Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 83 (27.10.1931)
- Date
- 1931-10-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 83, 27. X 1931 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 400 Eine Schicksalsfrage des deutschen Zionismus? Von Harry Bein, Düsseldorf, Die Anregung, die in dem nachfolgenden Aufsatz amgeführt wird, entspricht zweifellos, wie wir aus Aeußcrungea von verschiedenen Seiten erfahren haben, einem Bedürfnis weiter Kreise. Et wäre 1n begrüßen, wenn ohne den schwerfälligen und kostspieligen Apparat eines eigenen Büros durch den hier vargesrhlngenen organisierten Kon• fallt von Zionisten in Palästina und Deutschland ein Nutzeffekt erreicht werden■ könnte, der gleichzeitig der Wirtschaft Palästinas und einer größeren Zahl deutsch-jüdischer junger Zionisten zugute käme. Red. Es ist eine ebenso bedauerliche wie leider nicht wegzuleugnende Tatsache, daß es um den jugendlichen Nachwuchs des deutschen allgemeinen Zionismus, das hMßt des nichtsozialistischen Zionismus, sehr schlecht bestellt ist. Vielfach scheint man sich damit abgefunden zu haben, daß die Zeit für die Werbung junger Zionisten nicht mehr So günstig sei, oder daß Menschen fehlen, die wieder Führer der Jugend sein könnten, soweit man nicht überhaupt in dumpfer Resignation die Dinge treiben läßt. Es ist daher notwendig, einmal den Ursachen dieser mangelnden Werbekraft des deutschen Allgemeinen Zionismus nachzugehen, um einen Ausweg aus dieser Situation zu finden, die, wenn sie noch länger andauert, naiurnotwendig zu einer weiteren Schwächung, zu einer Ucberalterung und schließlich Lähmung des deutschen Zionismus führen muß. Besonders kennzeichnend für die Situation des deutschen Zionismus scheint es zu sein, daß, soweit überhaupt Jugend geworben wird, es sich im wesentlichen um ostjüdische Jugend handelt, während die Werbekraft für die westjüdische Jugend, also die eigentliche deutschjüdische Jugend, in einem erschreckenden Maße abgenommen hat. Wenn nun auch der Zionismus grundsätzlich keinen Unterschied zwischen Westjuden und Ostjuden macht, so wäre es doch verfehlt, um eines ideologischen Prinzips willen Differenzierungen außer acht zu lassen, die gerade für die Werbearbeit von besonderer Bedeutung erscheinen. Eines hat uns jedoch offenbar die Erfahrung mit ostjüdischer und westjüdischer Jugend sowohl in Deutschland als auch in Palästina gezeigt (vgl. den im wesentliehen westjüdischen Blau-Weiß und den im wesentlichen ostjüdischen J.J. W. B.), nämlich, daß ostjüdischer Jugend im ganzen gesehen eine radikalere seelische Grundhaltung eigen ist, die sie zur Chaluziuth, zum Sozialismus und zum Kollektiv tendieren läßt, während westjüdische Menschen über ein geraäßigteres Seelenklima zu verfügen scheinen, und zu individualistischeren Gemeinschafts- und Wirtschaftsformen neigen. Das Ziel, als Chaluz in einem Kollektiv in Palästina aufzugehen, ist daher für westjüdische Jugend bei weitem nicht so verlockend wie für ostjüdische Jugend, und es hat sich bekanntlich auch nur eine sehr kleine Anzahl westjüdischer Cha• luzim im Lande gehalten. So konnte man der zu werbenden Jugend ehrlicherweise kaum mehr eine andere Aufgabe stellen als die, Nachwuchs für die Monistische Bewegung in Deutschland zu sein, also der zukünftige Träger der zionistischen Galnth-Arbeif. Und hier liegt zweifellos die Hauptursache des Versagens jeder Werbetätigkeit. Schon vor dem Kriege war es schließlich bei jeder zionistisehen Generation die Vorstellung oder auch nur der Traum einer möglichen späteren Uebersiedelung nach Palästina, de,r ihr entscheidenden Impuls und Auftrieb zur Arbeit gab- Um wieviel mehr muß diese Verbindung von Idee und Wirklichkeit bei der heutigen Jugend notwendig sein, -einer Jugesbd, deren wesentliche» Charakteristikum ihre realistis&ie Einstellung ist, gleichgültig jn welchem Lager sie sich befindet! Hatte schon immer Jugend, und gerade die besten unter ihr, das Bestreben, ihr Leben als etwas Ganzes aufzubauen, so trifft dies auf die heutige Jugend sicherlich in einem׳ erhöhten Maße zu, und So ist es nicht verwunderlich, daß der Kommunismus heute eine solch* besonders starke Werbekraft gerade auf die besten unserer jüdischen Jugend ausübt, da in ihm die Jugend — ob mit Recht oder unrecht — Idee und Wirklichkeit vereint Sieht. Es scheint klar: man kann nicht Jugend werben für die ״Etappe“; und die Anziehungskraft des Zionismus auf die heutige Jugend steigt und fällt mit den Möglichkeiten, die man ihr bietet, um ihr Leben mit Palästina zu verbinden. Nun versichern alle Kenner Palästinas, die die Entwicklung der letzten Jahre miterlebt haben, daß es heute — unbeschadet der jeweiligen politischen Umstände Palästinas und der zionistischen Bewegung — nicht wenige Möglichkeiten für junge, fachlich gut gebildete Menschen der verschiedensten Berufe gibt und immer mehr geben wird, sich in Palästina eine Existenzmöglichkeit zu schaffen, sei es in einem Anstellung«- Verhältnis oder auch als selbständige Existenz auf iudividualistischer, gegebenenfalls auch genossenschaftlicher Grundlage. Man hört hierbei von Möglichkeiten in den verschiedensten Berufen, im Orangenbau, in der Milchwirtschaft oder Geflügelzucht, im Hotelwesen, Transportwesen, jm Handwerk, im Detailhandel, in der Konfektion, im Im- und Exporthandel, in der Industrie als technische und kaufmännische Fachleute, als Betriebstechniker, Wirtschaftsexperten, als moderne Dekorateure, im Baugewerbe, Druckgewerbe und anderem mehr. Und wenn es aucii vermutlich in jedem der verschiedenen Berufszweige nur einige Möglichkeiten gibt, so ist deren Summe sicherlich schon heute ganz ansehnlich, um einer Reihe von Menschen aus Deutschland eine Existenz zu bieten. Was aber fehlt, um diese Möglichkeiten für die Jugend fruchtbar zu machen, ist eine Stelle, die die jungen Menschen, die sich mit dem Gedanken einer Einstellung und Umstellung auf Palästina tragen, und nicht Clialuzim werden wollen oder können, über ganz allgemeine Winke hinaus beraten und lenken könnte, um ihnen damit ein gewisses Maß von Sicherheit zu geben, daß ihre Wünsche nicht nur leere Träume sind, sondern durchaus ErfüliungsmögHchkeiten in sich tragen. Mechaiuz und Palästina-Amt erfüllen zweifellos die speziellen, hier notwendigen Aufgaben nicht. Wer, wie der Schreiber, dieses schon einmal versucht hat, von Deutschland aus sich die notwendigen Informationen zu bestimmten Plänen in Palästina zu beschaffen, weiß, daß es bisher trotz bester Verbindungen und bei Zuhilfenahme aller bestehenden Institutionen kaum möglich war, das Minimum an konkreter Information zu erhalten, auf das man Pläne basieren kann. Als der Blau-Weiß an der großen Aufgabe, die er sich gestellt hatte, scheiterte, ist post fest um viel Kritik geübt worden, und nicht wenige haben damals seinen Weg in Bausch und Bogen verdammt. Es wäre heute, nachdem man genügend Zeit gehabt hat, Distanz zu den Vorgängen zu gewinnen, sehr wünschenswert, einmal eine wirklich objektive Untersuchung anznstellen, was an den Gedankengängen und Handlungen des Blau-Weiß richtig, und was verfehlt war, damit man versuchen könnte, das Richtige in seinen Gedankengängen da fortzusetzen, wo sie bei seinem Scheitern im Stich gelassen werden mußten. Bei einer solchen Untersuchung würde sich zweifellos ergeben, daß der Gedanke des Blau-Weiß richtig war, junge Menschen in bestimmte Berufe in dem Maß zu lenken, in dem er selbst glaubte, in seiner geplanten und begontienen Siedlung Verwendungsmöglichkeit zu haben. Diese Gedanken auf heutige Verhältnisse übertragen, bedeutet, daß es nötig ist, zu untersuchen, welche Möglichkeiten es heute und in den nächsten Jahren für junge Menschen in bürgerli׳'hen Berufen aller Art in Palästina gibt und voraussichtlich geben wird, um entsprechend den dabei gewonnenen Ergebnissen junge Menschen zu beraten. Man begegnet bei solchen Gedankengänge.11 vielfach der Einwendung, daß sich die Möglichkeiten in einem Lande, das Sich in einer so wechselvollen Entwicklung befindet, doch schwer bestimmen lassen, daß man schließlich doch keine Gewähr für die Beratung übernehmen könne, und jungen Mensehen, die nach Palästina gehen, eben das Risiko nicht abnehmen könne, daß eben der Uebersiedlungswillige einmal hinüberreisei! und sich selbst umsehcn solle. Nun scheidet das letztere bei den meisten jungen Menschen schon aus Mangel an Mitteln aus. Daß man im übrigen die Aussichten nicht mit absoluter Sicherheit Voraussagen und auch bei sorgfältigster Beratung keine letzte Gewähr übernehmen kann, ist selbstverständlich. Auch andere Berulsberatungsstellen können und tun dies nicht. Schließlich sind aber die jungen Menschen, die wir nach Palästina bringen wollen, keine Abenteurer, die man in die Wildnis schickt, und die Möglichkeit muß bestehen, sie wenigstens in der Richtung ihrer Laufbahn so weit 711 beraten, daß das Risiko, das sie eingehen, auf ein einigermaßen normales Maß beschränkt wird. ״Wer für andere Menschen denkt, hat auch für sic zu sorgen“. Dieser schöne Ausspruch Walther Rathenaus hat, wenn man ihn nicht zu wörtlich nimmt, für unsere Jugendwerbung sicherlich seine besondere Bedeutung. Die Voraussetzungen, eine solche sachgemäße Beratung zu schaffen, sind zweifellos nicht so schwierig, wie es auf "den ersten Blick den Anschein haben mag. Nötig ist dazu vor allem ein Kreis von Menschen, die an den verschiedensten Stellen, teils in Deutschland, teils in Palästina lebend, sich für diese Arbeit verantwortlich fühlen. Die Aufgabe dieses Kreises wäre eine zweifache. Zunächst die einer Enquete. Sie hätte zu beginnen mit der Untersuchung, welche Ueber- Siedlungsmöglichkeiten für junge Menschen in den verschiedensten Berufen tatsächlich vorhanden sind, und welche fachlichen und finanziellen Voraussetzungen dabei von seifen der liebersiedelnden notwendig sind. Solche Untersuchungen würden zweckmäßigerweise so verteilt werden, daß je ein Gewährsmann in Palästina und Deutschland in Zusammenarbeit jeweils die Möglichkeiten eines bestimmten Berufs untersuchen. Die so gewonnenen Erfahrungen wären an einer Zentralstelle zu sammeln und von dieser allen Stellen in Deutschland mitzuteilen, die mit Jugendwerbung zu tun haben, oder an die sich Jugend bezüglich Berufsberatung für Palästina wendet. Die zweite Tätigkeit dieser Gruppe müßte die aktive Unterstützung bei Berufsumschichtiuig und Uebersiedlung junger Menschen sein. Zunächst durch konkrete Berufsberatung, dann durch Beschaffung von Ausbildungsstellen, und schließlich durch praktische Hilfe bei der Uebersiedlung. Die Tätigkeit hätte sich dabei auch zu erstrecken auf die Vermittlung von Hilfe in finanzieller Beziehung, sei es durch Beschaffung von Darlehen oder andere Finanzierungsinögiiehkeiten. Inwieweit letztere Aufgaben auf rein privatwirtschaftlicher Basis durchzuführen wären, ist eine Frage für sich. Auel! bei dieser aktiv unterstützenden Tätigkeit würden wieder einzelne Menschen des verantwortlichen Kreises bestimmte Aufgaben oder Teilaufgaben übernehmen; nicht ein neues bürokratisches Amt würde somit diese Aufgaben durchführen, sondern ein verantwortlicher Kreis zionistisch interessierter Menschen. Nun ist wohl kaum anzunehmen, daß über die untersuchende Tätigkeit hinaus die aktiv unterstützende Tätigkeit dieser Gruppe zunächst eine überaus große sein wird. Aber selbst wenn im ersten Jahr nur fünf Menschen auf diese Weise von Deutschland nach Palästina kommen könnten, so wäre schon ein Wesentlicheserreicht. Die Tatsache, daß eine Organisatioa■ besteht, die über gesammelte Informationen ver־' Fügt, würde den Menschen, die Jugendarbeit leisten, einen ganz anderen Rückhalt geben. Dadurch würde diese Organisation im Laufe der Jahre in zunehmendem Maße auch praktische Betätigungsmöglichkeiten und wachsende Bedeutung erhalten. Zudem würde zwischen dem Kreis dieser Menschen, die Beratungs- und Hilfstatigkeit zur Uebersiedlung durchführen, und Palästina ein Koutakt geschaffen, der auf sie selbst, aber auch auf die ihnen nahestehenden Zionisten eine belebende Wirkung ausüben würde. Und so würde ein Netz von lebendigen Bez.ielmtigen zu Palästina geschaffen und eine P a 1 ä s t i n a - N ä 11 e erzeugt werden, die leider unter den deutschen Zionisten in einem bedenklichen Maße fehlt. Wird eine solche Organisation — vom Kleinen aniangend — geschaffen werden, so wird sie zweifellos allmählich ihre Wirkung nach allen Richtungen ausstrahlen. Sie wird Palästina dienen, und sic wird dem deutschen Zionismus dienen, und vielleicht einmal dem deutschen Judentum als Ganzem; denn verkennen wir nicht, die jüdische Jugend Deutschlands geht trüben Zeiten entgegen. Die Möglichkeiten für sie, in Deutschland einen Erwerb zu finden, nehmen von Jahr zu Jahr — fast könnte man heute schon sagen von Tag zu Tag — mit wachsender Beschleunigung ab. Es muß leider befürchtet werden, daß in nicht allzuferncr Zeit der Augenblick kommen wird, wo die jüdische Jugend Deutschlands zu uns kommen wird und schon aus rein materiellen Gründen von uns fordern wird, daß man ihr Lebensmögliclikeiten in Palästina zeigt. Fangen wir zeitig an, dafür vorzuarbeiten, damit uns dann diese Welle nicht ebenso unvorbereitet überrascht wie die Auswanderungswelle der vierten Alijah aus Polen die Zionistische Organisation überrascht hat. Aus dem klein scheinenden Problem von heute kann vielleicht morgen schon eine Schicksalsfrage des deutschen Zionismus werden. Es scheint, daß sie es sogar bis zu einem gewissen Grade bereits geworden ist. Die vorstehenden Ausführungen konnten nur skizzenhaft sein. Details zu erörtern, wird erst am Platze sein, wenn eine günstige Aufnahme des hier vorgetragenen Gedankens seine Ausführung ermöglicht. Alle Zionisten in Deutschland und Palästina, die diese Aufgabe für wichtig halten, und an ihr mitarbeiten wollen, bitte ich daher, durch Zuschriften an die ״Jüdische Rundschau“ oder an die Adresse des Verfassers, Düsseldorf, Rafhausufer 19/1F, zu diesen Ausführungen Stellung zu nehmen. Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis in Berlin. Auf der Durchreise von Karlsbad nach Stockholm hielt der Oberrabbiner Schwedens, Dr. Markus Ehrenpreis, am 21. Oktober einen hebräischen Vortrag im Beth Am und am 22. Oktober einen Vortrag in deutscher Sprache im Logenhaus, Kleiststraße, Beide Vorträge waren sehr zahlreich besucht. Im Beth-Ao sprach Dr. Ehrenpreis über ״Erez-Israel und Galuth“. Er fordert eine Art Parallelismus in der jüdischen Arbeit, die sich verteilen soll auf den Aufbau des jüdischen Palästina und den Wieder* aufbau der jüdischen Diaspora. Die vielfach kühnen und von der parteimäßigen Schablone stark abweichenden Gesichtspunkte des Vortrages gaben Anregung zu einer sehr angeregten Diskussion. Im Logenhaus sprach Dr. Ehrenpreis im Rahmen der Eröffnung des 40. Arbeitsjahres des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur über ״Mariane 11 in Spanien und Portugal“. Ehrenpreis schilderte übersichtlich die ge- Schichthöhen und Teligionspsychologisehe.il Hintergründe des Wiedererwachens der Marranen in Portugal, das er als eines der bedeutsamsten Ereignisse in der neueren jüdischen Geschichte bezeichnet«, Tagungen Zionistischer Gruppenverband Oberschlesien. Sonntag, den 18. Oktober, fand eine sehr gut besuchte Tagung des Zionistisclien Gruppenverbandes Oberschlesien in ßeuthen statt. Das I lauptreferat: ״Die Lage im Zionismus“, hatte Herr Moses Waldm ann - Berlin übernommen. Waldmann zeigt die veränderte politische und finanzielle Situation in der Welt nach dem Kongreß auf. Wir stehen vor einer revolutionären Umwälzung und es besteht di« Frage, ob in dieser neuen Welt auch der Zionismus seinen Platz behaupten wird. Redner legt dar, daß der Zionismus auch unter veränderten Bedingungen die einzige Lösung der Judenfrage bleiben wird. Deshalb tritt Redner ein für einen Zionismus unter jeden Bedingungen und um jeden Prds. — Anschließend berichtete Herr Dr. Deutsch m a n 11, Op|*־ln, über die letzte Sitzung des Landesvorstandes. Redner behandelt die Propagandametliodcn, die auf der Sitzung zur Sprache kamen und befaßte sich zum Schluß auch mit dem Verhältnis der Revisionisten zur Z. V. f. D. — Es folgte eine lebhafte Ausspräche. —■ Arnold Wiener hält die Beschlüsse des Gcschäftsführenden Ausschusses hinsichtlich der Revisionisten für übereilt und glaubt, daß ein milderes Vorgehen gegen diese am Platze wäre. Dr. F r ä n k e 1 wendet sich besonders gegen die Propagandamethoden der Z, V. f. D., mit denen man bisher nur Einzelne, aber nicht die Masse der Juden gewinnen konnte. — Dr. Wei S m a n זז tritt dem Beschlüsse des Geschäftsführenden Ausschusses in der Frage des Revisionismus hei und glaubt, daß nur eine starke Organisation in dieser Zeit alle Schwierigkeiten überwinden kann. Herbert Wachsm a 11 11 behandelt das Thema ״Zionismus und Sozialismus“. — Nach einem Schlußwort von Waldmann wurde die Sitzung um 7 Uhr geschlossen. — Vorher hatte die Neuwahl zum Geschäftsführendeil Ausschuß des Gruppen!erbandes stattgefunden, der sich wie folgt zusammensetzt: Dr. Weißmann, Beutlien, Vorsitzender, ferner Arnold Wiener, Salo Guttmann, Beutlien, R.-A. Wunderlich, Oppeln, Frau R.-A. Schindler, Hindenburg, und (als Vertreter des Makkabi) Oskar Hirschmanu, Tamowitz. — fm Anschluß an die Tagung des Ciruppenverbaudes hat eine längere Vortragstourncc des Herrn Waldmann im ganzen oberschlesischen Bezirk stattgefunden. Herr Waklmann sprach insbesondere, zum Teil mehrfach in öffentlichen Versammlungen, in Beutlien, Hinden borg, Oppeln, Ratibor, Groß - Strehlitz und Gldwitz. Ueberall wurden seine Ausführungen mit großem Interesse aufgenommen und haben zur Belebung unserer Arbeit außerordentlich beigetragen. Gruppenverbandstag für Rechtsrheinland und Westfalen. Am 18. Oktober fand in Essen ein Gruppenverbandstag des Zionistischen Gruppenverbandes Rechtsrheinland und Westfalen statt, zu dem 300 Zionisten erschienen waren. 111 der Vormittagssitzung hielt Frau Anna Levy aus Duisburg, die bisherige Sekretärin des Gruppenverbandes, ein anschauliches Referat über die verflossene Arbeit des Verbandes sowie über die Wege, die künftig zu gehen seien. Die Referentin sprach über die einzelnen Arbeitsgebiete wie zionistische Propaganda, Jugendarbeit, Frauenarbeit, Gemeindearbeit und KKL-Arbeit. Erfahrungsgemäß sei eine Zentralisation der Arbeit einer De- Zentralisation vorzuziehem Nur für einzelne Dezernate, die auch bisher in verschiedenen Städten domiziliert gewesen seien, möge man es bei der Dezentralisation belassen. Für die Propaganda empfahl die Berichterstatterin interne Ausspracheabende״ Sie wies auf die Wichtigkeit der Tagung hin, die die letzte unter der alten Führung sei, da Herr Dr. Epstein seinen Posten als Vorsitzender niedergelegt habe. Im Anschluß an das Referat fand die Wahl eines neuen Vorsitzenden statt Es wurde einstimmig Herr Harrv Bein, Düsseldorf, gewählt. Düsseldorf wird auch künftig der SitzdesGruppenverbandsbüros sein. Dr. Ber 1, Dortmund, wurde beauftragt, die spezielle Arbeit für Westfalen zu übernehmen, Herr Erich Weinberg, Herford, die Arbeit für Ost-Westfalen. Die Gruppeil sprachen Herrn Dr. Epstein für seine jahrzehntelange hingebungsvolle Arbeit ihren Dank aus und dankten der ausscheidenden Frau Anna Levy für ihre erfolgreiche Tätigkeit. Zu Beginn der Nachmittagssitzung sprach Dr. Georg Landauer, Berlin, über ״Die besondere Situation der zionistischen Arbeit im kommenden Winter“. Dr. Landauer gab eine Uebersicht über die Lage und Arbeit der Fonds im letzten Jahre, deren Zahlen ergab, daß die Opferwilligkeit der Zionisten nach wie vor groß ist. Auch in ideeller Hinsicht sei cs gerade bei der heutigen Situation des deutschen Judentums möglich, an die Menschen hcranzukotnmen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Besonders wichtig sei das für die Jugend, die mau zwingen müsse, die letzten Konsequenzen aus ihrem Anschluß an das Palästina-Werk zu ziehen. Der Redner ging dann auf akut gewordene innerpolitisch zionistische Fragen ein. Den ausgezeichneten Ausführungen folgte eine rege Diskussion. In seinem Schlußwort stimmte Dr. Landauer den meisten Ausführungeu der Redner 7,u. Dr. Irvin Fisher sprach dann über die seit Errichtung des Jugendamtes geleistete Jugendarbeit des Bezirks, Sie habe unter dem Mangel an Mitteln und aucii unter der wenig intensiven Mitarbeit der Ortsgruppen gelitten. Trotzdem sei es gelungen, die Jugendbünde einander näherzubringen, vor allem durch Treffahrten. Man wolle weiterhin jährlich mehrere große Treffahrten machen sowie Führerkurse abhalten. Außerdem sollen nach Möglichkeit die jüdischen Feste von der Jugend gemeinsam gefeiert werden. Herr Dr. Epstein schloß die Tagung mit dem Wunsch, daß die Arbeit des Gruppenverbandes unter der neuen Leitung weiter ausgebaut werde unter Einsetzung aller zionistischen Kräfte des Bezirks. Es wurden zum Dank für die Arbeit des Herrn Dr. Epstein und der Frau Levy 14 Bäume gestiftet. Auf der Tagung fanden Sonderberatungen der Vertrauensleute des KKL, der Vertreter der Makkabivereine und des KJV statt. Die Zionistische Studentinnengruppe (ZiSt.) schreibt uns: Nach nunmehr 3/t jährigem Bestellen kann unsere Organisation als gefestigt gelten. Den ursprünglich zwei Gruppen (Frankfurt/M. und Berlin) haben sich acht weitere aneeschlosseu. Die Aufgäbe, die -sich die ZiSt. gesetzt hat, bestirnt darin, Studentinnen und darüber hinaus berufstätige jüdische Mädchen zionistisch zu erfassen. Die ZiSt will in Kursen und Arbeitsgemeinschaften ihren Mitgliedern eine gründliche zionistische Bildung vermittein; Hebräisch zu lernen ist Pflicht jedes Mitgliedes. Die Gruppen beteiligen sich an der zionistischen Tagesarbeit. Wir wollen im kommenden Winter unsere gesamte Arbeit weiter intensivieren; unsere Gruppen werden gemeinsam mit dem K. J. V. an der geplanten Propaganda der Z. V. f. D. teilnehmen. Studentinnen, die die ZiSt. interessiert, finden Gruppen in Berlin, Frankfurt a. M., München, Leipzig, Köln a. Rh., Königsberg, Riga, Breslau, Würzburg und Heidelberg, ln Hamburg und Frei bürg i. Br. werden wahrscheinlich zu Beginn des Winter- Semesters Gruppen gegründet. Die Adressen sind zu erfahren durch die dortigen K.J. V.-Verbindungen oder durch die Hauhala der ZiSt, Herta Perlstein, Charlottenburg, Bleibtreustr. 50 (K.J. VA