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Jüdische Rundschau · 1931-12-08 · Heft 95 (8.12.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 95 (8.12.1931)
Date
1931-12-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 560 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 05, 8. XIL 1931 tu sein scheint, sind die indischen Moslems, oder besser gesagt ein Teil der indischen Moslems. Der Inder ichaukat A 1 i scheint von der idee der Ausgestaltung des islamischen Zentrums in Palästina geradezu besessen zu sein; oft hat man den [;indruck, daß diese Sache heute geradezu im Mittelpunkt seiner politischen Interessen steht. Zugleich hat der Enthusiasmus Schaukat Alis in manchen anderen moslemisehen Kreisen nur das Mißtrauen verstärkt, denn Schaukat gilt dort als eine Art englischer ״Agent“. Dieser Punkt ist überhaupt etwas ungeklärt, denn daß der Mufti, der geistige Führer der gegen England und das Mandat oppoliierenden palästinensischen Unabliängigkeitspartei, sich mit dem england-freundlichen Schaukat Ali verbindet, wirkt wie eine Anomalie, die den politischen Zweck des Kongresses etwas unklar macht. Denn daß der Kongreß in Wahrheit einen politischen Zweck hat, ist klar. Es wird auch kaum mehr verhehlt, daß sein Hauptzweck eine Gegendemonstration gegen den Zionismus Ist. Auf Grund der Proteste der anderen moslemischen Staaten sowie gewisser europäischer Mächte mußten gewisse verfangliehe Punkte wie die Kalifatsfrage von der Tagesordnung gestrichen werden und so blieb, wenn man von unwichtigeren Einzelfragen wie der Verwaltung der Hedscha s-Bahn und von mehr rhetorischen Angelegenheiten wie Bekämpfung der Areligiosität absieht, im wesentlichen der ,,Schutz der Heiligen Stätten des Islam in Palästina“ und die Frage der Errichtung der moslemischen Universität. Der arabische ״Felestin“ weiß denn auch zu berichten, daß der Mufti dem Chief Secrefary Young, der den Mufti persönlich besucht und um Aufklärungen ersucht habe, gesagt hat, daß im Zentrum der Konferenz die Angelegenheit der Klagemau er stehen werde. Der Oberste Moslemische Rat habe bereits bei der Ernennung der internationalen Klagemauer- Kommission erklärt, daß er sich nicht zur Anerkennung des Schiedsspruches verpflichte, da keiner nichtmoslemischen Instanz eine Jurisdiktion in einer solchen Frage zugesprochen werden kann. Nach der Verkündigung des Schiedsspruches habe der Moslemische Rat protestiert und die endgültige Ent- Scheidung dem Gesamtislam Vorbehalten. Zu diesem Zweck sei die Konferenz jetzt einberufen worden. Was die geplante moslemische Universität betrifft, so sei diese ein Bedürfnis für das Land, besonders mit Rücksicht auf das geringe Er- Ziehungsbudget der Regierung, das die Errichtung höherer Bildungsstätten für die moslemische Bevölkerung unmöglich macht. Der neue High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, hat später den Mufti persönlich empfangen und sich mit ihm ausgesprochen, und der Mufti soll von dieser Unterredung ״befriedigt“ gewesen sein. Auch den Führer der Opposition, Ragheb Naschaschibi, den Bürgermeister von Jerusalem, hat der High Commissioner empfangen. Wie wir bereits berichtet haben, hat Schaukat Ali bei der zu Ehren der indisch-moslemischen Delegation in London veranstalteten Abschiedsfeier etwas theatralisch erzählt, er habe Sokolow aufgefordert, als Präsident der Jewish Agency nach Jerusalem zu kommen und die zionistische Sache vor dem islamischen KongreS zu vertreten. Schaukat All versicherte bei dieser Gelegenheit, daß ihm jede Judenfeindschaft fern liege und daß er einen Ausgleich begrüßen würde, aber er habe bisher noch nicht authentisch feststellen können, was die Zionisten eigentlich wollen. In der Tat hat Schaukat Ali eine zweistündige Unterredung mit Sokolow gehabt, die, wie es heißt, mit großer Offenheit geführt worden sein soll. Die Einladung Schaukat Alis war vielleicht ehrlich gemeint, aber sicherlich nicht ernst zu nehmen, und die Antwort, die Herr Sokolow gegeben hat, entsprach durchaus der Sachlage. Daß Schaukat Ali ganz unautorisiert gehandelt hat, war von vornherein klar. Interessant ist aber die Aeußerung der englischen Ausgäbe des ״Felestin“, der erklärt, die Nachricht von dem Gespräch Schaukat Alis mit Sokolow habe in Palästina ״wie eine Bombe“ gewirkt. Das Blatt fügt hinzu: ״Es ist kein Zweifel, daß Schaukat Ali mit diesem Angebot seine Rechte überschritten hat. Er offenbarte hkr seine impulsive und ehrliche Natur, die jedoch mit den Einzelheiten der palästinensischen Denkungsart nicht vertraut ist. Eine moslemische Konferenz kann nichtzueiner Plattform für zionistische Propaganda gemacht werden. Die Darlegung dieser Sache wäre wertlos, wenn nicht eine Debatte sich anschließen kann, und es ist einleuchtend, daß ein solcher Vorgang undurchführbar wäre. Die Zionisten lassen keine Gelegenheit aus, um für sich Propaganda zu machen und es besteht kein Grund, warum die wertvolle Zeit einer islamischen Konferenz hierzu verschwendet werden sollte. Der Kongreß wurde in voller Erkenntnis der schädlichen Wirkungen des Jüdischen Nationalheims für Palästina einberufen, und es wäre absonderlich, gleichzeitig zuzugeben, daß die zionistische Sache bis heute der moslemischen Welt noch nicht klar genug dargelegt worden ist.“ Infolge der Abreise der indischen Delegation kommt übrige11s_ nunmehr endgültig die geplante antizionistische Demonstration in der Londoner Albert Hall nicht mehr in Frage. Diese Versammlung sollte bekanntlich unter dem Vorsitz von Lord Brentford einen Protest englischer und mohammedanischer Notabein gegen die Balfour-Deklaration proklamieren. Später wurde die Veranstaltung angekündigt als eine Art ״Verbrüderung Englands mit der moslemischen Welt“. Der Korrespondent des ״Jewish Chronicle“ hebt hervor, daß die Absage dieser Demonstration in hohem Maße auf die dipiomatischeGe- Schicklichkeit Sokolows zurückzuführen ist, dem es gelungen sei, verschiedene Delegierte der Indien-Konferenz von der Teilnahme abzubringen. Auch verschiedene Mitglieder des englischen Ober- und Unterhauses sollen das Versprechen ihrer Teilnahme später zurückgezogen haben, und auf diese Weise ist wahrscheinlich dann der ganze Plan ins Wasser gefallen. Am merkwürdigsten ist freilich die Haltung Englands in dieser ganzen Sache. Es besteht kein Zweifel, daß dieser moslemische Kongreß nicht möglich gewesen wäre, wenn England nicht gewollt hätte. England hat es bisher noch immer verstanden, Veranstaltungen dieser Art, wenn sie ihm nicht angenehm sind, rechtzeitig abzudrehen. Vielleicht sind für England Rücksichten auf die indischen Moslems, die sich der Sache angenommen haben, maßgebend. Aber andererseits muß man sagen, daß genau so wie England mit Schaukat Ali rechnen muß, auch Schaukat Ali mit England rechnet und wahrscheinlich einer ernsten Einflußnahme von englischer Seite nicht unzugänglich gewesen wäre. In einem Lande wie Palästina, das nach eigener englischer Darstellung mit so vielen religiösen und nationalen Antagonismen belastet ist und dringend der Ruhe bedarf, sind jedenfalls demonstrative Veranstaltungen, die sich der heikelsten Streitfragen bemäehtigen, nicht am Platze. Man hat die Völkerbunds-Kommission zur Regelung der Klagemauer-Frage entsandt, die Juden haben, obwohl es ihnen auch nicht leicht fiel, in allen wesentlichen Punkten nachgegcbcn, das Eigentumsrecht der Moslems wurde anerkannt und international verbrieft, die Regierung selbst äußerte wiederholt den Wunsch, diese Frage künftig auszuschalten. Und nun gestattet man eine Konferenz, die gerade diese Angelegenheit zur Grundlage einer panislamisehen Agitation machen will. Versteht man denn nicht, daß — sogar beim besten Willen zur Vermeidung von Aufreizung, den wir beim Mufti nicht einmal unbedingt annehmen können — hierdurch ein Zündstoff in die leicht fanatisierbaren, durch die wirtschaftlichen Verhältnisse ohnedies zu Unruhen geneigten Massen geworfen wird? Es ist unmöglich, daß England dies nicht versteht. Und so muß man wohl oder übel annehmen, daß hier andere englische Interessen mitspielen, denen das Interesse Palästinas untergeordnet wird, oder aber, daß sich hier die Tendenzen einer gewissen englischen Gruppe, die mit der Regierung nicht identisch zu sein braucht, unter Duldung der Regierung ungestört auswirken. Es muß nunmehr, da der Kongreß Zusammentritt, nur der Wunsch ausgesprochen werden, daß er in Ruhe und Ordnung vorübergeht und die ohnedies, schwere Lage im Lande nicht noch mehr erschwert. Die jüdische Bevölkerung hat bisher eine disziplinierte Haltung eingenommen und die hebräische Presse, die an der Hand der arabischen Veröffentlichungen über die Vorbereitungen zum Kongreß berichtet, hat sich erfreulicherweise im ganzen großen einer Stellungnahme enthalten. Es ist klar, daß jede Stellungnahme der Juden gegen den Kongreß von der arabischen Agitation weidlich ausgebeutet werden würde, bisher hat den Arabern aber nur ein kleines revisionistisches Wochenblatt solches willkommenes Material geliefert. Die englische Presse beschäftigt sich gleichfalls mit der bevorstehenden Konferenz. Interessant ist, daß die 1m allgemeinen sehr proarabische Wochenschrift ״The Near East and Indla“ sich dem Kongreß gegenüber skeptisch verhält. Es heißt darin: ״Die Absicht, den zionistischen Idealen in Palästina eine stärkere moslemische Front entgegenzustellen, ist verstandlieh genug, und es ist in einem gewissen Sinne auch richtig, daß alle Moslems die Sorgen ihrer Glaubensgenossen in jedem Teile der Welt mitempfinden. Nichts aber ist durch die Vorbereitungen zu diesem Jerusalemer Kongreß klarer geworden als die Tatsache, daß die islamische Welt als Ganzes nicht bereit ist, sich in lokale moslemische Streitigkeiten einzumischen; die Aufnahme der Vorschläge des Mufti in Aegypten und in den Gebieten der Wahabiten allein macht es schon offenkundig, wie irrig die Annahme war, dieser Kongreß sei ein islamischer Weltkongreß. Die Kritik der Aegypter ist bereits bekannt. König Ihn Saud hat öffentlich erklärt, daß er diese Konferenz ablehnt; und hervorragende Moslems in Palästina selbst haben sich gegen die Annahme verwahrt, daß Hadsch Emin berechtigt sei, im Namen des Islams Einladungen auszuschicken und Veranstaltungen zu diktieren. Für ein so demokratisches Volk wie die Moslems scheint dieser Kongreß auf eine ungewöhnliche autokratische Weise organisiert worden zu sein. Wenn die Veranstalter des Kongresses ihre angeblichen ursprünglichen Absichten der Behandlung all- Islamischer Fragen auf gegeben haben, so Ist doch klar, daß ihre Absicht dahin geht, zu zeigen, daß die ganze moslemische Welt den zionistischen Bestrebungen entschieden ablehnend gegenübersteht. Wenn nun die zionistisehen Bestrebungen wirklich so wären, wie der Mufti sie darstellt, einschließend z. B. solche Dinge wie die Eroberung der Omar-Moschee durch die Juden, dann könnte wenig Zweifel bestehen, daß die Moslems der ganzen Weit zu einer Abwehraktion bewogen werden könnten. Dies ist aber eine Geschichte, die niemand glauben kann. Daß manche Juden geglaubt haben, die Moschee werde eines Tages wieder in den Besitz des auserwählten Volkes fallen, kann nicht bestritten werden; zu behaupten aber, daß ihre Eroberung einen integrierenden Bestandteil des zionistischen Programms bildet, ist h e II e r U ns in n. In Wahrheit gibt es in dieser Frage ebenso wenig eine Anschauung der ,ganzen moslemischen Welt‘ wie der ,ganzen jüdischen Welt‘. Wenn aber die Veranstalter der Konferenz noch weitergehende Pläne haben und so wie manche indischen Moslems sich panislamischen Träumen hingeben, dann werden sie wahrscheinlich während der nächsten Woche die Schwierigkeiten der Bildung einer moslemischen Einheitsfront kennenlernen.“ Die Londoner ״Times“ nimmt den moslemischen Kongreß zum Anlaß eines ausführliehen Artikels ihres Jerusalemer Korrespondenten, der in der Nummer vom 4. Dezember erschienen ist. Auch dieser Artikel geht davon aus, daß ein Teil der arabischen Presse es als Hauptzweck des Kongresses betrachte, ״dem Zionismus einen Todesstoß zu versetzen und den Weltislam gegen das Weltjudentum zu organisieren“. Der Artikel schildert dann die materiellen Nöte des Nationalheims. Der Rückgang der Einnahmen der Jewish Agency sei aber nicht nur auf die Weltwirtschaftskrise zurückzuführen, sondern auch auf die Entmutigung, die in den jüdisehen Reihen durch die ״angebliche antizionistische Parteinahme der britischen Beamtenschaft“ (Shaw-Bericht, Simpson-Bericht, Passficld-Weißbuch) entstanden ist. Es werden dann die Ziffern des Budgets der Jewish Agency angeführt, das nach dem Baseler Kongreß wieder beschnitten werden mußte. Es gibt, so führt der Verfasser aus, zwei zionistische Richtungen. Die einen Zionisten betrachten das Nationalheim als politisches Zentrum, wo die Juden genügend einflußreich und zahlreich sein sollen, um die Stellung von Staatsbürgern eines Judenstaates einzunehmen. Die anderen betrachten es als kulturelles Zentrum, wo dasjenige, was spezifisch jüdisch ist, eine freie Entfaltungsmöglichkeit findet, unbehindert durch nichtjüdische Maßstäbe, und so eine Quelle der Beeinflussung der Juden der ganzen Welt wurde. Demgemäß betrachten die ersten den Erwerb von Boden und die materielle Stabilität als wesentlichste Grundlage des Nationalheims, die anderen halten aber eine intensive jüdische Erziehung für den wichtigsten Faktor. Gesiegt habe jetzt die erste Richtung, denn das landwirtschaftliche Budget sei nur um £ 10000 gekürzt worden, das Erziehungsbudget um £ 20 000. In gewissen alten zionistischen Kreisen beginne man sich mit der Möglichkeit abzufinden, daß als Resultat der vereinigten Wirkungen der finanziellen Weltlage, der flauen Haltung der britischen Regierung und der Enttäuschungen der Weltjudenheit, die Welle der 1917 durch die Balfour-Deklaration entfachten Begeisterung ihre Kraft verloren hat und ein weiterer Fortschritt jetzt unwahrscheinlich ist, Diese! Teil der Zionisten meine, daß für die jetzige Generation nichts übrig bleibt als die im Zeiträume von 1920—1930 erworbenen Positionen zu konsolidieren. Die wichtigsten dieser Errungenschaften, die schon allein Marksteine in der jüdischen Geschichte bilden müssen, sind die Wiederher- Stellung des H e b r ä i s c 11 e n als lebender Sprache und die Wiedergewöhnung der Juden an Landarbeit. Beide diese Dinge waren vor 50 Jahren noch der Traum weniger Idealisten. Der Korrespondent fährt fort zu berichten, daß alle palästinensischen Interessen, z. B. auch der Landentwicklungspian und die viel Staub aufwirbelnde Neuwahl des griechisch-orthodoxen Patriarchen durch den moslemischen Kongreß überschattet werden. Seit dem Klagemauer-Disput habe der Mufti sich dauernd bemüht, die moslemische Aufmerksamkeit auf Palästina zu konzentrieren und dadurch die Kräfte der Juden zu paralysieren. Demgemäß hat er sich bemüht, den Tempeiplatz in Jerusalem zu einer Gräberstätte zu machen, wo, in der nächsten Nachbarschaft der Kiagemauer, die großen Führer des Islam bestattet werden. Er bemüht sieh auch, im Islam eine Spitzenrolle zu spielen. Als es ihm nicht gelang, die Leiche des von den Italienern hingerichtetcn moslemischen Rebellen Omar Muklitar zur Bestattung in Jerusalem zu bekommen, ließ er in der Bibliothek des moslemischen Waisenhauses eine Gedenktafel für diesen errichten. Der Plan einer moslemischen Universität in Jerusalem nach dem Vorbild der Hebräischen Universität sei gleichfalls ein Mittel, um Jerusalem zu einem Zentrum der moslemischen Weltkultur zu machen. Der Korrespondent der ״Times“ schließt seinen — nicht in allen Punkten ganz richtig informierenden — Artikel mit folgenden Worfen: ״Es ist zu hoffen, daß die Klugheit und größere Erfahrung der verschiedenen Delegierten des Jerusalemer Kongresses ausreichen werden, priesterliche Kleinlichkeit und lokale Tendenzen zur Ausnützung religiöser Vorurteile zu verhindern. Zufälligerweise ist gerade in diesem Moment die Atmosphäre der Beziehungen zwischen den Gemeinschaften in Palästina weniger giftgeladen, als zu irgendeiner anderen Zeit der letzten vier Jahre.“ Wie der ״Times“ aus Konstantinopel telegraphiert wird, wurde im türkischen Parlament eine Anfrage wegen des Kongresses gestellt, worauf Tewfik Ruschdi Bey, der Minister des Auswärtigen, erklärte, der Jerusalemer Kongreß sei ein Werk derer, die an dem religiösen Recht festhalten, durch das die Türkei in der Zeit der ottomanischen Sultane und Afghanistan in jüngster Zeit so viel zu leiden hatten. Als die Nachricht von der beabsichtigten Abhaltung dieses Kongresses bekannt wurde, sagte der Minister, habe er die Haltung der interessierten Mächte und insbesondere Großbritanniens als Mandatarmacht für Palästina festgestellt. England habe geantwortet, daß keine politischen Fragen zugelassen werden und daß England keine Aktion, die in der Türkei Unruhe liervorrufen könnte, gestattet wird. Insbesondere sei festgestellt worden, daß die Frage des Kalifats nicht berührt werden wird, und daß England den Kongreß weder protegiert noch ermutigt• Umfragen wurden auch an die Regierungen von Persien, Afghanistan, Albanien und H edschas gerichtet, die samtlieh erklärten, daß sie an dem Kongreß nicht teilnehmen. Irak und Aegypten senden keine offiziellen De!e* gierten, aber einige ihrer Bürger werden wahrscheinlich als Privatpersonen teilnehmen. Ruschdi Bey schloß seine Rede mit der Versicherung, daß die türkische Republik mit aller Entschicdenheit jede Bewegung ablehne, die die Religion als eine Waffe innerer oder äußerer Politik benutzen wolle. Der Korrespondent der ״Times“ hebt hervor, daß Englands beruhigende Erklärungen dazu beigetragen haben, die freundlichen Be- Ziehungen zwischen der Türkei und Großbritannien za bekräftigen. Da aiizunehmen ist, daß auch In christlichen Kreisen eine gewisse Empfindlichkeit herrscht, weil die Christen nicht ohne weiteres die Erhebung Jerusalems zu einem moslemischen heiligen Zentrum zulassen werden, so ergibt sich, daß der einzige Gegenstand, der der Aktion des Mufti wirklich ungehindert preisgegeben wird, der Kampf gegen den Zionismus ist. Die Rücksicht auf die Beziehungen zur Türkei und ähnliche Rücksichten haben genügend Gewicht gehabt, um England zu veranlassen, die Kalifats-Diskussion zu unterdrücken. Die Rücksichten auf die Balfour-Deklaration, auf das Mandat und auf den international akzeptierten, mit so großem Aufwand herbeigeführten Schiedsspruch der Klagemauer-Völkerbundskommission waren aber offenbar nicht stark genug, um England zu veranlassen, mit aller Entschiedenheit dagegen aufzutreten, daß in das Zentrum einer solchen Konferenz der ״Schutz der Heiligen Stätten des Islam“ gestellt wird, die von niemandem bedroht sind. Die evidente Tatsache, daß die Juden die Heiligen Stätten des Islam nicht antasten wollen und nicht antasten werden, hätte mit Leichtigkeit von der Regierung einwandfrei klargestellt werden können. Man kann nicht umhin, den Vorwurf zu erheben, daß hier zumindest mit einer gewissen Sorglosigkeit vorgegangen wurde. Denn selbst, wenn diese Konferenz, die von den wichtigsten islamischen Ländern boykottiert wird, zunächst für die panislamitische Bewegung ein Fehlschlag ist, so kann sie doch leicht Kraft genug haben, um in die lokalen palästinensischen Angelegenheiten eine Un• ruhe hineinzutragen, die hätte vermieden werden müssen. * Wie unmittelbar vor Redaktionsschluß aus Jerusalem telegraphiert wird, wurde Sonntag, den 6. d. M., der Kongreß durch einen feierlichen Gottesdienst in der Omar-Moschee er- 8 f f n e t. (S. auch nächste Seite.) Ans Amerika Zu Ehren des amerikanischen Mitglieds der Exekutive der jewish Agency, Emanuel Neu man, gab die amerikanische Zionistische Organisation ein Dinner, dem die führenden Zionisten und Palästina-Freunde New Yorks beiwohnten. Ansprachen hielten Dr. Stephen S. Wise, Louis Lipski, Robert Szold, Julian W. Mack und Richter Lewis. Die siebente Jahresversammlung des Palästina-Komitees der jüdischen Arbeiterverbände in Amerika beschloß, eine zentrale Labour Investment Corporation zu schaffen, deren Zweck es sein soll, die Unternehmungen der palästinensischen Arbeiterschaft zu unterstützen. Die vertretenen Arbeiterverbände zeichneten insgesamt 40 000 Dollar für das jüdische Arbeitervverk in Palästina, wovon 10 000 Dollar in bar eingezahlt wurden,!

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