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Jüdische Rundschau · 1931-09-29 · Heft 75 (29.9.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 75 (29.9.1931)
Date
1931-09-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 458 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 75, »MX 1S31 Pfund aiifgenommen, die nach dem Kommentar der Regierung zum Bericht der 17. Sitzung für die Entwicklung Palästinas von der Mandatarmacht aufgewendet sein sollen (S. 81). Shiels kann aber die Bitte nach näherer Erläuterung dieser Ziffer nicht beantworten. Nur in diesen beiden Fragen findet sieh ein leiser Nachkfang der lebhaften Auseinandersetzung der 17. Sitzung. Im übrigen beschränkt sich die Kritik auf das Verwaltungsjahr 1<53Ö (einschließlich des MacDonald-Briefes). Dabei zeigt sich wieder van Rees als besonders guter Kenner der Materie. Er legt ein gründliches Expose vor, in dem die Korrekturen des Weißbuchs durch den MacDonald-Brief zusammengestellt sind (S. 78 f.). Er will damit zeigen, daß der MacDonald-Brief mehr als eine bloße Interpretation des Weißbuchs enthält. Sein Urteil über das Weißbuch deutet er dabei an, indem er die Regierung dazu beglückwünscht, daß es ihr gelungen sei, durch den Brief die angreifbaren Stellen des Weißbuchs besser mit dem wirkliehen Inhalte des Mandates in Einklang zu bringen. Die wichtigen Fragen, auf die sich diese Korrekturen des MacDonald- Briefes erstrecken, sind dem zionistischen Publikum aus der Stdn’schen Kritik des Weißbuchs bekannt. Eine Diskussion über dieses Memorandum van Ree’s wird weder von seiten der Kommission noch der Regierungsvertreter geführt. Mit ausführlicher Begründung tadelt van Rees die Tatsache, daß die Jewlsh Agency nicht die für sie im Mandat vorgesehene Stellung erhalten habe, indem ihr weder das Beratungsrecht des Art, 4 ln dem dort in Aussicht genommenen Maße noch die aktive Teilnähme an der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes gemäß Art. 11 gewährt worden sei (S. 85, 99 f.). Er würdigt hierbei die auf das Jüdische Nationalheim bezüglichen Bestimmungen des Mandates als den Ausdruck einer geschlossenen, das Mandat entscheidend charakterisierenden Recntsansicht. Die Regierung antwortet auf diese Vorhalte nur mit unbestimmten Erklärungen. Das auf die großen Grundlagen zurückgehende Verständnis der dem jüdischen Volke gewidmeten Bestimmungen des Mandats beweist van Rees auch in einer Kritik des Staatsa ngehörigkeits-Oesetzes. Er vermißt 111« die besonderen Erleichterungen für den Erwerb der Staatsangehörigkeit, auf welche die Juden nach dem Mandat und nach dem von ihm in diesem Zusammenhänge erwähnten Weißbuch von 1922 Anspruch hätten. Die Verteidigung der Regierung führt zu einer interessanten völkerrechtlichen Diskussion. Shiels beruft sich darauf, daß jeder Jude nach Palästina als Angehöriger eines fremden Staates komme, und daß seine Eigenschaft als Jude rechtlich für seine Staatsangehörigkeit ohne Bedeutung wäre. Demgegenüber erklärt van Rees-, daß Balfour-Deklaration, Mandat und Weißbuch zugunsten des jüdischen Volkes einneucs Element in das Völkerrecht eingeführt hätten (S. 91). Die hier hervorgehobene völkerrechtliche Wirkung der den Juden zuerkannten Rechtsstellung ist festzuhalten. Mit besonderer Sorgfalt prüft die Kommission diesmal die Konxeulon fflr die Rährenleitung der Irak - Petroleum - Company Diese Konzession begegnet heftigem Wide r spruch. Die Diskussion darüber ist das Hauptthema der diesjährigen Palästina-Debatte, sie steht an Umfang kaum hinter dem ganzen übrigen Inhalt zurück. Die erheblichen fiskalischen Vorteile (Zoll- und Steuer-Begünstigungen), die der Gesellschaft eingezäumt sind, werden zunächst unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Gleichberechtigung aller Angehörigen von Völkerbundsstaaten kritisiert. Dann tritt aber die Erwägung in den Vordergrund, daß die Interessen des Mandatgebietes bei der Bewinigung dieser Vorteile ungebührlich vernachlässigt worden seien. Der Nutzen, den Palästina (und das benachbarte Syrien, dessen parallele Konzession in diese Konzession einbezogen wird), aus der Röhrenleitung zu erwarten hat, scheint einem großen Teil der Kommission um so weniger Anlaß zu diesen besonders großen Vergünstigungen zu geben, als auch die Ge- Seilschaft ihrerseits durchaus ein Interesse an der Durchfuhr des öeles und daher an der Benutzung des Landes hat, und die Dienste der Regierung für die Sicherung der Leitung und manche anderen Aufgaben in Anspruch nehmen wird. Die nach der Meinung eines Teiles der Kommission zu weitgehende Preisgabe der Interessen des Mandatsgebiet e s wird auch darauf zurückgeführt, daß die beiden Mandatarmachte England und Frankreich nicht zusammen gearbeitet, sondern bei der Petroleumgeseilschaft miteinander konkurriert, daher sich nicht gemeinsam um bessere Bedingungen bemüht, sondern ohne jeden Widerstand die von der Gesellschaft diktierten Bedingungen angenommen haben. Der schärfere Vorwurf trifft dabei England, das als erste der beiden Mandatarmächte die Konzession gegeben hat (in der übrigens, wie Shiels erklärt, eine wichtige Bestimmung, über an gemessene Mindestlöhne, einfach ״vergessen“ worden ist). Der Mangel einer Vertretung der Bevölkerung des Landes, die sich gegen die unzulängliche Behandlung dieser Angelegenheit durch die Regierung hätte wehren können, wird bei diesem Anlaß deutlich. Orts verweist gelegentlich auf diesen Zusammenhang. , Diese Untersuchung, in der sich die Kommissionsmitglieder mit großer Offenheit äußern, durchleuchtet ein allgemein politisch interessantes Kapitel und bestätigt damit wieder einmal den Wert der von der Kommission ausgeübten Kontrolle. Die Frage führt auch in der Kommission zu scharfen Meinungs- Verschiedenheiten zwischen den Kritikern und den Anhängern der beiden betroffenen Mandatarmäohte. Lieber die Aufnahme einer kritischen Bemerkung in den Bericht an den Rat kommt es zu einer Kampfabstimmung, die zunächst mit dem Ergebnis von 5:5 endet. Man einigt sich schließlich auf einen müden Ausdruck des Zweifels an der Zweckmäßigkeit aller Bestimmungen der Konzession. Die Flui steigt Am Tage des offiziellen Staatsbesuches der französischen Minister Laval und Briand fanden in Hamburg die Bürgerschaftswahlen statt, die ersten allgemeinen Wahlen nach dem 14. September 1930 in einem großen Industriebezirk. Das Ergebnis sieht so aus: Die bisherige Koalition, bestehend aus Sozialdemokraten, Staatspartei und anderen kleinen bürgerlichen Gruppen, ist völlig zusammen gebrochen. Die Sozialdemokraten verlieren von den früheren 00 Mandaten 14, die Nationalsozialisten gewin ne« 40 Mandate und haben nunmehr 43 Vertreter im Senat Die Kommunisten sind um 8 Mandate auf 35 gewachsen. Die Staatspartei verliert 7 Mandate und hat nunmehr nur 14 Vertreter im Senat. Von den insgesamt 160 Sitzen haben Sozialdemokraten und Kommunisten 81, von den übrigen 79 Sitzen haben die Nationalsozialisten 43 und Deutsch nationale, Volkspartei, Wirtschaftspartei usw. sind dezimiert. Der Zuwachs der Nationalsozialistischen Stimmen ist erheblich größer als der Verlust der bürgerlichen Parteien. Sie haben also auch eine große Anzahl von Arbeiterstimmen gewonnea Bei den Bürgerschaftswahlen im Jahre 1928 zählten sie 14 760 Stimmen, bei der Reichstagswahl am 14. September 144684 Stimmen, am 27. September 1931 erhielten sie bei den Bürgerschaftswählen 202 463 Stimmern Die nationalsozialistische Flut steigt Darüber helfen keine Vertröstungen hinweg. Was das für uns Juden bedeutet, bedarf keiner ausführlichen Darlegung. Der Fall Bentwich Mit äußerstem Befremden und Entrüstung hat die jüdische Welt von der Antwort Kenntnis erhalten, die der Kolonialminister Thomas im englischen Unterhaus auf eine Anfrage des €01. Wedgwood bezüglich des Rücktritts des palästinensischen Ober- Staatsanwalts Norman Bentwich erteilt hat (siehe vorige Nummer der ״J. R,״). Wir haben an dieser Stelle bereits am II. d. M. zum Fall Bentwich Stellung genommen und der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß es sich bei der Abberufung Beritwichs nicht um eine einfache administrative Personalveränderung im Beamtenstand, sondern um einen politischen Akt ersten Ranges handelt. Bentwich war der letzte jüdische Oberbeamte Palästinas, er hat sein Amt noch in der Aera Herbert Samuels übernommen; damals wurde zweifellos von der Mandatarniacht die Auffassung geteilt, daß die Proklamation des Jüdischen Nationalheims legitimerweise einen Anspruch der Juden auf Teilnähme an der Verwaltung des Landes begründet. England ernannte einen jüdischen High Commissioner und gab eine Reihe von anderen Zentralämtern der Palästina-Verwaltung in die Hände britischer Juden. Nach und nach sind diese Juden versch wunden und wurden durch Nichtjuden ersetzt. Bentwich allein blieb übrig, und er hat in den zehn Jahren seiner Tätigkeit dem Lande anerkanntermaßen große Dienste geleistet; seine bcdeutenden juristischen und administrativen Fähigkeiten, die Besonnenheit seines Urteils und die Objektivität seines Verhaltens standen über jedem Zweifel Eine äußere Handhabe zur Ver- Setzung Bentwichs bestand nicht. Die Araber haben fortgesetzt einen Druck in dieser Richtung ausgeübt; obwohl in Wahrheit Bentwichs Amtsführung nicht die geringste Benachteiligung der Araber mit sich brachte, war die bloße Anwesenheit eines Juden unter den Spitzenbeamten für die Araber eine nationale Prestige-Angelegenheit. Offenbar haben sie besonders auf den letzten High Commissioner Sir John Chancellor einen fortgesetzten Druck ausgeübt, indem sie darauf hinwiesen, daß das Mißtrauen der Araber gegen eine ״prozionistische Parteilichkeit“ der Regierung nicht beseitigt werden kann, solange Bentwich auf seinem Posten bleibt. Als Bentwich vor fast einem Jahre beurlaubt wurde, mehrten sich die Gerüchte, daß er nicht mehr auf seinen Platz zurückkehren werde. Es ist müßig, die Gründe, die man für seinen Abgang vermutete, hier zu erwähnen, da ja jetzt durch die Antwort des Kolonialministers der Hauptgrund in unzweideutiger Weise ausgesprochen wurde. Bentwich hat sich dem auf ihn ausgeübten Druck, ein anderes Engagement Im britischen Kolonialdienst anzunehmen, widersetzt. Er zwang die Regierung zu klarem Spiel, indem er forderte, entweder nach Palästina zurückgesandt zu werden oder aber offen wegen seines Judentums des Amtes enthoben zu werden. Offenbar war er der Meinung, daß die Regierung vor einem derartigen offenen Schritt zurückschrecken wird. Aber das Unerwartete ist geschehen. Man hat, um Bentwich von Palästina fernzuhalten, ein besonderes, nur auf seine Person zugeschnittenes Arrangement treffen müssen; er wurde acht Jahre vor Erreichung des pensionsfähigen Alters pensioiiiert Dieser ungewöhnliche Vorgang beweist, weichen Wert man darauf legte, Bentwich los zu sein, und zwar nicht aus irgendwelchen persönlichen Gründen, sondern nur weil man keinen Juden in der obersten Verwaltung Palästinas haben •will Führende Engländer haben sich in den letzten Jahren oft beklagt, daß die Mandatar-Regierung von den Juden mit Mißtrauen betrachtet wird, ja daß heftige Worte der Anklage und des Unwillens laut geworden sind. Man ist sich in englischen Kreisen offenbar nicht darüber klar, welche schwere Kränkung ein Vorgehen wie das im Falle Bentwich für die gesamte Juden heit bedeutet Es wäre unrichtig, hier von Antisemitismus im üblichen Sinne zu sprechen, ln einem Augenblick, wo der Außenminister und der Innenminister Englands und der Generalgouverneur des australischen Dominion Juden sind, kann man nicht behaupten, daß England die Besetzung eines hohen Amts mit einem Juden verweigert Nicht eine Frage des ״Antisemitismus“ liegt hier vor, sondern eine politische Frage. In Palästina kann ein — britischer! — Jude nach Auffassung der Mandatarmacht kein hohes Amt bekleiden, gerade weil Palästina das Land des Jüdischen Nationalheims ist. England will beweisen, daß die Proklamierung des Jüdischen Nationalheims kein Präjudiz zugunsten der Juden schafft, und so kommen wir zu dem absurden Zustand, daß in England selbst und in jedem Teil des englischen Weltreichs ein Jude zum höchsten Amt gelangen kann — mit der einzigen Ausnahme des Mandatsgebietes Palästina, auf das sich die Balfour-Deklaration, das Palästina-Mandat mit seiner Anerkennung der historischen Verbundenheit des jüdischen Volkes mit diesem Lande, die wiederholten Versicherungen Englands über loyale Durchführang des Jüdischen Nationalheims beziehen. Gerade weil man diese Erklärungen abgegeben hat, glaubt man beweisen zu müssen, daß sie beileibe keine Begünstigung der Juden involvieren. Dies ist eine Auffassung, die für das jüdische Volk eine offene BriiskierUng bedeutet, die aber auch von keinem gerecht und objektiv denkenden Menschen gebilligt werden kann. Aus der Art und Weise der Beantwortung der Anfrage im Unterhaus gewinnt man den Eindruck, daß der Kolonialminister Thomas sich der Tragweite der von ihm abgegebene:) Erklärungen gar nicht bewußt war. Sie bedeuten, abgesehen von allem anderen, eine klare Verletzung derjenigen Mandatsbestimmungen, die jede ״Discrimination“ gegen Angehörige einer bestimmten Rasse oder Religion verbieten, und außerdem eine offene Ermutigung an die ara bische Opposition, der zugestanden wird, daß die ״nationalen und politischen Bedingungen des Landes“ (״racial and poli• tical cotiditions“) eine Betätigung von Juden an führender Stelle unmöglich machen. Mit dieser Antwort darf sich die Jewish Agency und die Zionistische Organisation nichtabfindcn. Es handelt sich hier nicht mehr um den Privatfall Bentwich, sondern durch die Antwort des Koloadalnrinisters hat die Angelegenheit p r i n - zipielle Bedeutung gewonnen. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland hat sofort nach dem Bekanntwerden dieser Antwort ein Telegramm an die Exekutive der Jewish Agency in London gerichtet, worin der Entrüstung Ausdruck gegeben und gefragt wird, was die Exekutive zu tun gedenkt. Wir halten es für unerläßlich, daß in dieser Sache die Anschauung der Jewish Agency unzweideutig zum Ausdruck kommt. Der Jüdische Nationalfonds hat die Errichtung eines Wasserturms in Ramath David, der Siedlung im Emek Jesreel, die nach David Lloyd George genannt ist, vollendet. In aller Kürze Der Gouverneur von Jerusalem, Keitb-Roach.M Mitte September von seinem mehrmonatigen Urlaub nach Jerusalem zurüekgekehrt. Gerüchtweise verlautet, daß auf Grund der bevorstehenden Ersparnisreform Keith-Roach auf einen anderen Posten versetzt werden wird- Er soll Distriktskommissar des Norddistrikts (Haifa) werden, während der Gouverneur des Süddistrikt«, Campbell, auch Jerusalem übernimmt. ln Palästina werden als Nachfolgervon Bentwich gerüchtweise Justice Corrie, der gegenwärtig als Oberrichter Palästinas fungiert, und Justice Webb, der Präsident des Kreisgerichtes in Nablus, genannt. ״Marat el Scherk“ schreibt zu der Resignation von Bentwich, er sei zurückgetreten, nachdem er alle wichtigen, zur Stützung des Zionismus und des britischen Imperialismus bestimmten Gesetze eingeführt hat, so daß für seinen Nachfolgen nur Arbeiten zweiten Ranges übrig bleiben. Wäre dies nicht der Fall, so schließt das Blatt, dann hätte man ihn nicht gehen lassen. Sir John Chancellor mit Familie ist am 17. September aus Palästina in London eingetroffen. Dr. R 11 p p i n ist Mitte September van seinem Europa- Aufenthalt wieder in Jerusalem eingetroffen, Die Jahreskonferenz der amerikanischen Zio- 11 i s t e n , die am 8. November stattfindet, dürfte zu einer stürmischen Auseinandersetzung zwischen der gegenwärtigen Leitun״ (Brandeis-Gruppe) und der Opposition (Upsky-Gruppe) führen. Abgesehen von der Haltung auf dem Kongreß, die zum Sturz Dr. Weizmanns führte, wird auch der numerische Niedergang des amerikanischen Zionismus dem Schuldkonto der gegenwärtigen Leitung zur Last gelegt. Für den 28. d. M. wurde eine Konferenz der Exekutive der Revisionisten nach Paris einberafen, um einen Ausgleich zwischen der labotinskv- und der Großman-Gruppe herbelzuführen. Vor allem Stricker ist um das Zustandekommen einer Einigung bemüht. Einer Mitteilung des ״Jewish Chronicle“ zufolge hat der Abgeordnete Michael Marcus, der Sekretär des pariamen-!arischen Pro Palästina-Komitees, im Unterhaus eine Unterredung mit Gandhi gehabt. Es wurde eine Aussprache zwisehen Gandhi und Wedgwood, Kenworthy und Marcus in Aussicht genommen. Die von der arabischen Exekutive angekündigte Denksehrift gegen den Landentwicklungsplan ist bisher der Regierung nicht überreicht worden, obwohl bereits mehr als ein Monat seit dem Beschluß verstrichen ist. ״Al Dschamia“ warnt die Exekutive, sich nicht durch die Nichtausführang solcher Beschlüsse in den Augen der Zionisten lächerlich zu machen. Die Palästina-Regierung hat für das Amt des jüdischen und arabischen Beraters (Adviser) des Landentwickfungsdirektors French ein Monatsgehalt von je £ 50 ausgesetzt. Bekanntlich sind die beiden Aemter bisher noch unbesetzt. Gemäß Mitteilung des Immigrations- und Arbdtsdepartements der Jewish Agency betrag die Zahl der jüdischen Arbeitsloseu in Palästina am 1. September: 1980« * Dr. A r 10 s 0 r o f f erstattete in der vergangenen Woehe den wichtigsten europäischen und dem amerikanischen Konsulat in Jerusalem Besuche ab. M- Medzini wurde, .zum Generalsekretär der Jewah ' Agency..#'.Palästina.ernannt- Medziai war früher RedaWlt&isriiitgli’ed des ״Haarez“ und schrieb ein Buch ״Zehn Jahre zionistische Politik" (1917—1927). Zuletzt war er Pressechef der Palästina-Exekutive. Vor einigen Tagen besuchte Emir Abdullah die arabische Stadt Tulkerem in Palästina und wurde dort mit großen Ehren von der Bevölkerung der Stadt und der umliegenden Dörfer empfangen• König F eisa 1 von Irak ist diese Woche von Europa nach Bagdad zurückgekehrt. Die Landentwicklungsbeamten French und Kitchiog besuchten in Begleitung von Dr. Arlosoroff die zionistischen Siedlungen im Emek Jesreel und Jordantal, sowie in Begleitung von VictoT Konn die Pica-Siedlungen in Schomros. Der Direktor der Anglo Palestine Bank Ltd-, S. Hoofi e n , feierte dieser Tage seinen 50. Geburtstag und erhielt aus diesem Anlaß warme Glückwünsche seitens der Exekutive der Jewish Agency sowie vieler anderer Institute und öffentlicher Körperschäften. Der Gemeinderat von Tel-Awiw hat eine Verordnung betreffend die Durchführung der Sabbatruhe erlassen. Int Stadtkreise von Tel-Awiw müssen alle Geschäfte und Werkstatten an Sabbat- und Feiertagen geschlossen bleiben. Nur den Restaurants und Gaststätten ist es gestattet, an diesen Tagen Speisen zu verabfolgen, doch müssen die Speisen im Restaurant selbst eingenommen werden. Aus Anlaß der für den 12• Oktober nach Genf einberufetjen internationalen Konferenz zur Behandlung der Kalenderreform faßte der Waad Leurai eine Resolution, die sich gegen jede den Sabbat gefährdende Reform wendet. Zeitungsmeldongen zufolge soll im Jordantal, etwa 10 km südlich von Beisan, eine neue deutsche Kolonie gegründet werden. Vier Farmen wurden bereits angelegt und befassen sich vor allem mit Bananen- und Orangenbau. 75. Geburtstag von Chacham Moses Gaster. Am 16. Septerober vollendete Chacham Dr. Moses Gaster, früherer Oberrabbiner der spanisch-portugiesischen Gemeinde in Londen, sein 75. Lebensjahr. Chacham Moses Gaster wurde 1856 in Bukarest geboren, studierte in Breslau an der Universität und dem Jüdischen Theologischen Seminar und wurde 1S82 Lektor für rumänische Sprache und Literatur an der Universität Bukarest. 1885 aus politischen Gründen, insbesondere wegen seines Auftretens gegen die Entrechtung der Juden in Rumänien, ausgewiesen, ging er nach England, wo er zunächst als Lektor für slawische Sprachen an der Universität Oxford wirkte. 1887 wurde er zum Chacham der spanisch-oortugiesischen Gemeinde in London gewählt, die er bis zu seiner Pensionierung (1923) leitete. Seine wissenschaftlich-literarische Tätigkeit ist außerordentlich vielseitig. Er schrieb zahlreiche historische und philosophische Werke, insbesondere zur Geschichte Rumäniens, seiner Sprache und Literatur. Auf dem Gebiete der Wissen* schaft des Judentums hat sich Gaster besonders als Folklorist betätigt. Eine führende Rolle spielte Gaster früher auch in der zionistischen Bewegung. Er schloß sich frühzeitig der Chibath-Zion-Bewegung an und leistete Theodor Herz!, als dieser 1896 zur Aufnahme von Beziehungen zu den Chowewe- Zion nach England kam, aber auch später große Dienste. Er war mehrfach Präsident des Landesverbandes der englischen Zionisten und Mitglied des Präsidiums zahlreicher Zionisten- Kongresse, ln der Zeit des Weltkrieges beteiligte er sich an den politischen Aktionen in England. Seit einigen Jahren ist Dr. Gaster erblindet, nimmt aber trotzdem an jüdischen Dingen lebhaften Anteil,

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