Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 80 (16.10.1931)
- Date
- 1931-10-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2651273-2653252-2653327--22626-2680871- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 80, 16. X. 1031 JÜDISCHE RUND5CHAU Seite 483 Der Keren Hajessod Sein Programm und seine Aussichten für 5692 Von Leib Jaffc. Die nachfolgenden Ausführungen hot Herr Leih Jaffe. Direktor des Keren Hajessod, vor einer jüdischen Journalisten-Konferenz in Nahelai (Emek Jesreel) am 5, Oktober 193t gemacht. Ich betrachte es als einen besonderen Vorzug, in N ah a I al, Im Herzen des Emek, sprechen zu dürfen. Vor zehn Jahren stand ich an derselben Stelle und sah, wie die Gründer von Nahalal bis an den Knien im Sumpfwasser standen; sah die Baracken voller Malariakranken. Heute steht das Emekwerk wie eine lebendig gewordene Vision vor uns, eine Vision erfüllt von Schweiß und Blut, von Sehnsucht nach einem neuen und gerechteren Leben der Arbeit. Aus dem Emek sogen wir die Kraft zu unserer Propaganda, lind mit unserer Propaganda erhöhten wir seinen Ruhm. Unser Volk hat uns mit seinem Scherflein geholfen, den Emek zu erobern, und der Emek hat dafür dem Volk die Gabe des Heldentums und einer erhabenen Schönheit gereicht. Der Emek ist unserem Volk zu einer Sage und einem Sinnbild geworden. Die Menschen des Emek wissen, daß ihr Kampf und ihre Leiden noch nicht beendet sind, aber Zehntausende und Hunderttausende unserer Spender in den U-lern des Golns blicken mit Neid auf sie und ihre Leiden — die Leiden des Heimatlandes, die Wehen der Wiedergeburt. Die Arbeit für den Keren Hajessod war schwer in den letzten Jahren, voller Schwierigkeiten und Hindernisse von innen und von außen. Das letzte Jahr aber übertraf alle anderen an Leiden und Widerständen. Die Welt• ist bis in ihre Grundfesten erschüttert worden, und jede Zerstörung und Erschütterung, die über die ganze Welt, die Völker und Reiche hereingebrochen ist, trifft besonders die Judenheit, die ungeschützt, ohne Besitz und Land, wurzellos in der Luft hängt. Innerhalb weniger Jahre ist unser Volk verarmt. Wir hören von Verelendung und Not, und doch ist rS schwer, sich von weitem die Katastrophe vorzustellen, die über unser Volk hereingebrochen ist, die schreckliche Tragödie eines ganzen Volkes und die zahllosen einzelnen Tragödien der Individuen, Schichten und Gruppen. Hunderttausende von Menschen irren wie Schatten ohne Arbeit und Erwerb, strecken die Hand nach Brot aus, haben keine Zuflucht und keinen Ausweg. Das vergangene Jahr begann mit dem Passficld’scheu Weißbuch. Ein Gefühl der Enttäuschung und Depression bemächtigte sich ganzer Teile des Volkes. Unsere Bewegung erlitt schwere Erschütterungen, Soaltung und Streit der Parteien. Alles konzentrierte sich auf die Politik und den Protest, und die praktische Arbeit, die allein dem Protest und den Forderungen Inhalt und Kraft verleihen kann, wurde vernachlässigt. Auch eine übertriebene Kritik, deren Beweggründe nicht immer lauter waren, stört? unsere Arbeit. Es ist unmöglich, den Keren Hajessod zu unterwühlen und zu schwächen und gleichzeitig von ihm zu verlangen, daß er unberührt und stark dastehe. Unsere Arbeit leidet auch darunter, daß jede Krifik. die — berechtigt oder unberechtigt — an solchen Werken und Handlungen im Lande geübt wird, für die wir keine Verantwortung tragen, am Keren Hajessod hängen bleibt. Der Keren Hajessod hat mehr als eine viertel Million Familien zur Entrichtung ehier Steuer für Erez-Israel mobil!- siert. Der Keren Hajessod ist in alle Kreise und Schichten des Volkes eingedrungen; er hat die entferntesten Volkszweige in den entlegensten Winkeln des Golus erreicht, die von unseren Abgesandten entdeckt und für das Werk unserer Befreiung gewonnen wurden. Der Keren Hajessod ist zu einem Werk des Volkes und einem Sinnbild geworden. . _Jt1 4$r vpm Keraj^aie||0daMrücJ<j|ele^ ten Jahrzehntes brachten wir £ 200,000 mehr auf als im ersten Jahrfünft. In den letzten zwei Jahren verringerten sich die Einnahmen des Keren Hajessod infolge der allgemeinen Krise innerhalb der Zionistischen Orr^msation. Widerstände haben sich ergeben, zu deren Ueberwindung fast übermenschliche Kräfte gehören. Jedoch auch in diesen zwei Jahren, besonders im letzten Jahr, welches das allerschwerste war, kann man nicht von einem Niedergang des Keren Hajessod sprechen. Die Quote, die wir zu Beginn des Jahres 5691 für unsere Eingänge aufstellten, betrug .£ 327,000 abgesehen von den Hadassah-Eingängen, davon entfielen £ 200,000 auf die verschiedenen Länder mit Ausnahme der Vereinigten Staaten (inklusive Kanada, für das wir eine Quote von £ 20.000 ansetzten). Außerdem gedachte die Agency, im Jahre 5691 £ 145,000 außerhalb der regulären Einnahmen des Keren Hajessod zur Deckung von Schulden aufzubringen. Diese Hoffnung hat sich wegen der amerikanischen Krise nicht erfüllt. Jetzt am Schluß des Jahres 5691 sind die Er״fbnisse der Sammlungen des Keren Hajessod während dieses Jahres bereits bekannt. Alle Länder zusammen, außer den Vereinigten Staaten, haben £ 180,000 aufgebracht. Danach fehlen an der vollen Quote der Länder mit Ausnahme der Vereinigten Staaten 10 %. Wenn Kanada seine Quote entrichtet hätte, so hätten wir den gesamten Betrag, den wir für das Jahr 5691 erwartet hatten, erzielt. Kanada hat im lahre 5691 dem Keren Hajessod nichts überwiesen, weil es alle gesammelten Gelder einem großen Werk —- dem Ankauf des Wadi Chawarith-Bodens — hat zukommen lassen. Durch die innere und äußere Krise in den Vereinigten Staaten sind dort die Einnahmen zurückgegangen, so daß uns 30 °/0 an der von dort erhofften Summe fehlen. Wenn wir die im Vergleich zu den vorhergehenden Jahren außerordent'ich verschlechterte Lage in Betracht ziehen, so finden wir, daß unsere Arbeit keinen Niedergang erlitten hat; man kann diese Ergebnisse im Gegenteil als einen Aufstieg bezeichnen, mindestens als eine Bewahrung der Position. Es darf nicht vergessen werden, daß wir die in diesem Jahre erzielte Summe von £ 270,000 nur erreichen konnten, indem wir mehr Energie und Anstrengungen aufwandten als notwendig waren, um vor drei fahren eine halbe Million Pfund aufzubringen. Wenn der Keren Hajessod auch in Jahren wie diesen nicht zu Fall gekommen ist, wenn er seinen Platz behauptet und seine Arbeit fortgesetzt, so danken wir dies der bezwingenden Kraft unseres Landes und dem engen Band zwischen dem Volk und seinem Land. Besondere Anerkennung gebührt bei dieser Arbeit unseren Emissären und Mitarbeitern, die an dem schwersten Posten vor der Front unserer Bewegung stauden und häufig genötigt waren, in ,einer schweren Atmosphäre von Ignorierung, Verleumdung und Verlästerung zu arbeiten. Anerkennung gebührt unseren Ausschüssen, Instruktoren und Mitarbeitern in jedem einzelnen Lande und Orte, Anerkennung gebührt auch den anonymen Mitarbeitern des Keren Hajessod. Dank sei ihnen allen, die in jedes jüdische Haus die Kunde von Erez-Israel und der Wiedergeburt tragen, die zu dem armen und gesunkenen Volk kommen und von ihm, dem mittellosen, ohne Zwangs- und Gewaltmittel die Volkssteuer für den Aufbau des Landes erheben. Aber was bedeuten diese Ergebnisse gegenüber den Erfordernissen unseres Jischuw und unseres Werkes? Was gegenüber der Kraft und Energie, die wir auf die Arbeit verwandt haben? Wir kämpfen unaufhörlich und suchen Wege zur Stärkung und Bewältigung, der Arbeit des Keren Hajessod. Aber wir müssen die Arbeit innerhalb der Grenzen des Keren Hajessod und in den ins Volksbewußtsein eingedrungenen und darin verwur,.c;;cn Formen führen. Wir können nicht mit einem Sprung zu unerprobten Systemen und Wegen übergehen, deren Zweckmäßigkeit noch nicht bewiesen ist. In der letzten Zeit haben wir viele Ratschläge und Projekte gehört Der letzthin am häufigsten erteilte Rat ist derjenige der ״Konkretisierung״. Man sagt uns, wenn wir in dieses oder jenes Land mit dem Vorschlag kämen, es solle einen bestimmten Zweig unserer Arbeit im Lande auf sich nehmen, so würden wir bessere Erfolge erzielen. Wir sind nicht durchaus Patrioten des Keren Hajessod; vor uns steht immer die Frage: welches ist das Losungswort, welches die Mittel und Wege, die Erez- Israel den größten Nutzen bringen werden? Vor unseren Augen steht immer der Hauptzweck des Keren Hajessod. Nach den Erfahrungen, die wir in all diesen Jahren unserer Arbeit gesammelt haben, und aus unserer Kenntnis der Sachlage glauben wir nicht, daß die Losung der bestimmten Aufgaben größeren Erfolg und Einfluß haben wird als die Losung der großen Fonds, die in den Massen unseres Volkes Wurzel geschlagen hat. Wenn man auf die praktische Seite dieses Vor- Schlages eingeht, kamt uns niemand sagen, wie er auszuführen ist. Man darf auch nicht den Gedanken vergessen, der während all dieser Jahre mit so großer Mühe gepflegt und entwickelt wurde, den Gedanken der Volkssteuer für das Volksbudget, aus dem alle Bedürfnisse des nationalen Aufbaus bestritten werden sollen. Das Herz des Volkes haben wir erobert, weil wir mit diesem Gedanken zu ihm kamen. Das Zahlen der jüdischen Steuer wurde geschaffen. Den Juden, der dem Keren Hajessod seine Steuer entrichtet, gewöhnten wir daran, sich selbst als einen Bürger des im Aufbau begriffenen Erez-Israel zu fühlen. Nur im Namen dieses Gedankens war cs möglich, den Maasser zu fordern, der sich zwar nicht hat praktisch verwirklichen lassen, dessen Grundsatz aber in einer oder der anderen Form bei der Erhebung der jüdischen Volkssteuer aufrecht erhalten wurde. Natürlich gibt cs außer der Tätigkeit des Keren Hajessod viele andere Mittel und Wege zum Aufbau des Landes. Immer mehr spricht man von privater Initiative. Ihrer Eniwicklung und Stärkung soll man große und besondere Anstrengungen widmen. Die Tätigkeit des Keren Hajessod im Lande dient aber auch als Grundlage für die Unternehmungen der privaten Initiative und hat das Land für ihre Entwicklung vorbereitet. In diesen Tagen wird mit besonderem Nachdruck die Schaffung eines E r z i c h 11 n g s f o 11 d s gefordert. Mit schwerem Herzen verfolgen wir das Schicksal des Schulwesens im Lande. Aber mit einem solchen Fonds können wir uns nicht einverstanden erklären. Wir glauben nicht, daß eine Sondcrsammlung für Erziehungszwecke mehr ergeben wird als das, was das Schulwesen bisher aus dem allgemeinen Budget erhalten hat. Seit seiner Gründung hat der Keren Hajessod (bis Ende Juni 1931) für das Schulwesen ausgegeben: £ 870 000 inklusive £ 40 000 für das Haifacr Technikum, £ 38 000 für die Hebräische Universität lind zirka £ 13 000 für die National- und Universitätsbibliothek. Man kann sich schwer vorstellen, daß ein besonderer Fonds mehr als das erreichen würde. Die Ankündigung eines neuen Fonds wird dem Schulwesen keine Einkünftc bringen, aber dem Keren Hajessod Abbruch tun, worunter dann natürlich auch das Schulwesen leiden wird, Ich brauche kaum noch darauf hinzuweisen, daß ein neuer Fonds auch einen besonderen Apparat und weitere Ausgaben erfordert. Zur Zeit des Kongresses trat unsere schwere finanzielle Lage zutage. Durch den Rückgang der Eingänge aus den Vereinigten Staaten und aus Canada und durch den Ausfall der £ 145 000, welche die Agency gehofft hatte, zur Deckung von Schulden aufzubringen, blieben wir mit £ 100OCX) im Rückstände. Dies ist die Summe, die notwendig wäre, um in das neue Budgetjahr einzutreten. Der Kongreß hat auf unseren Vorschlag die sofortige Durchführung einer Sonderaktion zur Erlangung dieser Summe beschlossen, die außerhalb der regulären Einnahmen des Keren Hajessod aufgebracht werden soll. Mehr ■>*&£ .6ro,.hlb|n,wiTfeeite,iuf J3p Kongreß ■*i diese Aktion wird jetzt in den meisten Ländern energisch fortgesetzt. Unsere Freunde in Amerika und Südafrika haben den gegenwärtigen Zeitpunkt nicht geeignet gefunden für die Einleitung einer Sondersammlung, da ihrer Meinung nach eine Sonderaktion jetzt die große Kampagne, die in nächster Zeit dort unternommen werden soll, schwächen würde. Wir haben auf dem Kongreß das Ergebnis unserer Sarnm- Jungen während dieses Jahres mit £ 250 000 veranschlagt, davon £ 100 000 aus Amerika, £ 150 000 aus den übrigen Ländern. Wir hoffen, diese Summe aufzubringen, wenn die Weltkrise sich nicht verschärft In Tagen, in denen unsere Tätigkeit im Lande darniederliegt, ist cs schwer, Geld von draußen zu erhalten. Der Jude gibt, damit geschaffen und aufgebaut wird. Die Befestigung und Ausdehnung unseres Siedlungswerkes würde auch in diesen Tagen des Niederganges das wirksamste Losungswort bilden. Nach elfjähriger Arbeit sehen wir, was der Keren Hajessod tatsächlich und latent, direkt und indirekt im Lande erreicht hat. 58 landwirtschaftliche Siedhingspunktc wurden durch den Keren Hajessod gegründet oder unterstützt. Bis Ende Juni d. J. hat der Keren Hajessod für die landwirtschaftliche Kolonisation £ 1440000 ausgegeben. Wir haben das Schulwesen im Lande gestärkt und unterstützt, das heute zirka 23 000 Schüler, 258 Er- Ziehungsinstitute und über 800 Lehrer umfaßt. Für Zwecke der Einwanderung und Ausbildung gab der Keren Hajessod £ 415 000. Der Keren Hajessod unterstützte die Verwurzelung des jüdischen Arbeiters in den Kolonien. Er war dem jüdischen Arbeiter behilflich, in alle Arbeitszweige im Lande einzudringen. Er half bei der städtischen Ansicdlung, unterstützte den Häuserbau, den Wegebau und verschiedene öffentliche Arbeiten. Bis Ende Juni d. J. investierte der Keren Hajessod für verschiedene Industrien und Handels-Gesellschaften und Unternehmungen wie das Ruthenberg-Werk, die Tote-Meer-Konzession usw.. für die städtische Ansiedlung und für öffentliche Arbeiten in Stadt und Land im ganzen £ 935 000. Hierzu gehören auch die Summen, die der Keren Hajessod in verschiedene Bodengesellschäften, die sich in Notlage befanden, investierte, wodurch große und wichtige Bodenflächen unserer Ansicdlung erhalten Wieben. Das kommende Jahr wird schwer sein. Die ganze Welf ist bis auf den Grund erschüttert. Die Tatsachen und die Wirklichkeit sind gegen uns. Ein Wunder tut not. Dieses Wunder liegt in der Kraft von Erez-Israel. ״Eia neuer Welzmaoa“ Die Berliner Ausgabe der JTA. schreibt in ihrem Bericht über die Berliner weizmann-Versainmlungen: ״Die Zuhörer hatten den Eindruck, einen ganz neuen Weizmann vor sich zu sehen: nicht mehr den die Last seiner Aufgaben und seiner Verantwortung schwer tragenden erwählten Führer, der der OeffentlichkeR Rechenschaft über sein Tun und Lassen gibt und der sich gegen immer erneute Angriffe gegen seine Person und seine Politik zu wehren hat, sondern einen Führer, der, von der Last der Verantwortung befreit, frisch von der Leber weg spricht und das einzige Ziel vor Augen hat, für die Idee, die sein ganzes Sein ausfüllt, zu werben. An beiden Abenden ging Weizmann jeder Erörterung der politischen Lage des Zionismus geflissentlich aus dem Wege, seine Ansprachen waren fein durchdachte, witzig pointierte und im Tone frische Werbereden für den Zionismus und für die tätige Mitarbeit an dem Aufbau des jüdischen Palästina, die die Zuhörerschaft enthusiasmierten und immer wieder zu begeistertem Beifall hinrissen.“ Revisionisten und Z. V. i. D. Der G. A. der TL V. f. D. antwortet auf die Resolutionen der revisionistischen Landeskonferenz Der deutsche Landesverband der Revisionisten hat am 11. Oktober auf seiner Konferenz eine Reihe von Beschlössen über das Verhältnis der Revisionisten zur Z V. f. D. gefaßt. Diese Aktion ist ein Glied in der Reihe von Aktionen, die im Anschluß an den Kongreß von den Revisionisten unternommen wurden. Wir haben dieses Verhalten in der ״Jüdischen Rundschau“ vom 9. d. M. charakterisiert. Angefangen hat Jabotinsky auf dem Kongreß, indem er durch sein Verlassen der Sitzung demonstrativ zu verstehen gab, daß es eines Revisionisten, eines Trägers der einzig wahren zionistischen Gesinnung, unwürdig wäre, in der Organisation von ״Verrätern“ zu bleiben. Der Mehrheit der Revisionisten war dies zwar unangenehm, aber sie konnte ihren Führer nicht einfach desavouieren. Darum haben sie bis jetzt in ihrer Organisation diese Frage hin und her gewälzt und sind schließlieh in Calais zu einer Lösung gekommen, die, wie wir in der ״Jüdischen Rundschau“ bereits ausgeführt haben, in Wahrheit keine Lösung, sondern eine Provokation der Zionistischen Organisation ist. Gleichzeitig wurde die Parole des Austritts aus den Landesorganisationen ausgegeben. Im Sinne dieser allgemeinen Parole haben nun auch die deutschen Revisionisten ihre Beschlüsse gefaßt, und es ist nichts anderes als demagogische Entstellung, wenn in dem Beschluß der deutschen Revisonisten-Konferenz die Parole zum Austritt verbunden wird mit einer der Z. V. f. D. und der ״Jüdischen Rundschau“ erteilten Zensur. Da man weiß, daß gerade im deutschen Zionismus, der trotz aller in seinen Reihen bestehenden Meinungsverschiedenheiten immer seine Einheit gewahrt hat, für Austrittsparolen wenig Ver• ständnis ist, versucht man, durch spezielle Angriffe gegen Z. V. f. D. und ״Jüdische Rundschau“ die eigene Haltung zu begründen. Daß diese Begründung fadenscheinig ist, liegt auf der Hand. Natürlich konnte nie die Rede davon sein, daß die Z. V. f. D. oder die ״Jüdische Rundschau“ ihre Haltung anders einrichten als die zuständigen Organe bestimmen. Daß diese Haltung den Revisionisten vor dem Kongreß und wahrscheinlich auch nach dem Kongreß nicht gefallen hat, ist allgemein bekannt. Trotzdem ist innerhalb der Z. V. f. D. und auch innerhalb der ״Jüdischen Rundschau“ den Revisionisten gegenüber stets mit äußerster Toleranz verfahren worden. Sie hatten stets die Möglichkeit, Ihre Meinung unbehindert zum Ausdruck zu bringen. Es besteht kein Zweifel, daß etwa im umgekehrten Falle, wenn die Revisionisten am Ruder wären, keine abweichende Meinung geduldet werden würde, und daß sic jedenfalls niemals anderen in der Minderheit befindlichen Gruppen jenes Entgegenkommen zuteil werden ließen, das ihnen in der Z. V. f. D. und der ״Jüdischen Rundschau“ eingeräumt wurde. Wir sind überzeugt, daß dies auch sehr viele deutsche Revisionisten genau wissen, auch wenn sie es vielleicht nach außen hin aus ״Parteidisziplin“ nicht zugeben. Die Beschlüsse der Revisionisten sind höchst unbefriedigend. Wir hätten verstanden, daß man aus der Z.V.f. D., zumal man sie für besonders schädlich hält, aust ri 11. Wir hätten auch verstanden, daß man d r i n bleibt , umj weite! für seine Anschauungen kämpft. Was aber jetzt geschehen ist, ist ungefähr das ungeheuerlichste, was Ir einer Organisation der Fall sein kann: Man will gleichzeitig austreten und drinbleiben. Man will die große Geste des Austretenden machen, wodurch man der zionistischen Welt zeigen will, daß man sich zum Schutze der reinen Idee von der Verrätergesellschaft trennt, und gleichzeitig will man durch eine Hintertür in der Z. V. f. D. bleiben, oder gewisse Teile der eigenen Partei in der Z.V. f. D. belassen. Man meint der Z. V. f. D., die im Gegensatz zum Revisionismus auf dem Gedanken der nationalen und zionistischen Einheitsfront aufgebaut ist, alles bieten zu können. Die Z.V. f. D. soll in ihren Reihen Mitglieder einer Organisation dulden, die den Austritt aus der Z. V. f. D. empfiehlt. Das ist ein Doppelspiel, das alle Grundlagen einer Organisation zerstören würde. Es soll hier ausdrücklich betont werden, daß eine revisionistische Auffassung der zionistischen Probleme kein Hindernis für die Mitgliedschaft in der Z. V. f. D. darstellt. Die Z. V. f. D. umfaßt alle deutschen Zionisten, und Meinungs- Verschiedenheiten wurden in ihren Gremien stets offen und würdig ausgetragen, ohne daß jemand vergewaltigt oder wegen seiner Gesinnung verfehmt wurde. Wenn jetzt der Geschäftsführende Ausschuß der Z. V. f. D. angesichts der revisionistischen Provokation zu entschiedenen Maßnahmen gegriffen hat, so bedeutet auch dies keineswegs einen Ausschluß der revisionistischen Mitglieder um ihrer Gesinnung willen. Wir können uns sehr gut vorstellen, daß sogar Revisionisten, die über die zionistische Politik im revisionistischen Sinne denken, die organisatorische Ungeheuerlichkeit der revisionistischen Stell ungn ahme einsehen und ohne Preisgabe ihrer Gesinnung oder politischen Auffassung in der Z. V. f. D. bleiben, wobei es freilich notwendig ist, daß sie sich vom deutschen Landesverband der Revisionisten, der den Austritt aus der Z.V. f. D. ״empfiehlt“, trennen. # Der Geschäftsführende Ausschuß der Z. V, f. D. hat sich in seiner Sitzung vom 14. Oktober mit den Beschlüssen des Landesverbandes Deutschland der Union der Zionisten-Revisionisten beschäftigt und in Ausführung der vom Landes- Vorstand erteilten Vollmacht folgende Beschlüsse gefaßt: Das Verhalten einer Organisation, die ihren Mitgliedern den Austritt aus der Z. V. f. D. empfiehlt, untergräbt die Grundlagen der Einheitlichkeit unserer Arbeit, stellt ferner eine schwere Provokation dar und wirkt parteischädigend. Die Zugehörigkeit zu einer solchen Organisation ist daher mit der Zugehörigkeit zur Z. V. f. D. unvereintar. Der G. A. stellt fest, daß nach wie vor Zionisten jeder Richtung in der Z. V. f.D. ihren Platz haben und daß die hier ausgesprochene Unvereinbarkeit sich keineswegs gegen die Gesinnung der Revisionisten richtet, sondern gegen das parteischädigende Verhalten Ihrer Landesorganisation. Gleichzeitig hat der G. A. beschlossen, an die Exekutive in London die Anfrage zu richten, wie sich die Exekutive gegenüber den Beschlüssen der Zionisten-Revisionisten von Calais zu verhalten gedenkt.