Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 93 (1.12.1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 548 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 03, I. XU 1931 ä: i!? 'f. Die Convention in Atlantic City Kampf um eine Weizen arm - Resolution Wie die jetzt hier eingetroffenen genauen Berichte zeigen, hat die amerikanisch-zionistische Convention int Atlantic City, die bekanntlich mit der Bildung einer Koalition von Brandeis- Gruppe und Lipsky-Grtippe endete, einen sehr stürmischen Verlauf genommen, der in manchen Momenten den Frieden überhaupt in Frage stellte. Der Hauptkampf entspann sich um jene Resolution, die eine Art Dankesvotum für Dr. Weizmann enthielt. Als die Resolutions-Kommission diesen Antrag in der Sitzung vom 9. November vorbrachte, protestierten die Führer der Brandeis-Gruppe, Stephan Wise und Robert $ z o I d , und erklärten, diese Resolution bedeute eine Mißbilligung der Fi al tu n g der amerikanlsehen Delegierten auf dem Kongreß. Die Ver• treter der Brandeis-Gruppe drohten mit einer Sprengung der Convention und mit einer Lossagung von dem bereits abgeschlossencn Friedenspakt bezüglich der neuen Leitung. Nach einer Diskussion, die nach den Zeitungsberichten nicht erhebend war, wirde die Resolution an die Kommission zurückver• wiesen. Als am nächsten Tage nach Verhandlungen, die die ganze Nacht in Anspruch genommen hatten, die Kommission den modifizierten Antrag einbrachte, erhob sich in der Coriveotion ein ungeheurer Tumult. Die Weizmann-An- Fänger, die anscheinend die Mehrheit der Versammlung bi!- deten, brachen in einen Applaussturm aus, der nach den Zeitungsberichten volle zehn Minuten gedauert haben soll. Die Gegner pfiffen und lärmten unausgesetzt dazwischen. Der Sturm wurde schließlich von Robert Szold zur Ruhe gebracht, der erklärte, daß die Führer der Brandeis-Gruppe dem gegenwärtigen Text zugestimmt haben. Der Text enthän; eine Anerkennung der ״historischen Verdienste von Dr. Weizmann und seiner Ergebenheit für die zionistische Sache während der vielen Jahre seiner Führerschaft“. Die Convention ״nimmt auch mit Befriedigung Kenntnis von der Bereitwilligkeit, mit welcher Weizmann sich der neuen Leitung zur Verfügung gestellt hat und entbietet ihm ihren herzlichen Gruß“. Die amerikanische jüdische Presse hebt in ihren Kommentaren hervor, daß zwar die Stimmung auf der Convention sehr unbefriedigend gewesen sei, man müsse aber wünschen, daß von jetzt ab eine neue Epoche der Einigkeit im amerikanlsehen Zionismus anhebt. Aus den anläßlich der Convention in ״New Pafcstine“ veröffentlichten Ziffern geht hervor, daß die Zahl der Mit• ijeder der Zionistischen Organisation Amerikas 13 008 etrigt. Die zionistische Frauenorganisation Hadassah hat demgegenüber 31 675 Mitglieder. Die gegen das unter de Haas stehende Organisationsdepartment gerichteten Vorwürfe wegen des Rückgangs der Mitgliederzahl scheinen also nicht jganz unberechtigt gewesen zu sein. Die Zionistische Exekutive sandte eine Botschaft an die Zionisten der Vereinigten Staaten, in der der Freude übeT die aut der Convention der amerikanischen Zionisten erzielte Einheit Ausdruck gegeben wird. Emanuel Neumann wird noch eine Zeitlang in den Vereinigten Staaten bleiben. Der Antostrelk erfolgreich In einer Sonderausgabe des palästinensische« Regierungs־ Mattes (״Offidal Gazette“) vom 19. November teilt die Rejperung mit, daß sie die Mehrzahl der Anträge der von ihr zur Untersuchung der Lage des Autogewerbes eingesetzten Kommission akzeptiert. Die Kommission hat bekanntlich in weitem Umfang den Standpunkt der Autobesitzer und Chauffeure unterstützt, die Regierung hat jedoch früher die Empfehlungen ihrer eigenen Kommission abgelehnt, worauf am 3. November der Autostreik ausbrach, der bis mm 11. November dauerte, in der Hauptfrage freilich, nämlich der Präge der Lizenzgebühren, fällt die Regierung auch jetzt noch keine definitive Entscheidung, kündigt aber an, daß der Staatssekretär die Frage der Aenderungen prüfte. Die neue Ordnung werde ab 1. Januar 1932 angeführt werden. Das Nachgeben der Regierung, wenn es auch aus fiskali- Sehen Gründen nicht vollständig sein dürfte, ist ein Erfolg des solidarischen Zusammenwirkens von Juden und Arabern in dieser Sache. Man hat dieser jüdischarabischen Einheitsfront, die eine Atmosphäre der Kooperation Im ganzen Lande angesichts der großen Anteilnahme des betrof lenen Publikums geschaffen hat, eine erhebliche Bedeutung beigemessen. So z. B. berichtete die ״Kölnische Zeitung“ über den Autostreik unter der Ueberschrift ״Jüdisch-arabische Annäherung in Palästina“. Leider ist durch die Erregung, die durch die unmittelbar auf den Streik folgende Aufdeckung des Mordes Stahl-Sohar entstanden ist, wieder ein großer Teil dieser Nachwirkung zerstört worden. in diesem Zusammenhang ist ein Artikel des englischen ״Feiest! n“ interessant, der sich mit der Notwendigkeit von Sparmaßnahmen der Regierung befaßt, Abbau der hochbesoldeten englischen Beamten fordert und folgendermaßen schließt: ״Es Ist wirklich bedauerlich, daß die arabisch-jüdisehen, die innerarabischen und die inner jüdischen Streitigkeiten der viel gescholtenen palästinensischen Presse keine Zeit lassen, sich mit den wichtigen Angelegenheiten des Landes zu befassen. Oie Frage der Sparsamkeit in der Verwaltung ist jetzt die wichtigste, aber sie wird immer wieder verdrängt durch nationale und persönliche Streitereien, und dadurch hat die unfähigste Regierung der Welt die Möglichkeit, die Bevölkerung zugunsten der Beamten auszubeuten, statt sich mit Bekämpfung ihrer Armut zu befassen.“ Ans dem Prager Parlament Von unserem Korrespondenten. hl, Prag, 26. November 1931. Dieser Tage hielt int Prager Parlamente der jüdischnatio- Male Abgeordnete Dr. Angelo Goldstein, der Nachfolger des verstorbenen Dr. Ludwig Singer, seine Antrittsrede. Dr. Goldstein wendete sich in seinen Ausführungen gegen das freie Ermessen der Administiativbehörden, welches meist die Urquelle der Korruption und des Protektionalismus ist. Dem Geiste dieser Administrative entspricht es, daß in Karpathoru ßland ein Ritualmordprozeß in Szene gesetzt werden konnte, der allgemeines Aufsehen erregt hat, und zwar wegen der Grundlosgikeit der Beschuldigungen und der bis heute noch nicht erledigt ist. In diesem Zusammenhang kam er auf den Horak-Prozeß (Freispruch des siebenfachen Judenmorders) zu sprechen, in welchem das Kreisericht in Presov (Slowakei) die Delegierung des Prager chwurgerichts empfohlen habe mit der Begründung, daß ״politische und nationale Gründe“ dafür sprächen. Die Justiz höre dann allerdings auf, objektiv zu sein, wenn politische und nationale Momente eine Rolle zu spielen beginnen. Redner verlangte weiter die Demokratisierung des Wahlrechts in die jüdischen Gemeinden und Gleichstellung mit allen anderen Nationen in bezug auf die Dotierung des Kultus. Zum Schlüsse konstatierte Dr, Goldstein mit Genugtuung, daß die Bemühungen, für das jüdische Volk eine öffentlich-rechtlich gesicherte H e i m s tä 11 e in Palästina zu errichten, bei den Vertretern des tschechoslowakischen Staates Verständnis und tatkräftigste Unterstützung gefunden haben. 25 Jafcre VJSt. Maccabaea in den ersten Dezembertagen dieses Jahres blickt ein Kreis von Zionisten auf die 25jährige Oeschlchte einer Gemeinschaft zurück, der dem deutschen Zionismus nicht nur einen Teil seiner noch heute führenden Menschen gestellt, sondern ihm auch das gedankliche Rüstzeug zum Kampf für die zionistische Idee geliefert hat. ln den ersten Jahren wird die Entwicklung der Maccabaea, die Ina Jahre 1906 als zweite Berliner Verbindüng gegründet wurde, weil der V. J. St. Berlin zahlenmäßig zu groß geworden war, durch einen Kreis von Menschen charakterisiert, der sieb unter der Führung von Felix Rose 11b I ü 111 und Kurt Blumenfeld in ganz besonderem Maße für die geistige Entwicklung des deutschen Zionismus verantwortlich fühlte. In schweren Tendenzkämpfen, die dieser Kreis gemeinsam mit der ihm von Anfang an eng verbundenen V. J. St. Maccabaea Königsberg führte, setzte er seine Anschauungen innerhalb der zionistischen Studentenbewegung durch, und erreichte auch die straffe Durchorganisierung der zionistischen Studentenverbindungen in einem zentralistisch geleiteten Kartell. Bis zum Kriege gelang es, eine zweite Generation von Menschen zu erziehen, die zur Uebernahme der Führung berufen schien. Daß diese Menschen, Ludwig Davidsolm, Bendix Cohn, Bernhard Fraenkel, Totmann, Anders, Bieber im Kriege fielen, daß mit ihrem Tode diese Entwicklung jäh abriß, ist ein schwerer Verlust nicht mir für die Maccabaea, sondern für den ganzen deutschen Zionismus. Nach dem Kriege lebte die Verbindung zusammen mit der Jugendbewegung neu auf. Die beginnende Realität Palästinas machte den Wunsch nach der eigenen Ucbcrsicdhmg nach Erez- Israel lebendig, viele unserer Menschen, besonders Leo Rosenblüth und sein Kreis, gingen damals hinüber. Nach einer schweren Krise in der Inflationszeit konsolidierte sich die Verbindung in den letzten Jahren wieder. In schwerem Kampf versucht sie auch jetzt, ihren Zionismus in der gänzlich veränderten und sich täglich weiter verändernden Umwelt zu fundieren und durchzusetzen. In besonderem Maße aber fühlt sie sich innerhalb des Kartells für die über die internen Aufgaben der Erziehung ihrer Menschen hinausgehende Leistung des Einzelnen und der Gesamtheit für die Durchsetzung der Idee im Kampf mit der Umwelt verantwortlich. Die Verbindung begeht ihr Jubiläum durch eine gemeinsam mit der B. Z. V. arrangierte große öffentliche Kundgebung (siehe Berliner Kalender). Dies« Jubiläum, das Gelegenheit gibt, sich rückschauend der Vergangenheit zu erinnern und zugleich im Sinne des Ueberkommenen weiterzuarbeiten, soll und kann auch in unserer Zeit einen neuen Impuls für die Arbeit dieses Kreises junger zionistischer Menschen für unsere Idee darstellen. H. Gerling. N. D. geben Boykott-Parole ans Warschau, 24. November. (J. T. A.) Per Hauptrat der nationaldemokratischen Partei Polens hat die folgende Resolution gefaßt: 1. Ein starker Druck ist auf die Bevölkerung dahin auszuüben, daß sie den polnischen Handel und die rein polnische Industrie unterstützt, indem ausschließlich bei Christen gekauft wird und die Juden aus allen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens zurückgedrängt werden. 2. Gegen den schädlichen Einfluß der Juden auf das geistige und moralische Leben Polens, sowie gegen die jüdische Ueberflutung der freien Berufe ist ein scharfer Kampf zu führen 3. Die Zahl der Juden an den Hoch- und Mittelschulen ist durch ein Numerus clausus- Gesetz ein zuschränk «1• 4. Die Hauptverwaltung der Partei wird angewiesen, die Aktion zur Stützung des polnischen Handels durchjudenboykott organisatorisch durchzuführen. Der jüdische Parlamentsklub wendet sich in einem Aufruf scharf gegen diese Boykottproklamation und fordert das polnische Judentum auf, im Kampfe gegen diese Gefahr den jüdischen Abgeordneten beizustehen. Gibt es eine Judenfrade? Wir erhalten folgende Zuschrift: Am 25. November veranstaltete der C.-V. eine sogenannte Aufklärungsversammlung im Logenhaus, die den Zweck hatte, mit Nichtjuden über das Thema ״Gibt es eine Judenfrage?“ zu diskutieren. Dr. Brodnitz gab in seinem einleitenden Referat eine verneinende Antwort auf diese Frage, indem er ausführte, die Juden seien nur eine Religionsgemeinschaft, die sich vollständig in ihre Vaterländer eingeordnet habe. Nach dem Referat ergriff ein deutscher Student, der nach seinen eigenen Angaben dem Nationalsozialismus fernsteht, das Wort und wandte sieh gegen die Auffassung des Referenten. Ihm stellt sich die Sache folgendermaßen dar: Wohl haben die Juden individuell Heimatsrecht in ihren Vaterländern, aber als Grupp«, als Volk sind sie heimatlos. Durch das Fehlen einer großen objektiven jüdischen Aufgabe werde nur das Renegatentum unter den Juden gezüchtet. Die sieb selbstverleugnende Art der deutschen assimilatorischen Juden müsse, so sagte der Redner, jedem Deutschen ein physisches und psychisches Unbehagen einflößen. Dagegen müsse man Achtung haben vor jenen Juden, die mit ihrer unwürdigen Existenz ein Ende machen und ihr altes Heimatland wieder aufbauen wollen. Der Referent des Abends ging in seinem Schlußwort auf die Ausfühmngen des Diskussionsredners leider nicht ein. Für uns jedoch, so schließt unser Gewährsmann seinen Bericht, war diese Diskussion wieder ein Beweis dafür, wie aussichtslos es ist, sich mit aufrichtigen Deuts-hen auf der Basis der C.-V.- Ideologie auseinanderzusetzen, während die zionistische Grundeinstellung viel eher Respekt und Verständnis findet. Zur Literaturpsychologle. Im Literaturblatt der ״Frankfurter Zeitung“ bespricht Bernhard Diebold sieben Bücher verschiedener Schriftsteller und hält es für nötig, eine ״Ab- Schlußbemerkung“ hinzuzufügen, die offenbar zur Erklärung der besonderen Eigenart dieser Autoren beitragen soll. Sie lautet: ״Abschlußbemerkung: Von diesen Autoren Ist Kästner aus Dresden, bin Gorjon aus Breslau. Die anderen gehören zur deutschen Ecke des alten Oesterreichs; Lernet und Robert Neumann sind aus Wien; Brod, Weiskopf und Wertei sind aus Prag. Alle aber sind aus Deutschlands Orthilfte. Die Literaturbetrachtung hat immer noch außerhalb Berlins auch ihre Aufgabe.“ Von den genannten sieben, verehrter Herr Diebold, sind mindestens fünf durch ihre jüdische Abkunft bestimmt, die ebenso stark ist wie die Geographie. Das schafft auch ein für den Kritiker bedeutsames geistiges Moment, das man nicht taktvoll zu verschweigen braucht, in einem anderen Literatur• Matt der ״Frankf. Ztg.“ bespricht Georg Schwarz das neue Buch von Arthur Höllischer und schreibt: ״Höllischer, immer auf Reisen, eine ,freischwebende Intelligenz*, vergißt, weil er selbst nicht bodenständig ist, daß es noch ein Heer verwurzelter Menschen in der Welt gibt.“ Freischwebende Intelligenz, nicht bodenständig — eine bemerkenswerte Charakteristik, nicht fwie die Assimilanten meinten) kränkend, aber wichtig zur Erkenntnis des jüdischen Wesens in der Galuth, das — häufig unbewußt — im Grunde Erlösung sucht von der Heimatlosigkeit seines Geistes w Briefe an die Redaktion Beratungsstelle für Einwanderer Tel-Awiw, 17. November. Sehr geehrte Redaktion! Mit großem Interesse habe ich in Nr. 83 ihres geschätzten Blattes die Ausführungen von Harri Bein, Düsseldorf, über ״Eine Schicksalsfrage des deutschen Zionismus“ gelesen. Als genauer Kenner der palästinensischen Verhältnisse kann ich Harri Bein nur zustimmen, daß, so bedauerlich es ist, doch ein Unterschied zwischen ost- und westjüdischer Jugend gemacht werden muß. Ich betrachte es als ein gutes Omen, daß gerade zur _ selben Zeit, als der Vorschlag des Herrn Bein, m Palästina_ eine Beratungsstelle für junge Menschen, die nach Palästina übersiedeln wollen, zu errichten, der Oeffentlichkeit unterbreitet wird, unabhängig hiervon, in ־ Tel-Awiw sich Männer und Frauen zusammengeschlossen Jiaben, uni eine solche Beratungsstelle zu errichten. Vor einigen Tagen ist hier die ״Agudatli-hagermanim“ (deutsch-jüdische Vereinigung) ins Leben gerufen worden. Dieser Verband bezweckt den Zusammenschluß aller in Palästina wohnenden Deutschen und Deutschösterreicher. Die Ziele des Vereins sind die Wall־ rung der Interessen der Deutschen und Oesterreicfaer im heiligen Lande auf kulturellem, sozialem und wirtschaftlichem Gebiet, insbesondere die Beratung der deutsehen und österreichischen Einwanderer und Touristen, sowie Berufsberatung und sonstige irgend mögliche Hilfeleistung bei der Landung. Nähere Aus• kunfte erteilen auf Anfrage zunächst Herr Saly Geis und Schreiber dieser Zeilen, beide in Tel-Awiw. Ein Zusammenarbeiten mit einer deutschen Stelle, die sich diesen Zielen widmen will, wäre sehr erwünscht. Menachein Lewinsky, Tel-Awiw, Nachlath Benjamin 28. * Der ״Colonial Development Fund‘* ׳ Jerusalem, 17. November 1931. An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ Berlin W 15, Sefir geehrte Redaktion! In dem Aufsatz ״Anleihepolitik der Jewish Agency“ von Ernst Marcus in Nr. 85 der ״Jüdischen Rundschau“ vom 3. November 1931 finden sich unter Bezugnahme auf mein Kongreßreferat einige Ausführungen über die Möglichkeit der Heranziehung des ״Colonial Development Fund“ für Palästina- Zwecke. Ich möchte bemerken, daß ich in meinem Referat ausdrücklich darauf hingewiesen habe, ״daß, wenn ich midi nicht täusche, einer Anregung Sir Herbert Samuels im Unterhaus folgend, die Mandatsgebiete von Palästina und Tanganyüca ausdrücklich in die Kompetenz des ,Colonial Development Act* ein geschlossen sind, während der^ Irak ausdrücklich aus- Gründung des Fonds bis heute alle Instruktionen der Regie* ruijg darüber bekommen“. Wie dem ersten Bericht über die Verwaltung des ״Colonial Development Fund“ zu entnehmen ist, hat sich das Advisory Committee, in dessen Hand die Prüfung der Anleihe- Gesuche liegt, ausdrücklich auf den Standpunkt gestellt, daß es sich bei der Bewilligung nicht auf solche Gesuche beschränken will, die den Handel und die Industrie Großbritafliutns direkt fördern, sondern auch solche Projekte positiv beurteilen will, die der ökonomischen Entfaltung der Kolonien im allgemeinen dienen und dadurch indirekt einem erhöhten Wirtschaftsverkehr zwischen diesen Gebieten und Großbritannien dienlich sein können. Ueher die formellen Möglichkeiten, den ״Colonial Development Fund“ für Zwecke jüdischer Kolonisation nutzbar zu machen, kann kein Zweifel bestehen. Die Schwierigkeiten in der Prozedur sollte man nicht übertreiben. Allerdings bleibt es fraglich, ob die neue Parlamentsmehrheit beabsichtigt, diesen von der Arbeiterregierung aus einer durchaus richtigen und positiven Einstellung zum Problem der systematischen Ent- Wicklung der Produktivkräfte der britischen Kolonien geschaffenen Fonds zu erhalten und zu entwickeln. Hochachtungsvoll mit Zionsgruß Chajitn Arlosoroff. Der palästinensische Dichter I. Z. R i m 0 n feierte das 25jährige Jubiläum seiner literarischen Tätigkeit. JÜDISCHE IVIASSEn-KUNDGEBUNG anläßlich des 25 jährigen Bestehens der Verbindung jüdischer Studenten ״Maccabaea“ im Kartell jüdischer Verbindungen Donnerstag, 3. XII. Lehrervsreinshaus (Alexanderplatz) 8,15 Uhr abends JÜDISCHE HOT — JÜDISCHER AUFBAU QALUTH UND PALÄSTINA Erstmalige Aufführung des PropagandastOcke« MDIe^lnxlg<81Lösung^ durch die Zion. Propaganda-Truppe ״Barak“ Sprechchöre Chor des Brlth-Haollm Redner: Dr. Siegfried Kanowitz Dr. Fritz Löwenstein (Peiiotina) Unkoetenbeitrag 30 Pfennig, für Jugendbünde 10 Pfg. (ab 20 Karten)