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Jüdische Rundschau · 1931-08-28 · Heft 67 (28.8.1931) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 67 (28.8.1931)
Date
1931-08-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 412 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 67, 28. Vm. 1031 war zu dieser Erkenntnis ringt er sich erst später durch. Den abhanden gekommenen Sinn des Lebens wird erst die kommende Generation wieder ergreifen. Das war seine letzte Ucberzeugung. Also eine Art Fristverlängerung für die Rcchcnscliaftsablegung, eine Vertagung des Gerichts* tags. Was dem lebenden Geschleckte, dem ״Geschlecht der Wüste" zu tun übrig bleibt, ist die Sorge um die kommende Generation, die die abgerissene Kette der Geschlechter wieder schlichen soll,!)aber die grenzenlose Liebe Brenners mm Kinde (nicht mir zum eigenen), jenem Kinde, das Hand in Hand mit seinem lebensstarken Großvater (den Vater hat folgerichtig sein Schicksal frühzeitig hinweggerafft) dornengekrönt ״auf der Wacht des Lebens“ steht. Es gibt für den Brenner-Helden dieser versöhnlicheren Epoche keinen tröstlieheren Satz als den: ״hajeled jeschno“ - ״das Kind ist da“, selbst wenn dies Kind, wie in seinem Roman ״Aus der Bedrängnis", zum körperlichen Erzeuger einen ״Goj“ hat. Brenner-Menuchin wird ihm zum geistigen Vater, damit an ihm sich erfülle, was seinem Vater und dessen Geschlechtc versagt geblieben war: den Sinn des Daseins wieder zu finden, die Kette der Geschlechter zu schließen. Sokolow an die amerikanischen Jaden Der Präsident der Zionistischen Organisation, Herr Nahum Sokolow, übermittelt uns den englischen Text einer Botschaff, den er zur Vorbereitung seiner amerikanischen Reise als eine Rösch Haschaiiah-Botschaft an das amerikanische Judentum gerichtet hat. In dieser aus St. Moritz, 21. August, datierten Kundgebung heißt cs u. a.: ״Es ist kein Fremder, der sich an Euch wendet. Mit Freude gedenke ich der glücklichen Tage, die ich unter Euch zugebracht habe, mit Dankbarkeit der herzlichen Aufnahme, die Ihr mir bereitet habt. Ihr wäret die Gastfreundschaft selbst. Meine Aufgabe war es, Euch zu bewegen, daß Ihr den Pflichten, die der Aufbau Erez-Israels Euch auferlegt, mit Glauben, Mut und Opferbercitschaft nachkommt Stets war mein Erfolg vollkommen. Ihr wäret die unbewußten Werkzeuge des Schicksals bei der Rettung von Millionen unseres Volkes. Ihr habt das größte Zentrum jüdischen Lebens und jüdischer Tätigkeit in der Diaspora, und alle großen Wohlfahrtseinrichtungen der Diaspora hängen von Euch ab- Ihr seid der wichtigste Faktor beim Aufbau des Landes unserer ruhmreichen Vergangenheit und unserer großen Zukunft. Während meiner verschiedenen Besuche lernte ich Eure Seele verstehen. Ich begriff, daß Euer Materialismus nur an der Oberfläche liegt und in der Tiefe wahrer Seelenadel schlummert; daß Eure Größe nicht in fnomentaue« ökonomischen Erfolgen oder Mißerfolgen besteht, sondern daß Eure Gesinnung, Euer Charakter, Millionen jüdischer Herzen Eure Größe und Hingabe beweisen. Heute appelliere Ich an Euch um sofortige aktive Mitarbeit. Wir stehen vor der schwersten Alternative, die eine kritische Situation einem kämpfenden Volke bereiten kann: Sein oder Nichtsein, Existenz oder Vernichtung. Nicht eine Minute zweifle ich, daß Ihr mit Entschiedenheit den Gedanken der Vernichtung zurückweiscn und Euch für Leben und Arbeit entscheiden werdet. Vor uns steht die neue und dringende Aufgabe, außer dem Keren Hajessod noch einen Notstands -Fonds von 100000 Pfund aufzubringen. Es ist die Pflicht aller Zionisten und Juden, uns in freigiebiger Weise sofort mit diesen Mitteln zu versehen. In den ärmsten Lindern, *die dnrd» die jetzige Krise so schwer betroffen wurden, hat die Arbeit für diesen Fonds bereits begonnen und bereits Früchte getragen. Ihr müßt bedenken, daß, wenn Ihr uns Eure ununterbrochene Unterstützung leiht, wir imstande sein werden, eine neue Acra großer Tätigkeit zu eröffnen und unsere Arbeit in Palästina auf eine dauernde feste Basis zu stellen.“ Der Präsident schließt seine Botschaft mit einem eindringlichen Mahnruf zur Einigkeit. Wenn der Feind vor den Toren steht, müssen innere Streitigkeiten ruhen. Alle müssen sich zu sofortiger Zusammenarbeit vereinigen. Mandatskommission and Petitionen Genf, 27. August. (J.T.A.) Gemäß ihrem soeben ver• öffentlichten Schlußprotokoll zu den Beratungen ihrer Juni- Tagung nahm die Mandatskommission auch Stellung zu den Memoranden der Arabischen Exekutive und der J e w i s h Agency. Bezüglich der arabischen Petition, in der die Annullierung der Balfour-Deklaration, die Einsetzung einer einem Parlament verantwortlichen Regierung in Palästina, das Verbot der jüdischen Einwanderung und der Uebertragung arabischen Bodens in jüdischen Besitz, sowie eine Konzession auf das Hufegebiet gefordert werden, erklärte die Kommission, daß sich eine gesonderte Beantwortung dieser Petition erübrigt, da die in ihr berührten Fragen bereits anläßlich der Beratung des Berichtes der Palästina-Regierung für das Jahr 1930 behandelt wurden. Bezüglich des Memorandums der Jewish Agency über die Behandlung des Sir John Hope Simpson zur Verfügung gestellten Materials, sowie bezüglich Leonard Steins Antwort aut das britische Weißbuch und Weizmanns persönliche Erklärung zum MacDonald-Brief gelangte die Kommission zu dem Entschluß, daß weder das Memorandum, noch seine Beantwortung durch die englische Regierung irgendwelche Empfehlungen an den Völkerbundsrat erforderlich erscheinen lassen. Neujahrs-Grüße ans and für Palästina Mit dem Herannabeii der hohen Feiertage hat die ziom'stische Propaganda- und Sammeltätigkeit an der ganzen Arbeitsfront wieder eingesetzt und es werden überall die Haussammlungen für die Glück wünsch- Ablösung des KKL vorbereitet. Ueber 80 Orte sind bis heute angemeldet, in den meisten Orten trifft man Maßnahmen, um einen möglichst breiten Spenderkreis zu erfassen. Der KKL hat in diesem Jahre aus Ersparnisgründen von der Herausgabe neuen Propagandamaterials, das sonst zu Rosch Haschanali in großen Mengen verbreitet wurde, abgesehen, selbst Saminelblocks, die in anderen Jahren jedesmal in neuer Ausführung herausgebraclit wurden, sind in diesem Jahr nicht neu gedruckt worden. Man verwendet an ihrer Stelle altes und für diese Aktion nur besonders gekennzeichnetes Material. Dafür erregt überall der neue T a s c 11 e 11 W a I e n d c r Freude, er ist zum erstenmal in Palästina gedruckt und sehr gut ausgefallen. Hoffentlich wird auch die diesjährige Sammlungr den großen Schwung der früheren Neujahrs-Aktionen bringen, und wenn ihr Ergebnis infolge der Wirtschaftskrise auch wahrst!’rinlich der sonstigen Summe von ca. 60000 M. nicht nahekommen wird, so hofft der Deutsche KKL doch, einen stattlichen Betrag für neuen Boden in Erez-lsrael zusammenzubekommen, und bittet alle Zionisten um tätige Unterstützung der Kampagne. Pressetdiau Die englische Wochenschrift -The New Staiesman ft N a t i o n" bringt einen enthusiastischen Aufsatz von Oliver Simon über die palästinensischen K w u 7.0 t h , die als ein soziologisch ungeheuer interessantes Experiment bezeichnet werden. Was den Besucher auf den ersten Blick frappiere, sei die Jugend und Schönheit der Kolonisten, ihre Hoffnungsfreudigkeit, Ausdauer und physische Kraft. Aber auch der Geist werde durch mannigfache Lektüre und musikalische Veranstaltungen gepflegt, so daß etwas Einzigartiges entstehe: ein durchgeistigtes Landvolk. Simon beschreibt mit größter Sympathie die gemeinsame Wirtschaft und Erziehung in den Kwuzoth, und meint dann, für die Milchwirtschaft, die bisher sehr erfolgreich auf wissenschaftlicher Basis betrieben worden sei, bestehe das schwierige Problem der Absatzerweiterung, das sieh aber lösen lasse, wenn die Städte, wie Jerusalem, Haifa und Tel-Awiw, weiter wachsen würden. — Wenn aber auf das glückliche Leben in den Kwuzoth ein Schatten falle, so sei es die britische Administration, die ihren Aufgaben, wie auch zugegeben werde, nicht gewachsen sei. Viele Beamte stammten noch aus der Zeit der Okkupation, und hätten vorher in Indien. Aegypten und dein Sudan Dienst getan, wo sie es nur mit ,,natives“ zu tun gehabt hätten. Diesen Beamten sei angesichts der Kwuzoth sehr unbehaglich zumute, da sie diese für eine kommunistische Einrichtung hielten, wozu die Aehnlichkeit der Ausdrücke ״communar (gemeinsam) und ״communist“ beifrage. Infolgedessen sei ihre Haltung von einer ״arktischen Kälte‘‘. In Zukunft müsse England seine besten und aufnahmcfähigsten Leute nach Palästina schicken, die auch Hebräisch lernen sollten; dann würden diese Beamten nicht nur die dritte offizielle Landessprache beherrschen, sondern damit auch von der schlimmsten Plage vieler Verwaltungen, nämlich der Langeweile, befreit sein, und die schönsten Möglichkeiten haben, mit der jüdischen Bevölkerung engeren Kontakt zu finden und an all ihren Zerstreuungen teilzunehmen. fn der ״Zeitschrift für Geopofitik“ (Kurf Vowinckel Verlag, Berlin-Grunewald) schreibt Professor Erich Obst: Der Zionistenkongreß habe Dr. Weizmann ״wegen des Fiaskos seiner Politik in schärfster Welse kritisiert“, und die siegreiche Opposition fordere ״eine kraftvollere jüdische Realpolitik“. Es sei aber die Frage, ״ob heute noch die gleichen Möglichkeiten der Erfüllung gegeben sind, wie sie bei Erscheinen der Balfour-Deklaration im Jahre 1917 zweifellos bestanden". Denn inzwischen sei das arabische Nationalgefühl derartig angewachsen, daß eine Beherrschung des Staatswesens durch die Juden kaum mehr durchführbar erscheine. Es werde deshalb ״den mit so großen Hoffnungen ins Land gezogenen jüdischen Siedlern nichts anderes übrig bleiben, als den Traum eines Judenstaates für immer zu begraben und sich als Minderheit in ein Staatswesen mit arabischer Mehrheit einzufügen“. A. P. *' Die New Yorker Wochenschrift ״The New R e p u b I i c“ bringt einen Artikel ״Der Wiederaufstieg der panarabischen Bewegung“. Nach der Vertreibung König Husseins durch Ibn Saud im Jahre 1925 habe man zwar Husseins alten Traum einer arabischen Union unter seiner Dynastie für erledig! halten müssen, aber der Gedanke eines engen Zusamme n Schlusses der arabisch sprechende« Länder Vorderasiens, von denen jedes seine besondere. $»Me«1nf üüd seine Efiiüifaafliftkeil^ifelälfin^wlffde, sei" nicht nur lebendig geblieben, sondern habe die Unterstützung eines großen Teiles der politisch interessierten arabischen Jugend gefunden. Ueberall, in den Bazaren von Damaskus wie in den Regierungskreisen von Bagdad, in Privatwohnungen wie in den Schulhallen habe man sich mit Vorliebe darüber unterhalten, welche Möglichkeiten einer arabischen Wiedergeburt in Politik und Kultur sich durch einen panarabischen Bund ergeben würden. Es handele sich aber dabei um mehr als um unreife Pläne. Gewiß seien Frankreich und England dem Völkerbund dafür verantwortlich, daß ein Viertel der Fläche und die Hälfte der Bevölkerung des semitischen Asiens gut regiert würden, und die auswärtige Politik werde in diesen Ländern durch die Mandatarmachte kontrolliert, die ja auch darüber entschieden hätten, ob ein bestimmtes Land reif sei zur Einführung des Repräsentativsvstems oder nicht. Aber die Mandate im vorderen Orient seien nur als zeitweilige Institution errichtet worden, und die Araber hielten die Zeit ihrer Aufhebung für nahe. England scheine es mit der Unabhängigkeit des Irak eiliger zu haben, als den Genfer Kreisen lieb sei, und die Mandatskommission habe vor einigen Wochen über das Verfahren beraten, das bei der Unabnängigkeitserklärung bisheriger Mandatsgebiete dnzusehlagen sei. Da seien auf einmal eine Menge Gerüchte über eine beabsichtigte Abschaffung der Mandate über Syrien und Palästina aufgekommen und in interessierten Kreisen viel diskutiert worden, wonach die Mandatarmächte sich nur die militärische und finanzielle Kontrolle Vorbehalten, die beiden Länder aber sonst unabhängig machen ־ wollten. Tatsächlich erwarte man, daß Syrien das viel weiter entwickelt sei als der Irak, seine Unabhängigkeit fordern werde, sobald dieses Nachbarland frei werde. Eine Zeitlang habe Frankreich bekanntlich mit dem Gedanken gespielt, aus Syrien ein Königreich, und zwar möglicherweise unter Husseins ältestem Sohne Ali, zu machen, in diesem Fall wäre, da in Transjordanien und Irak schon Husseins Söhne Abdullah und Feisal regierten, der Gedanke an einen großen arabischen Bund recht naheliegend, der allerdings nicht nur diese drei Brüder, sondern auch den Feind Husseins, Ibn Saud, umfassen solle. Einer solchen Entwicklung würde Italien zweifellos energisch Widersfand leisten, aus Furcht, daß Frankreich und England bei baldiger Abschaffung der Mandate in diesen Ländern allzu große wirtschaftliche Vorteile genießen würden. Auch die Zionisten der ganzen Welt würden, mit Ausnahme der glühenden Pazifisten, dagegen arbeiten. Auch die armenische Minorität in Syrien und die kurdische im Irak seien besorgt, da sie sich unter unabhängigen arabischen Regierungen ihrer Stellung nicht sicher fühlten. Andererseits aber könnten Großbrltannien und Frankreich es jetzt, nachdem ihnen ihr Anteil am Mossulöl sicher sei, vorteilhaft finden, einer gemäßigten panarabischen Bewegung Vorschub zu leisten. Freilich sei bei allen derartigen Prophezeiungen Vorsicht angebracht. A. P. Sir John Chancellor hat sich am 24. August mittels Flugzeug nach Amman begeben, um sich von Emir Abdullah zu verabschieden. Das Flugzeug des High Commissioners, der noch am selben Tage nach Jerusalem zurüekkehrte, war von 8 Aeroplanen der britischen Luftstreitkräfte begleitet, die bei der Rückkehr Jerusalem einige Male umkreisten. Zu der Notiz über den Orientalisten-Ko 11 greß in Leiden in Nr. 65 der ״J. R.“ wird uns mitgeteilt, daß außer den dort angeführten (.leiehrten auch Dr. Billig, der Leiter des Orientalischen Instituts der Universität Jerusalem, an dem Kongreß ieilaeiuaen wird. Palästina und die diristlidien Interessen Eine Buchbesprechung. Der ״Deutsche Verein vom Heiligen Lande“ in Köln beginnt mit der Herausgabe einer Reihe von Palästina- Heften (Verlag J. P. Bachem, Köln), die das katholische Interesse an Palästina dokumentieren und die Mitglieder des Vereins mit den Fragen vertraut machen sollen. Als erstes Heft liegt uns eine Schrift von Dr. Valmir Gramer ״Die heutige Lage Palästinas und die Christliehen Interessen“ vor, die dem lateinischen Patrlarchen von Jerusalem, Mgre. Barlassina, gewidmet ist. Die Schrift, die aus einem Vortrag entstanden i|t, soll ln die heutigen politischen, wirtschaftlichen und geistigen Probleme des Landes einfüliren, und der Verfasser wird als ein genauer Landeskenner bezeichnet. Um so mehr überraschen zahl• reiche Fehler und Irrtümer, die teils auf Flüchtigkeit, teils aber auch auf Unkenntnis zurückgehen, und jedenfalls nicht den Eindruck genauer Vertrautheit mit den Verhältnissen erwecken. Wenn man einem aus dem Stegreif .. viele auf der Hand liegende IrrtÄmer enthält, als gedruckte Publikation herausgegehen wird. Schon der erste Satz der Schrift bringt die verblüffende Mitteilung, daß der ״romantische Kopf eines aus dem Rumänischen stammenden Juden, Wladimir Jabotinsky, in den Augusttagen von 1929' mit seinen kräftigen und stämmigen Siedlern durch Jerusalem zog“ und dabei ״Salom Jerusalahim“ rief. Nun war bekanntlich Jabotinsky während der August- Unruhen keineswegs in Palästina, dafür stammt er auch nicht ״aus dem Rumänischen“, nicht einmal aus Rumänien, und weder er, noch andere Juden dürften damals den von Herrn Cratner zitierten Ruf in Jerusalem ausgestoßen haben. Könnte man aber dem Verfasser noch gewisse Unkenntnis in jüdischen Dingen verzeihen oder Schilderungen wie ■die vorstehend zitierte als feuilletonistische Lizenz gelten lassen, so kann man es doch nicht verstehen, aus dem Munde eines als Sachverständigen zur Information anderer Berufenen folgende Belehrung über die politischen Verhältnisse nach dem Kriege zu erhalten: ״Sie (sc. die Engländer) wollten den Schutz der Heiligen Stätten und auch die Freiheit der Heiligen Stätten garantiert wissen. Damit kamen sie zunächst etwas mit den Arabern in Konflikt. Das war die erste Inkonsequenz der englischen Orientpolitik, da sowohl die junge Part« der Osmanen (? Red. ״J. R.“R ■wie auch die Araber in Syrien und Palästina ihre Selbständigkeitswünsche hatten, was sich schon sehr bald durch Unruhen herausstellte. Sie dürften aus den Jahren 1925/26 noch erinnerlich sein. Damals machte sich Feisal, der Bruder des Königs von Mekka, selbständig und wollte nun auch über Syrien und Palästina die Herrschaft haben.“ In der Erinnerung des Vortragenden gehen hier die seftsamsten Dinge durcheinander. Aber wieso kann der ״Deutsche Verein vom Heiligen Lande“ so etwas drucken lassen? Weiß man dort nicht, daß Feisal, übrigens der Sohn und nicht der Bruder des Ex-Königs Hussein von Hedschas, seit 1921 König von I r a k ist und mit dem Drusenaufstand von 1925 in Syrien nicht das geringste zu tun hatte? Wir versagen es uns, weitere Beispiele anzuführen. Der Verfasser schreibt auch ein etwas barockes Deutsch. Den Uebergang zur Besprechung des jüdiwhen Pallstinaproblems 'vöBrieW";w:TlÄ!־t1#a!Öie»''Salr:■ ״Währe»# d®* Krieg«■*Ist Unter Vorsch 11 bieistung Englands der Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina Tor und Tür geöffnet (!) worden. Aus diesen Gesichtspunkten ergeben sich neue Gefahrenmomentc für den künftigen Frieden und die Unantastbarkeit der Heiligen Stätten.“ Dies ist eine absolut falsche Darstellung, da die Unantastbarkeit der Heiligen Stätten vom Zionismus seit HerzI stets als un verrückbares Prinzip proklamiert wurde und im übrigen durch das Mandat eindeutig geregelt ist, wenn auch die Durchführinig der betreffenden Artikel des Mandates daran scheitert, daß die christlichen Konfessionen sich untereinander nicht einigen können. Die Juden sind daran sicherlich völlig unschuldig. Di« jüdische Aufbauarbeit wird von Dr. Gramer mit wenig Sympathie geschildert, und nur ungern gibt er zu, daß auch ein ,,starker ethischer Schwung“ im Zionismus vorhanden ist. Mit wenig Sympathie spricht der Verfasser befremdenderweise auch von den sozialen Errungenschaften des Zionismus in Palästina, die er als eine der Ursachen der arabischjüdischen Spannung hinstellt. Aus dem weiteren Inhalt der Broschüre erfahren wir, daß die Juden, die an der Klagemaucr demonstriert haben, keine gläubigen Juden sind und ״ein großer Teil von ihnen auch nicht hebräisch spricht, obwohl Hebräisch sogar Amtssprache ist“; daß die Juden den Türken (?) die Klagemauer um 8000 Pfund abkaufen wollten; daß die Mandatsregierung in einer Erklärung vom Oktober 1930 ״den Arabern und Juden zur Pflicht gemacht hat, sich zu vertragen“, weswegen Dr. Weizmann zurückgetreten ist; daß ״das Zentrum der Zionistenbewegung von London nach New York verlegt“ wurde; und vieles andere. Dann kommt ein Aufruf an die gläubige Christenheit, sie möge der ״Einbeziehung Palästinas in die britische Weltmacht und den Zionismus“ entgegenarbeiten und zu diesem Zweck eine interterritoriale christliche Organisation bilden, die insbesondere dafür sorgen soll, daß ״die Heiligen Statten un versperrt bleiben“. Auch offenkundige Widersprüche finden sich in dem Buch: Während auf Seite 25 gesagt wird, daß die Mohammedaner — im Gegensatz zu den Zionisten ׳— der christlichen Missionsarbeit keine Hindernisse in den Weg legen dürften, heißt es auf Seite 34, daß ״die Araber einem großen Teil des christlichen Missions- Werkes mit sehr gemischten Gefühlen, um nicht zu sagen abweisend gegenüberstehen“. Hier sagt der Verfasser auch, daß sich bei etwaigen neuen Zusammenstößen der religiöse Haß der Araber 111 gleicher Weise gegen Zionisten wie Christen richten dürfte. - —־ Wenn in den Schlußbemerkungen der Verfasser sagt, daß sein Aufruf zur B e f e s t i g u 11 g des Friedens und Ausschaltung des Rassenka mp t e s in Palästina beitragen solle, dann wäre eine solche Tendenz zu begrüßen. Aber es ist zu bedauern, daß sie in so unzulänglicher und Mißverständnisse erzeugender Weise verfolgt wird. Erstaunlich ist auch, daß, so weit wir sehen, diese Arbeit in der katholischen Presse eine recht freundliche Aufnahme gefunden hat. Es wäre zu wünschen, daß christliche Persönlichkeiten, die sich mit Palästina und mit dem dortigen Judenproblem beschäftigen, die Dinge genauer und vorurteilsloser ansehen. Dies wäre auch im Interesse des Heiligen Landes, dessen Bedeutung für die Christenheit von uns gewiß voll gewürdigt wird, W. Es wird nunmehr jnitgeteilt, daß Dr. Weizmann die vcm Keren Hajessod an Ihn ergangene Einladung, die Lcbung einer Kampagne in Südafrika im Dezember d. J. zu übernehmen, angenommen hat

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