Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 97 (15.12.1931)
- Date
- 1931-12-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 570 Glossen zu einem Aufruf Die Lage des deutschen Judentums ist heute so ernst, die drohenden Gefahren werden so unmittelbar empfunden, daß es sich erübrigt, viele Worte zur Schilderung der Situation 711 machen. Das deutsche Judentum müßte sich zur Abwehr Zusammenschlüßen, müßte seine Kräfte sammeln und für alle Möglichkeiten gerüstet sein. In solcher Zeit veröffentlicht der ״Central-Verein deutscher Staatsbürger“ jüdischen Glaubens einen Aufruf, den wir wegen des charakteristischen Stiles im Wortlaut wiedergeben: ״An die deutschen Juden! Die politische Zuspitzung der letzten Wochen, der immer offener twlage tretende Geist des flasse» und der Brutalität rufen uns erneut auf den Plan. Politische und wirtschaftliche Vernichtung wird uns *ftgedrohti Boykott, dieses undeutsche .Schis ״wort, wird in Groß- und Kleinstädten gegen uns ausgerufen: Gräber werden zerstört, Gotteshäuser geschändet. In Versammlungen und in der Presse wird offen zu Gewalttaten gegen Juden aufge/ordert. Das Boxheimer Dokument enthüllt eine Gesinnung, die vor keiner Grausamkeit haltmaebt. Der Central verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Bat »eit Jahren auf diese gefährliche Entwicklung in Wort tmd ScJtnft hingewiesen. Lauheit, Kurzsichtigkeit, Besserwisserei wollten der unbequemen Wahrheit nu» dein Wege gehen. Trotzdem! Keine Minute bangen wir. Unsere gerechte Sache ist unsere beste Waffe! Millionen Deutscher bekämpfen mit uns Verhetzung und GewaltUt als die Unseligkeit dieser Zeit. Wir sind des Vertrauens Unserer Freunde zum Centralverein nach wie vor sicher. Gerade )etzt erhalten wir aus allen Teilen des fiel che» vorbildliche Beispiele von Hilfe und Opferwilligkeit. Wir bemühen uns, dieses Vertrauens würdig zu sein. Bis zum letzten Einsatz unserer letzten Kraft vor- *Uchen wir alles, um Unheil vom deutschen Judentum fern zuhalten 1 Darum Buhe und Vertrauen!“ Das erste Gefühl, das den jüdischen Leser dieser Kundgebung ergreift, ist ein Gefühl der Peinlichkeit. Wer erinnert sich nicht an die zahlreichen Aufrufe ähnlicher Art aus Kriegs- und Nachkriegszeit! Dil optimistischen Prognosen, die den Bück des deutschen Judentums im Sinne einer bestimmten Ideologie zu trüben geeignet waren, haben sich als unselige Täuschung erwiesen. Die Ansichten des Aufklärungs-Liberalismus, der seine Zeit und sich selbst für die letzte Phase der Entwicklung hielt und überzeugt war, daß in höheren Stufen dieser besten Weltperiode die Menschen durch die Vernunft zu weiterem Fortschritt und höherer Zivilisation erzogen werden müssen und dann auch der Antisemitismus von selbst verschwinden würde — diese Ansichten waren immer die charakteristischen Illusionen des jüdischen Bürgers. In der Zeit des materiellen Wohlstandes, in der Zeit des Aufstiegs des Bürgertums, dem die große Mehrheft der deutschen Juden angehörte, glaubte man die tieferen Bindungen des Blutes und der Geschichte zurückdrängen zu können gegenüber den Idealen eines abstrakten Menschenfutns und einer wirtschaftlichen Ungebundenheit Heute sehen wir, daß alle diese Vorstellungen mit einem bestimmten Abschnitt der Geschichte verbunden waren und daß es ein tragischer und für das Leben der Juden verhängnisvoller Irrtum ist, auf Kräfte und Vorstellungen zu vertrauen, die der Vergangenheit angehören. Was heute nottut, ist etwas ganz anderes. Es ist ein entschledener Entschluß , zu aktivem Handeln, zu Selbsthilfe und Selbstbehauptung. Das jüdische Volk muß zeigen, daß in ihm noch die Kraft lebt, sich durchzusetzen, daß es nicht untergehen will und nicht untergehen wird, daß es für sich ein neues und besseres Leben erstrebt und dessen Grundlagen selbst schaffen wilL Aus den großen Enttäuschungen, die am Ende des abgelaufenen Zeitalters stehen, gibt es nur einen Ausweg: Die Stärkung des jüdischen Kollektiv willens, die Zusammenfassung aller jüdischen Kräfte zur Manifestation eines klaren Lebenswillens In der umgebenden Welt. Einer solchen Wiilensmanifestation gegenüber wird die Welt die Antwort nicht versagen können. Heute handelt es sich darum, die Lösung der Judenfrage in größtem Stile wieder auf die Tagesordnung der Weltpolltik zu setzen. Dazu gehört aber vor allem, daß die Juden wissen, daß mit Palliativmittein nicht mehr zu helfen ist. Man hat uns Zionisten immer den Vorwurf gemacht, daß wir die Lage der Juden zu düster schildern, daß wir mit einer ״Verelendungs- Theorie“ arbeiten. Wenn der C.-V. in seinem Aufruf behauptet, er habe seit Jahren auf die gefährliche Entwicklung in Deutschland hingewiesen, so stimmt dies höchstens insofern, als er dauernd auf Symptome hingewiesen hat, dagegen haben seine Kre'-s immer die von uns verbreiteten Erkenntnisse über die zwangsläufige Entwicklung jüdischen Lebens bagatellisiert. Immer, wenn es zu spät war, wurden mit Einschränkungen gewisse Zugeständnisse in bezug auf unsere Diagnose gemacht, im übrigen aber hat man die Juden zu beschwichtigen versucht. Heute braucht man leider nicht mehr darüber zu streiten, ob unsere Erkenntnis, daß die Lage der Juden im Golus zumindest nicht besser werden wird, sieh bewahrheitet hat oder nicht. Wenn in einer solchen Situation eine große Organisation mit einer Beruhigungsgeste vor das deutsche Judentum tritt, so zeigt das, daß sie nichts gelernt und nichts vergesen hat. Es entsteht der Eindruck, als ob der Verein irgendwelche wesentlichen Leistungen vollbrächte und infolgedessen die Juden ruhig schlafen könnten. Nun mag die Tätigkeit des C.-V. in ihrer Art nützlich sein, in Einzelfällen und in der Kleinarbeit auch gewisse Resultäte haben. Wir sind die letzten, die so ungerecht sein wollten, dies nicht anzuerkennen. Aber an der Gesamt- Situation der Juden ändert sie gar nichts. In mancher Be- Ziehung wird die Situation durch solche Mittel eher verschlechten, wenn man versucht, das deutsche Judentum in Vertrauen zu wiegen, das durch nichts gerechtfertigt ist Wenn hier gesagt wird, daß ״mit letztem Einsatz unserer letzten Kraft“ alles versucht wird, um Unheil vom deutschen Judentum fernzuhalten, so muß man wirklich erschrecken vor diesem Mißbrauch großer Worte. Wir haben alles Verständnis dafür, daß ein Verein in einem bestimmten Moment es für nötig half, um Unterstützung zu appellieren und dies in einer Weise tut, von der er sich Erfolg verspricht Solche Versuche des C.-V. wollen wir gewiß nicht stören. Aber wenn zugleich der Eindruck erweckt werden soll, daß das deutsche Judentum im C.-V. seine legitime Schutz-Instanz erblicken müsse, dann müssen wir mit aller Entschiedenheit gegen eine solche Entstellung der Sachlage protestieren. Heute sind ganz andere Taten notwendig, als ein Abwehrverein zu leisten vermag. Es ist ein ganz anderer Grad und ein ganz anderes Maß von Selbstbesinnung der deutschen Juden nötig, als man durch die herkömmliche Methode der Abwehr zu wecken vermag. Wir finden gewiß kein Ver¬ JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 97, 15. m 10|i gnügen daran, in dieser Zeit innerjüdische Polemik zu führen. Wir wären die ersten, die wünschen würden, daß ein Zusammenschluß aller Kräfte erfolgt und daß mau wirklich etwas Wirksames tut. Von seiten des C.-V. geschieht aber nichts Durchgreifendes, und die Zusammenarbeit mit anderen jüdisehen Kräften, die vielleicht auch über gewisse Möglichkeiten verfügen, vermeidet man aus der kleinlichen Sorge um Vereinsprestige. Daß es in dieser Zeit weder eine Aktion der Landesverbände gibt, noch was doch naheliegend wäre — eine Spitzenkonferenz der leitenden Organe der großen jüdischen Verbände, ist auf diesen Vereins-Partikularismus zurückzuführen. Aber nicht Parteiangelegenheiten stehen jetzt zur Debatte, sondern es geht um ganz andere Dinge. Durch den kindlichen Hinweis auf den ״undeutschen“ Ursprung des Wortes Boykott wird man die Verdrängung der deutschen Juden bestimmt nicht aufhalten. Man muß doch sehen, wo man selbst steht. Eine geschichtliche Epoche ist zu Ende gegangen, und die deutschen Juden, so schwer es ihnen fallen möge, müssen zur Erkenntnis kommen, daß neue Mittel und Wege gesucht werden müssen. Wer nicht hören will und bisher nicht glauben wollte, der beginnt es heute zu fühlen, wenn seine materielle Existenz zusammenbricht und er in der nationalistischen antisemitischen Hochflut kaum eine Möglichkeit der gesellschaftlichen Einordnung der bisherigen Art sieht. Aus dieser tiefen Erschütterung des deutschen Judentums, die jeden einzelnen Juden ergreift, gilt es zu neuem Denken vorzustoßen, nicht aber das Denken einzuschläfern und zu beschwichtigen, indem man den Juden einredet, es sei alles in Ordnung, wenn sie nur weiter ihr Vertrauen dem C.-V. schenkten. Das deutsche Judentum braucht heute eine neue Führung. Die deutschen Juden können kein Vertrauen haben zu Kreisen, deren Voraussagen Ah bisher als irrig erwiesen haben. Wir leben in einer Zeit der Umwälzungen. Das deutsche Judentum, das in der jüdischen Geschichte stets eine große Rolle gespielt hat, muß über diese Zeit mit Würde und Selbstbewußtsein hinwegkommen, mit einer inneren Kraft, die ihm auch sciiwere Tage, die vielleicht bevorstehen mögen, tragen hilft. Diese Kraft vermag nur ein jüd i s c h c s Ideal zu bieten, der Glaube und das Wissen, daß das Judentum lebt, daß das jüdische Volk sich zu neuer Tat und zu neuem Wirken verjüngt, unangefochten durch alle feindlichen Schläge; daß wir, wenn es schon zu leiden gilt, wissen, wofür gelitten wird. Nur im Zeichen eines großen jüdischen Ideals und einer wirklichen aufbauenden, neugestaltenden Tat kann das deutsche Judentum in diesen Zeiten geführt werden. Die Arbeitstage in Palästina Keine nennenswerte Arbeitslosigkeit. — Der Kampf um jüdische Arbeit in den Pflanzungen. Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AG. Tel-Awiw, den 1. Dezember 1931. Man spricht im Lande wenig über die allgemeine Arbeitsläge, ein Zeichen, daß die Verhältnisse einigermaßen in Ordnung sind. Erst in letzter Zeit, als die Frage der Zertifikate für das Winterhalbjahr von der Regierung ungünstig entschieden wurde, hat sich die weitere Oeffentiichkeit von neuem mit der Frage der Arbeitsbeschaffung befaßt. Dabei muß zuerst eines klar sein: die Lage im Lande ist erstklassig im Vergleich mit irgendeinem der europäischen Industrieländer. Und wenn man auch nicht von großen Fortschritten sprechen kann, so herrscht ein durchaus erfreuliehes Gleichgewicht. Diese Balancierung der jüdischen Wirtschaft wird gerade jetzt auf eine gewisse Probe gestellt, weil verschiedene große Arbeiten zu Ende gehen. In Naharajim beenden die Ruthenberg-Werke ihren Bau; die Pica stoppt ihre Arbeiten; Im Emek werden im Gegensatz zu den letzten Jahren keine neuen Bauten in Angriff genommen. Ueberall werden dadurch Arbeiter freigesetzt, und zwar in für Palästina betrachtliehen Zahlen. Dennoch sind keine großen Stauungen zu befürchten. In den Städten hat der Pfundsturz eine Baube wegung ausgelöst, die arbeitende Hände absorbiert. Und allgemein kann man sagen, daß die letzten Jahre einen gewissen Ruhezustand geschaffen haben, der einigermaßen stabil ist. Eine bestimmte, nicht große Zahl von Arbeitslosen ist selbstverständlich vorhanden; aber sie wird vermutlich immer vorhanden sein und darf, wenn sie ein gewisses Maß nicht übersteigt, als normal bezeichnet werden. Eine eigenartige Situation herrscht zurzeit in den Pflanzungskolonien. Hier, wo es sich um Saisonarbeit handelt, ist der Anfang des Winters immer eine kritische Periode. Die Arbeiter warten mit dem Einsetzen der Regen ungeduldig auf eine Erweiterung der Beschäftigungsmöglichkeit und jedes Jahr wird im Zusammenhang mit der Ernte die Frage der jüdischen Arbeit aufs neue akut. Dieses Mal sind bei den altgewohnten Konflikten zwei neue Momente zu bemerken: einerseits beginnt dieses Jahr die Ernte schon in einem Teil der ״neuen“ Plantagen, die vor fünf und sechs Jahren gepflanzt wurden und jetzt Ertrag geben. Hier wird die Frage der jüdischen Arbeit besonders scharf beobachtet, weil es sich zum Teil um Gegenden handelt, die hundert Prozent jüdische Arbeit beschäftigen und jetzt —- beim Verkauf der Früchte — zum ersten Male auf dem Punkte stehen, das Prinzip zu durchbrechen. Zweitens macht sich eine Tendenz der Pflanzer bemerkbar, zur Offensive überzugehen und einen scharfen Kampf gegen die Arbeiter zu beginnen. Was die Frage der jüdischen Arbeit bei der Ernte betrifft, so behaupten die Pflanzer, daß sie gerade bei der ersten Frucht, die größer ist und schwerer verkäuflich, ein größeres Risiko eingehen, und daß sie gar keine andere Möglichkeit besäßen, als arabische Händler in Anspruch zu nehmen, die freilich keine Juden beschäftigen. Dem stellen die Arbeiter das Argument gegenüber, daß es auch jüdische Händler gäbe und daß selbst beim Verkauf an Araber vertragsmäßig ein bestimmter Prozentsatz jüdischer Arbeit immer zu sichern sei. Bei den verschiedenen Konflikten, die w egen dieses Punktes im letzten Monat ausbrachen, ist es immer gelungen, ein Kompromiß zu schließen und ernstere Zusammenstöße zu vermeiden. Andererseits wird die Tendenz der Pflanzer, ihren Standpunkt mit größerer Rigorosität zu vertreten, immer durchsichtiger. Die Pflanzerorganisation hat unter der sehr energischen Führung von Moscheh Smilanski im letzten Jahre eine größere Aktivität entfaltet. Es wird der Versuch gemacht, eine straffere Organisation der Pflanzer zu schaffen, Separataktionen zu vermeiden, also ein zuverlässiges Werkzeug der Arbeitsgeber zu schmieden. Diese Tendenz wird deutlich in den Artikeln des Pflanzerorgans ״Bustanai“ und in dem Auftreten der Kolonisten bei den verschiedenen Konflikten, die wir erwähnt haben. Als Ziel wird die ״Befreiung von der Diktatur der Arbeiter“ genannt, als Mittel die Bevorzugung unorganisierter Arbeitskräfte, wie Mitglieder des Brüh Truml peldor, Jemeniten, Kolonistensöhne usw. So soll es gelingen, sich einen Arbeiterstamm heranzuzichen, der zu den Kolonisten hält und im Kampf gegen die Arbeiterorganisation und ihre Forderungen verwandt werden kann. * * * * Die ״Jüdische Rundschau“ hat zu der Frage der jüdischen Arbeit in den Kolonien wiederholt Stellang genommen und betont, daß es sich hier um eines der ernstesten und weittragendsten Probleme des neuen jüdischen Palästina handelt, das nur durch jüdische Hände aufgebaut werden kann. Zu der neuen Kampagne, die von den jüdischen Pflanzern jetzt gegen den jüdischen Arbeiter im Lande geführt wird, erhalten wir eine charakteristische Zuschrift aus Palästina selbst, der wir folgendes entnehmen: Chedera, 3. Dezember. ״. . . Es handelt sich hier um eine immer wiederkehrende Erscheinung, die durchaus nicht lokaler, sondern allgemeiner Natur ist, die ein Zeichen von unhaltbaren Zuständen ist und die eine Frage als die zentrale des jüdischen Palästina in den Vordergrund des Interesses rückt: die Frage der jüdischen Arbeit. Eine ständige Auseinandersetzung mit diesem schwierigen, wichtigen und rein zionistischen Probiem müßte dem Leser die Augen darüber öffnen, wer die zionistische Front untergräbt. Es muß von der ״Jüdischen Rundschau“, sowie von allen anderen allgemein-zionistischen Organen eine Erziehungsarbeit geleistet werden, die zum Ziele hat, Menschen nach Palästina zu bringen, die die Aufbauarbeit in Einklang mit den elementarsten nationalen Forderungen bringen, deren Werk durch jüdische Hände getan wird. Anders keine Alijahmöglichkeiten und mit Recht keine Zertifikate! Jetzt, im Anfang der so sehnlich erwarteten Arbeitssaison des ״Katif“ (Pflücke) gibt cs in Chederah, der schönen, reichen Pardesskolonie, 250 Arbeitslose, d. h. 30 Prozent Arbeiter feiern; in Rechobot über 400 und so ähnlich in allen anderen jüdischen Kolonien, womöglich noch schlimmer. Was soll daraus werden? Kann man diese Frage um• gehen, verschleiern, verkleinern, vertuschen? Nützt es etwas! sie zu verschweigen? Bringen nicht so unangenehme Auseinandersetzungen, wie die Unruhen in Chederah, die traurige Wahrheit doch ans Licht, aber in wie verzerrter Form und an ein unvorbereitetes Publikum? Nach den Verhand* hingen beider Parteien wurde etwa folgender ״Vergleich“ angenommen: zirka 40 Prozent der Arbeit solle von Juden getan werden. Dieses herrliche Resultat wurde erreicht nach so großem Druck! Wie mag es da wohl um die jüdische Arbeit vor dem Vergleich bestellt gewesen sein? . . . Mit Zionsgruß Dr, Kur z.“ Die Organisaiionsfr&ge des Revisionismus Eine Erklärung der Zionistischen Exekutive Die Zionistische Exekutive sendet uns eine längere Erklärung zu den sogenannten ״Beschlüssen von Calais“ des Weltverbandes der Revisionisten. Darin wird die Stellungnahme der Exekutive folgendermaßen zusammengefaßt: 1״. Die Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation setzt die Unterordnung unter ihre Gesetze und Beschlösse voraus und ist mit der Zugehörigkeit zu einer außenstehenden Organisation, die ihre Mitglieder einer Disziplin unterwirft, die mit der gegenüber der Zionistischen Organisation bestehenden Diszipünpflicht ln Konflikt geraten kann und im Falle eines solchen Konfliktes ausschlaggebend sein soll, unvereinbar. 2. In bezug aufaußenpoIltischeBetätigung gilt in der Zionistischen Organisation der Grundsatz, daß Sonder- Verhandlungen mit Regierungen und dem Völkerbund von Zionisten und zionistischen Gruppen nur mit Genehmigung der Exekutive geführt werden dürfen und daß in besonderen Fällen auch außenpolitische Sonderaktionen anderer Art auf deren Verlangen nur nach Verständigung mit ihr vorgenommen werden dürfen. Die von der Majorität des Kongresses gewählte, verantwortiiehe Leitung ist stets bereit, den einzelnen zionistischen Gruppen, soweit dies mit dem Gesamtinteresse verträglich ist, Aktionsfreiheit auch In bezug auf politische Betätigung zu gewähren, sie muß sich aber das Recht Vorbehalten, darüber zu wachen, daß vitale Interessen des jüdischen Volkes durch vorsätzliche Mißachtung dieser Grundsätze nicht gefährdet werden. 3. innerhalb der Zionistischen Organisation, die auf demokratischer Grundlage aufgebaut ist, gibt es Raum, Gesinnung s- und Aktionsfreiheit für Zionisten der verschiedensten Anschauungen, die sich den Gesetzen und Beschlössen der Zionistischen Organisation unterordnen. Sofern diese Voraussetzung erfüllt ist, besteht für Zionisten revisionistischer Gesinnung kein gesetzliches Hindernis, wenn sie es wünschen und den Bedingungen der Verfassung entsprechen, mit Zustimmung des Akflons-ComiWs innerhalb der Zionist!־ sehen Organisation einen Sonderverband zu bilden. Solange sie keinen anerkannten Sonderverband bilden, können Zionisten-Revisionisten nur durch die zionistischen Landesverbände (der Allgemeinen Zionisten) der Zionistischen Organisation angeschlossen sein, in deren Rahmen jedem Zionisten und jeder zionistischen Minorität ein weites Maß von Bewegungsfreiheit gesichert ist. Revisionistische Vereinigungen und Landesgruppen, die eigenmächtig außerhalb der Zionistischen Landesverbände gebildet werden, sind nach dem Statut der Zionistischen Organisation (g 3) unzulässig und haben kein Recht, sich als zionistisch zu bezeichnen oder die Rechte von zionistischen Landesverbänden oder Sonderverbandsgruppen für sich in Anspruch zu nehmen.“ In der Einleitung der Erklärung wird bedauert, daß das organisationswidrige Verhalten der Revisionisten seit dem 17. Kongreß die Exekutive trotz aller Bedenken zum Einschreiten zwingt. Zum Schluß heißt es: ״im Bewußtsein ihrer Verantwortung für die Wahrung dieser Einheit sieht sich die Leitung der Zionistischen Organisation, der jede Absicht einer Unterdrückung abweichender Anschauungen innerhalb der Organisation fremd ist, gezwungen, ihre warnende Stimme zu erheben und zu erklären, daß die Zionistisch? Organisation einer auf organisatorischem und politischem Gebiet einreißenden Anarchie mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln entgegentreten wird.“ Das Gericht in Tel-Awiw hat den Führer der Jugendorganisation der Revisionisten-Zionisten in Palästina, Acnimeir, wegen Propaganda für Sabotage der Volkszählung zu 30 Tagen Gefängnis verurteilt. Wegen des gleichen Delikts wurde Tabachnik zu 15 Tagen Gefängnis verurteilt. Dr. Jeven, der Redakteur der nicht mehr erscheinenden Tageszeitung ״Haam“, wurde freigesprochen. 4t