Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 94 (4.12.1931)
- Date
- 1931-12-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 94, 4. XII. 1931 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 553 Jacob Kahan 50 Jahre Jacob Kahan, der bedeutende' hebräische Lyriker, feierte dieser Tage seinen 50. Geburtstag. Kahan nimmt innerhalb der hebräischen Literatur eine besondere Stellung ein. Schon seine 1002 erschienene erste Gedichtssammlung ״Sefer haschirim" (Buch der Lieder) erregte Aufsehen. Vom programmatischer Bedeutung war sein "Aufsatz in dem von ihm redigierten Sammelbiich ״Ha’iwri hechadasch“ (1912), das Hohelied des ,,neuen“, nicht mehr einseitig geistig gebundenen, sondern in voller Natürlichkeit entwickelten jüdischen Menschen, ln Weitcrfühning des Erbes der Haskalah (Aufklärung) und des Kreises der ״Jungen" um Berdyczewski tritt er dafür ein, daß auch die nebraische Dichtung sich nicht auf jüdische liifsll |§ff|pg| ■0ji&l8ti.ä IliÄ' I : Wm Aus dem ״Jüdischen Lexikon“!»JüdischerVerlag,Berlin) Nachdruck verboten Gegenstände beschränken dürfe, sondern das ganze Mensehe nt um repräsentieren, revolutionär und modern sein müsse. Er findet harte Worte gegen die jüdische ״Schwäche", die Wurzel allen liebels. Der Zionismus ist ihm die Bevvegung der jüdischen Kraft, die mit allem Faulen und Welken in der jüdischen Gasse aufräumt. Gegenwärtig ist Kahan in Warschau Dozent für neuhebräische Literatur an der Lehranstalt für die Wissenschaften des Judentums. Politisch ist er in den letzten Jahren als führendes Mitglied der Union der Zionisten-Revisionisten hervorgetreten. ln Warschau fand zu Ehren Kahans eine große Feier statt. Ansprachen hielten Prof. Di־. Sehor, Z. S. Weinberg, J. Heftmann, H. Farbstein, Dr. Klumel u. v. a. Im Mittelpunkt standen die Reden von Ch. Ai. B i a 1 i k und dem Jubilar selbst, die beide eine tiefe Klage über die Einsamkeit des Dichters in der heutigen Zeit waren, aber auch in die Tröstung ausklangen, daß in Palästina eine Sphäre für schöpferisches jüdjsch|s_ Schrifttum ,.gsschaffeijc.wi^l, . , '_;״,״״. ־,) , Bialiks Rede Bialik sprach in seiner Rede zunächst sehr witzig über die Unannehmlichkeiten des Gefeiertwerdens, das auch ihm wieder bevorstehe (Bialik wird im nächsten Jahre 60). Sodann erinnerte er an die Anfangszeiten des Dichters Kahan, der als junger Mensch mit seinen ersten Gedichten zu Bialik gekommen ist. Bis zum heutigen Tage sei für ihn Kahan der zarte und stille Jüngling von damals geblieben, trotz aller Veränderungen, die seitdem mit ihm vorgekommen sind. Bialik vergleicht Kahans damaliges Aussehen mit einem Ethrog, und seine Poesie war wie der Duft dieser zarten feinen Frucht. Poesie dieser Art kann man nicht analysieren, man muß sie mit dem Gefühl unmittelbar aufnehmen. Jacob Kahan, so fährt Bialik fort, ist kein Fortsetzer, sondern ein Neuerer. Er hat Töne von so feiner Musikalität angeschlagen, wie sie vor ihm in der hebräischen Dichtung unbekannt waren. Seine Sprache, sein Satzbau, seine Technik sind eine Neuschöpfung. Er hat verstanden, den alten jüdischen Sagenstoffen ein moderncs nationales Gewand zu geben. Er erfüllte die Mission des Dichters, die Verbindung der heutigen Generation mit der Urzeit herzustellen, zu der die Fäden seiner Seele führen. Ebenso bedeutend ist Kahans Leistung für die hebräische Folklore. Die bekannten Motive der Bibel bekommen in seinen Erzählungen einen neuen Inhalt, und eine psychologische Beleuchtung. Er hat wenig aus den Quellen der Mischnah und cies Midrasch geschöpft, sondern fast nur aus der Bibel und der modernen hebräischen Literatur; das beweist, daß auch dieser Boden reich genug ist, um einen großen Dichter zu speisen; unsere Mime ist nicht umsonst gewesen. Bialik schließt mit einem Gleichnis der Agadah: Die Agadah erzählt von vier Königen: David, Salomo, Josafat und Hiskia. David hat Kriege geiührt und Lieder gesungen, Salomo hat Lieder gesungen und keine Kriege geführt, Josafat hat Kriege geführt und keine Lieder gesungen, Hiskia hat weder das eine noch das andere getan. Darum ist zu ihm der Prophet Jesaja gekommen und hat ihm gesagt: Du bist tot für die Gegenwart und für die Zukunft. Denn Krieg führen ist das Leben der Gegenwart, Dichtung ist das Leben der Zukunft. Jacob Kahan ist ein Kämpfer und Dichter in einer Person, Ich begrüße Kahan als den Dichter von Versen, die mir stets die Vision der Morgendämmerung, des zitternden Morgenlichtes geben. Ich begrüße ihn als den Schöpfer wunderbarer Sprach-' gebilde, Edelsteine der Sprache, die aus dem Laboratorium seiner Poesie hervorgegangen sind, icli begrüße ihn, den Dichter-Kämpfer. Die Worte Bialiks werden mit einer ungeheuren Begeisterung aufgenommen. Der ganze Saal erhebt sich und bringt dem Dichter eine Ovation dar, die gar kein Ende nehmen will. Kahans Antwort: Absage an das Galuih Zum Schluß spricht Jacob Kahan, der allen Rednern und vor allem Bialik seinen Dank ausspricht Der hebräische Dichter, so führt er aus, ist so einsam und verlassen, daß er der Trostworte bedarf, Die beste innere Stärkung waren für mich stets die Dichtungen Bialiks. Der Talmud erzählt, daß wegen der inneren Entzweiung der Tempel zerstört wurde. Dessen sollen wir eingedenk sein und zur Einigkeit streben. Mein größter Kummer ist unsere innere Zerrissenheit. Aber zum Glück haben wir noch ein großes Gemeinsames: die hebräische Literatur und die hebräische Sprache. Man spricht so viel über den Gegensatz zwischen meiner Poesie und meinem zionistischen Radikalisraus, Meine Poesie ist zart und still, meine Politik stürmisch. Aber ich gestehe, daß seit meiner ,frühen Kindheit,die bittere Frage in mir brennt: Warum sind wir nicht wie die anderen Völker? Warum ist unser Los Schande und Spott? Warum leben wir ständig in Schrecken und Angst? Dies ist unser Galuth -Schicksal, das uns nicht zur Ruhe kommen lassen darf. Auch heute, noch in dem süßesten Wein, den man mir darreicht, finde ich den bitteren Tropfen. Und auch meine Poesie ist eine unbedingte Absage an das Galuth, ohne jeden Kompromiß. Meine politische Arbeit, von der man so viel redet, ist nur ein Tausendstel meiner literarischen Arbeit. Mein politischer Einfluß ist gering, hoffentlieh wird der Einfluß meiner Dichtung größer sein und dazu beitragen, die Ghetto- Wand zwischen Judentum und Menschentum zu zerbrechen und das jüdische Leben auf den lichten Weg der Freiheit zu führen. Im Schatten der Boxheimer Affaire Die Aufregung über die Auffindung der von führenden Nationalsozialisten Hessens entworfenen Pläne nach der Macht- Ergreifung durch die Nazis hat ein wenig nachgelassen, nachdem der Oberreichsanwalt gegen die Verfasser ein Strafverfahren wegen schweren Verdachtes des Hochverrates beantragt hatte. Die Untersuchung ist jetzt im Gange und es bleibt abzuwarten, was für Ergebnisse sie zeitigen wird. Auf ■eine auffallende Erscheinung der Abwehrbewegung gegen die Boxheimer Pläne ist bis heute noch nicht genügend hingewiesen worden. Ein Kernstück jenes Programms waren neben den zahlreichen Todesdrohtingen und der geplanten Beschlagnahme aller Lebensrnittel die' Behandlung der Juden. Diese sollten nach den Boxheimer Plänen von der allgemeinen Arbeitsdienstpflicht und von dem Anspruch auf Ernährung ausgenommen werden. Die Plänemacher von Boxheim wollten damit eine Pauschalverurteilung aller Juden zum Hungertod aussprechen. Es ist kein Wort darüber zu verlieren, daß die Boxheimer Pläne widersinnig sind. Dieser Meinung haben nicht nur linksstehende Kreise Ausdruck gegeben, sondern auch volksparteiliche und deutschnatioriale Presseorgane haben ausdrücklich den Wahnwitz derartiger Vorschläge bescheinigt. Die Kritik der öffentlichen Meinung in Deutschland richtete sich gegen alle Bestimmungen des Boxheimer Programms m i t Ausnahme jenes Teiles, der sich auf die Juden bezieht. Es ist eine erschreckende Tatsache, daß kaum eine einzige Stimme zu verzeichnen war, welche sich empört über den auf die Juden bezüglichen Teil des Boxheimer Programms geäußert hätte. Daß deutschnationale und volkspartciliehe Zeitungen es für überflüssig erachtet haben, auf diesen Teil des Elaborates einzugehen, ist etwas, worauf man leider gefaßt sein konnte. Aber selbst Partei-Zeitungen der Mitte und auch manche linke Organe haben cs nicht für nötig befunden, im Zusammenhänge mit den Veröffentlichungen des Boxheimer Programmes ein Wort zur Bedrohung der jüdischen Gesamtheit in Deutschland durch die nationalsozialistischen Pläne zu ver- Heren. Es wäre natürlich ungerecht, ohne weiteres zu behaupten, daß in diesen Kreisen die judenfeindlichen Nazi-Pläne Nachsicht, Verständnis oder Billigung finden. Die Sachlage ist vielmehr die, daß die Judenfrage in diesem Zusammenhänge als eine Angelegenheit untergeordneter Bedeutung aufgefaßt wird. Es geht nach dem allgemeinen Empfinden bei der großen Auseinandersetzung zwisehen Republik und Nationalsozialismus in Deutschland, um : Dinge so pchwerwiegendor Art; daß man sich uni Nebencfscheinungeh nicht übermäßig kümmert. Hierbei ist "nicht einmal Gleichgültigkeit gegenüber den Juden ausschlaggebend. Man kann vielmehr annchmen, daß in manchen Kreisen der deutschen Oeffentlichkeit für die spezielle jüdische Seite dieser Situation Verständnis herrscht. Aber im Drange der Geschäfte und angesichts der grundlegenden Auseinandersetzungen kann man sich, selbst guten Willen und Mitgefühl für die Juden vorausgesetzt, um diese nicht kümmern, geschweige denn daß man es für opportun halten würde, sich für die Juden einzusetzen. Das nationalsozialistische Beispiel wirkt auf alle Judenfeinde, die gegenwärtig in einigen Ländern Europas sehr aktiv sind, anregend. Es ist eine groteske Erscheinung, aber deswegen doch keine wegzuleugnende Tatsache, daß die polnischen Nationaldemokrafen, die gegenwärtig einen heftigen Kampf gegen die polnischen Juden auf breiter Front führen, für ihre nationalen Todfeinde, die deutschen Nazis, Sympathie äußern, nur darum, weil die Nazis in der Bekämpfung der Juden auf der internationalen Arena führend sind. Die Internationale des Judenhasses ist auf diese Weise hergestellt, und es ist kein Zweifel, daß ihr geistiges Zentrum in Deutschland zu Hause ist. Ohne Bitterkeit sei es festgestellt, daß in den letzten Jahren die einzige aus Deutschland stammende Bewegung, die in die große Welt dringen konnte, der Rassenantisemitismus völkischer Prägung ist. ln den Tagen, an denen die Erinnerung an Hegel in der ganzen Welt besonders gefeiert wird, ist dies eine kaum erfreuliche Konstatierung. Die Wirkung der letzten Ereignisse in Deutschland vor der Veröffentlichung der Boxheimer Dokumente und im Zusammenhang mit deren Bekanntwerdung haben auf die jüdische Gemeinschaft einen begreiflichen Eindruck gemacht. Wirkt sich das in starkem Maße auf die Juden in den Großstädten aus, so ist der Eindruck auf die Juden iri den Provinzstädten und auf dem flachen Landein ganz Deutschland geradezu konsternierend. Die Debatte, ob und wann Hitler zur Regierung kommen wird, lähmt das gesamte öffentliche Leben. Durch diese Ueberlcgungen ist ein Moment der Unsicherheit in das politische und wirtschaftliche Leben getragen. Die Veröffentlichung von faksimilierten Proskriptionslisten, wie in der ״Münchener Post" vom 25. November (mögen diese Listen authentisch sein oder, wie die N. S. behaupten, ״Spitzelarbeit‘‘ darstellen), tragen nicht dazu bei, das Gefühl der Unsicherheit zu verringern. Es ist heute bereits so weit gekommen, daß man in weiten Teilen Deutschlands sich nicht mehr traut, im Eisenbahnabteil, in öffentlichen Lokalen u. ä. zu seinem Nachbar irgendein am Nachbartisch hörbares Wort für die bisherige Ordnung auszusprechen. Aengstlieh verbirgt man demokratische oder linke Zeitungen, wenn man in einem Lokal einer Mittel- oder Kleinstadt Hessens, Bayerns, Thüringens, Oldenburgs, Pommerns und anderer Länder und Provinzen Deutschlands sitzt. Sehr oft bekommt man an Zeitungsständen in der Provinz eine linksgerichtete Zeitung nur gefaltet überreicht, so daß von den Umstehenden der Titel nicht gesehen werden kann und diese Zeitungen liegen nicht öffentlich auf, sondern werden aus dem Hintergründe unter dem Pult hervorgeholt. Es ist erschreckend, in wie weite republikanische Kreise Defaitismus und Angst gedrungen sind. Man kann sich nun vorstellen, von welchen Empiindungen die Juden in der deutschen Provinz erfüllt sind. In den letzten Tagen scheint, wenn nicht alle Zeichen trügen, angesichts dieser Psychose bei einzelnen Parteien Besinnung einzukehren. Ja, sogar von Rcgierungsucitc!irr vernimmt man in Rundfunkreden und in anderen Erklärungen ertreulich energische Worte, in denen zum Ausdruck gebracht wird, daß die Regierung bereit ist und über die Machtmittel verfügt, für Ordnung und Sicherheit zu sorgen. Vergeblich aber bat man bisher darauf gewartet, daß von maßgeben־ den Stellen ein Wort der Beruhigung auch an die jüdische Gemeinschaft gerichtet werde. Auch die von der offiziellen Parteileitung der National- Sozialisten ausgehenden Versicherungen der ״Legalität" sprechen keineswegs die deutliche Verurteilung aggressiven antisemitischen Rowdytums aus, die angesichts der jahrelangen Verhetzung und Fanatisierung der deutschen Jugend notwendig wäre, wenn die ״Legalität“' wirklich gewahrt werden soll. Dies ist die betrüblichste Erfahrung, welche die Juden in der letzten Zeit machen konnten. Bedarf es da ausführlicher Beweisführung, daß wir letzten Endes auf uns allein angewiesen sind und daß die Initiative zur Wahrnehmung unserer Interessen in energischester Form von uns ausgehen muß? Die Stimme des Judentums, das seine Wurde wahrt und sich stolz, zu seiner von den Hassern besudelten Eigenart und zu seinem Volkstum bekennt, muß in diesen Tagen vernehmlich sein. An unserer uralten Geschichte finden wir den Rückhalt, der uns stark macht gegenüber allen Wechselfällen des Schicksais. b. m. Die Jaden im ״Dritten Reich“ Das ״B. T." macht auf Einzelheiten aufmerksam, dir in der Zeitschrift ״Deutsches Recht, Monatsschrift des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen“ ein Regierungsrat i. R. Ernst von Heydcbrandt darüber mitteilt, was im ״Dritten Reich“ mit den Juden geschehen würde. Heydcbrandt untersucht zunächst die Frage, ob den deutschen Juden ohne Aenderung de־־ Reichsverfassung ihre Staatsbürgerrechte entzogen werden können, und schlagt für den Anfang Zurückhaltung vor: ,,Es ist daher zu empfehlen, nicht sogleich allzu grausige Folgen an die ersten Maßregeln zu knüpfen, vielmehr mit Rücksicht auf das Mißtrauen des Auslandes, das Gereehtigkeitsgefühl der Gerichte und das zarte Gewissen etwaiger Koalitionsgenossen sich damit zu begnügen, ein Juden verzeichnis aufzustellen, ihm die Staatsangehörigkeit abzusprechen (§ 17 des Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetzes), sie nicht mehr wählen und Beamte werden zu lassen..., im übrigen aber zunächst alles auf sich beruhen ־zu lassen und allerseits beruhigende Erklärungen abzugeben, bis sicli die neue Rechtslage einigermaßen gefestigt hat." Die spätere Entwicklung stellt sich Herr Heydcbrandt so vor: ״Man würde den fremdstämmigen Deutschen eine Bezeichnung geben, die einerseits den Abstand vom Deutschen, anderseits doch eine gewissse Unterstellung unter das Reich andeutet (z. B. ,,Schutzfremde“, ״Reichsfremde“), würde ihnen weiterhin diplomatischen und konsularischen Schutz sowie deii heimischeu Rechtsschutz gewähren (mit welchem Eifer, fragt sich), und im übrigen nach dem Spruche handeln: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!“ Aehnliche Gedankengänge sind bereits im Januar dieses Jahres in den ״Nationalsozialistischen Monats- ■iieiteeiiF unter, ,dem Titel .״,Das-' Judentum ,in der. national!-, sozialistischen Rechtsordnung“ zum Ausdruck^ gelangt. Heydebrandts Pläne decken sich in manchen Punkten vollständig mit dem seinerzeit veröffentlichten JtidenprogTamm. Wir haben im Februar d. J. bei Besprechung des Aufsatzes der ,,Nationalsozialistischen Monatshefte“ geschrieben: ״Freilich hat es noch lange Wege, bis das ,Dritte Reich‘ gekommen und gemäß den nationalsozialistischen Rezepten eingerichtet ist. Immerhin läßt sich erkennen, daß in dem nationalsozialistischen Wahnsinn Methode liegt.“ Der zweite Satz besteht noch voll zu Recht. Der erste kann nicht mehr aufrechterhalten werden, denn kein Mensch vermag zu sagen, welcher Zeitraum uns, Wofern es überhaupt kommt, vom Dritten Reiche trennt. Presscschao Die englische Ausgabe des ״Fe lest in" beschwert sich über die Behandlung, die die Mordangelegenheit Stahl — So har in einem Teil der hebräischen Presse geftmden hat. Das Blatt schreibt: ״Erstens ist die Angelegenheit als typisches Beispiel der arabischen Kultur und Moral behandelt worden. Eine Zeitung, deren Redakteure die Toleranz der Araber genügend kennenzulernen Gelegenheit hatten (Dcar Hajom), erklärte, die Araber hätten kein Verständnis für Frauenehre und würden für einige Schilling oder für ein altes Paar Schuhe ohne weiteres einen Mord begehen. Aut der anderen Seite wird der Jude als besonders friedliebend hingestellt. Diese Art der Charakteristik könnte vielleicht einen arabischen Schreiber veranlassen, mit gleichem zu vergelten; aber es genügt nach unserer Meinung, einfach diese Lügen abzuschreiben anstatt einer Antwort. Nicht, daß die Araber keine Mörder unter sich hätten, aber sie teilen dies mit allen anderen Gemeinschaften der Welt, die Juden nicht ausgenommen. Zweitens wird der Mord wieder ram Anlaß genommen, um zu fordern, daß den Juden das V/affentragen erlaubt wird. Wäre das Verbrechen politisch und das Glied einer Reihe Verbrechen derselben Art, könnte ein Grund für diese Forderung bestehen (ein wichtiges Zugeständnis, das man im Gedächtnis behalten muß. — A. d. ״J. R"). So wie aber die Sache liegt, wurden in derselben Zeit viel mehrArabervon arabischer H a n d getötet. Ist das also ein Grund, für die arabische Bevölkernig־ zu fordern, daß man ihnen das Waffentragen gestattet? Die jüdische Propaganda mache aus jedem isolierten Mordfall eine Art allgemeines Massaker, während Amerika aus seinem Chicago kein Aufhebens macht. Der Widerwille gegen diese jüdische, Propaganda macht uns aber nicht blind gegenüber der lüsternen Grausamkeit, die diese Mörder an den Tag gelegt haben. Wir geben sicher den arabischen Gefühlen Ausdruck, wenn wir unbedenklich und nachdriicklichst diesen Mord verdammen und seine strenge Bestrafung fordern." * Im Növemberheft der ״Sozialistischen Monatshefte“ bespricht Hermann Kran old in der Rubrik ״Außen- Kolonisation“ das Stadium des Palästinawerkes. Insbesondere erwähnt er die zahlreichen erfolgten Personalveränderungcn in den Aemfern und schildert dann das Wesen des Landentwicklungsplanes. Das ״Berliner Tageblatt" bringt in seiner Literaturbeilage vom 22. November eine Reihe von Besprechungen jüdischer Bücher, darunter eine Würdigung von Emil Vanderveldcs ״Schaffendes Palästina" unter Hervorhebung einiger, die idem logische Bedeutung des Zionismus betonender Zitate.