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Jüdische Rundschau · 1931-09-15 · Heft 72 (15.9.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 72 (15.9.1931)
Date
1931-09-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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hat, im Oegensatz zu Simpsons Vorschlag, wonach die Kommlssion aus einem englischen Vorsitzenden und einem jüdisehen und arabischen Mitglied hätte bestehen sollen. Was die erste Arbeit des Entwicklungs-Kommissärs betrifft, namlieh die Feststellung einer Liste von ״landlosen“ Arabern, die infolge von jüdischen Bodenkäufen ihre Existenz verloren haben, führt Arlosoroff aus, die Jewish Agency habe ein gewaltiges Interesse, daß diese Untersuchung mit größter juristischer Objektivität geführt wird. Es handle sich nicht darum, daß wir einigen Fellachen den wirtschaftlichen Vorteil mißgönnen, den sie dadurch gewinnen könnten, daß sie evfl. auch unrechtmäßig auf die Liste der Landlosen gesetzt werden; vielmehr gilt es, den guten Namen des Zionismus zu wahren, der stets seinen Stolz darcingesetzt hat, eine arbeitende Bevölkerung nicht von ihrem Lande zu vertreiben, ohne für ihre weitere Unterbringung zu sorgen. Durch da* Weißbuch und den Simpson-Bericht ist in der Welt der Eindruck entstanden, daß die Juden eine ganze Klasse der einheimischen landwirtschaftlichen Bevölkerung geschädigt haben. Aus diesem Grunde hat die Jewish Agencv das größte Interesse daran, daß die jetzt aufzustellende Liste landloser Araber genau ist, damit gezeigt wird, daß jene Vorwürfe ungerechtfertigt und übertrieben waren, üb se^ ^r• Arlosoroff fort, noch einige Bemerkungen unsere Beziehungen zu unseren Mitbürgern arabischer Nationalität Wir machen jetzt wieder eine Zeit der Spannung und der Gerüchteverbreitung durch, die vielleicht ungeeignet erscheinen mag für politische Erklärungen. Viele glauben, daß die Atmosphäre der skrupellosen Agitation, die mit den unsinnigsten Verdrehungen arbeitet, wenig Hoffnung aut eine Politik läßt, die auf Erzielung einer jüdisch-arabischen Verständigung Tn naher Zukunft abzielt. Die Hauptlinie unserer Politik zu einer solchen Verständigung ist jedoch auch heute Mar. Sie wurde präzise formuliert in der Definition, die in dem Programm enthalten ist, auf Grund dessen die gegenwärtige Zionistische Exekutive von dem XVH. Kongreß gewählt wurde: ״Aktive Maßnahmen auf ökonomischem, sozialem und politischem Gebiet, um friedliche Beziehungen und die AnnXherung zwischen Juden und Arabern in Palästina herbeizufUhren, von dem Grundsatz ausgehend, daß ohne Rücksicht auf die numerische Stärke keines der beiden Völker das herrschende, keines das beherrschte sein soll.“ Nach meiner Meinung wäre die jetzige Exekutive niemals ins Leben getreten, wenn nicht dieser Absatz in das Programm aufenommen worden ■wäre. Das darin ausgesprochene rinzip ist von grundlegender Wichtigkeit. Es spricht aus, daß es unser Wunsch ist. die Gleichberechtigung der beiden Völker zum Eckstein des öffentlichen Lebens in Palästina zu machen, ungeachtet der relativen numerischen Stärke der beiden Teile der Bevölkerung, wodurch dem dauernden Einströmen jüdischer Immigranten der politische Stachel genommen wird. Es ist unser Wunsch, daß dieses Prinzip im Laufe der Zeit jeden Winke! des politischen und administrativen Lebens durchziehe, nicht nur bei der Anwendung der Landentwickluags-Anleih e oder der Zusammensetzung der Polizei, sondern in dem gesamten konstitutionellen Leben des Landes und in allen seinen Verwaltungskörperschaften, von den zur Vorbereitung des Zensus eingesetzten Komitees bis zu dem landwirtschaftlichen Beirat. In jeder Institution dieser Art soll dieses Prinzip als Basis der Zusammenarbeit dienen. Häufig wird darauf hingewiesen, daß die arabischen Führer nicht bereit sein werden, den Wert dieses Prinzips für die Zukunft des Landes einzusehen und daß sie daher einer solchen Politik nicht zustimmen werden. Ich zweifle aber, ob der Tag so fern ist. Die arabischen Führer und die gebildeten Araber, sowie die von ihnen geführte Bevölkerung wird sich bald Rechenschaft ablegen müssen über ihre Errungenschaften der letzten Jahre. Sic haben in dieser Zeit viele taktische Siege errungen, aber keine bleibenden Erfolge. Ihr Kampf um die Annullierung der Balfour-Deklaration und des Mandates war vergeblich und wird auch in Zukunft vergeblich bleiben, wie sie selbst wissen. Sie wissen auch, daß das jüdische Volk keine weiteren Konzessionen machen kann, weil seine einzige Zukunftshoffnung, als Volk am Leben zu bleiben, mit der Arbeit in Palästina verbunden ist. Oekonomisch hat der Jischuw auch während der Krise der letzten Jahre an Festigkeit gewonnen. Es ist jetzt ein Faktor, dessen Schwächung auch gewaltige Verluste nicht jüdischer Landesbewohner mit sich brächte und dessen Gedeihen auch für große andere Teile des Landes Wohlstand bedeutet. Jeder im Lande begreift, daß die jüdische Sache vorwärts geht und die Immigration weiter geht, einmal etwas schneller und dann wieder etwas langsamer. In den letzten Monaten ging es langsamer, infolge der Weltkrise, aber wenn die finanzielle Depression überwunden ist und die Aufnahmefähigkeit des Landes durch Kapitalinvestitionen vergrößert sein wird, wird auch die Einwanderung wieder beschleunigt werden. Ich bin überzeugt, daß viele Araber, auch wenn sie es nie zuzugeben wagen werden, begreifen, daß diese Tatsachen unabänderlich sind und diese Entwicklung nicht aufgehalten werden kann. Ich glaube daher, daß der Tag nicht fern sein kann, wo die Ueberlegung ihrer eigenen Zukunft und der Zukunft des Landes sie dazu bringen wird, anzuerkennen, daß das politische Programm, das wir vorschlagen, schließlieh und endlich ein Programm Ist, das beiden Völkern durch politische Klugheit, ihr eigenes Interesse und Sinn für Realitäten diktiert wird- Auch die Unheilsprophezeiung, mit der der ״Fclestin“ meinen Amtsantritt begrüßt hat, kann diese meine Ueberzeugung nicht erschüttern. Sollen wir aber darum in der Zwischenzeit müßig sitzen? Gewiß nicht. Das Leben steht nicht still und verflicht die verschiedenen ökonomischen und sozialen Interessen der beiden Völker täglich mefir ineinander. Wir müssen uns bemühen, diesen Prozeß zu fördern. Leider sind die Dinge zu einem solchen Stadium gediehen, daß Leute, die mit Menschen der anderen Nationalität in Geschäften des täglichen Lebens Zusammenarbeiten, fürchten müssen, politischer Intrigen und nationalen Verrates bezichtigt zu werden. Es ist bekannt, daß dieser von einem Teil der arabischen Presse ausgeübte Druck viele Araber abschreckt, ihre wahren Ansichten über ökonomische, soziale und kulturelle Zusammenarbeit mit den Juden auszusprechen. Ich glaube nicht, daß es politisch klug ist, sich einem derartigen journalistischen Terror zu fügen, ebensowenig wie ich mich ihm jemals fügen würde, wenn er von einem Teil der hebräischen Presse käme. Alle diese Versuche, das sich ständig erweiternde Netz gemeinsamer Lebensinteressen zu zerreißen, müssen fehlschiaeen. Die natürliche Entwicklung wird ihren Weg finden. Dies gilt nicht nur für die Arbeiter beider Nationalitäten, es gilt auch für die Landwirte, und nicht nur in Zeiten von Heuschrecken- und Feldmäusegefahren; für Orangenpflanzer, und nicht nur unter dem Zwange des Fruchtschaudienstes der Regierung; es gilt auch für Handwerker, und nicht nur bei Demonstrationen gegen Bät'a; es gilt für die Studenten, deren beste nicht fremd aneinander voriinerleben, sondern das Nachbarvolk, seine Sprache, Kultur, Geschichte und Bestrebungen, kennenlcrnen wollen. Die einzige Frage ist, ob wir diese Entwicklung aktiv fördern und eine Gemeinschaft der Interessen und des Handelns in jeder ökonomischen und sozialen Sphäre ermutigen sollen oder nicht. Ich wünsche daher zu erklären, daß die neue Exekutive bereit ist, soweit es in ihren Kräften steht, diese Entwlcklung zu fördern und alle, die anständige und ehrliche Beziehungen in einem wahrhaft freundnachbarlichen Geist schaffen wollen, zu unterstützen- Wenn diese schwere Arbeit des Wiederaufbaus der ״zerstörten Gebiete“ des Vertrauens zwischen der britischen Administration und uns, und der geistigen Abrüstung zwischen unseren Nachbarn und uns, Früchte tragen soll, wir die Unterstützung des Jischuw für eil« politische Führung der Jewish Agency haben müssen. Wir wollen diese durch eine enge Zusammenarbeit mit dem Waad leumi sichern. In einer Hinsicht jedoch möchte ich meiner Arbeitsmethode eine besondere Eigenart verleihen: Ich möchte wünschen, daß die öffentliche Meinung des Jischuw in unserer politischen Arbeit mehr Gewicht erhält. Wenn in der Vergangenheit viele Anschauungen des Jischuw das Ohr der Regierung nicht erreichten, so liegt die Schuld daran teilweise bei der Regierung, die sich lange Zeit um die jüdische öffentliche Meinung und um alles nicht in englischer Sprache Geschriebene nicht kümmerte. Zugleich aber bin ich der Ansicht, daß ein Teil der Schuld bei unserer Presse liegt. Wenn unsere öffentliche Meinung im politischen Leben des Landes von Einfluß sein soll, dann müssen ihre Organe Beachtung und Respekt nicht nur bei ihren eigenen Abonnenten, sondern in allen Kreisen des Landes finden. Jede Nachricht, die sie bringen, sollte nachgeprüft und verläßlich sein. Ueberschriften müssen nicht unbedingt Sticheleien sein. Kritik ist gewiß nötig, aber sie sollte sich gegen Handlungen und nicht gegen vermutete Motive richten. Auch Anschauungen, die mit unseren nicht übereinstimmen, können auf ehrlicher Ueberzeugung beruhen. Richtige Maßnahmen und Handlungen verdienen Anerkennung und Würdigung, auch wenn sie von einem Gegner vollbracht wurden. Unsere Presse muß manchmal die Aufgabe auf sich nehmen, die äff entliehe Meinung zu erziehen und zu führen, anstatt immer sich von der Stimmung der Straße mitreißen zu fassen. Die Basis ihrer Politik sollte unser Programm in seinen weiten menschlichen Gesichtspunkten bilden, nicht aber kleinliche Nörgelei an Maßnahmen der Routine. Eine so geleitete Presse könnte nach meiner Meinung ein mächtiger Faktor im politischen Leben des Landes werden, und auf sie, ungeachtet ihrer Parteirichtung, würde ich mich mit Freude stützen. Die Vorgänge im Revisionismus Wir haben kürzlich über die Vorgänge im Lager der Revisionisten berichtet. Die Ereignisse haben nun eine neue Wendung genommen. Jabotinsky, der auf Grund eines Beschlusses der letzten Konferenz der Zionisten-Revisionisten in Basel als Präsident der Union der Zionisten-Revisionisten bis zur nächsten Konferenz der Union im Dezember d. J. ״beurlaubt“ wurde, hat plötzlich diesen Urlaub abgebrochen und sein Amt als Präsident der Union wieder übernommen. In einem Gesprach mit dem JTA.-Verlreter erklärte Jabotinsky, er habe dem Drängen seiner revisionistischen Freunde in Paris nachgegeben, die fürchten, es könne G r 0 ß m a 11 gelingen, die Mehrheit der Revisionisten in den verschiedenen Ländern für seinen Standpunkt zu gewinnen, so daß auf der Dezember- Konferenz der Revisionistischen Union sich eine Delegiertenmehrheit gegen eine Lostrennung von der Zionistisehen Weltorganisation und die Schaffung einer ״Unabhängigen Zionistischen Organisation“ Ergeben würde. Das soeben (auch in deutscher Sprache) erschienene Sonderheft des ״Rassviet“ enthält bereits einen Statuten entwurf für die U. Z. O. Interessant ist die Zweiteilung in ״Mitglieder“ und ,,Wähler“. Mitglieder können Revisionisten werden, die das Programm der U. Z. O. zur Gänze akzeptieren, sich der Disziplin unterordnen und bestimmte Verpflichtungen übernehmen. Ihre Wahl erfolgt in geheimer Abstimmung, also durch Baliotage. Wähler sind solche Personen, die sich vor Ausübung des Wahlrechtes schriftlich und ehrenwörtlich als Anhänger der Schaffung des Judenstaates bekennen. Das Statut sieht einen Kongreß, einen ständigen Rat und ein Exekutivkomitee vor. Die Teilnahme an den gesetzgebenden und Kontrollorganen der Zionistischen Organisation bleibt Vorbehalten, ohne daß dies ״als Teilnahme an der Verantwortung für die Tätigkeit dieser Organisation, oder für die Zusammensetzung ihrer Exekutive gedeutet werden könnte.“ Im Leitartikel tritt Jabotinsky mit Nachdruck für den Austritt der Revisionisten aus der Zionistischen Organisation ein. Die Debatte hierüber innerhalb des revisionistischen Lagers ist aber noch nicht geschlossen. — Unter den Revisionisten in Palästina hat sich eine Spaltung bereits vollzogen, wie aus einem im ״Doar Hajom“ erschienenen von mehreren Revisionisten Unterzeichneten Protest hervorgeht, der sich scharf dagegen wendet, daß der offizielle Merfcas der palästinensischen!Revisionisten den Anschein erwecken will, als ob alle palästinensischen Revisionisten für den Austritt aus der Zionistischen Organisation wären. In aller Kürze Die Palästina-Regierung hat an die Stadt T e [ - A w i w einen Brief gerichtet, worin das voraussichtliche Defizit der Stadt mit 7000 Pfund berechnet wird. Die Regierung ist bereit, für diese Summe zu garantieren, falls 75 » 0 der für öffentliche Arbeiten verausgabten 4500 Pfund durch neue Steuern hereingebracht werden. Diese Forderung der Regierung hat unter den Vertretern der bürgerlichen Parteien im Stadtrat eine scharfe Gegnerschaft gefunden. Wie ״Dawar“ meldet, wird die erste palästinensische Volkszählung vom 1.—15- Oktober, die zweite Zählung in der Nacht vom 18. zum 10. November vorgenoramen werden. Die Palästina-Regierung hat hierfür die Hilfe eines der obersten Beamten des statistischen Departments der ägyptischen Regierung gewonnen. Am 6. d■ M. hat in Krakau die Sitzung des Parteirates der Zionistischen Landesorganisation für Westkleinpolen undSchlesien stattgeiunden. Nach den Beratungen, welche den ganzen Tag dauerten, hat der Parteirat den Beschluß angenommen, der neugewählten Exekutive der Zionistischen Welt- Organisation die volle Unterstützung zu erteilen; ferner hat er seiner Befriedigung über die Gründung des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten Ausdruck gegeben Ein Friedensappell Gandhis Mahatma Gandhi hat während seiner Rehe nach London, kurz vor der Landung in Marseille, vom Schiffe aus folgenden Appell an alle Einwohner Palästinas gerichtet: ,Seit alten Zelten ist Palästina den Juden, den Christen und den Moslems heftig. Ich appelliere darum an alle Einwohner Palästinas, die Helligkeit und die Freiheit des Landes, die auf der Einigkeit aller das Land bewohnenden NatIonen gegründet ist, aufrechtzuerhalten. Haltet aufrecht den religiösen Geist des Landes, Ihr helft dadurch die Gleichheit und Gerechtigkeit für die Einwohner aller Länder zu begründen." Dieser Appell gewinnt um so mehr Bedeutung, als bekannt ist, daß sich auf dem gleichen Schiff wie Gandhi auch der Führer der indischen Mohammedaner, Schaukat Ali, befand, der, von Palästina kommend, in Aegypten eingestiegen war. Schaukat Ali brachte vorher einige Tage in Jerusalem zu und es scheint, daß er den jetzigen aktivistisch anti-englischen Kurs der arabischen Politik mißbilligte. Schaukat AU unterbrach die' Reise in Aegypten, um auf Gandhi zu warten■ Sicherlich hat er Gandhi über die Lage in Palästina informiert. Gandhi als Hindu ist zwar nicht so direkt wie Schaukat Ali mit den palästinensischen Arabern verbunden, aber er gilt auch ihnen als die symbolische Figur der Befreiung der asiatischen Völker und als der große Gegenspieler des europäischen Imperialismus. Gandhis Worte werden ihren Eindruck in Palästina nicht verfehlen. Sie werden von all denen begrüßt werden, die glauben, daß ohne Herstellung des inneren Friedens der Fortschritt der palästinensischen Entwicklung immer wieder gehemmt sein wird. Gandhis Anwesenheit in London wird, wie wir hören, von verschiedenen Seiten benützt werden, um ihn für eine Stellungnahme zur Palästinafrage zu bewegen. Alle Versuche, ihn antizionistisch zu beeinflussen, sind bisher vergeblich geblieben, in London will auch eine zionistische oder englischprozionistische Deputation mit ihm in Fühlung treten. Gaiidlii - Literatur Die Ankunft von Gandhi in London ist ein Ereignis von symptomatischer Bedeutung für unsere Zeit. Nicht nur die respektvolle Art und Weise, wie dieser Revolutionär, der im Grunde auf die Losreiß ung des gewaltigsten englischen Kolonialbesitzes von England hinarbeitet, in London empfangen wurde, nicht nur die politischen Konsequenzen seines Besuches und der bevorstehenden Indien-Konferenz verdienen die größte Beachtung der ganzen Welt, sondern auch die Eigentümlichkeit des historischen Momentes, da sich die Repräsentanten zweier Welten gegenübertreten, Gandhi als bewußter Träger des religiös-kontemplativen, unaggressiven Geistes Asiens auf der einen Seite, auf der anderen Seite die Vertreter des englischen Weltreiches, das sich noch bis vor kurzem als eine HerrCurasse mit der Mission, die Welt durch die Segnungen der ״guten Verwaltung“ zu erlösen, gefühlt hat. Für uns Zionisten, die, aus Europa kommend, das Judentum wieder in Asien an seiner westlichsten, Europa zugekehrten Stelle verankern wollen, ist diese Begegnung von Ost und West gewiß nicht gleichgültig. Eine Vertrautheit mit der Persönlichkeit Gandhis wird manchem Europäer gerade in dieser Zeit der europäischen Kultur- und Wirtschaftskrise manches geben können, wenn man auch nicht in den Literatenfehler verfallen darf, dem Abendland die blinde Nachahmung orientalischer Methoden und Lebensformen zu empfehlen. LJnter diesem Gesichtspunkt ist*! auf die in deutscher Sprache־ erschienene Gandhi-Literatur hinzuweisen, wovon insbesondere drei Bände von Gandhis eigenen Schriften im Rotapfel-Verlag, Zürich, zu nennen wären, dazu kommt die Gandhi-Biographie von Romain Rolland und ״Das indische Apostolat“ von Hans Prager in demselben Verlag. Besonders reizvoll ist ein kleiner Band ״Die Gandhi-Revolution“, der im Verlag Wolf gang Jeß in Dresden von Fritz Diettrich herausgegeben wurde (215 Seiten, leider viele Druckfehler, 3,50 M.). in der Einleitung dieses Buches wird gesagt, daß dieser ״Verkörperer Asiens durch sein ureigenes Beispiel eine geistespolitische und religiöse Bewegung hervorrief, wie sie seit der Ausbreitung des Christentums die Menschheit nicht bewegt hat“. Das Buch enthält eine Reihe von Aufsätzen, von denen hier nur einige erwähnt werden können, etwa Leonhard Ragatz ״Die Bergpredigt und die Politik“, Prof. Oskar Ewald ״Der Politiker des Geistes“, Prof. Birukoft ״Gandhi und der Toi- 'stoiismus“ usw. John Hayn es Holmes, von dem erst kürzlich in dieser Zeitung die Rede war, sollte freilich nicht als ״amerikanischer Minister“ bezeichnet werden, ein peinlicher Uebersetzungsfehler, denn das englische ״Minister“ bedeutet soviel wie Pastor. Auch eine Reihe jüdischer (bzw. zionistischer) Autoren haben an dem Buch mitgearbeitet, z. B. Dr. Franz Kob [er ״Gandhis Verhältnis zur abendländischen Friedensbewegung“, Prof. Theodor L e s s i n g ״Gewalt und Liebe“, und schließlich der für Leser dieser Zeitung interessanteste Beitrag ״Gandhi, die Politik und wir“ von Martin Buber. Buber bezeichnet Gandhis Tragik als die dein prophetischen Menschen eigentümliche: Sie liegt in dem Versuch, die Religion in die Politik einzuführen, während das moderne Abendland auf der sanktionierten Entzweiung von Politik und Religion beruht. Indem Buber die Legitimität des ״religiösen Mittels“ in der Politik verteidigt, lehnt er doch jene Uebertreibungen ab, die die gesamte moderne Zivilisation verdammen. Diese Zivilisation wird das Abendland nicht aufgeben, das Morgenland wird sich ihr nicht verschließen können. ״Aber gerade das Werk der Bewältigung dieses Materials, der Durchmenschlichung dieser Dinglichkeit, der Heiligung dieser unserer Welt, wird beide zusammenführen, indem sie den Bund der wirkliehkeitsfreuen Menschen hüben und drüben stiftet.“ Damit ist eine Perspektive gekennzeichnet, innerhalb derer vielleicht auch das Judentum unserer Tage einen Platz beanspruchen kann. I. Hatta als Verkehmentrora Mitte Oktober wird eine neue Luftverkehrslinie des enghsch-indischen Dienstes in Betrieb gesetzt, die direkt von Athen nach Haifa führen wird. Bisher geht die Fluglinie von Athen über Kairo-Gaza. Nunmehr soll sie von Athen durch Wasserflugzeuge direkt nach Haifa gehen. Dadurch wird die Bedeutung von Haifa als Verkehrsknotenpunkt neuerlieh hervorgehoben. Die Fluglinie von England nach Aegypten bleibt gleichfalls bestehen, ebenso die Linie von Aegypten nach Palästina. Aber das Zentrum dieses Netzes wird von jetzt ab nicht mehr in Kairo, sondern in Haifa liegen. Auf diese Weise wird die Luftpost von London bis Karachai sechs Tage brauchen. Der Flugverkehr von Britisch-Ostafrika Kenya über Aegypten, Haifa, Bagdad nach Indien wird acht Tage in Anspruch nehmen. — Dieser Tage ist ein Vertreter der Imperial Airways in Haifa eingetroffen, um das Terrain für einen geeigneten Flughafen auf dem Boden der Haifa B a y (der bekanntlieh im Besitz des Nationalfonds Ist) zu studieren.

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