Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 93 (1.12.1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2653252-2653340--22705-2680963- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Agen 1× ep/1043981
- André Maurois 1× ep/1026451
- Erich Kästner 1× ep/1025204
- Franz Kafka 1× ep/1025205
- Hans Kohn 1× ep/1000025
- Jakob Klatzkin 1× ep/1011037
- Jeremiah 1× ep/1005299
- Judah Halevi 1× ep/1002737
- Martin Buber 1× ep/1009258
- Max Brod 1× ep/1024844
- Moses Hess 1× ep/1025124
- Nathan Birnbaum 1× ep/1025934
- Theodor Herzl 1× ep/1007316
- Walter Trier 1× ep/1025702
OCR text
Nr ©3, l.m!931 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 540 Bücherschau Die chinesische Mauer Das Erscheinen eine! neuen Bandes aus dem Nachlaß von Frans Kafka ist für die nach kleine Gemeinde de» verstorbenen Dichten ein Breignu ersten Ranges, Kafka ist eine der eigentümlichsten Persönlichkeilen der Literatur der letzten Jahrzehnte, ein Symboliker von ungeheurer metaphysischer Gewalt und religiösem Pathos, dessen ewiges Thema gewissermaßen die nackte Ursiiaation des Menschen in seiner Konfrontation mit dem Absoluten ist. Dieser Dichter, der im vorgeschrittenen Aller in die Geheimnisse der hebräischen Sprache einzudringen versuchte, hätte vielleicht, wenn diese seine erstrebte Verbindung mit dem Judentum noch vollendet worden wäre, eine entscheidende Gestalt der jüdischen Geistesgesehichle werden können, lieber sein Judentum hat der Verfasser der nachstehenden Besprechung, Manfred Starmann, in der ״ Jüdische!} Rundschau “ am 9. März 1928 eingehend geschrieben. Wir verweisen zur Ergänzung der nachstehenden Zeilen auf diese Kafka-Studie. Red, ״Dieses Leben scheint unerträglich, ein anderes unerreichbar״, heißt es in einem Satz von Franz Kafka aus dem _ neuen, bei Kiepenheuer erschienenen Nachlaßbande ״Beim Bau der chinesischen Mauer“ (heraus• gegeben und mit Nachwort versehen von Max Brod und Hans Joachim S c h o e ps). Es ist, als hätte uns Kafka mit diesen Worten den Zauberschlüssel zu seinem Werk ge• geben, in ihnen ist im Grunde alles enthalten, worum es bei Kafka geht: dieses Leben, <L h. die Realität, ist darum unerträglich, weil es durchlöchert ist wie ein Netz — ein anderes Leben, d. h. bei Kafka: der vollkommene Zustand aber ist unerreichbar, weil die Füße d?s Kafkasehen Men• scheu hoffnungslos verstrickt sind in das Netz eben dieser Realität. Daher finden wir — wie in den früheren Er- Zahlungen und Fragmenten, so auch in diesen neuen — Situationen, die wirklich-unwirklich sind, weil die Vorgänge sich ja nicht nur in der Realität abspielen, sondern bereits auch in jenem ״anderen und unerreichbaren“ Leben. So ist es zu erklären, daß infolge dieses Zustandes der halben Zugehörigkeit nach beiden Seiten hin die Kafkaschtn Menschen gejagt sind von einer unerklärlichen Angst, daß sie besessen sind von einer Aufgabe, die sie nie lösen können: daß ihr Leben eine ununterbrochene und aussichtslose Bemühung ist. Auch in den Erzählungen des neuen Buches stoßen wir immer wieder auf das in unerschöpflicher Variation abgewan• delte Thema des Sisyphus: ״Beim Bau der chinesischen Mauer“ wird niemand den Tag der Vollendung erleben, weil die Arbeit sich über ungezählte Jahre und Generationen erstreckt. ״Der Jäger Gracchus“ wird nie zur Ruhe kommen und über den jüngsten Tag hinaus auf seinem Totenschiff umherirren. Das ״eigentümliche Tier, halb Kätzchen, halb Lamm“ in der Geschichte ״Eine Kreuzung“ ■wird nie dürfet! das Messer des Fleischers Erlösung finden. A und B, zwei Kauflfeute, die ein Geschäft abzuschließen haben, werden einander infolge der seltsamsten Verkettung von kleinen MIß• Beschicken niemals begegnen. In der Tiergeschichte ״Der Bau“ wird der Maulwurf nie durch eine ideale Ausgestaltung seiner unterirdischen Behausung, die er nicht aufhört, zu vervollkommnen, von seiner an Verfolgungswahnsinn grenzenden Angit vor dem unsichtbaren Verfolger befreit würden. — Genug der Beispiele. Sie mögen für Kafkas All-Liebe zeuafür sein erschütterndes Mitleiden mit der in ihrem ה und ihrer Erkenntnis grausam begrenzten Kreatur. Dieser Band enthält ein Fragment ״Forschungen eines Hundes״, das '־die Herausgeber ■als die letzte Arbeit des Dichters erkannt zu haben glauben. Es handelt sich hier nicht um die übliche Tiergeschichte, sondern um einen Deutun gsversuch: Der Hund forscht nach der Formel des Hündischen. Mit Recht bezeichnen die Herausgeber diese Arbeit als eine Rekapitulierung aller Kafkaschen Motive. ״Die Unsicherheit und Ungewißheit des hündischen bzw. menschlichen Daseins, das Fehlgehen alles noch so angestrengten Wahrheitssuchens, das einem bestimmten Hundetypus angeboren scheint, bedingt dadurch, daß durch das Ausstreichen der Menschenweit, infolge einer vor dem Leben dieses Hundes liegenden Irrtumskatastrophe, die Voraussetzungen der richtigen hündischen Wirklichkfeitserkenntnis völlig gewandelt und in eine neue, aber unwahre Realität verkehrt worden sind.“ Und schließlich noch ein Wort zu dem Denker Kafka: In den Aufzeichnungen ״Er“ aus dem Jahre 1920 und ln den .,Betrachtungen über Sünde, Leid, Hoffnung und den wahren Weg“, mit denen das Buch endet, erschließen uns die Herausgeber den außerordentlich ergiebigen Extrakt Kafkascher Gedankenarbeit. Als persönliche Bekenntnisse lassen uns diese Sätze tief hineinblicken in den Menschen Kafka; sie geben Zeugnis von seiner sensiblen Religiosität und von seinem niemals ruhenden Verantwortungsbewußtsein als Denkender, Suchender und Schöpfender. Hier handelt es sich nicht um weltferne Philosoohie, oder um eine den Dingen abgewandte Oedankenakrobatik — was sind manche ״Aphorismen“ anderes? —, sondern um die lebendig strömende Weisheit des Lebensnahen und vom Leben Besessenen, der um die Vergeblichkeiten ahnt, mit denen seine Tage ausgefüllt sind, der aber versucht, diese Vergeblichkeiten, wenn auch nicht zu überwinden, so doch zu erkennen. Dieses Buch, dem in Bälde ein zweites, weltanschauliehen und biographischen Inhaltes folgen soll, lehrt uns von neuem, was wir mit Kafka, dem vierzigjährig Verstorbenen, verloren haben. Manfred Sturmann. Nietzsches Nachlaß. Unter dem Titel ״Die Unschuld des Werdens“ hat Prof. A. B ä u m I e r eine neue Ausgabe von Nietzsches Nachlaß in zwei Bänden veranstaltet (Kröners Taschenausgabe Bd. 82/83, Verlag Alfred Kröner, Leipzig, je 3,75 M,). In seiner Vorrede stellt Prof. Bäumler die These auf, daß sich in dem Nachlaß, der die Hintergründe des Nietzscheschen Denkens aufdeckt, sein philosophisches Gesamtbild, das in dem ״Willen zur Macht“ gipfelt, viel deutlicher offenbart als in den Schriften, die meist mit bestimmter kämpferischer Absicht veröffentlicht wurden. Darum fügt der Herausgeber die Bruchstücke des Nachlasses in neuer Anordnung zusammen, und es entsteht ein Buch von unmittelbarer tasinierender Wirkung, von blendender Fülle des Geistes und — von erregender Aktualität Denn gerade heute, wo der Verkünder des ״Willens zur Macht“ für einen großen Teil der deutschen Jugend geistiger Führer geworden ist, sollte manches, was er über falsche Deutschtümelei und Nationalismus, über Völker und Staaten sagt, populär werden. Auch über Juden und Judent u m findet sich in diesen zwei Bänden eine Menge von Aussprüchen. Nietzsches Auffassung vom Judentum Ist bekanntlich bestimmt durch seine ablehnende Haltung gegenüber dem Christentum, als dessen Vorstufe ihm das Judentum erscheint ״Europa hat einen Exzeß von orientalischer Moralität in sich wuchern lassen, wie die Juden ihn ausgedacht und ausempfunden haben. Man wird nicht das glück- Üchste und besonnenste Volk sein, wenn man derart im Moralischen ausschweift und es ins Göttliche, Menschenunmögliche hineinverlegt.., Das Christentum hat vermöge seiner jüdischen Herkunft den Europäern jenes jüdische Unbei»agen an sich selber gegeben, die Vorstellung van der inneren Unruhe als der menschlichen Normalität...“ (II. S. 326). Ein mdermal schreibt er: •Die .eigentliche .Unverschämtheit der Güte habe Ich am besten bei Juden beobachtet“ (S. 322.) Viele Seiten sind in diesem Band dem Phinömen der Inthronisation der jüdischen Moral in Europa gewidmet, die Nietzsche nicht anerkennt, der gegenüber er den Sinn für die Fremdheit der jüdischen Volksgeschichte erwecken will. Aber zugleich spricht er Worte höchster Bewunderung für das jüdische Volk, die; üdische Rasse, die einfach durch ihre Selbstbehauptung bewiesen hat, daß sie ״immerfort gewachsen“ ist (S. 405.) In diesem Zusammenhang äußert er sich sehr ablehnend gegen den Antisemitismus und den Rassenhochmut (״... nicht zu reden von den blödsinnigen deutschtümelnden Jünglingen, welche auch heute noch von germanischen Tugenden faseln“ — S. 415). Einmal sagt er: ״Unter Ausländern kann man hören, daß die Juden noch nicht das Unangenehmste sind, was aus Deutschland zu ihnen komme“ (S. 411). ״Maxime: Mit keinem Menschen umgehn, der an dem verlogenen Rassen- Schwindel Anteil hat.“ (S, 433.) An einer Stelle schmäht er die Ostjuden und rät den deutschen Juden, sich gegen Osten abzusperren, um sich besser assimilieren zu können (S. 430), aber nur zwei Seiten weiter erkennt er: ״Die Gefahren der jüdischen Seele sind: 1. sie sucht sich gern irgendwo schmarotzerisch einzunisten; 2. sie weiß sich anzupassen, wie die Naturforscher sagen...Nachahmung scheint ihm überhaupt das Talent des Juden schlechthin; darum sind die Juden so gute Schauspieler, und der einzige Dichter, den Deutschland außer Goethe hervorgebracht hat, Heinrich Heine, verdankt diesem Nachahmungstalent seine Größe (S. 203). Es ist unmöglich, alle Stellen über Juden hier anzuführen, es sind auch viele bekannte darunter. Aber auch was Nietzsche über sein eigenes Volk, die Deutschen, sagt, muß jeden national orientierten Menschen tief ergreifen: die schroffe Ablehnung des banalen Phrasen-NationalTsmus und der nationalen Selbstgerechtigkeit — Gefahren, die jeder Nationalismus in sich birgt — zeugen von tiefer und echter Liebe zum eigenen Volk, von dem man das Höchste fordert — Das wichtige Buch findet in der vortrefflichen Kröner-Sammlung, die schon so viel wertvolle Werke darbot, ein würdiges Gewand. (S. 210, Nr. 556, falsche Zeile!) I. »Der jüdische Humanismus." Inder jüdischen Bücherreihe der ״Editions Rieder“ 7, Place St. Sulpice, Paris, die schon eine ganze Reihe von guten und wertvollen Büchern herausbrachte, erschien soeben ein interessantes Werk von Hans Kohn ״L’Humanisme Juif“ (Preis 15 Fr. — 2,60 M.). Es ist eine Sammlung von 15 Essays, die rn ihrer Art einen einzigartigen Ueberblick über die Geistesgeschichte des rnodernen Judentums des letzten Jahrhunderts bieten. Die Einleitung bespricht die geistigen Wurzeln des modernen Judentums, als welche der Autor in Anlehnung an Buber den Chassidismus und die Aufklärung erkennt Im übrigen reichen nur die zwei folgenden Aufsätze, nämlich über Heinrich'Heine und über die Entwicklung des französischen Judentums, in vorzionistische Zeit zurück. Die weiteren Teile des Buches gehören unmittelbar zur Geschichte des jüdischen Nationalismus. Es genügt, die charakteristischen Ueberschriften der Kapitel hier anzuführen, um ein Bild von dem Aufbau und der Vielseitigkeit des Büchleins zu geben. Der erste Hauptteil, ״Das abendländische Judentum“, enthält folgende Monographien: 1. Heinrich Heine oder die Dämmerung aes modernen jüdischen Bewußtseins, 2. Aut den Wegen des französischen Judentums, 3. Henri Frahek oder das Wiedererwachen des Jüdischen Bewußtseins, 4. Andre Spire oder der moderne Jude, Im zweiten Hauptleil ״Auf der Suche nach einem jüdischen Humanismus“ finden wir: 5. J. L. Perez oder die jüdische Mystik, 6. Theodor Herzl öder die jüdische Politik, 7.״Nathan Birnbaum oder die jüdische Gläubigkeit, 8. der jüdische Liberalismus oder die jüdische Emanzipation, 9. Reubeni, Fürst der Juden (Max Brods Roman) oder die jüdische Ethik. Schließlieh enthält der dritte Hauptteil ״Humanismus und Judentum“ folgende Kapitel: 10. Moses Heß oder der neue Nationalismus, 11. Actiad Haam oder der ethische Nationalismus, 12. A. D. Gordon oder der schöpferische Nationalismus, 13. Martin Buber oder der religiöse Nationalismus. Auch das 14. und Schlußkapitel ״Nationalismus und Humanität“, beschäftigt sich mit der Figur Martin Bubers, der diese Synthese schuf. Wir glauben, daß dieses Buch schon wegen der Fülle seiner Anregungen und der Geschlossenheit seiner Gesamtkonzeption auch in Deutschland Leser verdient, zumal wir in deutscher Sprache eine ähnliche Arbeit bisher nicht besitzen. Die Par adle» * Geschichte. In einer in der rühmenswerten ״Sammlung gemeinverständlicher Vorträge“ des Verlags J. C. B. Mohr-Tübingen erschienenen Broschüre ״Die Erzählung von Paradies und Sündenfall“ (Preis 1,80 M-), kommt Hans Schmidt nach Analyse des Textes von Gen. 2 u. 3 zu dem Ergebnis, daß die Paradies-Geschichte nichts anderes sein soll als eine ätiologische Sage zur Erklärung des Ursprungs der sinnlichen Liebe. Die Worte ״tow“ und ״ra“ bedeuten nicht sittlich gut und böse, sondern lustvoll und leidvoll; der Genuß der Frucht vom Baum der Erkenntnis macht daher den Adam nicht ״wissend um Gut und Böse“, sondern lehrt ihn nur das Wesen der Geschlechtsliebe, die jenseits moralischer Kategorien steht Erst eine spätere Zeit — Schmidt meint: die Deuteronomisten — traben den Begriff der ״Sünde“ hineingelegt, ihnen folgten spätere Ausleger, schließlich Paulus und Augustinus, und dadurch erst entstand die Vorstellung von der Sinnlichkeit als Ur- Sünde. Danach war nach Schmidt der ursprüngliche Sinn der Erzählung in sein Gegenteil verkehrt ״ln dem Augenblick, wo das Titanische im Handeln der Urmenschen in das Sündige umgezeichnet wurde, versank die Natürlichkeit und die Reinheit, mit der das Alte Testament von der Liebe redet.“ — Diese Auffassung hat gewiß für jüdische Leser, die an der christlichen Lehre von der Erbsünde nicht teilhaben, ihren eigentümlichen Reiz, Und doch scheint uns, daß die Verbindung der geschlechtlichen Frkenntnis und der sittlichen Erkenntms, des Lusttriebs mit dem Schuldgefühl, aus tieferen Gründen herstammt und der Mythos vom Sündenfall seine überzeitliche Gewalt aus Tatsachen des inneren Lebens herleitet Das Büchlein von Schmidt aber ist überaus anregend. h. Kinderbücher, Noch rechtzeitig vor Chanukkah hat der Verlag Williams 8t Co. (Berün-Grunewald) die diesjährige Serie seiner vorbildlichen Kinderbücher heraus gebracht Da ist vor allem der neue (siebente) Band des Doktor Dolittle, ״Doktor Dolittles größte Reise“, in Inhalt und Bildmaterial ebenbürtig den vorhergehenden Bänden sich anreihend (Preis pro Band 5,50 M-). Doktor Dolittle braucht man nicht vorzustenen, er ist längst eine populäre und geliebte Gestalt unserer Kinder geworden, seine Mischung von Humor und Menschlichkeit, seine fesselnde Art des Erzählens, seine Abenteuer und sprudelnde Phantasie sind mit Recht eine Quelle des Entzückens. Zu Doktor Dolittle gesellt sich diesmal Doktor Ueberall, der seine ״Reisen mit Doktor Ueberall“ erzählt. Dieses Buch (4,80 M.) mit seinem reichen geographisehen und technischen Anschauungsmaterial ist gerade für jüdische, oft zur Abstraktion neigende, Kinder erziehlich und unterhaltend zugleich, denn hier wird, — ohne aufdringliche Gelehrsamkeit — sehen gelehrt und lebendiges Interesse geweckt. Der noch von ״Emil und die Detektive“ den Kindern vertraute Erich Kästner nennt seinen neuen Kinderroman ״Pünktchen und Anna“, wieder herrlich illustriert von Walter Trier (5,50 M.). Er spielt an der Weidendammer Brücke und ist ausgezeichnet durch Witz und spannende Hand• lung, dazu kleine philosophische Einstreuungen, ״Nachdcnkerei“ genannt, die vielleicht nicht immer ganz ״tief“ gehen, aber ihren Zweck, vom Speziellen zum Allgemeinen denken zu lehren, erfüllen. ״Das richtige Himmelblau“ von Bela Bajazs, gleich vier Geschichten enthaltend und von der manchen Lesern dieser Zeitung vielleicht bekannten Mely Hoffer sehr talentvoll illustriert, reiht sich den vorgenannten Büchern würdig an (4,83 M.). Und schließlich sei noch ״Petra Possierlich“ genannt, eine lustige Bärengeschichte, ein Gegenstück zu dem früheren ״Pu der Bär“, ein Buch für kleinere (etwa 5—7jährige) Kinder (2,60 M.). Es mag für jüdische Eltern angenehm sein, abgesehen von spezifisch jüdischen Büchern auch solche zu wissen, die man ohne Bedenken seinen Kindern in die Hand geben kann. Dazu gehören die Kinderbücher des mit klugem Verständnis geleiteten Verlags Williams. Dazu gehört auch ״Bibi“ von Karin Michaelis, eine Lieblingsfigur der kleinen Mädchen vön 8—12, die jedes Jahr sehnlich auf den Bibi-Band warten und betrübt vernehmen werden, daß der soeben (wie die früheren im Verlag Herbert Stuffer, Berlin) erschienene ״Bibi und die Verschworenen“ der letzte der Reihe ist, weil Bibi nun das Alter von 14 Jahren erreicht hat, ihr weiteres Schicksal also nicht mehr ins Bereich des Kindlichen gehört. Das neue Buch bringt wieder eine Fülle von Erlebnissen der kleinen Dänin und ihrer Freundinnen, darunter sogar ein höchst aufregendes Abenteuer, das aber natürlich ein glückliches Ende findet. Die reizenden Bilder sind wieder von Hedwig Collin. (Pro Band 6,50 M.) — Schließlich sei noch auf die geradezu geniale Länderkunde von C 1 ä r e W i t h (״Länder und Völker“, Ein Bilderatlas in Einzeiheften, Verlag■ Müller & Kiepenheuer, Potsdam) hingewiesen, die hier bereits gerühmt wurde. Das neue Heft (Preis 1,50 M.) ist Japan gewidmet und führt mit seinen Zeichnungen packend in die Geographie, Geschichte und aktuellen Probleme dieses heute so wichtigeil und gefahrenschwangeren Teiles der Welt ein. ״Jettchen Gebert", der bekannte Roman von Georg H e r m a n n, ist soeben in einer schönen, gut gedruckten Ausf' . Neues zum Ruhme von ״Jettchen Gebert“ gesagt zu werden. Dieses Buch ist die klassische Schilderung des Berliner jüdischen Bürgertums der liberalen Aera, mit seiner Eigenart, seiner Gemütstiefe und den eigentümlichen, sich aus dem Zusammenstoß mit der Umwelt und aus den Nachwirkungen der Aufklärung ergebenden Konflikten. Jettchen selbst» ist vielleicht die lieblichste jüdische Frauengestalt, der wir in der Dichtimg dieses Zeitalters begegnet sind, und es dürfte wenige Mensehen der Generation, die vor zwanzig Jahren jung war, geben, denen nicht Jettchen Gebert ans Herz gewachten ist. Es wäre ein Irrtum zu glauben, daß dieses Buch heute Unzeitgemäß geworden ist; viele werden vielleicht gerade darin heute eine angenehme Ablenkung von den Nöten der Zeit finden. Daher ist es sehr zu begrüßen, daß durch die billige Volksausgäbe das Werk jetzt einem weiteren Kreis zugänglich Ist. Max Brods neuer Roman ״Stephan Rott oder das Jahr der Entscheidung“ (Verlag Zsolnay) ist eine der interessantesten Erscheinungen dieser Büchersaison. Der Roman spielt im Prag der Vorkriegszeit und gibt einen Einblick in die Inneren Kämpfe, die damals die. Jagend erschütterten; es ist die Zeit, in der auch ein Teil der zionistischen Ideologie entstand, an der Brod selbst mitgearbeitet hat, und so finden wir in ״Stefan Rott“ eine Art geistiger Vorgeschichte unserer Generation, die auch uns manchen Aufschluß zu geben vermag. Wir werden auf das wichtige Buch, auf das wir die Aufmerksamkeit unserer Leser zunächst nur kurz lenken können, noch ausführlich zurückkommen. ״Encyclopaedia Judaica“. Im Verlag ״E s c h k o 1“, Berlin, erschien soeben der achte Band der unter der Chefredaktion von Dr. Jakob Klatzkin und Professor Ismar EI bogen herausgegebenen ״EncycIopaediaJudaie a“, der die Artikel von ״Hess e“ bis ״Jerusalem“ enthält. Von umfangreichen Artikeln und Monographien dieses Bandes sind insbesondere zu nennen: Hessen, Hetiter, Hillel, Hiob, Historiographie, Ibn Esra, Industrie, Inquisition, Islam, Israel, Italien, Jakob, Jehuda Halevi, Jeremia, Jerusalem. Wie die früheren Bände, ist auch dieser Band mit zahlreichen Illustrationen, darunter auch farbigen, sowie Noten ausgestattet. Literarische Palästina-Nachrichten. Der zweite Band der hebräischen Uebersetzung von G. B. Shaws ״Intelligente Woman’s Guide to Socialism“ ist soeben im ״Mizpah-Verlag“ in Tel-Awivv erschienen. — Der ״Stibel-Verlag“ hat eine Uebersetzung von Andre Maurois' neuem Buch ״Wandlungesi der Liebe“ herausgebracht. — Ein Band Gedichte von Shimon G i n s b u r g ist bei ״Achim“ (vereinigt mit ״Dwir“) erschienen, — ״Die religiöse Arbeiterbewegung“ ist der Name eines Buches von G. A m i o w a k , das von der ״Thora w’Awodah-Organisation“ herausgegeben wurde. — Josef Roths Roman ״Hiob“ ist in einer hebräischen Uebersetzung von J. Lamdan erschienen. ״Die Schönheit der Welt.“ In der so benannten Reihe (Verlag Paul Franke, Berlin) erschien ״Das Europa-Buch״ und' ״Das Buch der fernen Welt“, jedes mit 2% Bildtafeln in Kupfertiefdruck und Einleitung von Colin Roß. Wir finden hier Landschaftsbilder aus der ganzen Welt in schöner Ausführung, die verschiedensten Zonen und Kulturen bieten sich dar, nicht nur für Natur, auch für Menschenwerk charakteristisch. Palästina ist mit 5 Biklern vertreten, seine Nachbarländer mit vielen Bildern. — Der gleiche Verlag bringt ferner eine ״Illustrierte Weltgeschichte“ in einem Bande auf Grundlage der Werke Leopold Rankes, ein nützliches Buch, das von der Urzeit bis zur deutschen Bankenkrise vom Juli 1931 und zu Brünings Reisen reicht Bei dieser Fülle des Stoffes auf engem Raum wird man natürlich nicht über jede Einzelheit rechten können; im ganzen folgen die Bearbeiter einer populären Linie. Die jüdische Geschichte des Altertums ist entsprechend behandelt, wenig befriedigend die Notiz über die Entstehung des Christentums: ״Von Johannes vorbereitet, verkündete Jesus, ein Sohn eines Zimmermanns aus Nazareth, die neue frohe Botschaft der Nächstenliebe... und lehrte das gläubige Vertrauen in die göttliche Güte.“ Aus jüngster Zeit sind manche Angaben etwas ungenau. Von Palästina wird gesagt: ״England bekam Mesopotamien, Palästina, wo es dato jüdischen Staat zu errichten ״versprach“ (Balfour-Deklaration), und Arabien,“ (Die Gänsefüßchen bei ״versprach“ im Original). Es bleibt also für Verbesserungen Raum, aber als Mittel für kursorische Ucbersicht wird das Buch seinen Dienst tun. Alle drei Bücher sind, bei guter Ausstattung, für den billigen Preis von je 4,80 M. zu haben. _ Unter dem Titel ״Menorah“ erschienen im Verlag C. Boas Nachf., Berlin C 2, drei Chanukkah-Aufführungen von Frieda M e 111 e r. Diese nett abgefaßten Chanukkah-Stücke werden gewiß vielen Jugendkreisen, die geeigneten Stoff für Theateraufführungen suchen, gute Dienste leisten, (Preis RM. 2.J