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Jüdische Rundschau · 1931-12-11 · Heft 96 (11.12.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 96 (11.12.1931)
Date
1931-12-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nf. 00, II. xn.!931 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 565 Finanzieren, nicht lamentieren 1 Von Julius Berger, Die gleichen Umstände, objektiv und subjektiv, ergeben bei der Geldbeschaffung für den Aufbau der jüdischen Wirtschaft in Palästina die entgegengesetzten Resultate, je nachdem es sich um die Finanzierung durch Spenden zugunsten gemein-!hitziger Einrichtungen oder um die Beschaffung von Anlagekapital für privatwirtschaltlichc Unternehmungen handelt Daß diese fast gesetzmäßig anmutende Erscheinung von der ziouistischen Finanzpropaganda nicht beachtet wird, ist nicht zum wenigsten der Grund ihrer relativen Unergiebigkeit. Nehmen wir 7. B, die Wirtschaftskrise. Es ist klar, daß sie auf den Erfolg der Spendenpropaganda abträglich wirkt. Allzu leicht wird die grolle Peripherie der Geber die ihr aufgedrungene Sparsamkeit zunächst auf solche Ausgaben anwenden, die ihr als nicht lebensnotwendig erscheinen, d. h. zum Beispiel auf Spenden für Palästina. Natürlich ist dies eine unberechtigte Reaktion, die höhere Gesichtspunkte, auch solche materieller Art, außer Betracht läßt und die wir mit aller Kraft bekämpfen müssen. Aber es j$t eine Tatsache, mit der wir bei der Beurteilung der Zweckmäßigkeit unserer Propagandaformen zu rechnen haben. Auf der anderen Seite wird die gleiche Erscheinung der Wirtschaftskrise den Kapitalisten leicht zu einer aufgcschlosseneren Haltung gegenüber Anlagemöglichkeiten veranlassen, die ihm früher fraglich und unsicher vorkamen. Enttäuscht von seinen bisherigen Investitionen sucht er neue und mit besonderer Vorliebe solche, die sich wesentlich von den überkommenen unterscheiden, an denen er doch nur verloren hat. Unter solche neue, sympathischer als bisher zu betrachtende, rechnet er Anlagen in der palästinensischen Wirtschaft. Dieselbe gegensätzliche Haltung bemerken wir als Folge einer subjektiven Erwägung. Im allgemeinen haben wir die Beobachtung gemacht, daß der Spender seine Befriedigung in der Spende als solcher findet Die Kritik an Details des Werkes mag ihn normalerweise in seiner Gebefreudigkeit nicht stören. Trotzdem scheint es falsch, mit dieser Erscheinung als einer ein für allemal gültigen zu rechnen. Gerade Solche Spender, die von dem jüdischen Siedlungswerk etwas grundlegend Neues gegenüber den traditionellen Wirtschaftsformen erwartet haben, mögen von der Entwicklung enttäuscht sein, die sie drüben sehen und die in manchen Dingen den hiesigen krisenhaften. Vorkommnissen zum Verwechseln ähnlich scheint Natürlich können Fehlerscheinungen in einem im Anfang seines wirtschaftlichen Aufbaus stehenden Lande wie Palästina nicht auf denselben Nenner gebracht werden wie die Wirtschaftskrise in den hoch entwickelten Ländern Zentraleuropas, aber das wird dem Spender nicht immer ohne weiteres klar sein und eine, vielleicht unausgesprochene, Enttäuschung hervorrufen. Der anlagesuchende Kapitalist aber sieht in dem Palästina von heute wirtschaftliche Erscheinungen, die sich von den hiesigen wesentlich unterscheiden. Jahrelang hatte er von den privatwirtschaftlichen Möglichkeiten Palästinas nichts gehalten, es als ein Land für bessere Schnorrer und eine Art sozialen Experimentierkasten angesehen. Zur selben Zeit aber, wo WCrzulande die Privatwirtschaft sich in Ihren Grundlagen als erschüttert erweist, wird Palästina zu einem der wenigen Länder, deren Wirtschaft von der Weltkrise kaum gestört worden ist. Die Orangenkultur stellt sich als ein Wirtschafts־ zweig von überraschender Rentabilität und fast unbegrenzten Möglichkeiten dar. Die Stadt Tel-Awhv wird Mittelpunkt des ganzen nationalen Aufbauwerkes und ist gleichzeitig das wirtschaftlich sicherste Zentrum der ganzen Levanteküste. Die palästinensische Indutrie überwindet ohne nennenswerte Einbüßen alle Schwierigkeiten und zeigt keine, man denke: keine Arbeitslosigkeit. Inzwischen wächst der Hafen von Haifa seiner Vollendung entgegen und eröffnet mit dem eben begonnenen Bau der Bahnlinie Bagdad-Haifa wirtschaftliche Möglichkeiten von heute noch unübersehbaren Ausmaßen. Palästina erweist sich als eines der wenigen Länder, wo es noch Wirtschaftliehe Chancen gibt. Um diese Erscheinungen hat die zionistische Wirtschafts- Politik und Propaganda sicli nicht genug gekümmert. Es ist die Frage aufzuwerfen, ob cs nicht ökonomisch richtiger ist, einen Teil der verstärkten Mühe, die die Spendenwerbung heute für ihren Erfolg benötigt, auf eine Finanzieningsmethode zu lenken, die heutzutage viel leichter erfolgreich durchzuführen ist Allerdings *sollte dieser Reform der Finanzpropaganda eine mindestens teilweise Neuordnung der Geldverwendung vorausgehen. Wenn wir den wichtigsten Teil der zionistischen Wirt- Schaftspolitik, die Siedlungspolitik, herausgreifen, so würde wahrscheinlich die Spendenfreudigkeit verstärkt werden können, wenn der Spendengeber davon überzeugt würde, daß die oft geübte Kritik an der Zweckmäßigkeit der Verwendung der Gelder nicht berechtigt ist Der beste Weg dazu wäre, wenn man die Siedlungspolitik ohne Vorbehalt unter das Gesetz def Wirtschaftlichkeit stellte. Dies gilt für den Landkauf ebenso wie für die Siedlung. Nur Beachtung der wirtschaftlichen Gesetze gewährleistet denjenigen Erfolg der zionistschen Siedlungsarbeit, der ihre eigentliche Aufgabe auch unter politischen Gesichtspunkten darstellt: die Ermöglichung der Einwanderung und Seßhaftmachung der denkbar größten Zahl. Das ist weder mit unserem bisherigen System des Erwerbs großer, schwer zu bewässernder und wirtschaftlich kaum ertragfähig zu machender Landflächen, noch mit unserer Politik einer ungemein teueren landwirtschaftlichen Siedlung zu erreichen. Die Einstellung auf Wirtschaftlichkeit in unserer Siedlungsarbeit würde das Vertrauen in die produktive Verwendung der Mittel unserer Fonds erhöhen und zu verstärktem Spendenzufluß führen. > Auf dem Gebiete der Finanzpropaganda aber ist es zweitellos ganz unrichtig, einen ״Notschrei“ dem anderen folgen zu lassen. Wohl gibt es Gelegenheiten, bei denen der laute Aufschrei von großer Wirkung sein kann. Nach den Unruhen im Jahre 1929 war eine Propaganda, die auf den Erschütterungen des Augenblicks aufbaute, am Platze. Es ist aber sicherlich eine falsche psychologische Berechnung, den ״Notschrei“ als taktisches, regelmäßig wiederkehrendes Moment zu verwerten. Auch in Zeiten rückgehender Konjunktur im Galuth muß man den Mut haben, entscheidend immer auf die positiven Seifen des palästinensischen Lebens hinzuweisen. Die Leistungen des Aufbaus schaffen neue Mittel, nicht die dauernden Klagerufe über das bestehende Defizit Wir könnten unserer Finanzpropaganda einen viel positiveren und daher wirksameren Charakter geben, wenn wir uns dazu entschließen könnten, den wichtigen Faktor endlich auch in unser offizielles Programm einzustcllen, den die privatwirtscha ftliche Betätigung in Palästina für unser Werk schon jetzt darstellt und in weit höherem Maße als bisher darstellen könnte. Aber die Mobilisierung des jüdischeu Privatkapitals für Palästina, jene unvergleichliche Chance, die sich der Jewish Agency bietet, verlangt zuvor die Mobilisierung des Vertrauens in die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit des Unternehmens. Es ist geradezu staunenswert, wie wenig darüber auch in engeren zionistischen Kreisen bekannt ist Nicht zum wenigsten jene oben geschilderte Propaganda des Lameiitierens hat ein ganz falsches I ild von dem Wirtschaftliehen Zustand Palästinas in der jüdischen und nichtjüdischen Öffentlichkeit erzeugt. Sie weiß eigentlich nur, daß es manchen Siedlungen schlecht geht, daß einige Institute geschlossen und viele Beamte entlassen werden mußten, sie weiß aber nichts von dem blühenden Zustand unserer Orangendörfer und der gesunden Situation Td-Awiws. 1 Wenn die Jewish Agency ihre Kraft, und, soweit ihr das der Zustand ihrer Kasse erlaubt, ihre Mittel der Förderung auch des privatwirtschaftlichen Aufbaus des Landes zuwendet, erwirbt sie sich das Vertrauen der Geld besitzenden und nach Anlage für ihre Kapitalien suchenden Kreise und kann dieses Vertrauen dem Lande nutzbar machen. Wie die Dinge jetzt liegen, wäre es sinnlos, hier ein Programm dafür zu entwerfen. Dagegen sollte die Jewish Agency sofort die Einrichtungen schaffen, deren Existenz keine großen Ausgaben erfordert und die vor allem einer Aufgabe zu dienen haben: das Vertrauen des jüdischen Kapitals in die palästinensischen Anlagemöglich• keiten zu stärken. Wir brauchten bloß an die Sünden zu JUBILÄUMS-BALL DES KEREN KAJEMETH LEJISRAEL WIE JEDES JAHR DER REPRÄSENTATIVE ABEND DER »©NISTEN BERLINS KROLL, SONNABEND, 19.12.1931 denken, die seinerzeit unter der halboffiziellen Flagge des ״Meschek“ und in Amerika der offiziellen der ״Zion Commonwealth“ begangen worden sind, um zu begreifen, daß es notwendig ist, die Furcht vor einer Wiederholung solcher Un- Zuträglichkeiten nicht erst aufkommen zu lassen, besonders nicht in dem Moment, wo es nur an uns liegt, einen Strom von Kapital in die palästinensische Wirtschaft fließen zu machen. Die Jewish Agency sollte die Initiative ergreifen zur Schaffung eines Organs, bestehend aus höchst Vertrauenswürdigen palästinensischen Wirtschaftlern, das als Beratungs -und Auskunftsstelle für alle Kapitalanlagen in Palästina dienen sollte. Ohne eine zu weitgehende Verantwortung auf sich zu nehmen, könnte eine solche Einrichtung Täuschung und Fahrlässigkeit verhindern, indem sie die Unterlagen aller Unternehmungen prüft, die für sich selbst Kapitalswerbung betreiben oder über die von Anlagesuchenden Auskunft verlangt wird. Es würde sich bei richtiger Handhabung bald ergeben, daß alle Unternehmungen, die eine objektive Kontrolle nicht zu scheuen haben, sich einer solchen Untersuchung gerne unterwerfen würden, deren guter Ausfall ihnen ein gewisses Prä in der öffentlichen Bewertung verschaffte. Natürlich tauchen hier eine Fülle von Einzelfragen auf, die nicht hier erörtert zu werden brauchen. Die Haupt- Sache ist, daß eine solche Institution gegründet und daß sie mit Autorität ausgestattet wird, und diese Autorität sollte die der Jewish Agency sein. Diese braucht die daraus entstehende Verantwortung nicht zu scheuen. Sie wird sowieso verantwörtlich gemacht werden — gerade, wenn sie nicht eingreiH, falls sich Mißbräuche aus der unkontrollierten Propaganda ergeben, wie sie sich früher bereits ergeben haben. An diesen Mißbräuchen war die Exekutive nur dadurch beteiligt, daß sic nichts dagegen unternahm, aber trotzdem muß sie heute schwer dafür bezahlen. Es ist auch ein keineswegs erfreulicher Zustand, daß die Zionistische Organisation zwar für alles, was verunglückt, verantwortlich gemacht wird, daß aber der Eindruck entsteht, als, ob die glänzende Entwicklung der Orangen- Industrie oder die Errichtung des Ruthenbergwerkes oder was sonst im Lande privat geleistet wird, ganz unabhängig von der Zionistischen Organisation und ihrer Arbeit zustande gekommen sei. Soll doch die Jewish Agency sich auch an die Spitze der privat«i:;scliaft'L'hen Entwicklung des Landes stellen, soll sie ihr neue Wege zeigen und neue Anregungen geben, und wenn sie erst wieder Geld hat, ihr Institute schaffen: die große Hypothekenbank, die Agrarbank, das Forschungsinstitut für Industrie und Handel, Handels- und Gewerbeschulen usw. usw. So könnte die Jewish Agency die zionistische Finanzpropaganda von ihrer Beschränkung auf die beiden Fonds frei machen und ihr daneben das große Gebiet der Werbung von Privatkapital eröffnen, wie es die psychologische Auswertung des Momentes verlangt. Wenn diese Werbung Vertrauen finden soll, so kann sie nicht von einzelnen Unternehmen ausgehen, so muß sie unter Kontrolle stehen, am besten eben jenes Institutes, von dem oben die Rede war. Und muß ein System haben. Vielleicht auch einen Apparat, er braucht nicht groß zu sein und kann sich schnell und leicht aus den Eingängen erhalten. Es müßten Abmachungen mit den Werbestellen der beiden Fonds getroffen werden, insbesondere mit dem KH, der, wenn er die Zeichen der Zeit richtig verstünde, selbst diese Propaganda in seinen Aufgabenbereich einbezogen hätte. Vor allem: man soll nicht warten, in allen Ländern der Golah wächst das Gefühl jüdischer Unsicherheit, verstärkt sich die Neigung für Hinüberführung von Kapital und Existenz nach Palästina. Leider haben wir schon gewartet, bis die Devisen- Verordnungen uns in allzu vielen Ländern bereits den Weg versperren. Aber das darf unsere Aufklärungsarbeit nicht bceinträchtigen, wenn auch die Möglichkeiten ihrer Realisierung dadurch leider schon sehr eingeschränkt sind. Natürlich können hier nur Andeutungen gegeben werden, müssen unzählige Detailfragen der Erörterung in sachverständigem und verantwortlichem Kreise Vorbehalten bleiben. Aber versäumen wir nicht über der Betrachtung von Detail* fragen die Nutzung der Erkenntnis: es gibt noch Geld für Palästina! Hören wir auf mit Lamentieren, finanzieren wir! Baron Hirsch's 100. Geburtstag Am 0. Dezember 1931 waren es 100 Jahre seit der Geburt von Baron Moritz Hirsch (Freiherr auf Gereuth), des großen Philanthropen, der ein Vermögen von fast 403 Millionen Goldfranken für jüdische Wohlfanrtseinrichtungen, Kolonisations- und Schulzwecke ausgegeben hat. Er wurde als Sohn des Bankiers Josef Baron Hirsch in M ünchen geboren. Schon in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts machte et Ein Angebot von 50’ Millionen Francs, das er der russischer Regierung für die Zwecke der Bildung der Juden Rußlands Im Sinne seiner Produktivierungshestrebungen machte, wurd« abgelehnt, und nun begann er Pläne zur Besserung der Lage der russischen Juden auf dem Wege der Auswanderung und Kolonisierung zu verwirklichen. Er schuf die jüdischen Kolonien in Argentinien und gründete zur Führung dieses W'erkes 1891 die Jewish Colonisation Association (JCA) mit einem Anfangskapital von 2 Millionen Pfund, das er im Laufe der Jahre bis auf 180 Millionen Francs erhöhte; die JCA wurde dadurch zu der größten und bedeutendsten jüdischen Wohltätigkeitsorganisation der Welt. Eine weitere _ große Stiftung des Barons Hirsch war der ״Hirsch’sche Schuifonds“ in Galizien, der von ihm 1801 mit einem Kapital von 12 MUL österr. Gulden (25 Millionen Francs) gegründet wurde. Da die Gelder dieser Stiftung laut Abmachung mit der osterreichischen Regierung in der Staatsbank aufbewahrt werden mußten, wurde das Kapital in den Inflationsjahren fast völlig entwertet. Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika machte Hirsch eine Stiftung. Bekanntlich hat Theodor Herzl versucht, Baron Hirsch für seinen Plan einer Lösung der Judentrage durch Großkolonisation in Palästina zu gewinnen. Herzis Gespräch mit Baron Hirsch, aufgenommen in Theodor Herzis Gcsammelte Schriften, ist eines der großartigsten Dokumente dieses Wendepunktes jüdischer Geschichte, wo an die Stelle der bis dahin allein maßgebenden Philanthropie die bewußte jüdische Politik tritt. Auch in Herzis Tagebüchern ist seine Auseinandersetzung mit Hirsch eingehend dargestellt. Leider starb Hirsch gerade in dem Moment, wo Herzl seine Tätigkeit begannt so daß die Möglichkeit, ihn noch für die Sache zu gewinnen, ausgeschlossen war. Herzl hat auch noch später damit gerechnet, die ״Millionen der JCA“ im entscheidenden Moment für den Zionismus fruchtbar zu machen. Wenn wir heute auf das Jahrhundert, das durch die Gestalten Hirschs und Herzis charakterisiert war, zurückblicken, so müssen wir sagen, daß das große jüdische Herz des Baron Hirsch nicht so viel Reales für das jüdische Volk schaffen konnte, wie er selbst es beabsichtigt hatte. Seine Weitsicht hat nicht ausgereicht, seine Tat blieb Stückwerk, das in keinem Verhältnis steht zu den aufgewendeten Mitteln. Wäre dasselbe Kapital — im Einklang mit der immanenten Forderung der jüdischen Volksseele — für eine planvolle nationale Aufbauarbeit in Palästina aufgewendet worden, dann wäre heute die Situation des jüdischen Volkes wahrscheinlich eine ganz andere und der Name des Baron Hirsch würde an seinem 100. Gcburtstag in einem grandiosen Licht geschichtlicher Verklärung erstrahlen. Die Wirtschaftskrise der deutschen .luden. (Aussprache im Wirtschafts-Ausschuß des Landesverbandes.) Am 6. Dezember veranstaltete der Wirtschafts-Ausschuß des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden im Logenhaus, Kleiststraße, in einer Sondersitzung eine Aussprache, die der Wirtschaftsnot der deutschen Juden und den Plänen ihrer Linderung gewidmet war. Prof. Dr. Julius Hirsch erstattete ein Referat über ״die Wirtschaftslage der deutschen Juden und die Einwirkungsmöglichkeiten auf die weitere Entwicklung“. Der Referent stellt vier programmatische Thesen auf: 1. Erhaltung der bisherigen jüdischen Wirtschaftsgrundlagen, 2. bewußte Lenkung jüdischer Arbeitskräfte auf noch nicht voll aus genutzte Tätigkeitsgebiete, 3. Erfahrungsaustausch führender jüdischer Wirtschaftler auf möglichst vfe'en Arbeitsgebieten, 4. Errichtung einer Forschungsstelle für jüdische Wirtschaftsfragen. Zu den einzelnen Thesen machte er detaillierte Vorschläge, die eine umfassendere Organisierung der jüdischen Selbsthilfe und eine Anlehnung an die wirtschaftlich stärkeren Judenheiten in Westeuropa und in U.S. A. forderten. Prof. Hirsch führte auch eine Reihe von ßetätigungsmö'Ticlikeilen und Wirtschaftsgebieten ati, bei denen Aussicht auf Betätigung für jüdische Erwerbssuchende vorhandeti ist. An der Aussprache beteiligten sich Dir. Benario, Dr. Jakob Segail, Warenhausbesitzcr Georg Tictz, Alfred Bcrger, W'ilhelm Markus, Dr. Ludwig Holländer, R.-A. Gerson, Bruno Woyda, Dr. Zielcnziger und Adler-Rudel. Nach einem Schlußwort von Prof. Hirsch folgte eine vertrauliche Ausschuß-Besprechung über die Auswertung der Beratungen. Hebräische Weltorganisation. Am 15. Dezember wird in Berlin im Beth-Am die Gründungsversammlung der Berliner Ortsgruppe der hebräischen Weliorganisatichi , des Brit Iwrit Olamit, stattfinden. Die Mitgliedschaft zum Brit wird durch den Sela erworben. Die Zahl der hebräisch Interessierten in Berlin ist gegenwärtig größer denn je, und es gilt, die vorhandenen Kräfte zusammenzuschließen, ihre Bedürfnisse kennenzulernen und sie zu aktivieren, kurz, eine einheitliche, lebendige hebräische Bewegung in Berlin zu schaffen, die imstande ist, neue Menschen zu gewinnen und neue Aufgaben zu erfüllen. Das Verständnis für die Bedeutung der Hebraisierung gewinnt an Boden. Von großtem Wert ist der Beschluß der zionistischen Leitung in Deutschland, der alle Zionisten in Deutschland auffordert, ebenso wie den Schekel aucli den Sela zu erwerben und in allen jüdischen Gemeinden Ortsgruppen des Brit zu gründen. Wir wenden uns daher an die Zionisten Berlins: Tretet ein in die Reihen der hebräischen Weltbewegung, zahlt den Sela, werbt für den Sela, schafft dem hebräischen Schriftsteiler ein hebräisches Publikum, helft uns den hebräischen Weltbund errichten! Erscheint am 13. Dezember zu der Gründungs Versammlung der Ortsgruppe Berlin des Brit Iwrit Olamit! Dr, MartinNatUan.

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