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Jüdische Rundschau · 1931-10-02 · Heft 76 (2.10.1931) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 76 (2.10.1931)
Date
1931-10-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 464 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 76, 2.X 193! Der 18. Internationale Orientalistenkongreij in Leiden Von Dr. Walter Fischet, Jerusalem. Vom 7.—12. September trat in Leiden der 18. Internationale Orientalisten-Kongreß zusammen, an dem sich mehr als 700 Qelehrte aus allen Teilen der Welt beteiligt hatten. Die seit langem gründlich vorbereitete Tagung funktionierte in Jeder Beziehung, so daß die Teilnehmer von dem allgemeinen, recht abwechslungsreichen Programm nicht minder befriedigt waren, als von dem eigentlichen wissenschaftlichen Programm des Kongresses, das sich in folgenden neun selbständigen Sektionen abspielte: I. Assyriologie, II. Egyptologie, III. Iranologie, IV. Ferner Orient und Indonesien, V. Indien, VI. Semitische Sprachen und Völker, VfL Altes Testament und Judentum, VIII. Islam und IX. Papyrologie. Nahezu 200 Referate — die Redezeit war auf 30 Minuten festgesetzt — wurden insgesamt in den verschiedenen Abteilungen gehalten. Als offizielle Sprachen galten Deutsch, Französisch und Englisch; die spanischen und italienischen Gelehrten begannen ihre Ausführungen mit kurzen Begrüßungsworten in ihrer Sprache und es sei besonders vermerkt, daß David Jellin (Jerusalem) vor einem auserlesenen Kreis von Fachkollegen sein Referat über ״Eine neue Form des hebräischen Fragepronomens״ in hebräischer Sprache begann. Der Vorsitzende der VI. Sektion, der jüdische Gelehrte Prof. Dr. L L. Pa lache (Amsterdam) dankte Jellin auch in Hebräisch. in fast allen Abteilungen waren jüdische Gelehrte anzutreffen, die zum Teil auch ihre Länder oder Universitäten zu vertreten hatten. Die amerikanische Delegation umfaßte u. a. die jüdischen Professoren Zeitlin, Speiser, Gottheil, die französische Sylvain- Levi, den derzeitigen Präsidenten der Alliance Isradlite |Tni verseile, Italien den bekannten Arabisten Roms, Levi della Vida, Marokko war vertreten durch Prof. E. Levi Provencai, die Universität Cambridge durchR.Levy und I. Loewe und die Universität Gießen — und damit Ist die Reihe der ״Leviten“ auf dem Kongreß beendet durch den Assyriologen Levy. Die palästinensische Regierung war durch L. A. Mayer vom Department of Antiquities vertreten, der zusammen mit L. Billig auch dieHebräischeUniversität repräsentierte. Von der Jerusalemer Universität nahmen außerdem noch D. Jellin und W. Fischei am Kongreß teil. Von einem jüdischen Gesichtspunkt aus waren die Arbeiten der VI. Sektion ״Altes Testament und Judentum" und in einem gewissen Sinne auch die Abteilung ״Islam“ von ganz besonderem Interesse. Schon die Tatsache, daß eine Reihe namhafter jüdischer Gelehrter Vorträge über alttestamentliche Fragen hielt, ist zu erwähnen. Ohne hier auf die oft recht interessanten Ausführungen im Einzelnen eingehen zu können, seien nur genannt: S. Krauss (Wien): Neue Wege in der Erklärung des Hohen Liedes; S. Da ich es (London): Neue exegetische Punkte in den Psalmen; S. Zeitlin (Philadelphia): Der jüdische Kalender in biblischer und frühchristlicher Zeit; N. Glu eck (Cincinnati): Das Wort ״Toebah“ im Alten Testament; H. Blank (Cincinnati): Ueber eine hebräische Bibelhandschrift; H. Loewe (Oxford): Schetaroth im British Museum; D. Sidersky (Paris): Josua in Gibeon; R. Edelmann (Bonn): Probleme der synagogalen Poesie und in andern Zusammenhängen; S. Birnbaum (Hamburg): Jiddisch und Hebräisch und I. Scheftelowitz (Köln) in der III.Sektion. Jn der VI. Abteilung ging es zuweilen sehr heiß 11er und Daiches (London) u. a. hatten in der oft recht stürmisch verlaufenen Diskussion für die jüdische Auffassung so manche Lanze zu brechen. Von bedeutenden nichtjüdischen Bibelforschern waren u. a. anwesend Budde (Marburg), Kahle (Bonn), Eisfeld (Halle) und der langjährige Leiter des American School for Oriental Studies in Jerusalem und Freund der Hebräischen Universität, Prof. Albright (Baltimore). Aber auch die in andern Sektionen, auch z. T. von nichtjüdischen Gelehrten, gehaltenen Referate berührten in sehr vielem das Judentum und seine Geschichte. Schließlich stehen die neuen archäologischen Funde in Megiddo oder in Petra (Transjordanien) oder In Res Schamra (Syrien), über welch letztere Bauer (Halle) und Schaeffer (Straßburg) sprachen, oder die von H. Orimme (Münster) behandelten neuen Sinai- Inschriften oder Albright’ s oder M. v. Oppenheitn’s Auserabungsergebnisse, ja selbst E. A. Speiser’s ethnische Probleme des alten Mesopotamien — und noch vieles andere — in einem sehr engen Zusammenhang mit der Frühgeschichte Israelsund Palästinas und können noch größere Bedeutung erlangen, wenn der Spaten weiter so erfolgreich im Vorderen Orient eingesetzt wird. In der Abteilung ״Islam“ vermißte man die jüdischen Orientaüsten Deutschlands (Weil, Mittwoch u. a.), wie überhaupt die deutsche Gelehrtenwelt auf diesem Kongreß nur sehr schwach vertreten war. Es fehlten Becker, Bergsträsser, Strothmann u. a. Von jüngeren hoffnungsvollen Kräften seien M. Plessner (Frankfurt) und P. Krauss (Berlin) genannt, die sich besonders der philosophischen Seite der Islamwissenschaft (Einfluß griechischen Geistes auf den Islam) zuwandten, während P. Osztern (Budapest) dem Einfluß des Parsismus auf den Islam nach ging. Es sei noch hervorgehoben, daß Prof. Levi della Vida (Rom) in seinem Referat auf die Wichtigkeit der von der Hebräischen Universität in Jerusalem in Angriff genommenen arabistischen Arbeiten hinwies. Unter den Orientalisten waren auch die Orientalen stark vertreten. Der Anteil jüngerer Kräfte aus Aegypten, Tunis, Indien usvv. war bemerkenswert. Der bekannte blinde Philosoph und arabische Literaturhistoriker der Universität Kairo, Tana Hussein, dessen kritische Einstellung zum Koran und zur islamischen Tradition so großes Aufsehen erregt hat, verstand es, die Hörer der islamischen Sektion noch kurz vor Abschluß des Kongresses durch ein tiefschürfendes Referat anzuziehen. Neben dem wissenschaftlichen Programm waren vor allem die vielen gesellschaftlichen Veranstaltungen, der großartige Empfang der holländischen Regierung in Haag, die Begrüßung der Stadt Leiden im Lakenthal-Museum, Tee- Nachmittage, gemeinsame Besichtigungen und Ausflüge dazu angetan, mit den nach Leiden gekommenen Gelehrten in einen engeren persönlichen Kontakt zu kommen. Bietet doch gerade ein solcher Kongreß durch die ״Internationalität" seiner Teilnehmer die sehr willkommene und sonst so seltene Gelegenheit der Anknüpfung persönlicher Beziehungen und des direkten Gedankenaustauschs — eine vielleicht noch wesentlichere Aufgabe des Kongresses als die Abhaltung von Referaten, die ja schließlieh doch im Laufe des kommenden Jahres im Druck erscheinen werden. Der 17. Orientalisten-Kongreß tagte in Oxford, der 18. fand jetzt in Leiden statt, für den 19. Kongreß im Jahre 1934 wurde als Tagungsort Rom aus ersehen. Sollte der 20. Internationale Orientalisten-Kongreß nicht in Jerusalem stattfinden können? Oxford—Leiden; Rom—Jerusalem! Der 20. Orientalisten-Kongreß im Orient! Der Prozeß gegen die nationalsozialistischen Jugendlichen, die in der Nacnt vom 7. zum 8. August das Lager des Brith Haollm in Wendershausen bei Kassel überfallen haben, fand diese Woche im Amtsgericht in Witzenhausen statt. Ueber die Ueberfälle, die vom Brith Haolim erfolgreich abgewehrt wurden, haben wir seinerzeit berichtet. Fünf Angeklagte wurden wegen Landfriedensbruch zu je vier Monaten Gefängnis, mehrere andere zu kleineren Strafen verurteilt und eine Anzahl von Angeklagten freigesprochen. Aus da* Berliner Gemeinde Sitzung dar Repräsentanten •Versammlung . In der Sitzung vom 28. d. M., über die wir bereits in der vorigen Nummer kurz berichtet haben, stand als einer der ersten Punkte auf der Tagesordnung die Frage der Studenten- Seelsorge, die bisher von Dr. Joachim Prinz wahrgenommen wurde. Es lag seit Monaten ein Antrag Bruno woydas vor, der sich gegen die angeblich politische Tendenz in Dr. Prinz Tätigkeit wendet und die Besetzung dieses Postens mit einem Gemeinde-Rabbiner verlangte. Ueberraschend teilte Woyda in der Sitzung vom 28. mit, daß Dr. Joachim Prinz sein Amt als Studenten- Seelsorg er niedergelegt habe, weswegen für den Antragsteller der Anlaß fortfalle, Kritik an der Tätigkeit von Prinz zu üben. Dr. Joachim Prinz sah sich zu diesem Schritte genötigt, weil er, ähnlich wie die Jüdische Volkspartei, in deren Namen am 28. d.M. Dr. Klee in der Repräsentanz die Auffassung vom Amte eines studentischen Seelsorgers darstellte, angesichts der herrschenden Ansichten der jetzigen Mehrheit für sich keine Möglichkeit mehr sah, sein Amt 1'n einem Sinne auszuüben, der den besonderen Bedürfnissen und den Strömungen innerhalb der Studenten- Schaft entsprechen würde. Die Sitzung vom 28. gehörte zu den stürmischsten, die jemals in der Berliner Gemeinderepräsentanz stattgefunden haben. Die Schärfe wurde hineingetragen durch die Art, wie der Personaldezernent des Vorstandes, Herr Moritz Rosentha 1, auf die sachlichen, mit großer Eindringlichkeit vorgetragenen Ausführungen Oscar Cohns antwortete, der den Antrag der Volkspartei in Angelegenheit der Kündigung und Entlassung von Angestellten begründete. Diese Antwort war im Stile eines provinziellen Parteigezänks gehalten. Es Ist einer großen Gemeinde nicht würdig, daß ihre Führer auf das Niveau von Kleinkehille-Parnassim aus dem Vormärz herabsteigen. Wer in allen Problemen, die das Leben der jüdischen Gemeinde betreffen, sich bemüht, das Grundsätzliche in den Vordergrund zu schieben und von sachlichen Gesichtspunkten aus bestimmte Regelungen zu fordern, dem fällt es schwer, sich dem Ton der Bierbank anzupassen. Die Jüdische Volkspartei bat mit Rücksicht auf die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse und die Anspannung der Gemeindefinanzen sehr oft unter dem Regime der Liberalen ihre berechtigten Empfindungen zurückgedrängt und sich bestrebt, wie es in einer Einheitsgemeinde selbstverständlich ist, nach besten Kräften mitzuarbeiten. Diese Bereitschaft ist jedoch bisher von der liberalen Mehrheit nicht gebührend gewürdigt worden. Alle Maßnahmen der liberalen Mehrheit trugen outriert gehässige, gegen die Volkspartei gerichtete Tendenzen. Wir haben sehr oft zum Ausdruck gebracht, daß die Verwaltung der Jüdischen Gemeinde nur im Geiste einer gegenseitigen Rücksichtnahme gedeihlich ausgeübt werden kann. Das starre Majoritätsprinzip und die bedenkenlose Anwendung des Fallbeiles von Abstimmungen können in einer Einheitsgemeinde, welche verschiedene Richtungen zu einträchtiger Arbeit vereinigen soll, nicht rücksichtslos durehgeführt werden. Gerade in der Sitzung vom 28. gewann man den Eindruck, daß die Liberalen nicht gewillt sind, Argumente zu würdigen und ihre von vornherein feststehenden Beschlüsse durch neue Einsichten zu modifizieren. Wie anders wäre es zu erklären, daß in Sachen der Angestellten die liberalen Repfäsentanten Rockmacher und Ehrenreich, weiche Gemeindebeamte sind, sich dem Scharfmacher-Vorgehen Moritz Rosenthals billigend anschlossen? * Die Teilnahme des Publikums an den Verhandlungen der Repräsentantenversammlung war während der letzten Sitzungen außerordentlich rege. Regelmäßig waren die Galerien dicht besetzt und ein großer Teil von Interessenten konnte wegen Platzmangels keinen Zutritt erhalten. In einer für den 8. Oktober einberufenen großen Kundgebung der Jüdischen Volkspartei in der Stadthalle, Klosterstraße, wird Gelegenheit gegeben werden, von den Vorgängen in der Berliner Jüdischen Gemeinde Kenntnis zu erhalten. Die Kundgebung, welche unter dem Schlagwort ״Unter liberaler Herrschaft" einberufen ist, wird der Berichterstattung über die Tätigkeit der volkspart eiliehen Repräsentanten und Vorstandsmitglieder gewidmet sein. In aller Kurze Wie die JTA. aus Jerusalem meldet, macht sich dort als eine Folge der Pfund-Entwertung bereits ein Steigen der Preise für Nahrungsmittel und andere Gegenstände um etwa 10 #/0 bemerkbar. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß Palästina ein Importland ist und seine wichtigsten Güter, z. B. auch Mehl, aus dem Ausland bezieht. Der englische Polizeioffizier Duff, dessen Name durch die Entfernung des Wandschirmes vor der Klagemauer am Jom Kippur 1928 bekanntgeworden ist, wurde dieser Tage vor dem Kreisgericht Tulkerem wegen Schlagens von Fellachen zu 25 Pfund Geldstrafe verurteilt. In Prag begann soeben vor dem Geschworenen-Gericht der Prozeß gegen den tschechischen Legionär Karl Horak, der im Jahre 1919 in einem Dorfe an der tschechiseh-ungarisehen Grenze sieben wehrlose Juden als angebliche Spione erschossen und ihres Geldes und ihrer Wertsachen beraubt hat. Es handelt sich hier um eine der vielen furchtbaren jüdischen Tragödien der unmittelbaren Nachkriegszeit. Gegen den Täter liegt schwerbelastendes Material vor. Begreiflicherweise wird der Ausgang des Prozesses nicht nur vom tscheehoslowakisehen Judentum, sondern vom Judentum der ganzen Welt mit großer Spannung verfolgt. Bei dem dieser Tage abgehaltenen 3. Kongreß der jüdisehen Handwerker-Vereine Polens wurde seitens der Vertreter der polnischen Regierung und anderer offizieller Institutionen die Hilfe in dem schweren Kampf gegen die jetzige Wirtschaftskrise zugesagt. Nichtjüdiscne Handwerkeruna Gewerbevereine stellten eine Zusammenarbeit zwischen jüdischen und nichtjüdischen Handwerkern Polens in Aussicht. Wiener Blätter berichten, daß die Schwester Adolf Hitlers, eine gewisse Frau Raubal, längere Zeit die rituelle Küche des jüdischen Hochschul-Ausschusses geleitet hat und dabei mit großer Rigorosität die Beobachtung der Ritualvor- Schriften überwachte. Die Blätter knüpfen an diese Entdeckung naheliegende Kommentare. Die in Charkow erscheinende jiddisch-kommunistische Tage$zeitung ״Stern“ stellt eine anhaltende Abwanderung aus den jüdischen Kolonien der Krim lind der Ukraine fest. Die Abwanderung übersteigt die neue Zu- Wanderung,׳ _ Von Dr. La voslav Sik , dem Vizepräsidenten der jüdisehen Kultusgemeinde ln Zagreb, ist in deutscher Ueber- Setzung eine Broschüre über ״Jüdische Aerzte in Jugoslawien“ erschienen. Diese Studie, die eine Reihe von Monographien bedeutender jüdischer Aerzte Jugoslawiens enthalt, vermittelt gleichzeitig einen sehr interessanten Einblick in die Lage und Geschichte der Juden in diesem Lande. (Preis 3,— M.) Von demselben Verfasser ist jetzt ein umfangreiches Werk über die Geschichte der Juden in Jugoslawien in Vorbereitung. Ein Antra! der WIZO Wir erhalten von der Exekutive der Weltorganisation zionistischer Frauen (Wizo) einen an die Wizo-Mitglieder gerichteten Aufruf, dem wir folgendes entnehmen: ״Es gibt außerhalb unserer organisierten Gruppen noch große Massen jüdischer Frauen, die auf den Ruf ihrer Schwestern In Erez-Israel stumm blieben. Es Ist mehr als die Pflicht eines jeden Einzelnen von uns — es Ist unsere wesentlichste Aufgäbe — die zionistische Idee bis in die äußersten Bezirke der Judenheit zu tragen, die jüdische Frauenwelt zu inspirieren und zum Bewußtsein ihrer Pflicht als Hüterin der Traditionen und Fundamente des Judentums und jüdischen Lebens und als Trägerin der Ideale des Zionismus zu erwecken. Die gegenwärtige Lage unserer Organisation verlangt sofortiges und energisches Handeln unserer Mitglieder. In den letzten zwei Jahren hat die fortschreitende Entwicklung unserer Organisation in Palästina und in der Diaspora sehr stark unter der Weltwirtschaftskrise, die sich *sehr ungünstig auf unser Einkommen ausgewirkt hat, gelitten. Unsere Arbeit in Palästina darf nicht zum Stillstand kommen. Wir müssen den hohen Standard, den unsere Institutionen erreicht haben, aufrecht erhalten und ihnen die Möglichkeit geben, sich selbst weiter zu entwickeln. Unsere Verpflichtungen müssen erfüllt werden, denn ein Versagen würde höchst unheilvoll für die Errungenschaften sein, die in Palästina zum dauernden Wohle der Frauen des Jischuw erzielt worden sind und würde außerdem schwerwiegende Auswirkungen innerhalb der Bewegung in der Diaspora haben. In diesem Zeitpunkt, der für die gesamte zionistische Bewegung so kritisch ist, dürfen ■wir um keinen Preis unsere Aufgabe im Stich lassen. Wir richten an unsere Freunde und Mitarbeiterinnen den Appell, gemeinsam und energisch zu handeln, entschlossen, hingebungsvoll und mutig zu sein. Wir bitten sie, moralisch und praktisch alles zu tun, was in ihren Kräften steht, und uns durch Disziplin und Mitarbeit weitgehendst in unserer Organisaiions-Arbeit zu unterstützen.“ Der Aufruf ist unterzeichnet von Lady (Herbert) Samuel, Ehren- Präsidentin, HenriCtta Irwell, Ehren-Vizepräsidentin, Romana Goodman, Vera Weizmann, Präsidentinnen der Wizo. Schicksalsfragen der Jaden Vortrag Schmarja Levin am 1. Oktober Es war ein guter Gedanke der B. Z. V., die Anwesenheit Dr. Schmarja Levi ns in Deutschland zu nützen und mit einem Vortrag dieses Meisters des Worts Ihre Winterarbeit zu beginnen. Beweis war der zum Erdrücken gefüllte Saal im alten Herrenhaus. Alle Altersschichten waren vertreten, besonders stark die Jugend. Schmarja Levins, des ewig-jungen, von tiefstem Glauben, den er den Zuhörern zu vermitteln versteht, erfüllten Mahners und Deuters unvergleichliche Art, Probleme zu sehen, sie zu analysieren und den Weg aus dem Labyrinth der Irrtümer zu zeigen, leuchtete auch in diesem Vortrage in allen Facetten. Wie er von der Wahrheit der seelischen Unbewegtheit und der Wahrheit der Leidenschaft, der Wahrheit des Denkens und der Wahrheit des Glaubens, der des Tages und der der Nacht plastisch zu sprechen weiß, ־- das macht ihm kein anderer Redner unserer Bewegung nach. Ais er die Antithese ״m e c h a n i s t i $ c h e W e 1t“ und ״W e 11 der Intuition“ herausliöb und dann sein Glaubensbekenntnis für das gewaltig Neue, das in Palästina geschaffen wurde und sich fort entwickelt, ablegte, folgte ihm das vielhundertköpfige Publikum mit angehaltenem Atem. יי Es war ein Propaganda-Abend für den Zionismus in Berlin, ־*■•־k aiiliribn. schon Jange*■nicht .künstlerkcji so abgerundet 1 Und imitatorisch so wirksÄTIrlebt hat. Die Veranstaltung wurde mit Begrüßungsworten Dr. S chöas eingeleitet und mit einem Dank Kurt Biumenfelds für den Redner abgeschlossen. Vermischtes Der Zionistische Gruppenverband Rechtsrheinland und Westfalen veranstaltet am 18. Oktober d. J. einen Gruppen• verbandstag. Wir bitten unsere Freunde im Bezirk schon heute, sich diesen Tag für die Veranstaltung freizuhalten. Wichtige Verbilligung für Palästinareisen. Der Pafestine ßc Orient Lloyd teilt mit, daß er für folgende Limen Preisverbilligungen für Angehörige der Zionistischen Organ!- sationen erwirken kann: Fahre Line: Auf der Strecke Marseille—Jaffa eine Reduktion von 10 °/0 für die 1. bis 3. Klasse, für die 4. Klasse und für Chaluzim bestehen spezielle Preise, die auf Anfrage mitgeteilt werden. M. M.: Als weitere Ermäßigung werden von jetzt an die Rabatte für Familien auch gewährt, wenn bereits die speziellen Rabatte für Angehörige der Zionistischen Organisation in die Preise verrechnet wurden. — Die Ermäßigung, die hierdurch erreicht wird, beträgt 10 bis 15 «,־«. Weitere Informationen erteilt der Palestine & Orient Lloyd, Berlin N 24, Friedrichstr. 121. Haschomer Hazair. Der Hasehomer Hazair veranstaltet vom 4. bis 8. Oktober eine Bundeswoche (Schawuah Histadruth), die den Problemen unserer Bewegung gewidmet ist. Die Schawuah Histadruth beginnt am Sonntag, morgens um 9 Uhr, im K. J. V.-Heim, Bleibtreustr. 50. Folgende Themen werden behandelt: L Der Haschomer Hazair als ugendbewegung (1. Geschichte und Wesen der. Jugendewegung. 2. Der Haschomer Hazair als sozialistisch-zionistlsche Erziehungsbewegung. 3. Die Entwicklung des Haschomer Hazair in den letzten Jahren.) II. Der Haschomer Hazair als Kibbuzbewegung (I. Zur Geschichte der Kibbuzbewegung. 2. Der Weg der Schomer-Alijab bis zur Gründung des Kibbuz Arzi. 3. Die Realisierung der Erziehungsidee in der Wirklichkeit Palästinas durch den Kibbuz Arzi.) III. Der Haschomer Hazair als Weit• bewegung (1, Die Lage in den einzelnen Ländern. 2. Die deutsche Histadruth im Rahmen der Weltbewegung.) An diese Referate schließen sich Arbeitsgemeinschaften an, die von Montag bis Donnerstag in der Jugendherberge Westend stattfinden. Die ״Schawuah Histadruth“ wird mit einer Feier geschlossen. Wiedereröffnung des ,,Kaftan“. Maxim Sakaschansky und Ruth Kiinger sind von ihrer erfolgreichen in- und Auslandstournee zurückgekehrt und eröffnen die Wintersaison ihres jüdisch-literarischen Kabaretts ״Kaftan" in der Kleist- Straße 10 (Logenhaus). Premiere: 4. Oktober, 9 Uhr abends. Zur Mitwirkung wurden hervorragende Kräfte aus dem Ausiand verpflichtet Hans Friedrich Blunck spricht Dienstag, den 6. Oktober, 20.15 Uhr, am ersten dieswinterlichen Abend der Werk-Gemeinschaft ״Am Breitenbachplatz“ über: Dichtung und Politik, Ernestine Münchheim liest aus Werken des Dichters. ״Die jüdische Melodie“. Kursus zur Einführung in die jüdische Musik. Mit Schallplattenvorführungen. Leiterin: Alice Jacob-Loewenson. Dauer: Anfang Oktober bis Anfang November. Beginn: Montag, den 5. Oktober, abends s/*8 Uhr, bei Alice Jacob-Loewenson, Berlin-Schöneberg, Meraner Str. 7. Honorar für den ganzen Kursus (4 Doppelstunden) 8 M. Anmeldungen bei der Kursusleiterin. (Tel.: G. 1, Stephan 902.) — Vorkenntnisse nicht erforderlich. Junger Palästinenser, deutsch und hebräisch als Mutterspräche, sucht Nachhilfestunden oder Schulaufsicht. Zuschriften erbeten an die Redaktion der ״J. R.“, Berlin W15, Meineke- Straße 10.

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