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Jüdische Rundschau · 1931-10-30 · Heft 84 (30.10.1931) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 84 (30.10.1931)
Date
1931-10-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 504 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 84, 50. X 1931 Ans der Berliner Jüdischen Gemeinde Ein öriel der Mittelpariei — Wal der liberalen - 2wUthenfa.ll beim Begräbnis Lesser Uryi Za der Situation in der Berliner Jüdischen Gemeinde, die durch das liberale Mißtrauensvotum gegen Herrn Kareski ent* standen ist, nimmt Dr. Köllen sch er an anderer Stelle der heutigen Nummer Stellung. Dr. Kollenscher war es, der in seiner Rede in der Sitzung der Repräsentantenversammlung vom 23. Oktober mit großem Ernst und Nachdruck auf die Zwangslage hinwies, in die die Anhänger der Jüdischen Volks- Partei durch die Politik der Liberalen gedrängt werden. Die Jüdische Oemeinde, so führte er aus, kann als Einheits* gemeinde nur dann bestehen, wenn alleMinderheiten berücksichtigt werden. So war es in der vorigen Verwaltung®- Periode, so muß es auch heute sein. Alle Maßnahmen müssen sachlich auf ihre Zweckmäßigkeit geprüft werden, wobei der Gesichtspunkt maßgebend sein muß, daß nicht die herrschende Gruppe allen anderen Gruppen ihre politischen oder religiösen Gesinnungen aufzwingen darf, sondern ihre Verwaltung $0 führen muß, daß auch die anderen sich in der Gemeinde vollberechtigt und beheimatet fühlen. Eine sachliche Prüfung einzelner Maßnahmen ist aber unmöglich, wenn bei jeder Kl einigkeit mit der Waffe des Fraktionszwanges gearbeitet wird. Es ist eine groteske Entstellung, wenn demgegenüber die ״Jüdisch-liberale Zeitung" am 28. d. M. schreibt, es sei ganz selbstverständlich, daß ,.Gleichgesinnte auch gleich abstimmen". Dies kann sich vielleicht auf große grundsätzliche Fragen beziehen, aber doch nicht auf die Angelegenheiten des vielfältigen täglichen Lebens und auf einzelne Verwaltungsakte, die jeder Mensch je nach seiner Intelligenz und seiner Individualität so oder so beurteilen kann. Wenn das richtig ist, was die ״Jüdisch-liberale Zeitung“ schreibt, dann brau'ht man überhaupt keine Repräsentanten, sondern man kann sich mit Puppen begnügen, die einfach auf ein gegebenes Zeichen mit dem Kopf nicken. Es ist keine sehr hohe Meinung, die man von den liberalen Repräsentanten hat, wenn man sie so einschätzt, wie die ״Jüdisch-liberale Zeitung“ es tut. Wir glauben, daß die Repräsentanten Versammlung dazu da ist, Argumente zu hören und sich ein Urteil zu bilden und daß hierbei dem individuellen Verstand und der Persönlichkeit des einzelnen Mitgliedes eine wichtige Rolle zufällt. In diesem Sinne begrüßen wir es auch, daß die beiden Vertreter der Mittelpartei und der Ueberpartei an den Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung ein Schreiben gerichtet haben, in dem sie sich gegen die überhandnehmende Politisierung der Gemeinde und 6egen den Fraktionszwang wenden. Obwohl die nterzeichner des Briefes die ganze Repräsentantenversammlung ansprechen und die beiden großen Parteien meinen können, fühlt sich doch die liberale Partei mit Recht getroffen und erteilt den Briefschreibern eine recht gereizte Lektion. ״Durch Sentimentalität und Händeringen“ — so schreibt die liberale Zeitung — ״ist noch niemals Frieden gestiftet worden.“ Der Vertreter der Mittelpartei, Herr Dr. Alfred Wiener, Syndikus des — wie die liberale Zeitung schreibt: ״mit uns befreundeten“ — Central-Vereins, wird daran erinnert, daß die Zionisten seinerzeit gegen sein Palästina-Buch Stellung genommen haben; was die beiden Dinge miteinander zu tun haben, ist zwar t\icht ersichtlich, aber jedenfalls soll Dr. Wiener gegen die Jüdische Volkspartei dadurch aufgebracht und dafür bestraft werden, daß er — wir zitieren wieder die liberale Zeitung — ״diesen törichten Brief“ geschrieben hat. Mit solchen Auslassungen ihres Organs wollen offenbar die Liberalen besonders eindrucksvoll demontrieren, wie sehr ihnen am Frieden in der Gemeinde gelegen ist. Eine unerhörte Provokation leistet sich übrigens die ״Jüdisch-liberale Zeitung“ in einer Angelegenheit, die wir lieber nicht zur Sprache gebracht hätten- Bei der Beerdigung von besser Ury hielt der Rabbiner der Reforrageraeinde Dr. Lehmann eine Rede, in der er mit besonderem Nachdruck ״um Legendenbildungen vorzubeugen“ das Deutschtum Lesser Urys hervorhob. ira weiteren Verlauf der Trauerfeier sprach auch Dr. Klee. Seine menschlich ergreifenden Worte galten — natürlich ohne die geringste Polemik — dem Künstler, der durch unvergängliche Werke jüdisches Schicksal in Kunstwerken zu verewigen verstand. Dr. Klee charakterisierte Werke wie den ״Jeremias“ oder den ״Mose auf dem Nebo“, worin der Schmerz über den Verlust des Heiligen Landes und die Hoffnung auf dessen neuen Aufbau so tief zum Ausdruck kommen. Die ״Jüdisch-liberale Zeitung“ wagt es, deswegen Dr. Klee anzugreifen und in beispielloser Naivität folgendes zu schreiben: ״Zum Schluß hielt Herr Rechtsanwalt Dr. Klee eine Rede, die vielfaches Kopfschütteln in der Trauerversammlung erregte und allgemein als peinliche Entgleisung empfunden wurde. Im Interesse zionistischer Propaganda glaubte herr Dr. Klee, Lesser Ury für sich und seine Genossen reklamieren zu dürfen, nachdem gerade vorher Herr Dr. Lehmann in seiner Trauerrede den verstorbenen Meister mit Recht als einen guten deutschen Maler gefeiert und ganz besonders die Liebe des Künstlers für seine deutsche Heimat und für die märkische Scholle hervorgehoben hatte.“ Die liberale Zeitung merkt gar nicht ihre eigene inkonsequenz: Die ״assimilatorische Propaganda“ des Herrn Dr. Lehmann, über die wir ohne die liberale Herausforderung kein Wort gesagt hätten, ist ihr a'len Lobes wert, Dr. Klees Worte aber wagt sie zu verunglimpfen. Dabei können wir nur aus vielfachen Zeugenberichten sagen, daß die Rede Dr. Lehmanns es war, die in ihrer aufdringlich assimilatorischen Nöte ״Kopfschütteln erregt“ hat, während Dr. Klees warme Worte den meisten Teilnehmern der Trauerfeier aus der Seele gesprochen waren. Es widerstrebt uns, den Toten selbst in die Debatte zu ziehen und darüber zu streiten, wer ihn für sich reklamieren kann; aber schließlich war er bei den letzt«n Gemeindewahlen ein Kandidat auf der Liste der Jüdisehen Volk spart ei. Wenn daher die ״Jüdisch-liberale Zeiuuig", die sich in der Ausbeutung dieser friedhofsszene gar nicht genug tun kann, sich dazu versteift, an anderer Stelle ihres Blattes zu schreiben: ״Auf welcher Seite die Friedensstörer zu suchen sind, und daß zionistische Agitation selbst vor dem heiligsten Orte, dem Grabe, nicht halt macht, hat eben wieder die peinliche Taktlosigkeit gezeigt, die sich Herr Dr. Klee beim Begräbnis lesser Urys zuschulden kommen ließ“, so enthüllt sie damit eine Mentalität, die wir nicht weiter charakterisieren wollen. Aber solange die Politik der Liberalen in der Gemeinde von einem s o'l eben Geist regiert wird und solange man nicht versteht, daß es höchste Zeit ist, diese Kampfmethoden abzublasen und sich den wirklichen sachlichen Fragen zuzuwenden, wird es in der Tat äußerst schwierig sein, den Frieden in der Gemeinde aufrecht zu erhalten. Eine Gruppe extrem-liberaler Juden Warschaus hat sich zu einer G. m. b. H. zusammengesclilossen, deren Zweck es ist, in Warschau eine Reform-Gemeinde zu gründen und eine Reform-Synagoge zu erbauen, in der der Gottesdienst (mit Frauenchor) anstatt an Sabbattagen an Sonntagen rtattfinden wird. Die Levantc״Mcsse 1932 Tel-Awiw Von 5. Hoofien, Präsident der Handelskammer, Jeff«• Im April 1932 wird In Tel-Awiw die ״Levant-Fair" (Levante- Messe und Ausstellung) verans altet Allem Anschein nach wird es wohl die größte Veranstaltung dieser Art werden, die bisher im nahen Orirnt stattgefunden bat. Sie wird eine Entwicklung rum Ausdruck bringen, die schon seit Jahren vor »ich geht Die Bedeutung Palästinas als Handels- Zentrum und kommerzieller Treffpunkt den Westens und Ostens wird klar zutage treten. Die Grunde dieser Entwicklung wurzeln tief in der besonderen Lage PaSstinas. Waren es vor dem Kriege nur die Zionisten, die aus begreifliebem Interesse am Lande ihrer Sehnsucht seine zukünftige Bedeutung erkannten, so ward-n die Konsequenzen, die sich aus der günstigen geographischen Lage Palästinas ergeben, nach der britisehen Okkupation einem jeden Einsichtigen klar. Als das Land unter e ne moderne Verwaltung kam, wurde die Bedeutung von Palästina a's Brücke vom Okzident zum Orient ersichtlich. Der Luftverkehr mit Irak, Persien und Indien kann — ein Blick auf die Kare lehrt ea — nur über die Ostküste de» Mitte!• meeres geleitet werden. Der Wüs*enverkehr mit Irak und Persien, der big vor zehn Jahren in den jahrtausendealten Formen des Karawanen Verkehrs stecken geblieben war, ist durch das Automobil vollkommen reformiert worden. Täglich durchkreuzen heute die Autorrobilkolonnen die syrische Wüste und was früher eine ebenteuer.iche, lebensgefährliche und wochenlanga Reise war, die kaum jemals ein Eu־opäer unternahm, ist jetzt «io Ausflug von zwei Tagen. d׳׳n jährlich zehntausende Menschen im bequemen Pullmanautomobil zurücklegen. ln euer Hinsicht wird Paläst'na scheu in den allernächsten Jahren dem «ranzen syrischen Küstenlande bedeutend überleben sein: in der Hafenfrage. F icht daß HaFa einen um ein Vielfache» größeren Hafen bekommt als Beyruth heute bat, ist hierbei das Ausschlaggebende. Aber man sehe sich bloß die Karte an. Während unmittelbar hinter der Stadt Beyruth der Libanon bis über 2000 m ansteigt mit Paßhoben bis zu 1000 m, während der Zuv, der sich auf einer Zahnradbahn mühsam und unter schwerem Kohlenverbrauch hinaufgearbei et hat, dann wieder in die Ebene der Beka herunter muß, um schließlich wieder auf den Antilibänon zu klettern und in Damaskus den Wüstensaum zu erreichen, hat die Natur hinter Haifa ein ganze» System von aneinander anschließenden Ebenen eingerichtet, durch die die Bahn wie durch einen bequemen Korridor ohne Schwierigtce'ten tief ins Innere des Landes׳ hineindnngt. Die Eisenbahn Haifa-Bagdad ist im Bau und ihr Zustandekommen eine Frage von einer jetzt schon recht absehbaren Spanne von Jahren. Haifa wird also mit der Zeit der natürliehe Hafen von Arabien, Irak und Persien werden. Dabei soll die dornige Frage der Pipe Line noch gar nicht in Betracht gezogen werden. Auch ohne daß das Mosul-Oel durch Haifa zum Mittelmeer fließt, ist Haifas Position gesichert; um wieviel mehr denn, wenn auch die Pipe Line in Haifa gänzlich oder zu einem großen Teile munden wird. Auch schon in seiner heutigen Gestalt ist Palästina ein Land, das nicht ganz ohne ökonomische Bedeutung ist Dieses kleine Land mit seinen 800 000 Einwohnern importierte immerhin im Jahr* 1930 Waren für einen Wert von RM. 14000 000. An diesem Import beteiligte sich Deutschland mit einem Betrag von RM. 1 524145 oder 10,9 %. Deutschlands Anteil am palästinenfischen Hände! ist Im steten Wachsen begriffen, wie aus den nachstehenden Ziffern zu entnehmen ist־ 1927 RM. 1 115000 9,0 Prozent 1928 (!133400 ״ ״ 10.0 1929 1487000 ״ ״ 10,4 1930 1524000 ״ 10,9 Für die Entwicklung des Landes im allgemeinen und die der Industrie und des Transportwesens im besonderen ist folgende Tabelle lehrreich: Import in Petroieumprodakten. Benzin Petroleum Rohöl Liter Uter Tonnen 1922 2400000 151000:0 500 1923 3800000 16203000 1700 1924 3200000 20100000 2500 1925 5600000 230000(» 41(» 1926 8400000 27800000 3900 1927 7400 MO 30900000 5 400 1928 11300000 35 500000 6100 1929 13 900 (WO 383000(» 7400 1930 16300000 377000(» 16 500 Während vor dem Kriege die Industrie des Landes ganz auf etwa RM. 80000000 geschätzt. Es besteht eine bedeutende Zementfabrik, eine große und mehrere kleine Oelfabriken, einige größere und viele kleinen Mühlen. Zigarettenfabriken und Fabriken von Schokolade, Textilwaren, Strümpfen und Socken, Streichhölzern und noch vielen anderen Artikeln. Die Anzahl der in der Industrie beschäftigten Personen beträgt etwa 20000, Dieser Industrie, die sich jetzt schon der Elektrizität bedient, weiche in kalorischen Kraftwerken in Tel-Awiw, Haifa, Tiberias und Jerusalem erzeugt wird, wird in der allernächsten Zeit die billige Elektrizität zur Verfügung stehen, die von den Werken am Zusammenfluß des Jordans und des Yarmuk unterhalb des Sees von Tiberias berstammen wird. Die Kapazität der dort sufgesteliten Turbinen beträgt vorläufig 24000 Pferdekräfte. Das Work kann aber bis zu einer Kapazität von 100000 Pfeudekräften ansgebaut werden- Ein nicht unbedeutender Faktor im Aufblühen des Landes wird auch die Exploitation des Toten Meeres sein. Dieses Unternehmen bat erst vor knapp einem Jahre an gefangen. Aber schon jetzt kann man sagen, daß das Experiment gelungen ist Bereits in wenigen Jahren wird die Kaliproduktion de# Toten Meeres ihre Quote arlf dem Weltmarkt erobert haben, die von Jahr zu Jahr größer werden dürfte. Von entscheidender Bedeutung ist die Tatsache, daß Palästina im Zentrum von Ländern liegt, die einen Jährlichen Importkonsum von RM. 1600000000 aufweisen. Auch im Import der benachbarten Länder spielen jüdische Kaufleute eine ungemein wichtige Rolle. Wena günstige Gelegenheiten bestehen, über Palästina Geschäfte zu machen und die palästinensischen Messen dazu interessante Möglichkeiten bieten, so ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß diese Kaufleute, die im Orienthandel seit Jahrhunderten einen ersten Platz einnehmen, Palästina vor jedem anderen Lande bevorzugen werden. Dieses Land mit seiner außerordentlich günstigen geographischen Lage, mit einer geordneten und verhältnismäßig modernenVerwaltung. mit seiner strebsamen sich jährlich ausdehnenden tüchtigen euro» päüchea Bevölkerung, ist der gegebene Mittelpunkt für den europiischen Export nach ganz Vorderasien. Deshalb verdienen dis Ausstellungen und Messen in Tel-Awiw. dem Handelszentrum des Landes, daß ihnen die größte Aufmerksamkeit zugewendet wird, * 1s Angelegenheit der Levante •Messe kenn man sich an das Europa-Büro der Levante-Fair. Berlin W15, Meinekestraße 10 oder direkt an die Veranstalter der Messe. «Mischer w/Taasia“ Co Ltd., P. O. B. 21, Tel-Awiw, Palästina» wenden. Jüdische erwerbslose Jugendliche Die Not der Erwerbslosigkeit, die jetzt schon etwa eine Million Jugend'iehe ergriffen hat, macht auch vor der jüdisehen Jugend nicht halt. Wenn auch durch die große Zahl der höheren Schüler der Anteil der Erwerbslosen an der Gesamtzahl der jüdischen Jugendlichen etwas geringer sein mag, als bei der nichtjüdisch cn Jugend, so gibt es doch auf der anderen Seite eine Reihe von Umständen, die die Erwerbs* losigkeit für die jüdische Jugend noch schwerer erträglich machen als für die nichtmdische. Die Zahl der Ungelernten ist im Verhältnis zur nichtjüdischen Jugend geringer, daher ist auch die Möglichkeit der Vermittlung zur Aushilfsarbeit als Laufburschen, Fabrikarbeiter usw. geringer, obgleich heute auch kaufmännische Lehrlinge bereit sind, derartige Arbeiten zu übernehmen. Der Zusammenbruch verschieoeaer Klein- und Mittelbetriebe bedeutet einen empfindlichen Verlust von Arbeitsstellen, die gerade noch dem jüdischen An~::t;Ilten offen standen. Auf der anderen Seite wirkt sich der Boykott gegen den jüdischen Arbeitnehmer ebenfalls nachteilig auf den Beschäftigungsgrad der Jugendliehen aus. Diese objektiv ungünstige Situation des jüdischen Erwerbslosen, die ihm vorzeitig den Sinn seines eigenen Lebens in Frage stellt, ihn auf viele kleine Annehmlichkeiten des Lebens verzichten lassen muß, die ihm jegliche Bewegungsfreiheit nimmt, löst in ihm ein Minderwertigkeitsgefühl aus, das nicht ausgelöscht wird durch das Bewußtsein, daß ihn ja nur ein allgemeines Schicksal trifft. Die Unzufriedenheit mit der eigenen Lage entzweit den jüdischen Jugendlichen häutig mit seiner eigenen Familie, trennt ihn von seinen arbeitenden Genossen und schafft eine Entfernung insbesondere von der jüdischen Gemeinschaft Der jüdische Jugendliche v«. *״יי;', daß die jüdische Gemeinschaft sich gerade dann wenn er selbst in höchcter Not und Isolierung ist Es ist wahr, aaß bei manchen die Hoffntmgslesigkeit schon so groß ist, daß sie auch von der jüdisehen Gemeinschaft keine Hilfe mehr erwarten. Die jüdischen Jugendlichen haben kein Interesse für die Gegenstände jüdischer GemeindepoIUik und jüdischer weltanschaulicher Auscinandersetzung, vor allen anderen Dingen beherrscht sie das Gefühl ihrer eigenen Not Gerade in dieser Situation hat die jüdische Gemeinschaft die Möglichkeit, dem jungen Menschen zu helfen und ihn neu an sich zu binden: Der junge Mensch muß spüren, daß er nicht allein ist, daß, wenn seine Gemeinschaft ihm auch nicht Arbeit verschaffen kann, sie ihn nicht im Stich läßt Dieser Aufgabe dient das Er\verbslo$enhet־n für jüdische Jugendliche in Berlin, Auguststraße 14—15, über dessen Er- Öffnung hier in Nr. 81 berichtet wurde. Das Heim, dessen Gründung auf einen Beschluß der in dem Landesausschuß Berlin vereinigten Jugendbunde zurückzuführen ist und das mit Hilfe der Jüdischen Gemeinde und der Zentralwohlfahrtsstelle, der deutschen Juden geschaffen werden konnte, ver- Sticht, die Jugendlichen “,menschlich zu erfassen und beruflieh fortzubilden. Dem letztgenannten Zwecke dienen Sprach* kurse, Kurse in Stenographie, berufskundliche Vorträge und Betriebsbesichtigungen. Für die menschliche Erfassung ist ein lebendiger Kontakt, Aussprachen über die persönlichen Fragen, Singen, Fahrten und gemeinsames künstlerisches Erlebnis Voraussetzung des Gelingens, . Die Arbeit mit unseren jung... Erwerbslosem stellt einen der wesentlichsten Ansatzpunkte 1m Kampf gegen die Not und gegen die Flucht vom Judentum dar. Dr. Georg Lubinski. Kleine Nachrldilen Nelson Ruttenberg, der stellvertretende Polireikotnmis&ar von New York, wurde einstimmig zum Präsidenten des Jüdischen Nationalfonds für Amerika, an Stelle des zum Mitglied der Exekutive der Jewish Agency ernannten Emanuel Neaman» gewählt De von der Regierung eingesetzte Kommission zur Unter- Buchung des Automobilwese ns in Palästina empfahl der Regierung die völlige Abschaffung der Konzession*- f . .- .+־-־'-־■>-->» •׳- 'י* ־. <•׳. f"- die ■Chauffeure vor kurzem als Protest gegen diese Steuer und gegen den hohen Benzin-Zoll einen Streik geplant, der das ganze Land in große Verwirrung gebracht hätte, jedoch in» letzten Moment durchs Einsetzung dieser Kommission verhindert wurde. Zwei palästinensische Buchhändler wurden vor dem Friedensgericht in Haifa zu einer Geldstrafe verurteilt, weil bei ihnen einige Exemplare der (vom Haschom« Hazair in Warschau herausgegebenen) hebräischen Ausgabe des Buches von Max Hodann (dem Berliner Stadtarzt) ״Knabe und Mädchen“ gefunden wurden, das auf Veranlassung des Erziehungs-Departments der Palästina-Regierung in Palästina verboten ist Ein ehemaliger Offizier der türkischen Armee hat von der palästinensischen Regierung eine Konzession zur Ausbag gerung des Jordan an einer Stelle 5 km östlich von Beisan erhalten, da er behauptet, beim Rückzug der türkischen Armee dort 115 türkische Goldstücke versenkt zu haben. Der Gouverneur des Norddistrikts, Keith Roach, hat in einem Gespräch mit jüdischen und arabischen Dorfvertretera erklärt, die Regierung sei mit der Ausarbeitung eines neuen Steuersystems beschäftigt, das an die Stelle der veralteten, türkischen Bodensteuern des Oscher (Zehnten) und Werko treten soll. Einladung nach Tel-Awiw. Der Bürgermeister von Tel- Awiw, Herr Mayer Dizengoff, lud den Vertreter der J. T. A. zu sich und ersuchte ihn, der jüdischen Welt seine Einladung zum Besuche derStadt T el-Awiw im kommenden Frühjahr zu übermitteln. Tel-Awiw, erklärte Bürgermeister Dizengoff, wizd in der kommenden Peßach-Zeit Schauplatz großer Ereignisse sein. In dieser Zeit wird die große Levante-Messe abgehalten, die vor allem ein Bild von der großen produktiven Leistung Palästinas geben wird; auch wird um diese Zeit auf dem großen Sportplatz von Tel-Awiw die Makk ablade abgehalten, die die hervorragendsten jüdischen Sportler und Mannschäften fast aller jüdischen Sportvereinigungen der Welt nach Erez-Israel bringen wird. Die erste nur-jüdische Stadt Tel- Awiw lädt die Judenheit aller Länder herziiehst ein, sie im Monat April 1932 zu besuchen.

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