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Jüdische Rundschau · 1931-12-08 · Heft 95 (8.12.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 95 (8.12.1931)
Date
1931-12-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 95, 8. Xn. 1931 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 581 Palästinafragen im Unterhaus Der Landentwlcklungsplan - Nochmals der Fall Bentwich London, 3. Dezember. (J.T.A.) Im englischen Unterhaus richtete der jüdische Abgeordnete für Whitechapel Barnet Jänner au den Kolonienrninister Sir Philip Cunliffe- Lister die Frage, ob die Regierung an ihrer Absicht festhalte, die Garantie einer Anleihe an die Palästina- Regierung zum Zwecke der Entwicklung der palästinensischen Landwirtschaft gemäß dem Landentwicklungsplan zu über* nehmen. In seiner Antwort verwies der Kolonienrninister auf die von der früheren Regierung am 23. September im Unterhaus abgegebene Erklärung, die besagte, die Anleihe werde geplant, die Einzelheiten werden noch geprüft. Die Frage, ob die Regierung die Garantie für die Anleihe übernehmen soll, stehe im Augenblick noch nicht zur Erwägung, sie werde rechtzeitig im Lichte der allgemeinen finanziellen Situation erwogen werden. Die Angelegenheit liegt in den Händen des Landentwicklungsdirektors French. Zur Anleihe und ihrer Garantie ist die parlamentarische Sanktion trforderlieh. Die Frage Jänners, ob bei Prüfung dieses ganzen Fragenkomplexes der Inhalt des Briefes MacDonalds an Dr. Weizmann betreffend das Passfield-Weißbuch mit in Rücksicht gezogen werden wird, beantwortete der Kolonienminister mit ״ja“. Der Konservative Walclron S m i t h e r s fragte den Kolonienminister, aus welchem Grunde H. H. Trusted an Stelle Norman Bentwichs zum Oberstaatsanwalt für Palästina ernannt worden sei; ob Bentwich weiterhin im Dienste der Regierung verbleibe, wenn ja, in welcher Eigenschaft. Kolonienrninister Sir Philip Cuniiffe-Lister verwies auf die am 23. September vom damaligen Kolonienminister J. H. Thomas auf eine Frage von Col. Wedgwood gegebene Antwort, die lautete: ״Im Hinblick auf die nationalen und politischen Verhältnisse in Palästina und die Schwierigkeiten, die die Administration infolge dieser Verhältnisse zu überwinden hat, ist der frühere Kolonienrninister Lord Passfield nach sorgfältigster Prüfung der Gründe, die in keiner Weise die Persönlichkeit und den Charakter des Herrn Bentwich betrafen, zu dem Entschluß gekommen, daß diese Schwierigkeiten durch das Verbleiben des Herrn Bentwich auf dem Posten des Ober- Staatsanwaltes nicht gemindert werden würden. Lord Passfield habe Herrn Bentwich zweimal hohe richterliche Acmter im Kolonialdicnst angeboten. Herr Bentwich erklärte aber, er würde einen Posten außerhalb Palästinas nicht annehrnen. So blieb nichts anderes übrig, als ihn mit Datum vom 1. November 1931 in Pension gehen zu lassen. Smithers: Ist es richtig, daß Bentwich wegen seiner zu engen Verbindung mit der zersetzenden Propaganda der Sowjetregierung von seinem Posten entfernt worden ist? — Sir Philip Cuniiffe-Lister: Neiii. Wenn auch der Beschluß vor meiner Amtszeit gefaßt wurde, kann ich dennoch sagen, daß diese Annahme grundlos ist. — Smithers: Wird der Kolonienminister vor einer zukünftigen Ernennung Bentwichs weitere Untersuchungen über seine Verbiridungen mit Sowjet-Propaganda anstellen? — Cuniiffe-Lister: Ich habe bereits über alles Vergangene Erkundigungen eingezogen; niemals ist von dergleichen! die Rede gewesen. * Die Antworten des neuen Kolonialministers haben keine Klarheit gebracht. Sie beschränken sich in beiden Angelegenheiten auf den üblichen Routine-Weg des Hinweises auf frühere Antworten, die von Beamten des Kolonialamtes für den Minister ausgearbeitet zu werden pflegen. Daß im Fall Bentwich auf diese Weise nochmals die ungfückselige Formulierung vom 23. September wiederholt wurde, muß besonders befremden, da wir Grund 211 der Annahme haben, daß Minister Thomas inzwischen die Schwächen dieser Antwort erkennen gelernt hat. Wir haben es hier offenbar wieder mit einer typisch bürokratischen Behändlung der Sache zu tun, wobei man sich der schweren in dieser Antwort enthaltenen Rechtsverletzung und Brüskierung gar nicht voll bewußt zu sein scheint. Die Anfrage des" Abg. Smithers ist übrigens eine typisch rechtsradikale Interpellation mit der auch anderwärts beliebten Verdächtigung■ des ״Bolschcwismus", die wohl darauf beruht, daß B. eine Reise nach Rußland gemacht hat und sich für die Probleme Rußlands interessiert. — Was die Landentwicklungsanleihe betrifft, will sich die Regierung offenbar nicht binden, da sie selbst noch nicht weiß, was werden wird. Zum ״Kultur-Tag“ des C.-V. Zu den! Bericht der ״Jtidischen Rundschau“ über den Kulturtag des C.-V. ist noch eine Episode nachzutragen, die bei zahlreichen Juden, auch innerhalb des C.-V. selbst, lebhaftes Befremden hervorgerufen hat. Einer der Redner der Vormittags-Veranstaltung, ein ziemlieh stark jüdisch aussehender Herr, hielt es für richtig, in seiner Rede sich selbst als ״preußischen“ Juden, der im preu- Bischen Kriegsdienst gestanden, gegen andere Juden abzugrenzen, und dabei in einem Jargon, der an den Stil gewisser Zeitungen erinnert, mit Emphase auszurufen: ״Die Herren aus Wien, Bukowien — das soll offenbar ein Witz sein —, Budapest usw. sollten nur gefälligst dorthin zurückkehren, woher sie gekommen sind.“ Diese (milde gesagt) unglaubliche Geschmacklosigkeit, die ganz und gar unter die Kategorie jener Darbietungen fällt, die zu bekämpfen der Zweck des sogenannten ״Kultiirtages“ sein sollte, hat erfreulicherweise im Publikum starken Widerspruch gefunden. Da nicht anzunehmen ist, daß viele Zionisten anwesend waren, so beweist dies, daß dieses Heldenstück des Redners doch auch einer ganzen Reihe von C.-V.-Leuten zu stark war. Der Widerspruch veranlaßte aber eine Anzahl Versammlungsteilnehmer, durch demonstrativen Beifall sich auf die Seite des Redners zu stellen. Bedauerlicherweise ließ der Vorsitzende die Szene vorübergehen, ohne ein Wort der Verurteilung dieser Entgleisung zu sagen; wir nehmen an, daß diese Haltung des Vorsitzenden nur auf die momentane Ueberraschung zurückzufüliren ist. Jedenfalls war diese erquickende Episode ein gutes Beispiel dafür, in welchem Geist bei der Bekämpfung des Antisemitismus nicht vorgegangen werden darf. Ganz abgesehen davon, daß viele derjenigen Juden, mit deren Leistungen für die deutsche Kultur sich der C.-V. rühmt, aus jenen Gegenden stammen, über die sich der preußische Redner so erhaben fühlt, beweist dieses Auftreten eines C.-V.-Redners nur, wie stark manche Menschen dieses Kreises unter dem geistigen Einfluß von Strömungen stehen, die zu bekämpfen sie ausziehen. Es wäre zu wünschen, daß die Veranstalter des ״Kulturtages“ sich wenigstens noch nachträglich zu diesem Zwischenfall äußern, da es sonst unvermeidlich ist, daß daraus auf ihre eigene Haltung geschlossen wird. Im Dorfe Mlodowa bei Lemberg wurden der 61jährige jüdisebe Schankwirt Abraham Seifert, seine 60jährige Frau, deren Tochter und Sohn von Räubern ermordet! Zwei Juden verhaftet Nachspiel zu den Juden •Exzessen In Polen Die Wllnaer Polizei verhaftete das Mitglied der zionistlsch-akademlschen Verbindung ״Kadimah“, Wulfin, und den jüdischen Arbeiter S a 1 k I n d unter dem Verdachte, am ersten Tage der Unruhen vor der Universität den Natlonaldcmokraten Waclawski durch Steinwlirfe getötet zu haben. Die Verhaftungen erfolgten auf Grund der Aussage eines christlichen Studenten. Eine Abordnung des Wllnaer Verbandes jüdischer Studentenvereine erklärte dem Rektor der Universität, der Verband übernehme die Verantwortung dalür, daß Wulfin an den Schlägereien ln und vor der Universität nicht im geringsten beteiligt gewesen sei. Auch von Salkind weiß man, daß er zur Zelt des ersten Zusamnienstoßes, bei dem Waclawski getötet wurde, auf seiner Arbeitsstelle gewellt hat. Die Wllnaer jüdischen Zcitungen wurden beschlagnahmt, weil sie eigentüm- Hdie Methoden der Untersuchung gegen die verhafteten Juden aufdeckten. ♦ Wie aus Warschau gemeldet wird, sind die Wirkungen der wohlorganisierten antijüdischen Boykotthetze in Polen für die jüdische Kaufmannschaft sehr einschneidend. Agitatoren mit grünen Schleifen beobachten die jüdischen Läden, so daß christliche Käufer nicht wagen, solche Läden zu betreten. Nachrichten gleichen Inhalts treffen aus den Provinzstädten ein. Aus Wilna wird gemeldet, daß viele jüdische Geschäfte infolge des Boykotts liquidieren müssen. Die Ergebnisse der Volkszählang Obwohl die endgültigen Resultate der Volkszählung in Palästina noch nicht in allen Einzelheiten verlautbart wurden, erfährt ״Dawar“, daß die ursprünglich angegebene Zahl von 175000 Juden übertrieben sein dürfte. Die Zahl d er Juden soll nur 169 000 betragen. Die offiziellen Resultate sind bisher nur für die Städte veröffentlicht worden und auch diese noch nicht getrennt nach den einzelnen Qemeinschafteil, sondern nur die Gesamtziffern. Diese betragen: Jerusalein (ohne die äußeren Vororte) 90 526, Hebron 17 534, Bethlehem 6827, Gaza 17 033, Ber Scheba 2958, Jaffa 51 876, Tel- Awiw 46109, Ramleh 10421, Ludd 11 250, Nablus 17 20-1, Nazareth 8690, Tiberias 8598, Haifa 50689, Akko 7900, Safed 9442. Die Gesamtheit der städtischen Bevölkerung beträgt 387525. ״Dawar“ hebt in einer Besprechung dieses Resultates die Tatsache hervor, daß die arabische Bevölkerung überall dort zugenommen hat, wo eine jüdische Siedlung in der Nähe ist und dadurch das ganze Gebiet einen Aufschwung genommen hat, während in den Gebieten isolierter arabischer Siedlung die Bevölkerung in den Städten nicht nur nicht zugenommen, sondem in manchen Fällen sogar um einige Hundert abgenommen hat. Ein Interview Schankat Alis Einem Korrespondenten der ״Bourse Egyptienne“ machte Schaukat Ali während seines Aufenthaltes in Aegypten u. a. folgende Mitteilungen, die zeigen, wie sich die Bedeutung des Kongresses in den Köpfen der Hauptteilnehmer malt: ״Hauptziel des Kongresses ist, die Welt des Islam den Gef ahren europäisch er Kultur, die unsere Jugend vergiftet, fernzulialten. Der Kongreß wird sich ferner mit der Frage der moslemischen Heiligen Stätten in Palästina befassen und wird Jerusalem als ein heiliges Zentrum für die Moslems proklamieren. Die Errichtung einer Moslem-Universität in Jerusalem ist ein Gebot der Stunde; wir wollen der Moslem-Jugend Gelegenheit geben, außer moslcmischer Literatur und Kultur auch Gebiete des allgemeinen Wissens, wie es an modernen Universitäten gelehrt wird, zu erober!!. Die Balfour-Deklaration, erklärte Schaukat Ali weiter, existiert für uns nicht. Wir haben sie nie anerkannt und werden sie nie anerkennen. Die jüdische Einwanderung in Palästina muß gestoppt werden, damit keine Arbeitslosigkeit herrscht. Sollte die jüdische Einwanderung entgegen unseren Fordern!!- gen andauern, so werden wir Mittel und Wege finden, eine moslemische Einwanderung zu organisieren; wir werden sehen, wer dann gewinnen wird. Palästina ist den Moslems ebenso heilig wie Mekka, keine Macht der Welt kann uns Moslems daran hindern, dieser Frage unsere Aufmerksamkeit zu widmen. Schaukat Ali schloß: Ich widersetze mich keineswegs einer Verständigung zwischen Arabern und Juden. Wenn ich auch gegen ein jüdisches Nationalheim bin, habe ich doch nichts dagegen, daß man sich mit den Zionisten, die bereits in Palästina sind, in der Weise verständigt, daß sie in Palästina verbleiben, aber ihre Forderung nach Sender-Rechten undl Privilegien aufgeben. In aller Kürze Der High Commissioner für Palästina, General Sir Arthur Waucliope, lud die Hauptschriftleiter aller jüdischen und arabischen Tageszeitungen und Wochenschriften zu sich ein und teilte ihnen mit, daß die Regierung ein Presse-Büro eingerichtet hat, dessen Zweck es sei, engere freundschaftliche Beziehungen zwischen der Regierung und der Presse herzustellen. Zum Leiter habe er Herrn Perowne ernannt. Der High Commissioner empfing nach der Jewish Agency auch eine Abordnung der Arabischen Exekutive zu einer formlosen ersten Besprechung. Unter dem Verdacht der Teilnahme an dem Raub überfall bei Ramallah, bei dem eine englische Reisegesellschaft am 24. November ausgeraubt wurde, wurden ,zwei Araber verhaftet. Das Haifaer Gericht verurteilte 29 Zionisten-Revisionisten wegen Propaganda gegen die V o 1 k s 1 ä h 1 u n g zu je 22 Schiliing Geldstrafe, im Nichteintreibungsfalle zu je 10 Tagen Gefängnis. Neun der Verurteilten leisteten die Geldbuße, die übrigen zwanzig zogen die Gefängnisstrafe vor. Das Distriktsgericht in Jaffa hat aus dem gleichen Grunde neun junge Revisionisten zu je 5 Pfund Geldstrafe oder einem Monat Gefängnis verurteilt. Die Verurteilten ließen sich unter Absingen der Hatikwah in das Gefängnis bringen. Vor einigen Tagen drang eine Gruppe Nationalsozialisten in das Adasjisroel-Schulhaus Sigmundshof, wo eine von Rabbiner Dr. Munk einberufene Elternversam mliuig tagte, ein und bombardierte die Versammlung mit einem Steinregen. Erst das herbeigerufene Ueberfallkommando konnte die Störenfriede entfernen. An der medizinischen Fakultät der Berliner Universität wurde im Saale der Studentinnen in einen zu sezierenden Ober• Schenkel einer jüdischen Leiche ein Hakenkreuz hineingeschnitten. Das preußische Kultusministerium hat eine Untersuchung dieser Tat, deren Charakterisierung sich wohl erübrigt, ungeordnet Neue Wege zionistischer Propaganda Für den 3. Dezember hatte die zionistische Studenteriverbindüng ״Maccabaea“ anläßlich ihres 25jährigen Jubiläums in das Lehrervcreinshaus zu einer großen zionistischen Kundgebung eingeladen. Zirka 1200 Besucher sind der Einladung gefolgt. Die Veranstaltung war von Liedern des hebräischen Chors des Brith Haolim umrahmt. Itn Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein neuartiger Versuch zionistischer Propaganda, eine Darbietung der zionistischen Propagaudatruppe ״Barak". In Songs und Sprechchören wurde in dem ersten Teil der Darbietung die Judenfrage des Galuth dargestellt, in wirkungsvollem Dialog und in schlagkräftigem Sprechchor, beides durch musikalische Untermalung stark unterstrichen. Die aus dem Leben herausgegriffenen echten Bilder wirkten durch ihre Wahrheit, und die Üeberschrift des ersten Teiles ״jüdis che Not" wurde bisweilen geradezu in grausamer Weise durch Uebereinstimmung von Text, Versmaß und Musik den Hörern eingehämmert. Diesem ersten Teil wurde entgegengesetzt der /.weite Teil ״Jüdischer A u f b a u“. Das Leben Palästinas stieg vor den Zuhörern in plastischer Form zu einem lebendigen Gebilde auf, in dem wichtiges Zahlenmaterial durch Tafeln und durch Text erklärt und erläutert wurde. Das Ertreuliche und damit auch das Wirksame des zweiten Teiles war wiederum der Mut zur Wahrheit. Daß Palästina so geschildert wurde, wie es ist, daß die Schwierigkeiten nicht bagatellisiert oder gar verschwiegen wurden, erhöhte die Wirksamkeit und zeigte, daß unsere Propaganda dann echt ist und Menschen erfassen kann, wenn sie bereit ist, Tatsachen und Schwierigkeiten darzustcllen, um dieser Realität ein echtes und ehrliches Pathos entgegenzustellen. Auch in diesem zweiten Teil waren besonders die Texte der Sprechchöre und die dazu gehörige Musik einprägsam. Um aus ״jüdischer Not“ zu ״jüdischem Aufbau“ zu kommen, sind die Reihen der Zionistischen Organisation zu stärken — das war die Tendenz und der Appell des Propaganda- Stückes. — Man muß diesen Versuch, den die Studentenverbindüng in dieser Form zum ersten Mal in der zionistischen Propaganda in Deutschland eingeführt hat, auf das lebhafteste begrüßen, und es gebührt dein Textdichter, dem Komponisten und den Ausführenden Dank für eine Pionier-Leistung auf dem Wege zionistischer Propaganda. Das enthusiasmierte zahlreiche Publikum zeigte durch ungewöhnlichen Beifall, daß ״Barak eingeschlagen hat“. Die bildhafte Darstellung der Judenfrage und ihrer Lösung wurde durch zwei Reden ergänzt. Dr. S. K a n o ־w i t z zeichnete die Judenfrage der aktuellen Gegenwart, während Dr. Fritz I. öw enstein das werdende Palästina in seiner Bedeutung für die Lösung der Judenfrage darstellte. Die gelungene Veranstaltung schloß mit ehrlicher zionistischer Begeisterung, und der Chronist kann mit Freude konstatieren, daß das jugendliche Element in den zionistischen Reihen in starkem Maße vorhanden ist. W. B. Anfragen und Zuschriften, betreffend die Barak-Propagandatruppe, sind zu richten an Leon Chitzes, Berlin W 57, Dennewitzstr. 35, bzw. an das Präsidium des K. J. V., Berlin-Charlottenburg, Bleibtreustr. 50, zu Händen von Herrn Chitzes. ״Buch — BUd — Spiel“ Leere Beutel — und doch eine jüdische Festwoche. Festwoche? — jetzt, da jeder Wohltätfgkeitsverdn sein Winterfest absagt,... Festwoche? — noch ehe das ,erste Chanukkahlicht den Winternebel durchbricht? --Unglaublieh, aber wahr; geschehen nicht in Niniveli, der großen Stadt Gottes, sondern in dem vielverlästerten Berlin. Und das kam so: ein kleiner Kreis von jüdischen Menschen aus allen Lagern hatte sich seit längerer Zeit bemüht, aus altem und neuem jüdischen Schrifttum zu pädagogischen Zwecken eine Uebersicbt zu schaffen. Aus diesen Bemühungen erwuchs der Gedanke einer Buch-Bild-Spief-Ausstellung, die jüdischen Eltern und Kindern neue Anregung geben sollte, ln kürzester Zeit und mit geringsten Mitteln mußte alles vollendet werde«. Dank unermüaeter Hilfe freiwilliger Mitarbeiter, ganz besonders des Malers und Zeichenlehrers Otto Geismar — der ja durch seine Hagadah und Bilderbibel 1m jüdischen Hause wohlbekannt ist — gelang das scheinbar aussichtslose Werk über alle Erwartung. Im Trausaale der Synagoge Levetzowstraße wogte alle Nachmittage und Abende der Vor-Chanukkkah- Woehe buntes jüdisches Leben. Von den Wänden grüßten jüdische Kunstwerke: neben Rembrandts wohlbekannten Bildern in trefflichen und leicht erschwinglichen Wiedergaben Werke moderner jüdischer Künstler (Busin, Geismar, Rosenbaum, Jonas, Menkes). Auf den Tischen häuften sich hebräische und deutsche Bücher, Jugendspiele, Schülerzeielinungen. — Wichtiger als das Gebotene (das manche Lücke aufwies) war: daß vom Tage der Eröffnung an ein aufnahmefrohes und dankbares jugendliches Publikum täglich in den Nachmittagsstunden den Saal bis zum lelz'en Plätzchen füllte. Jüdische Kinder aus allen Teilen Berlins saßen dort und freuten sich an den Aufführunen der Altersgenossen, an den Märchen, die ihnen Recha reier erzählte und an den Perez-Novellen, die ihnen Elli Abrahamsohn vorlas. Glanzpunkte der Woche waren die ״Arche Noah“ in der Aufführung der Schule Rykestraße und die hebräischen Aufführungen Maoth sc hei Chahukah und die biblisch wortgetreuen Szenen aus dem Buche Ruth der Schule Klopstockstraße. Künstler, Gelehrte, Pädagogen hatten sich dem schönen Werke zur Verfügung gestellt: die Sängerinnen Maria Spilg, Betty Krupnik, Nea Schwarz; die Pianistinnen Erna Fenchel-Lewandowski und Mathilde Torczyner; Pädagogen wie Aschner, Loewenberg, Hirschfeld, Wachsmann; Künstler wie Struck und Prochownik, Rabbiuen wie Lewkowitz, Lehmann; Emil Bernhard Cohn, sowie die Dichterin Elsa Dora Wolf, lasen aus eigenen Werken. Bücherfreunde wie Heinrich Loevve und Bertha Badt-Strauß. Sie alle sprachen über einzelne Anregungen, die aus den ausgestellten Geistesgütem sich ergaben. — Bedeutungsvoller aber noch als diese Anregungen der Fachleute erschien es, als an einem der Nachmittage unbekannte jüdische Kinder sich freiwillig beim Leiter meldeten: Darf ich vielleicht Olenu singen? darf ich wohl einen Midrasch erzählen? — Das war lebendiges jüdisches Leben — vermittelt durch den Mund der ״Kinder und Unmündigen", wie unsere Alten es wollten. Und nun die Jugendbünde, ganz besonders der Brith Haolim — rahmten mit ihren schönen hebräischen Chören eindrucksvoll das Ganze ein. B. B. S. _ Dr. Nadja Stein in Budapest. Die Wizo-Gruppe in Budapest hatte in den letzten Wochen eine Reihe von anregenden, wertvollen Veranstaltungen, in deren Zentrum Frau Dr. Nadja Stein stand. Durch ihre unermüdliche und begeisterte Arbeit und nicht in geringem Maße durch ihr sympathisches Auftreten gelang es Frau Dr. Stein, die Wizo-Gruppe neu zu organisieren und ganz fernstehende Elemente für die zionistische Frauenarbeit zu gewinnen. Der kurze Aufenthalt von Frau Dr. Stein wirkte auch auf das ganze jüdische Gesellschaftsleben in Budapest äußerst anregend, was auch die Tatsache beweist, daß die Zahl der Wizo-Mitglieder auf das Dreifache wuchs. Es ist zu hoffen, daß die Gruppe nunmehr an der gesamten zionistischen Arbeit kräftigen Anteil nehmen wird!

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