Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 69 (4.9.1931)
- Date
- 1931-09-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Stite 432 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. m, 4. ix.!«31 Arbeiterpartei, setzt über den Bericht über die entscheidende Versammlung der Arbeiterpartei unter den zahlreichen lieber* schritten, mit denen die englischen Zeitungen ihre Vcröffentlichungen zu versehen pflegen, den Satz ״Only orte M. P. Back Bencher for tlte Government“, und erst im Text erfährt man, 11m wen es sich handelt. Malcolm Mac Donald ist nicht nur ein zärtlicher Sohn, er ist auch ein treuer und ergebener Mit* arbeiter seines Vaters, der ihm in vielen Angelegenheiten die Bürde seines Amtes tu erleichtern versuchte. Es ist allgemein bekannt, daß Malcolm bei den Verhandlungen über Palästina eine nicht unwichtige Rolle gespielt hat, indem er den Kontakt zwischen Weizmann und dem vielbeschäftigten Primeminister aufrecht erhielt und auch in dem zur Prüfung der PalSstinafragb eingesetzten Kabinett-Komitee als Sekretär wertvolle Dienste leistete. Außer Malcolm MacDottald hat bei der Sitzung der Arbeiterpartei nur Lord Sätikey die Politik der MacDonald-Gruppe verteidigt, der, wie es in dem Berichte heißt, mit lebhaftem Applaus empfangen wurde, ״als An* Erkennung für seinen Mut, der Sitzung beizuwohnen״. Zum Führer der Partei und damit der parlamentarischen Opposition ist Arthur Henderson gewählt; er ist also der präsUttiptive Ministerpräsident einer künftigen Arbeiterregierung. Vom zionistiSehen Standpunkt wäre darauf hinzmveisen, daß Henderson seit Jahren ein ergebener Freund und Anhänger der zionistischen Sache ist, der schon lange bevor er Minister war, in engem und zum Teil freundschaftlichem Kontakt mit den Poale Zion stand. Es wird immerhin eine Art Pikanteric sein, wenn irn Unterhaus dem Prinleminister MacDonald sein Freund Henderson als Führer der Opposition gegenübertreten wird, öb sich dieser anormale Zustand lange halten kann, wird von vielen bezweifelt. MacDonald, der offenbar in seiner Ministerzeit den Kontakt mit seiner eigenen Partei völlig verloren und sich etwas zu sehr egozentrisch auf sich selbst verlassen hatte, sieht sich, von ihtn selbst unerwartet, einer Situation gegenüber, die an seine Nerven schwere Anforderungen stellen wird. Denn auch innerhalb des neuen Kabinetts wird er genug zu kämpfen haben, sofern er nicht seine ganze Tradition aufgeben will. Was vom Gesichtspunkt der Paiästinäpolitik zu der Zusammensetzung der neuen Regierung zu sagen ist, wurde in der ״Jüdischen Rundschau“ vom 28. August bereits Zutreffend ausgeführt. Der neue Kolonialminister Thomas ist in seinem Charakter und Wesen eine ganz andere Figur als sein Vorgänger Lord Passfield. Während Sidncy Webb als Altmeister der Fabier urtd als der Lehrer einer ganzen so* riafistisdven Generation verehrt Wird, ist Thomas weniger ein wissenschaftlicher als «in praktischer Kopf und ein beweg- Wehes politisches Temperament. Man glaubt, daß er in manche« gerade jetzt zur Entscheidung stehenden Palästinafragen «fne etwas andere Haltung einnehmen wird als Passfield »nd Midi de« Jüdischen Argumenten mit weniger Mißtrauen gegenüherstcht. Ist dach Passfield« Haltung, wie an dieser Steife bereits vor längerer Zeit ausgeführt wurde, in der Hauptsache darauf rurückzuführen gewesen, daß für ihn der Grundsatz eines immer wachsenden Selbstbestimmungsrechtes auch der Koloniaivßlker oberste Richtlinie war und er auch Pihästsina in dieses Schema hineinzwängte. Am deutlichsten wigt. «ich dieses Prinzip heute in Ostafrika, wo die britische Zentralregierung die Interessen der Eingeborenen gegen eine die Herrschaft anstrebende britische Kolonisteus4lijW vertekügt. Schon der sfoddeonservative Duke of bevonshire hat als Kolonlalminister im Jahre 1923 das Wort von der ״Paramwintcy* (Vorrangs-Stellung) der Eingeborenen-! nteressen geprägt; um wieviel mehr glaubte Webb, der ein ganzes Leben lang für solche Gedanken gekämpft hat, in seiner Amtsführung sich daran halten zu müssen. Für ihn nun lag der Faß in Palästina so, daß der ansässigen arabischen Bevölkerung die ״Paramount Cottsideratton“ gilt, der gegenüber alles andere, also auch die jüdischen Ansprüche, in die zweite Reihe rückten. Von dieser Haftung war Lord Passfield nicht abzubringen. Wenn man die Artikelserie Über Ostafrika gelesen hat, die im vorigen Monat die konservative ״Times" aus der Feder eines Rhades-Stipendiaten veröffentlichte, dann versteht man leichter, worum es hier geht. Und die Erkenntnis, daß es sich in Palästina um einen grundsjtzlich anders gelagerten Fall handelt, Ist im Colonial Office unter Passfield nicht durchgedrungen. Hier liegt noch eine große Aufgabe der zionistischen politischen Arbeit. Es geht darum, die Einzigartigkeit der Judenfrage und des Palästinaproblems ins öffentliche Bewußtsein zu bringen. Man muß freilich auch sagen, daß durch manche 1m Colonial Office vorliegende Berichte über die in manchen jüdischen Kreisen herrschende Auffassung der jtidisch-arabisehen Beziehungen die Neigung, Analogien mit Ostafrika und anderen Kolonialländern zu ziehen, unterstützt wurde. Vielleicht kann gerade während der Amtsdauer der jetzigen Regierung, der zwei Juden angehören, diese Arbeit einer Aufklärung über die Eigenart der Judenfrage verstärkt werden. Männer wie Lord Reading und Samuel sind mit den Tatsachen und — wenn man so sagen darf — mit dem Pathos der Judenfrage einigermaßen vertraut. Sie können zwar in ihrer jetzigen Stellung keine jüdische Propaganda machen, aber ihr Wort kann vielleicht hilfreich sein, wo es darum geht, Mißverständnisse zu klären. Besonders hilfreich wäre freilich ein zionistisches Programm, dessen Konzeption von vornherein jede Mißdeutung in bezug auf die Stellung zur ansässigen Bevölkerung ausschlösse. Aber wir wollen an dieser Steile nicht in innerzionistische Streitfragen eintreten. Die Frage der ״Junior-Ministers“, d. h. der Unterstaats- Sekretäre und parlamentarischen Sekretäre der einzelnen Departments, ist noch nicht gelöst. Sämtliche bisherigen Funktioniire haben auf MacDonalds eigenen Rat mit Rücksicht auf die Haftung der Arbeiterpartei, ihre Stellungen aufgegeben, so daß eine Neubesetzung erforderlich wird. Damit ist auch Dr. Shiefs, der bisherige Unterstaatssekretär des Kolonialamtes, ausgeschieden. Für die Neubesetzung der Aemter stehen Mitglieder der Arbeiterpartei kaum zur Verfügung — wieder mit einer einzigen Ausnahme: Malcolm MacDonald. Ueber ihn schreibt die ״Times*‘ heute: ״In Anbetracht der Arbeit, die er hinter den Kulissen der FIotten-Konferenz, der Reichskonferenz und anderer Konferenzen geleistet hat, ist es wahrscheinlich, daß er einen der Juniorenposten erhalten wird.“ Gerüchtweise verlautete, daß er Unterstaatssekretär für die Kolonien werden soll. Man muß jedoch die tatsächliehen Ernennungen abwarten. Es heißt letztens, daß unter der Labour-Iiiteiligen/, sich Anhänger MacDonalds zu meiden beginnen, so daß hier auch mögliche Kandidaten für Junioren- Plätze auftauchen können. Was Mr. Craigie A i t c h i s o n , den bisherigen Lord Advocate für Schottland, betrifft, der in dem Kabinett-Komitee bei der Erörterung der Palästinafrage so wichtige Dienste geleistet hat. berichten die Zeitungen heute, daß er seinen Posten behalten wird. In einem Telegramm tn den Primeminister teilt er mit, dt& er titelt eingehender Ueberlegung beschlossen habe, die ״nationale Regierung“ zu unterstützen. In ihm behält also die Regterung eine Persönlichkeit, die mit dem Palästinaproblem eng vertraut und für den MacDonald-Brief mitverantwortlich ist Dies ist vom zionistischen Standpunkt sicherlich nicht ohne Bedeutung. Schon in den nächsten Tagen wird sicfi zeige«, ob für die unmittelbaren Palästinafragen der Regierungswechsel Folgen haben wird. Wichtiger vielleicht «och ist die Politik auf lange Sicht, die freilich nicht nur von der Regierung und ihrem guten Willen abhängt, sondern auch von einer ganzen Reihe anderer Faktoren. Einer dieser Faktoren ist die Aktiv!• tfit der Juden in Palästina und die allgemeine Haltung der zionistischen Bewegung. Brief aus Polen Der neue Präildent der jiidliehen Gemeinde Wartehau. — Die Notlage der jüdischen Bevölkerung. — Das Schulwesen bedroht. Von unserem Korrespondenten. •g. Warschau, 28. August. Heute erfolgte endlich die staatliche Bestätigung der bereits vor zirka zwei Monaten vorgenommenen Wahlen des Präsidiums des Vorstandes und Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde in Warschau. Wie bekannt, ergaben die im Juni vorgCnommenen Wahlen zur Jüdischen Gemeinde in Warschau für keines der zwei Hauptlager — Zionisten und Agudah — eine absolute Mehrheit. Das Zünglein an der Waag« bildete eine kleine, aus einigen Mitgliedern bestehende Gruppe der Folkisten und der sogenannten Unparteiischen. Die Folkisten haben, ähnlich wie in Lodz, im Wege einer geschäftsmäßigen Transaktion, trotzdem sje sich im Wahlkampfe als Anhänger einer weltlichen, fortschrittlichen usv. Gemeinde gebärdeten — einen Pakt mit der Agudah abgeschlossen. ■Mit der Hilfe der Folkisten gelang es nun der Agudah, bei den Vorstandswahkn den bisherigen Vorsitzenden Farbstein zu stürzen. Die opportunistische Handlung der Folkisten, denen sich auch ein Abtrünniger unter den Zionisten — aus persönlichen Gründen — aJiscllIoß, rief ungeheuere Empörung beim Großfeil der jüdischen Bevölkerung hervor. Man erwartete logischerweise, daß die Agudah ihre so gefestigte Stellung dazu benützen werde, einen ihrer Führer mit dem Vorsitz in der Jüdischen Gemeinde zu betrauen. Es war zwar bekannt, daß die Agudah keine Persönlichkeit vom Range Farbsteins besitzt, Immerhin hätte aber eine solche Wahl mit einer gewissen Ruhe aulgenommen werden können. Es geschah aber etwas Unerwartetes. Die Agudah, scheint’?, von allen guten Geistern verlassen, designierte für dieses repräsentative und verantwortungsvolle Amt einen bisher völlig in der Oeffentiichkeit unbekannten Mann. Sogar im Bezirke der Philanthropie war Herr EliMazur — so lautet sein Name ule 7.u sehen. Herr Mazur gehört erst seit einigen Monaten der Agudah-Partei an, er ist aber reich, und man soll ihm das Amt gegen eine ansehnliche materielle Kompensation überlassen haben. (Es verlautet, für eine Summe, die den Großteil der Wahiausgaben der Agudah deckte.) Die überaus starke, beinah* über die Hälfte der Mandate verfugende zionistische Opposition, Titirter welcher־ def über-‘ wiegend* Teil der Bevölkerung, äüch der politisch nicht interessierten Kreise, stand, gab ihre Empörung über die Handlung der Agudah — die einer Provokation gleichkommt — energisch kund. Die Regierung hat mit der Bestätigung dieser Wahl lange Zeit gezögert, da es auch ihr nicht gleichgültig ist, wer an der Spitze der größten jüdischen Gemeinde Polens, einer Öffentlich-rechtlichen Körperschaft, steht und nötigenfalls bei verschiedenen Anlässen im in- und Auslande repräsentative Funktionen wird ausüben müssen. Aber einmal ins Schlepptau der Agudahpolitik gezogen, mußte die Regierung dem Drängen der Agudahführer (von denen viele in Wirklichkeit diese Wahl verurteilten) nachgeben, und Herr Mazur zog endlich in die jüdische Gemeindlestube ein. Die Agudah tat gut, daß sie noch vor der Installation des Herrn Mazur ihre Auslandsbesucher nach Polen brachte. Prominente Führer der Agudah aus dem Auslande, vornehmlich aus Deutschland, besuchten während des Sommers verschieden« Anstalten und Institutionen der jüdischen Orthodoxie In Polen. Es ist nicht zu bestreiten, daß auf manchen Gebieten, so z. B. dem des Schulwesens, die Agudah recht Ersprießliches in den letzten Jahren geleistet hatte, was sicherlieh zur Erhaltung des Judentums oeizutragen geeignet ist. Und würde sich die Agudah auf dieses und ähnliche Gebiete beschränken, Gott und Thora nicht zum Objekt und Vorwand der Politik machen, dann hätte die Agudah eine nützliche Rolle im polnischen Judentum spielen können, ihre Führer gebärden sich aber in allen» sehr weltlich und erstreben die Hegemonie auf sämtlichen Gebieten, als Volksbeglücker der jüdischen Massen auftretend. Das ist ihnen aber, trotz der entente cordiale mit der gegenwärtigen Regierung, nicht gelungen. Die Juden Polens befinden sich in einer solch verzweifelten Lage, daß sie zu keiner Politik mehr Vertrauen haben. Politik bringt ihnen keine Nahrung und sie haben schwere Sorge ums tägliche Brat. Die wirtschaftliche Krise hat bereits ausnahmslos sämtliche Schichten der polnischen Judenheit erfaßt. Jüdischer Reichtum zerrinnt unter den Augen, jüdische Unternehmungen gehen 2ugrunde, Handel und Handwerk geben den Juden keine Existenzmöglichkeit mehr, der jüdische Arbeiter und Intellektuelle sind arbeits- und beschäftigungslos. Not und Elend schleichen sich in solche Familien ein, die noch vor einem Jahre anderen reichlich helfen konnten. Die Ursachen sind bekannt und wurden hier mehrfach besprechen. Die Lage der nichtjüdischen Bevölkerung ist ebenfalls sehr schwer, es ist aber zu beachten, daß der Großteil derselben aus Bauern und Landwirten besteht, die zwar auch unter der allgemeinen Krise leiden, immerhin aber einen festen Stützpunkt in der Scholle besitzen. Ferner findet ein ansehnlieber Teil der polnischen Gesellschaft, insbesondere die Jugend und die Intelligenz, Beschäftigung beim Staate und der Kommune. Staatsbeamte klagen zwar auch infolge der reduzierten Gehälter, aber auch sie haben ein, wenn auch manchmal erbarmliches, festes Existenzminimum. Dagegen ist die Lage der jüdischen Jugend nicht mehr zu ertragen. Es hat sich in Polen ein akademisches Proletariat unter den Juden angesammelt, das hoffnungslos nach Beschäftigung ausspäht. Die Staats- und Kommunalinstitutionen sind für sie vollständig gesperrt, im Handel und Industrie haben sie gegenwärtig nichts zu suchen und die akademischen Berufe sind überfüllt. Das Häuflein jüdischer Industrieller in Polen klagt ebenfalls über ihr bitteres Los. Während ihre nichtjüdischen Berufsgenossen staatliche Hilfe, Kredit, Steuererleich־ terungen usw. genießen, sind die jüdischen Industriellen auf sich selbst angewiesen und werden vom Staate aufs rigoroseste behandelt. Zwei bekannte Industrieunternehmungen m Polen, die größten hier in ihrer Art, die ״Widzew’er Manufaktur“ in Lodz (Inhaber Oskar Kohn) und die Gummifabrik ״Pepege“ In Grauderiz (Inhaber Gebrüder Halperin), welche viele Tausende Arbeiter beschäftigen und sich große Verdienste um die polnische Industrie erworben haben, sind in große Zahlungsschwierigkeiten geraten und wurden sogar in Strafpfozesse Verwickelt. Während so die ganze jüdische Bevölkerung depossediert und pauperisiert ist, müßten natürlich die groß*« Hilfsorganisationen, die in Polen auf allen Ge- Meten des jüdischen Lebens bestehen, mit desto stärkerer lntensität ihre Tätigkeit aufnehmen, um den Armen, Waisen, Kranken, Lumpenproletafiern zu helfen. Es ist nun die T r a - gödie des polnischen Judentums, daß es in dieser Notläge nicht mehf in der Lage ist, mit eigenen Mitteln die für die soziale Hilfe nötigen Fonds zu!»schaffen, und aus bekannten Gründen fließen leider auch die Zuschüsse aus dem Ausland Immer spärlicher ein. An der Schwelle des Winters richten soeben diese Hilt's- Organisationen einen Verzweiflungsschrei an die polnischen Juden, gerade im gegenwärtigen Augenblick in der sozialen Bereitschaft nicht zu erlahmen. Dieser Appell wird allent* halben als gerechtfertigt anerkannt, es ist aber sehr zweifeihalt, ob beim besten Willen viele ihm werden Folge leisten können. Ueberaus traurig ist die Lage der jüdischen Schul- Institutionen aller Schattierungen. Das hebräische und jiddische Schulwesen kämpft seit jeher schwer um seine Existenz, zumal diese Schulen meistens Kinder aus den ärmsten Volksschichten besuchen. Die Schulen hielten sich bisher über Wasser nur dank dem Idealismus und der Opferbereitsehaft der Lehrerschaft, ln diesem Jahre hat sich aber die Situation bedeutend verschlimmert und man ist hier um das Fortbestehen sämtlicher jüdischer Schulen und Biklungsinstitutionen sehr besorgt. Das syrische Mandat Anläßlich des Erscheinens des Protokolls der letzten Sitzung der Mandatskommission weist die französische Presse darauf hin, daß nach dem Bericht des französischen Vertreters in der Mandatskommission derartige Fortschritte in Syrien und Libanon zu verzeichnen seien, die cs gestatten, den Augenblick ins Auge zu fasten, wo die Be- Ziehungen zwischen Frankreich und Syrien sowie dem Libanon auf eine dem erreichten Entwicklungsgrade gemäße Vertragsbasis gestellt werden können. Dazu schreibt der ״Matin“, daß zwischen Syrien und dem Libanon ein ähnlieber Bündnisvertrag wie zwischen England und dem Irak geschlossen werden soll. Nach dem Abschluß der Vorhandhingen des französischen Oberkommissärs Ponsot in Syrien sollen Wahlen zum syrischen Parlament ausgeschrieben werden. Von amtlicher Seite wird freilich die Nachricht von der bevorstehenden Aufhebung des Mandates dementiert. Diese Nachricht dringt seit Monaten immer wieder ans Licht, man sprach bekanntlich auch bep-its von der Besetzung des syrischen Thrones mit Ali, dem Bruder Fcisals und Abdallahs. König Feisal kam vor zwei Wochen nach Paris. Die syrische Frage hängt auch mit der Irak-Petroleumfrage (Pipe Line) zusammen. Sollte die Aufhebung des syrischen Mandates in absehbarer Zeit Verwirklichung finden, dann würde lediglich P a - last! na den Charakter eines A-Mand a t sgebietes tragen. Den französischen Plänen in Syrien wird aber besonders von Italien Widerstand entgegengesetzt, weil dtjgjch. .■Entlassung Syriens Ml#«.dem Mani,atsv.erhältnis:.unddurchל den Abschluß eines, französisch-syrischen Bündflisverträges die übrigen Völkerbundsmächte des Meistbe günstigungsrechtes in Syrien und dem Libanon verlustig gehen würden. Aas dem Lager der Revisionisten Der Riß innerhalb der revisionistischen Partei scheint noch nicht geheilt, vielmehr deuten manche Anzeichen darauf hin, daß er sich in der letzten Zeit erweitert hat. Bekanntlieh ist auf dem letzten Kongreß nicht nur Weizmann gestürzt worden, sondern auch Jabot ins ky ist als Präsident der revisionistischen Partei zurückgetreten bzw. ״bis zur nächsten Weitkonferenz beurlaubt“ worden. Es ist kein Geheimnis, daß Jabotinsky und seine Freunde für die Gründüng einer ״Unabhängige« zionistischen Organisation“ außerhalb der gegenwärtigen Zionistischen Organisation eintreten. Die große Mehrheit der revisionistischen Fraktion auf dem Kongreß war anderer Meinung. Kürzlich hat, wie wir berichteten, eine Versammlung der Revisionisten in Paris Be- Schlüsse gefaßt, die sich für Jabotinskys Programm aussprechen. Die Pariser Revisionisten sind eine Gruppe ehemals russischer Zionisten, die in Paris auch ihr Organ ״Raswiet“ in russischer Sprache herausgeben. Es ist gewissermaßen der engere Kreis Jabotinskys. Daher ist es auch außerhalb der revisionistische« Kreise von Interesse, daß der eigentliehe gegenwärtige Führer der Revisionisten, Meir Großman, in einem sehr langen Artikel seines jiddischen Organs ״Der naier Weg“ (London) vom 30. August gegen die Pariser Beschlüsse zu Felde zieht. Großman weist entgegen den Behauptungen seiner Pariser Parteifreunde darauf hin, daß die Taktik der revisionistischen Partei auf dem Kongreß ganz einheitlich gewesen sei und erklärt, daß die revisionistische Union auch schon bisher eine ״selbständige politische Tätigkeit“ entfaltet bat, so daß die von der Pariser Gruppe erhobene Forderung nach weiterer Selbständigkeit sinnlos wäre, wenn sie nicht die organisatorische Loslösung vom Zionismus meint. Was schließlich den Wunsch betrifft, Jabotinsky möge seinen Urlaub unterbrechen und wieder die Führung übernehmen, so betont Großman, daß erst durch diese Pariser Resolution der Urlaub Jabotinskys, der auf rein persönlichen Ursachen beruhte, einen politischen Anstrich bekommen habe. Es sei völlig unrichtig, daß Jabotinsky ein Mißtrauensvotum bekommen habe. Großman versucht also, indem er sich naiv stellt, die durch die Pariser Revisiojiisten-Versamiuliing bestätigte Tat- Sache des Konfliktes zwischen Jabotinsky und den anderen revisionistischen Führern zu verschleiern. Wir haben keinen Anlaß, uns in diese Kontroverse hineinzumischen. Es wäre höchstens hinzuzufügen, daß sich in zionistischen Kreisen hartnäckig Gerüchte erhalten, wonach die gegenwärtige revisionistische Mehrheit mit Persönlichkeiten aus anderen zionistischen Gruppen, die auf dem Kongreß mit den Revisionisten zusammengingen, also vor allem mit einzelnen Persönlichkeiten der Gruppe B der Allgemeinen Zionisten und der Radikalen, wegen B i I - düng einer neuen Partei verhandeln. Diese neue Partei, deren geistige Führung bei den Revisionisten liegt, soll organisatorisch eindeutig innerhalb der Zionistisehen Organisation stehen, während man es dann der heutigen Minderheit mit Jabotinsky an der Spitze überlassen will, aus der Organisation auszutreten. Wir können diese Gerüchte über eine beabsichtigte Umgruppierung nur mit aller Vorsicht verzeichnen, da zweifellos die Dinge viel zu sehr in» Fluß sind, als das man irgendwelche Voraussagen machen könnte.