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Jüdische Rundschau · 1931-12-11 · Heft 96 (11.12.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 96 (11.12.1931)
Date
1931-12-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 564 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. §5. 11. XIT. 1031 Ideal. 'Palästina gibt dem ganzen jüdischen Volke unschätzbare Werte, deren größter vielleicht das Wissen ist, daß in Palästina eine immer steigende Zahl von Juden die Möglichkeit haben, normal, gesund und produktiv zu leben, als freies yolk, kraft eigenen Rechtes und nicht aus Duldung: mit ihrer eigenen Religion und Sprache, mit ihren eigenen Sitten und Bräuchen eine Nation im beiten Sinne des Wortes• Die schriftlichen Botschaften Auf dem Bankett wurden Botschaften von Staatsmännern und führenden Juden verlesen, aus denen wir folgende 'Bruchstücke wiedergeben: Ministerpräsident MacDonald: Abgesehen von seiner Arbeit für die Sache des Jüdischen Nationalheims in Palästina, die ein Beispiel praktischen fdealismus* gibt und die Bewunderung aller, die ihn kennen, weckt, •wird Weizmanns persönliche Freundschaft von allen, die mit ihm in Berührung gekommen sind, hoch geschätzt. Stanley Baldwin, Vizepremier und Führer der Konservativen Partei: Ich freue midi, eine Gelegenheit zu haben, wenn auch nur durch diesen Brief, meine Hochachtung für Dr. Weizmann zum Ausdruck zu bringen, der, inspiriert durch den romantischen Realismus seines Volks, durch seine Arbeit für das Jüdische Nationalheim in Palästina gezeigt hat, was mit Energie, Phantasie und Idealismus geleistet werden kann. David Lloyd George: Gerne wäre ich dabei gewesen, wo man einen der größten Männer, die aus dem Weltkrieg emportaiiehfen, ehrt. Seine hervorragenden Dienste sowohl für Israel wie für das British Empire bilden einen unzerstörbaren Teil der Geschichte. Arthur Henderson: Ich begrüße die Gelegenheit, meine Bewunderung zum Ausdruck zu bringen für die ausgezeichneten Dienste, die Dr. Weizmann der Sache des Jikiisehen Natioaalheims erwiesen hat. Sir Herbert Samuel, Minister des Innern der Nationalen Regierung: Wenn man die letzten 16 Jahre überblickt, die Zeit, während der ich mit Dr. Weizmann und seinem Werk eng verbunden bin, scheint es wunderbar, wieviel geleistet wurde. Endlich wurden die Aspirationen, die lange in jüdisehen Herzen latent waren, in hohem Maße erfüllt. Die schwierige Aufgabe, ein Nationalheim für die Juden in Palästina zu gründen, ohne Ungerechtigkeit gegen die bereits das Land bewohnende Bevölkerung zu begehen, sondern vielmehr mit guten Resultaten auch für diese Bevölkerung, ist ein gutes Stück vorwärts auf dem Wege zur Vollendung gebracht worden. Um dieses Unternehmen zu überwachen und zu stützen, wurde, zum ersten Male in der Geschichte, eine permanente Organisation ins Leben gerufen, die die Gesamtheit der zerstreuten Mitglieder des jüdischen Volkes darstellt. Dr. Weizmanns Name wird in der Geschichte als der eines großen aufhauenden Staatsmannes leben. Felix M. Warburg, New York: Dr. Weizmann weiß, wie tief und warm ich seine Arbeit für Palästina würdige. Seine Selbstlosigkeit im Dienste für das Judentum ist ohne Beispiel, das Geschick und der Takt, die er bei seineii Bemühungert, die verschiedenen Probleme dieses mysterienreichen schönen Landes einer Lösung zuzuführen, gezeigt hat, haben ihm die Achtung aller jener, mit denen er in Berührung kam, eingebracht Uns gilt er nicht nur als ein erfolgreicher Befiirworter seiner Sache, sondern er ist uns auch ein lieber Freund, und gleich vielen anderen haben wir cs tief bedauert, daß einige seiner Anhänger es zugelassen haben, daß er die Leitung der Bewegung niederlegte, wo uns seine Führung heute wie immer nottut. Erlauben Sie mir, daß ich mich den Freunden Dr.. Weizmanps anschließe, um ifaa zu versichern, daß alles, was er getan hat, die außergewöhnlichen Werte, die er uns gebracht hat, niemals von denen werden vergessen werden!, die mit ihm in den Schützengräben standen. Oscar Wassermann, Berlin: Außer Baron Edmond de Rothschild, dem Vater der jüdischen Kolonisation, verdient keiner in solchem Maße wie Dr. Weizmann die Dankbarkeit jedes Juden unserer Zeit. Allein Dr. Wetzmanns Anstrengungen, seinem Herzen und seinem Verstand ist es zu danken, daß das jüdische Werk für Palästina, einst die ausschließliche Domäne einer Partei, zu einer Sache der ganzen Judenheit, ja der ganzen Welt, geworden ist. Die Größe dieser Aufgabe und die Größe des Mannes, der Träger dieser Aufgabe ist, werden in gewissen jüdischen Kreisen immer noch nicht anerkannt. Hierfür sind die Sorgen der Zeit ebenso verantwortlieh zu machen, wie der Mangel an Verständnis. Aber ich zweifle nicht, daß die Anerkennung für Weizmann und sein Werk Zunahmen wird, und daß zukünftige Generationen unseren Freund zu den größten und verdienstvollsten Juden aller Zeiten zählen werden. Botschaften wurden ferner verlesen vom jetzigen Lord Balfour, General Smuts, Rabbi Kook, Prof. S. Alexander, Dr. Cyrus Adler, Kurt Blumenfeld, Emanuel Neumann, der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, verschiedenen zionistischen Verbänden 11. a. m. Viseountess Er 1 ei gh , die Tochter Lord Melchetts und Schwiegertochter Lord Readings, teilte der Versammlung mit, daß Teilnehmer an dem Dinner 9001) Pfund für den Keren Hajessod gezeichnet haben. Walter Eliott, Sokolow und Simon Marks dankten Lord Reading für die Führung. Lord Reading erwiderte, er werde das Andenken an diesen Abend hochhalten. In aller Kürze Am 17. Dezember beginnt vor der Strafkammer unter dem Vorsitz des Landgericntsdircktors Ohnesorge die Berufungsverhandlung gegen die Verurteilten in den ersten beiden Kurfürstendammprozessen. Es ist zunächst gegen die 41 Angeklagten eine Verhandlungsdauer von vier Wochen vorgesehen. Die Zionistische Exekutive teilt mit, daß sie Herrn Emanuel Neuman ersucht hat, bis zur Ankunft der Sokolow-Delegation in Amerika zu verbleiben. Die Exekutive hat Herrn Farbstein ersucht, vor seiner Abreise nach Palästina für einige Wochen nach London zu kommen. Der Leichnam des am 1. Januar d. J. in New York im Alter von 83 Jahren verstorbenen Nissim Beha r, Begründers der Alliance-Schulen im Orient, ist an Bord der ״Providcnce“ gebracht worden, um nach Jerusalem überführt zu werden, wo er gemäß dem letzten Willen des Verstorbenen seine letzte Ruhestätte finden wird. Das American Jewish Committee, das Anfang Dezember 1906 von Louis Marshall mit dem Ziele begründet worden ist, über die Rechte und die Interessen der Juden überall in der Welt zu wachen, hielt in New York seine 25. Jahrestagung als Jubiläumstagung ab. Dr. Cyrus Adler wurde wieder zum Präsidenten, Julius Rosenwald und Richter Irving Lehman zum Vizepräsidenten gewählt. An der Wiener Universität kam es am 7. Dezernber wieder zu einer heftigen Schlägerei. Die jüdischen Studenten wurden von den Hakenkreuzlern gewaltsam aus der t ,;sität entfernt und zum Teil erheblich mißhandelt. Nach einer vorgenommenen Zählung gibt es in Jeru- Salem 255 Synagogen und Beträume. In den jüdischen Wohnvierteln zusammen gibt es jetzt 3996 Häuser. Der Moslem - Kongreß in Jerusalem Afjudas Jiiroel begrüfjf den Kongreß Jerusalem, 7. Dezember. (J. T. A.) Die Palästina- Organisation der Agudas Jisroe! sandte an das Präsidium des Moslem-Kongresses eine Begrüßungsktindgebung, in der es heißt: ״Wir Vertreter des thoratreuen Judentums begrüßen die Führer des Islam in der ganzen Welf, die jetzt in der Heiligen Stadt versammelt sind, wir weisen die Verdächtigung, daß die Juden die Absicht hegen, die Heiligen Stätten des Moslem anzutasten, zurück und geben von neuem die Versicherung, daß die Juden keinerlei Absichten in bezug auf die Aksa-Moschee oder irgendeine andere Stätte im Tempel-Gebiet haben. Die Juden wünschen nur eines: daß ihnen gestiftet werde, an der Klagemauer, der Stätte, von der die Schechina (der göttliche Geist) nie gewichen ist, wie einst ihre Vater, ihr Gebet zu Gott zu erheben. Die Agudas Jisroel hofft, daß der Kongreß dem Heiligen Lande Frieden bringen und zur Förderung des Wohlstandes und des Glückes aller Einwohner der heiligen Stadt und des Heiligen Landes beitragen wird." Das Komitee zur Organisierung des Kongresses teilte dem Sekretär der Vereinigung der Zeitnngskorrespondenten, Herrn Gerschon Agronskv,' Chefredakteur des ״Palestiiie Bulletin", mit, daß beschlossen wurde, alle jüdischen Journalisten, auch Vertreter auswärtiger Zeifangen, von der Pressetribüne auszuschließen. Als Pressevertreter werden nur Moslems und Christen zugelassen. In der Eröffnungssitzung des Kongresses, die in der Aksa-Moschee stattfand, hielt der Großmufti von Jerusalem, Hadsch Emin el Husseini, eine Rede, in der er den Niedergang des Islam beklagte und zur Bildung einer allmoslemischen Union aufforderte. Die meisten Mosletns, sagte er, stöhnen unter fremder Herrschaft, aber nirgendwo ist die Lage so schlimm wie im Heiligen Lande. Dies ist auf die jüdischen Pläne zurückzuführen. Das beste Mittel zur Bekämpfung des Atheismus ist es, die heilige Stadt zu einem Sitz islamischer Gelehrsamkeit zu machen. In der zweiten Sitzung des Islam-Kongresses ließ der Großmufii von Jerusalem unter den Delegierten und Gästen zwei Photographien zirkulieren, die die Aufschrift trugen: ״Die Engländer bewaffnen die Juden in Palästina und unterweisen sie in dem Umgang mit Feuerwaffen.“ Die eine Photographie ist echt und zeigt eine Uebung der Arbeiter in den Äthlit-Steinbrüchen ohne Waffen, die andere Photographie, die angeblich bewaffnete Juden zeigt, ist zweifellos eine Fälschung. Es verlautet, daß die Exekutive der Jewish Agency bei der Palästina-Regierung gegen diese von dem Multi betriebene antijüdische Hetze energische Vorsteliunen erhob und auf die Gefahren hinwies, die den Juden In alästina und in den anderen arabisch-moslemitlschen Ländern aus einer solchen Hetze drohen. An dem Kongreß nehmen insgesamt 150 Moslems, und zwar 80 aus Palästina und Transjordanien und 70 aus anderen Ländern, teil. Der Kongreß wählte den Großmufti Hadsch Emin el Hussein! zum Präsidenten und je einen Vertreter aus Yemen, Persien, Aegypten und Sirqbal (Indien) zu Vizepräsidenten. Es wurden Kommissionen für Heilige Stätten, für Kultur und für Propaganda eingesetzt. Wie es heißt, arbeitet der Großmufti darauf hin, Jerusalem zu einem permanenten Islam-Zentrum zu machen und den Islam-Kongreß alle vier Jahre hier zusammen treten zu lassen. Auf dem Kongreß haben sich schon in den ersten zwei Tagen sch a rf e■ -Spair*uutf e!» ־iwisöl««:-einzelnen•-Teilnehmergruppen gezeigt. Während der Zeremonien in der Aksa-Moschee entstand ein scharfer Streit zwischen Aegypfern verschiedener religiöser Couleur um den Vorrang bei der Zeremonie. Auch die gleich atn ersten Tage entstandene Spannung zwischen dem Mufti und S c h a ti k a t Ali betreffend die die Opposition abstoßende Mufti-Politik hat sich zu einem ernsten Zwist erweitert, nachdem Schaukat Ali eine Erklärung unterzeichnet hat, in der er sich ״Hüter der Quaba, der Keeber-Moschee und der Aksa- Moschee" und ״Scherif des Burat!“ nennt. Der Mufti ist der Ansicht, daß Schaukat Ali Titel usurpiert, die eigentlich nur dem Kalifen zukommen. Der Korrespondent der ״T i m c s“ meldet, daß der Kongreß durch die inneren palästinensisch-moslemischen Streitigkeifen sehr beeinträchtigt wird und daß dies den Rücktritt einiger ägyptischer K0 11 greß -Mitglieder •‘zur Folge haben dürfte. Die Opposition werde durch den Verlauf des Kongresses in ihrer Haltung bestärkt, da dieser lediglich das Prestige des Mufti zu vergrößern bestimmt sei. Unter den eingelaufenen Begrüßungsdepeschen befinden sich solche vom Emir von Abdallah von Transjordanien, Exkönig Ali, von dem früheren Khediven, von dem Nabob von Bhopal (einem der indischen Fürsten) und von dem Wald- Führer Nalias Pascha. Anfragen im Unterhaus London, 9. Dezember. (). T. A.) Colonel Josiah Wedgwood richtete im Unterhaus an den Kolonialminister die Frage: Ist es dem Minister bekannt, daß die Organisatoren des Moslem-Kongresses in Jerusalem auf dem Kongreß die Frage des Schutzes der Heiligen Stätten des Islam zur Diskussion gestellt haben? Glaubt die Regierung, daß dieser Diskussionspunkt auch die Klagemauer einschließt? Hat die Regierung dem Mufti und den anderen Organisatoren des Kongresses klargemacht, daß jeder Versuch, die religiösen Gefühle der Moslems gegen die Juden oder die Christen aufzustacheln, für die Regierung ein Grund zum Einschreiten sein wird? Ist den auswärtigen Teilnehmern am Kongreß die Verpflichtung auferlegt worden, jede solche Aufreizung zu vermeiden? Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Sir Robert Hamilton, erwiderte: Der Regierung ist es bekannt, daß die Klage in auer-F rage auf dem Kongreß erörtert werden wird. Sie habe aber keinen Grund zur Befürchtung, daß Versuche gemacht werden würden, die religiösen Gefühle gegen Juden oder Christen aufzureizen. Als Resultat der Nachforschungen seitens des High Commissioners für Palästina habe ich die Sicherheit gewonnen, daß der Mufti, der die Einladungen zur Teilnahme an dem Kongreß versandt hat, sich seiner Verantwortung voll bewußt ist und sich bestrebt zeigt, den Kongreß in einer Weise zu leiten, daß der britischen Regierung und der Regierung Palästinas keinerlei Verlegenheiten bereitet werden. Col. Wedgwood fragte weiter, ob im Hinblick auf die wachsende Unsicherheit in Palästina den Juden erlaubt würde, Waffen zur Selbstverteidigung zu tragen. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien erwiderte: ich kenne nicht die Gründe für die Behauptung, daß die Un- Sicherheit in Palästina zunimmt: auf jeden Fall kann sich €01. Wedgwood auf den High Commissioner verlassen, der, wo nötig, besondere Schutzmaßnahmen, außer den bereits bestehenden, empfehlen wird. Wedgwood: Ist der Unterstaatssekretär über die Ermordung zweier junger Juden unterrichtet? Weiß er, daß in Palästina 22 Morde durch Araber begangen worden sind? Sir Robert Hamilton: Es wurde hierüber vom High Commissioner ein Bericht angefordert, der Bericht ist noch nicht eingetroffeu. Die amerikanischen Juden in der Wirtschaftskrise Erklärungen Dr. Bernhard Kahns Dr. Bernhard Kahn, der vor einigen Tagen von seiner Amerika-Reise zurückgekehrt ist, schilderte in einem kleineren Kreise von Journalisten die Erfahrungen, die er in Amerika gemacht hat. Zweck seiner Reise war einerseits die fnformierung der leitenden amerikanisch-jüdischen Persönlichkeiten über die Situation in Ost- und Mitteleuropa, andererseits das persönliche Kennenlernen der gegenwärtig In Amerika herrsehenden Verhältnisse. Außerdem hat Dr. Bernhard Kahn als Exekirtiv-Mitglied der Jewish Agency selbstverständüch mit allen in der Agency vereinigten maßgebenden Kreisen, Zionisten und Nichtzionisten, Fühlung genommen. Die wirtschaftliche Situation in Amerika ist, führte Dr. Kahn aus, noch sehr gespannt. Besonders schwer sind von dieser Krise die jüdischen Kreise, darunter in sehr starkem Maße der jüdische Mittelstand, betroffen. Die Situation wird dadurch gekennzeichnet, daß man in Amerika die Empfindung hat, noch nicht auf dem Tiefpunkt der Krise angelangt zu sein. Psychologisch hat das die Bedeutung, daß man sich unsicher fühlt und infolgedessen keine Entschlüsse zu fassen vermag. Absolut genommen, ist natürlich das amerikanische Judentum auch heute noch viel wohlh aberder als das Judentum i n Europa. Aber das Gefühl, sich in einem Niedergangsprozeß zu befinden, wirkt lähmend. Man gewinnt in Amerika den Eindruck, daß die dortigen bisher so aktiven Kreise ziemlich ratlos sind. Die jüdischen Massen haben sehr gelitten, so daß die Hilfstätigkeit der sozial denkenden führenden jüdischen Schiebten sich in erster Linie mit amerikanisch-jüdischen Angelegenheiten befaßt. Es bestand geradezu eine Tendenz, sich von Osteuropa loszusagen. Man hat in den Kreisen der führenden Persönlichkeiten wohl noch Verständnis bewahrt für die großer! konstruktiven Aufgaben, wie das Palästinawerk und die Kolonisation in Südrußland, aber für ״Hilfsaktionen“ im engeren Sinne des Wortes ist die Anteilnahme sehr stark abgeflaut. Dr. Kahns Anwesenheit in Amerika hat dazu beigetragen, die Brücke, die zwischen dem amerikanischen Judentum und der notleidenden jüdischen Gemeinschaft in Ost- und Mitteleuropa bestanden hat, zu erhalten, wiewohl man sich darüber klar sein muß, daß die Hilfeleistung aus Amerika in der kommenden Zeit auf ein bescheidenes Maß herabgedrückt sein wird. Hinsichtlich der Jewish Agency glaubt Dr. Kahn die Feststellung machen zu dürfen, daß im gegenwärtigen Augenblick eine Erweiterung des bisher in der Jewish Agency organisierten Kreises in Amerika nur sehr schwer zii bewerkstelligen sein wird. Hingegen hat er den Eindruck mitgenommen, daß die bisher in der Jewish Agency tätig gewesenen Persönlichkeiten nach wie vor mit größter Hingabe dem PalSstinawerke ergeben sind. Hier ist als ein von allen Kreisen, Zionisten und Nichtzionisten, mit größter Hochachtung und Bewunderung genanntes Beispiel Morris Rothenberg zu nennen, der in den letzten drei Jahren auf dem Gebiete der Arbeit für den Palästina-Aufbau Uebermenschliches geleistet hat. Das Ergebnis des diesjährigen Drives für das Palästinawerk beläuft sich in Amerika auf 745 000 Dollar, wovon 2000(0 Dollar auf die Hadassah entfallen. Wieviel Pfund das sind, kann man in Anbetracht des schwankenden Pfundkurses nicht genau ■ angebert»- ״Mm muß aber bedenken, daß sich in dieser Summe ein ״Ueberhang“ aus der Zeit des United Appeal, der gemeinsamen Sammlung für Palästina und Joint, aus dem Vorjahre befindet. Wenn man diesen Nachtrag aus der Zeit vor dem separaten PaleStine-Drive abzieht, so ergibt sich, daß in diesem Jahre, ohne Hadassah, für Palästinazwecke 300 000 Dollar gesammelt wurden, also ein Betrag, der in keiner Weise den Bedürfnissen und auch nicht den Erwartungen entspricht. Die Sammlungen im nächsten Jahre werden nicht mit einem so großen ״Ueberhang“ zu rechnen haben; dieser wird von den informierten Menschen aut ungefähr 30000 Dollar beziffert. Allerdings setzt man auf die Reise Nah u m Sokolows nach Amerika gewisse Hoffnungen. Zweifellos hat die Versöhnung auf der letzten Convention der amerikanischen Zionisten die Arbeitschancen erhöht. Man kann sagen, daß bei den Persönlichkeiten, die bisher für das Palästinawerk in Amerika gearbeitet haben, trotz der schweren Krise der Wille ungebrochen fortlebt, mit allen Kräften im nächsten Jahre für das Palästinawerk tätig zu sein. Es ist bedauerlich, daß infolge der wirtschaftlichen Krise die führenden Persönlichkeiten der Jewish Agency im abgelaufenen Jahre nicht die Möglichkeit hatten, nach Europa zu kommen. Dr. Kahn hat den Eindruck empfangen, daß bei den finanziellen Sachverständigen der Jewish Agency das Bedürfnis vorhanden ist, mit den maßgebenden Persönlichkeiten in Europa in absehbarer Zeit eine persönliche Aussprache in formloser Art zu pflegen. Dies wäre zweifellos von erheblicher Bedeutung für das werk der Jewish Agency. An die Ausführungen Dr. Kahns knüpften sich längere ins Detail gehende Darlegungen über verschiedene Fragen sowohl des Hilfswerkes in Europa wie auch der Arbeiten in Palästina. Außerdem konnte Dr. Kahn Mitteilungen über das große Interesse machen, das in amerikanischen Kreisen, Hauptsächlich jüdischen, aber auch nicbtjüdischen, für die politische Entwicklung in Deutschland herrscht. Man verfolgt in Amerika mit gespannter Aufmerksamkeit die Vorgänge in Deutschland, besonders nach der Richtung, wie sich diese Vorkommnisse auf das Schicksal des deutscheu Judentums auswirken. Neben Mitgefühl besteht in Amerika auf Grund der demokratisch-amerikanischen Tradition auch der ernste Wille, nötigenfalls den deutschen Juden in jeder Hinsicht Hilfe zu bringen. HMBn11m11nt1t1u1n111iH1m111H111ünHtw111w1HH1t111iHfii11wjis1!111f11i1ii11i1111111i1111H11j111111iii111111N111tji1t111111 Schekelsammlung 5692 Wir haben in den letzten Wochen die Versendung der Schekelblocks an die Gruppen und Schekelvertrauensleute vorgenommen und richten an dieselben auch auf diesem Wege die dringende Bitte, die Sammlung jetzt beschleunigt durch zu führen und dieeingezogenenSchekel schnellstens an uns zu überweisen. Die Zionistische Exekutive ist auf den Eingang der Schekelgelder dringend angewiesen. Der Schekelprels beträgt wie bisher M. 1,50. Zionistische Vereinigung (dr Diutscitiantt Die LenasssciteiiBihommiseion Postscheckkonto: Berlin Nr. 8091. Bankkonto: Volksbank iwria, Rosenthaler Str. 55. ill!lllfl!lllllllllllll!lll!Wi!!(llllllllllllllll!lltmt^

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