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Jüdische Rundschau · 1931-12-08 · Heft 95 (8.12.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 95 (8.12.1931)
Date
1931-12-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Pal&stfn afraqcn im Unterhaus Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Erscheint jedenDienstag u.Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 2,— Goldmark, vierteljährlich 5,75 Goldtnark. Auslandsabcmnements werden in dar Währung der «imelnen Lander berechnet. Anzeigenpreis: 8 gesp. Monpareillereile 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M. Redaktion, Verlag und Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.tn.b.H., Berlin W15, Meinekestr.10. Telephon: J 1 Bismarck 7165-70. Postscheck - Konten : Berlin 17392, Basel V 9355, Belgrad 68032, Brüssel 39433, Budapest 596 93, Danzig; 1973, Haag 14047X3, Prag 59410, Riga 4155, Strandburg 16430״ Warschau 190708, Wien 156030. Bank Konten: Darmstädter- und Nationalbank, Depositen - Kasse Berlin, Kurfürstendamm 52. Riuoäniscb• Kreditbank, Cemauti (Rumänien); Anglo Palestine Co. in Haifa, Terasaletrj, Tel -Aviv. Nummer 95 | Berlin, 8. XII. 1931 Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachtnittag. כ״ח כסלי תרצ״ב | xxxvi. jahrg. Der Zionismus erstrebt für das füdlcche Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstatt• In Palästina. ״Baseler Programm.“ Oscar wassoniann zur Laie Eindrucksvolle Veranstaltungen der fewish Agency in Saarbrücken und Mannheim Hitler und die Judenfrage Unerheblich und nicht erwähnt Am 4. fl. M. empfing Adolf Hitler im Berliner Hotel ״Der Kaiserhof“, das nur wenige Häuser von der Reichskanzlei entfernt liegt, Vertreter der großen englischen und amerikanisehen Presse, um durch Vermittlung dieser Herren der Welt seine Ansichten und seine Pläne über Deutschlands auswärtige Politik kundzutun. Wie der ״V orwSrts“ zu berichten weiß, ist die Auswahl der eingeladenen Vertreter nicht nach dem Gesichtspunkte ״arisch“ und ״nichtarisch“ vor sich gegangen, so daß von Herrn Hitler auch Herren nicht germanischer Abkunft empfangen wurden. Ueber die Tatsache, daß Hitler in dieser Pressebesprechung so tat, als ob er der in Deutschland einzig entscheidende Mann wäre, über den weiteren Umstand, daß Hitler spricht und Brüning schweigt, soll hier nicht geredet werden, da diese Dinge Gegenstand ernstester Betrachtungen der gesamten Oeffentlichkeit sind. Hier muß man auf ein anderes Moment hinweisen. Herr Hitler hat in seiner Unterredung zum Ausgangspunkt seiner Darstellungen die Boxheimer Dokumente genommen. Er hat dann ausftihrlich über politische und Privatschulden Deutschlands gesprochen. Er hat den Ausfragern Antwort auf alles von ihnen Gewünschte gegeben. Er hat über seine Sturm- und seine Schutz-Abteilungen ausführliche Darlegungen gemacht. Nur über einen Punkt wurde nicht verhandelt: Ueber die Judenfrage und die Stellung Hitlers zu dieser (im Boxheimer Dokument so summarisch behandelten) Angelegenheit. Hitler wurde danach nicht gefragt und von sich aus hatte er keine Veranlassung, über diesen heiklen Punkt zu reden. Es ist unerheblich, ob unter den empfangenen Journalisten sich Juden oder Judenstämmlinge befunden haben oder ob alle von Hitler empfangenen Herren rein arischen Geblütes gewesen sind. In jedem Falle hätte man annehmen müssen, daß diese sonst so neugierigen Herren auch ein wenig Interesse für die Ansichten des Ober-Osaf zu den auf die Juden bezügliehen Vorschläge Dr. Bests in Boxheim bekunden würden. Das ist jedoch nicht der Fall gewesen. Lag darin eine besondere Rücksichtnahme für die Juden? Denn man kann sich wohl denken, daß die Vertreter der großen amerikanischen und eujjfochen Presse in Kenntnis de* politischen Situation und 'Ser fr opägandat&tigk*it der Hakenkreuzler es lieber unter-, lassen haben, Herrn *Hitler Gelegenheit zu einem neuerlichen Bekenntnis seines radikalen Antisemitismus zu geben. Aber nicht aus solcher zarten Rücksichtnahme für die Juden hat man im ״Kaiserhof“ dieses Problem nicht berührt, sondern — man hat einfach, wie wir durch Umfrage bei einzelnen Herren, die dort empfangen wurden, feststellen konnten, daran nicht gedacht. Angesichts der großen weitbewegenden Probleme des Verhältnisses Deutschland zu Frankreich, der Reparations- und stillgehaltenen privaten Schulden, des Termines der Uebernahme der Macht durch die Nazis in Deutschland usw. erschien den im ״Kaiserhof“ versammelten Herrschaften die Judenfrage in Verbindung mit Nationalsozialismus unerheblich. Und darum hat man darüber nicht gesprochen. Es mag für die Juden in Deutschland und für die Judenheit in der ganzen Welt, für welche Nazi-Bewegung und Nazi- Herrschaft in erster Linie darum wesentlich sind, weil mit ihnen die radikalste antisemitische Stellungnähme verbunden ist, schwer verständlich sein, daß es pqlitische und publizistische Kreise gibt, die die Frage des Nätionalsozialismus in Deutschland nicht auch vom Gesichtspunkt der Judenfrage ansehen. Für die große politische Welt aber ist der auf die Juden bezügliche Teil des nationalsozialistischen Programmes anscheinend von untergeordneter Bedeutung. Auch die linksgerichtete Presse in Deutschland, welche das Hitler-Interview im ״Kaiserhof“ ausführlich behandelte und jedes einzelne Wort des Nazi-Führers unter die kritische Lupe nahm, hat vergessen, darauf hinzuweisen, daß in dieser Auslands-Unterredung kein Wort über Juden und ihre Stel- Jung im ״Dritten Reich“ verloren wurde. Dabei wurde in der gesamten Presse einmütig darauf hingewiesen, daß Hitlers Erklärungen dazu bestimmt waren, Verständnis und Wohlwollen des Auslandes für eine kommende Nazi-Regierung zu gewinnen. Also hielt m Hitler für überflüssig, das Ausland über die Nazi-Pläne hinsichtlich der Juden aufzuklären. Offenhar weiß er auf Grund seiner Informationen, daß durch Betonung des Juden-Programms der Nazi seine Absicht, mildere Beurteilung im Ausland zu finden, nicht gerade gefordert würde. Es ist nicht unerheblich, wenn von jüdischer Seite au! diese Lage der Dinge aufmerksam gemacht wird. Die Judenfrage ist in erster Linie eine Frage der Juden selbst und dann erst, in abgestuftem Maße, eine Frage der nichtjüdischen Gemeinschaflen in der Welt, b. m. Ungarn—Oesierretch _ Deutschland Im ungarischen Abgeordnetenhaus teilte ein sozialdemokratischer Abgeordneter interessante Einzelheiten über den rechtzeitig auf gedeckten Putschplan der Rassenschützler mit. Daraus geht hervor, daß ein umfangreiches Programm der Entree 11 tungderjuden vorbereitet war. Der Redner wies auch darauf hui, daß in der Versammlung dieser üeheimorganisation angekündigt worden sei, ״im Februar werden in Deutschland Hitler, in Oesterreich Starhemberg und in Ungarn Gömbös die Macht ergriffen haben.“ Zu den Führern der Putschpartei gehören mehrere der berüchtigstea antise* mitischen Radaumacher. Wir erhalten folgenden Bericht: Die Mitglieder der Jewish Agency in Saarbrücken und in Mannheim veranstalteten am Sonntag, dem 29. November, Kundgebungen, für die sich als Referenten der Vorsitzende der Jewish Agency in Deutschland, Direktor Oscar Wassermann, ferner Universitätsprofessor Dr. Täubler (Heidelberg) und Frau Anitta Müller-Cohen zur Verfügung gestellt hatten. ln beiden Kundgebungen, die sich eines außerordentlich starken Besuches zu erfreuen hatten, behandelten die Redner in ungemein eindrucksvollen Ausführungen den modernen Palästinagedanken und das jüdische Palästinawerk, dem in beiden Orten eine größere Anzahl neuer Freunde und Förderer gewonnen werden konnte. Sowohl in Saarbrücken wie in Mannheim wirkten die Veranstaltungen als ein Erlebnis für alle Teilnehmer und als ein hochbedeutsames und wichtiges Ereignis Im jüdischen Leben. Saarbrücken Die Veranstaltung wurde von Rechtsanwalt Dr. Scheuer geleitet, der in einer kurzen Eröffnungsansprache die Referenten Direktor Oscar Wassermann und Anitta Müller-Cohen willkommen hieß. Die Grüße der Jüdischen Gemeinde Saarbrücken überbrachte an Stelle des erkrankten Gemeindevorsitzenden der Vorsitzende des Repräsentantenkollegiums, Herr Mendelsohn. Nach weiteren Worten der Begrüßung, die Rabbiner Dr. Rüff sprach, ergriff Direktor Oscar Wassermann das Wort. Wassermann charakterisierte in einer groß angelegten Rede die Lage der Juden in der heutigen Weltkrise und wies darauf hin, daß die Meinung, durch die Emanzipation sei die Judenfrage gelöst, ein historischer Irrtum war. Die Anhänglichkeit der Juden an das Vaterland, in dem sie leben, dürfe nicht in Frage gestellt werden, darüber hinaus aber müsse das Judentum einen Rückhalt in seiner Gesamtverbundenheit haben,' deren 'Z'IbI ritt im hTe rin Pattsttn I faf and auch heute in Palästina liegt. Wassermann ging dann zur Besprechung der Verhältnissse in Palästina und schilderte die wirtschaftliche und politische Lage. Er schloß mit einem starken Bekenntnis zum Palästinawerk und mit der Aufforderung, dieses Werk nicht im Stiche zu lassen, denn es ist der Kräfte aller Juden wert. Anitta Mülier-Cohen schilderte überaus temperamentvoll und lebendig das neue jüdische Leben in Palästina und zeichnete an Hand ihres eigenen Lebensschicksals das Bild des modernen jüdischen Menschen, der auf der Suche nach seinem Ich sich allen Zeitströmungen zuwendet, mit ganzer Hingabe und Leidenschaft für neue Ideale arbeitet, dabei sein Judentum allzu leicht und allzu häufig einbüßt, um schließlich ohne festen inneren Halt enttäuscht beiseite zu stehen, wenn es ihm nicht gelingt, in der Renaissancebewegung des jüdischen Der moslemische Kongreß, der am T. d. M. In Jerusalem beginnt, hat in der moslemischen Welt und auch bei einigen europäischen Mächten eine ungleichmäßige Resonanz hervorgerufen. Was zunächst die Moslems betrifft, so kann man wohl sagen, daß die Initiative des Mufti von Jerusalem auf vielen Seiten mit starkem Mißtrauen aufgenommen wurde. Wenn man bedenkt, daß eine starke Rivalitat zwischen den einzelnen moslemischen Reichen und Personlichkeiten besteht, so kann es nicht Wunder nehmen, daß man befürchtet, einzelne Personen könnten mit Hilfe dieser Partei sich ein Uebergewicht innerhalb des Islam sichern wollen. Auch befinden sich die meisten dieser Länder in einem seitsamen Prozeß des Uebergangs von ״mittelalterlicher“ zu ״neuzeitlicher“ staatlicher Struktur,־ der sich vor allem darin ausdrückt, daß man das Uebergewicht der Religion zugunsten des Nationalismus zurückdrängen will. Ehe nationalen Eiemente streben danach, das Staatsinteresse zur maßgebenden Norm zu machen und sind demgemäß panislamischen Tendenzea abhold. Am weitesten vorgeschritten ist dieser Prozeß bekanntlich in der T ü r k e i, wo die rückständige altislamische Tradition geradezu verfolgt wird. Die Türkei ist auch die schärfste Gegnerin jeder Aufrollung der Kalifatsfrage. Demgemäß hat sich auch die Türkei gegen den Jerusalemer Kongreß ausgesprochen. Aber dieselbe Haltung nahmen andere Länder, wie z. B. Albanien, ein. Und was die arabischen Staaten betrifft, so ist zunächst klar, daß I b n Saud, der König der Wahabiten, nicht dulden wird, daß Mekka, die in seinem Reich liegende heilige Stadt des Islam, gegenüber einer anderen Stadt zurückgesetzt wird, ganz abgesehen von den persönlichen Ambitionen, die Ibn Saud selbst hat. Aber auch König Eeisal von Irak, sowie die ägyptische Volkes, Im Streben nach Aufbau des neuen jüdischen Lebens in Palästina, in der tagtäglichen Verwirklichung altneuer jüdischer Ideale und Zukunftshoffnungen sich fest Int Judentum zu verwurzeln und als ein ganzer Mensch den wirren Strömungen dieser chaotischen Zeit gegenüberzutreten. Beide Referate fanden stürmischen Beifall und mit einem kurzen Dankeswort und dem im Namen aller Hörer abgegebenen Gelöbnis der Treue zum Palästina-Ideal konnte der Vorsitzende die eindrucksvolle Kundgebung schließen. Mannheim Nachdem Herr Eh־. Arnold Hildesheimer namens des lokalen Komitees der Jewish Agency die Versammlung und insbesondere die Referenten begrüßt hatte, ergriff Universitäts- Professor Dr. Täubler das Wort zu seinem Referat Prof. Täubler gab zunächst einen historischen Ueberblick über die in der Geschichte sich manifestierenden engen Beziehungen des jüdischen Volkes zu Palästina bis auf die Gegenwart und analysierte sodann in interessanter Weise die Bedeutung des palästinensischen Zentrums für das Judentum der Galuth. Es komme nicht darauf an, das Galuth schlechthin zu verneinen, sondern es müsse eine Synthese gefunden werden, indem Palästina sich als Kraftquelle des Galuth erweist und so eine neue Epoche der Blüte des Gesamtjudentums herbeiführt. Direktor Wassermann knüpfte in launiger Weise an Prof. Täublers Feststellungen über den engen Zusammenhang von Judentum und Palästina an und erklärte, leider sei diese Verbundenheit in unserer Zeit nicht mehr so allgemein. Er wandte sich dann gegen diejenigen Juden, die die Bedeutung: des Palästinawerkes nicht verstehen wollen. Im weiteren Verlauf seiner Rede gab Wassermann ein ein־ ׳'rtracksv©§es**ÄM'd«״'Entwi€klu!1iLPali*äBa1! a ®ü dar.- Lage im Galuth kontrastierte. Seine Rede gipfelte überaus wirkungsvoll mit einer Darstellung der großen Perspekt i v e n , die sich für das Judentum aus dem Palästinawerk er* geben. Wir werden die Reden von Direktor Wassermann und Prof, Täubler in ihren Hauptteilen in einer der nächsten Nummern ausführlicher wiedergebet!. Mit einem kurzen Dankeswort an beide Referenten, deren Ausführungen stürmischen Beifall auslösten, schloß Dr. Hildesheimer die Veranstaltung. Am gleichen Abend veranstaltete Herr Direktor Richard J. W o 1 ft (Ludwigshafen) zu Ehren von Direktor Wassermann einen Empfang in seinem Hause. Regierung scheinen von diesem Kongreß nicht besonders begeistert zu sein, wenn man auch die Ablehnung zuweilen in vorsichtige Worte faßt. Der Führer des ägyptischen Wafd, Zaghlul Paschas Nachfolger Nahas, hat auch bereits die Nachricht, daß er an dem Kongreß teilnehmen wird, dementiert. Der Mufti hat versucht, durch einen persönlichen Besuch in Kairo die ägyptische Regierung und öffentliche Meinung für seinen Plan zu gewinnen und scheint auch anfänglich Erfolge gehabt zu haben, wie der damals in der ״Times“ erschienene Bericht zeigte. Nach seiner Abreise scheint aber die Stimmung wieder umgeschlagen zu haben. Aegypten ist natürlich eine der wichtigsten Positionen, und wenn die bedeutenderen moslemischen Staaten nicht durch wirklich maßgebende Persönlichkeiten vertreten sind, dann kann man wohl mit Recht den Jerusalemer Kongreß als mißlungen ansehen. Aber auch. in Palästina selbst hat sich, wie wir bereits mitteilten, eine scharfeOpposition gegen die selbstherrliehe Art, wie der Mufti den Kongreß veranstaltete, erhoben. In den letzten Tagen sind wieder eine Reihe von Protesten arabischer Notabein veröffentlicht worden, die jede Gemeinschaft mit dem Kongreß ablehnen. Der Mufti hat nachträglich versucht, diese Opposition seiner alten Gegner zu beschwichtigen, indem er erklärte, der Moslemische Oberste Rat sei souverän, er habe den Kongreß einberufen, und man habe zuerst die ausländischen Gäste eingeladen, um festzustellen, wer teilnehmen wird; erst dann könne man die palästinensischen Vertreter einladen, denn sonst bestünde die Gefahr, daß die lokale Vertretung gegenüber der auswärtigen zu groß wäre. Ob es gelingen wird, noch im letzten Moment die palästinensische Opposition zu gewinnen, ist aber zweifelhaft. Das einzige wichtige Element, das mit ganzem Herzen dabei ..... Der moslemische Kongreß Am 7. Dezember in Jerusalem — Kein ,Weltkongreß — Eine aniizionistische Aktion — Was will England?

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