Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 87 (10.11.1931)
- Date
- 1931-11-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 518 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr, 87, 10. XI1031 die Interessen da* überwältigenden Mehrheit der eingeborenen Bevölkerung nicht den noch so wichtigen Interessen ein«־ zu einer anderen Rasse gehörenden Minorität untergeordnet wer• den sollen.‘‘ Wir haben hier wieder ein Musterbeispiel des Lavierens zwischen zwei Klippen. Die parlamentarische Koniinission wünscht die Schroffheit des Ausdrucks, der die weiden Siedler so verstimmt hat, m beseitigenin der Sache selbst freilich spricht sich die Kommission für Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Zustandes aus, verwirft also die Reform- Vorschläge der verschiedener! Untcrsuchuugskommissioneti, die eine weitgehende administrative Neuordnung empfahlen u11d von der Regierung im Grundsatz eigentlich akzeptiert wurden. Auch diese Tatsache ist für unsere Palästinapolitik sehr interessant. Wir sehen hier, daß der große Aufwand, der mit allerhand Untersuchungskoinmissioncn getrieben wurde, zu guter!etzt einfach zunichte gemacht wird. Es bleibt alles beim Alten, wenigstens vorläufig, und die Empfehlungen der Kommissionen wandern in die Archive. Wir können in diesen! Augenblick die Parallele zur Palästinapolitik nicht weiter verfolgen, vielleicht ergibt sich dazu noch Gelegenheit. Es sei nur noch erwähnt, da ft der Verfasser des früheren Ostafrika-Berichtes, Sir E. Hilton Yourig, als Wohlfahrfsminister Mitglied des Kabinetts MacDonald geworden ist, ein Mann also, der sich mit dem Problem der Verfassung in Länüern mit gemischter Bevölkerung beschäftigt hat■ Was die übrige Zusammensetzung des Kabinetts anlangt, so wäre vom jüdischen Standpunkt zunächst des Ausscheidens von Lord Reading Erwähnung zu tun. Lord Reading hat ebenso wie Sir Austen Chamberlain dem Primeminister geschrieben, er wünsche zurückzutreten, um jüngeren Kräften Platz zu mach«!. Es ist aber anzunehmen, daß Lord Reading auch außerhalb des Kabinetts einen großen Einfluß behalten wird. Neu ins Kabinett eingetreten sind zwei Person- Hchkeiten, die in der zionistischen ()Öffentlichkeit nach dem Passtieldsehen Weißbuch vom Oktober 193!) bekanntgeworden sind, Sir John Simon, der neue Außenminister, und Lord Hailsbam, der neue Kriegsininister. Die beiden haben damals gemeinsam in der ״Times׳‘ einen Brief publiziert, in dem sic, die angesehensten Juristen Englands, die Meinung aussprachen, Passfields Weißbuch sei juristisch mit dem Mandat unvereinbar. Dieser Brief hat am meisten dazu beigetragen, das Passfield'sche Weißbuch zu erschüttern. •Sir Joim Simon ist entgegen anderslautenden Nachrichten - kein Jude, aber seine Gattin, Lady Simon, hat öfter an den Arbeiten der Wizo Interesse genommen. Sir Herbert Samuel ist Innenminister geblieben. Er ist zum Führer der liberalen Partei gewählt worden, von der die kleine Lloyd George-Gruppe abgesplittert ist, eine Ent- Wicklung, die von unserem Standpunkt gewiß zu bedauern ist, da Uoyd George, einer der energischesten noch lebenden Vertreter der Balfour-Politik, dadurch vorläufig in den Hintergruncl gedrängt wurde. Von den übrigen Mitgliedern des Kabinetts ist noch der wiederholt prozionisüsch hervorgetretene Orrasby Gore zu erwähnen, der als Minister für öffentliche Arbeiten zum *ersten Male Kabinettsrang erhält, und Sir Henry Bett er ton, ein Mitglied der Shaw-Kommission, der gleichfalls ins Kabinett ciirtritt. Die Besetzung der Junioreuposten ist noch nicht bekannt. Es verlautet aber, daß MacDonald die Absicht hat, möglichst wenig Veränderungen in den Regierungsämtern außerhalb des Kabinetts vorzunehmen, so daß man also aanebmen kann, daß auch Sir Robert Hamilton und Malcolm MacDonald auf ihren Posten im Kolonialamt, bzw. im Dominien-Aint bleiben werden. Man kann vielleicht die Situation der neuen englischen Regierung nicht besser zusammenfassen als es Friedrich Wilheim Foerster in seiner stets aufschlußreichen und auch fiir nicht in allem Zustimmende wertvollen Zeitschrift ״Die Zeit“ tut, indem er die Niederlage der Arbeiterpartei als ein Zeichen der Abwendung der Welt vom Geiste des 10. Jahrhunderts und als ,,Rückwendung der Nation zum Wurzelhaften und Bodenständigen“ charakterisiert und dann schreibt: ״Den Vertretern bodenständiger Tradition und wurzelhafter Entwicklung ist nun eine große Chance gegeben, zu zeigen, daß wurzelhaft nicht reaktionär sein muß und daß der gleiche Wirklichkeitssinn, der die nach vorwärts gerichteten Utopien ablehnt, auch dem nach rückwärts gewandten Utopismus klarblickend zu widerstehen weift.“ ״Thesaurus tottus Hebraiiatis/‘ Von dem großen Gesamtwörlerbuch der alt- und neuhebräischen Sprache von Eliescr Ben Jehuda erschien kürzlich im Verlag der Langeuscheidtschen Verlagsbuchhandlung, Berlin-Schöneberg, der 8. Band. Bekanntlich ist es Ben Jehuda, dem Vater des modernen gesprochenen Hebräisch in Palästina nicht vergönnt gewesen, sein gigantisches Werk selbst zu vollenden. Glücklichenveise ist jedoch ein großer Teil des Manuskriptes fast druckfertig in seinem Nachlaß vorgefunden worden und wird nun von seinen literarischen Nachfolgern bearbeitet. Was Elieser Ben Jehuda für das moderne Palästina und insbesondere für die hebräische Sprache bedeutet, braucht an dieser Stelle kaum hervorgehoben zu werden. Seine Lebensgeschichte, die auch von verschiedenen christlichen Autoren, z, B. den Brüdern Tharaud, gewürdigt wurde, ist beinahe schon eine Legende geworden. Hat er doch durch eiserne Willenskraft gegen alle Gesetze des praktischen Lebens den Gebrauch der hebräischen Sprache durch gesetzt. Ben Jehuda ist aber zugleich sprachlicher Neuschöpfer gewesen, und seine wissenschaftliche Bearbeitung des gesamten Wortschatzes des Hebräisehen in Bibel, Talmud und späteren Schriften, sowie die Bildung von neuen Ausdrücken und Termini nach den Bedürfnissen des modernen Lebens, geben ein vollständiges Kompendium des Hebräischen, das eine monumentale Bedeutung behalten wird. Selbstverständlich verursacht die Herausgabe eines solchen Werkes große Kosten, die auf normalen! Wege kaum zu beschaffen sind, und trotz allen Schwierigkeiten der Zeit wäre es sehr zu bedauern, wenn nicht die Möglichkeit gefunden würde, die Fortsetzung des Werkes zu sichern. Vor allem sollten alle Freuode der modernen hebräischen Sprache nicht verabsäumen, die bisher erschienenen Bände zu erwerben. Der 8, Band, dessen Redaktion Mosche Zwi Segall (Jerusalem) besorgte, wobei er das von Ben Jehuda hinterlassene Material in einigen wichtigen Punkten ergänzte, umfaßt einen großen Teil des Buchstaben Nun und den g3nzen Buchstaben Samcch. Wer einmal in den Thesaurus Irin eingeblickt hat, weift, daß es sich hier nicht um ein gewöhnliches Wörterbuch handelt, sondern jeder einzelne Artikel ist eine kleine Abhandlung, in der alle Zusammenhänge und Gebrauchsarten des betreffenden Wortes erklärt und mit Literaturangaben versehen werden. Schließlich folgt die Uebersetzung in deutscher, französischer und englischer Sprache. In dieser Beziehung schließt sich der vorliegende 8. Band den vorhergehenden Bänden gleichwertig an. Man muß auch dem Verlag Langenscheidt, der dem Werke so viel liebevolle Sorgfalt gewidmet hat, Dank sagen. 1. Der siebenfache Judenmord Der JusHzmlnlster aber den Horäk-Prozeß W« verdient ein Wunderrabbi? Von unseren! Prager Korrespondenten. 111, Prag, 6. November 1931. Der ״Fall Horäk“ (der Freispruch des siebenfachen Judenmörders, s. ״j. R.“ Nr. 77), der durch längere Zeit hindurch die Ocffentlicnkeit beschäftigte, hat mm auch seinen Widerhall im Parlament gefunden. Anläßlich der Etatberatu ngen ergriff der Justiz minister Dr. Meißner im Budget-Ausschuß das Wort und beschäftigte sich u. a. mit dem Frcispruchsverdikt der Prager Geschworenen, von dem er sich deutlich distanzierte. Er führte das Fehlurteil auf die Mängel des Systems der Schwurgerichte zurück, die er als unbereebenbar bezeichnetc. Der Minister — ein Sozialdemokrat — erklärte, er sei in einer sehr schweren Situation, wenn er sich! als Justizminister über ein gerichtlich(» Urteil ausspreeben solle, wenn auch dieses Urteil von einem Schwurgerichte und nicht von Berufsrichtern gefällt Word™ sei. Da jedoch d i es e r F a 11 in dcröcffentlichk eit große Erregung hervorgerufen habe und die Kritik dieses Verdiktes a u c h i 11 tl a s A 11 s 1 a 11 d gedrungen sei und ein ungünstiges Licht auf die hiesige Justiz geworfen habe, halte es es für seine Pflicht, diesen Fall zu berühren- ,,Ich begreife, daß jeder es als ungerecht empfindet, wenn irgendein Uebcl nicht gesühnt wird. Aber damit müssen wir bei jedem Geschworenengericht rechnen. Der praktische Jurist weiß, daß das Geschworenengeriebt unberechenbar ist.... Wer kann in die Psychologie einer Masse elndringen, die die zwölf Geschworenen darstctlen, wer kann Voraussagen, wie der Wahrspruch lauten wird, wenn es nicht notwendig ist, die Gründe anzuführen? Häufig spielen da Momente mit, die außerhalb dfs Denkens eines praktischen Juristen und Berufsrichters liegen’. Es sind dies manchmal Motive der Sympathie oder Antipathie, manch mal nationale, k I a s s c n m 3 ß ו g e odcrauch gesellschaftliche Motive.... Deshalb trifft es mich sehr schwer, daß die Kritik nicht Rücksicht genommen hat auf das ganze Wesen des Geschworenen Verfahrens, auf die Zusammenssetzung der Geschwormenbank und insbesondere darauf, daß die Geschworenen ihr Verdikt sprechen, ohne verpflichtet zu sein, die Gründe aufzuführen. Der öffentliche Ankläge r hat die Nichtigkeitsbeschwerde angemeldet, über deren Berechtigung das Oberste Gerichtentseheidenwird“ - ■ Wie wir hören, wird in der kommenden Sitzung des Parlaments-Plenum der jüdisdi-nafionale Abgeordnete Dr. Angeln G o 1 rl s f e i!1 noch einmal den Fall Horäk zur Sprache bringen. * Günther Stein bat auf seuier Europareise auch Karpatbo-Rußland besucht und darüber kürzlich in tiefschürfender Weise, insbesondere über das Judenprobfem dieses östlichen Flügels der Tschechoslowakei, im ״Berliner Tageblatt“ berichtet- Seine Ausführungen über den Mißbrauch der religiösen Autorität seitens des agudistisehen WunderrabbisSpira, der seinen Anhängern alle Bürgerrechte nimmt, die ihnen der Staat in der Verfassung gewährt, der aus den Aermsteu der Armen unglaublich hohe rituelle Steuern saugt, erfuhren dieser Tage eine bezeichnende Ergänzung aus den Veröffentlichungen der Steuerbehörden- Rabbi Spira erhielt einen Zahlungsauftrag zur Zahhing einer Erwerhästeuer von 30 000 M. für 1928—1930. Die FLnanzdkektkra hat festgestellt, daß dieser ״Wunderrabbi“ als Vollzieher von Trauungen, Beschneidungen und Scheidungen, sowie als ״Wundertäter“ 1928 80000 M., 1929 700(» M. und 1930 etwas über 700(« M. verdient hat. Da die Finanzdirektion der Ansicht ist, daß Wundertaten gleichfalls der Steuerpflicht unterliegen, hat sie nun Rabbi Spira eine Erwerbssteuer vorgeschrieben. Die Mitteilung von dem־ hohen Einkommen Spiras hat unter der jüdischen Bevölkerung eine ungeheuere Erregung bervorgerufen, die erklärlich ist, wenn man die schreckliche Notlage des karpathorussischen Judentums in Betracht zieht, die zu lindern ausländische Hilfsorganisationen auf gerufen werden müssen. Rabbi Spira ist gleichzeitig ein politischer Verbündeter der großbürgerlichen antisemitischen tschechischen Agrarier und der erbittertste Gegner der selbstbewußten jü d isc h nati on alen Politik, die er schon seit einer Reibe von Jahren in Acht und Bann getan hat. Audi das von den Zionisten mit ungeheuren Opfern in Karpathorußland errichtete hebräische Schulwerk wurde von ihm mit dep ״Cheretn“ belegt. (Wenn man diese Nachrichten liest, begreift man. warum dieser Agudah-Gewaltige ein so erbitterter Gegner des Zionismus ist, der neue Verhältnisse in der jüdischen Gasse zu schaffen versucht• — A. d. R.), _ Die Lage im polnischen Zionismus Nachkongreßdiskussion — Die Stellung der Revisionisten — Keren Hajessod und Jewish Agency Von unserem Korrespondenten. •g- Warschau, 1. November. Die zionistische Arbeit, die gewöhnlich sofort nach den jüdischen Feiertagen einsetzt, hat in diesem Jahre kaum erst begonnen. Die Gründe hierfür sind nicht nur in den schweren wirtschaftlichen Verhältnissen zu suchen, sondern auch teilweise in dett Nachwirkungen des XVH. Kongresses. Die ״Al- Harnisch mar“-Gruppe hatte wegen ihrer Haltung in Basel viel an Prestige und Bedeutung eingebüßt, zumal schon vor dem Kongreß ihre Position in Kongreßnolen stark erschüttert war. Die ״Eth-Liwnoil!“ sind zu einer ganz bedeutungslosen Gruppe herabgesunken. Die Revisionisten hatten gar keinen Grund, mit den Baseler Beschlüssen zufrieden zu sein, aber auch ihre Wählerschaft, zumeist die an der Peripherie, gab laut ihren Unwillen über die Haltung der Revisionisten m Basel kund. Die Unentwegten unter ihnen dagegen, allerdings eine kleine Minderheit, machten bald die Propaganda für den Austritt aus der Organisation energisch mit Der Misrachi in Polen, geschmeichelt durch die Wahl seines Führers in die Exekutive, empfand lange Zeit keine Veranlassung, zur ueuen Sachlage Stellung zu nehmen, da Herr Farbstein noch immer üi Polen weilt. Die zionistischen Arbeitsparteien, im allgemeinen mit den Ergebnissen von Basel zufrieden, haben in Pofen die Unter- Handlungen in der Ichudfragc wieder aufgenommeu. Man führte noch kurze Zeit die Nachkongreßdiskussion. So war es 1. B. interessant zu vernehmen, wie manche Delegierten der B-Gruppe aus Galizien scharfe Kritik an der Leitung und Taktik dieser Gruppe auf dem Kongresse übten. Und als inzwischen die Urteile über die neue Exekutive und ihre politische Physiognomie laut wurden, beeilte sich die Grünbaum-Gruppe, gegen die Auffassung zu protestieren, es sei nur ein, Personenwechsel vorgenommen. Auch im ersten Aufruf des Allgemein-Zionistischen Zentralkomitees in Polen wird die Hoffnung ausgesprochen, die neue Exekutive werde ihren eigenen Weg gehen eingedenk dessen, daß der Kongreß eine Aenderung des Systems unserer Politik gewünscht habe. Die Allgemeinen Zionisten in G a li z i en haben ihre Zufriedenheit ausgedrückt, daß es gelungen ist, eine breite Koalition zu schaffen und die Freude darüber, daß Weizmann der Bewegung weiter seine wertvollen Dienste zur Verfügung stellt. Im revisionistischen Lager stand lange Wochen die Frage des Austrittes aus der Weltorganisation zur Diskussion. Vor Calais, als man noch von keinem Kompromiß sprach, war es schon klar, daß in Polen — den Berichten von autoritativer Seite gemäß •— 90 ״/» der Revisionisten Gegner der Schaffung einer unabhängigen revisionistischen Partei außerhalb der Zionistischen Weltorganisation sind. Sogar in den Kreisen des Brith-Trumpcldor, die aus DiszipHugründen ihre Meinung nicht äußern konnten, war man mit den Plänen Jabotinskys nicht einverstanden. Und aus den allgemein-zionistischcn Reihen hörte man Warnungsrufe und ausdrückliche Erklärungen, eine solche neue Parteigründung werde man aufs energischeste bekämpfen. Die Kompromißbeschlüssc in Calais wurden daher seitens der Revisionisten hier gleichmütig aufgenommen, wem! auch Zufriedenheit darüber herrscht, daß es gelungen ist, wenigstens für eine gewisse Zeit die Spaltung der Union zu verhüten. Dagegen haben sämtliche zionistische Gruppen sich scharf und unzweideutig gegeu die Be* Schlüsse von Calais ausgesprochen. Ara deutlichsten tat dies der durch seine Sympathien für den Revisionismus bekannte Führer der B-Gruppe der Allgemeinen Zionisten, Dr. Schwarzhart, welcher erklärte, .,das in Calais geschlossene Kompromiß sei für die Zionistische Weltorganisation u n a u n c h m ־ bar. Die Londoner Exekutive müsse dieses Kompromiß zu• rück weisen und eine befristete Wiederherstellung des bisherigen Organisations-Status der revisionistischen Union __ verlangen, widrigenfalls die Union nicht mehr als Bestandteil der Zio• nistischcn Organisation anerkannt werden könne.״ Die polnischen Revisionisten hatten für Anfang November ihre Landeskonferenz Unberufen, an der Jabotinsky und Großmann teilnehmen sollten. Im letzten Augenblick wurde aber die Konferenz verschoben. Wir gehen scheint’s nicht fehl, wenn wir annehmen, die. Hauptursarhc für die Verschiebung sei die noch ungeklärte Situation iin revisionistischen Lager. Auch in Polen haben die Revisionisten, ähnlich wie in Deutschland und auderswo, noch eine ,,Austrittsbewegung“ entfacht, und zwar aus der zionistischen Landesorganlsation. Während für den Austritt aus der Weltorganisation eine kleine Minderheit plädierte, war der überwiegende Teil f ü r den Austritt aus der Laudesorganisation. Ihre Entschcidüng mußten sie schon jetzt treffen, da für den 6. De ze mher die V. Landestagung der Allgemeinen Zionisten Kongreßpolens einberufen wurde. Die Revisionisten beabsichtigten, diese Tagung nicht mehr zu beschicken■ Da aber ihre Konferenz, die darüber zu beschließen hatte, nicht zustande kam, ist es jetzt unklar, ob die Revisionisten an den Wahlen zur Landestagung teilnehmen werden. Die Situation der Revisionisten ist jetzt nicht uiir aus diesen organisationstechnischen Gründen ziemlich kompliziert. Im polnischen Zionismus sind die Friedenstendenzen in letzter Zeit sehr stark geworden. Im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zum Delegiertentag haben sowohl der Al-Hamisehmar als auch die Eth-Liwnoth ihre Bereitschatt kundgetan, sich als Fraktionen auf z u 1 ö s e n und eine einheitliche zionistische Organisation wieder auf «bauen. Werden die Revisionisten angesichts dieser Tendenzen, die hoffentlich bald reale Tatsachen sein werden, bei ihrem Sezessioiisstandpunkt beharren? Sollten sie es, dann dürften sie einen Großteil ihrer Anhänger in Polen verlieren. Ihre Losungen finden jetzt ein sehr schwaches Echo. So z. B. versuchten sic, -Protestaktion in Polen gegenkdie Teilnahme־der palästinensischen Jude» äh־der VoIks 1 a h - Lang in Palästina zu organisieren. Sic fielen durch und das zionistische Zentralkomitee wandte sich offiziell gegen diese Aktion. Und desgleichen, wenn Jabotinsky in einem Aufsatz imlängst im ״Hajnt“ der jüdischen Jugend nichts anderes zu sagen hat als daß ״die Wiedergeburt des jüdischen Volkes nicht wird erreicht werde.» können, wenn wir nicht alle schießen lernen“, daß dies die ״E1 e m e n t a r b i 1 d u n g“ des jüdischen jungen Menschen jetzt auszumachen habe; denn ״wenn ihr auch gebildete Menschen sein werdet, die Erde zu ackern und Häuser zu bauen erlernen werdet, alle hebräisch sprechen werdet . . . aber dabei nicht werdet schießen können, dann ist nichts mehr zu erhoffen. Wenn ihr aber ja werdet schießen können, dann ist vielleicht: eine Hoffnung vorhanden“. Dabei läßt Jabotinsky keinen Zweifel darüber, daß er nicht nur die Handhabung des Gewehrs im Sinne hat. Er schreibt ausdrück־ lieh von ״Psychologie des Schießens, von Sehnsucht nach Schießen“. . . Wenn also der Führer des Revisionismus jetzt dies der jüdischen Jugend predigt, ist es verständlich, daß er keinen großen Anklang bei den Juden findet. Das neue Mitglied der Zionistischen Exekutive, H. Färbstein, der sich demnächst nach Jerusalem begibt, war einige Jahre der Vorsitzende des Direktoriums des Keren Hajessod in Polen und hat an dieser Stelle Verdienstliches geleistet. Er hatte Mühe genug, vor seiner Abreise die diesjährige Werbetätigkeit zu organisieren. Die Verhältnisse sind für eine K. H.-Katnpagne nicht gerade günstig. Es ist aber zu hoffen, daß es dem Delegierten der Jerusalemer Zentrale, Herrn Dr. Michael T raub, gelingen wird, auch unter diesen ungünstigen Umständen Ersprießliches zu leisten. Es wird auch viel davon abhängen, wie die neugewählten nicht zionistischcn Mitglieder und Stellvertreter der Jewish Agency in Polen, die sich soeben mit den zionistischen Mitgliedern als polnische Repräsentanz der Jewish Agency neu konstituierten und frische Kräfte in das Direktorium des Keren Hajessod in Polen delegierter!, zu dieser ihrer wichtigsten Aufgabe stellen werden. T rotz allem Elend ist der Palast ina- E!111! 11 siasous des jüdischen Volkes in Polen ungeschwächt Gerade jetzt sind die jüdischen Massen in der Ueberzeugung von der Notwendigkeit der Palästinalösung der Judenfragc bestärkt worden. Die Thüringer Arbeitsgemeinschaft für die jewish Agency trat Sonntag, den 1. November, unter Vorsitz von Herrn Pint h u s zu ihrer ersten Geschäftssitzung in Erfurt zusammen. NÄh dem Hauptreferat von Herrn Dr. Arthur H ג ntke gab Herr Israelski einen Bericht über die bisherige Tätigkeit der Thüringer Arbeitsgemeinschaft und entwarf das Programm für die kommende Arbeitsperiode, ln der anschließenden Diskussion sprachen die Herren R.-A. Warburg (Nordhausen), Dr. David (Sondershausen), Dr. Noack (Gotha), B. Wolfi (Eisenach),! S. Pinthus, Dr. Schüftan, Dr. Wolfheim und Frau Dr. Lippmazin (Erfurt). Ls wurde beschlossen, in verschiedenen Thüringer Orten für die Bestrebungen der Jewish Agency durch Veranstaltungen zu werben. Zum Vorsitzenden der Thüringer Arbeitsgemeinschaft wurde Herr Pinthus wiedergewählt, den Vorstand bilden die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft in Erfurt und Gotha. — Dank der Gastfreundlichkeit von Herrn und Frau Arndtheim war am gleichen Abend Herrn Dt. liantke Gelegenheit gegeben, in einem engeren Kreise über die Bedeutung des Palästina-Werkes zu sprechen. Die rege Diskussion bewies auch hier, daß das Interesse für den Palästina-Aufbau immer stärker wird.