Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 80 (16.10.1931)
- Date
- 1931-10-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sehe 482 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 80, 10. X. 1931 Gesellschaften hat sich die Leitung wegen des Boykotts der nichtjüdischen Arbeitskollegen gegen die Juden gezwangen gesehen, innerhalb der Betriebe jüdische Ghetti einzurichten. Bei anderen Gesellschaften, die gleichfalls von Juden begründet und zu großer Bedcutung gebracht wurden, hat man die jüdischen Angestell־ ten bis auf die letzte Stenotypistin davongejagt.... Gegen den antijüdischen Verdrängungsprozeß, welcher sich in der Gegenwart so furchtbar auswirkt, nützt organisierte Abwehr leider sehr wenig. Man kann nichtjüdische Arbeitnehmer mit keinem Mittel zwingen, Juden zu beschäftigen. In einzelnen Fällen, wo diese Arbeitnehmer auf jüdische Kundschaft oder jüdische Geschäftsverbindung angewiesen sind, mag es gelingen, einige höfliche Entschuldigungsworte zu erlangen oder gar irgendeinen Paradejuden als Angestellten unterzubringen, in den allermeisten Fällen ist die Situation so, daß jüdische Stellungsuchende nur bei jüdischen Arbeitgebern ein Unterkommen zu finden vermögen. Aber auch die jüdischen Arbeitgeber sind oft durch den Boykott, welcher sich gegen die Juden richtet, gezwungen, die Tatsache, daß sie Juden beschäftigen, zu ״tarnen“. Die Fälle sind zahlreich, in denen jüdische Ladenbesitzer hinten im Büro jüdische Buchhalter und Stenotypistinnen beschäftigen, im Verkaufslokal jedoch Wert darauf legen, daß die hinter dem Ladentisch stehenden und vom Publikum gesehenen Verkäufer und Verkäuferinnen kein jüdisches Aussehen haben. Diese allgemein in der ganzen Welt verbreitete Erscheinung stellt eines der wichtigsten Probleme der jüdischen sozialen Tätigkeit dar. Trotz der Kompliziertheit und Schwierigkeit der Lage hätte man jedoch sehr viel Unglück und jüdische Arbeitslosigkeit vermeiden können, wenn man beizeiten durch Organisation der Selbsthilfe, durch Werbearbeit und Aufklärung bei jüdisehen Unternehmern und auch bei einzelnen nichtjüdisehen Gesellschaften, die sich vom Boykott gegen die Juden fernhalten, auf diese furchtbarste Auswirkung des Antisemitismus, die überdies wirtschaftlich sinnlos und schädlich ist, hingewiesen hätte. Beruhigung in der Valuiafragc Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AG, Tel-Awiw, den 6. Oktober 1931. Die große Nervosität und Erregung, die in den ersten Tagen des Pfundsturzes im Lande herrschte, beginnt abzuflauen. Die Erklärung der Regierung mag in gewissem Maße zur Beruhigung, vor allem der Fellachen, beigetragen haben. Den Ausschlag für die Besserung der Stimmung gab jedoch die relative Stabilisierung des Kurses. Im Publikum ist die Tendenz zu spüren, einheimische und englische Produkte zu be• Vorzügen, um den Aufschlag auf Waren, die aus Ländern mit Goldstandard kommen und der bis zu dreißig und mehr Prozent beträgt, zu ersparen. Gewisse Sorgen verursacht die Frage des' Holzes für die Orangenkisten, das aus dem Auslande kommt. Der Export von Grape Fruit beginnt bereits in dieser Woche. Es gelingt in manchen Fällen, die alten Verträge aufrechtzuerhalten; wenn nicht, tritt eine Verteuerung ein. Man kann zusammenfassend von einer gewissen Beruhigung in der Valutafrage sprechen. Jedoch sind alle — besonders im Zusammenhang mit den bevorstehenden Neuwahlen in England — auf neue Ueberrascliungen gefaßt,. ■* Wie die palästinensischen Zeitungen berichten, sind nach den Feiertagen diePreisederLebensmitiel.die unter dem Eindruck des Sterling-Sturzes sehr gestiegen waren, zum Teil wieder herabgesetzt worden. Die Brotpreise in Jerusalem dagegen blieben bis zum 4. Oktober unverändert, wurden jedoch am 5. Oktober um durchschnittlich 10 °/0 heraufgesetzt, auch bei demjenigen Brot, das fast zur Gänze aus inländischem Mehl hergestellt wird. Die Vertriebsgenossenschaft der Arbeiterorganisation ״Tnuwah“ beschloß, die Milch preise gegenwärtig nicht heraufzusetzen. Es wird ferner aus Jerusalem berichtet, daß sich eine starke Bewegung zur Erwerbung von Grundbesitz geltend macht (״Flucht in die Sachwerte“). Im Büro der P. L. D, C. herrscht eine sehr starke Nachfrage nach Grundstücken in Rcchawia. Man erhofft von dieser Bewegung (und überhaupt unter der Einwirkung der Pfund- Baisse) eine Belebung der Bautätigkeit. In einer Versammlung des Ind 11 striellen-Verbandes in Tel-Awiw forderte Herr Schenkar in einem Referat die Fabrikanten auf, nach Möglichkeit Geschäfte in fremder Valuta zu vermeiden und sich stärker an den britischen Markt anzuschließen. Der Verband beschloß, eine Handels-Delegation nach England zu schicken und dort gewisse Einkäufe zu machen. Im übrigen drückt sich die durch die Valuta-Schwankungen hervorgerufene Verwirrung auch darin aus, daß die Bevölkerung verschiedenen Schichten der Bevölkerung die Schuld an den ״steigenden“ Preisen gibt. Darum veröffentlichen in den Zeitungen auch die Angehörigen bestimmter Berufsgruppen, z. B. die Dctailhändler, Aeußerungen, in denen sie zu erklären versuchen, daß nicht sic die Verursacher der Preissteigerung sind. Aus Syrien wird berichtet, daß man dort befürchtet, die palästinensische Kundschaft zu verlieren, die, wie man meint, nach Aegypten a b w a n d e r 11 wird, da die ägyptische Währung die Schwankungen des englischen und daher auch des palästinensischen Wundes mitmacht, während die syrische Währung mit der französischen verbunden und daher stabil ist. Auf der anderen Seite ist die Situation des englischen und auch des palästinensischen Produzenten auf dem s y rischen Markt jetzt günstiger geworden. Seew-Wolf Posniak. Wir erhalten folgende Zuschrift: Wieder hat sich das Grab über einem der alten Chowewe- Zion geschlossen, der noch an der Wiege der Chibbat-Zion gestanden hat. Seew-Wolf Posniak, ein Sohn des berühmten Rabbi Gerschon Tauch um aus Minsk, arbeitete noch in Moskau unter der Leitung Dr. Tschlenows. Schon im Jahre 1909 besuchte er Erez-lsrael und hat von jener Reise eine Anzahl Notizbücher mit charakteristischen Aufzeichnungen hinterlassen, worin er seine Gefühle für Erez-lsrael, ausgeschmückt mit den Sprüchen unserer Weisen, niedergelegt hat. Er ist jetzt am ■1. Oktober im Alter von 77 Jahren in Dresden gestorben. L. M, Der Austritt des Deutschen Misradii aus dem Wettmisradil Von Oskar Wolfsberg Die Kundgebung der Landeszenlrale des Deutschen Mi«־ rachi, die den Abschluß eines langwierigen Kampfes intra muros darstellt, bedarf einiger erläuternder Worte. Seit Jahren war unser Bemühen darauf gerichtet, die offensichtlichen Mängel der Misrachi-Arbeit durch konstrukthe, der Situation jeweils angepaßte Vorschläge, die Reorganisation des Merke« und des Arbeitsplanes betr,, zu ttberwinden. Seit etwa aechs Jahren standen wir in konsequenter Opposition, um unsere Absicht zu erreichen. Schon damals war die Finanz- und Wirtschaftsgebarung unbefriedigend, die organisatorische und propagandistische Leistung des Merkas unsystematisch und von Zufällen bestimmt, das Verhältnis zu der Bewegung des P081 Hamisracfai unfreundlich. — Das Badget wurde ohne Rücksicht auf die zu erwartenden Einnahmen willkürlich hoch bestimmt, die Aufgaben nie den Mitteln angepaßt, 80 daß lawinenartig eine große Schuldenlast anschwoll; Sparsamkeit war ein unbekannter Begriff: die Kostspieligkeit des Tachkemoni-Baus beweist den Leichtsinn der leitenden Kreise. Ungeachtet der immer deutlicher werdenden Unmöglichkeit, Gelder in genügender Höhe aufzubringen, wurde bis in das Jahr 1930 großzügig gewirtschaftet, wie überhaupt Extension und Expansion charakteristisch für die Arbeit waren. Dabei blieb man gerade den zahlreichen Rabbinern und Sehochtim, die man an kleinen Siedlungspunkten hatte, vielfach Gehalt schuldig. Die Beziehung zur misraehistischen Arbeiterbewegung war von Anbeginn nicht erfreulich. Maßgebende Führer des Merkas und seines Anhangs suchten die Bewegung niederzuhalten und ihr eine künstlich erzeugte ״Bewegung“ des Misrachi- Hazair der im Lande geborenen jüngeren Elemente entgegenzusetzen (nicht mit Zeire Misrachi zu verwechseln!), deren einziger Zweck die Einengung der Poalim war. Erst der eieinentarc Druck, der von der wachsenden Bewegung ausging, und das sich immer deutlicher erweisende Scheindasein der Gegen״bewegung“ veranlaßt© den Merkas, mit dem Poalc Misrachi als einer seriösen Bewegung zu rechnen. — So wenig war die Arbeitsweise des Merkas von den inneren Notwendigkeiten des misraehistischcn Lebens bestimmt, so sehr vom Affekt. Der Misrachi, der in seiner Jugendzeit durch das Ansehen seines Gründers und seiner ersten Führer weithin Achtung genoß und nach dem Kriege große Massen und große Männer um sich scharte, ist in den letzten Jahren immer ärmer an aktiv schaffenden Menschen geworden. Viele der angesehenen Rabbiner zogen »ich grollend zurück und blieben passiv. Nicht der Idee wurden sie untreu. Sie lehnten die Führerschaft des Merkas und die Führer in der Bewegung innerlich ab, die niemals eine großzügige, systematische Arbeit in der Welt führten, sondern Wahlen und Machtfragen in den Vordergrund stellten. Im Misrachi und außerhalb fehlte dem Merkas in seiner Gesamtheit die Autorität, der man sich gern und willig unterordnet. Der beste, der traurigste Beweis für die Unzulänglichkeit der Führung liefert die Rolle, die der Misrachi in Erez-lsrael selbst spielt. Ungeachtet des ausgezeichneten Schulwesens, das der Misrachi aufgebaut hat, ist sein; Ansehen, gering1.. Dabei gißt' es; eine‘׳ Reihte' MlsröthJiteh.'ge-.־־ rade •in der Führung des Miärachi HaarZi, die Achtung genießen und für unsere Sache mit Erfolg worben. Ohne Rücksicht auf diese Lage hat der Merkas und seine Protagonisten, verkörpert durch die Führer großer Landsmannschäften, wie Polen und Amerika, aber auch anderer Länder, mit eiserner Energie um die Macht gekämpft. Die Erkenntnis, daß sich das Schicksal des Misrachi tragisch vollenden würde, wenn wir nicht eine Reform an Haupt und Gliedern durchsetzen könnten, brach sich langsam Bahn. Wir erkannten, daß hier ein tragisches Vorsagen vorliege, daß diese führenden Männer mit all ihren Meriten und Fähigkeiten — wir gedenken auch heute der Qualitäten MeSr Berlins mit Anerkennung — nicht imstande seien, anders zu arbeiten. . Tiefgreifende Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten über die Führung einer Orgahisation, ihre Vertretung nach außen lagen den speziellen Streitpunkten zugrunde. Kämpfe auf dem Gebiete der Kongreßpolitik wären für uns nicht Trennungsgrund gewesen- Aber die grundsätzliche Bewertung der hohen Politik und ihres Verhältnisses zu den Kernaufgaben des Misrachi, die auf religiös-kulturellem Gebiete liegen und deshalb Schulwesen, Ausbau religiöser Institutionen, Vertiefung der national-religiösen Idee und ihre würdige; adäquate Vertretung sowie kolonisatorische Aufgaben und soz.ialc Arbeit in den Mittelpunkt stellen, stand zwischen uns und der Mehrheit des Misrachi. W i r hielten die Taktik für einen Notbehelf, die r n ehe - ren für eine zentrale Angelegenheit, der man gern Verstand und leidenschaft lieh. Und in der Art der politischen Kampfführung der großen Politiker des Misrachi erblickten wir eine schwere Schädigung des Ansehens unserer Föderation, noch mehr aber ihrer großen erhabenen Idee. So reifte allmählich in unseren Kreisen, die sich nicht auf Deutschland beschränkten, allen Behauptungen zum Trotz keiner westlichen Eigenbrödelei huldigen und etwa den Osten ablehnen — das wäre eine völlige Verkennung unserer Einsteilung zu dem Osten und seinen Werten —, die Einsi-cht, daß geduldiges Warten von Konferenz zu Konferenz und stets erneute Niederlage unserer und des Misrachigedankens Würde nicht entspreche. Bestärkt, ja recht eigentlich erst geweckt wurde dieses Gefühl in uns durch die Mahnungen unserer erprobten Freunde Pick und Struck, die die Situation in Palästina und die Rolle der Führerschaft mit besonderem Ernst und schwerster Sorge betrachteten. So kam es zu unserer Haltung auf der Wiener Sitzung des Waad Haroschi (1030), wo wir einen neuen Merkas, ein eingeschränktes Budget und einen Schuldentilgungsplan, der auf persönlichen Verpflichtangen der Führer für ihre Landsmannschaften beruht, jnit einem Anleiheplan verbunden, forderten. Die Ablehnung hatte die Abreise unserer Delegierten zur Folge. Und nun folgen die letzten Akte. Dev Delegiertentag des Deutschen Misrachi im September 1930 fixierte alle Forderungen, deren Ablehnung durch die kommende Weltkonferenz als Casus belli, d. h. als Austriltsgrund von uns erklärt wurde. Schon damals hatte eine Gruppe den sofortigen Austritt verlangt. Ein neuer Delegiertentag im Mai 1931 bestätigte die Auffassung des früheren und formulierte exakt die ultimativen und übrigen Postulate. (Das Detail des ganzen Kampfes ist aus den Nummern des ״Zion“ ersichtlich.) Nur einzelne Stimmen lehnten die Konsequenz des Austritts ab, alle billigten die F0rderungen als solche. Die letzte Phase des Kampfes auf der WeltkonfereBz ist bekannt: Ein Merkas nach unseren Vorschlägen wurde nicht gewählt, Fischmanns Ausscheiden wurde durch seine Wahl zum Vorsitzenden des Waad Harasch! durch die Weltkpoferenz und seine Erwählung zum Vorsitzenden der Kulturkommission ועדת החנוך הספרות והחרבות Teitelbaums Ausscheiden durch seine Wahl zum Direktor des Keren-Erez-Israel•Fonds wettgemacht. Da« Budget wurde zwar niedriger angesetzt, doch abermals ohne genügende Garantien. Welche Rolle das Verhältnis von Politik zu anderen Arbeitsgebieten im Misrachi spielt, ergibt sich aus den! Verhalten auf dem Kongreß. Ohne Befragen einer Weltkonferenz und — wie dann klar wurde — gegen ihren Willen hatte der Merkas ver dem Kongreß sich auf die Forderung des Juden* Staates festgelegt. Wir haben nach dem Kongreß reiflich und in immei erneuten Besprechungen die Frage geprüft, ob der vom Delegiertentag erteilte Auftrag, den Austritt nach Ablehnung der ultimativen Forderungen zu vollziehen, zwingend gegeben sei oder vermieden werden könne. Wir haben keine Möglichkeit gefunden, die klaren Beschlüsse zu umgehen. Jeder versteht, wie schwer gerade jetzt der Entschluß wird. Aber wir sehen keinen Weg der weiteren Zusammenarbeit im gleichen Verband. Zu den objektiven Gründen tritt die psychologische Er- Schöpfung. Es ist nicht erträglich, unbegrenzte Zeit das Martyrium eines aussichtslosen Kampfes fortzusetzen. Vor allem aber können wir es der Idee des thoratreuen Zionismus, der Idee des Misrachi gegenüber nicht verantworten, daß unter unserer stillschweigenden Duldung mit der Organisation des Misrachi auch der belebende Geist zugrunde geht bzw. kompromittiert und verächtlich gemacht wird. Das Ausscheiden aus der Misrachi-Weltorganisation ist für viele von uns furchtbar schmerzlich und bitter. Wir haben zum Teil Jahrzehnte in ihr gestanden, gekämpft und gelitten. All das verbindet außerordentlich stark. Wir lieben viele Institutionen des Misrachi, schätzen auch im Kampf viele Gesinnungsgenossen, denken vor allem an die Freunde, die über vieles ähnlich den* ken wie wir, aber vielleicht nicht die Kraft zu einem ähnliehen Schritt aufbringen. Wir werden die bisherigen Weggenossen nicht schmähen: sie haben Verdienste, und ihre Mängel liegen in ihrer Natur. Aber weil das so ist und nicht geändert werden kann, müssen wir, eigene Wege gehen. Klar soll es allen sein, daß wir dem großen Grundgedanken, das Baseler Programm, auf der Grundlage von תורה ומסורה zu verwirklichen, in allen seinen Teilen treu bleiben werden. Wir bejahen die zionistische Renaissance, die Zionistische Organisation und hegen im Tiefsten die Ueberzeugung, daß nur die Tradition das zionistische Ziel in seiner Vollendung gewährleistet. Im Geiste von Rabbi I. I. Reines ז״ל und vielen Großen unserer Denker wallen wir die ungebrochene jüdische Ueberliefcrung in Erez-lsrael lebendig erhalten und aus dem durch die Thora bestimmten Erez-lsrael die jüdische Welt wieder aufbauen als integrales Judentum im Sinne der vollgültigen Erhaltung und Anreicherung aller jüdischen Kulturschätze. Leben und I-ehre sollen zur vollsten Entfaltung gelangen. Wir werden jede Kooperation mit den bisherigen Weggenossen begrüßen, wo immer sie ohne Schädigung unserer Prinzipien möglich ist. Wir sind aus dem Misrachi ausgetreten. Bald werden wir zusammentreten, um über die neuen Formen uuserer Arbeit zu beraten. An alle unsere Freunde ergeht der Ruf, uns zu 101- 1 gäd, die Billigkeit unserer EntschiSidus^ anwerkenuen, mit erneuter Kraft an das neu-alte Werk zu gehen, damit der Idee des thoratreuen Zionismus eine Gasse gebahnt und eine erfolgreiehe Verwirklichung gesichert werde! In aller Kürze Wie wir erfahren, hat sich in den letzten Tagen eine Annäherung zwischen der offiziellen Leitung der Zionistisehen Organisation Amerikas und der in Opposition stehenden L i p s k y - G r u p p e vollzogen. Man erwartet, daß eine Einigung über die strittigen Punkte herbeigeführt und eine gemeinsame Aktion für die Fonds, sowie zur Durchführung des Palästina-Wirtschaftsprogramms von Israel Brodie, das auch auf dem Kongreß angenommen worden ist, durchgeführt werden wird. 111 diesem Falle würde auf der Convention in Atlantic City a in 8. November eine aus beiden Gruppen zusammengesetzte neue Leitung gewählt werden. Der Initiator dieses Friedensschlusses ist das Mitglied der Exekutive Emanuii N e u in a n n. Das Landeskomitee der amerikanischen Zionisten ist am 11. Oktober zu einer Sitzung zusanimengctretcn. Von Hamburg hat sich Dr. Weizmann nach London begeben. Er dürfte seine Reise nach Südafrika etwa im Februar 1932 anfreten. Auf seiner Rückreise von Südafrika beabsichtigt er, Palästina zu besuchen. Bei den englischen Parlamentswahlen kandidiert in dem stark von Juden bewohnten Londoner Bezirk Wh it e c 11 a pc 1 als Liberaler Mr. Barnctt Jänner, ein Zionist, der den Besuchern des letzten Kongresses als Mitglied der englischzionistischen Delegation, mit der er zusammen der Gruppe A der Allgemeinen Zionisten angehörtc, bekannt ist. Mr. Jänner hat schon bei der letzten Nachwahl um den Sitz in Whitechapel gekämpft, ist aber gegen den Kandidaten der Labour Party unterlegen. Als Kuriosum ist noch zu erwähnen, daß ein jüdischer Boxer namens Lewis als Kandidat der Mosley- Partei s'ieh gleichfalls um das Parlamentsmandat in Whitechapel bewirbt. Der spanische Just i/ minister erklärte im Pariament unter lebhaftem Beifall des ganzen Hauses, daß die neue spanische Republik das an den spanischen Jude 11 im Jahre 1402 begangene Unrecht voll gutzumachen entschlossen sei. Im Laufe der folgenden Debatte machten mehrere katholische Abgeordnete Bedenken gegen eine Rückberufung der sephardischcn Juden nach Spanien geltend. Die Londoner ״Times“ widmete dieser Tage der Frage der Rückkehr der sephardischen Juden einen längeren Artikel ihres Madrider Korrespondenten und weist auf die bemerkenswerten historischen Zusammenhänge hin. Vorige Woche begann in Tel-Awiw eine Sitzung des großen Rates der jiid ischen Arbeiterorganisati 00 (Moazah der Histadruth). Der Versammlung liegt ein 230 Seiten langer gedruckter Bericht über die Tätigkeit der Histadruth während der letzten zwei Jahre vor. Für die Generaldebatte, die sich an das Referat von Ben Gurion anschließen und die innere Lage der Histadruth behandeln soll, sind zwei Tage vorgesehen. Anläßlich der am 12. Oktober in Genf begonnenen Konferenz über die Kalender-Reform hat eine Anzahl jüdischer repräsentativer Persönlichkeiten aus allen Ländern ein Memorandum überreicht, worin auf die Notwendigkeit der Respektierung des jüdischen Sabbat verwiesen wird. Ebenso liegen Petitionen der wichtigen jüdischen Gemeinden der Welt vor. Die jüdische Sache wird in Genf von Chief Rabbi Hertz aus London und einer Reihe weiterer jüdischer religiöser Reprisentanten vertreten.