Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1931-11-27 · Heft 92 (27.11.1931) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 92 (27.11.1931)
Date
1931-11-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653252-2653339--22698-2680955
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr 92, 27. X!. 1931 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 543 .׳1:» Sr : '! '׳; ׳־ 11 ri '3 IS li: ״;; nationalsozialistische Piano Das Programm von Boxheim Die ganze deutsche Öffentlichkeit steht unter dem Eindruck der Aufdeckung des Regierungsprogramms der h e s s i - sehen Nationalsozialisten. Die Presse nimmt in ausführlichen Kommentaren zu dem Dokument Steilung. Die gesamte demokratische und Linkspresse sieht in dem Boxheiraer Programm die Enthüllung des wahren Gesichts der nationalsozialistischen Partei, die ganz Deutschland in ein Chaos zu stürzen droht, um eine terroristische Schreckens- Herrschaft sondergleichen aufzurichten. Die Rechtspresse äußert sich etwas zurückhaltender, insbesondere wird von ihr die Echtheit des Dokumentes noch bezweifelt. Die Zentrale der nationalsozialistischen Partei in München stellt, wie nicht anders zu erwarten war, das Dokument als eine Fälschung und als einen Bluff dar. Der ״Angriff“ spricht von ״gemeinen Fälscherdokumenten“. Gleichzeitig wird mitgeteilt, daß die NSDAP, gegen die ״Münchener Post“ wegen eines Artikels ״Vorbereitungen zur Nazi-Bartholomäusnacht“ Klage erhoben hat. Das Boxheimer Dokument könne höchstens eine ״Privatarbeit“ sein, von der die Parteileitung entschieden abrückt. Interessant ist jedenfalls, daß auch die Hugenberg-Prcsse, z. B. der ״Berliner Lokal* Anzeiger“, Worte der — wenn auch milden — Verurteilung dieses angeblichen Regierungsprogramms der Natlonalsozialisten enthält; die Bundesgenossen Hitlers meinen jedoch, gerade aus der Absurdität z. B. des Wirtschafts- Programms auf seine Unechtheit schließen zu können. Das Dementi des nationalsozialistischen Hauptquartiers beweist natürlich sehr wenig, denn auch wenn das Dokument völlig authentisch ist, bleibt der Parteileitung nichts anderes übrig, als eine Identifizierung damit entrüstet abzulehnen. Revolutionäre Programme pflegen erst zu gelten, nachdem die Revolution gesiegt hat; vorher pflegt sich niemand dazu zu bekennen. Man wird abwarten müssen, welches weitere Material die Untersuchung zutage fördert. Während die nationalsozialistische Gauleitung In Darmstadt mitteilt, die Haus- Buchung bei den Führern sei völlig ergebnislos gewesen, glaubt ein Teil der Linkspresse zu wissen, daß belastendes Material gefunden wurde. Den Inhalt des Dokumentes brauchen wir hier nicht wiederzugeben, er ist aus der Tagespresse bekannt Auf den ersten Bück erscheint es wirklich kaum glaublich, daß es sich hier um ein ernstes Elaborat handelt. Wer aber die nationalsozlf' stische Literatur etwas verfolgt und weiß, welche absurden Gedanken auch in Kreisen erastseinwollender Nationalisten und Jugendbünde erörtert werden, wird auch das Box• heitner Programm für möglich halten müssen. Diese Kreise sind vollständig überzeugt, daß Deutschland und das deutsche Volk durch ein Fegefeuer hindurchgehen und sich unter äußerster Anstrengung und Entbehrung vielleicht durch Generationen von unten auf seine Erneuerung erkämpfen muß. Das Schlagwort von der ״Rückkehr in die Barbarei“ schreckt die Menschen nicht, die an dem Anbruch einer neuen Zeit glauben, wo unter Abschüttelung all der Zersetzungs- und Entartungserscheinungen der modernen Kultur und Gesellschaff das neue ״Reich“ die Führung der ״östlichen“ Welt im Kampfe gegen den ״Westen“ übernimmt. Jede Fortsetzung des normalen Wirtschaftslebens scheint da ausgeschlossen, man rechnet auf Jahrzehnte mit dem Vorherrschen des ״Krieger* geistes“, und da braucht es nicht Wunder zu nehmen, wenn man die Regierungsgewalt mit diktatorischer Macht über Leben und Eigentum jedes Bürgers ausstatten will, wenn man an Volkscrnährung durch Kollektivspeisung und Sozialisierung sämtlicher Lebensmittel, an einheitliche Arbeitsdienstpflicht und dergleichen denkt Vielleicht ist wirklich die Zentrale der Partei von solchen Gedanken bereits entfernt Aber kann es ohne Folgen bleiben, wenn eine ganze Oeneration von jungen Menschen in diesen Ideen erzogen, In diesem Geist gedrillt wird, wobei man bedenken muß, daß bei sehr vielen dieser jungen Leute der Abscheu vor manchen Erscheinungen der jetzigen Gesellschaftsform eine Sehnsucht nach ״Männlichkeit“ und ein Ideal des Heldentums erzeugt hat, die sehr leicht bei unerfahrenen Menschen auf tolle Irrwege führen können? Und von uns Juden darf nicht vergessen werden, daß man den Juden schlechthin als das Sinnbild der Entartungserscheinungen hinzustellen pflegt. Im übrigen aber Ein Kongreß-Gedicht von Bialik ln der Zeitschrift des hebräischen Schriftsteller-Verbandes ״Mosnajiro“, Nr. 24 vom 11. Cheschwan, veröffentlicht Bialik ein Gedicht ״Ich habe euch wiedergesehen in eurer Ohnmacht“, datiert Basel Tammus 5601, worin er den Gefühlen Ausdruck gibt, die ihn als beobachtenden Teilnehmer des letzten Zionisten־Kongresscs befallen haben. Wer Gelegenheit hafte, Bialik in Base! zu sprechen, weiß, daß der Dichter den Vorgängen des Kongresses mit starker Ablehnung gegenüberstana. Bialik vermißte auf dem Kongreß die echte Stimme nationaler Erhebung, das innere geistige Ringen und den verantwortungsvollen Weitblick. Statt dessen sah er Parteikämpfe, Fraktionssitzungen, politische Einseitigkeit, Grientierung an Aeußerlichkeiten und obendrein persönliche Eitelkeit und Machtstreben, wie sie mit dem Betrieb einer großen Organisation unvermeidlich verbunden sind. Er hat es abgelehnt, auf dem Kongreß das Wort zu ergreifen. Dies sei nicht die Atmosphäre, in der er seine Gedanken entwickeln kann. Der Kongreß, so sagte er uns damals in einem Gespräch, ist beherrscht von einer Psychose, er ist nur pathologisch zu erklären. Das Bedürfnis, sich an großen Worten zu berauschen, sei ein deutliches Zeichen der Impotenz, die als Kompensation für das Selbstbewußtsein die Großsprecherei braucht. (Es war, nebenbei, interessant, von einem Manne, den! niemand als ״volksfremden Intellektuellen“ zu bezeichnen wagen wird, ein so eindeutiges Bekenntnis zu der von Weizmann vertretenen, in der Zielsetzung zurückhaltenden Politik zu hören.) , Dem Schmerz über dieses Ueberhandnehmen der Phrase und der Politikasterei gibt Bialik in packender dichterischer Form in seinem Gedicht Ausdruck, das den Charakter einer Elegie hat, mit Anklängen an das biblische Buch der Klagelieder. Der Dichter erfaßt hier seinen Beruf als prophetischer Mahner und Lehrer seines Volkes, er warnt vor Verflachung und legt ein Bekenntnis ab zum schöpferischen Geiste, der allein die nationale Bewegung vollenden kann. An dieses Gedicht hat sich in der palästinensischen Presse eine eigentümliche Polemik angeknüpft. Man erfährt daraus, daß die Veröffentlichung des Gedichtes wochenlang verschoben wurde; angeblich befürchtete man, die Veröffent• wäre es falsch, zu meinen, daß es bei der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in erster Linie um die Frage der Juden geht. In dieser Hinsicht ist das Boxheimer Programm aufschlußreich. Es zeigt, daß die Nationalsozialisten mit dem ״Erschießen“ von deutschen Volksgenossen sehr schnell bei der Hand sind. Jeder S. A.- darf jeden Menschen erschießen, der ihm nicht Folge leistet. Die Juden werden lediglich an zwei Stellen ausdrücklich erwähnt: Einmal bei der Arbeitsdienstpflicht, die sich nicht auf Juden bezieht, wodurch offenbar der Verachtung der Juden und im übrigen auch ihrer Sonderstellung außerhalb des Volkes Ausdruck gegeben werden soll. Auf der anderen Seite erhalten die Juden nichts zu essen, sie sind von der Volksspeisung und von Lebensmittelkarten ausgeschlossen, was der Verurteilung zum Hungertod gleichkommt, da samtliehe Lebensmittel von den Zentralstellen beschlagnahmt werden. All diese Dinge lesen sich wie Wahnsinnsträume. Und die Frage, die man sich vorlegt, lautet: Wie kann im heutigen Deutschland eine Partei, in der solche geistigen Erzeugnisse (wir lassen dahingestellt, ob amtlich oder nicht) möglich sind, eine so riesige Anhängerschar gewinnen? Es gibt zwei Antworten: Entweder die Anhänger und Wähler der N.S.-Partei wissen nichts davon, oder aber sie wissen es und wollen es. Die liberale Presse gibt die erste Antwort Man ist überzeugt, daß die Nationalsozialisten ihren immer wachsenden Anhang nur durch die Parole der Legalität eingefangen haben und daß die Wähler sich von der Partei abwenden würden, wenn sie deren wahres Gesicht und die Gefahr der Schreckensherrschaft kennten. Fs gibt aber noch eine andere Möglichkeit, die nämlieh, daß die Erziehung der Nationalsozialisten bereits so weit gediehen ist, daß wirklich namhafte Teile des Volkes sich nach einer derartigen Revolution sehnen, oder zumindest in ihr keine Verschlimmerung des gegenwärtigen Zustandes sehen. Dabei wollen wir natürlich nicht behaupten, daß alle Einzelheiten des Boxheimer Dokumentes mit seinem stereotyp wiederkehrenden ״... wird erschossen“ irgendwo eine besondere Begeisterung aus!ö:en können. Aber die Nationalsozialisten rechnen offenbar damit, daß man sich zunächst ihrer Herrschaft fügen wird, und wenn sie einmal die Macht in Händen haben, dann werden sie, so glauben sie, sich schon zu behaupten wissen. Vom politischen Gesichtspunkt ist es natürlich am wichtigsten, wie die Aufdeckung des Boxheimer Dokumentes auf die heimlich oder öffentlich geführten Koalitionsverhandlur.gen wirken werden. Der ״Völkische Beobachter“ vom 26. d. M., der in seiner Morgenausgabe noch kein Wort über die alle anderen Blätter füllende Affäre enthält, bringt einen Leitartikel von Dr. Fr ick, der — wenn auch in dem selbstbewußten nationalsozialistischen Stile — wieder eine unverblümte Aufforderung an das Zentrum richtet, sich von den Sozialdemokraten zu trennen und mit den Nationalsozialisten zu verbünden. , Das. Zentrum, so wird bei. dieser Gelegenbeit gesagt, habe als Voraussetzung einer Koalition eine Aenderung gewisser grundsätzlicher Ueber- Zeugungen der Nationalsozialisten gefordert Darin liege «ine Verkeimung der Sachlage, denn nicht das Zentrum, sondern die Nationalsozialisten, denen ohnedies früher oder später die Macht zufallen muß, haben Bedingungen zu stellen. Am selben Tage schreibt die ״Germania“, nach dieser Enthüllung müsse man an der von Hitler beschworenen Legalität der nationalsozialistischen Partei zweifeln, und zu dieser Frage habe Herr Hitler jetzt das Wort. Zugleich weiß ein Berliner Mittagsblatt zu melden, daß jetzt auch in hessischen Zentrumskreisen die Frage einer Tolerierung einer Rechtsregierung als erledigt gelte. Man wird die Eniwicklung der nächsten Tage, insbesondere auch die weiteren nationalsozialistischen Erklärungen abwarten müssen, bevor man sich über die Lage ein Urteil bilden kann. Das Dokument von Boxheim ist jedenfalls, wenn nicht mehr, so zumindest ein Symptom der furchtbaren Verwirrung, die heute in Deutschland herrscht und jeden Augenblick unabsehbare Folgen haben kann. Den Juden aber obliegt es, diesen Zuständen gegenüber Ruhe und Würde zu wahren, ihre eigenen Kräfte zu organisieren und geschlossen für die Verteidigung jüdischer Grundrechte einzustehen. lichung könnte den Bemühungen Bialiks um die hebräische Kultur und das hebräische Buch bei seiner Reise in Polen schaden. Ist schon diese Furcht bei einer von so ergreifender und leidenschaftlicher Bejahung der nationalen Ideale und so heiligem Zorn über ihre Entartung erfüllten Dichtung unbegreiflieh, so wirkt es noch seltsamer, wenn man jetzt einen Brief liest, den der Schriftsteller Benzion K a t z im ״Haarez“ veröffentlicht. Herr Katz hat offenbar Bialik wegen dieses Gedichtes Vorhaltungen gemacht. Bialik antwortet mit unverhohlcnem Spott, er sei gern bereit zu bestätigen, daß sein Gedicht nicht auf den Revisionismus anspiele, und er wünsche dem Frager und seinen Genossen etwas mehr gesunden Menschenverstand. Daß der Empfänger dieses jovialen und kaum für die Oeffentüchkeit bestimmten Briefes dennoch der Presse den Brief übergab, zeugt für die Verwirrung der Geister. Die Dichtung Bialiks aber wird ihren Platz in der Geistesgeschichte des um seine Erneuerung ringenden Judentums behalten. Die Schwierigkeiten des Agency ■Schulwesens Jerusalem, 24. November. (J. T. A.) Die Pa- 1 ästinaregierung hat in einem Schreiber! an die Exekutive der Jewish Agency mitgeteilt, daß sie deren Ansuchen um Gewährung einer zusätzlichen Subvention von 4000 Pfund über die etatsmäßige Subvention von 20 000 Pfund hinaus ablehnen müsse. Die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency, Dr. Maurice B. Hexter und Dr. Berkson, besuchten den Leiter des Unterrichtsdepartements der Palästinaregierung, Herrn Bowman, und besprachen fhit ihm die Nöte des hebräischen Schulwerks. Der Waad Leu mi hat seinen zur Lösung der Schulbudget-Frage unternommenen Versuch aufgegeben, da er es für unmöglich hält, den Fehlbetrag von 8000 Pfund im diesjährigen Unterrichtsbudget, der sich auch nach dem Verzicht der Lehrer aut Gehaltsbeträge in Höhe von 8000 Pfund noch ergibt, aufzubringea Die Exekutive der lewish Agency hat den Vorschlag des Stadtrats von Tel-Awiw, die Schulgebühren um einen Betrag von 2000 Pfund zu erhöhen und die zum diesjährigen Budget noch fehlenden 6000 Pfund als Defizit aut die folgenden Jahre vorzutragen, abgelehnt. Die Misrachi-Landes - Konferenz Komilhiieniiig der unabhängigen Misrachi״• Landes Organisation Deutschlands Von misrachistischer Seite Mit •der Gründung der unabhängigen Misrachi-Landes- Organisation Deutschlands, die, wie schon lairz berichtet, von den Delegierten des deutschen Misrachi am Sonntag, dem 22. November d. Js., proklamiert worden ist, hat die seit vielen Monaten innerhalb des deutschen Misrachi geführte Diskussion ihren Abschluß gefunden. Grundlegend ist folgende vom Delegiertentag ohne Widerspruch angenommene Resolution: ״Die deutsche Misrachl-Landesorganisatlon hat sich am heutigen Tage als unabhängige Misrachl-Landesorganisatlon Deutschlands konstituiert. Bel dieser Tagung sieht sie sich veranlaßt, drei grundlegende Feststellungen feierlichst zu treffen: 1. Die U. M.L.O. D. bekennt sich in jeder Hinsicht zum Programm des Misrachi, das die Verwirklichung des Baseler Programms auf der Grundlage, im Sinne des jüdischen Gcsetzes erstrebt. 2. Die U. M. L. O. D. stellt mit hoher Befriedigung fest, daß alle Vertreter einig waren in der Frage nach der Aufrechterha’.tung der einheitlichen misrachistlschen Organisation in Deutschland. Sie lehnt es deshalb ebenso ab, In ihre Reihen Spaltungen tragen zu lassen, wie sie es ihrerseils ablehnt, andere Landesorganisationen zu spalten, Teile von Ihnen zu sich herüberzuziehen. Sie beabsichtigt demnach nicht die Gründung eines neuen Weltverbandes. 3. Die U.M.L.O.D. bedauert es schmerzlich, daß die Entwicklung es mit sich gebracht hat, daß die Reihen des Misrachi sich trennen mußten. Sie wird glücklich sein, wenn der Ta^ kommt, an dem alle Glieder des Misrachi im Weltmisrachi wieder vereinigt sein werden.“ Hiermit ist also ausgesprochen worden, daß die deutsche Landesorganisation des Misrachi sich als unabhängig von den Instanzen der Misrachi-Ürganisation betrachtet, sie verzichtet indessen iin Interesse des Friedens in der Organisation darauf, eine eigene Weltorganisation aufzubauen. In •der Diskussion der Tagung kam von Sprechern aller Gruppen immer wieder zum Ausdruck, daß es unter allen Umständen vermieden werden müsse, sich in inneren Kämpfen zu zerreiben, die Stoßkraft der einzelnen Landesorganisationen müsse vielmehr aut die Durchführung der gemeinsamen Erez-Israel-Aroeit gerichtet sein. Nicht der Wunsch einer Spaltung, sondern im Gegenteil der Wille, alles für eine Intensivierung des Aufbaues Erez-Israels im Geiste des Misrachi-Programms zu tun, hat sowohl diejenigen, die für die Bildung einer unabhängigen Gruppe, wie diejenigen, die dagegen waren, bei den inneren Auseinandersetzungen geleitet, und der Wunsch, die Diskussionen über die Frage des Ausbaues der Organisation zu beenden und die Arbeit wieder produktiven Zielen dienstbar zu machen, hat die Konferenz veranlaßt, die neue Organisationsform zu wählen. Die Tagung hat ein neues Zentralbüro gewählt, in das u. a. die Führer der bisherigen Opposition gegen die Anschauung des Zentralbüros, die Herren Dr. Rabin (Breslau) und Dr. S. Grünberg (Berlin) eingetreten sind. Damit ist nicht nur die Arbeit aul eine breitere Grundlage gestellt worden, sondern auch Gewähr dafür gegeben, daß der deutsche Misrachi auch in dieser neuen Form sich auf die Mitarbeit aller Gesinnungsgenossen stützen kann. Man hat, um denjenigen entgegenzukomnien, für die persönlieh eine Trennung von der Gesamtorganisation mit Gewissensbedenken verbunden war, gestattet, trotz der Zugehörigkeit zur unabhängigen Organisation Deutschlands Für sich den Maß Hamisrachi weiter zu entrichten, man hat aut der anderen Seite testgestellt, daß die deutsche Organisation sich mit solchen Landesorganisationen, die sich ebenfalls als unabhängig erklären, zu einer Arbeitsgemeinschaft ־zusammenschließen dürfe. Wenn auch der allseitig nur als ultima ratio empfundene Schritt der organisatorischen Trennung vom Merkas vollzogen worden ist, so glaubte die Konferenz, gleichzeitig aussprechen zu müssen, daß sie an der Hoffnung festhält, daß es wieder zu einer Vereinigung der nunmehr getrennten Gruppen kommen wird. Da in weitesten Kreisen der Organisation die Berechtigung der Kritik des deutschen Misrachi an den Methoden des Merkas zugegeben worden war, so ist zu hoffen, daß diese Kritik früher oder später ihr Ziel erreicht und die Bahn zu gemeinsamer Arbeit frei wird. Der Delegiertentag hat sich in ausführlicher Diskussion im Anschluß an die Referate der Herren Lazarus Barth und Prot. F r a e n k e 1 mit der Systematisierung der Erez-Israel- Arbeit und dem Budget beschäftigt, und die Beitragsleistungen für religiöse Angelegenheiten, Schulwesen und landwirtschaftliche Kolonisation festgesetzt. Einstimmig wurde eine Resolution Fraenkel angenommen, die sich gegen die einseitigen Abschnürungsversuche im misrachistischen Erziehungswesen richtet und die folgenden Wortlaut hat: ״Die Konferenz des deutschen Misrachi erhebt Protest . wärtige Form der Autonomie des gesetzestreuen Chinuch unternommen worden sind und gegen die Versuche, den gesetzestreuen Chinuch über das Maß der Parität hinaus einzuschnüren.“ In der Begründung dieser Resolution konnte Prof. Fraenkel darauf Hinweisen, daß misrachistische Schulen, wie das Lehrer- Seminar und die Tachkemoni-Schule, nachweislich auf Grund der Ergebnisse der Prüfungen an der Spitze des palästinensischen Schulwerkes marschieren. In Fragen innerer misrachistischer Politik stellte die Konferenz fest, daß Vertreter aller Richtungen ihr willkommen seien, die das Misraclii-Programm anerkennen, und daß Fraktionszwang in politischen Fragen nicht geübt werden solle. Zum Vorsitzenden des Landesvorstandes wurde wieder einstimmig Dr. Wolfsberg gewählt Zu Mitgliedern Dozent Dr. Rabin (Breslau), und am Sitz der Zentrale die Herren Dozent Dr. Grünberg, P. Hauser, Max Kober, Edmund Levy, Dr. Sulzberger und Dr. Silberstein. Es wurde indessen vereinbart, daß einer der Herren des bisherigen Landesvor- Standes, der im neuen Gremium ohne Ressort" bleiben würde, seinen Austritt erklären würde, so daß für die Folge 7 Mitglieder, 4 des bisherigen und 3 neu hinzutretende, das Zenfralbüro bilden. Das Pressereterat wurde Herrn Lazarus Barth übertragen, zum Vorsitzenden des Zentralkomitees wurde Dr. Aron Barth gewählt Die Frauen-Arbeltsgemeinschaft für Palästina ladet zu einer ״Schau palästinensischer Arbeiten“ in den Räumen der Se- Zession, Budapester Str. 10, am Sonntag, dem 29. November, abends 8 Uhr, ein. (Nicht wie zuerst angegeben, 41/2 Uhr.) ln diesem Rahmen findet ein Vortrag statt von Alice Jacob-Loewenson ״Zwei Jahrtausende jüdische Musik“ (Klavier und Schallplatten). Jemenitische Lieder: Lea Koppel; jüdische Tänze: Dora Bartonow. — Karten zu 2,50 M. (cijischlicßüch Teegcdcck) an der Kasse,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.