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Jüdische Rundschau · 1931-11-20 · Heft 90 (20.11.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 90 (20.11.1931)
Date
1931-11-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette «3? Nr. ÖO, 20. XL 1031 JÜDISCHE RUNDSCHAU um 3- 4 ״ft g e s u 0 k en>). 'Es liegt somit auf der Hand, daß der Handel uberfüllt ist, daß auch abgesehen von Kollektivisnius und Sozialismus die deutschen Juden neue Wege suchen m ü s s e 11, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. F.s nützt nichts, sieh cinznreden, im Lvbensmittdhandc.! könnten die in der Beklciduugsbraiiclie überflüssig gewordenen Juden Unterkunft finden; im Gegenteil, im Lebensmittdhandel bieten sich vielleicht noch weniger Möglichkeiten für Juden, da er sehr zersplittert ist, vielfach in Erauenhänden liegt, mit ganz, geringem Kapital geführt werden kann und deshalb eine schärfere Konkurrenzfähigkeit verlangt; zum Lebensmittelhaudel greifen alle; der Kriegsinva'.ide, der heruntergekommene Klein- und Miftrlbürgcr, der vorübergehend Arbeitslose usw. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts hat das deutsche Bürgerbim angefntigon schnell aufzusteigen und neben dem Adel die Führung im kulturellen und politischen Leben zu übernehmen; diese Epoche war sicher die glücklichste für die deutschen Juden. Die Interessen der deutschen Juden waren zu jener Zeit hundertprozentig mit den Interessen und Bc- Strebungen des aufsteigenden Bürgertunis 1111 Einklang. Obwohl die liberalem Prinzipien niemals im vollen Mab!' verwirklich( wurden und drj Judo vielfach in seiner Bewegung«:- freihe.it gehemmt und nicht in der Lage war, voll die neuen Gesellschaftsformen und Staatseinrirhtungcn zu genießen, so spielten die Juden doch eine große Rolle in der kajiitalistisehen Gesellschaft und trugen nicht wenig zu deren schnellen Entwicklung bei. Ganz anders Hegen die Verhältnisse heute, im Zeitalter des Niederganges des Bürgertums. Die berufliche und soziale Gliederung des deutschen Judentums hat sich zwar während der letzten hundert Jahre bedeutend geändert, doch werden die Juden in weit höherem Maße als die Nichtjuden von Kollektivierungsinaßnahmen betroffen. Wenn wir alle Eigentümer und Inhaber, die ihrer sozialen Stellung nach gegen Kollektivierungstendenzen sein müssen, zusammenrechnen, so ergibt sich nach der Zählung von 1925 für Preußen eine Ziffer von 14,8 ״ft aller nicht jüateeben und 14,0 V aller jüdischen Erwerbstätigen (der Prozentsatz bezieht sich auf die Gesamtzahl ausschließlich der Personen ohne Beruf und Berufsangabe), also für die Juden das Dreifache gegenüber den Nichtjuden. Es wäre aber verfehlt, sämtliche Eigentümer und Inhaber zu den Gegnern der kollektivistischen Tendenzen zu rechnen; die ganz armen Bauern-) und Handwerker, die zusammen über die Hälfte sämtlicher Eigentümer und Inhaber ausmachen, sind eine Masse, die entweder durch Spaltung ihrer Kräfte auf beide Lager sich verteilt oder aber die radikalen nationalistisch-sozialistischen Bewegungen unterstützt, was für die jüdische Bourgeoisie auch sozial viel größere Gefahren in sich birgt als die sozialistische Bewegung der organisierten Arbeiterklasse des Industrieprolclariats. Wie gesagt, ist auch das Judentum im 19. Jahrhundert differenziert worden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Juden zu 70—75 % im Handel beschäftigt. Nur 12 bis 15 <>4» im Handwerk; 8—10״/« in häuslichen Diensten; auf die Landwirtschaft, die freien Berufe und das Beamtentum entfielen insgesamt nur 2—3 "ft aller erwerbstätigen Juden. Heute sind in Industrie und Handwerk die preußischen Juden mit beinahe 26 ״ft ihrer erwerbstätigen Zahl (ausschließlich der Gruppe ohne Beruf und Berufsangabe) vertreten, in der Landwirtschaft mit ca. 2 0',״, in den freien Berufen und uti Beamtentum mit ca. 6 ״/»; und doch sind noch ganze 58 ״ft des preußischen Judentums im Handel (ausschließlich Verkehr) beschäftigt, wälirend die Nichtjuden mit nur 12 ״ft ihrer erwerbstätigen Zahl i» Händel vertreten sind, fast fünfmal weniger. Von je 100 in Preußen im Handel Beschäftigter waren Eigentümer; bei Juden 51,8 und bei Nichtjuden 21,2. Die Arbeiter und Angestellten im Handel machen bei Nichtjuden ganze 70,0 ft« aus, die faktische oder potentielle Wassenkämpler sind, bei Juden aber nur 37,4 ״ft, also nur die Hälfte. Noch krasser sind die Verhältnisse in Industrie und Handwerk, wo von je 100 Beschäftigten Eigentümer waren: bei den Juden 35J) ״/o; bei den Nichtjuaen nur 10,4 ״ft; die Arbeiter und Angestellten machen hier 53,2 ״ft der jüdischen und 85,9 ״/o der nichtjüdischen Beschäftigten aus. Es darf auch nicht außer acht gelassen werden, daß bei Juden sowohl im Handel als auch in der Industrie die Angestellten, während bei Nichtjuden die Arbeiter überwiegen; auch sind die Angestellten in der Industrie bei Juden zu 90 ״ft kaufmännisch es Personal, keine technisch gebildeten Angestellten, wah* rend die kaufmännischen Angestellten bei Nichtjuden nur 62 «ft sämtlicher in der Industrie beschäftigten Angestellten ausmachen. Auch die Juden sind heute eine Hassendifferenzje'rte Gemeinschaft, auch bei Juden sind die proletarischen Elemente, die Lohnempfänger, bereits ziemlich stark vertreten, sie machen 45 ״/o der Gesamtzahl aus (33,8 ״/״ Angestellte, 8,4 «ft Arbeiter, 2,0 «ft Hausangestellte, 0,8 ״ft Heimarbeiter). Zusammen mit proletafisLerien Elementen aus den freien Berufen und den Handwerkern haben auch die deutschen Juden etwa 50 «ft Proletarier. Bedeutend größer ist aber der Prozentsatz der proletarischen Elemente bei der nirhtüdisehen Bevölkerung, wo die oben aufgezählten Gruppen in Preußen ganze 75 «ft der Gesamtzahl, unter der städtischen Bevölkerung (die eigentlich zum Vergleich mit den Juden herangezogen werden müßte) sogar 85 «ft ausmachen. Die Schlußfolgerungen aus diesen Ziffern sind klar: die Juden müssen für die Vergrößerung ihres Prozent- Satzes in der Industrie, .sowie für die Ueberfülirung einer möglichst größeren Zahl ruinierter selbständiger Existenzen in die Klasse der Arbeiter und Angestellten kämpfen. Es wäre zwecklos, an den Einzelnen heranzutreten und ihm den Rat geben, sich entweder produktivieren oder p r 0 1 e t a r i s i r re 11 zu lassen. Ein eigener Laden bietet noch immer einen größeren Reiz, als der Beruf eines Schlossers oder Technikers, dazu «och!11 abhängiger Stellung. Solange die geringste Möglichkeit besteht, den Laden äufrechtzuerhalten, wird sich das Individuum an ihn klammern, mit Wechseln und Darlehen, durch Preissenkung und maßlose Konkurrenz den Kampf für seine Existenz weiter fü 1הי1ז. Das Kollektivum muß aber tiefgreifender und weitsichtiger sein und ein Programm sozialer Politik im Einklang mit den historischen Entwick! 11 ,sfendenzen uisarfccilcn, das weite zukunftsreiche P e r s p e k t i v e!1 den Massen bieten soll. Wir leben in einer Uebergaiigsepoche. Der bürgerliche Staat greift immer mehr und mehr in das wirtschaftliche Leben ein, der ökonomische Liberalismus ist im Rückgang begriffen. Schon jetzt spielen die staatlichen und kommunalen Unternehmungen eine bedeutende Rolle ira Wirtschaftsleben, was von Jahr zu Jahr immer größere Ausdehnung gewinnt. Für Juden bietet diese Entwicklung besondere Gefahren, da sic vor der Revolution fast gar nicht im Staats Beamtentum vertreten waren, nach der Revolution auch nur ein paar höhere Beamtenstelien errungen haben, in die mittleren und unteren Beamtenreihen aber überhaupt nicht eingedniogen sind. Jede wirtschaftliche Maßnahme der Regierung, sei es Einkauf von Kaffee jn Brasilien oder von Weizen in den ') Vgl. 1. Deutsche Wirtschaftskimde, Berlin 1930; 2. Prof. Dr. Friedrich Dessauer, Preise und Löhne, im ״Der Heimatdienst‘1, Sondernummer, Berlin 1930, S. 5. -) Wirtschaften mit weniger als zwei Hektar Boden machten in Deutschland in 1923 59,5 «ft der landwirtschaftlichen Betriebe überhaupt aus, die aber nur 6,2 «ft der landwirtschaft* liehen Fläche umfaßten. Vereinigten Staaten, sei es die Einführung der Baaken- Icon trolle, wird am schärfsten die Juden treffen, die aber von den zur Durchführung solcher Maßnahmen gebildeten Staats- Organen keine Linderung ihrer schweren Lage zu erhoffen haben. . Nehmen wir au diejenigen Elemente, die iro Staats- .oder Kommunaldicjist sind, so ergibt sich, daß cs in Preußen 1925 auf 100 erwerbstätige Nichtjuden 7,8, auf 100 erwerbstätige Juden aber nur 2,9 solcher Elemente gab. Diese Elemente werden in weif geringerem Maße von Wirtschaft *idien Krisen betroffen, sind im vergleich mit den Lohnempfängern der Privatwirtschaft besser gestellt und gegen Alter und Krankheit besser gesichert; sie finden sich aber bet den Juden last dreimal weniger als bei den Nicht juden. Da׳ Prozentsatz, der in staatlichem und kommunalem Dienst Beschäftigten hat sieb in Preußen von 1907—1925 fast verdoonel‘. von 3 8 <■״ ist er auf 7,8 "ft der Gesamtzahl der Erwerbstätigen gestiegen, während er bei Juden nur eine geringe Zunahme ־• von 2,5 'ft aut 2,9 ״י״ - erfahren hat. Die Juden machen von der Bevöikerung Preußens 1 ״ft aus, in der Gruppe der vom Staat und den Kommunen Beschäftigten aber beträgt ihr Anteil nur 0.33 «0, dreimal weniger; clabei sind sie nur unter den höheren Beamten mehr oder weniger ansehnlich vertreten: von 100 höheren Beamten sind in Preußen 1925 2,34 luden gezählt worden, unter den mittleren und unteren Beamten ist ihr Anteil verschwindend ״eri•־!יי' :׳־׳ I '07 auf je I09 jeder Kategorie. Von den einzelnen Beamtengruppen entspricht nur in zweien der Anteil der Juden ihrem Anteil an der Bevölkerung, in allen anderen sind die Juden äußerst schwach vertreten: in der öffentlichen Krankenpflege machen die Juden 1,2"/״ der Gesamtzahl aus, 1'n der Gruppe Bildung, Erziehung und Unterricht 0,9 ״<>, in der Verwaltung und unter den Justizbcamtcn 0.4«/״, in Post- und '1' ״ --.rohenwesen (ohne Arbeiter) 0,09״,״, im Eisenbahn dienst (ausschließlich Arbeiter) 0,94"'0 usw. Zu den oben aufgeführfen zwei Parolen der Produktivier u t! g und Proletarisierung gesellt sich also eine dritte: Kampf für Rechte auf einen Platz im Beamtentum, besonders in seinen mittleren und unteren Schichten. Dieser Kampf muß vielleicht nicht nur nach außen hin, sondern auch in unseren eigenen Reihen geführt werden, denn nur wenige Juden sind sich dessen bewußt, daß z. B. die Stelle eines Postbeamten, wenn er auch zur niedrigsten Gehalteklasse gehört, viel beständiger und sicherer ist, als der Handel mit alten Kleidern oder das Hausieren. Wir sind natürlich weit davon entfernt, dieses bedeuterigsvolle und schwierige Thema hier ausschöpfen zu wollen. Uns liegt: hauptsächlich an der Au'klärung der öffentlichen Meinung, daß es falsch wäre, die Lösung der jüdischer! wir♦- schaftlichen Krise in einem von der allgemeinen Entwicklung isolierten Mittel zu suchen. Nicht durch Aufrechterhaltung der jüdischen Sonderstellung, nicht durch Verschiebung der Kräfte von einem Handelszweig in den anderen, sondern durch Eingliederung in die Grunpen und Klassen, denen die Zukunft der modernen Wirtschaftliehen Entwicklung gehört, kann der jüdischen Bevölkerung Deutschlands für die Dauer geholfen werden. Preußischer Landesverband Sitzung de» Wirtschaftsausschusses Am 14. November, abends, trat in Berlin der Wirtseb a f tsaussch u ß des Preußischen Landesverbandes jüdische'׳• Gemeinden unter Zuziehung von Vertretern besonders interessierter Organisationen zusammen. ׳ Tuntdhsi.. würde lief handelt ״Der Plan einer Wirtschaftsberatung der jüdischen 06meinden“ auf Grand eines Exposd der ״Arbeitsgemeinschaft für Wirtschaftsberatung und Organisation“ (Dr. Halberstädter, Kristeller). Die Vorschläge gellen auf Schaffung einer mit dem Verbände lose verbundenen Stelle, die die E tat - und Wirtschaftsgebarung von Gemeinden und Geineindeverblnden normen und rationalisieren und dem Austausch von Erfahrungen dienen soll, ähnlich den entsprechenden Einrichtungen des deutschen Städtetages. Nach einer längeren Debatte, in deren Verlauf Dir. Kleemann, Prof. Hirsch, Frl. Weinreich, Alfred Berger u. a. sprachen, überweist der Ausschuß die Vorlage mit dem Eroose dem Rat als Material. — ״Die Teilnahme von Juden au den Bestebungen für nebenberufliche Siedlung“ behandelt Dr. Lao Löwensteiu, der Vorsitzende des Retehsbundes Jüd- Frontsoldaten, als Referent. Adler-Rudel führt dazu aus, unter den jetzigen Verhälttiissen sei* unter keinen Umständen an Volleraänrung durch Kleinsiedlung zu denken, andererseits aber Ausstoßung der Siedler ans der allgemeinen Arbeitslosenhilfe zu besorgen; Auf Vorschlag des Vorsitzenden emnfiehlt der Ausschuß die Bctrauung des ReJchsbundcs für jüdische Siedlung mit den Arbeiten einer Zentralstelle auch für nebenberufliche Siedlung und delegiert als seine Vertreter hierfür die Herren Adler-Rudel (Zionist), Gutheim und Wovda (Hb.). ״Die Schaffung eines Wirtschaftsinstituts bei der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden“ ist nach Mitteilung des Referenten Dr. Kreutzberger noch in der Schwebe. Die neue Stell« soll nicht nur wissenschaftlrb arbeiten, sondern alsbald praktische Ergebnisse zeitigen. Die Debatte ergibt gewisse Konipetenzknnflikte zwischen Landesverband und Zcntralwohlfahrtsstelle, die dann von Woyda und Dr. Ollendorf ausgeglichen werde!!. Die Weiterberatung wird nach Bemerkungen von Prof. Hirsch vertagt, mit der Maßgabe,, daß diesem Gegenstände eine S o n d e r s i t zu 11 g mit Referaten von Prof. Hirsch und Dr. Marcus gewidmet sein soll. Ucber ״Ausbau des Darieh ns Lassen w e s e n s“ referiert Dr. Kreutzberger und teilt mit, daß aussichtsreiche Verhandlungen mit Dr. Bernhard Kahn als Vertreter der ״Foundation“, einem gemeinsamen Werk von Joint und JCA.. schvebeu. Es sind bereits Normalstatuten für alle drei möglichen Formen (Genossenschaft, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, eingetr. Verein) entworfen. Es entspinnt sich eine Debatte über die ßetätigimgsmöglichkeiten derartiger Darlehenskassen. Hierbei wünscht Berger auch Beleihung von Wertpapieren und ähnliche Lombardgeschäfte- Wenn man nur wenig unter den bei solchen Gesdiäften üblichen Zinssatz von 45 bis 48«ft heruntergehe, so diene man schon erheblich dem jüdischen Mittelstand, und wenn die Pfänder versteigert werden müßten, so würden unsere Maßnahmen sich doch nie so rigoros auswirken, wie die der ausschließlich Gewinnzwecken dienenden Unternehmen. Für den ״Reichsbund für jüdische Siedlung“ begründet Dr. Elkeles ein Gesuch um eine Subvention von 4000 Mark. Der Ausschuß bittet einmütig den Ra*, die erbetene Subvention von 4000 Mark zu gewähren. Ueber die Verhandlungen betreffond die Jüdische uartenhauscbule in Ahlem (Hannover) bcrichtet woyda- Der Etat weist jedes Jahr ein größeres Defizit auf. Dies zwingt zu sofortiger Sanierung- Geplant und durchfiihrhar ist, daß noch 50 Kinder ohne erhebliche Kosfenerhöhung Aufnahme finden, und daß Ahlem mit einem größeren jüdischen Waisenhaus in der Provinz vereinigt werde. Die Verhandlungen schweben noch. Bei seiner Rückkehr aus London hat Herr J. Weizmann, der Direktor der Palestine Plantations Ltd., mitgeteilt, daß wahrend des Jahres weitere 300 Du na in in Tel Mond mit Orangen bepflanzt werde!» sollen. Das Irak •*Mandat Vor der Vereinigung Iraks mit Syrien? Die Permanente Mandatekommtesion des Völkerbundes hat nunmehr ihren Bericht an den Vöikerbandsrat betreffend die Beendigung des Irak -Mandates fortigge&tellt- Auf die Frage der Reife des Irak zur Selbständigkeit gibt die Kommissioa keine eindeutige Antwort; sie sagt nur, daß der Berieht der Mandatarmacht nicht« enthält, was als Hindernis der Unabhängigkeitserklärung angesehen werden könnte. Die Mandatskommission überläßt also dem Völkerbundarate die Entscheidung. Was den Schutz der Minderheiten betrifft, der als ein Huuptargument gegen die Beendigung des Mandates benützt, worden ist, wird erklärt, daß Irak eine VerpOichlimgserlclärirag wird unterschreibe« müssen, die etwa den Minderheitsschutz-'Verträgen anderer Staaten entspricht. Die Frage der Gleichberechtigung der Völkerbundsmfichte »oll durch die Einführung der ׳Meistbegünstigung»- k lausei geregelt werden. Die Kommission betont, daß dm׳ Vertragsentwurf zwischen Großbritannien und Irak gewisse ״ungewöhnliche“ Bestimmungen enthält, die jedoch mit Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse im Irak hingenotnmen werden können. Diese Bemerkungen beziehen sich walirsehemlieh auf die im Vordergrund des Interesses stehende Petroleumfrage. Die Nachrichten über die angeblich geplante Vereinigung von Irak und Syrien «ater der Herrschaft des Königs FcisaJ verstummen nicht. Bekanntlich ist, wie die ,Jüd. Rundschau“ seinerzeit, berichtet bat, dieses Projekt zum ersten Male während Feisals Besuch in Jerusalem durch eine ״private“ Aeußerung des irakischen Finanzministers ans Licht gekommen. Nun wird behauptet, daß Frankreich bereit» diesem Plan zu ge stimmt habe- Da der Hochkommissar von tiyricn, Ponsof, vor zwei Tagen von Paris nach Beiruth zurückgekehrt ist, wird man vielleicht schon in nächster Zeit authentische Erklärungen erhalten, da nach der Rückkehr Ponsots die syrische Verfasst!ngsfragc wieder akut wird. Es heißt, daß die Franzosen nur den Libanon, der schon in türkischer Zeit wegen seiner vorwiegend christlichen Bevölkerung eine Sonder- Stellung hatte, aus dem neuen großarabischen Reiche herauslösen wollen. Ueber das künftige Schicksal Transjord a n i e n 5 hört man nichts; sollte der Plan dos Fei&al- Reiche« verwirklicht werden, würde Transjordanicn eine Art. Pufferstaat zwischen Palästina und diesem großen Königreich bilden. Die Aufhebung der beiden A-Mandate, Syrien und Irak, und die Schaffung eines so großen, unabhängigen und auch im Völkerbund vertretenen arabischen Reiches au Palästina« Grenzen würde eine neue Situation schaffen, die zum Anstoß einer Neugestaltung der Beziehungendes Jüdischen Nationalheims zur arabischen Welt werden könnte. Dio zionistische Politik müßte jedenfalls jetzt sehr aktiv sein. Ihr Streben muß darauf gerichtet sein, bei dieser Gelegenheit alte hemmende Konflikte zu beseitigen und dem jüdischen Betätignagsbedürfn!s neue Möglichkeiten und Räume auf der Basis politischen Einvernehmens zu eröffnen. Die Mordaüalre SlaM-Sohar Jerusalem, 16- November. (J. T. A.) Unter der 86• scbuidiguBg der Mittäterschaft bei der Ermordung des jungen deutschen Zionisten Stahl und seiner Begleiterin Salia Söhar wurden außer den bereite am Freitag verhafteten fünf Bed ui neu noch weitere vier Araber f estgenommen. Zu den Verhafteten gehört auch der Effendi, der den Freunden der Ermordeten mitteilte, er sd gegen eine Belohnung von 200 Pfund bereit, die Mörder zu nennen und die Mordsteile zu zeigen. Der Effendi steht im Verdacht der Mittäterschaft, Die Summe von 200 Pfund wurde von der Jewish Agency und dem Waad Leumi je zur Hälfte geleistet. Die jewish Agency hatte a.tii der Polizei die von derselben ausgesetzte Prämie für Ermittlung der Täter in Habe von 20 Pfund zur Verfügung gestellt Die hebräisene Presse Palästinas stellt mit Recht die Frag«, warum diese Prämien von jüdischer Seite zur Verfügung gestellt werden mußten. Der Korrespondent der Londoner ״Time s‘‘ telegraphiert seinen* Blatte, daß sich des palästinensischen Judentums infolge der , Aufdeckung dieser Mordtat große Trauer und Erregung bemächtigt. habe, die die aa״ebahnte Beruhigung im Lande wieder in Frage zu stellen droht. Nacham Gerne! ln der Nacht zum 18• November starb in Berlin plötzlich der Schriftsteller Nachum Gcrgel ira Alter von 44 Jahren. Ger'gel war in russisch-jüdischen und jiddischistischen Kreisen Berlins eine bekannte und beliebte Figur, iro alten Rußland gehörte er der Partei der S. S. (Territorialisten) an und war ein eifriger Vorkämpfer der nationalen Rechte des Judentums und der jiddischen Kulturbewegung. In Berlin war Gcrgel mit allen Organisationen und Bestrebungen verbunden, die auf eine soziale Gesundung, Produ! tivierang und nallona'.-kulfür eile Entfaltung des jüdischen Volkes gerichtet sind. Gergel war ein besonders guter Kenner der jüdischen Verhältnisse in Rußland und hat seit vielen Jahren in der jüdischen Presse wertvolle Artikel über die sozial-ökonomische Situation des russischen Judentums veröffentlicht Auch die Entwiddung unter der bolscJ! ewistischcn Herrschaft verfolgte er sorgfaltig־ und sammelte das Material, das es ihm ermöglichte, ein objektives Bild der Lage zu geben. Auch in der ״Jütbsehen Rundschau“ ist Gergel gelegentlich hervor;;:Leien- Er ist auch Mitarbeiter des im Jüdischen Verlag erschienenen jüdischen Lexikon, wo er große Teile des Artikels ,,Rußland“ bearbeitet hat, sowie der Encyclopazdia Jadaiea des Verlages Eschkol. Kürzlich war Gergd in Amerika, um für den Gedanken einer jiddischen Encydopädie zu werben, mußte jedoch wegen Krankheit zurückkehren. Sein Ableben in so jungen Jahren ist ein schwerer Verlust nidit nur für die russischjüdisch« Gemeinde, sondern für das ganze nationale Judentum• Generalversammlung des ״Pardess“. Die Generalver&ammlang der palästinensischen Pflanzer-Genossenschaft ״Pardess“, an der 290 Mitglieder aus verschiedenen Orten teilnah men, fand Ende Oktober in Tel-Awiw unter dem Vorsitz von M. Smilansky statt. Herr Rokach, der Manager des ״Pardcss“, gab einen eingehenden Bericht über die Tätigkeit der Gesellschaft. Die ״Paraess“-Gesellschaft hat im vorigen Jahr 480 000 Kisten Orangen exportiert und Rekordpreise in Europa erzielt. Die Versammlung bewilligte £ 3000 für den Reservefonds und faßte eine Resolution zugunsten der Aufnahme neuer Mitglieder unter der Bedingung, daß sie sich zur Verpackung ihrer Früchte in den Backhäusern der Gesellschaft verpflichten,

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