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Jüdische Rundschau · 1931-09-29 · Heft 75 (29.9.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 75 (29.9.1931)
Date
1931-09-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 75, 20. IX. last JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 450 Presseschau Die Wbrttdlaftalage b> Die Wochenschrift des Kolonistenverbandes ״Boustenai“ veröffentlicht am 17. September einen offenbar von Mosche Smilansky herrührenden Leitartikel, der wegen seiner ernsten Behandlung des Wirtechaftsprobietns Palästinas große Baachtung verdient. Der Verfasser charakterisiert die Lage der einreinen Bevölkerungsschichten Palästinas, die alle nur zu klagen haben. Die Landwirtschaft leidet, nachdem sie durch Dürre und Mäuse geschädigt wurde, an dem Fehlen der Märkte, sie ist hineingerissen in die Weltkrise der Landwirtschaft, aber während in anderen Ländern die Regierungen ihr äußerstes tun, der Landwirtschaft zu helfen, fehlen bei uns derartige Maßnahmen, und auch die Zionistische Organisation und die Pica sehen sich außerstande zu wirklichen Stützungsaktionen. Nicht besser ist die Lage in der Stadt. Die junge Industrie leidet unter der Schwächung der Kaufkraft, unter dein Aufhören der Einwanderung, außerdem droht ihr eine neue Gefahr durch die fortschreitende Industrialisierung Syriens, das infolge der billigeren Produktionsbedingungen die Preise unterbietet. Der H a n d e 1 ist überfüllt und die Arbeiterschaft leidet, wenn sie Arbeit hat, unter der Unzulänglichkeit des Arbeitslohnes, der aber doch noch überhöht ist und herabgesetzt werden muß. Die Lehrer haben fünf Monate kein Gehalt bekommen und man steht vor der Frage, ob überhaupt die Schulen eröffnet werden, wird man in Zukunft den Lehrern zahlen können und wer wird dafür verantwortlich sein? Auch den Schriftstellern geht cs schlecht, das hebräische Buch ist beinahe unverkäuflich geworden. Alle rufe« um Hilfe. Aber an wen sollen sich diese Hilferufe richten? im Jischuw gibt es nur wenige wirtschaftlich Bessergestellte und das Galutfi ist selbst verarmt. Der Verfasser warnt vor falschen Hoffnungen. Man soll nicht Hilfe erwarten, wenn man weiß, daß diese Erwartungen vergeblich sind. Das erste, worauf es ankommt, ist: die Lage zu verstehen; und der zweite Schritt ist: im öffentlichen Leben dasselbe tun, was der Privatmann in Zeiten der Not tun muß, sich einschränken bis zum Minimum. In den ״fetten Jahren“ wollten wir die Sachlage nicht sehen und haben Kartenhäuser auf der schwankenden Grundlage von Almosen errichtet. Alle Warnungen wurden in den Wind geschlagen. In kindlicher Naivität meinte man, auf freiwillige Spenden regierungsähnliche Institutionen aufbauen zu können. Auch in normalen Zeiten wäre eine Ernüchterung gekommen, um wieviel mehr in dieser Krisenzeit. Einer aus Spendensammlungen entstandenen Kasse haften zwei Mängel an: sie ist nicht sicher und sie ist nicht vorsichtig. Sie weiß nicht zwischen Bedürfnis und Vermögen das Gleichgewicht zu halten. Wir stehen heute vor der Notwendigkeit, die Institutioneu der wirklichen Lage des Jischuw an zupassen, insbesondere auf dem Gebiet der Erziehung und des Gesundheitswesens. Freilich werden hierbei mehrere Er- Ziehungsinstitute geschlossen werden müssen, aber unsere Sorge muß darauf gerichtet sein, vor allem den Elementar- Unterricht und die Kindergärten aufrecht zu erhalten. Was die Literatur betrifft, so tut es nichts, wenn statt vier Tages- Zeitungen nur eine erscheinen wird, sofern das Bedürfnis nicht größer ist. Und auch der Buchverlag wird sich mit solchen Publikationen durchsetzen, die das Interesse der Leser finden. Viel ernster ist die Frage der Landwirtschaft, Industrie und Arbeit. Diese können sich nicht selbst helfen, kein neues Land kann ohne ständigen Zustrom von Kapital gebaut werden. Dieses Kapital kann in unserem Fall, da eine ‘Äatlich garantierte Anleihe unmöglich ist, nur. in der Form privater 1 n ves tj erungeh'herangezogen werden. Auf diese muß daher alle Aufmerksamkeit gerichtet werden• — Es ist bemerkenswert, daß dieser Artikel vor dem Sinken des Sterling-Kurses geschrieben wurde. Man muß annehmen, daß auf manchen Gebieten ein mäßiges Fallen des Kurses e r 1 e i c h * t e r n d auf die von ״Boustcnai“ geschilderten wirtschaftlichen Verhältnisse wirken kann. Der Antisemitismus in Mexiko In der amerikanischen liberalen Wochenschrift ״Nation“ gibt Anita Brenner eine ausgezeichnete Analyse der Situation in Mexiko. Danach begann eine erheblichere jüdische Einwanderung erst 1924, als die U.S.A. neue Einwan* derungsbeschränkungen angenommen hatten und derrdamalige mexikanische Präsident General Calles die Juden unter Gewährung bedeutender Vergünstigungen ins Land rief. Für die Masse der bigott-katholischen Bevölkerung war der Jude bis dahin ein sagenhaftes teuflisches Wesen, das man nie gesehen hatte. Dieser mittelalterliche religiöse Antisemitismus hatte sich aber nie in Taten gegen lebende Juden umgesetzt, wenn ihn nicht die in Mexiko ansässigen Europäer — Franzosen, Deutsche und Spanier —, deren wirtschaftliche Interessen durch die einwandernden Juden verletzt wurden, in schlauer Berechnung ausgenutzt hätten. Da die Mexikaner selbst sich im wer entliehen nur mit zwei Berufen, nämlich Landwirtschaft und Politik, befaßten, lag der Handel und größtenteils auch das Gewerbe in den Händen jener Europäer, die enorme Aufschläge machten und im wesentlichen nur teure Waren für die Ober- Schicht führten. Da die Juden umgekehrt verfuhren, und nach modernem Grundsatz große Umsätze bei kleinem Stücknutzen tätigten, ferner billige Qualitäten für die Volksmassen führten und auf Abzahlung verkauften, wurde ihre Konkurrenz für die Deutschen, Franzosen und Spanier ruinös. Als dann die Wirtschaftskrise Mexiko erreichte, aus den U. S. A. Hunderttausende mexikanischer Lohnarbeiter ausgewiesen wurden oder wegen Arbeitslosigkeit zurückkehren mußten, und der amerikanische Hochschutzzolltarif von 1929 den mexikanischen Nationalismus erbitterte, begannen jene europäischen Kaufleute und Handwerker bewußt die Juden zum Blitzableiter des wachsenden Fremden 11 asses zu machen. Man gründete antisemitische Ligen, arbeitete mit Hetzplakaten und Flugblättern — teilweise übrigens ״nur“, um von den Juden Schweigegeld zu erpressen — und veranstaltete eine große Boykottbewegung. Darauf begannen die Einwanderungsbehörden, obwohl die jüdische Einwanderung schon seit 1927 wieder stark nachgelassen hatte, und heute im ganzen nur etwa 15000 bis 20 000 Juden im Lande sind (von denen etwa die Hälfte europäisch-aschkenasischer, die andere Hälfte sephardischer Herkunft ist), mit antisemitischen Schikanen. Darauf entzogen die Behörden den jüdischen Hausierern, selbst wenn sie die mexikanische Staatsangehörigkeit erworben hatten, die Konzessionen und vertrieben die Juden — und nur diese! — von den Schnitt- und Manufakturwarenmärkten — angeblich, um für die aus den U. S. A. rückkehrenden Mexikaner Platz zu machen. Die antisemitische Kampagne steht unter Führung des Deputierren Ladron de Gucvara, der unter dem Schutz der Immunität mit den schlimmsten Methoden arbeitet; aber leider steht auch der mexikanische Staatspräsident Ortiz Rubio der Kampagne offenbar nicht fern. Dagegen verhalten sich der Außen- und der Innenminister durchaus loyal. — Obwohl die Hetze seit Juni ihren Höhepunkt überschritten hat, ist der angerichtete Schaden gewaltig. Ein Teil der Juden ist am Bettelstäbe; viele versuchen nach den U. S. A. zu gelangen, andere hoffen auf Unterstützung von den jüdischen Organisationen in den U. S. A. Selbst wenn man den Juden die Rückkehr auf ihre Marktstände erlauben würde, bliebe die Lage äußerst gefährlich, da bei dem religiösen Fanatismus der Eingeborenen und der wohlberechneten Hetze der europäischen Kaufleute selbst Pogrome m öglich seien. P. ״The Palestine Handbook“ Das offizielle Palästina-Handhuch ist vor kurzem in einer zweiten, sehr verbesserten Auflage erschienen. Die Verfasser des Buches sind zwei hohe Beamte der Palästina- Regierung, die seit Beginn der englischen Okkupation fast ununterbrochen Stellungen in der Verwaltung bekleidet haben, nämlich H. C. Luke und E. Keith-Roach. Luke ist bekanntlich seit einiger Zeit von Palästina nach Malta versetzt, während Keith-Roach heute Gouverneur von Jerusalem ist. Die erste Ausgabe des Buches erschien im Jahre 1922 (Verlag Macmilian & Co., St. Martin’s Street, London). Derselbe Verlag gibt jetzt die zweite Auflage heraus (Preis 16 sh.), die außer dem schon in der ersten Auflage enthaltenen Vorwort von Herbert Samuel noch ein Geleitwort von dem gegenwärtigen High Commissioner Sir John Chancellor enthält. Chancellor schreibt u. a : ״Es ist hier nicht der Platz, über die tragischen Ereignisse, die sich kürzlich in Palästina zutrugen, zu sprechen. Diese Ereignisse haben die ganze Welt betrübt und haben dem Lande Wunden zugefügt, von denen es sich erst nach Jahren erholen kann. Alle, die Palästina lieben, müssen leidenschaftlich hoffen, daß eine friedliehe und glückliche Lösung für die vielen Schwierigkeiten, mit denen das Land gegenwärtig beschwert ist, gefunden wird und daß das Land die Beibehaltung des ihm seit Jahrtausenden auferlegten Namens, dem des Heiligen Landes, rechtfertigen wird“ Ein Vergleich der beiden Auflagen des Buches zeigt den ungeheuren Aufschwung und Fortschritt, den Palästina in einem Jahrzehnt zurückgelegt hat. Natürlich wird auch der Fortschritte des Jüdischen Nationalheims gedacht, und die Verdienste der jüdischen Bevölkerung um die Entwickhing der Wirtschaft, der Industrie, des Handels, der kulturellen Institutionen werden in den einzelnen Abschnitten gebührend hervorgehoben. Freilich leidet das Buch unter dem Umstand, daß es sich bei vielen Angaben nicht auf exakte amtliche Ziffern stützen kann, da die neue Volkszählung erst im nächsten Winter vorgenomtnen werden wird und die Volkszählung von 1921 längst veraltet ist. Die statistischen Angaben bedienen sich daher meist der auch sonst bekannten Schätzungen• Die Zusammensetzung der palästinensischen Bevolkerung nach Nationalitäten und Religionen wird in dem zweiten Abschnitt des Buches dargestellt, dessen 14. Kapitel den Juden gewidmet ist. Hier finden wir einen ganz kurzen Ueberblick der Beziehungen des Judentums zu Palästina seit dem Jahre 70 nach Ghr. und über die Entwicklung der neuen jüdischen Kolonisation von der Zeit der Chibath Zion bis zur Gegenwart. Die Bevölkerungsziffern der Kolonien stammen vom Juli 1927 und sind wohl gleichfalls überholt, im übrigen gibt dieser Abschnitt mit seinen knappen Angaben ein eindrucksvolles Bild der bunten Zusammensetzung der palästinensischen Bevölkerung und ihrer eigenartigen religiösen Interessen und Sekten. Die übrigen Teile des Buches enthalten durchweg nützliche und wichtige Angaben und Informationen über die Beschaffenheit Palästinas, die öffentlichen Einrichtungen, Wirtschaft und Verkehr, Archäologie und allerlei Dinge, die für den Touristen von Wichtigkeit sind. .Auch die Geologie, die Fauna und Flora Palästinas finden ihren Platz. Das erste Kapitel gibt Grenzen und Geographie Palästinas, sowie einen Qrunchiß der palästinensischen Geschichte im Altertum und Mittelalter, der Türkenzeit und schließlich (im siebenten Abschnitt) einen Abriß der Geschichte Palästinas unter britischem Mandat. Hier erhält auch die Balfour- Deklaration ihren Platz, deren Interpretation die Verfasser durch Auszüge aus dem ersten Bericht der Zivilvenvaltung Palästinas 1920/21 geben, worin zunächst das Recht der Juden zur Errichtung eines mit nationalem Charakteristikum ausgestatteten Heimes in dem Lande, das für sie immer das Zentrum ihrer Religion und ihres Volkstums gewesen ist, betont wird und es dann weiter heißt: ״Wenn das Wachstum des jüdischen Einflusses von einer arabischen Degradation oder auch nur von der Vernachlässigung der Förderung des arabischen Fortschritts begleitet wäre, würde es in einem seiner wesentlichsten ZwecKe versagen, ... mit einem Wort, der Grad, bis zu welchem jüdisch-nationale Aspirationen in Palästina erfüllt werden können, ist bedingt durch die Rechte der gegenwärtigen Einwohner. . . .“ weiter wird erwähnt, daß aie britische Politik in Palästina offiziell in dem Churchillschen Weißbuch von 1922 definiert wurde. Die Darstellung der ״Geschichte der Zivilverwaltung“ endet mit der Veröffentlichung des Shaw-Berichtes im März 1930. Die weiteren Dokumente, wie das Weißbuch vom Oktober 1930, sind nicht mehr erwähnt, da das Buch vor deren Erscheinen abgeschlossen wurde. Im fünften Kapitel wird ein besonders willkommener Ueberblick über das System der Regierung und Verwaltung des Landes gegeben, fnformationen, die dem Nachschlagebedürfnis jedes mit Palästinafragen beschäftigten Interessenten genügen, zumal sie den Vorteil haben, aus offizieller Quelle zu stammen. Die zweite Auflage enthält auch zum ersten Male einen eigenen Ab« schnitt über Transjordanien. Da über Transjordanien sehr wenig bekannt ist, ist dieser Teil besonders willkommen. In Transjordanien hat bisher noch kein Zensus stattgefunden, daher kann die Bevölkerungsziffer nur geschätzt werden, die Herausgeber geben sie mit 3(30 000 —350WO an. Im Anhang finden wir den vollen Text der Verfassung Trans- Jordaniens, sowie des britisch-transjordanischen Verträges vom 20. Februar 1928, der am 31. Oktober 1929 ratifiziert wurde. Dem Buch ist auch eine Karte beigegeben, im Gegensatz zu der primitiven Karte der ersten Auflage im schönen Vier- Farbendruck. Sachlich ist an dieser Karte freilich so manches auszusetzen, was bei einer offiziellen Karte überaus verwundern muß. Manche Orte sind an ganz unrichtiger Stelle ein Bezeichn et. So finden wir, um nur ein Beispiel zu erwähnen, Chederah (übrigens nur uuter dem arabischen Namen Khudeira) östlich von der Bahn, während die Kolonie in Wirklichkeit westlich der Bahn, zwischen Bahn und Meer liegt. Nahalai finden wir unbegreiflicherweise östlich der Chaussee Afiile—Nazareth, etwa dort, wo In Wirklichkeit Kfar Jecheskef liegt, während das wirkliche Nahalai überhaupt nicht eingezeichnet ist. Merchawia, Balfouria, Beth Alfa fehlen überhaupt, während das viel unbedeutendere und jüngere Kfar Barnen schon eingezeichnet ist, wenn auch an falscher Stelle. Auch Ejn Charod finden wir nördlich der Bahnlinie, statt güd* lieh eingezeichnet, und so stehen noch mehrere jüdischen Siediungen, bezeichnet durch ein Mögen Dovid, an falscher Stelle. Auch äußerlich präsentiert sich die neue Auflage des Palästina-Handbuches mit ihrem guten Papier und Druck sehr günstig. Die Benutzung wird durch einen umfassenden Index erleichtert. sch. Dieser Tage erschien bei Dent in London ״jewish Mysticisnj and the Legends of Baafshem“ by Professor Martin Buber. Die neue Palästina-Wan dl arte, entworfen von Dr. Brawer und herausgegeben vom jüdischen Nationalfonds und dem Verlag Omanuth, ist soeben erschienen- Die Karte ist .IM X160 cm groß und in acht Farben gedruckt. Aus der Barliner Gemeinde Sitzung der ReprlDentanten-Veraammluiig Im Mittelpunkte der öffentlichen Sitzung am 29. d, M,, die bis Mitternacht dauerte, standen zwei Anträge der Volkspartei, von denen der erste die Einsetzung einer gemischten Deputation zur Durchberatung der vom Vorstand geplanten grundsätzlichen Verwalt ungsreorganisation forderte, und der zweite die Frage der Angestellten- Kündigungen bzw, Entlassungen /.um Gegenstände hatte. Beide Anträge wurden ab ge lehnt. Es nützten nicht die mit grüßtcr Eindringlichkeit vorgebrachten Argumente Dr. Klees, Dr. Oscar Cohns, Alfred Bergers und Dr. Moses’. Herr Rosenthal gab eine schnoddrige Erklärung ab, sagte, daß die Vcrwaltungsreform die Repräsentanz nichts aiiginge, bcharrte auf den von ihm gegen den einmütigen willen von Repräsentanz, gemischter Deputation und Vorstand aasgcsprochcnen Kündigungen und vorgenommenen Entlasssungen und — die liberale Mehrheit schluckte alles. In namentlicher Abstimmung billigten 20 Repräsentanten --- darunter die Bcamten Rockmacher und E h r e n r e i c h sowie der Mittelparteiier Dr. Wiener — Rosenthals Methoden und Maßnahmen. Dagegen stimmten die Volksparteiier und der überparteiliche Dr. Hirsch. Man fragt sich angesichts dieser liberalen Haltung — die Erklärungen und Bemerkungen Rosenthals waren eine Kette von Provokationen .-, ob es überhaupt noch eine» Sin« hat, sachlich und mit Hintansetzung aller Empfindungen sich zum Spielball der liberalen Willkür herzugeben. Trotz der Schwere der Zeiten wird cs nicht leicht fallen, um des Friedens willen die Geduld zu bewahren. ln der geheimen Sitzung, die auch sehr lange dauerte, dürfte wohl die bereits vom Vorstand beschlossene Vorlage betreffend die Anstellung eines Verwaltungsdirektors in der Person des liberalen Führers Dr. Walter Breslauer — vorläufig für 6 Monate, dann aber lebenslänglich mit einem Jahresgehait von 18 000 Mark und Anrechnung des Dienstalters seit seiner bestandenen Referendarprüfung und einer jährlichen Mindestpension von 10000 Mark — das einzige Beratungsthema gewesen sein. Die Wahl des Vorstandes fiel auf Breslauer, der sich nicht beworben hatte, obwohl 113 Bewerbungen, dirunter beachtliche, eingegangen waren und überhaupt nicht ernstlieh geprüft wurden. Die Repräsentantenversammlung beschloß, wie wir erfahren, die Einsetzung einer Kommission zur Durchpriifuug der eingegangenen Bewerbungen. Diese Kommission soll am 1. Oktober beraten und ihre Beschlüsse der für den 8. Oktober einzuberufenden Repräsentanz vorlegen. Briefe an die Redaktion Danzig, 22. 9. 3t. Redaktion der ״J. R.“, Berlin W 15. Ich bitte Sie, das folgende Schreiben in Ihrer nächsten Nummer zu veröffentlichen: Als am Vorabend des Jom-Kippur Juden einige Danzfger Synagogen zum Minchah-Gebet betraten, sahen sie ei» Plakat, in dem mit den Worten: ״Spendet als Zeichen für die Mlrtyrer Hebrons und die Helden Jerusalems für den Keren Tel-Chai 1“ zur Snendenabgabe beim Thoraaufruf für den Keren Tel-Chaf aufgefordert wurde. Zugleich wurde durch Aufstellen eines Teuer* für den revisionistischen Fonds gesammelt. SehliefSlk* wurde ein Aufruf der Leitung des polnischen Keren T«l-Ch»f angeschlagen, ln dem ׳auf die Bedeutung und die Notwendigkeit der Sammlung für den Keren Tei-Chai hingewiesen wurde. Diese Handlungsweise bedeutet einen Uebergriff des K«en Tel-Chai auf die durch jahrzehntelange Tradition geheiligten Sammelmittel des Keren Kajemeth Lejisraei unü stellt eine Schädigung des KKL dar. Zugleich ist damit ein Disziplinbruch und ein Verstoß gegen mehrfache Beschlüsse des zionistischen Kongresses erfolgt. Es versteht sich auch, daß durch dieses undisziplinierte Vorgehen die materiellen Ergebnisse der KKL-Sammlung in der Synagoge nicht unwesentlich beeinträchtigt wurden. Dieses Verhalten ist um so schwerer zu verurteilen, als wenige Wochen früher, kurz vor Rosch Haschanah, also in einer Zeif, die einzig und allein dem KKL für seine Sammlungen zusteht, der Keren Tel-Chai gleichfalls eine Sammelaktion in Danzig durchführte. In zionistischen Kreisen hat die Handlungsweise des Keren Tel-Chai berechtigte Erregung hervorgerufen. Als Vertreter des Danziger KKL habe ich mich sogleich an den Vorsitzenden der Danzlger Z. O. gewandt und Ergreifung sofortiger Maßnahmen zur Unterbindung jeder Sammeltätigkeit für den Keren Tel- Chai im Monat Tischri gefordert. Mit zionistischem Gruß * M. S ambursky. Feldzug gegen Hebräisch? (Die nachfolgende Zuschrift, die sich mit Dr. Kalekos Artikel in Nr. 70 der ״J. R.“ auseinandersetzt, können wir leider nur in gekürzter Form zum Abdruck bringen. In ihrem ersten Teil weist sie auf den Mißbrauch der Sprachenfrage zu politischen Zwecken und die verschiedene Stellung der zionistischen Parteien hin und fährt dann fort:) Der Beschluß, für hebräische Worte zukünftig im Jiddisehen auch die jiddische Schreibweise zu verwenden, ist seiner Natur nach weder antihebräisch noch sachlich unberechtigt, zumal man berücksichtigt׳, daß häufig auch die jiddische Sprechweise von der hebräischen Schreibweise abweicht Beispiel: ״Hochzeit“; hebräisch geschrieben: חתונה (chatunah oder chatunö); jiddisch gesprochen; chäßenc. Es ist nicht Sache der Orthographie, selbständig, Traditionen, ׳ . , ■ ■י. ״ ‘ ..'§ . ihr die Sprache so schreiben können, daß die Wiedergabe technisch so einfach und im übrigen so getreu wie möglich ist Wenn Wissenschaftler, die Praktiker zugleich sind, glauben, aus diesen Gründen für eine neue Orthographie der hebrlischen Worte im Jiddischen plädieren zu müssen, so mag man, hat man sachliche Einwinde, diese hiergegen Vorbringen. Auf diese aber von vornherein verzichten, nur im Saltomortale von der politisch bedingten kommunistischen Abschaffung des hebräischen Wortelementes die neue jiddische Orthographie sentimental zu berennen, das ist weder sachlich, noch überzeugend. Berlin-Schöneberg, 13. September. Marcel Lew. Der paUUtinensUdie Zementexport. Die Zementf abrik ״Nescher“ bei Haifa, die 360 Arbeiter beschäftigt (investiertes Kapital £P 300000), vermehrte ihre Produktion im Jahre 1930 ojs 70000 t gegenüber 63 000 t im Vorjahre. Auen der Export von Zement vergrößerte sich: der Wert' des Exportes im Jahre 1930 war £P 28 702 gegenüber £P 19026 im Vorjahre. Der Wert der Produktion der ״Ne«cher״-Fabrik beträgt im Durchschnitt £P, .125 000.

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