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Jüdische Rundschau · 1931-10-02 · Heft 76 (2.10.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 76 (2.10.1931)
Date
1931-10-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Sehe 483 Nr. 76, 2. X.!931 Palästina -Literatur Einigung im Revisionismus Von revisionistischer Seite wird uns mitgetcilt: Am 28. und 29. September fand in Calais eine Sitzung des Exekutiv-Komitees der Union der Zionisten-Revisionisten statt, an welcher die folgenden Herren teilnahmen: Jabotinsky, der den Vorsitz führte, Angel, Ciroßmann, Rosoff, Schechtmann, Dr. Soskin, Stricker, Trivus; die Sekretäre Abrahams und Dr. Rosenblum; als Gast Belilowsky. Gegenstand der Beratung waren in erster Linie die nach dem Basler Kongreß 1931 innerhalb der Union entstandenen Differenzen in der Auffassung des Verhältnisses der Union zur Zionistischen Weltorganisation. N'acli eingehender Behandlung kam cs zu einer völligen Einigung in allen schwebenden Fragen. Herr L i c 111 h c i in , der wegen Erkrankung an der Sitzung nicht teilnchmcn konnte, gab telegraphisch seine Zustimmung zu den Beschlüssen. Die Union der Zionisten-Revisionisten bleibt als eine einheitlichc Organisation bestehen. Dem Umstande, daß ein Teil der Mitglieder der Union seine Zugehörigkeit zur Zionistisehen Weltorganisation nicht weiter aufrechtzuerhalten gewillt ist, wurde dadurch Rechnung getragen, daß künftighin ein Teil der Mitglieder aus Nie ht - Schekel- Zahlern bestehen wird. Infolgedessen soll der Absatz VIII der ״Grundsätze des Revisionismus“, welcher die Union in ihrer Gesamtheit als integralen Bestandteil der Zionistischen Organisation bezeichnet, in der neuen Fassung der ״Grundsätze“ aufgehoben und durch die am Schlüsse dieses Communiques wiedergegebene Fassung ersetzt werden. Andererseits wurde vereinbart, daß die Frage der Gründung einer ״Unabhängigen Zionistischen Organisation“ nicht aufgerollt werden soll. Die Vertreter des Exekutiv-Komitees werden die in der Sitzung angenommenen Vorschläge den bevorstehenden Landeskonferenzen der Union zur Annahme empfehlen. Im Dezember 1931 soll eine außerordentliche Tagung des Parteirates stattfinden, der diese Vorschläge zur Ratifikation vorgelegt werden. Die V. Ordentliche Weltkonferenz der Zionisten- Revisionisten wird im Laufe des Sommers 1932 abgehalten werden. Die vom Exekutiv-Komitee angenommenen Resolutionen lauten: Absatz VIII der ״Grundsätze“ wird durch die folgende Fassung ersetzt: 1. Die Union der Zionisten-Revisionisten wirbt ihre Mitlieder in allen jüdischen und zionistischen Kreisen, unter er Voraussetzung, daß diese Mitglieder das Programm der Union annehmen, die hieraus entstehenden Pflichten erfüllen und sich der Disziplin der Union unterwerfen. Die Mitgliedschaft der Union der Zionisten-Revisionisten wird künftighin nicht auf Schekelzahler beschränkt. 2. Die Revisionisten, welche den Schekel entrichten, üben die sich aus ihrer Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation ergebenden Funktionen unter der Leitung der schekelzahlenden Mitglieder des Exekutiv-Komitees der Union aus. Der Verkehr mit den Organen der Zionistischen Organisation erfolgt durch die Revisionistische Fraktion des A.-C. Die Ausgaben, welche sich aus der Ausübung der in diesem Paragraphen erwähnten Funktionen ergeben, werden aus dem allgemeinen Budget der Union der Zionisten-Revisionisten gedeckt. Die Regelung des Verhältnisses der revisionistischen Gruppen zu den zionistischen Landesverbänden resp. Arbeitsgememschaften wird auf der nächsten Konferenz der Union erfolgen. 111 der Zwischenzeit gilt der Beschluß der Baseler Kpuferenz von 1931 (Zirkular des E. K. Nr. ls/11), demzufolge den revisionistischen Landesverbänden, bis zur Konferenz ln dieser Frage freie Hand gelassen wird. Wir geben das vorstehende Comtnunique vorläufig ohne Kommentar wieder. Wir anerkennen, daß — wie überall in solchen Fällen — die Revisionisten zur Vermeidung einer Spaltung gezwungen waren, eine überbrückende ״Formel“ zu finden. Wir sind jedoch der Ansicht, daß sich zu der hier entstandenen organisatorischen Situation, die keine inner-revisionistische Angelegenheit ist, auch die Organe der Zionistisehen Organisation zu äußern haben. fit der Frage der palästinensischen Lehrer-Seminare wurde nach langen Verhandlungen die Regelung erzielt, daß künftig nur ein Seminar für Lehrer, Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen bestehen soll. Die Frage, ob sein Sitz in Jerusalem oder in Tef-Awiw sein wird, wurde noch nicht entschieden. Dem M. i s r a c h i wurde anheim gestellt, falls er das Bestehen zweier Lehrer-Seminare, eines für Lehrer und eines für Lehrerinnen, für notwendig hält, dessen Erhaltung aus eigenen Mitteln zu finanzieren. wird sie von den wilden Tänzern mit ihren stampfenden Schritten zertreten, und eine neue Melodie, eine neue ertönt. Ekstatisch greifen braune, nackte Arme hoch, schwingen rote Tücher, fassen die Schulter der Nächsten fester und die Bewegung wird heftiger, heißer, rasender. Jetzt springt auch Asis Effendi, der jüdische Beduine, in den Kreis, nein, er wirft sich in ihn und wird von diesen! aufgesogen wie ein Tropfen, der vom heißen Stein verzehrt wird.... Asis Effendi ist ein junger Genosse, der schon seit Jahren unter den arabischen Hirtenstämmen lebt, um ihre Gewohnlieiten und Lebensformen kennenzulernen. Er ist so gekleidet wie die Beduinen der Berge, trägt einen schwarzen schönen Bart, ein gestricktes Tuch ist um seinen Kopf gewunden, eine breite Abajah bedeckt seinen Körper. Er ist gekomrnem um zusammen mit seinen Genossen das Fest zu feiern. Lange Tage ist er zu Fuß über die Berge gewandert und jetzt ist er hier, dem tanzenden Kreise gegenüber. O, er hat es nicht verlernt, das Tanzen; er kann es so gut, wie einer. Verhaltene Kraft durchzuckt seinen stürmenden Körper. Bis zur Siedehitze steigern sich die Bewegungen. Wer nicht mit kann, scheidet aus, aber der Kreis bleibt ganz, die Kette schließt sich von neuem.... Das ist der Sinn des palästinensischen Tanzes der Pioniere, der ״Horrah“. Heute tanzen ihn drei Generationen.... Es ist an dem ״Feste der Achtzehnjährigen“. Bis zum Morgengrauen zog sich das Fest hin. An den großen weißen Tischen saßen die ״Alten“, tranken Wein und erzählten sich Geschichten. Kenaani, der ״Falchist“, sang türkische Melodien, denn er war während des Krieges Offizier der fürkischen Armee und man singt sie gerne, die Melodien der Nachharn. Es wurden auch sehr viele cliassidische und russische Melodien gesungen. Dieselben ״Alten“ mögen einst in der Nacht des .,Simchath-Thora“ beim Rabbi gesessen und seinem Worte gelauscht haben, vor gar nicht langer Zeit.... Am nächsten Morgen kam eine Gruppe von vornehmen Arabern auf ihren rassigen Pferden angeritten. Sie kamen auch zum Feste und wurden vom ״Muchtar“ (dem Oberhaupt) empfangen und bewirtet — nach allen Regeln, die die Araber im Vencehre miteinander üben. Die neue Böhm ״Broschüre Der Keren Kajemeth Lejisracl (jüdischer Nationalfonds) von Adolf Böhm, licrausgegeben vom Hauptbüro des Keren Kajemeth Lejisrael, Jerusalem 1931. Rechtzeitig vor seinem 30jährigen Jubiläum hat der Keren Kajemeth Lejisrael eine Neuauflage seiner grundlegendsten und umfassendsten Informationsschrift erscheinen lassen. Es ist die vierte Auflage, die von der Broschüre erscheint. Die erste wurde im Jahre 1910 in Köln, die zweite während des Krieges 1916 im Haag, die dritte, kurz nach Uebersiedlung des Hauptbüros 1923 in Jerusalem herausgegeben. In fast alle wichtigen Sprachen wurde seither diese wahrhaft klassische Schrift des Keren Kajemeth übersetzt und sie ist bis zum heutigen Tage die repräsentative Darstellung über den Jüdischen Nationalfonds geblieben. Die Entwicklung, die das jüdische Palästinawerk in den letzten dreißig Jahren genommen hat und die zentrale Rolle des Keren Kajemeth beim Aufbau der Nationalen Heimstätte findet in der Broschüre eine unübertreffliche Darstellung. Die Meilensteine dieser Entwicklung, die der Verfasser in Ziffern und Daten anführt, geben ein interessantes Bild von jüdischer Leistung in Palästina. Als der Keren Kajemeth vor dreißig Jahren gegründet wurde, lebten in Palästina rund 50 000 Juden, 225000 Dun am Boden waren in jüdischem Besitz, auf denen sich 17 jüdische Siedlungen erhoben. Bis zum Kriege war das Tempo der Vermehrung stetig aber bescheiden und während des Krieges folgte ein völliger Stillstand. Das letzte Jahrzehnt nach dem Kriege brachte einen Fortschritt auf allen Gebieten: Wachstum der jüdischen Bevölkerung auf rund 180 000, Steigerung des Bodenbesitzes auf 1200000 Dunam, Vermehrung der jüdischen Siedlungspunkte auf 107, Entstehung zahlreicher industrieller und Handelsunternehmungen, rapide Entwicklung der städtischen Kolonisation und großartige kulturelle Errungenschaften. Es gibt kaum ein Gebiet, auf dem die Tätigkeit des Keren Kajemeth als des Pionierfonds vor dem Kriege und des Trägers unserer Bodenpolitik nach dem Kriege nicht sichtbar in Erscheinung trat. Die neue Auflage der Böhm-Broschüre knüpft in ihrem grundsätzlichen Inhalt an die früheren Auflagen an, weil ja das Grundprinzip des Keren Kajemeth unveränderlich ist. In der Darstellung dieses Prinzips geht aber der Verfasser weit über das hinaus, was in den früheren Auflagen gesagt wurde, zumal die Voraussetzungen der kolonisatorischen Tätigkeit in Palästina andere geworden sind und inzwischen mehr als ein Jahrzehnt praktischer Tätigkeit des KKL hinter uns liegt Der interessanteste Teil der Schrift ist jener, wo an Hand dieser praktischen Tätigkeit die Verwirklichung des Keren Kajemeth-Prinzips in seinen Auswirkungen für die nationale und soziale Struktur des jüdischen Palästinawerks nachgewiesen wird. Es ist nicht möglich, all die Fragen und Probleme zu berühren, die der Verfasser in seiner Schrift anschneidet. Nur auf einiges sei hingewiesen. Wenn z. B. bei Darlegung der prinzipiellen Richtlinien des KKL auf die fundamentale Tatsache aufmerksam gemacht wird, daß eine jüdische Massenkolonisation in Palästina den freien Zugang zum Boden zur Voraussetzung hat und Großgrundbesitz eine ״Sperre*‘ des Bodens für ansiedlungsbereite Siedler bedeutet, so wird dies durch die Vorkommnisse der letzten Zeit in bezug auf die Bodenfrage in Palästina nur zu deutlich illustriert. Ueber Erbpacht und Erbbaurecht wird Wesentliches auseführt und mancherlei irrige Auffassung — z. B. über Beleiharkeit des Erbpachtrechts — an Hand von Erfahrung und Wissenschaft korrigiert. Von besonderer ,Aktualität ist die Wiederlegung der Ein- Wendungen Sir John Hope Simpsons gegen die Priuzipien des KKL (Unveräußerlichkeit des Bodens und Sieherung jüdischer Arbeit). Hier handelt es sich nicht bloß um eine Widerlegung, sondern der Verfasser gibt eine umfassende und prägnante Darstellung der Bodenverhältnisse in Palästina. Diesen Teil der interessanten Schrift hat das Hauptbüro unter dem Titel: ״Gibt es in Palästina frei verfügbaren Boden“ nach Erscheinen des Weißbuches herausgegeben. Die Kenntnis dieser Tatsachen Palästinas für die weiteste Öffentlichkeit ist von allergrößter Bedeutung. Mehr als die Hälfte des etwa 200 Seiten starken Buches — das diesmal in einem sehr handlichen Taschenformat herausgegeben wurde — behandelt die praktische Tätigkeit des Keren Kajemeth in Palästina, fn dem Rückblick, den der Verfasser auf die Tätigkeit des KKL wirft, unterscheidet er drei Epochen, die durch die Entwicklung der zionistischen Bewegung und die Zeitumstände bedingt sind. Als unter der Leitung Dr. Ruppins im Jahre 1908 das Palästina-Amt in Jaffa die kolonisatorische Arbeit der Zionistischen Organisation inauguriert, wird der KKL fast das alleinige Finanzinstrument dieser sich auf die verschiedenartigsten Gebiete erstreckenden kolonisatorischen Tätigkeit. Eine ganze Reihe von Positionen entstehen• ,Der Bezalcl erhält vom KKL zwei Häuser in Jerusalem zur Errichtung von Werkstätten und Schulen, in Benschemen und Hulda werden die ersten Baumpflanzungen angelegt, die Palestinc Land Development-Company wird mit Hilfe des KKL gegründet. In Kinereth wird ein Farmbetrieb eingerichtet, eine Häuserbaugenossenschaft in Jaffa ״Achusath Baith“ erhält ein Darleben von 250000 Goidfrancs und baut die ersten 60 Häuser in Tel-Awiw, das Herzl-Gymnasium wird durch eine Spende von Jacob Moser-Bradford von 100000 Goldfrancs gebaut, JEWISH AGENCY Begrüfjungsabend zu Ehren von ProtOrXhaimWeizmanik Vorsiti: Rabbiner Dr, Leo BAECK Ansprachen: Stadtkämmerer Bruno ASCH Rabbiner Dr. Leo BAECK Kurt BLUMENFELD Dr. Schutaria LEVIN Prof. Dr. Chain WEIZMANM Sonntag, den 11. Oktober, abends 8 Uhr, bei Kroll (Großer Saal) Teegedeck (einsdil. Bedienung und Garderobe) M. 2. ~ Karten nur im Vorverka u ( bis zum 7. Oktober im Büro *He»־ Jrwisb Agency» Berlin W15, Meioekestr. 10 {Tel.: Jl Bismarck 71^5) die alten jüdischen Kolonien, In Pächtergenossenscha ften zusammengeschlossen, erhalten durch Vermittlung der Anglo- Palestine-Company einen Agrarkredit von 200000 Goldfrancs, die Siedlungsgenossenschaft Merchawjah entsteht, für einige Tausend erwandernde Jemeniten werden Häuser gebaut und kur« vor dem Kriege hat der KKL fast 70״•״ seines Vermögens oder rund 3 000000 Goidfrancs in Palästina investiert. Nach dem Intermezzo der Kriegs zeit eröffnet die Londoner Jahreskonferenz von 1920 die dritte Epoche der Tätigkeit des KKL. Er wird der Träger unserer Bodenpolitik in Stadt und Land, eine systematische, großzügige Bodenkaufstätigkeit beginnt, sein Bodenbesitz wird in 10 Jahren verfünfzehnfacht, er bildet die Grundlage für das Entstehen von fit• neuen Siedlungspunkten, deren Kernstück das E ווו e k Jesreel, die größte Leistung dieser zehn Jahre bildet, in epigrammatischer Kürze, aber lückenloser Ausführlichkeit und lebendigster Anschauung schildert uns die neue Böhm-Broschüre diesen Werdegang, Sie ist nicht nur eine Werbe- und Inl'ormaüonsschrift für unsere populärste Institution, sondern ein einzigartiges Werk über den Palästina-Aufbau, das aufklarend und begeisternd auf jeden Unvoreingenommenen wirken muß, und das vor allem jeder Zionist lesen muß. Adolf Poll״ k. Christliche Palästina-Bücher Palästina-Reis-ebüclier christlicher Autoren, wenn auch heute nicht mehr wie in den ersten Nadikriegsjahren als autregende Ereignisse empfunden, haben doch noch für uns einen besonderen Reiz. In den Antangsjahren des Jüdischen Nationalheims suchten wir in solchen Berichten neutraler, der ״Propaganda“ unverdächtiger Schriftsteller die Bestätigung der uns selbst noch neuen Tatsache, daß die langgehegte jüdische Aul'erstehungs-Idec in die Welt der greifbaren Wirklichkeit übergegangeu war. Heute ist uns dies nicht inehr genug, das Bewußtsein dieser Wirklichkeit ist alltäglich geworden, wir sind schon eine Stute weiter mit unseren Sorgen und Gedanken. Aber immer noch ist cs interessant und belehrend für uns, zu beobachten, wie das in Palästina Werdende auf Außenstehende wirkt, wenn wir nur da.s Gefühl haben, daß es rechtschaffene Menschen, mit geradem, unverstellten Blick sind, die da sprechen. Und zu dieser Art Menschen ist zweifellos Emil Lind zu zahlen, dessen neues Buch den Titel ״A r;1 b i s m u s - Z i o n i s 111 u s“ trägt. (״Ein Buch 'חסי Verfall und Aufbau, von müden und schaffenden Menschen in Syrien und Palästina“. Jul, Kranzhühler & Cie., Verlagsanstatt Speyer-Leipzig.) Der Titel des Buches könnte so verstanden werden, als gäbe der Verfasset eine Diskussion der politischen Probleme; in Wahrheit ist dies ein Rahmen für eine Reiseschilderung, in der die christlichen Stätten, die Landschaft Syriens und Palästinas und vieles andere nicht minder besprochen werden als der Zionismus, und die Zeugnis ablegt von der starken religiösen Verbundenheit des evan• gelischen Autors mit dem Lande. Der Bericht nimmt durch seine Schlichtheit und durch den unprätentiösen Ernst der Einstellung angenehm für sich ein. Die Informationen über die zionistische Arbeit und über das jüdische Palästina sind sachlich und richtig (bis auf , einige kleine, bedeutungslose irrtümer), der Verfasser spricht von dem jüdischen 'Werk mit großem Respekt und mit Sympathie, er würdigt das Geleistete, ohne für die Schwierigkeiten, vor allem die Haupt- Schwierigkeit: die Araberfrage, blind zu sein. Lind verliert sich nicht in Spekulationen, sondern erzählt einfach, was ihm begegnet ist, die Gespräche, die er geführt und angehört hat, und er gibt so dein Leser einen Ausschnitt aus der Problematik, ein Fenster, durch das man ins Innere sehen kann. Schon auf der Hinreise ist er auf der ״Carnaro“ Zeuge einer Diskussion zwischen einem offenbar gut unterrichteten und richtig־ denkenden Zionisten und einem gebildeten Araber. Obwohl Lind auch den Idealismus und die Echtheit der Gesinnung des Arabers anerkennt, muß er als Zuhörer dennoch ,,innerlich sein Urteil zugunsten des Zionismus fällen“. Die Argumentation des Zionisten ist durchschlagend, die ״Befürchtungen des Arabismus“ kann der Zuhörer ״nicht für so brennend halten“ wie der Araber. In einem Nachwort wird die jüngste Entwicklung bis zum MacDonald-Bricf dargestellt, wobei der Autor die Schaukel- Politik der Mandatarmacht bedauert; er kommt zu folgenden! Schluß: ,,Das Problem Arabisipus-Zionismus ist erneut mit Flammenschrift über das Heilige Land geschrieben. Die Lösung ist möglich, bei der heutigen Stimmung und Gefühlsläge der Araber sowohl wie der Juden noch nicht durchführbar. So wird auch über der nächsten Zukunft das Wort Kampf stehen.“ Erwähnenswert ist noch, daß das mit vielen guten Bildern geschmückte Buch Albert Schweitzer, dem IJrwalddoktor von Lambarene, gewidmet ist. Ganz anderer Art ist das Buch von Herbert Eulenb er g ״Palästina, eine Reise ins gelobte Land“ (Rembrandt- Verlag, Berlin). Hier ist Palästina nur Stoff und Anlaß zum Spiel der dichterischen Phantasie, die auch in Vergangenheit und Zukunft schweift, deren Visionen die Gefühle und Einfälle des Dichters mit der! Tatsachen des realen Palästina verweben. Das Land Christi, Abrahams, Josuas, der Kreuzzüge, die den Dichter besonders stark bewegen, heute das Land modernster Aufbauarbeit welche Großartigkeit, wie die Zeitalter sich begegnen und mischen auf diesem Streifen Erde. Und dazu das Bild des modernen Juden, wie er Eulenberg bisher bekannt war, des Großstadtjuden aus Berlin W. Ke Zionisten erscheinen tuienberg offenbar als nüchterne Zivilisatoren, obwohl er ja selbst die rülirende Geschichte eines vor Sehnsucht nach Erez-Israe! gestorbenen Kindes, heimliche Schwester der Kinder des Kinderkreuzzuges, erzählt. Aber in Haifa sollen die Zionisten, als er sie aufmerksam machte, daß schon der Prophet Jesaja die Waldpracht des Karmel gepriesen habe, geantwortet haben: ״So? Hat dieser alte Unglücksrabe sich auch schon um die Aufforstung der Waldungen in Palästina bekümmert?“ Welcher Zionist, so fragt sich der Leser, kann eine solche Antwort gegeben haben, es sei denn, daß er vielleicht den Frager verulken wollte! Den Gipfel der Abgeschmacktheit aber - wir können cs leider bei allem Respekt vor dem Dichter nicht anders nennen ־ erreicht das letzte Kapitel, das den Titel ״Ein Zukunftsbild“ trägt, und den fingierten Brief eines Palästina- Juden aus dem Jahre 1990 au seine Rebekka enthält. Es soll wohl geistreich oder humoristisch sein, wie hier der Triumph des. mauschelnden Börsen-Babbitt von Tel-Awiw über diu entweihte Heiligkeit der Stätte persifliert wird. Das war nicht nötig, daß ein Mann, der so schöne Worte über den CHahsz, über Theodor Hcrzl, ja sogar über Tei-Awiw findet, diese Schlußapotheose hinstellt, nur weil er sich den Witz nicht verkneifen kann. Herbert Eulenberg sollte, um sein Buch zu retten, schleunigst die Auflage aus dem Verkehr ziehen und unter Hinweglassung der letzten vier Seiten wieder herausgeben. 1.

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