Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 77 (6.10.1931)
- Date
- 1931-10-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 י7ל. X. 1031 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 409 Gesellschaft der Freunde der Jerusalem ״ Bibliothek Von Heinrich Loewe. Nach dem Talmud haben die Zeiten, in denen das Schwert regiert, nichts für Wissenschaft und für das Buch übrig. Aber auch die Nachkriegszeit ist den kulturellen Bestrebungen mögliehst ungünstig. Kultur ist ja letzten Endes keine Lebensnot- Wendigkeit. Man kann sie als Luxus betrachten. Nur ist sie ein Luxus, den man niemals entbehren sollte. Aber in der Zeit der Not vermindert man immer zuerst die Ausgaben für die Notleidenden und für die Kulturbedürfnisse, ehe man daran denkt, bei sich selbst zu sparen. Unter diesen Umständen ist es eine!in höchsten Maße undankbare Aufgabe, das Interesse für die Universitäfs- und National-Bibliothek zu Jerusalem wach zu erhalten. Und gerade diese Aufgabe hat sich die ״Gesellschaft der Freunde der Jerusalem-Bibliothek“ gestellt. Sie will Juden jeder Parteistellung und jeder Anschauung vereinigen, um dort eine neue Stätte der Kultur zu schaffen, von wo vor Jahrtausenden das Licht sozialer Gerechtigkeit und religiöser Erkenntnis über die Welt erstrahlte. Sie gellt von dem Gedanken aus, daß Kultur kein Luxus sein soll, sondern daß sie als Grundlage eines friedlichen und fortschrittlichen Zusammenlebens der Menschen notwendig ist. Durch die Errichtung und den Ausbau der großen wissenschaftlichen Bibliothek als Unterbau aller wissenschaftlichen Forschung soll eine neue Stätte der Kultur zur Erhöhung menschlicher Gesittung erstehen. Deshalb läßt sich die Gesell- Schaft der Freunde der Jerusalem-Bibliothek durch die Ungunst der Zeiten nicht von ihrem vorgesteckten Ziele abbringen und dient weiter ihrem hohen Ideale. Soeben kommt nun von Jerusalem die Nachricht, daß die jüngste Sendung unserer Gesellschaft dort eingetroffen ist, die neunundzwanzig große Kisten mit Büchern umfaßt und reichliches Material und wichtige Ergänzungen zu den früheren Schenkungen gebracht hat. Besonders beachtenswert ist es, daß früher schon die Bibliothek des leider viel zu früh uns entrissenen Vorsitzenden Sanitätsrat Dr. Gustav Bradt einen der schönsten und wichtigsten Teile der medizinischen Bibliothek schuf. Vor allem ist der laryngologische Teil fast unübertroffen. Jetzt hat Frau Sanitätsrat Frida Bradt aus dem Nachlasse ihres Gatten reichliehe und wichtige Ergänzungen gesandt und auch weiterhin solche zugesagt. Der Weltverlag hat sich bemüht, von allen seinen Verlagswerken, soweit sie noch erreichbar waren, je ein ,Exemplar zu stiften, darunter den Neudruck des Steinschneiderschen Katalogs der Bodleiana, eines der grundlegenden hebräisch-bibliographischen Werke. Herr Dr. Ahron Eliasberg hat auch aus seiner Privatbibliothek reiche Spenden gewährt. Von besonderem historischen Werte sind die 58 Foliobände umfassende Sammlung der Frankfurter Zeitung, die alles umfaßt, was in der Kriegszeit davon erschienen ist. Der freundliehe Spender ist Herr Ludwig Katzenstein in Kassel- Aus Kassel ist auch während der ganzen Berichtsjperiode regelmäßig aus den Mitteln des Stifters Herrn Simon Strauß seine große Sammlung von Schriften ergänzt worden, die er als besondere Bibliotheksabteilung gestiftet hat, um die allgemeinen Friedensbestrebungen in jedem Rahmen ln Jerusalem eine wirksame Sfätte zu schaffen. Wie bisher bei jeder Sendung unserer Gesellschaft bestand ein sehr wesentlicher Teil der gesandten Bücher in den Spenden des zweiten Vorsitzenden der Gesellschaft, Professor Dr. Albert Einstein. Er hat auch diesmal wieder besonders wertvolle Bfther geschickt, darunter vor allem- Akademieschriften aus allen Teilen der Welt. Eine Sammlung tierärztlicher Literatur vom Berliner städtischen Obertierarzt Dr. K a 11 m a n n behält ihren Wert, der erst später voll erkannt werden wird, wenn auch die tierärztliche Klasse der Universität in Jerusalem ausgebaut sein wird. Herr Herbert Friedländer in Cottbus hat seit Jahren Sorge getragen, daß die Meßtischblätter der deutschen Kartographie der Gesellschaft fiir die Bibliothek zur Verfügung gestellt werden. Auch diesmal ist eine größere Sammlung von ihm bei der Sendung gewesen. Ferner erhielt die Gesellschaft besonders wertvolle Gaben u. a. von Min.־ Baurat a. D. A. Alt gelt, Dr. Willy Cohn in Breslau, Rechtsanwalt Dr. Ernst Frankenstein, Bankier Siegmund Glücksohn, Ludwig Ikenberg in Dresden, Geh. Rat Prof. Dr. Stanislaus Jo 11 es, Hilfsverein der Deutschen Juden, Prof. Dr. Siegmund Keller, San.-Rat Dr. Jacob sei. And. in Kiel (aus d. Nachl.), Zahnarzt Dr. M- L i p schitz, Prof. Dr. Heinrich Loewe, Dr. Richard Loewe, Dr. J. Malk in , Rabbiner Dr. Arthur Posner in Kiel, Prof. Dr. Max Michaelis, Frau Dr. M. Pin es, Bankier Leo Reichenbach, Berlin, jetzt Tel-Awiw, Prof. Dr. Arthur Stein in Bern, llia Toptschiaschwlli in Chemnitz, Direktor Dr. Meier Spanier, Dr. Halberstädter in Köln, Dr. Josef Trakatsch, Prof. Dr. Ismar El bogen und vielen andern. Trotz dieser großen Spenden hatte die Gesellschaft ihren Aufgaben in keiner Weise genügen können, wenn nicht einzelne Vorstandsmitglieder in vorbildlicher Weise eingegriffen hätten. Vor allein hat der Schatzmeister Herr Bankier Emil Dammann, wie schon wiederholt, aus Eigenem das immer größere Defizit gedeckt. Das ist um so beachtenswerter, als die Mitgliederbeiträge infolge der ungünstigen Zeiten immer mehr zurückgegangen sind. Es besteht daher die dringende Notwendigkeit, der Gesellschaft, die absolut neutral ist, neue Mitglieder in ganz Deutschland zuzuführen, wenn sie in Zukunft auch nur einigermaßen den großen Aufgaben gewachsen sein soll, die jetzt, wo die Mittel der Jerusalemer Bibliothek ganz erheblich gekürzt werden mußten, in erhöhtem Maße an sie herantreten. Der Vorstand besteht z. Z. aus: Apothekenbesitzer Dr. Willy Rosenthal als erstem, Prof. Dr. Albert Einstein als stellvertretendem Vorsitzenden, Bankier Emil Dammann als Schatzmeister und Prof. Dr. Heinrich Loewe als Schrift- und Geschäftsführer im Ehrenamt. Diese Herren bilden den engeren Vorstand, dem weiteren gehören an: Rabb. Dr. Leo B a e c k, Buchhändler Josef A11 m a n n , Prof. Dr. Ismar A. E l bo g en , Kurator Ludwig Laqueurjn Breslau, Rechtsanwalt Dr. Eduard Leszynsky, Justizrat Dr. Bodenh eim er in Köln, Simon Strauß in Kassel, Rabbiner Dr. M. H i I * desheimer, Dr. Hans Mühsam, Rechtsanwalt Dr, Walter. Seitdem die Idee der Gründung einer jüdischen National- Bibliothek in Jerusalem durch den unvergeßlichen Dr. Joseph Chazanowicz gefaßt und ihre Verwirklichung versucht worden war, hat die Idee und ebenso das Institut verschiedene Wandlungen durchgemacht. Chazanowicz wollte eine rechtlich gesicherte Heimat alles dessen schaffen, was jüdische Literatur im eigentlichen Sinne des Wortes ist als ein großes Denkmal jüdischer Kultur und jüdischen Geschickes. Alles, was jemals von und über Juden und Judentum geschrieben und gedruckt sei, sollte hier seine Heimat finden. Sein Ideeller Nachfolger fügte zu dieser Idee hinzu, daß die Bibliothek zugleich «ne Pflanzstätte alles menschlichen Wissens, Denkens und Dichtens werden und so die Schaffung einer Universität vorbereiten sollte. Jetzt ist die Bibliothek, die über eine Viertelmillion Bände umfaßt, diesem Ziele etwas näher gekommen. Und die ״Gesellschaft der Freunde der Jerusalem-Bibliothek“ darf sich den Ruhm beimessen, ihrerseits nicht bloß diese Idee i!1 allen Ländem verbreitet zu haben, sondern durch ihre Sammlungen . JEWISH AGENCY 111N«H1n111M11H11111n1!H1H11111tt11111t1N111111m1111m11M1H1H1n11n1Mm11m111H1n11111n11111n11m11111 Begrüfjungsabend zu Ehren von Prof.Dr.ChalmWclzm&nn Vorsitz: Rabbiner Dr. Leo BAECK Ansprachen: Stadtkämmerer Bruno ASCH Rabbiner Dr. Leo BAECK Kurt BLUMENFELD Dr. Sehamirl• LEVIN Prof. Dr. Cfaaim WEIZMANN Sonntag, den U.Oktober. abends 8Uhr, bei Kroll (Großer Saal) Teegedeck (einpchl. Bedienung und Garderobe) M. 2.— Karten! nur Im Vorverkauf bis zum 9. Oktober Im Büro der Jewwh Afeaey, Berlin W15, Meinekutr. 10 (Tel.» J1 Bismarck 7165) und Stiftungen mit den Grund dazu gelegt zu haben, daß die Bibliothek heute die wissenschaftliche Unterlage der Jerusalemer Universität ist, daß sie zugleich aber auch die größte deutsche Bibliothek Asiens in sich einschließt. Es wäre zu wünschen, daß trotz der Schwere der Zeiten viele Juden diesem ganz parteilosen Verein beitreten würden (Beitrittserklärungen jährlicher Mindestbeitrag 10 Mark sind an den Schatzmeister Herrn Bankier Emil Dammann im Bankgeschäft Emil Dammann 8e Comp., Berlin- Cirunewald, Gneiststraße 12, zu richten; Bücher und Korrespondenzen an Prof. Heinr. Loewe, Berlin NW 40, Flemmingstraßc 12), um die Möglichkeit des weiteren Aufbaues und Ausbaues der größten wissenschaftlichen Institution Palästinas zu gewährleisten, die die Eingangspforte europäischen Wissens und allgemein-menschlicher Kultur, zugleich aber auch ein Ruhmestitel des jüdischen Kulturgeistcs aller Zeiten ist. Kleine Nachrichten Der liberale Rabbiner von Karlsbad, Dr. Ignaz Ziegler, begeht dieser Tage seinen 70. Geburtstag. Dr. Ziegler, der der Autor zweier Werke über die Judenfrage im Werk Romain Rollands und über die ״Sittlichen Lehren des Judentums“ ist, ist ein Anhänger der Palästinabewegung Und genießt auch in zionistischen Kreisen großes Ansehen und Verehrung. Oberrabbiner Koloman Weber, Vorsitzender der Orthodoxen Zentralkanzlei für die Slowakei und einer der Führer der slowakischen Aguclah, erlitt vorige Woche beim Besteigen eines Autobus einen Unfall, der tödlich endete. In Tel-Awiw wurden 13 junge Leute von der Polizei festgenommen, die, der revisionistischen Parole folgend, gegen die Abhaltung der Volkszählung in Palästina agitierten und Zettel mit der Aufschrift ״Nieder mit der Volkszählung!“ verbreiteten. Wie der Korrespondent von ״The Near East and India“ erfahren haben will, ist für das Amt des juristischen Beirata des Landentwicklungs-Kommissärs der Präsident des Jerusalemer Kreisgerichts, Judge Plunkett, vorgesehen. Wie die J. T. A. meldet, wird in einiger Zeit in Palästina die Wahl eines Präsidenten des moslemischen Obersten Rates stattfinden. Die Anregung, die Amtsdauer des gegenwärtigen Präsidenten, des Jerusalemer Mufti, einfach zu verlängern, soll vom englischen Kolonialamt abgelehnt worden sein. Die historisch denkwürdige Gaon-Synagoge in Wilna, die ,,Klase“ des Wilnaer Oaon Rabbi Elija, ist zum Teil durch Brand vernichtet .worden. Viele alte schwer ersetzbare Bücher aus der Bibliothek des Gaon sind mit verbrannt. Mr. Campbelf hat sein Amt als Gouverneur in Jeru- Salem vorige Woche angetreten. Während der letzten Feiertage fanden in Hebron zum ersten Male seit den Massakers wieder jüdische Gottesdienste statt. Vor einigen Tagen besuchten 650 italienische Boy-scouts (״Avantguardisti“) Jerusalem. Die von den Behörden verbotenen arabischen Zeitungen ״Karmel“ und ״Alzarat“ wurden wieder freigegeben. Ans den Gemeinden Hamborn. Die Regierung beanstandete den Satzungsentvvurf der Jüdischen Gemeinde, der zum Teil erhebliche Verschlechterungen gegenüber dem bisherigen Rechtszusfand vorsah. Nur zum Teil gab die Repräsentanz den Rügen der Regierung statt. Sie blieb bei der ungesetzlichen Erhöhung des Wahlalters auf 23 Jahre, beim Zensus, der Karenzzeit und der Ablehnung des passiven Frauenwahlrechts. Die Zionisten wurden von den Liberalen überstimmt. Professor Max Lfthr, der Professor der protestantischen Theologie an der Universität Königsberg, der dieser Tage gestorben ist, war 1003/04 und 1908 und 1900 am Deutsch• archäologischen Institut in Jerusalem tätig. Er verfaßte u. a. ״Demissionsgedanken im Alten Testament“ (1906), ״Geschichte Israels“ (1900), ״Alttestamentliche Religionsgeschichte (1906), ״Volksleben im Lande der Bibel“ (1907), ferner ״Einführung in das Alte Testament“, ״Psalmenstudien“, ״Zum Geist des Chassidismus“, sowie Kommentare zu den biblischen Büchern Klagelieder, Samuel und Amos. Aus seinen Werken spricht nicht nur tiefes Verständnis für die besondere kulturschöpferische Anlage des Judentums, sondern auch eine durch kein Vorurteil eingeschränkte Bewunderung für die Größe der religionsgeschichtlichen Leistung des Judentums. Dem Königs* berget Verein für jüdische Geschichte und Literatur gehörte Löhr als Mitglied an. An fast allen jüdischen Feiertagen war er in der Synagoge, in der ihm der Vorstand einen Ehrenplatz eingeräumt hatte. Am letzten Versöhnungstage wohnte er von morgens bis mittags de® Gottesdienst bei. Nachmittags überrasente ihn der Tod in seiner Wohnung am Schreibtisch. — Bei löhrs Einäscherung im Königsberger Krematorium wirkten gemäß de® letzten Wunsche de$ Verstorbenen der erste Kantor Dr. Pick und der Synagogenehor unter Leitung des Chor• direktors Badrian mit. Kantor und Chor sangen das ,,Adaun Aaulom“, ■woraufhin Pfarrer Rohde den 90• Psalm verlas und das ״Vater unser“ sprach. — Löhrs vortreffliches kleines Büchlein ״Altteatamentliehe Religionsgeschichte“ ist erst vor einigen Monaten in einer neuen, völlig neubearbeiteten Auflage als ein Bändchen der bewährten ״Sammlung Göschen“ (Verlag Walter de Qruyter &: Co.) herausgekommen. Durch dieses leicht zugängliche Büchlein, das in vorbildlicher Weise dem wahren Wesen des Judentums gerecht zu werden sucht, kann die Gedankenwelt und das Werk des Verstorbenen den wohlverdienten Weg in weite Kreise des Volkes finden. Briefe an die Redaktion »Werbung durch Retaen״ Zu dem in Nr. 70 der ״J. R.“ unter diesem Titel erschienenen Artikel von Walter Turnowsky sendet uns der Leiter des Zionistischen Informationsbüros in Jerusalem, Herr Grünhut, eine längere Zuschrift, der wir nachstehendes entnehmen: Es dürfte zu weit führen, wenn versucht werden sollte, hier die Urteile aller derjenigen wiederzugeben, die durch eine Palästinareise zu Freunden des Aufbauwerkes in Erez- Israel geworden sind. Die Zahl dieser Freunde wäre bei weitem größer, wenn man es verstanden hätte, organ 1־ sierte Reisen unter zuverlässiger Führung zu veranstalten. Es kommt in erster Reihe auf billige Pilgerreise« an, die es jedermann ermöglichen, sich daran zu beteiligen. Besonders zweckmäßig und propagandistisch wertvoll erscheint der Vorschlag des Herrn Turnowsky, verschiedene Pilgerreisen aus verschiedenen Ländern so zu organisieren, daß sich die Teilnehmer zu einem bestimmten Anlaß in Erez-Israel treffen, um so allmählich in jedem Jahr einen bestimmten Treffpunkt zu einer bestimmten Zeit für Palästinareisen aus der ganzen Welt zu schaffen. Von ganz besonderer Bedeutung ist die Führung im Lande selbst. Im Laufe der Jahre sind die Probleme, die das meiste Interesse bei den Besuchern erwecken, zur Genüge bekannt geworden, und es ist daher nicht schwer, diese derart zu behandeln, daß der Fragesteller eine befriedigende Antwort erhält. Wenn überhaupt, sind die Fälle, in denen Besucher nicht dem Reiz des Landes eriegen sind, nur ganz vereinzelt. Für die Fonds ist es daher von großer Bedeutung, Reisen nach Erez-Israei zu ermutigen. Herr Turnowsky sagt am Schluß seiner Ausführungen, daß Palästina auf solche Gruppenreisen eingerichtet sei. Solange es sich um kleine Gruppen handeln wird, hat er mit seiner Behauptung recht. Anders aber, wenn große Pilgergruppen beginnen werde.1, die Devise ״Einmal in Erez-Israel“ in die Tat umzusetzen. Der Mangel an Pilgerhäusern (ahnlieh wie die katholischen Konvente) wird sich gar bald bemerkbar machen, mit deren Begründung der billigen Massen- Touristik ein großer Dienst geleistet würde. Möge die von Herrn Turnowsky ausgegangene Anregung das nötige Gehör finden und von den Fonds beherzigt werden! Jerusalem, 22. September 1931. M. Grünhut. Keren Hajessod und Orisgruppenführer Dresden-A. 1, den 24. September 1931. Sehr geehrte Redaktion! Bisher wurde der Keren Hajessod im wesentlicher» von den wohlhabenderen Schichten d$r jüdischen Bevölkerung bestritten. Durch die wirtschaftliche Lage sind weite Kreise nicht mehr in der Lage, ihre Keren HaJessod-Pflicht in ge* wohnter Weise zu erfüllen. Dieser Ausfall muß durch andere Einnahmequellen unbedingt ersetzt werden, wenn der Aufbau nicht darunter leiden soll. Ich schlage daher vor, eine sogenannte Volkssteuer zu erheben, die 12 bis 60 RM. jährlich beträgt. Solche Beträge sind bei richtiger Propaganda von vielen, ich möchte bald sagen von fast allen Juden, die dem Palästina-Aufbau nicht feindlich gegenüberstehen, zu erhalten. Bei dieser Gelegenheit möchte ich ein Wort über die Ortsgruppenführer sagen. Es genügt nicht allein, eine Ver- Sammlung richtig zu leiten, was zweifellos wichtig ist-, sondern es ist heute viel wichtiger, zionistische Kleinarbeit zu machen. Wir können es uns nicht mehr leisten, bei jeder Gelegenheit Kräfte zu bestellen, um Keren Hajessod zu sammeln. Wenn die Ortsgruppenführer ihren Idealismus durch persönliche Opfer bezeugen werden, indem sie selbst Leute für Keren Hajessod und Keren Kajemeth aufsuchen, dann würden sie erstens mehr erreichen, als auswärtige Kräfte, zweitens würden sie durch diese Besuche einen Kontakt mit der jüdischen Bevölkerung herstellen, der bisher an verschiedenen Orten leider noch fehlt. Zu Punkt 1 Keren Hajessod schlage ich vor, in jeder Stadt eine ״Ortsgruppe des Keren Hajessod“ zu organisieren. Diese Ortsgruppe soll nur den Zweck haben, Mitglieder für den Keren Hajessod zu werben, die monatlich einen Beitrag von 1—5 RM. zu zahlen haben. Aut diese Weise könnte man Kreise erfassen, die der zionistischen Bewegung bis jetzt noch fern stehen. Solche Ortsgruppen könnten meines Erachtens neben der Zionistischen Ortsgruppe bestehen. Ihre Aufgabe soll sein, das Palästinawerk zu fördern (Palästina-Freunde). Die Führer müßten die Arbeit ehrenamtlich machen, damit kein mit Kosten verbundener Beamtenapparat nötig wäre. Es sollte mich freuen, wenn meine Anregungen auf fruchtbaren Boden fallen würden! Benno Korn. * Wilna, den 1. Oktober 1931. An die Schriftleitung der ״Jüdischen Rundschau“, Berlin. Im Anschluß an den in Ihrer Nr. 70 veröffentlichten Aufsatz des Herrn Dr. Kaleko in Sachen der Vereinheitlichung der jiddischen Rechtschreibung bitte ich Sie, folgenden Zeilen Raum geben zu wollen: 1. Die Wilnaer Konferenz, die in ihrer Mehrheit fi'irdicAenderung in der Schreibweise eintrat, hatte bloß beratende Funktionen und hat daher keinerlei bindende Beschlüsse gefaßt, sondern ihre Empfehlungen bloß der philologischen Sektion des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts unterbreitet. 2. Es ist absolut unberechtigt, die eine oder andere Stellung zur Frage der Schreibung der Hebraismen mit politischen Ansdiauungen in Verbindung zu bringen. Die Abstimmungen auf der Konferenz waren namentlich und zeigten, daß sowohl die eine als auch die andere orthographische Richtung Vertreter verschiedener politischer Richtungen vereinigte. Dr, Max Weinreich, wissenschaftlicher Sekretär der philologischen Sektion des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts. Die Ausschreitungen 3m Kurfürstendamin. Das Urteil über di« Exredenten am 12• September ist noch nicht rechtsgültig, da sowohl Staatsanwalt wie Verteidiger Berufung eingelegt haben- Das Urteil fand, wie nicht anders zu erwarten war, in der nationalsozialistischen Presse allerschärfsten Widerspruch. Der Berliner ״Angriff“ wandte sich in unerhörtester Weise gegen den Oerichtsvorsitzenden Dr. Schmitz und die Staatsanwälte und forderte seine Leser auf, die Verurteilten aus den Kerkern zu befreien, Die Zeitung wurde fiir drei Wochen verboten. Der Prozeß gegen Graf Helldorf und Kurt Ernst, welcher am 29. September vor dem Schnellschöffengericht stattfinden sollte, wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft den ordentliehen Gerichten überwiesen, als wahrscheinlicher Termin gilt der 8. Oktober.