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Jüdische Rundschau · 1931-09-18 · Heft 73 (18.9.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 73 (18.9.1931)
Date
1931-09-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 73, 18. ־Dt. 1931 JÜDISCHE RUNDSCHAU Sehe 4*7 Zeitschriften *Schau Nach dem Kongreß Im September-Heft der amerikanischen ״Current Hi Story“ gibt Professor Albert Howe Lybyer einen kurzen sachlichen Bericht über den XVII. Kongreß und die Sitzung der Jewish Agency und bemerkt, von der Wahl Sokolows sei keine Aenderung der bisherigen Politik zu erwarten, so daß die Mandatarmacht ihre bisherige Linie werde einhalten können. Der Kongreß habe sich sehr gehütet, auf Wunsch der Revisionisten den Judenstaat und die jüdische Majorität auf beiden Seiten des Jordans zu fordern; und eine derartige off!- zielle Erklärung würde auch tatsächlich das Gefühl der Araber entzündet und die schon ohnedies ernsten Schwierigkeiten des Zionismus außerordentlich vergrößert haben. Die ״€. - V. - Zeitung“ zitiert unter der Ueberschrift: ״Was will die Zionistische Exekutive in Palästina?“ aus dem von der Zionistischen Exekutive erlassenen Manifest den Absatz über die Beziehungen zu den Arabern und fügt hinzu: ״Daraus ergibt sich, daß die Abkehr vom reinen Judenstaat, wie ihn die Revisionisten auffassen, einwandfrei von der maßgebenden zionistischen Stelle, ganz der! Intentionen des Zionistenkongresses entsprechend, ausgesprochen ist, und daß ebenso deutlich fiir ein sogenanntes binationales Staatswesen mit gleichen Rechten für Juden und Araber cingetreten wird." * Palästinensische Rechtsfragen ln dem ״Archiv des öffentlichen Rechts“ (Verlag J. C. B. Mohr, Tübingen), neue Folge, 20. Band, 3. Heft (August 1931), erschien eine 17 Seiten lange, sehr instruktive Abhandlung ״Die Rechtsstellung der Aus- Jan der in Palästina“ von Dr. Hans Kohn. Der Verfasser gibt einen Ueberblick über das System der ״Kapitu- Jationen“, die in der alten Türkei galten und beschreibt die Reste, die hiervon in den heutigen Mandatsländern zurückgeblieben sind, insbesondere in Palästina, wo die Aus-!ander in vielen Punkten eine bevorzugte Rechtsstellung haben. Dieses Problem ist für den Zionismus, insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Einbürgerung, von größtem Interesse. Solange die Ausländer in Palästina bevorzugt sind, wird stets für Einwanderer die Verführung groß sein, die alte Staatsbürgerschaft zu behalten, statt die palästinensische anzunehmen. Hierdurch wird jedoch die jüdische Gemeinschaft in ihrem politischen Einfluß naturgemäß geschwächt, weil politische Rechte, insbesondere das Wahlrecht in konstitutionelle Organe, natürlich nur Staatsbürgern zustehen. Es handeit sieh hier also um eise prinzipiell wichtige Frage, und die Abhandlung von Dr. Kohn, welche die Tatsachen Übersichtlieh zusammenstellt, könnte vielleicht auch für die zionistische Politik die Grundlage eines Einschreitens bilden. * Antisemitismus in Amerika Eine ungemein wertvolle umfangreiche soziologische Studie über die J ud e n f r a ge a n den amerikanischen Hochschulen veröffentlicht i!1 ״Harpers Magazine“ Harald A. Woodruff, der auf eine 25jährige Lehr- und Verwaltungstätigkeit . an verschiedenen Universitäten des Mittel- Westens zurückblickt. Der christliche Verfasser schildert den allgemeinen amerikanischen Antisemitismus, von dem der akademische nur ein Teil sei, fast noch düsterer als Ludwig Lewisohn in seinen bekannten Büchern (״Gegen den Strom . usw.). Man könne heute kaum eine Zeitung durchsehen, ofaw_ irgend etwas über jüdische Benachteiligungen durch Christen zu finden: hier versuche eih Krankenhaus, seine jüdisehen Aerzte loszuwerden, dort weigere sich eine Universität, jüdische Studenten aufzunehmen; hier veranstalte wieder einmal ein Seebad einen großen ״Drive“ gegen die Juden, dort rechtfertige ein Grundstücksmakler seine überhöhten Preise damit, daß —- ״keine Juden in der Gegend“ wohnten! — Ehe akadernische Juden frage habe sich erst nach dem Kriege zugespitzt, als (ähnlich wie in Deutschland) ein unerklärlicher allgemeiner Andrang zu den Hochschulen einsetzte. Genötigt, diesen Zustrom irgendwie einzudämmen, habe man im Lande der ״F reiheit und Gleichheit“ diejudenauszuschließen begonnen, — allerdings fast niemals offen, sondern unter eigens hierzu erklügelten Vorwänden. Aber bei der Zähigkeit der Juden und ihrer Hochwertung des Wissens sei ihr Andrang um so hartnäckiger geworden, je mehr Schwierigkeiten man ihnen in den Weg legte. Oft ließen sie sich auch taufen oder änderten zum mindesten ihre Namen, um aufgenommen zu werden! Den wahren Grund des besonderen Hochschulantisemitismus erblickt Woodruff vor allem in der Gegensätzlichkeit der Rassen, während der religiöse Unterschied nur bei dem relativ kleinen orthodoxen Teil der Juden ernstere Schwierigkeiten mache. Die amerikanischen Studenten seien von einem fanatischen Drang zur G1 e i c h m a c h e r e i, zur Uniformität, beherrscht; wer sich — Bruderleb! Acht Tage im Bett bleiben. — Am Rosch Haschanah? rasselt Reb Seinwel aufgeregt. — Eine starke Influenza, es droht Lungenentzündung, in deinem Alter — betonte Kalmen. — Näche, auf Euer Gewissen: Er muß eine volle Woche im Bett bleiben, dawenen und essen jm Bett; kalte Umschläge um den Hals; in der Nacht viel schwitzen. Das Pulver schicke ich Euch. Du, Berl — wendet er sich zum Baß — komm! — Verstehst? sagte er ihm draußen — ich habe ihn für eine Woche ins Bett stecken müssen. Wenn er auch am Rosch Haschanah noch den Quietscher hört, kommt es bestimmt zu einem großen Skandal, und Reb Selmele würde den besten Vorwand haben. Du darfst aber niemanden ein Wort verraten. Am Rosch Haschanah betete Jossel Quietscher im Auftrag des Gemeindevorstehers in der großen Schul. Ob er wirklich so drollig getan hat, wie es die Sänger dem bettlägrigen Chasen dargestellt und vorgesungen haben — wer weiß es! Tatsache aber ist, daß er in Feindesland einen kleinen Anhang gewann, der sich dann am Vorabend des Jom Kippur nach dem Morgengebet in der alten Schul zum erstenmal in die Oeffentliehkeit wagte. Reb Seinwel sei zwar wieder gesund, er könne aber nicht mehr beten. Man vergleiche nur sein veraltetes Gekrächze mit dem modernen Gesang von Reb Jossel, der sogar Stücke von Sulzer nachsingt. Die Anhänger des alten Chasen nahmen den ihnen ins Gesicht geworfenen Handschuh mit großer Wut auf. Wer ist er denn, dieser Quietscher, der weder Stimme hat, noch versteht, was er vorbetet! Nicht einmal richtig hebräisch lesen kann er ja. Dieser Unwissende will uns mit seinem sol-fa-mi imponieren, was jeder Klesmerjunge (Musikant) kann? — Der musikalische Streit geriet in Schwung und steigerte sich bis zum hohen C. Heute Abend wird unser Reb Seinwel hier mit seinem Chor beten. Und wehe dem, der ihn zu stören wagt!... Die Seinwelisten sind der weitaus größte Teil der Gemeinde. Der Gemeindevorsteher war vernünftig 1— und schwieg. Am Abend aber, zum ״Kol-nidre“. war die große, alte Schul zum bersten voll. So ein Jom Kippur-Abendgebet hat das Städtchen noch nie zuvor gehört. Der alte Chasen stand wieder in seinem Heiligtum, rechts und links von seinen nicht genau wie die anderen benehme, errege allgemeines Aergernis. Nun machten sich die Juden bei ihnen unbeliebt, einerseits durch ihre Geringschätzung der Geselligkeit und vor allem ihre Vernachlässigung des Sports, andererseits durch außerordentlichen Fleiß im Lernen. Dem Lehrkörper und der Verwaltung wiederum fiele vor allem ihr überaus enger Zusammenhang mi't der Familie auf die Nerven, welche die erwachsenen Söhne auch noch auf der Universität (die in Amerika meistens ein Internat ist) stark ״bemutterte“. Auch gewisse jüdische Manieren, wie z. B. die Neigung, Prädikate nicht einfach hinzunehmen, sondern sie zum Gegenstand eines Handels mit den Lehrern zu machen, verschärften den Gegensatz. Hierzu komme vor allem noch das stärkere und weniger verhüllte Gefühlsleben der Juden und ihr überaus sfarkes Zusammengehörigkeitsgefühl, das z. B. bei. Ab- Stimmungen Juden oft blindlings für die Aufnahme anderer Juden ein treten ließe, und der oft ungeheure jüdisch e Stolz auf die eigene Rasse und Tradition. — Wenn die Juden durch den starken tatsächlich vorhandenen Antisemitismus und das verletzende Benehmen ihrer Kommilitonen in ihrem Zusammengehorigkeitsgefühl und ihrem Mißtrauen noch bestärkt würden, so lasse sie andererseits ihr Argwohn oft Antisemitismus sehen, wo man ihnen wirklich nur wohiwolie. Woodruff, der übrigens selbst Ehrenmitglied des .,Menorah-Clubs“ ist, und dem Hochschulantisemitismus mit großer Besorgnis gegenübersteht, meint, daß für die Zukunft viel davon abhängen werde, ob die fertigen jüdischen Akademiker, die vielfach auf den Universitäten nur Unbill und Zurücksetzung erlitten hätten, sich dennoch bereit finden würden, diese Hochschulen (die in den U.S. A. meistens von privater Seite finanziert werden!) kräftig mit Geld zu unterstützen (!). Täter! sie dies, so würden die Universitäten zu einer stärkeren Berücksichtigung der Juden auch bei der Neuaufnahme gezwungen sein; anderenfalls sei eher eine neue Verschärfung des Hochschulantisemitismus zu erw arten. — Daß die jüdischen Studenten bisher auf das akademische Leben teilweise ausgesprochen günstig gewirkt, und insbesondere das Leistungsniveau gehoben hätten, steht für Woodruff außer Zweifel. A. P. Pro-englischer oder anti-englischer Kars der Araber? Von der Anwesenheit Schaukat Alis in Palast in a berichtet der arabische ״Felestin“ noch folgende interessante Einzelheiten: Auf der Reise von Palästina nach Aegypten wurde Schaukat Ali in Gaza von den Notabein der Stadt empfangen. Bei dem Gespräch wurde darauf liingewiesen, daß die Zionisten eine neue Methode anzuwenden begonnen haben, indem sie nämlich Zwietracht zwischen den Arabern und den Engländern säen. Darauf soll Schaukat Ali geantwortet haben: ״Ihr sollt die Engländer lieben und nicht gegen sie kämpfen. Ich werde in London mit ihren Häuptern Zusammenkommen und ihnen die tatsächliehe Lage in Palästina erklären.“ Auch zu den umstehenden britischen Gendarmen soll Schaukat Ali gesagt haben, die Araber seien Freunde der Engländer und müßten daher von den Engländern unterstützt werden. Sodann sagte er zu der versammelten Menge, England wisse wohl, daß 400 Millionen Moslems in der Welt die Sache der palästinensischen Araber unterstützen, Weiter gab er seiner Freude Ausdruck über die Einigkeit von christlichen und moslemischen Arabern. In Port Said habe Schaukat bei seiner Ankunft eine Rede über die bevorstehende moslemische Konferenz in Jerusalem gehalten. Gleichzeitig soll auch eine christliche Konferenz stattfinden, Das wichtigste sei, daß die Araber selbst ppsi'tjv״sw.iafh.eitm;begmneu.. Im übrigen zeigt steh in der palästinensisch-arabischen Presse, wenn auch nicht sehr offen, bereits eine gewisse Skepsis gegenüber Schaukat Ali. Insbesondere die ch ristliehen Araber, die den Großteil der arabischen Presse Palästinas beherrschen, scheinen etwas verstimmt über Schaukats panislatnische Propaganda. In diesem Sinne ist es wohl auch zu deuten, wenn diese Presse große Artikel über Gandhi bringt .und den indischen Mohammedanern nahelegt, ihre partikularistischen Tendenzen zugunsten eines einheitlichen indischen Nationalgefühls zurückzustellen. Im Gegensatz zu den Mahnungen von Schaukat Ali fährt auch die arabische Presse fort, ihre Angriffe gegen Eng- Iand.zu richten. Die Zeitung ״Merat «I Scherk“ rühmt sich, daß sie die erste war, die darauf hingewiesen bat, daß der Kampf gegen die Zionisten zwecklos sei, da es vor allem auf den Kampf gegen England ankomme. Erst durch die Einmischung Englands seien auch die vor dem Kriege ganz friedlichen Beziehungen zwischen Arabern und Juden verschlechtert worden. Die Wandlung in der arabischen Politik gegenüber England sei daher zu begrüßen. Sängern umgeben, und Gott war überall, und Gott ihm wieder ganz nahe.... Und er entfaltete eine Stimme, die Wunder tat. Bei der Gcsangsstelle: ״Schweig, du Ankläger!“... erzitterte die ganze Schul. Bei den Psalmenversen jedoch ״O, verstoß uns nicht Von Deinem Angesicht t rnd Deinen heiligen Geist Nimm nicht von uns! O, verstoß uns nicht in unsren alten Tagen, Wenn uns die Kraft entschwindet Verlaß uns nicht!“... als sich da der greise Sänger bei liegendem, leise dahinsummendem Orgelton des Chores vor seinem Gott und Herrn in eine prächtige Solo-Improvisation ergoß —- da weinte Alt und Jung. Viele behaupteten gesehen zu haben, wie selbst Reb Selmele, der Gemeindevorsteher, mit seinem farbigen Taschentuch die Tränen von seiner Brille wischte. Am Ausgang des Versöhnungstapes kam unter den zahlreichen Anhängern Reb Seinwels auch der Gemeindevorsteher zum Huldigungsbesuch in die Wohnung des alten Chasen. Und als zwischen Sang und Trank ein Freund den Gemeinde- Vorsteher leise fragte, ob cs wahr sei, daß ihn Jossel Chasen wegen der nicht eingehaltenen Zusage für Jom Kippur zu einem Din Thora, einem Rabbinatsgericht, rufen will, antwortete Reb Selmele unwillig: — Soll er rufen!... Unter dem Titel ״El Libro De Los Acuerdos“ hat die Leitung der spanischen und portugiesischen S ynagogein London das Archiv und die Rechnungen aus den Jahren 1663 bis 1681 in englischer Uebersetzung aus dem spanischen und portugiesischen Original herausgegeben (Oxford University Press). Das Buch, dem auch Bilder und Faksimile beigegeben sind, Ist ein wichtiger dokumentarischer Beitrag zur Geschichte des scfardischen Judentums in England. Zweifel am Nationalfonds? Von Helene Hanna Thon, Jerusalem. Wenn man Zionisten auf die unbedingte Notwendigkeit hinweist, möglichst wenig Energie für unfruchtbare Diskussioneii zu verausgaben und statt dessen möglichst viel Zeit und Kraft für die nächstliegenden Aufgaben zu verwenden, unter denen die unverzügliche tatkräftige Unter- Stützung des Keren Kajcmeth an erster Stelle steht, stößt man letzthin bei manchen unter ihnen auf einigen Zweifel. Wozu braucht man gerade jetzt neuen Roden zu kaufen? Die Ein- Wanderung ist ohnehin unterbunden; zur Besiedlung neuer Böden fehlen die Mittel, und selbst wenn sie sich fänden, so besäße ja der Nationalfonds vorläufig eine ausreichende Bodenreserve in der Haifa Bay, in Wadi Chawaret, im Emek Jcsree! und einigen anderen Gegenden. Eine solche Argumentation, die wohl in den meisten Fällen mehr einer gewissen Trägheit des Geistes und Herzens als wirklicher Ucberzeugung entspringt, ist natürlich durchaus abwegig. Sie beruht auf drei fundamentalen Fehlern: 1. übersieht sie, daß auch dann, wenn größere Bodenkäufe schwer durchführbar sind, der Nationalfonds erhebliche Mittel benötigt, um das bereits Erworbene nicht wieder zu verlieren und um es in einen solchen Zustand zu versetzen, daß cs jederzeit zur Ansiediung von Juden verwendet werden kann; 2. übersehen die Zweifler, daß es selbst zu Zeiten, in denen keine oder nur wenige neue Siedler ins Land kommen, in Erez-Israel selbst Tausende von Arbeitern gibt, die seit Jahren die schwerste Pionierarbeit leisten und bei der Verteidigung des Erworbenen helfen und die voller Sehnsucht darauf warten, daß sie nach all ihren Mühen und Entbehrungen endlich ein Stück Land zur Ansiedlung erhalten; 3. vergessen die also Argumentierenden, daß die Zionistische Organisation neben dem den zionistischen Gedanken vielleicht am reinsten verkörpernden, aber dafür wohl auch teuersten System der landwirtschaftlichen Ansiedlung, der Arbeitergenossenschaft, längst auch zu anderen Siedlungs- Systemen übergegangen ist, die nur zum Teil aus öffentlichen Mitteln bestritten werden und darum auch in Zeiten, in denen bei den zionistischen Fonds Geldknappheit besteht, durchführbar erscheinen. Zu dem ersten der drei genannten Punkte Ist vor allem aut die Notwendigkeit der Okkupation der nichtbesiedelten Böden hinzuweisen. Bei den eigentümlichen Verhältnissen des palästinensischen Bodenrechts, bei dem der Besitzer jederzeit in Gefahr ist, das freie Verfügungsrecht über ordnungsmäßig von ihm erworbenen Boden zu verlieren, wenn auf dem von ihm noch nicht bebauten Lande Fellachen oder Beduinen ihre Feld- oder Weidewirtschaft begonnen haben, ist es dringend notwendig, die erworbenen Böden ständig zu bewirtschaften, was — solange auf ihnen keine regulären Siedlungen bestehen — eine zwar ziemlich unrentable, aber unerläßliche Ausgabe ist. Auch die genaue Markierung der Bodengrenzen durch Anlage von Baumpflanzungen ist besonders in den letzten Jahren, in denen fortwährend Uebergriffe seitens der arabischen Nachbarn vorgekommen sind, eine dringende Frage der Besitzerhaltung geworden. Zu der Vorbereitung des Bodens für künftige systematische Siedlung gehört bekanntlich auch seine Antelioration durch Tiefpflügen, Austrocknung von Sümpfen, Anlegung von Brunnen, Wegebau und Entsteinung, ln manchen Fällen ist auch die Anlage von Arbeiterhäusera und die Gewährung von Darlehen für landwirtschaftliche Betriebe sowie Anschaffung von Inventar eine unerläßliche Bedingung für die Erhaltung und Vorbereitung des Nationalfonds-Boaens. Schließlich darf man auch nicht vergessen, daß die Anlage von Pflanzungen zu den Aufgaben des Nationalfonds gehört; gerade durch seine Pflanzungen, die sich jetzt auf fast 6000 Dunam erstrecken und IV« Million Frucht- und Schattenbäume umfassen, leistet der Nationalfonds ein Kolonisationswerk von hoher Bedeutung. Alle diese Ausgaben zusammen haben in den letzten zwei Jahren 25 0/0' des Gesamtbudgets des Keren Kajemeth erfordert — eine Summe, die in der nächsten Zeit eher vergrößert als verkleinert werden muß. Als Antwort auf den zweiten Einwand der Zweifler ist auf die begonnene Ansiediung von Gruppen älterer, seit Jahren im Lande befindlicher Arbeiter hinzuweisen, die besonders in den letzten Jahren vom Keren Kajemeth nach Kräften betrieben, wurde, und durch die der Zionismus seinen selbstlosesten Pionieren einen Teil seiner Dankesschuld zollt. So wurde in der Nähe der roßen Pflanzungszentren, in denen die Mitglieder von Areitergruppen Beschäftigung finden, also bei Rechoboth, Ness Ziona, Rischon Ie Zion und Kfar Saba auf einem Gebiet von etwa 7000 Dunam Land vorbereitet, das 400 Arbeiterfamilien die Möglichkeit zur Gründung einer eigenen kleinen Wirtschaft gebajjjoli. Gerade zu einer Zeit, in der die Ein- Wanderung stociJf%t die Ausdehnung dieser Arbeit dringend notwendig für die Konsolidierung des Jischub. Der weitere Einwand, der die Etablierung neuer Siedler unter den heute herrschenden Verhältnissen für so gut wie unmöglich erklärt, ist am besten dadurch zurückzuweisen, daß man auf die bereits seit einiger Zeit beschlossene Ansiedlung von‘Menschen des Mittelstandes hinweist, die vielleicht für manchen, der sich in der raschen Folge der Wirtschaftskatastrophen in allen westlichen Lindern noch rechtzeitig entschließt, die Reste seines Vermögens In Palästina anzulegen, von größter persönlicher Bedeutung werden kann. Unter dem Gesichtspunkt der Mittelstandssiedlung wird die unter so großen Schwierigkeiten erfolgte Besetzung des Bodens von Wadi Chawareth noch bedeutungsvoller, da gerade dieses Land sich hierfür am besten eignet. Der Wadi Chawareth-Boden besteht aus 18 400 Dunam leichter, für Pflanzungen geeigneter Erde und 16 200 Dunam schweren Bodens für Futter- und Gemüsebau. Neben diesen Wirtschaftszweigen erwarte( man von den Siedlern die Beschäftigung mit Milch- und Hühnerwirtschaft, Gemüsebau und Bienenzucht, wozu ein Areal von etwa 20 Dunam pro Familie erforder-!ich sein wird, so daß 1500—1700 Familien auf diesem Gebiet Platz haben. Die für die Errichtung einer solchen Wirtschaft erforderlichen Mittel sind auf £ 850 berechnet worden, wovon im ersten Jahre 65 0/0 benötigt werden. Die Nettoeinnahmen werden nach 10—12 Jahren auf ca. £ 220 geschätzt. Mit diesem Plan einer Mittelstands-Ansiedlung betritt der Keren Kajemeth neue Wege, denen er sieh freilich in den letzten Jahren immer mehr genähert hat. Es entfällt dadurch der wiederholt gegen ihn erhobene Vorwurt einer zu ״einseitigen“ Siedlungspolitik. Alle diese Aufgaben aber — so wichtig sic auch sind — bleiben doch nur Teile eines Gesamtplanes für den Wiederaufbau des jüdischen Landes, der nur dadurch verwirklicht werden kann, daß so schnell und so umfassend wie möglich die im nationalen Besitz befindliche Bodenreserve vergrößert wird. Das Argument, daß zu einer Zeit, in der ohnehin keine Kolonisation ganz großen Maßstabes erfolgen kann, die. Vergrößerung des jüdischen Bodenbesitzes nicht brennend ist, beruht auf einer mangelnden Vergegenwärtigung der Sachlage. Bei der jetzigen Einstellung der Mandatsregicrung und der Antiverkaufspropaganda unter den arabischen Bodenbesitzern wird es nämlich von Tag zu Tage schwieriger und schließlich vielleicht auf lange Zeit hinaus ganz unmöglich werden, Land in Palästina zu erwerben. Tritt aber ein solcher Zustand ein, dann bleibt nicht nur der palästinensische Jischub ohne Vergrößerung von außen, sondern

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