Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1931-09-15 · Heft 72 (15.9.1931) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 72 (15.9.1931)
Date
1931-09-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653252-2653319--22578-2680815
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Nr. 72, 15, IX. 1951 JÜDISCHE RUNDSCHAU Sehe 443 Presieschau ״The Near East and I n d i «״ äußert sich in seiner letzten Nummer mißbilligend über die Absicht der Araber, am 2. November in der Albert Hall, dem größten Saale Iondons, eine a nt {zionistische Demonstration zu veranstalfen. Dieser Plan, schreibt das Blatt, dürfte in den Arabern dadurch entstanden sein, daß sie dauernd den Verdacht haben, die Zionisten seien den Arabern gegenüber in einem außerordentlichen Vorteil, weil sie Möglichkeiten dauernder Beeinflussung■ der britischen Regierung in London haben. Darum wollen die Araber auch in London ihre Stimme vernehmen lassen. Die Wirkung dieses Schrittes muß aber unvermeidlich eine neue Verschärfung der in Pa* listin a ohnedies bereits bestehenden Feindschäften sein. Es muß zwar zugegeben werden, daß die Zionisten sich zuweilen in etwas provokatorischer Weise der Tatsache, daß sie Zutritt zur britischen Regierung haben, rühmen, aber die Gegenmaßnahme der Araber sollte lieber darin bestehen, daß sie sich ihres leichten Zutrittes zur Palästina -Regierung rühmen. Die Zeitschrift geht dann weiter auf gewisse kürzlich vom ״Jewish Chronicle“ in die Welt gesetzte Gerüchte ein, wonach die Zionisten, um dem übermäßigen Einfluß der Araber in Palästina entgegenzuwirken, die Absicht haben, die Palästina-Exekutive zu verstärken und mit besonderen Autoritäten auszustatten, zu welchem Zweck Dr. Weizmann als beglaubigter Repräsentant in Jerusalem nominiert werden solle. Es handelt sich hier natürlich wieder um eine der vielen Erfindungen des ״Jewiah Chronicle“, der jede Woche durch seinen parlamentarischen Korrespondenten irgendeinen Sensations-Klatsch in die Welt setzt. ״The Near East“ behandelt jedoch, ohne als Quelle den ,jewish Chronicle“ 2u nennen, die Nachricht ernsthaft und erklärt, obwohl in dieser Anregung leider ein kämpferisches Motiv liege, müßte man doch einen solchen Schritt nur begrüßen, weil er eine direkte Verständigung zwischen Juden und Arabern erleichtern würde. * In der Londoner ״T im es“ werden anläßlich des Besuches des italienischen Kolonialministers De Bono in Paris das nordafrikanische Problem erörtert und die Schwierigkeiten besprochen, die sich aus der vergeblichen Suche Italiens nach Kolonisationsland für seinen Geburtenüberschuß ergeben. Dabei werden interessante Betrachtungen über die Kolonisation von Tripolis aufgestellt, die zum Vergleich mit der jüdischen Palästina-Kolonisation herausfordern. General De Bono hat 1928 als Gouverneur von Tripolis erklärt, innerhalb von 15 Jahren würden 300000 italienische Kolonisten im Lande angesiedelt werden; kürzlich hat er jedoch bereits in der Kammer gesagt, das Tempo der Kolonisation müsse verlangsamt werden. Nach offiziellen Angaben beträgt die Zahl der Italiener in Tripolitanien 20000, wovon 14000 in der Stadt Tripolis leben, in Cyrenaica leben im ganzen 10000 Europäer, in der Mehrzahl Italiener, davon aber 7000 in der Hafenstadt Bengasi. Daher gibt es im ganzen etwa 9000 Italiener außerhalb der beiden Städte. Dies zeigt, bemerkt die ״Times“ etwas ironisch, weiche gewaltigen Fortschritte die Ansiedlung von Italienern noch machen müßte, damit sich die Worte Arnoldo Mussolinis, des Bruders des Duce, bewahrheiten, wonach ein ״ununterbrochenes Band italienischer Bevölkerung sich von Porto Bardia bis Ben Gardana entlang der ganzen afrikanischen Küste des Mittelmeeres erstrecken müsse“. — Wenn man diese Ziffern, auch in ihren Beziehungen zu dem ursprünglich Erträumten, mit den Ziffern der jüdischen Palästina-Kolonisation vergleicht und bedenkt, daß r. hier der Wille und die Machtmittel eines straff organisierten Staates dahinterstanden, wird man erkennen, daß die jüdische Leistung keine gering zu veranschlagende ist. '* in der Zeitschrift ״Das Evangelische Deutsch- 1 a n d“ bespricht der bekannte Zionistenfreund Schulrat D. Otto Eberhard unter dem Titel ״Palästina im Streit der Nationalitäten“ die Vorkommnisse des letzten Zionistenkongress es und schreibt im Zusammenhang mit der sogen. Endziel-Debatte: ״Die Lösung des zionistischen Problems, in dem heute zwei Nationalitätsbewegungen sich begegnen, kann aber nach Lage der Dinge niemals in der Errichtung eines Königreiches Juda bestehen; die Forderung des Judenstaates, wenn sie je den Führern mit dem Blick auf Palästina ernst war, ist durch den Gang der Dinge abgeschwächt worden in der Idee des binationaien Staates, in dtm die arabische Bevöikerung auf ihrer Scholle sitzt und die jüdische Einwanderung eine rechtlich gesicherte Heimstätte bekommt. Diese Lösung eines jüdisch-arabischen Palästinas aber kann heute nicht mehr durch eine Verständigungs-Resolution des BaselerKongressesalsdes politischen Instruments der zionistischen Bewegung bewirkt werden, selbst wenn diese eindeutiger und wirklichkeitsnaher wäre, als die tatsächlich zur zionistischen Zielsetzung formulierte Erklärung sich gab. Alle Gesetze der nationalen Psychologie führen darauf hin, daß nur ln verantwortungsbewußter, jahrelanger Zusammenarbeit aller politischen Instanzen, von Presse und Publikum, von Führem und Geführten, von Eingesessenen und Einwanderern allmählich eine Atmosphäre sich entwickeln kann, die dem Verständigungswillen von beiden Seiten realpolitisch Raum schafft.“ James Simon 80 Jahre Am 17. d. M. vollendet Dr. James Simon, der jahrzehnielange Präsident des ״Hilfsvereins der Deutschen Juden“, sein 80. Lebensjahr. James Simon ist eine der international bekannten Figuren des deutschen Judentums, er hat im Weitjudentum stets eine geachtete Position eingenommen und war bis Ende 1929 Mitglied des Rates der Ica. Den Hilfsverein hat er 1901 zusammen mit Eugen Landau und Paul Nathan begründet und ihn zu der großen Bedeutung gebracht, die er vor dem Kriege besaß. Bei allen großen jüdischen Katastrophen hat der Hilfsverein bekanntlich helfend eingegriffen und auch noch während; des Krieges die Führung der Hilfsaktion für das gefährdete Ostjudentum in Händen gehabt. Immer war es James Simon, der bei den Arbeiten in erster Reihe stand. James Simon hatte auch für Palästina stets großes Interesse und hat besonder« verschiedene Ausgrabungen materiell gefördert; er gehört auch zu den Gründern der Deutschen Orient-Gesellschaft. Anläßlich des Sprachenkampfes bei der Gründung des Haifaer Technikums kam es zu einem Konflikt zwischen Zionismus und Hilfsverein, doch ist in diesen Kämpfen die Persönlichkeit Simons auch vom Gegner respektiert worden. James Simön ist Repräsentant einer anderen Generation und einer anderen jüdischen Anschauung als sie in diesem Blatte vertreten wird. Aber er hat sein ganzes Leben hindurch in seiner Weise als edier und hilfreicher Mensch der jüdischen Gesamtheit zu dienen gesucht. Was James Simon im kommerziellen und geseilscliaftliehen Leben Berlins sowie als ein Kunstliebhaber und Sammler bedeutet hat, ist an dieser Stelle nicht auszuführen. Diese Zeilen sollen nur bekunden, daß auch die deutschen Zionisten zusammen mit den engeren Freunden vpn James Simon ihm zu seinem 80. Geburtstag ihre Gratulation zum Ausdruck bringen. Der Vorsitzende de־ Z. V. f. D. hat an James Simon ein Glückwunschschreiben gerichtet FREIE TRIBÜNE Der Weg des Allgemeinen Zionismus Von Dr. Walter Kohner, Karlsbad. Obwohl bei allen Nachkriegskongressen Besprechungen und Verhandlungen zwischen den Allgemeinen Zionisten stattfanden, um ein gemeinsames Vorgehen bei den verschiedenen Angelegenheiten zu ermöglichen, gelang es eigentlich niemals, eine feste und aktionsfähige Kongreßfraktion zu bilden. Erst am XVIL Kongreß gelang es, die Allgemeinen Zionisten zu einer Konferenz zu vereinigen, deren Hauptthema die Bildung eines ״Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten“ war. Tatsächlich schien alles für die unbedingte Notwendigkeit zu sprechen, die Allgemeinen Zionisten zu einer festen Organisation, einer Partei zusammenzuschließen. War doch die Zahl der Allgemeinen Zionisten in der Nachkriegszeit .von Kongreß zu Kongreß in ziemlich scharfem Tempo zurückgegangen. Während am XII. Kongreß 376 Vertreter des Allgemeinen Zionismus 73 »0 der Delegierten bildeten, sank diese Zahl bis zum XVII. Kongreß auf 79 herab, die nunmehr 33 °/0 des Kongresses repräsentierten. Dieser rapide Niedergang ist darauf zurückzuführen, daß Radikale und Revisionisten mR zusammen 53 Mandaten zur Gänze von den Allgemeinen Zionisten abgesplittert waren. Und doch scheint es mir jetzt, da zu Beginn der Herbstarbeit diese organisatorische Frage durchberaten werden muß, sehr an der Zeit, das Für und Wider zu erwägen. Es scheint, daß unsere Allgemeinen Zionisten gerade diese außerordentlich wichtige Frage nicht restlos durchdacht haben. Die Gründung eines Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten soll, nach der Absicht der Initiatoren, die Gründung einer neuen starken aktionsfähigen Partei innerhalb der Zionistischen Organisation darstellen. Diese Partei soll ihren organisatorischen Aufbau bis zum nächsten Kongreß vollendet haben und dann als die Hauptgruppe in Wirksamkeit treten. Der Kongreß würde dann drei bis vier große Parteien aufweisen und der parlamentarische Betrieb wäre gesichert. Ich möchte aber die Frage zur Diskussion stellen: ״Ist die Gründung einer Partei der Allgemeinen Zionisten für den Zionismus nützlich oder schädlich?“ Die Frage führt zur Diskussion darüber, ob das Parteiwesen im Zionismus überhaupt notwendig und nützlich ist. Für die zionistische Arbeit im Galuth, die letzten Endes in nichts anderem bestehen kann, als in wissenschaftlicher Analyse der Gegenwart, Gewinnung und Verbreitung von Kenntnissen, Beeinflussung von Außenstehenden, Erfüllung des Galuthjudentums mit jüdischem Aktivismus, Geldsammlung und Organisation der verschiedensten Kräfte innerhalb des lebenden Judentums — sind Parteibildungen praktisch wertlos. Es ist eine immer wieder festzustellende Tatsache, daß zu mindestens in Mitteleuropa und im Westen die zionistischen Fraktionen und Parteien ihre Mitglieder nur zu einem verschwindenden Grade aus der nichtzionistischen Judenschaft gewinnen, sondern sich immer mehr gegen das Zentrum zu einfressen, dessen Jugend sie zum größten-Teile bereits besitzen. An der rein organisatorisehen Arbeit, sowie an der Geldaufbringung partizipieren sie in geringem Maße, für die Galuthpolitik — Landespolitik — bedeuten sie eine ausgesprochene Erschwerung, ja sogar, was die linken Gruppen betrifft, eine nahezu untragbare Belastung. Es zeigt sieh, daß durch das Parteiwesen in der Galuth die Bildung eines auf die Erreichung des zionistischen Zieles gerichteten Gesamtwillens nanezu unmöglich gemacht wird. Ist also an und für sich die Parteibildung in der Galuth eine äußerst problematische Angelegenheit, deren Gefahren nur durch das Bestehen der nicht parteimäßig gebundenen Allgemeinen Zionisten paralysiert werden können, so würde die Gründung einer neuen Partei der allgemeinen Zionisten m. E. eine außerordentliche Schädigung der zionistischen Kraft bedeuten. Nur wenn es gelänge, die Partei der Allgemeinen Zionisten so stark zu machen, daß ihr gegenüber die Fraktionen nur unbedeutende Anhängsel wären, die bestenfalls als Opposition«־ gruppen in Betracht kämen, wäre der Schaden geringer als der Nutzen. Der Einwand, daß auch eine kleine, aoer fest ge* schlossene Partei auf dem Kongresse von außerordentlicher Wirksamkeit sein könnte, kann nicht bestehen. Der Zionismus ist keine Angelegenheit, die durch Parlamentarismus gefördert werden kann. Der Kongreß stellt nur eine Art Parlament vor, welche kaum Aehnlichkeiteu mit normalen Parlamenten aufweist. Aber auch, wenn es gelänge, den Kongreß zu einem wirklichen Parlament zu machen, wäre damit noch nichts für die Verwirklichung des Zionismus getan. Denn selbst der beste Kongreß kann keine Realitäten schaffen, kann den jüdischen Gesamtwillen nicht erwecken und kann vor allem das Wesentliehe und Notwendigste nicht schaffen: die materiellen Grundlagen. Parteien aber sind nur sinnvoll im Hinblick auf ein Pariament, sinnlos dagegen für uns, deren Parlament nur alle zwei Jahre auf kurze Zeit Zusammentritt. Die zionistische Arbeit soll zwischen den Kongressen durchgeführt werden und hat genug zu tun, um sich von den Rückschlägen, die manchmal durch die Kongresse herbeigeführt werden zu erholen. ׳Es ist durchaus fraglich, ob der Allgemeine Zionismus ein Programm aufstellen kann, welches im Wettbewerbe mit den radikalen Schlagworten von Rechts und Links bestehen könnte. Versuche dazu wurden und werden' gemacht und sind außerordentlich notwendig und wertvoll. Vorläufig beruht die Kraft des Allgemeinen Zionismus darauf, daß er parteilos ist. Wer das Wesen von Parteien kennt, der weiß, daß ein großer Teil, wenn nicht der größte Teil, der aufgebrachten Energie von der Partei selbst in Anspruch genommen wird. Jede Partei ist vor allem Selbst-■ zweck und nur in Ländern von ganz besonders hoch entwickeiter politischen Kultur tritt das Parteiinteresse hinter das allgemeine Ganze. Der Aufbau und die Erhaltung einer Partei kostet außerordentlich viel Energie und Geld und beides wird dem Zionismus entzogen. Die allgemeinen Zionisten, die heute kraft ihrer Parteilosigkeit die prädestinierten Träger des zionistischen Gedankens kat exochen sind und infolgedessen widerspruchslos das Stützgewebe der Organisation bilden, die Landesverbände, Fonds und Institutionen leiten, würden diese Vorzugsstellung in dem Augenblick verlieren, wo sie als Partei mit den anderen Parteien in Wettbewerb treten müßten. Um am Ruder zu bleiben, müßten sie eine große Summe von Arbeit leisten und diese Arbeit müßte dem Werke entzogen werden. Das Prinzip der Ueberordnung aller Institutionen wäre in dem Augenblick gefallen, in welchem Parteien um die Besetzung der Aemter 111 diesen Organisationen zu kämpfen haben. Der an und für sich nur mit Mühe aufrechtzuerhaltende zionistische Apparat würde in seinem Bestände bedroht sein, wenn er Gegenstand des Kampfes der Parteien würde. Eine Ausschaltung des Apparates aus dem Parteikampfe ist bei uns unmöglich, weil wir weder über eine materielle, noch geistige Macht verfügen, die über den Parteien steht. . , In dem Augenblick, in dem die Zionistische Organisation nur noch aus Parteien bestünde, würde vielleicht ein stärkeres Leben bemerkbar werden, aber es würde sich bald herausstellen, daß dieses Leben nur ein Scheinleben wäre, einzig und allein darauf gerichtet, die einzelnen Parteien an der Macht zu erhalten. Der Zwang zur Radikalisierung, zum Ueberbieten durch Programme besteht überall dort, wo Parteien >«n Kampfe gegeneinander liegen. . . a . _ Wenn ich also der Meinung Ausdruck gebe, daß der Zusammenschluß der Allgemeinen Zionisten zu einer Partei für den Zionismus verhängnisvoll wäre, so soll nicht gesagt sein, daß es nicht außerordentlich notwendig wäre, für diese Allgemeinen Zionisten ein umfassendes Galuth- und Paiästina-Programm aufzustellen. Die Aufstellung eines großen Programms, das nicht negativ sein und sich in Relationen bewegen soll, ist eine durchaus notwendige Arbeit, aber dies ist eine geistige, Kraft erzeugende, Wirklichkeit schaffende Arbeit, die zur Gänze dem Allgemeinen Zionismus, dem Aufbauwerke, zugute kommt. 11111111111111u111111H111i11jm1111111111111H11HHi1H1111111111111i1n11mi1>111111111111«ffH11u11w1H1Hi1w1i1i111u1t1i1»«nu1ii1>11111n1üi11WH׳im1111nww1Ui1t11wn1H11ii111iM11i1111ti11111u1H111nt11mmMiiWu11HnH1M111m11w1BW>^~Hiwmmmmmw111t«1WMHMUi11H111w11 Arabische Beschwerden Der Präsident der Arabischen Exekutive, M uza Kazim Pascha, hat an den High Commissioner einen Brief geschrieben, worin er sich über die Art und Weise beschwert, wie der Polizeikommandant sich gegenüber der Demonstration der Arabischen Exekutive am 23. August betragen hat. Der Beamte habe gegen die Mitglieder der Arabischen Exekutive Ausdrücke gebraucht, die einem hohen britischen Beamten gegenüber den Vertretern der Bevölkerung des Landes nicht zustehen. Der Brief fährt fort: ״Wir möchten Eure Excellenz versichern, daß das System des Terrors das der neue Polizeikommandant eingeieitet hat und das s' 1 in den traurigen Ereignissen von Nablus, sowie in dem Verhalten gegenüber der Arabischen Exekutive in Jerusalem enthüllt hat, keinen einzigen Menschen von dem Weg der beharrlichen Vertretung der nationalen Forderung abbringen wird. Auch wenn der neue Polizeikommandant die Gefängnisse füllen und die Beleidigung alles Großen im Lande fortsetzen wird, wird er nur den Geist des Wider- Standes gegen die Vergewaltigung stärken. Indem wir gegen dieses Verhalten protestieren, möchten wir die ganze Welt zu Zeugen anrufen, daß Ihre Regierung für alles, was sich als Folge dieser Politik ergeben könnte, verantwortlich ist.“ Auch die englische Ausgabe des ״F e I e s t i n“ wendet sich sehr scharf gegen die Repressions-Politik der Regierung. Die Araber, so schreibt das Blatt, hätten sich im Vertrauen auf die verschiedenen Berichte von Untersuchungs- Kommissionen zu einer Zusammenarbeit mit der Regierung bereitgefunden und haben die extremistischen Strömungen in ihrem eigenen Lager zurückgedrängt. Wo sie mit der Regierung nicht übereinstimmten, haben sie zu dem Mittel des Protestes und des Streiks gegriffen. Aber, so schreibt das Blatt, die Geschichte der Freiheitsbewegungen aller Völker hätte die Araber darüber belehren können, daß man mit solchen Mitteln die Freiheit nicht erkämpfen kann. Die Araber müssen jetzt zu scharfen Mitteln greifen, und es bleibt ihnen nur der einzige Weg der ״Passiven Resistenz“, da sie weder leere Proteste, noch zerstörende Kriegführung wählen können. Man könne mit Bestimmtheit Vorhersagen, daß bei der arabischen Konferenz, die am 20. September Zusammentritt, die alte Politik der Arabischen Exekutive aufgegeben werden wird, wenn man auch noch nicht sagen kann, welcher neue Kurs eingeschlagen wird. ״Leider“, so schließt der Artikel, ״wird das Land, eingeklemmt zwischen der IJntercJrückungspölitik der Regierung und der Unzufriedenheit der Araber, keiner lejehten Zeit entgegengehen.“ Die IschechojBdfscbe Assimilation and die Jewish Agency (Von unserem Berichterstatter.) hl, Prag, 10. September 1931. Der Verband der tschechojüdischen Assimilanten beschitiigte sich in seiner letzten Konferenz, die am 6. d. M. in Pardubitz stattfand, eingehend mit dem Verhältnis der Tschechojuden zur Jewish Agency. Die organisierten Assimilanten spielen im hiesigen jüdischen Leben keine sonderlich große Rolle und umfassen auch zahlenmäßig nur einen winzigen Bruchteil der tschechoslowakischen Juden. Zum Zionismus stehen sie seit jeher in schroffen, rücksichtsloser Feindschaft. Ebenso zum Palästinaaufbauwerke, von dem in ihrer Zeitung, dem ״Rozvoj“, immer nur dann Erwähnung getan wird, wenn es etwas Unfreundliches zu berichten gilt. Als im Jahre 1929 ein Initiativkomitee derjewish Agency in der Tschechoslowakei gegründet wurde, traten einige einzelne Mitglieder des tschechojüdischen Verbandes bei, der Verband selbst hielt seine strenge antizionistische Richtung aufrecht. Auf der diesjährigen Konferenz in Pardubitz versuchte die Leitung, auch die Teilnahme Einzelner an der J. A. zu vereiteln. Zu ihrem nicht geringen Erstaunen mußte sie jedoch feststellen, daß diePro-Palästina-Strömungin den letzten Jahren in beachtenswerter Weise auch in den Reihen der Tscheche»- juden angewachsen ist und daß ihre eigene aggressive Haltung zum jüdischen Palästinaaufbauwerke nurmehr bei einer Minorität der Delegierten gebilligt wurde. Nach langer Debatte, in der insbesondere Delegierte der im Lande wohnenden jüdisehen Bevölkerung darauf hinwiesen, daß die Judengegnersehaft im Lande trotz aller Assimilationsversuche im Wachsen begriffen sei und daß man darum nicht mehr an der unver- «ähnlichen Feindschaft gegen das Palästinawerk, das ein Posiiivum für alle Juden darstelle, festhalten dürfe, wurde eine Kompromißresolution folgenden Inhaltes angenommen: ״Die Konferenz erklärt, daß die Institution der Jewish Agency in ihrer heutigen Gestalt vom Standpunkt unserer Ideologie unannehmbar ist, hat jedoch mit Rücksicht auf die Vielseitigkeit des Problems und den gegebenen Entwicklungsmöglichkeiten nichts gegen die Mitarbeit der Mitgiiederindieserlnstitutionei nzuwende n.“ Bemerkenswert ist der Umstand, daß unter den Freunden der Palästinaarbeit bei den Tschechojuden sich alle geistigen Führer der tschechojüdischen Assimilationsbewegung befinden, so ihr Ideologe Dr. Heinrich Kohn, der bekannte tschechische Dichter Vojtech Rakous 11, a.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.