Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 90 (20.11.1931)
- Date
- 1931-11-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sdte 534• JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 90, 20. XI. 1931 F1J F IF TT¥1 TRIIMF «HH» «HH^fc* Jmmm0w «mH■ rnmLrnmw JHL •■HL Hr JL JHmm4F Um unser politisches System Der nachfolgende Artikel Mt tiu im Zusammenhang mit der Kongreß-Diskimron von einer seil vielen Jahren in Palästina lebenden and im palästinensischen 'Wirtschaftsleben an prominenter Stelle tätigen Persönlichkeit zugegangen. Wir glauben, daß unabhängig van den politischen Anschauungen, der inner zionistischen Parteigruppen die Meinungsbildung durch eine freie Aussprache erleichtert wird, in der auch 'individuelle, Ansichten zu Worte kommen. Auf alle Fälle ist cs für des zion kitsche Publikum interessant;11 erfahren, daß solche Meinungen, wie die in dem folgenden Artikel autgetprochenen, innerhalb zionistischer Kreise, insbesondere auch in Palästina, verbreitet sind, ln diesem Sinne hohen wir die nachfolgenden Ausführungen eh einen Beitrag zur Diskussion zu werten. Aus I}aam.m/mgel haben wir den Artikel von dem an die Tagespolemik anknüpf enden Beiwerk befreit und geben ohne 1reifere Einleitung gleich den Ihmpttcil wieder, Red. ... Im wesentlichen wurde die Diskussion bisher nur darüber geführt, was besser sei: England gegenüber schwachlieh oder stark aufzutreten, höflich oder agressiv, nachgiebig oder unbeugsam; ob es besser sei, sich alles gefallen zu lassen oder aber grob zu werden; ob man sich Verzichter kli rangen abzwingen lassen oder aber an Maximalforderangen hängen bleiben soll. Die Fragestellung hierbei war ausschließlich: durch welche dieser beiden Methoden können wir mehr erreichen? Weizmann wirft man vor, daß er die erstere dieser Methoden angewendet habe. Ob der Vorwurf richtig ist oder nicht, ist für die Frage der Erfassung des ״politischen Systems“ nicht so wichtig wie die Frage, warum er diese Methode befolgte, oder sich zumindest dem Anschein aussetzte, sie zu verfolgen. Tat er es lediglich in taktischer Erwägung, weil er überzeugt war, daß jede andere Methode noph viel weniger Chancen bot, so ist es durchaus möglich, daß heute, morgen ein gegnerischer Nachfolger sich trotz seines Widerstrebens davon überzeugen muß, daß es, taktisch, wirklich keine andere, zumindest bessere Möglichkeit gebe. (Das hat sich ja schon bei der Zielsetzungsresoiution gezeigt.) Anders liegen die Dinge, wenn Weizmann diese Methode verfolgte, weil er unerschütterlich überzeugt war und blieb vom guten und ehrlichen Willen Englands, der Balfour- Politik treu zu bleiben. Besaß er diese Ueberzeugung, glaubte und vertraute er auf England, so wurde das, was ebenso gut nur eine Methode der Taktik zu sein brauchte, ein politisch es System. Und dieses System ist es, welches hätte zur Diskussion gestellt werdet! müssen. Es besteht darin, daß man Immer und immer wieder jede englische Maßnahme so interpretiert, als ob sie loyal den zionistischen Rechten und Wünsehen Rechnung trage, immer und immer wieder englische Funktionäre, denen Palästina-Aufgaben übertragen werden, als objektive, unvoreingenommene Personen begrüßt, die gewiß die Absicht haben, Recht und Gerechtigkeit walten zu lassen. Dieses System ist heute durchdrungen davon, daß der Ent- Wicklungsdirektor bestimmt nur die Wahrheit feststellen wird, und wie hätten wir die Wahrheit zu fürchten? Es glaubt an seine Objektivität, wie es an diejenige von Chancellor, Luke, Shaw und Simpson geglaubt hat, und wie es an die Objektivitat Englands glauben wird, wenn die Volkszählung jetzt ergeben wird, daß 300 OM—500000 Araber mehr im Lande sind als man glaubt. Das ist das System, um welches es geht, und das wir neu zu prüfen haben. Es ist dabei völlig unwesentlich, ob es den Namen. ״Weizmaanismus“ trägt oder nicht. Die Frage, ob Weizmann selbst innerlich so sehr von der Loyalität Englands überzeugt war, wie er sich nach außen den Anschein fab, ist noch nicht gestellt worden. Es bestehen Anhaltspunkte afur, daß Weizmann seit langer Zeit tiefinnerst entfernt war von diesem System und jedenfalls weiter als sein Nachfolger Arfosoroff, der es von neuem zur Reinkultur erheot. Aber wie dem auch sein mag, um das System geht cs jetzt und nicht um die Person. Will man nun auch bei der Anti-Weizmann-Gruppe über das Persönliche hinaus zum System Vordringen, so stellt sich bald heraus, daß ein System, welches sich gegen das vorher geschilderte abliob, auch dort nicht oder fast nicht bestand. Auch dort zweifelte man letzten Endes nicht an der zumindest potentiellen Bereitschaft Englands, die Balfour- Politik zu realisieren. Man zweifelte nur daran, ob die Methode der Nachgiebigkeit usw. die geeignete sei, man flaubte, daß man mit Hilfe der anderen Methode mehr aus ngland würde herausholen können. Also letzten Endes mehr ein Gegensatz der Taktik, nicht des politischen Systems. Man kann sogar sagen, daß die Revisionisten in ihrem Glauben an Englands Bereitschaft weit über den Glauben der Weizmannisten hinausgingen. Die Gruppen, die sich gegenüberstanden, waren verbunden durch den gemeinschaftliehen Glauben an das Prädominieren einer naturgegebenen jüdisch - englischen Bundesgenossenschaft, und sie unterschieden siel! nur dadurch, daß jene sagten: nehmen wir notfalls heute Konzessionen in den Kauf, ä la longue will England ja doch unser Bestes: und die anderen sagten: die Bundesgenossenschaft ist so fest verankert, daß wir nicht nötig haben, Attacken von seiten einzelner Organe mit Konzessionen zu beantworten. Der Streit ging also darum, mit welcher der beiden Methoden man am meisten aus der englischen Bereitwilligkeit herausholen kann. Nur schüchtern und unterirdisch kündigte sich an, daß sich auch ein System Wechsel vorbereitete, und daß neben dem System der England-Gläubigkeit ein entgegengesetztes System auftrat, welches diese Bereit- Willigkeit in Zweifel setzte: Das System derjenigen, denen an den Ereignissen der letzten Jahre und Ihrer logischen Kontinuität das frühere Vertrauen zu Eng fand verloren gegangen ist. Sie betrachten die Ereignisse seit 1929 nur als Teilglieder einer logischen Kette, die bis aut 1919 zurückgellt und zeitweilig erkennbar war, aber zeitweilig geschickt cachiert wurde. Diese Kette bedeutet ihnen den systematischen, logischen, gradlinigen Abbau des Zionismus und den brutalen Versuch, einen Kompagnon aus der Teilhaberschaft herauszumanövrieren. Die Träger dieses Systems sind davon überzeugt, daß die Shaw-Kommission geschickt wurde, um Material gegen den Zionismus zustandezu bringen, daß Simpson geschickt wurde, um mit seiner Autorität den von der Mandatskommission vernichtend zerpflückten Shaw-Bericht zu retten, und daß der Entwicklungsdirektor geschickt wird, um diesen Simpson-Report, dessen Flüchtigkeit und Fehlerhaftigkeit Shiels auf der Mandatskommissionssitzung zugeben mußte, zu bestätigen und zu erhärten. Sie sind ferner überzeugt, daß die vergrößerte Anzahl der arabischen Bevölkerung, die sich durch die Volks- Zahlung ergeben wird, zwar teilweise aut unrichtigen Angaben basieren wird, teilweise aber auf Wahrheit, und zwar darauf, daß die Regierung systematisch seit Anfang an die unkontrollierte Einwanderung von Arabern aus den Nebenländern toleriert und gefordert hat, eine Einwanderung, die sich ökonomisch leicht vollzog, weil das hohe Lohnniveau Palästinas ansaugend wirken mußte, und die politisch dazu verwendet wurde, den Zionismus von Anfang an zu paraly* sicren und alle Majoritätsdiskussion zum Gespött zu machen. Sie sind ferner, alles in allem, davon überzeugt, daß wir vor einer ״systematischen“ englischen Politik stehen, die Jerusalem an Stelle des unzugänglichen Mekka und Bagdad an Stelle des französischen Damaskus ״boomen“ will, um mit beiden das Schwergewicht der p a n i sl ami tisch e n und der nationalarabfschcn Bewegung bei sich zu konzentrieren. Es ist nicht beabsichtigt, hier darüber zu streiten, welches System das richtige ist. Aber die öffentliche Meinung im Zionismus hat ein Recht, die Antithese richtig zu sehen. Nicht um die Frage: mit welcher Taktik können wir rascher von England ein Maximum herausholen? geht es, sondern um die Frage: Wieviel kann man überhaupt herausholen, wo ist die Grenze für Englands Wollen, was ist überhaupt der englische Wille, was ist die Intention seiner Middle- East Politik, mit einem Wort: Was will England in Arabien? Das Dunkel eines Dschungels liegt über Englands Arabienpolitik. Fünfzehn Jahre haben wir Politik getrieben, und einen Hauptfaktor als feste und bekannte Größe in die Rechnung gestellt. Damit war, mehr oder weniger, die Richtung der Politik vorgeschrieben. Wir müssen uns damit vertraut machen, daß diese Größe weder fest noch bekannt ist. Damit hat unsere Politik das Steuer verloren. Warum sollen wir uns das nicht eingestehen? Nach weicher Richtung es sich wieder drehen wird, weiß heute niemand von uns zu sagen. Wie dürfte man auch wagen, eine Drehung vorzunehmen oder anzudeuten, solange man die Orientierung nicht wieder gefunden hat? Alles was wir tun können ist zu versuchen, diese Orientierung wi ed e r zuf in d e n. Um so bedauerlicher ist es, daß Arfosoroff in seiner großen politischen Programmrede in Jerusalem gerade diese Orientierungsarbeit neuerlich mit dem Bann belegt hat Es war eine vortreffliche Rede, und wir hätten uns beglückwünschen können, wenn wir sie vor fünf Jahren gehört hatten. Heute aber hören wir aus dieser Rede nur jenen einen Satz heraus, der geeignet ist, eine neuerliche eiserne Barrikade zu werden auf unserem Wege zur neuen politischen Orientierung: ״wie können wir jemals erwarten,“ lautet dieser Satz, ״in gute Beziehungen zu den englischen Beamten zu kommen, wenn wir nicht mir ihre Handlungen, sondern auch ihre Intentionen kritisieren!“ Wohl dem, der heute noch an verantwortlicher Stelle stehen kann, ohne sich Sorgen zu machen über die ״Intentionen“ der englischen Beamten! Wohl dem, der noch den unerschütterlichen Kinderglauben besitzt an die Reinheit dieser Intentionen. Sorglos kann er sich ganz auf das Bemühen konzentrieren, gute Beziehungen zu englischen Beamten herzustellen, deren Liebenswürdigkeit und Verbindlichkeit durchaus nicht so schwer zu erobern sind. So müssen andere warnen vor den Gefahren einer Atmosphäre, In der das Cachieren und die Leichtgläubigkeit, Selbsttäuschung und Illusionen am üppigsten wuchern: der Atmosphäre der Liebens-!Würdigkeit und Verbindlichkeit! Hyams. )lllllllllllllll)lllllllllllllllll)lll1n1llllllllllllllllll1;l|lllllllll[lllllllllllllllllllllillllllllllll1n1MIIIIIIHII!lll1n1ll1n1llllllllllllllllli]|llllll1IIIIIIIIIIIHI1n1|lill;llllllll|l lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllinillllllllllllllllllllllllllllllllllllliM Ortsgruppen Danzig. Die Keren Hajessod-Aktion in Danzig wurde persönlich durch den Direktor des Keren Hajessod, Herrn Dr. Arthur Hantkc, mit einem Vortrag im großen Saal des Danziger Hofs über ״Weltwirtschaftskrise und Zionismus“ eröffnet. Am Tage vorher veranstaltete die Zionistische Organisation zu Ehren Dr. Hantkcs einen Empfangstee, der lebhaftes Interesse fand. Zur Unterstützung der Arbeit hat das Keren Hajessod-Direkforium Herrn Rabbiner Dr. Kontorszczyk (früher Umann) nach Danzig entsandt, der mit großem Erfolg seiner Tätigkeit obliegt. Wir können jetzt schon konstatieren, daß das Ergebnis der diesjährigen Aktion, trotzdem die fitianzielle Lage in Danzig sicherlich nicht besser ist als anderswo, mindestens denselben, wahrscheinlich einen höheren Betrag ergeben wird als im vorigen Jahre. Es zeigt sich, daß gerade die Unsicherheit der politischen und wirtschaftlichen Lage im Galuth das Interesse für den Aufbau Palästinas verstärkt hat, und daß noch viel mehr wie früher die Zionisten ihre Pflicht zur Unterstützung des Keren Hajessod einsehen. Auf die Gewmnung der sogenannten Neutralen, in Wirklichkeit aber Volksfeindlichen Kreise, legen wir in Danzig wenig Wert, da die Wirkung in keinem Verhältnis zur geleisteten Arbeit stehen Würde und wir mit denselben Kräften mehr Positives erreichen, wenn wir das Pflichtgefühl unserer Gesinnungsgenossen erwecken. Köln. Am Sonnabend, dem 21. November, abends 8</1 Uhr, findet im Kongreßsaal des Messegebäudes (Eingang Presseturm) in Köln eine große Kundgebung zu Ehren von Dr. W e i z ־ manu statt. Karten sind im Vorverkauf erhältlich an der Theaterkasse der Leonhard Tietz A.-G., Köln, Hohestraße, und im Büro der Kölner Zionistischen Vereinigung, Marzellenstraße .11/111, Zimmer 15/16, zum. Preise von M, 0,50, 1,— und 1,50, für Jugendliche M. 0,30. An der Abendkasse gelangen nur Karten zu M. 1,— und 1,50 zum Verkauf. Frankfurt a. M. Dr. Walter Fische! (Jerusalem) bcrichtete am 23. September über eine Reise durch den jüdischen Orient Jerusalem—Bagdad—Teheran bezeichneten die Hauptetappen dieser Reise, über die der Referent aus gründlicher Anschauung viel Interessantes zu erzählen wußte. Der starke Beifall ließ den Wunsch der Zuhörerschaft erkennen, öfters solche sachkundigen Informationen zu erhalten. — Zu einer imposanten Kundgebung wurde der öffentliche Vortrag Dr. Schmarja L e v i n s (Tel-Awiw) am 17. Oktober im Zoologischen Garten. Die Fülle der Gedanken, die Tiefe seiner Ausführungen, die das Thema ״Schicksalsfragen der Juden“ philosophisch unterbauten, das faszinierende Temperament, mit dem Levin die Konsequenzen seiner Ansprache verfolgte, übte auf das roße Publikum eine hinreißende Wirkung aus. Jüdische roblematik und jüdische Vitalität wurde durch die Interpretation des Redners zum Erlebnis. Kurt Blumen leid ergänzte durch eine gründliche Analyse unserer konkreten Situation den Vortrag Levins. — Am 28. Oktober folgte ein wissenschaftliches Referat von Dr. Gottfried Frankel über ״Die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Besiedlung Palästinas“. Der Vortrag brachte viel Wissenswertes. Dadurch, daß ein Fachmann es übermittelte, verlor der Abend nie an Spannung. — Dr. Adolf Friede mann (Amsterdam) hielt am 5. November einen Lichtbildervortrag. ״Die Herkunft des jüdischen Volkes und sein Typus im Wandel der Zeiten“ wurde einem größeren Publikum mit wissenschaftlicher Akribie erklärt. Daß es dabei zur Berichtigung mancher festverwurzelten Irrtümer der populären Rasse-Anschauungen kam, machte Friedemanns Ausführungen besonders interessant. Ph. R. Zorn ersten indischen Sehwimmfest In Berlin Am kommenden Sonntag, dem 22. November, ab 5 Uhr nachmittags, tritt die junge Schwimtn-Abteilung des Jüdischen Turn- und Sport-Club Bar Kochba-Hakoah E. V. im Stadtbad Neukölln, Ganghoferstr. 3 (U-Bahn Rathaus Neukölln), zum ersten Male mit einer Wettkampf-Veranstaltung vor die breitere jüdische Öffentlichkeit Berlins. Es sollen die Meisterschaften des Gesamt-Clubs ausgetragen werden, als Auftakt zu dem Anfang nächsten Jahres in Leipzig in großem Rahmen stattfindenden Schwimmfeste des deutschen Kreises 1m Makkabi-Weltverband. Rahmenkämpfe, Schauspringen und eine Lagenstaffel der Sch wimm-Abteilung Berlin gegen diejenige des Bar Kochba Leipzig werden reichliche Abwechslung bieten. Darüber hinaus werden spannende Schwimm-Staffelkampfe zwischen den Abteilungen anderer Disziplinen des Clubs, wie Turnen, Handball, Hokey, Fußball und Leichtathletik das allgemeine Interesse beanspruchen. Die Sch wimm-Abteilung das Bar Kochba hat es sich zur Aufgabe gemacht, in Berlin und ganz Deutschland das Interesse für den Schwimmsport in der Judenheit zu wecken und zu verbreiten. Gerade vor wenigen Tagen bei einem großen Internationalen Meeting in Wien zeigten die jüdischen Schwimmer aus der Tschechoslowakei und Oesterreich ihr Können: 14 jüdische Siege, darunter ein neuer tschechischer Landesrekord und eine Anzahl Plazierungen bei 2 Tage ausverkauftem Haasll... Und wo bleiben wir in Deutschland? Jeder Sportinteressent komme am Sonntag zum Schwimmfest und schließe sich den Reihen des Bar Kochba an! Karl Meyer. Ans den Gemeinden Hagen. Der Ostjudenverband bat in einem Gesuch den Vorstand der Jüdischen Gemeinde um Einführung des gleichen, geheimen Verhältniswahlrechts für Männer una Frauen ohne Karenzzeit und Zensus. Der liberale Vorstand beschloß, das sachliche Gesuch, das er als Anmaßung bezeichnete, unbeantwortet zu lassen und ließ sogleich Wahlen für Dezember ausschreiben, um sicher zu sein, daß nach dem alten ungerechten System gewählt und die liberale Alleinherrschaft nicht erschüttert werde. Duisburg. Vorstand und Gemeindevertretung der Jüdischen Gemeinde Duisburg nahmen in der Sitzung vom 17. November folgenden Beschluß einstimmig an: Die Jüdische Gemeinde Duisburg erhebt Protest gegen den Judengesetzentwurf des preußischen Kultusministeriums. Der Entwurf läßt den auf dem Verbandstag des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden im Jahre 1928 mit seltener Einmütigkeit beschlössenen Gesetzesvorschlag völlig unbeachtet. Er nimmt dem preu- Bischen Judentum die Rechtsposition, die es nach dem Gesetz von 1847 84 Jahre lang innehatte, mißachtet die konstante Verwaltungspraxis vieler Jahrzehnte, zerstört die Einheitsgemeinde durch schrankenlose Zulassung von Sondergemeinden, legt die Möglichkeit des Einzelaustrittes aus der Gemeinde fest, verstößt gegen den Grundsatz des allgemeinen Wahlrechts, läßt die Entrechtung von Juden zu, insbesondere von ausländischen Juden, verstößt also gegen das jüdische Religionsgesetz, auf das der Minister des Innern in seinem Erlaß vom Jahre 1919 ausdrücklich Rücksicht nahm, greift in das Selbstbestimmungsrecht der Gemeinde willkürlich ein, z. B. auch durch Einweisung des Rabbiners in den Gemeindevorstand und durch das Erfordernis der Reichsangehörigkeit des Rabbiners, ermöglicht Karenzzeit und Wahlalter in unbegrenztem Ausmaß, und benachteiligt die Juden gegenüber den christlichen Kirchengemeinden. Die jüdische Gemeinde Duisburg hofft, daß es den vereinten Bemühungen der preußischen Judenheit gelingen wird, diesen für ihre Zukunft gefährlichen Entwurf zu Fall zu bringen, der, Gesetz geworden, viele Jahrzehnte hindurch das Schicksal der preußischen Judengemeinden bestimmen würde. Palestine Land Development Co. Am 25. Oktober fand die jährliche Generalversammlung der Palestine Land Development Co., Ltd., In ihrem Jerusalemer Büro statt Dr. Thon, der Managing Director der Gesellschaft, erstattete den Bericht über die Tätigkeit der Gesellschaft im Jahre 1930, gab Erklärungen zu der Jahresbilanz und beantwortete verschiedene Fragen der Anwesenden. Nach Genehmigung des Berichtes und der Bilanz wurde auf Antrag des Herrn Hoofien, Direktor der Anglo Palestine Bank Ltd., und des Dr. W. Senator, Schatzmeister der Jewish Agency iür Palästina und Governor der Gesellschaff, beschlossen, die Gewinne von 1930 und den vorausgehenden Jahren auf das Gewinn- und Verlustkonto von 1931 zu übertragen. Die frühere Leitung wurde wiedergewählt. Brit Iwrit Olamit Wir erhalten folgenden Bericht: Die Gründung der Brit Iwrit damit fand in al en Lindem der Diaspora und in Erez Israel einen lebhaften Widerhall. In der verhältnismäßig kurzen Zeit sind bereits in 20 Ländern, wie Palästina, Polen, Litauen, Frankreich, England, Belgien, Bulgarien, Oesterreich u. a. ״S n i f i m (Abteilungen) der Brit Iwrit Oiamit ins Leben gerufen worden. Im Aufträge des Z.-K. der Brit Iwrit Oiamit weilte der hebräische Dich.er J. Lamdan (Tel-Awiw) einen Monat in Litauen, wo er zusammen mit den örtlichen Freunden alle Vorbereitungen zur Gründung des Sn if in Litauen traf. Die letzte Tarbut-Konlerenz in Li lauen, bei der 212 Delegierte — von denen Vs auf die Jugendorganisation en entfiel — anwesend waren, faßte den einstimmigen Beschluß, die Organisation Tarbut als Snif der Brit Iwrit Oiamit zu erklären und sofort mit der Sela-Aktion zu beginnen. Demnächst begibt sich das Mitglied des Z.-K. der Brit Iwrit Oiamit Herr Dr. M. So 1 o we i ts c h i k , für einige Zeit nach Liiu״״, Um die Chawerim in ihrer Aktion zu unterstützen. Auch die 4. Landeskonferenz der Tarbut in P o 1 e n , a!1 der sich das Mitglied des Z.-K. der Brit Iwrit Oiamit Herr Dr. M. Pi n e5 beteiligte, faßte eine ähnliche Resolution über die Umwand'ung der Tarbut in einen Snif der Brit Iwrit Oiamit. Die Sela- Aktion mußte jedoch hier aus lokalen Gründen auf den. Mq-.mt Dezember verschoben werden. In Deutschland wird die Arbeit der Brit Iwrit Oiamit vorläufig vom Sekretariat der Brit Iwrit Oiamit, dem Beth-Am, dem hebräischen J’mendrat und einiger Jugendorganirationen ( ri. Trunpeldor, Zei e Misrachi, KIud junger Zionisten u. a. 1 ge. uh t. Eswu den einige öffenticlie Versammlungen abgehalten, ein hebräischer und deutscher Aufruf verteilt, etwa 2030 Selaim ge'angten zur Verbreitung. Am 31. Oktober fand eine große Jugendversammlung, veransta ־ tet vom ״Rat für hebräische Arbeit unter der Jugend“ statt. Es sprachen die Herren N. Lewin, Dr. Soloweitschik, Dr. Torczvner, Dr. Rawidowicz, Dr. Heller, die auf die Bedeutung der Brit Iwrit Oiamit für die Erhaltung der hebräischen Kultur und Sprache im Oaluth und Erez Israel hinwiesen. — Demnächst findet die Gründungsversammlung des Berliner Snit der Brit Iwrit Oiamit statt. Auch in einigen großen Provinzstädten Deutschlands sind auf Initiative von einzelnen Chawerim Sniiim entstanden und mit der Sela-Alctlon begonnen worden, wie Hamburg, Essen, Erfurt, Saarbrücken, Insterburg u. a. Au! Einladung der Breslauer Freunde besuchte Dr. Rawidowicz Bres au, wo auch ein Snif begründet wurde. Besonders hervorzuheben ist die tatkräftige Unterstützung die die Brit Iwrit Oiamit seitens der Z. V. f. D. erfährt. Die Z. V. f. D. versandte kürzlich ein Rundschreiben an alle zionistischen Ortsgruppen mit der Aufforderung, die Aktion der Brit Iwrit Urania zu unterstützen.