Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 96 (11.12.1931)
- Date
- 1931-12-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sehe 568 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 96, II. XIL IÖ3i Jakob Wassermann und Morifz Heimann Zwei deuUch'Jüdisdbe Schrifisieller Irn Dezemberheft der ״Neuen Rundschau“ (Verlag S. Fischer) vcrötfentlicht Jakob Wassermann ״Selbstbctrachtungen“, offenbar Bruchstücke aus einer Selbstbiographie. Im Verlaufe dieses Berichtes kommt Wassermann auf Moritz Heimann zu sprechen, und cs ist ganz interessant, was Wassermann, der mit seinem eigenen jüdischen Problem niemals fertig geworden ist und in quälender Selbstanalyse und unter heftiger Anklage des Schicksals seinen ״Weg als Jude und als Deutscher“ sucht, über einen Mann aussagt, dessen Judentum bei aller scheinbaren äußeren Assimilation tief innerlich verwurzelt und fest gefügt war. Dem großen Mcnsehcngestalter Jakob Wassermann fehlte der letzte Zugang zu dieser abgeklärten jüdische!) Bewußtheit Moritz Heimanns, und es ist unverkennbar, daß Wassermann ihn in den entscheidenden Punkten mißversteht. Ihn schreckt die Macht der ״dunklen Bindungsgesetzt‘', so rettet er sich, indem er Heimann (dessen jüdisches Weser! Will)• Haas in einem sehr einfühlenden Essay in ,,Gestalten der Zeit“, Verlag Kiepenheuer, analysiert hat) — zum ״Christen“ vereinfacht Auch betont W. besonders alle assimilationsbeweisenden Momente, Trotzdem ist seine Darstellung für jüdische Leser von großem Interesse. Wassermann schreibt (Sperrungen von uns): ״Es herrschte in unser beider Lebensgang und Lebens- Situation viel Ähnlichkeit, vor allem die Herkunft aus jüdischem Kleinbürgertum und der frühe Kampf gegen Armut und Not Nie ist mir die Verlogenheit und Verblasenheit der heutigen Rassentheorien, besonders sofern sie auf der Oberfläche der trüben politischen Wässer schvvimmen, klarer bewußt gewesen als in meinem Verhältnis zu Heimann. Heimanns ganzes Wesen war durch märkische Landschaft, norddeutsche Tradition, preußische Form (in einem alten Sinn vou Zucht und Haltung) so anders gclärbt als das meine, das durchaus im süddeutschen Leben wurzelte, in heiterer Luft, beweglicherem Volk, bunterer Geschichte, daß wir ganz gut die Repräsentanten zweier völlig verschiedener Stämme hätten sein können und von Bluts- (und Art Verwandschaft bis in eine ziemliche Tiefe hinunter nicht die Spur zu entdecken war. Seine Stel- Jung zum Judentum war ohne militante Regu n g, ohne Wehleidigkeit, ohne au fgetragehe n Stolz, ohne Ressentiment, ohne Debattiersucht, überhaupt fast ohne Betonung. In dieser Hinsicht war er der Abkömmling einer humanen Aera (ich weiß, das Wort steht auf dem schwarzen Brett unserer Zivilisation), der seine Zugehörigkeitsgefühle zum Vaterland noch vor der allgemeinen Erkrankung des Volksgeistes empfangen hatte. Die Gelassenheit, mit der er diese Umtriebe und ihre demütigenden Wirkungen betrachtete, hatte etwas unendlich Ueberlegenes und war schon allein das Kennzeichen eines hohen Geistes. Später allerdings, so hatte ich den Eindruck, wurde seine Haltung darin ein wenig erschüttert, und wie einerseits eine mehr und mehr christliche Grundverfassung seiner Natur zutage trat, im Sinne des Urchristentums beinahe, neigte er andererseits zu einem jüdischen Mythos, der in ihm selbst lebte und den er auch dichterisch (im Drama ״Das Weib des Aklba“) gestaltete. Hinter diesen Wandlungen und Schwankungen lagen wohl sehr eigentümliche und seelische Prozesse. Wir sprachen selten darüber. Es waren Uebergänge, bei denen das Elementare in seiner Natur und dunkle B i n d u n g 3 g es e t z e eine größere Rolle spielten als philosophische Erkenntnisse, so sehr er gewöhnt war, oder sich erzogen hatte, diesen die erste Stimme in seiner Lebensführung zu geben. Wie so viele hochentwickelte Juden unserer Zeit war er eben durch und durch Christ, in einer äußerst sublimierten Weise, und doch von den Wurzeln her, dabei so geschliffen zart, daß es sogar für ihn nicht leicht war, eine solche Lebensstimmung und in tramschem Zwiespalt erworbene Haltung zu formulieren, denn jede Festsetzung erforderte ja erst die Uebenvindung der akuten Krise.“' Aus dem Unterschied der Stellung der beiden Schriftsteiler zu ihrem Judentum ergibt sich auch auf ganz natürliche Weise der Unterschied ihrer Stellung zum Deutschtum. Daher ist es begreiflich, wenn Wassermann verwundert schreibt: ״In deutscher Erde, deutscher Landschaft, deutscher Welt und Geschichte wurzelte er genau so wie ich, doch im Gegensatz zu mir ignorierte er jede Bezweiflung dieser für ihn ehrwürdigen und legitimen Tatsache. Ich befand mich im Zustand der Abwehr und Werbung, er gab sich einfach hin wie eine königliche Person, die mit dem Bewußtsein ihrer Würde das ihrer Selbstaufopferung vereint. Er haderte nicht, er ließ auch keinen Hader an sich kommen. Auch war ihm jede Eifersucht und jedes eifersüchtige Vergleichen fremd, schon deshalb, weil er wesentlich aufnehmend lebte und für alles, was er von außen empfing, von Menschen und von Geistern, eine demutvolle Dankbarkeit bezeigte.“ Es ist ein eigentümlicher Zufall, daß gleichzeitig mit diesem Aufsatze des jüdischen Schriftstellers Jakob Wassermann über den jüdischen Schriftsteller Moritz Heimann ein anderer Aufsatz ins Gedächtnis zurückgerufen wird, nämlich der Aufsatz des jüdischen Schriftstellers Moritz Heimann über den jüdischen Schriftsteller Micha Josef bin Gorion. Dieser Nachruf Heimanns ist 1022 nach dem Tode Berdyczewskis in der ״Neuen Rundschau“ ersehenen; er wurde jetzt wieder aufgenommen in die ״Kleine Gedächtnisschrift zum 10. Todestag von Micha Josef bin Gorion“, die von der Frau und dem Sohne des Verstorbenen im Morgenland-Verlag, Berlin, herausgegeben wurde. Man braucht nur diese beiden Aufsätze nebeneinanderzustellen, um zu sehen, daß Jakob Wassermann durch einen mächtigen Felsblock in seinem Blickfeld verhindert ist, den Juden Heimann in seiner jüdischen Größe zu sehen. Zu einer ״Schau palästinensischer Arbeiten" hatte am 20. November die Frauen-Arbeitsgemeinschaft für Palästina in die Räume der Sezession geladen. Ein großer Kreis von Freunden und Fernerstehenden hatte sich eingefunden und man verbrachte einige Stunden angeregt miteinander. Frau Dr. T u r n 0 w s k y bat unter Hinweis auf das bevorstehende Chanukkahfest, durch Kauf von Palästina-Er- Zeugnissen die Wizo in der Erfüllung ihrer Aufgabe zu unterstützen. Die Kauflust war erfreulich rege und hatte ein gutes Ergebnis. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Vortrag von Frau Alice Jacob-Loewenson: ״Zwei Jahrtausende udischer Musik“, der die Zusammenhänge mdiseher Musik mit der Musik der umgebenden Kulturwelt beleuchtete. Ganz besonderen Beifall fand die iunge palästinensische Tänzerin Dora Bertonowa, die jüdische Typen tänzerisch darstellte. — Wenn eine freundschaftliche Anregung gestattet Ist, so möchten wir empfehlen, bei einer Wiederholung einer solchen Palästina- Schau — die nach den Worten von Frau Dr. Tumowsky ständifge Einrichtung werden soll — die ״Schau“ so umfassend wie möglich zu gestalten, auch Bu h und Bild stärker einzubeziehen, um wirklich ein Bild dessen zu vermitteln, was das Land hervorbringt. j. L..$t. Große Jodeodebalte im rumänischen Parlament Bukarest, 7. Dezember. (J,T.A.) Die rumänische Kammer widmete eine mehrstündige Sitzung der Erörterung des jüdischen Problems in Rumänien. Cu za, der Führer der antisemitischen Liga, faßte in einer Rede, die er als sein politisches Bekenntnis bezeichncte, alle von ihm und seinen Gesinnungsgenossen seit langem gegen die Juden erhobenen Anschuldigungen zusammen und kündigte ein cuzistisches Regime für das kommende Frühjahr an. Ihm trat der Abgeordnete der Jüdischen Partei Dr. Samuel Singer energisch entgegen. Der Führer der antisemitischen Terrororganisation ״Eiserne Garde“ und Mörder des Präfekten Manciu, Zelea Codreanu, erklärte es als Haupfprogrammpunkt seiner Gruppe, die Austreibung der Juden aus Rumänien durch zusetzen. Die Ausführungen der antisemitischen Redner wurden von dem größten Teil der Mitglieder der Regierungspartei mit lebhafter Zustimmung aufgenommen. Informationen aus Palästina. Das Landeskomitee der Örganisation Vereinigter Allgemeiner Zionisten in Palästina teilt uns mit, daß sein früher existierendes Informationsbüro wieder eröffnet wurde. Das Büro ist nun bereit, einem jeden, der sich an dasselbe schriftlich oder mündlich wendet, Auskünfte aller A r t in allen das Leben in Palästina berührenden Fragen über Landwirtschaft, Anpflanzungen, städtische Ansiedlung, sämtliche Zweige des Handels und Gewerbes, Bestimmungen der Einwanderung usw. unentgeltlich zu erteilen (40, Lilienblumstraße, Tel-Awiw). Palästina und Imperial Preference. Die Frage des Ein- Schlusses Palästinas in das System der Vorzugszölle innerhalb des englischen Weltreiches ist bisher nicht geklärt. Einige palästinensische Industrielle haben den Leiter des Handeisdcpartements der Palästina-Regierung, Mr. Stcad, um seine Meinung hierüber befragt. Stead erwiderte, daß Palästina als Manda ts I a n d formell dem englischen Empire nicht angehört und daher an den Vorzugszöllen keinen Anteil haben könne. Die Frage. ist gegenwärtig nicht von großer Bedeutung, da England bisher Zölle nur auf Industrieprodukte eingeführt hat, die für den Export aus Palästina nach England ohnedies nicht in Betracht kommen. Von Wichtigkeit würde die Angelegenheit erst werden, falls die bevorstehende englische Reichskonferenz Vorzugszölle auch für landwirtschaftliche Produkte beschließen sollte. Es wäre schwer zu rechtfertigen, wenn Palästina zwar alle Lasten der englischen Verwaltung tragen und sich ganz wie eine Kronkolonie behandeln lassen müßte, jedoch von etwaigen Vorteilen seiner Zugehörigkeit zum englischen Verwaltungsgebiet ausgeschlossen wäre. Berichtigungen Zu der in unserer letzten Nummer mitgeteilten Nachricht über die Einzeichnung eines Hakenkreuzes וn den Schenkel einer Leiche im Anatomischen Institut der Berliner Universität wird uns von jüdischen Studenten mitgeteilt, daß es sich keineswegs, wie zuerst irrtümlich behauptet worden war, um eine jüdische Leiche gehandelt habe. Die Angelegenheit ist von einem kommunistischen Blatt in Berlin als ״Schändung jüdischer Leichen“ ungebührlich aufgebauscht worden. Die von uns in Nr. 9! wiedergegebene Mitteilung, Dr. Josef Luri e sei von dem Amt des Leiters des Unterrichts- Department der Jewish Agency in Palästina zurüekgeireten, beruhte auf einem Irrtum. Die Nachricht sollte vielmehr besagen, daß Dr. Lurie nach dem Rücktritt Dr. Berksons aufgefordert wurde, die Leitung des Unterrichts-Departments zu übernehmen. Literatur Ober Technik Unser Gesinnungsgenosse HansRosenkranzhat eine Biographie des Grafen Zeppelin geschrieben, die im Verlag Ullstein, Berlin, soeben erschienen ist (Ferdinand Graf von Zeppelin, Die Geschichte eines abenteuerlichen Lebens, mit 43 Abbildungen). Es ist ein Werk von großem persönlichen und sachlichen Reiz, das auch außerhalb der Interessenten des Spezialgebietes, um das es sieh handelt, viele Freunde und Leser finden wird. Der Verfasser hat sich mit großer Liebe in die Quellen und persönlichen Dokumente vertieft, und cs ist ihm gelungen, ein anschauliches Bild der sozialen und geschichtlichen Verhältnisse zu zeichnen, aus denen der große Erfinder hervorgegangen ist. Aber nicht nur das gesellschaftliehe und politische Milieu, aus dem Graf Zeppelin entstammt, sondern seine Persönlichkeit, sein Charakter und seine eigentümliche Begabung halten den Leser von Anfang an gefesselt. Rosenkranz gibt nicht nur eine Biographie, sondern zugleich eine Art Geschichte der Luftschiffahrt. In dem einleitenden Kapitel wird das unstillbare Verlangen des menschlichen Geistes, das Problem des Fliegens zu lösen, sehr eindrucksvoll geschildert. Es ist einer der typischen Kämpfe um Durch- Setzung einer von allen verlachten Idee, die Verwandlung der Utopie in Wirklichkeit, durch den unbeirrten, alles Martyrium aut sich nehmenden Forschergeist. In der Geschichte der Luftschiffahrt spielen bekanntlich auch eine Reihe von Juden eine Rolle, insbesondere David Schwarz und Lilient h a 1, deren Lebensgang. Leistung und Opfert od für ihre Idee Rosenkranz in gebührendem Maße darstellt. Die Leiätungdcrjuden in der deutschen Forschung und Technik hat Dr. Felix Th eilhaber zum Gegenstand einer eingehenden Untersuchung gemacht, die unter dem Titel ״Schicksal und Leistung“ als ein Band des Heine- Bundes (eine jüdische Buchgemeinde, Berlin W 57, Paliasstr. 10, Mitgliedsbeitrag jährlich 12 M.) erschienen ist. Zwei in dem Zeppelin-Buch erwähnte Persönlichkeiten, David Schwarz und Siegfried Marcus, erhalten im Buche Theilhabers spezielle Monographien. Die anderen Kapitel sind anderen großen Juden gewidmet, so Sigmund Freud, Benedikt Stilling, Jakob Henle, Ludwig Traube, Paul Ehrlich, Ferdinand Cohn, Moritz Hermann von Jacobi, Victor Meyer, Hermann Aron, Robert von Lieben, Emil Berliner und schließlich Albert Einstein. Eine große Vielseitigkeit der Leistung ergibt sich aus diesem Bilde. Fn Physik, Chemie, Medizin, Botanik usw., schließlich in der Psychoanalyse und Relativitätslehre stehen Juden führend in der Arbeit, und auf allen diesen Gebieten erweist sich außer der individuellen Genialität auch etwas von dem spezifisch jüdischen Einschlag ihres Menschentums, den der Verfasser in seiner Einleitung ״Vom schöpferischen luden“ mit großer Ueberzeugungskraft analysiert. Dieses Buch gehört nicht in die gewöhnliche apologetische Literatur, die den anderen Völkern zeigen will, daß wir Juden auch Großes leisten können, sondern es ist vor allem geeignet für jüdische junge Menschen, die hier künstlerisch gezeichnete Lebensbilder vorgeführt bekommen und zugleich in ihrem jüdischen Selbstbewußtsein durch den Stolz auf diese Volksgenossen befestigt werden. In diesem Sinne wird man dem Buche Theilhabers, das auch den schriftstellerischen Qualitäten seines Verfassers wieder ein glänzendes Zeugnis ausstellt, die weiteste Verbreitung wünsehen müssen. In Kielce starb im Alter von 120 Jahren Leib Lefkowitz, der älteste polnische Jude, Ortsgruppen Düsseldorf. Am 12. November fand in der städtischen Tonhalle ein öffentlicher Vortrag von Dr. Naehutn Gold mann über das Thema: ״Weltkrise und Judenschicksal“ statt. In der ihm eigenen geistvoll analysierenden Weise gab Dr Goldmann eine plastische Darstellung des heutigen Judentums im Rahmen der gegenwärtigen Weltkrise, das die Anwesenden außerordentlieh erschütterte. Die angeregte Diskussion, an der außer unseren Gesinnungsgenossen Dr. Gottlieb und Haftel auch Rabbiner Dr. Eschelbacher ausführlich sprach und versuchte, bei voller Anerkennung der Tatsachen der pessimistischen Auf* fassung des Redners eine optimistischere entgegenzusetzen, gab Herrn Dr. Goldmann in seinem Schlußwort Gelegenheit, zu zeigen, daß die pessimistische Auffassung der Situation die einzige konstruktive sei, die das gesamte Judentum veranlassen könnte, seine letzten Kräfte einzusetzen, um aus einer hoffnungslosen Situation einen neuen Weg der Judenheit für die Zukunft zu sichern. — Der Abend kann als der beste und eindrucksvollste zionistische Abend der letzten zwei Jahre bezeichnet werden. Görlitz. Die Winterarbeit der Ortsgruppe wurde im Oktober mit einem internen Ausspracheabend und Wahlen begonnen. Am zweiten Abend referierte Herr Ernst Cohn über den letzten Baseler Kongreß. Im November weilte Herr Dr, Georg Landauer, Berlin, zwei Tage bei uns» Er sprach am 21. II. in sehr gut besuchter Versammlung über ״Zionismus, Kommunismus und Sozialismus“. Seine Ausführungen haben bei den hauptsächlich nichtzionistischen Zuhörern einen außerordentlichen Eindruck hinterlassen. Beinahe noch Wirkung«־ voller für die weitere zionistische Arbeit und die Werbung von Palästina-Freunden in Görlitz ist die Debatte gewesen, die Herr Dr, Landauer am 22.11. abends im Hause von Herrn R.-A. M. Sommer mit einem engeren Kreise von Nichtzionisten und Zionisten führte. Es war die erste in Görlitz geglückte Auseinandersetzung, deren spürbaren Erfolg wir einzig den tiefen - Kenntnissen und der vornehmen Debattierkunst von Herrn Dr. Landauer verdanken. Wir hoffen, Herrn Dr. Landauer recht bald wieder bei uns begrüßen zu können. — Am 22. 11. vormittags hat Herr Dr. Landauer in einer — leider von auswärtigen Gesinnungsgenossen gar nicht besuchten — Sitzung der Z.O.G. über die Lage in Palästina und in der Organisation berichtet Leipzig. Beim Fest des Bar Kochba, das am Sonnabend, den 19. Dezember, in den Sälen der C.-T. stattfindet, wird ein hochinteressantes Schauspiel ״Juda Makabi“ von Kunin aufgeführt. Die Musik, ausgeführt vom Freudenberg-Orchester (vierzehn Künstler), wird von dem Komponisten Miron Jacob geleitet Die Chöre stellt der jüdische Gesangverein ״Hasamir“, Die Entwürfe der Plakate und Bühnenbilder fertigte der junge palästinensische Künstler Eli Ettinger an. An dem Festspiel beteiligen sich außerdem 100 Mitwirkende, darunter ein Ballett Der Kartenverkauf geht sehr gut vonstatten; man muB sich daher beeilen, ehe die Karten ausverkauft sind. München. Der Vortrag von Ministerialrat Hans Goslar im Kunstgewerbesaal war die bei weitem am stärksten besuchte Veranstaltung der Zionistischen Ortsgruppe seit langer Zeit. Das Thema ״Das deutsche Judentum in der politischen und wirtschaftlichen Krise“ und die Person des Referenten hatte dieses Mal auch eine große Anzahl von Nichtzionisten herbeigeführt; gerade für sie dürften die Ausführungen des Redners von nachhaltigstem Eindruck gewesen sein. Der Redner schilderte überaus eindrucksvoll die Verschlechterung der Wirtschaftliehen und politischen Lage der Juden und zeigte a» «fielen Beispielen, daß das jüdische geistige Erbe über Einrichtungen verfügt, die auch für die heutige Zeit von größter Bedeutung sein könnten. Zur Behebung der innerjüdischen Krise bedürfe es einer Stärkung des Verantwortungsgefühls, einer Verlebend!- gung der jüdischen Gemeinden und der Rückkehr zur jüdischen Tradition. In der anschließenden Diskussion betonte ein C.-V.- Redner, Dr. Cahnmann, die Notwendigkeit der Verteidigung der Errungenschaften der Emanzipation. Justizrat Straus und Goslar vermochten demgegenüber nachzuweisen, daß Anschauungen der früheren Generation, die sich bereits als irrig erwiesen haben, nicht das Fundament der jüdischen Politik sein können. Vielmehr komme es darauf an, den jüdischen Menschen vor allem mit jüdischem Glauben, jüdischem Lebensmut und jüdischem Willen zu erfüllen. Recklinghausen. Bei einem sehr gut besuchten, von Amts* gerichtsrat Dr. Stern geleiteten Vortragsabend sprach Herr Adolf P 011 a k (Berlin) über: 50״ Jahre Palästina-Aufbau“. Die sehr interessanten Ausführungen haben das neuerwachte Interesse an der Palästina-Arbeit an unserem Orte stark gefördert. Es wurde eine Büchsenaufstellungs-Kampagne, an welcher auch der neutrale Jugendverein teilnehmen wird, beschlossen. Speyer. In Anwesenheit fast der ganzen Jüdischen Gemeinae sprach hier Herr Pfarrer Dr. Emil Lind über die Eindrücke seiner Reise durch das jüdische Palästina. Tiefen Eindruck machten die Ausführungen Dr. Linds, der nicht nur ein glänzender Schriftsteller ist, wie sein Buch ״Zionismus— Arabismus“ zeigt, sondern auch ein packender Redner. Er würdigte das Judentum als die Wurzel des Christentums und die Wiege der großen jüdischen Glaubensmärtyrer, aber auch als die unerschöpfliche Quelle jenes Idealismus, der heute die Chaluzim zu ihren einzigartigen Leistungen in Palästina führt. So müsse dieses Werk trotz aller Hindernisse und Gefahren, die der kenntnisreiche Redner deutlich schilderte, schließlich doch gelingen. An den Vortrag schloß sich eine Vorführung des KKL-Films ״Frühling in Palästina“, die den tiefen Eindruck der Veranstaltung noch verstärkte. Eine auf Veranlassung Dr. Linds veranstaltete Sammlung für den KKL ergab eine beträchtliche Summe. Bezirks-Jugendtag in Frankfurt a. M. Am 29. November wurde in Frankfurt a. M. ein zionistischer Bezirks-Jugendtag veranstaltet, der dem Zusammenschluß der gesamten zionistisehen Jugend des Frankfurter Bezirks dienen sollte. Nachdem bereits am Vorabend in einer stark besuchten Jugend-Kundebung, bei der ein neu begründeter Hebräischer Chor unter eitung von Fritz S a a 1 b e r g einige mit größtem Beifall aufgenommene Gesänge darbot, Enzo S ereni (Giwath Brenner) und Dr. Landsberg (Wiesbaden) über das Thema ״Jüdische Jugend — jüdische Zukunft?“ Ansprachen gehalten hatten, fand die Tagung selbst unter starker Anteilnahme der jugendlichen Zionisten sowohl Frankfurts als auch der umliegenden Städte statt. Im Auftrag der Frankfurter Zionistischen Vereinigung begrüßte Dr. Pleßner die Veranstaltung. Im Mittelpunkt der Erörterung standen kurze Thesen Dr. Landsbergs zu der Problemstellung ״Die zionistische Jugend in der Umwelt“. Darin wurden insbesondere die zionistische Position bei der Auseinandersetzung mit der Galuth und dem Kommunismus behandelt. An der Diskussion nahm eine große Anzahl Jugendlicher teil. Besonders verdienen die Bemerkungen Serenis erwähnt zu werden. In einem längeren Schlußwort fügte Dr. Landsberg zur Erkenntnis der zionistischen Problematik der Gegenwart manches Wesentliche hinzu. Am Abend sprach dann Sereni über ״Die deutsch-zionistische Jugend in Palästjna“. Seine Darlegungen können der hündischen Erziehung«- arbeit von großem Nutzen sein. Der Jugendtag wurde allgemein als gelungen bezeichnet. Ph. R.