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Jüdische Rundschau · 1931-11-13 · Heft 88 (13.11.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 88 (13.11.1931)
Date
1931-11-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 522 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. SS, 13. XL 1051 eigentlich Schuldigen die jüdischen Stu• d e n 1 e n sind, und man kann in vielen Organ«*, besonders in der Provinz, lesen, daß die Juden ״provoziert“ hätten. Im Anschluß an die Hochschul-Exzesse veranstalteten die Studeuten Versammlungen. Hierbei ergab sieh wieder das auffallende Verhalten der Polizei. Die Nationaldemokraten konnten sich ungestört versammeln und zu Demonstrationszügen. Zusammenschlüßen, während eine Versammlung der jüdischen Studenten in Warschau verboten wurde. ׳ Bei den Straßenexzessen wurden ähnlich wie auf dem Kurfürsten dämm in Berlin jüdisch.auteeheade Men* sehen attackiert. Hierbei sind den Antisemiten auch Nichtjuden zum Opfer gefallen. Sogar die Frau des Rektors der Warschauer Universität wurde attackiert. Die antisemitischen Studenten überfielen auch jüdische Geschäfte, schlugen im jüdischen Studentenheim die Fenster ein und standen bei nächtlichen Expeditionen in die Judengassen unter der Führüng eines polnischen Geistlichen. Anläßlich einer derartigen Demonstration verhaftete die Polizei u. a. auch einen polirischen Marineoffizier, der zu Judenpogromen aufforderte. An der Technischen Hochschule wurden 150 jüdische Studenten in einem Saale eingcschlossen und von den antisemitischen Studenten belagert. Erst als der jüdische Deputierte Sommer• stein bei der Regierung intervenierte, gelang es dieser mit Hilfe nationaldcmokratischer Führer, die studentischen Belagerer zum Abzug zu bewegen, so daß die 150 jüdischen Studenten nach sechsstündiger Einschließung im Hörsaal das Technikum verlassen konnten. Wie es in Polen landesüblich ist, wurden in Warschau aus der Straßenbahn jüdische Passagiere von Antisemiten hervorgezerrt und geschlagen. Während all dieser Ausschreitungen nahm die Polizei zahlreiche Verhaftungen vor, entließ aber die Sistierten nach kurzem Verhör, worauf diese ihre Hetztätigkeit fortsetzen konnten. Bei Schluß der Redaktion scheinen die Ausschreitungen an den polnischen Hochschulen abge flaut zu sein. Allerdings sind alle Lehrinstitute geschlossen und an der Warschauer Universität sollen generell die Inskriptionen aufs neue vorgenommen werden, innerhalb der jüdischen Studenten besteht die berechtigte Befürchtung, daß anläßlich der Neuinskriptioticn die Säuberungsaktion des Rektorates sich nicht gegen die antisemitischen Studenten, sondern gegen die jüdischen Aufnahmebewerber richten wird. Die Studenten-Exzesse an den polnischen Hochschulen sind die neuzeitliche Fortsetzung des mittelalterlichen Brauches in Polen, daß die Studenten der geistlichen Seminare, besonders der Jesuiten-Kollegien, für sich das ungeschriebene Recht in Anspruch nahmen, anläßlich der Semester-Eröffnungen die jüdische Bevölkerung zu überfallen und sie zu brandschatzen. Man nannte das ״Schülergeläufe״. Es war eine so- Zusagen anerkannte Institution. Die Juden mußten sich damals durch Gemeindeabgaben an die Rektoren der geistlichen Hochschulen los kaufen. Man fand das ganz in der Ordnung. Das Mittelalter steht heute wieder auf. ln der jüdischen Bevölkerung ganz Polens herrscht eine begreifliche Aufregung. Nicht nur, daß durch diese Exzesse die Situation der jüdischen Studenten in der Zukunft außerordentlich erschwert sein wird, nicht nur, daß der Numerus Nallus den jüdischen Lernbeflissenen droht, diese HorjiSchul- Ausschreitungen werden als der Anfang einer neuen antisem itischen Welle gedeutet, die sich gegen die Juden auf allen Gebieten des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens richten wird. Es ist leider vorauszusehen, daß sich der Kampf zwischen Pilsutlski-Regime und Opposition hauptsächlich auf Kosten der Juden abspielen wird. Es ist immer so gewesen, daß die Hauptgeschädigten bei derartigen innerpolitischen Auseinandersetzungen die jüdischen Existenzen gewesen sind. Die Ereignisse in Polen sind ein neuerlicher Beweis, wie unsicher die Position der polnischen Judenheit ist. Die Juden frage, die sich in der ganzen Welt in der letzten Zeit verschärft hat, nimmt in den einzelnen Ländern die landesüblichen Formen an. Ausgangspunkt ist aber in den letzten Jahren für die schrankenlose Judenhetze und die darauf einsetzende Verdrängung der Juden aus allen Betätigungsgebieten der akademische Boden gewesen. Und darum sind die Ereignisse an den polnischen Hochschulen nicht nur eine Frage der studierenden jüdischen Jugend, sondern sie bedeuten eine große Gefahr für die gesamte jüdische Bevölkerung• G.F.W. Hegel und das Judentum Einige Bemerkungen zum 100. Todestage des Philosophen (14. November 1931). Von Dr. Ernst Simon, Haifa. Wohl, keiner der großen Philosophen, auch Kant nicht, der sich doch von Markus Herz am besten verstanden, von Salomon Maimon am tiefsten kritisiert fühlte, hat so stark aut jüdische Denker oder doch auf Denker jüdischer Abstammung gewirkt wie Georg Friedrich Wilhelm Hegel, der Philosoph der im Dreitakt abrollenden, Natur und Geschichte in gleicher Weise logisch durchdringenden Dialektik, der Philosoph de? panlogistischen Vernunftstolzes, der erst in Napoleon die ״Weltseeie“ und dann, Vernunft der Wirklichkeit wie Wirklichkeit der Vernunft anpassend, im preußischen Staate der Reaktionszeit die Verwirklichung der absoluten Vernunft sah. Er starb, wie Schieiermacher, an der Februar-Revolution von 1830, mit der ihm sein Weltbild zusammenstürzte und von deren katastrophalen! Neubruch zu einer späteren, nicht mehr Hegdschen Epoche er sich nicht mehr erholen konnte• Wie hat dieser geistige Lehrer von Karl Marx, Heinrich Heine und Ferdinand Lassalle, von Friedrich Julius Stahl (trotz dessen späterer Gegnerschaft) und von Nachman Krochmaf, dem Führer der Verirrten seiner Zeit — wie hat er vom Judentum gedacht? Die erste Antwort gibt uns eine erst im Jahre 1907 von Hermann Nohl nach den Handschriften der Berliner Staatsbibliothek veröffentlichte Abhandlung ״Der Geist des Christentums und sein Schicksal“, die vermutlich 1795 oder 1796 ent« standen ist. Hier spricht noch der Theologe des Tübinger Stifts, der einerseits noch stark in den Begriffen seiner gelehrten Schule und seiner ersten Aufklärungsperiode befangen ist, dessen eigene spätere Begriffswelt sieh aber schon anzukündigen beginnt. Vor allem aber spricht hier — bei aller philosophischen Bedeutung dieser Fragmente — ein ganz naiver Antisemitismus, der den Geist des Judentums dem des Christentums als schwarze Folie entgegenhält- Hegel beginnt mit Abraham, den er mit Recht als den ersten Juden bezeichnet, wirft dann einen Blick auf die noachidischen Gebote zurück, stellt Nimrod — recht unkritisch, Quellenkritik war seiner symbolischen Sagenauffassung entsprechend niemals seine starke Seite — nach Josephus Altertümern I, I dar und beginnt, nach solcher Einleitung, auf Abrahams lieblosen Separatismus zu schelten. Austausduhidium an der hebräischen Universität Die nachstehende Mitteilung geht uns non Prof. Adolf Fr aenkel, Vorsitzendem dir GeisteimmemehaftUehen Fakultät der Universität Jerusalem, derteti in Kiel, zu. Wir glauben, daß die Anregung der größten Beachtung in Studentenkreisen wert ist. Red. Schon vor zwei Jahren ist von Dr. S. Ucko-Mannheim in der deutsch-jüdischen Öffentlichkeit (״J. R." vom 28. Januar 1930) angeregt worden, Maßnahmen zu ergreifen, die das Studium jüdischer Studenten aus Deutschland an der Hebräischen Universität in Jerusalem für ein oder einige Semester erleichtern könnten. Infolge der wirf■ schaftlichen Lage war es weder in Deutschland noch in Palästina möglich, praktische Maßnahmen in dieser Richtung zu ergreifen. Einzelne fanden dennoch ihren Weg; so haben allein auf dem verhältnismäßig entlegenen Gebiet der Mathematik im letzten Jahre drei Studenten aus Deutschland in Jerusalem gehört. Welche Bedeutung solche Studien Semester nicht nur Tür die Betreffenden und für die Hebräische Universität, sondern überhaupt für die Verknüpfung der deutschen Judenheit mit dem Land der Bibel und mit dem jüdischen Aufbauwerk besitzen, braucht wohl nicht näher auseinandergesetzt zu werden. Nebenbei würde sich auch für Plane, wie sie von H. Bein jüngst in Nr. 33 der ״J. R.“ erörtert wurden, dabei ganz von selbst mancherlei Förderung ergeben. Da* heute der Versuch, Geldmittel zur Erleichterung derartiger Studienabsichten aufzubringen, sich von selbst verbietet, hat eine neuerdings von Dr. Ucko gegebene Anregung viel für sich und ist auch in zuständigen Kreisen der Hebräischen Universität auf Veranlassung des Unterzeichneten lebhaft und in zustimmendem Sinn besprochen worden: Es gibt in Palästina nicht wenige Abiturienten und Studenten, die eine europäische Hochschule beziehen wollen (z. B. weil ihr Studienfach an der Jerusalemer Universität nicht oder unzureichend vertreten ist), und die deutschen Universitäten haben sieb (gleich denen in vielen anderen Ländern) solchen Studenten bereitwillig geöffnet. Auch dabei aber bereitet der Kostenpunkt eine große Schwierigkeit. Der Plan ist nun, einen Austausch au p air zwischen solchen Studenten und deutsch-jüdischen Studenten, die in Jeru• salem hören wollen, zu organisieren. Beide Teile würden dann, da Kost und Logis Wegfällen, außer kleinen Ausgaben (in Jerusalem genügen 10—20 RM. monatlich), den Visa- und Reise• kosten (Billet Norddeutschland—Jerusalem zirka 180 RM.) und den Studiengebühren (in Jerusalem minimal) keine unvermeidliehen Ausgaben haben; Unterrichtssprache ist Hebräisch. Wer nicht schon ein wenig (modernes oder klassisches) Hebräisch kann, muß 1—2 Monate vor Semesterbeginn i!1 Palästina sein. Das Sommersemester beginnt nach Peßach (1932 Anfang Mai), das Wintersemester Mitte Cheschwan (1932 Mitte November). Einstweilen kommen für Studenten, die keine Zeit für ihr Studium zu verlieren wünschen, in Jerusalem als Studienfächer nur die folgenden in Betracht: Judaistische Wissenschaften (alle Zweige), Arabistik, Philosophie, Mathematik, Chemie, Biologie, Parasitologie und Hygiene. lp vielen Fällen kann ein. Jeschibah• Studium damit verbunden werden. Einige andere Gebiete, z. B. klassische Philologie oder Geologie, werden zurzeit in kleinerem Maßstab betrieben. Betreffs Anrechnung von Jerusalemer Studiensemestern (für dort vollvertretene Fächer) zeigen die deutsehen Fakultäten vielfach Entgegenkommen. Studierende (Damen oder Herren), deren Wohnort sich am Platz einer größeren deutschen Universität befindet und die im Einverständnis mit ihren Eitern unter den angegebenen Bedingungen austauschweise im kommenden Frühjahr oder Herbst ehe Hebräische Universität zu beziehen ־wünsch«,־ mögen bal* digst ihre Adresse mit den nötigen Angaben an Prof. Dr. A. Fraerikel. Kiel, Forstweg 23, senden. Falls im Elternhaus streng ritueller Haushalt besteht, bitte dies besonders anzu* geben! Eine vorerst kleine Zahl von Meldungen — für den Anfang ist mit größeren Zahlen von Jerusalem aus nicht zu rechneu — wird dann alsbald au die Hebräische Universität weitergegeben, deren Leitung der Angelegenheit ihre tätige Unter- Stützung zu gesagt hat Adolf Fraenkef. Antisemitismus in Rußland Moskau, 8. November. (J. T. A.) 400 jüdische Jugendliehe der Fabrikschule in der neuerhauten Sowjetstadt Magnitogorsk im Ural haben die Schule verlassen und sind in ihre Heimatorte zurückgekehrt, weil sie von den *lichtjüdischen Fabrikschülern in antisemitischer Weise schikaniert worden sind. Die Parteikammer der Fabrikschule wurde aufgelöst, einige ihrer Mitglieder wurden zur Verantwortung gezogen. Dieser ״Fremdling auf Erden“ sei auf absolute Beziehungslosigkeit gestellt gewesen und habe das Angebot des ״gutmutigen Ekron“ (sic!) nur deshalb nicht angenommen, weil er ihm nicht dankbar habe sein wollen. Selbst seinem Sohn, den einzigen, den er überhaupt liebte, liebte er nicht genug, als daß er nicht bereit war, ihn zu opfern ״und nur durch die Gewißheit des Gefühls beruhigt wurde, daß diese Liebe nur so stark sei, um ihm doch die Fähigkeit zu lassen, den geliebten Sohn mit eigener Hand zu schlachten“. Diese an sich großartige, aber völlig negativ bewertete Deutung muß mau nur mit der Abrahamsgestalt bei Kierkegaard, Hegels großem religiösen Gegenspieler, vergleichen, um den abgrundtiefen Abstand zu ermessen. Das Schlimmste an Abraham aber ist nach Hegel, daß sein Partikularismus zugleich universal war; das heißt, daß nur seine eigene Nation, nur Israel einen Gott besitzt• Daß ein solches Volk dann die Untat an Dina, deren Unbill ״die Sichemitcn mit beispielloser Gutmütigkeit wieder gutzumacheri suchten“, seinerseits ״mit satanischer Abscheulichkeit“ rächt, ist kaum zu verwundern. In dieser Art geht es weiter. Joseph versklavt die Aegypter, um so den jüdischen Herrengott, der nur willenlose Sklaven unter sich duldet, zu realisieren; Moses wirkt nur durch seine Zauberkünste auf die ohne jedes Freiheitsbewußtsein dahinvegetierenden Juden Aegyptens; diese ״siegen, aber sie haben nicht gekämpft“ und verhalten sich angesichts des Schilfmeer- Wunders ״wie die berüchtigten Webe während der Pest zu Marseille“. Selbst der Begriff vom unsichtbaren Gott findet in Hegels Augen keine Gnade, dem vielmehr die von Liebe und Schönheit beseelten Götzenbilder seiner Abstraktheit überlegen scheinen. Er wundart sich — wie einst Pom pejus — über den leeren. Raum im AJIerheiligsten des Judentums. Auch die Sozialgesetze entsprechen nur der Knechtung unter den Herrengott, der seinen Zehnten, der die Erstgebürt, der levitische Reinheit als Fron einfordert• Aber selbst die Leviten kennen nicht sein unkennbares Geheimnis, sondern nur ihren ״Dienst“ — ein Wort, dessen Gebrauch für Gottesdienst Hegel übrigens, nach dem Nachweise Nohls, ebenso wie die Neubildung ״Buchstabenmensch״, keinem anderen verdankt als — Moses Mendelssohn in dessen 1783 erschienenen* Buche ״Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum“ es zum ersten Male in diesem Sinne vorkommt, natürlich als Uebersetzung des hebräischen ״Awodah“. (Vgl. über Mendelssohns Einfluß auf Hegel auch Franz Rosenzweig, ״Hegel und der Staat“, München 1930. Bd. 1, S. 20 und S. 35.) Der mo»lemische Kongreß In Jerusalem Die Demoiuhrsfloii ln Albert Hell abgeMgi Einem Telegramm der ״Times״ aus Caire zufolge weilte vorige Woche der Mufti von Jerusalem, Hadsch Emin El Hussein), mit Abd El Kader al Mussafar in Cairo, und es gelang ihm in Verhandlungen mit dem ägyptischen Minister- Präsidenten, Sidky Pascha, durchzusetzen, daß die ägy.p tische Regierung, die sich bisher gegenüber dem mos• lemischem Kongreß in Jerusalem ablehnend verhalten hatte, die Zusage gab, Delegierte zu dem Kongreß zu entsenden. Als Resultat dieser Verhandlungen sandte der Mufti an den ägyp• tischen Ministerpräsidenten einen Brief, worin bestätigt wird, daß In der Diskussion des Kongresses die Internen Angelegenheiten Aegyptens sowie die Kafifatsfrage nicht be * rührt werden wird. Man erwartet nun, wie der ״Times"-Korrespondent fortfährt, daß auch die berühmte Al Aghar-Univcrsität in Cairo Vertreter entsenden wird. Ferner werden eine Anzahl ägyptischer Notabein, die persönlich eingeladen wurden, nunmehr mit Rücksicht auf die Haltung der Regierung gfeichfalls die Einladung zum Kongreß annehmen. Der Kongreß soll bekanntlich am 7. Dezember eröffnet werden. Die Beseitigung des ägyptischen Widerstandes ist zweifellos ein großer Erfolg des Mufti. Da die ägyptische Regierung bisher stets gegenüber dem Zionismus wohlwollende Neutralität gezeigt hat und eine Einmischung in inncrpalästinensische Angelegenheiten ablehntc, so wäre es vom zionistischen Gesichtspunkt sicher bedeutsam, darauf hinzuwirken, daß von Seiten Aegypfens auf dem Kongreß eine Haltung eingenommen wird, die mit den völkerrechtlich anerkannten Rechtsansprüchen der Juden in Einklang steht. Wie die J. T. A. meldet, ist die für den 13. November angesagte moslemische Kundgebung in London auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Diese Deinonstrations- Versammlung war ursprünglich als antizionistische Protestver- Sammlung am Jahrestage der Baifour-Deklaration, 2. November, gedacht. Einige Vertrauensleute der palästinensischen Araber hatten die Veranstaltung der Kundgebung auf sich genommen und fanden lebhafteste Unterstützung bei Schaukhat Ali, dem indisch-moslemischen Führer. Der Grundgedanke war, die An- Wesenheit zahlreicher führender moslemischer Notabein aus ln* dien bei der Round Table-Konferenz in London auszuhutzen und in den Dienst der antizionistischen Propaganda zu stellen. Es scheint jedoch, daß die Entwicklung der Dinge bei der Round Table-Konferenz dazu geführt hat, diesen Plan zu ändern. Schon eine frühere J. T. A.-Meldung aus London besagte, daß die für den 13. November anberaumte moslemische Kundgebung in der Londoner Alb ert Hall unter der Parole stattfinden sollte: ״Eng■ latid streckt der moslemischen Welt die Freundschaftshand entgegen“. Demnach hätte bei den indischen Moslems die Absicht bestanden, diese Versammlung zu einer Stützung ihrer politischen Position auf der Round Table-Konferenz zu benutzen. Wie wir erfahren, hatten die Vertreter der Jewish Agency Gelegenheit, mit mehreren indischen moslemischen Persönlichkeifen in London Fühlung zü nehmen und erhielten die Ver- Sicherung, daß eine Verquickung Palästinas mit den politischen Fragen Indiens nichtbeabsichtigt sei. Die Mehrheit der indischen Moslems scheint an Palästina desinteressiert zu sein, und die Agitation Schaukhat Alis, Jerusalem zum Mittelpunkt der moslemischen Welt zu machen, wird von vielen Seiten mit Mißtrauen betrachtet. Auch die christlichen Pa'ästinenser sind bekanntlich Gegner dieses Planes. Ucberdies paßt die scharf england-feindliche Haltung, die die palästinensischen Araber in der l«?t4t*n Zeit eingenommen haben, schlecht zu •der oben; «־wähnten•' Parole.' ד ־ ־ י‘ ל י י ־ ־ : - ■r :.? F~ •;י■ ■<•׳ ־-•'■ Aus diesen Unstinrntigkeiten im moslemischen Lager heraus wurde wahrscheinlich dann der Entschluß gefaßt, auf die ganze Kundgebung zu verzichten. Der Innenminister der südafrikanischen Regierung, Dr. Malan, griff in einer Rede in Kapstadt die südafrikanisehen Juden außerordentlich scharf an, weil sie gegen das die Einwanderung fast auf Null beschränkende Gesetz eine heftige Agitation führen. Wenn die Juden an der heute in Südafrika herrschenden nationalistischen Partei ״Rache nehmen“ wollen, dann, so sagte der Minister, würde die Regierung Zurückschlagen, und die Juden würden aus diesem Kampfe nur mit schweren Schäden hervorgehen. Innenminister Malan, der Vater des Einwanderungsgesetzes, hat sich schon während der seinerzeitigen Debatte im südafrikanischen Parlament scharf gegen die Einwanderung osteuropäischer Juden ausgesprochen. Die arabische Frauenorganisation hat anläßlieh des Balfour-Tages eine Protestkundgebung gegen die Baifour-Deklaration veröffentlicht. ■... ■-L .—.—...-.!■■ -ÜJBBJB■ Und der Sab'bat? Ach, auch er ist nur ein Tag ״in einer bloßen Leerheit, in einer untätigen Einheit des Geistes“, und gar die Freiheit vom Kriegsdienste für bestimmte Kategorien zeigt an, daß Juden immer nur um materielle Güter, um neue Häuser, um Frauen, um Weinberge kämpfen konnten, denn ״an irgendeinem Ewigen hatten die Juden keinen Teil“, ״es war weit, weit weg von ihnen“. Die Parteiischkeit dieser Stellungnahme wird am deutlichsten, wenn Hege! zwei Institutionen miteinander vergleicht, die bei Griechen und Juden Vorkommen und die z. B. auch Gustav Landauers ״Aufruf zum Sozialismus“ — mit Recht! in eine Reihe stellt: den Schulderlaß der solonischen ״Seisachtheia“ und das ähnlich geartete biblische Jobeljahr. Hegel sagt dazu: ״. . . jene Griechen sollten gleich sein, weil alle frei, selbständig, die Juden gleich, weil alle ohne Fähigkeit des Selbstbestehens waren.“ (Interessant ist, wie sich hier schön Hegels Begriff der Person ankündigt, die später, in den Partien über die ״bürgerliche Gesellschaft“ in der ״Rechtsphilosophie“ als an den Besitz von Eigentum geknüpft definiert wird. Wo Juden, deren Bodeneigentum Gott gehört, sind keine freien Personen.) Sogar Moses, der größte Jude, ist nur ein Knecht: wegen eines einzigen unbefohlehcn Schlages, den er auf den Felsen führt, muß er sterben. ״Alle folgenden Zustände des jüdisehen Volkes, bis auf den sehäbigren, niederträchtigen, lausigten Zustand, in dem es sich noch heutigtags befindet, sind . . . Folgen . . . ihres ürsjrrünglichen Schicksals . . .״ Und dieses Trauerspiel kann nicht wie ein griechisches ״Furcht noch Mitleiden erwecken“, sondern ״nur Abscheu“. Diese Stellungnahme Hegels, die selbst die Propheten nicht aus ihrer negativen Bewertung ausschließt, sondern sie, da am alten jüdischen Genius festhaltend, als ״nur kalte, unter ihrer Einmischung in Politik und Zwecke nur eingeschränkte und wirkungslose Fanatiker“ nennt, ist nicht ganz ohne Beispiel in der Geschichte der christlich-theologischen Aüsetnandersetzung mit dem Judentum, sondern steht in der unterirdisch wohl niemals ganz ausgestorbenen, freilich nur selten mit solcher Konsequenz ausgesprochenen Tradition des Gnostikers Marcion aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert, der den bösen Schöpfergott des Alten Testamentes vom guten Erlösergott des neuen völlig trennen wollte. Daß bei Hegel nun aber doch nicht einfach antisemitische Instinkte allein oder vorwiegend walten, sondern er vor allem von seinen philosophischen Ueberzeugungen gelenkt wird, das ergibt sich aus den ״Vorlesungen über die Philosophie

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