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Jüdische Rundschau · 1931-11-27 · Heft 92 (27.11.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 92 (27.11.1931)
Date
1931-11-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 542 JÜDISCHE RUNDSCHAU Boden, das jüdische Dorf, es entstanden die Sprache, die Schule, der Lehrer, der Pionier, der Industrielle, kurz alle Typen, die zu einer normalen Gesellschaft gehören. Und das in einer so bitteren Zeit, in einem Lande, das voll von Schwierigkeiten war. lieber diese Schwierigkeiten einige Worte. Ebenso wie die physischen Schwierigkeiten, die sich aus der £saturbcschaffenl1cit des Landes Palästina ergeben, Tat- 'sachen sind, die man hinnchinen mußte, genau so konnten wir nichts dafür, daß eine ganze Menge Judengemeinschaften zerstört waren und unsere Stärke wesentlieh beeinträchtigt wurde. Und ebenso entstanden in der politischen Situation der Welt Schwierigkeiten, d'c wir kaum erwartet hatten, mit denen wir aber rechnen mußten. Zunächst — ich sage das nicht als Verteidigung der Tätigkeit oder der Untätigkeit der Mandatarmacht — entstand ein anderes England. Es kam ein anderes England aus dem Kriege heraus als das England, welches in den Krieg hineingegangen ist. Das, was sich heute in England abspielt, ist eine unmittelbare Folge des Krieges. England hält an seinen Besitzungen in der Weit heute weniger zähe fest als es vor dem Kriege der Fall war. Wenn man bedenkt, was heute z. B. in Indien vorgeht, das tatsächlich die Achse und der Lebensnerv des britischen Imperiums ist, und die Konzessionen, die im Jahre 1030 die englischen Parteien aller Schattierungen dem indischer( Volke zu machen bereit waren, von denen sie im Jahre 1914 nicht träumten, von denen sie auch irn Jahre 1918 nicht träumten, so sehen wir, daß eine tiefe Veränderung im britischen Imperium vor sich gegangen ist, und der Prozeß ist noch lange nicht zu Ende. Das mußte naturnotwendig auf uns einwirken, auf־ uns, die w*. eigene Interessen in Palästina hatten. Darum befanden wir uns in einer fast tagtäglich«» Krise in unserem Verhalten zu der englischen Regierung. Wir wollten, daß die englische Regierung wollte. Der Wille beim englischen Imperium war aber viel schwächer geworden, und darüber hatten wir keine Kontrolle. Wir suchten, und mit Recht, den Engländern zu beweisen, daß Palästina für sie von grundlegender Bedewtung ist. Aber wir werden uns anpassen müssen, nicht einem imperialistischen England im alten Sinne, das seine Besitzungen von Gibraltar bis zum Indischen Ozean ausgedehnt hat, sondern einem neuen England, das seine Völker Zusammenhalt als eine freie Verhrndung der Nationen. Deshalb ist unsere Politik in Palästina von anderen Grundsätzen diktiert. Das berührt eine andere Frage, die auch zu den objektiven, von uns unabhängigen, Schwierigkeiten gehört, unser Verhältnis zum arabischen Volk. Sie wissen, es leben heute in Palästina 700000 Araber. Wenn sie die zionistische Vorkriegs-Literatur lesen, so ist darin fast kein Wort über die Araber zu finden, ln Herzls Mo moiren werden sie kaum ein- oder zweimal erwähnt. Aber sie waren im Lande und saßen im Lande seit tausend Jahren. Durch den Krieg wurde überall die nationalistische Bewegung aufgepeitscht, und heute träumen die Araber von einem Imperium, *las vom Euphrat bis zum Atlantischen Ozean reichen soll. Ob es ein Traum bleiben oder ob es Wirklichkeit werden wird, weiß ich nicht zu sagen. Wir müssen uns jedenfalls mit ihnen auscinandersetzen. Wir sagen den Arabern, euer ,,Nationalheim“ ist zu unterscheiden von euren Rechten in Palästina. Das Nationalheim der Araber liegt . in Damaskus, in Bagdad, liegt vielleicht in religiöser Form in Mekka und Medina, in denjenigen großen Zentren arabischen Lebens, wo eine gewaltige arabische Kultur geblüht hat. Sie blüht in Bagdad, in Damaskus, aber nicht in Jerusalem, das nur für die jüdische und christliche Welt eine Bedeutung hat. Anders steht es Dem fünfzigjährigen Stefan Zweig Theodor Herzl druckte Stefan Zweigs erste Novelle: das hat Stefan Zweig selbst einmal mit der unvcrwelklichen Dankbarkeit eines Dichters für seinen ersten Förderer erzählt Damit ist schon umschrieben, in welcher Zeit des Wiener Geisteslebens Stefan Zweigs Jugend noch wurzelte. Es ist die Zeit, deren gute Geister unterdessen einer nach dem andern von uns Abschied genommen haben: Zeit der Schnitzler und Hofmannstbal-Zeit, in der das Leben so schon und das Sterben so schwer war wie selten zuvor . . . Selbst Hlfcl ist damals noch nicht die ins ״Ueberzeitliche wachsende Gestalt des großen Volksführers“ noch ist er den Wienern nur bekannt und berühmt als Schöpfer jener Feuilletons in der ״Neuen Freien Presse“, von denen Stefan Zweig bekannt hat, daß er sie noch beute so wenig vergessen könne wie die ersten Gedichte Rilkes oder Hofmannsthals, die er auf der Schulbank las. * Stefan Zweig selbst hat uns seine Jugend einmal geschildert es klingt uns Gefangenen der Zeit wie ein Märchen als eine vollkommen sorglose, heute kaum mehr vorstellbare Sphäre der Freizügigkeit, gleichsam über alle Länder hinweg, nirgends verhaftet, nirgendwo durch Berat oder Pflicht gebunden. Wanderlust trieb ihn nach allen Ländern der Welt und des Geistes. Wie er in Paris und Florenz, in Spanien und in Schottland kameradschaftlich mit der gleichaltrigen Jugend des Landes lebte, so hat der Jüngling damals Jahre seines Lebens der Vermittlung fremden Dichtertums, vor allem den Versen Verhaerens, geweiht. Vielleicht sind es die Verse Verhaerens gewesen, die in dies Leben eines Prinzen die erste Ahnung vom Leid der Industriestädte, der Menschenmassen brachten. Dann aber־ kain der Krieg; und alles wurde anders. Wieder hat uns Zweig selbst von der ungeahnten, nicht zu ahnenden Erschütterung erzählt, die damals seines Wesens unterste Wurzeln ergriff und erschütterte. Denn er empfand den Krieg nicht nur als Deutscher, der in deutscher Welt gelebt hatte und bei allem Sturz unter den Füßen den Half, die deutsche Erde, nicht verlor; ״uns aber, uns geborenen, uns geschworenen Europäern, uns Nicht-nur-Deutschen, fuhr in dieser Sekunde die unsichtbare Heimat gleichsam unter den Füßen weg . . .“ Merkwürdige Weiterbildung eines Nathan-Wortes läßt sich bei diesem Bekenntnis nicht unterdrücken: was Um damals Nr. 62. 27. XL 1P31 mit euren Rechten im Lande. Die sollen nicht geschmilert werden. Wir bauen nicht das Nationalheim auf dem Rücken eines anderen Volkes. Wir sagen den Arabern ganz offen: wir wollen mit euch zusammen Palästina aufbauen, wenn ihr wollt. Wir habeu ein Recht auf unser Nationalheim in Palästina; Ihr habt das Heim schon jetzt im Lande. Wir wollen euer Heim nicht schädigen, im Gegenteil, wir wollen es durch unseren Bau und unsere Entwicklung stärken «nd fördern. Wir wünschen uns mit den Arabern auseinanderzusetzen, wenn es nach mir ginge -׳- ich spreche hier nur meine eigene Meinung aus — auf dem Grundsatz des paritätischeu Verhaltens zu allen Erscheinungen des Lebens in Palästina. Ich weiß nicht, ob das je gelingen wird. Ich weiß nicht, ob die Araber das verstehen werden. Ich zweifle noch, ob die Juden es heute verstehen. Wir sind von den Krankheiten der Zeit an gesteckt Millionen von Juden sind heute heimatlos, und ich verstehe den teuflischen ungeheuren Druck, unter welchem jeder von uns lebt und arbeitet. Aber gerade dieses Druckes wegen gilt es heute, auch uni einen großen Preis, um den Preis großer Konzessionen, mit dem arabischen Volke Frieden zu machen. Wenn Friede ist in Palästina, so glaube ich, eröffnen sich für uns Perspektiven, die vielleicht heute noch nicht ganz sichtbar sind, aber morgen sichtbar sein werden. ich gehöre nicht zu den Leuten, die sich darüber streiten, wie viele Juden das zukünftige jüdische Palästina enthalten wird. Mir kommt cs heute darauf an, das Maximum von Menschen hereinhringen zu können. Pessimisten sagen, das jüdische Palästina kann eine halbe Million Menschen au tue Innen, Optimisten sagen, es kann zwei Millionen atifnehrnen. Die technische Wissenschaff macht so ungeheure Fortschritte, daß man die Fassungskraft des Bodens nicht endgültig angeben kann. Welche aber auch die Ziffer sein wird, sie wird nur eine» Teil des jüdischen Druckes erleichtern. Es werden noch immer mehr Juden in den Ländern der Unterdrücknngsvölker leben müssen als das Maximum dessen, was wir nach Palästina hineinbringen können. Wir werden immer hungrig und durstig sein nach weiterem Platz. Wie ist weiteres Land zu finden? Hat man das Werk aufgebaut wie groß oder klein 'es auch sein mag —, so ist eine Kraftquelle entstanden von ungeheurer moralischer Bedeutung für die Juden der Welt und für die Welt selbst; und die Gemeinden oder Gemeinschaften, die in Palästina entstehen, werden sozusagen der; Schlüssel zu einer Tür werden. Um eine Tür zu öffnen, braucht der Schlüssel nicht schwer oder groß zu sein, er muß ins Loch hineinpassen und richtig geschliffen sein. So betrachte ich das friedliche Palästina, das unter den Auspizien der öffentlichen Mdriü&g der Welt steht, 'als einen 'Schlüssel, der ein Gebiet öffnet, das vom Jordan zur» Euphrat und vorn Euphrat zum Indischen Ozean gehen kann. Das alte Mesopotamien hatte Millionen von Menschen, heute krankt es daran, daß es zu wenig Menschen bat. Es kann auf zwei Wegen kolonisiert werden: entweder auf den itnpcria- Hstischen Wegen ״London—Bagdad“ b/w, ״Berlin -Bagdad“ oder aber es kann kolonisiert werden durch friedliche Zusammenarbeit der Elemente, die in jenen Ländern gegeben sind. Wir haben mit den Arabern vor Jahrhunderten zusammengearbeitet und wir werden mit ihnen weiter Zusammenarbeiten. Das ist nach meiner Ueberzeugung der tiefere Sinn unseres Verhaltens zu den Arabern. Noch verstehen sie es nicht, noch sehen sie in uns diejenigen, die sozusagen als der Arm europäischer Staaten dastehen, um ihr Land in Beschlag zu nehmen. Diesen Furchtkomplex haben zum Teil wir selbst in ihnen entwickelt. Manche Rede, die ein unvorsichtiger sich selbst scheinbar zum Europäer machte, das . . . macht ihn uns zum Juden. Denn was er hier schildert: es Ist, und es ist vor allem das typische Kriegserlebnis eines Juden. Auch der Jude dieser Zeit hat die Pflöcke seines Zeltes in Ost und West, in Nord und Süd eingepfählt - überall dort, wo jüdische Brüder leien; auch er fühlte an jenem Tage ein unsichtbares Heimatland gleichsam unter den Füßen weg schwinden . . . denn es waren ja nur wenige Juden, die der Instinkt ihres Volkes so sehr verlassen hatte, daß sic befeuerten, in dem jüdischen Franzosen nur den Franzosen, in dem englischen Juden nur den Engländer zu empfinden. Wurzel dieses europäisch-jüdischen Kriegserlebnisses wird offenbar in Zweigs Gegenwehr: einem Werke, das zum ersten Male, wie er selbst bekennt, aus seinem Wirklichsten heraus geboren wurde. Wir kennen es alle: es ist das dramatisehe Gedicht ״Jeremias“. — Zweig hat später einmal gemeint, diesem Bucüe sei als einzigem seiner Bücher von der Mitwelt Unrecht geschehen. Seitdem aber hat sich die jüdische Jugend aller Schattierungen von ganz rechts bis ganz links des Buches bemächtigt — gewiß die schönste Rechtfertigung, die ein Dichter sich wünschen kann! — und in unzähligen Feiern der Jugendbünde erklangen jene unvergeßlich schönen Verse, die zu uns allen gesprochen schienen. Hier hat Zweig, der Europäer, zum ersten Male — vielleicht zum einzigen Male — sein persönlich menschliches Bekenntnis zum jüdischgeistigen Ideal in Worte gebannt Zweig■ ist, wie man weiß, kein Zionist; und doch hier stehen die Worte, die seither von den Lippen der zionistischen Jugend nicht wichen: Erde, du heilige Vltererde Schenke Mir ewig Begehren und ewigen Brand, Ewigen rfunger und Heimverlangen Naen Zion, unser« verlorenen Land 1$ Nach dem Kriege hat dann Zweig als einer der rüstigsten Baumeister unter den Schaffenden versucht, die zerstörte Welt wieder aufzubauen. Was die Unsichtbaren einst Faust rieten, begann er: als ein ,,Mächtiger der Erdensöhne1* baut er die verlorene Schöne in seinem Innern wieder auf; neues Leben beginnt er mit hellem Sinne ״und neue Lieder tönen darauf!“ — Denn jetzt verläßt er die große Stadt, zieht nach Salzburg und beginnt zum ersten Male die Arbeit in einer ins Große planenden und die fioriamnte ausmessenden Art. Nun entstehen seine Novellen, <Öe er in der novellistischen Reihe begeisterter Zionist vom Podium schwingt, genügt, um diesen Furchtkomplex zu steigern. Durch manche Disktissionen, die wir untereinander führen, wird unser Weg doppelt schwer' gemacht. Vielleicht werden uns die Generationen, die nach uns kommen, nicht den Vorwurf machen, daß wir den Ereignissen nur nachgehinkt und sie nicht vorausgesehen haben. Man kann freilich nicht alles voraussehen. Ich glaube, das, was ich hier angedeutet habe, ist bereits heute in Umrissen sichtbar. Entweder werden wir dieses Werk ausführen, oder das Judentum ist in Gefahr. Da ich aber an die Ewigkeit des jüdischen Volkes glaube, so bin ich überzeugt, daß wir auch diese Zeit des l lehergangs überwinden werden. Sokolow und Schaukat Ali Ein Gespräch des indf.schen Führers mit dem Presidenten der jewisb Agency Lon d an . 24. November. (J. T. A.) Am 23. November fand im Hyde Park-Hotel eia Abschieds• abend für die London verlassenden moslemischen Del egierten der Indien-Konferenz statt, dem etwa -150 Personen beiwohnten. Den Vorsitz führte Earl Howe, unter den Anwesenden bemerkte man den britischen Außenminister Sir John Simon, ferner Lord Burnham, via Mitglied der Simon-Kommission, den Untere taatssekretär für die Kolonien, Sir Robert Hamilton, das Mitglied der Mandatskominission des Völkerbundes Lord Lugard, den früheren Staatssekretär für Indien Wedgwood Benn, einige weitere hohe britische Beamte, eine Anzahl auswärtiger Gesandter und mehrere Mitglieder des Parlaments. Den Mittelpunkt der Veranstaltung bildete eine Auspräche Schaukat Alis, der u. a. sagte, er fahre jetzt nach Rom, und dann fortfuhr: ״Von Rom gehe ich nach Aegypt*:n, von dort nach Palästina zu der großen Moslem-Konferenz. Ich gehe nach Palästina, weil ich nicht: will, daß die arabische Sache über Bord geworfen wird• Ich war gestern Abend mit Herrn N a 11 u m Sokolow, dem Pr.isidenten der Zionistischen Weltorganisation, zusammen Und hatte mit ihm ein zweistündiges Gespräch. Ich richtete an ihn die Frage: Was sind Eure Absichten? Kommen Sie mit mir nach Palästina und legen Sie ihre Sache den dort zu der Konferenz versammelten Führern der Moslems vor. Wenn Ihr in Palästina herrschen, den den Arabern gehörenden Boden auf״ kaufen wollt, so ist!las nicht fair. Es ist unser heiliges Land. Kommen Sie nach Palästina, sagte ich dem zionistischen Führer, und klären Sie uns über Ihre Sache auf. Wenn Euch an meinem Wohlwollen gelegen ist, warum wollt Ihr dann 100000 Menschen aus Polen ins Land bringen? Dort ist kein Platz für sie. Ich werde, schloß Schaukat Ali, morgen dem Kolonienminister die arabische Sache vortragen. Wir werden unser Bestes tun, damit die arabische Sache nicht infolge Nachlässigkeit verfällt. Ls folgte eine ^Ansprache von Agha Khan, der ebenfalls die Friedaisbereitschaft «kr Moslems beteuerte, aber die Palästina- Angelegenheit nicht, streifte. Zenedine, der für die westlichen Araber sprach^erklärte,..die palästinensischen ,Araber׳.wünschen Frieden, aßer’" nicht: einen Frieden, der , auf Ungerechtigkeit., basiert. Die Araber wünschen, daß England die im Kriege mit ihnen geschlossenem Verträge erfüllt und daß der Zio- 11 i s m u $ aufbört, eine politische Bewegung zu sein. Die Araber werden für Gerechtigkeit kämpfen, solange cs noch einen Araber in der Welt geben wird. Eine Erklärung Sokolow« Sokolow teilte der JTA. auf ihre Anfrage folgendes über sein Gespräch mit Schaukat Ali mit: Im Verlauf meiner privaten Unterbaitun« mit Schaukat Alf sagte mir dieser, ich möge mich nach Palästina begeben, um die zionistische Sache der Moslem-Konferenz darzulegen. Ich erwiderte, die Jewisb Agency würde die Möglichkeit einer Round T able-Konferenz jüdischer und arabischer Repräsentanten zur Erreichung eines freundschaftlichen Einverständnisses sehr begrüßen; eine sol'he Konferenz müßte jedoch erst sorgfältig vorbereitet werden, und es müßten vorher vorbereitende Verhandlungen stattfinden. Das Erscheinen des Präsidenten dar Jewisb Agency vor dar Islam- Konferenz würde schwerlich elfte geeignete Vorbereitung zu einer Round Table-Kooferenz sein. .,Die Kette“ vereint Und cs entsteht in großartigem Paraltelisraus dazu eine Reihe von künstlerisch-historischen Charakterbildern, wie nur ein Meascheugestalter sic schreiben kann, in dem zugleich ein Stück von einem Forscher und Sammler steckt, ״Die Baumeister der Welt“. Wir alle kennen die ״Drei Meister׳;, deu ״Kampf mit dem Dämon“ und die Einzelbilder, die er in glücklicher 'Fruchtbarkeit diesen Darstellungen angliederte. Erst vor kurzem hat er diesen Vorgängern eine neue Dreiheit folgen lassen, die so sehr ins Herz der Zeit traf, daß sic unterdessen als Quelle zu einem vid besprochenen Drama dieses Winters schon fast wieder historisch geworden. ist. ״Die Heilung durch den Geist*‘ (wie die meisten. Bücher Zweigs erschienen im Insel-Verlag) enthielt außer den Charakterbildern von Mesmer und Freud auch das Bild der amerikanischen Heiligen Mrs. Bakcr-Eddy, der Gründerin der Christian Science. Ohne Zweigs Buch wäre das Drama der Ilse Leugner ״Die Heilige aus U. S. A.“ wahrscheinlich nicht geschrieben worden; aber es zeugt auch dafür, wieviel tiefer Zweig, der Menschenkünder, das Wesen dieser sonderbaren Frau erfaßt hat, daß die unliebsatnen Streitigkeiten, die sich nun an die Aufführung des Dramas knüpften, vor Zweigs Buche, in dem ja doch das gleiche historische Material Verarbeitet war, halt machten. * Wir aber wollen dem fünfzigjährigen Stefan Zweig, wenn, ihn heute Freunde, Schüler, Dankbare aus allen Regionen des Geistes feiern, als den Dichter der Leidenschaft und der Hingabe und als einen der klaräugigsten Zeugen des tuiaufhörbeb umwertenden Prozesses, den wir Geschichte nennen, seine jüdischen Gestalten nicht vagessen — so unscheinbar sie manchmal sind, so scharf gesehen sind sie: von dem ostjüdischen Büchertrödler Jakob Mendel bis zu dem armen reichen Vater Salomoasahn. Nicht die glühende Belebung der alten Legende ״Rahcl rechtet mit Gott“. Und auch nicht —״ um zu unserm Anfang zurückzukehren — das mit dem Herzen gestaltete Momentbild Theodor Herzls, der im spottlustigen Wien jener Jahre als der ״König von Zion“ so viel verhöhnt wurde wie vielleicht nur noch sein großer Schicksals- und Stau!inesgefährte Sigmund Freud nach ihm; und den auch dem Fernstehenden sein Tod enthühte als ״einen jener Gestalter von Ideen, wie sie in einem Land, in einem Volk nur in ganz großen, in ungeheuren Intervallen sich sieghalt erheben.. « Bertha Badt-Strauß.

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