, die Feindseligkeit derjenigen hervorzurufen, die lieber die Gegensätze unterstreichen als die Ucbereinstimmungen. Auch die Frage des Gesetzgebenden Rates kam zur Sprache. Sir John sagte, er habe diese Frage zwar nicht in seinem Berichte aufgeworfen, doch sei er für eine Verfassung, obgleich das Land augenblicklich dafür vielleicht noch nicht reif sein möge. Weiter erklärte Sir John, er glaube an die Möglichkeit einer baldigen arabisch-jüdischen Ver* ständigung, wenn nur beide Seiten zu Zugeständnissen bereit sind. Sir John drückt seine Bewunderung für den Fortschritt aus, den die jüdischen Kolonien vollbracht haben, die Sümpfe in blühende Gärten verwandelt und Böden fruchtbar gemacht haben, die seit Jahrhunderten brach gelegen hatten. Dies sei ein berechtigter Grund zum Stolz für die zionistische Bewegung. Er bezeichnet Tet-Awiw als «ine ״Luxuskolonie“, einen Edelstein f m Krön reif Palästinas, und drückt die Hoffnung aus, daß im kominenden Jahrzehnt große Fortschritte gemacht werden, die aus dem Heiligen Land ein großes Zentrum für Kunst, Kultur und Zivilisation machen, wenn nur das jüdische Volk nicht nachläßt in seiner Unterstützung der Sache, für die die Bewegung eintrltt. Sir John hofft auch, sein Vorschlag für die Entwicklung Palästinas zur Gewinnung weiteren Bodens für Kolonisation« zwecke werde von allen Jenen unterstützt werden, die am Aufbau des Jüdischen fationalheimes interessiert seien. — Haben Sie den Wunsch, den Lesern von ״iirael’s Meäsenger“ und den Juden im allgemeinen eine besondere Botschaft mitzuteilen? ״Ich möchte mit allem Nachdruck erklären, daß ich den jüdischen nationalen Aspirationen gegenüber keine feindselige Einstellung habe, daß ich sie vielmehr wohl verstehe, da ich die Frage doch mit den zionistischen Führern, wie etwa Dr. Ruppin und Dr. Arloaoroff, in Palästina erörtert habe. Beide sind bedeutende Männer und ein Stolz für das jüdische Volk, das sie vertreten. Ich wünsche der Palästina- Sache das Beste, sowohl Im Interesse der Juden wje auch• der Araber. Ich möchte schließlich hinzufügen, daß die Juden in Sir John Chancellor einen Mann von absoluter Geradheit und einen khigea Berater verloren haben. Er war kein Gegner des Zionismus, wie es in der letzten Nummer von ״Israel’» Mess enger“ zu lesen war. Dies war ein Irrtum, der berichtigt werden sollte,“ ln der gleichen Nummer druckt ״Israel’s Messenger“ das Faksimile eines Briefes von Sir John Hope Simpson ab, in welchem er die Niederschrift des Interviews, die ihm vorgeiegt worden war, als korrekte Wiedergabe seiner Worte bestätigt und in bezug auf Staatslind er eien hinzufügt: «Jetzt wird eine Aufnahme und grundbücherliche Regelung durchgeführt und es ist ganz möglich, daß, wenn ganz Palästina wirklich vermessen ist, erhebliche Böden herverkommen werden, auf vttche nur der Staat Anspruch hat. Wenn dies 80 ist, wird üffurlich weiterer Boden zur Verteilun g kommen können und die Regierung wird zweifellos die bezüglichen Mandatsbestimmungen beachten,“ fürs Ausland zureciilgemacht Der Londoner ״Speetator“ vom 12. Dezember ver of!entlieht einen Brief des deutschen Studenten Hans Jürgen Schucht aus München unter dem Titel ״Warum bin ich ein Nazi“. Der Briefschreiber versucht die englische Oeffentlichkelt über die nationalen und internationalen Ziele der Nationalsozialisten zu beruhigen und berührt zum Schluß die Frage des in Nazi-Kreisen herrschenden Judennasses. Er erklärt ausdrücklich, daß sich der Haß der Nationalsozialisten nur gegen die jüdischen Neureichen wende, die in den Jahren 1918—1923 aus Polen und Osteuropa nach Deutschland gekommen sind und auf Kosten eines Volkes, das den Krieg und sein Geld verloren hat, glänzende Geschäfte gemacht haben. Schucht schreibt wörtlich: ״Gegen Juden, die alteingesessenen Familien an gehören und seit längerer Zeit mit uns zusaramenleben, wird kein Ein wand erhoben. Der gesamte Haß ist gegen jene Juden konzentriert, die ich erwähnt habe . . . und welche auch bei den alteingesessenen jüdischen Familien unbeliebt sind.“ Die Angaben des Herrn Schucht sind offensichtlich für den Export frisiert. Säe stehen in einem unaufklärlichen und um lösbaren Gegensatz zur Rassentheorie, zur praktischen Juden- Politik der Nationalsozialisten, zu dem Judenprogramm des ״Dritten Reiches“, das keinen Unterschied zwischen Juden macht, einerlei, ob diese ״alteingesessen“ oder ״zugewandert“ sind und ob sie zu den Neu- oder Altreichen gehören oder gar, wie es bei der erdrückenden Mehrheit der Juden der Fall ist, zu den Erwerbs- und Mittellosen. Wenn der neue Geist nationaler Wahrhaftigkeit sich darin ausdrückt, daß man januskopfartig mit verschiedenen Zungen im Ausland und im Inland redet, so wird er in der öffentlichen Meinung der Welt wenig Vertrauen und Sympathie finden. Ans den Gemeinden Mitte Dezember fand in Stuttgart eine große Feier anläßlich des hundertjährigen Bestandes der israelitischen Oberkirchenbehörden Württembergs statt. Die Spitzen der wfirttembergischen Behörden mit dem Staatsprlsideuten Dr. Bolz waren als Ehrengäste anwesend. Den Vorsitz der Festversammlung führte der Präsident des Oberrates, Ministerialrat Dr. Otto Hirsch, der in seiner Ansprache darauf hinwies, daß die württembergische Judenorganisation sich stets vom inner'üdischen Meinungsstreit fernhielt und sich bemüht hat, dem Ganzen des Judentums zu dienen. Dadurch haben die württembergischen Juden, obwohl sie an Zahl nur gering sind, eine angesehene Stellung innerhalb der jüdischen Gesamtheit einzunehmen vermocht. Nach der Festrede von Rabbiner Dr. Rieger hielten Staatspräsident Dr. Bolz, Oberbürgermeister Dr. Lantenschlager (Stuttgart) und eine Reihe anderer Persönlichkeiten Begrüßungsansprachen. Namens des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden überbrachte dessen stellvertretender Präsident, R.-A. Dr. Klee, die herzlichen Glückwünsche. Dortmund. Die Gemeinde beschloß die Einführung des Frauenwahlrechts, jedoch mit numerus clausus für den Vorstand, der aus fünf Mitgliedern besteht, unter denen nur eine Frau sein darf. Paris. Bei der letzten Jahresversammlung des ״C ö n - sis toi re Juif“ (Konsistorium der Jüdischen Gemeinden Frankreichs) standen zum ersten Male ausländische Juden zur Wahl als Mitglieder dieser Körperschaft. Eine 'AMiaHr'R«dft#r: ־windte״Ae?* ‘Kegen2 :»»*׳nwahl •von'-A•»- ländern, ein Mitglied des Konsistoriums unterstrich seinen Protest durch Rücktritt aus der Leitung. Die ״tremdenfeind* liehe“ Gruppe blieb aber in der Minderheit Der Präsident des Konsistoriums erklärte, bei der Wahl käme es einzig und allein aut das Interesse an jüdischen Dingen an. Schließlieh wurden vier ausländische Juden, darunter unser uesinnungsgenosse Jizchak Naiditsch, in das Consistoire gewählt. Die beste Widerlegung des Antisemitismus. Aus K i e I wird uns geschrieben: Zu Ihrer Notiz: ״Die beste Widerlegung des Antisemitismus“ in Nr. 91 Ihres geschätzten Blattes bietet der folgende Vorfall eine neue Illustration: Der hiesige Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hatte zu einem Vortrage des Geh. Konsistorialrats Herrn Prof. D. Dr. Baumgarten über: ״England und Palästina“ eingeladen. E* war besonders interessant, aus so berufenem nichtjüdischen Munde zu hören, daß seiner Auffassung nach die Umstellung des jüdischen Menschen in Palästina die beste Widerlegung jener böswilligen Auffassung sei, daß der Jude nur auf dem Oeblet des Handels oder nur wissenschaftlich-kritisch sich betätigen könne und daß alle Juden, ob Zionisten oder Nichtzionisten, diesem Werk ihre Sympathie und tätige Unterstützung leihen sollten! Um so mehr, als acht Tage zuvor ein führender Redner des C.-V. es für richtig hielt, den Palästinaaufbau als eine ״Patentlösung“ in einem fernen, fremden, jeder Kontrolle baren Lande zu bezeichnen. Aus Hannover wird41ns berichtet: In der hiesigen Ge3■ graphischen Gesellschaft (Vorsitzender Prof. Dr. Obst) hielt Herr Pfarrer Dr. Kaufmann (Gießen) einen Vortrag über Palästina ״Neues Leben auf alter Erde“. Kaufmann war viele Jahre Pfarrer der evangelischen Gemeinde in Alexandrien, wahrend des Krieges Feldprediger bei den deutschen Truppen in Palästina, ist ein genauer Kenner des Orients und hat auch ein sehr interessantes Buch Über Aegypten geschrieben (auf das die, Jüdische Rundschau" seinerzeit hingewiesen hat — A. d. R.). Dr. Kaufmann, der auch Herausgeber der Zeitschrift des Bundes der Asienkämpfer ist, hielt einen überaus fesselnden zwei- »fündigen Vortrag, worin er Palästina unter allen denkbaren Gesichtspunkten (geographisch, historisch, politisch, religionsgeschichtlich) beleuchtete. Dabei kam er auch mit Sympathie auf den Zionismus zu sprechen. Er schilderte in rühmender Weise das Werk der Chaluzim. Bei Erörterung des politischen Problems wandte er sich gegen die Doppelrolle Englands, das sowohl den Arabern als auch den Juden Versprechungen ge• macht hat. Die Schwierigkeit für den Zionismus liege darin, daß sein Aufschwung zusammenfällt mit dem Aufschwung des arabischen Nationalismus. Trotzdem glaubt der Redner, daß der Zionismus sich durchsetzen und auch für Palästinas Neben» linder eine wichtige zivilisatorische Rolle spielen wird. Im weiteren Verlauf der Entwicklung werde es nach der Meinung des Redners zu einer Verständigung zwischen Juden und Arabern kommen. Im zweit« Teil des Vortrages wurden Lichtbilder gezeigt, von denen freilich nur einige wenige jüdischen Inhalts waren. Der Vortrag machte auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck. Die billigste Palästinareise wird in diesem Frühjahr anläßlieh der Makkabiah vom Palestine & Orient Lloyd, Berlin, organisiert. Eine 24tlgige Reise — 10 Tage Palästina und 2 Tage Aegypten Aufenthalt ־- mit allen Besichtigungen und Rundfahrten Kostet nur 510,— RM. Prospekte für diese Reise, sowie für eine Reihe anderer, besonders günstiger Reisen nach Palästina und Aegypten, unter zeitgemäßen Bedingungen, stehen durch den, Palestine & Orient Lloyd, Berlin N 24, Fricdrichstr. J2I, kostenlos und unverbindlich zur Verfügung. * יוד• Tk': I \ T י '*'