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Jüdische Rundschau · 1931-08-25 · Heft 66 (25.8.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 66 (25.8.1931)
Date
1931-08-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 66, 25. VIII. 1011 JÜDISCHE RUNDSCHAU Untergang des Morgenlandes? Leo MattUat! Griff in den Orient (Bibliographisches Institut Leipzig.) Das Buch von Einem, der auszog, das Licht des Ostens zu suchen und dem dort wirklich manch ein Licht aufgegangen ist. Ein Buch, das fraglos zu dem Wichtigsten gehört, was bisher über den Orient gesagt worden Ist. Jetzt merkt man erst, wie flach und schief die Vorstellungsbilder sind, aus denen der Begriff ״Orient“ sich für uns immer noch zusammensetzt; wieviel Blickpunkte zu wenig es da bis heute gegeben hat. Im gegenwärtigen Moment kann der Orient als Wesenseinheit schwerlich mit voller Klarheit erkannt werden: ps ist teils zu spät, teils aber noch zu früh dazu. Zu spät, weil schon zu vieles zerfließt und sich schon zu sehr assimiliert hat. Za früh, weif der Orient selbst hier und da auch schon wieder nahe dran zu sein scheint, diese Assimilation zu überwinden. Mit seltenem Geist und Geschick versteht es Leo Matthias, dies schwankende, irisierende Zwischenstadium lebendig zu machen. Er schreibt nicht das übliche ״Reisetagebuch״; notiert nicht nur, was ein Tourist von Niveau zufällig im Vorbeigehen erhascht und was im journalistischen Sinne ״interessant“ ist: immer mit dem Blick auf größte Zusammenhänge, dabei ganz unmittelbar das Einzelne als Symptom nehmend, mit klugem Instinkt, kribbelnder Wißgier, mit stets kühlem Kopf und nicht ohne Humor, so ertastet er sich den Zugang zu dieser zwischen sich selber und uns oszillierenden Welt. Das erste Drittel des Buches — ״Der Orient als Garten“ überschrieben — behandelt das Körperliche, Sinnfällige, das Exoterische; das, was lebt, sich bewegt, sich wandelt und blüht und auch das, was schon fast verwelkt ist. Die Landschaft: man begreift, daß ״Wasser“, ״Strom“, ״Stein“, ״Salz“ ganz andere Dinge sind als in Europa; daß dort Naturkraft ist, was Wir nur als Zivilisationsprodukt kennen. Nebenbei malt er die Wüste; viele Arten von Wüsten; und das Wesen des Orientalen wird auch von hier evident; er läßt uns in diesem unendlichen Nichts das Gespenstische der Wirklichkeit miterleben, das, was ist und doch nicht ist. Gleichnisse, Anekdoten und Selbsferfahrenes zeigen uns den orientalischen Menschen in seiner Unvergleichbarkeit. Wie er lacht, spielt, ißt, arbeitet, weint und ernst wird; wie er sich anzieht und wie er schläft. Was seine Verschlagenheit und alles sonstige ״Dunkle“, uns an ihm Befremdende zu besagen hat. Vor allem: wie der orientalische Mensch auf das hereindringende Europa reagiert. Im Orient fängt die Welt immer noch täglich von vorne an. (Vielleicht ist das der tiefste Sinn von ״Orient“ —: der immerwährende ״Ursprung“?) Was uns seit langen Jahrhunderten selbstverständlich ist — für den Orientalen ist es Geheimnis. — Matthias behauptet, die arabische Welt sei nüchtern, der Orient kein Märchen. De facto aber stößt er auf eine Situation, die etwas vom Zeug hat, aus dem sich die Mythen bilden: die Begegnung von Abend- und Morgenland; die Verquickung von alter Kultur und neuer Zivilisation, teils noch Kampf, teils schon Agonie, teils tragikomische Chimäre; das fnsiehverkrampftsein von Religion, Kapitalismus und Kommunismus und dazu noch das vieldeutige Ineinanderbrodehi von hier gezüehtetem, hier forciert nachgcahintem und hier spontan aufbrechcndem Freiheitsdrang. Die Rolle der Maschine ist meist von grotesker Phantastik: für den Orientalen ist sie ebenso mysteriös, wie für uns die Details der orientalischen Lebensform. Wie der östliche Mensch sich zur Maschine verhält, was sie für ihn bedeutet, darin zeigt sftfi' das Kind;:dis ftf IhftT verbbfgeti istrdas'Urweseii, das ־ alles Fremde in die eigene elementare Sphäre hineinzieht. ' Der Orientale — wie Matthias ihn antrifft — ist ja nicht in dem Sinne Denker, daß es für ihn eine Rangordnung der ״Geheimnisse“ gibt. Was ihm geheimnisvoll erscheint, das zieht ihn als etwas Verwandtes an: so nimmt er auch nicht das von der abendländischen Zivilisation, was er nötig hat, sondern was ihm gefällt. Die Zivilisation als das Neue zieht ihn heute mehr an als das überkommene Mysterium, weil sie ihm mehr Rätsel ist. So wundert es uns nicht, daß es an einigen Orten Kurdistans keine Moschee, wohl aber ein Grammophon gibt. Das zweite Drittel des Buches, ״Der Orient als Gedanke“ (das letzte besteht aus hervorragenden Photos mit instruktiven Kommentaren) führt in die esoterische Sphäre des Morgenlandes; in seine Religionen, in seine Sektenlehren, in das Denken und Politiktreiben. Was den Orient von Europa faktisch unterscheidet, ergibt die Betrachtung der Sekten.י Ihre heutige Form enthüllt psychologische Tatsachen wie kaum ein anderes Gebiet: hier sieht man, wie der Orientale zur Tradition steht, was er konserviert und worin er revolutionär ist; wie sich sein soziales Leben abspielt; wie sich seine religiös begründete Ethik mit den Realitäten der Gegenwart abfindet; was sich an aktueilen Strömungen bei ihm auswirkt; was cs mit der Beziehung von Religion und Nationalismus auf sich hat; wie sich seine Moralbegriffc von denen des Okzidents unterscheiden. Von höchstem Interesse ist nun die politische Bedeutung mancher dieser Sekten. So ist es Frankreich mit Hilfe der Christliehen Sekte der Maroniten gelungen, das syrische Mandat zu bekommen. Was für eine Macht die Drusen während des syrisehen Aufstandes gewesen sind, ist ja bekannt. Aus der Lehre der Wahabiten, einer reformierten Islamlehre, ging Abd al-Asis ibn Ssaud hervor, der zugleich wahabitischer ״Papst“, Herrscher über Mekka und Medina und Sultan von Hidjas und Nedjd ist. Der Bericht über sein Leben klingt fast wie Legende: mit 24 Jahren erobert er mit 20 Mann das Nedjd, eine Landschaft von einem Umfang zwei- bis dreimal größer als Deutschland; heute ist er Sultan zweier Reiche. Ibn Ssaud wird uns als überragender Politiker geschildert. Seine Position hat er nicht ohne englische Hilfe erlangt, aber die wesentlichen Kräfte, denen er seinen Aufstieg verdankt, sind doch die des Islam. Er ist ein plastisches Beispiel dafür, daß die Diplomatie des Asiaten etwas ganz anderes und dabei nicht weniger Wirksames ist wie die des europäischen Politikers. Freilich, auch bei allen den Mächten, die heute den Orient aktivieren, durchwühlen, beherrschen, ■wird klar, wie viele Quellen das hat, was an Aufständen, Kämpfen, Macht- und Freiheitsbestrebungen jetzt sich ereignet; wie Okzident und Orient gleichermaßen daran beteiligt sind. Daß es mit dem ״passiven“ Orient zu Ende geht, das hat mehr als bloß weltpolitische, ökonomische und auch mehr ais ethnologische Bedeutung. In die Freude über dies ״Erwachen“ des Orients mischt sich etwas wie Angst vor dem europäischen Schicksal Asiens. Nimmt es endgültig seinen Lauf? Wenn!Matthias hier und da an dies Problem rührt, meint er in erster Linie das äußere Schicksal. In Wirklichkeit Hegt es tiefer. Es geht um den entfliehenden Orient. Wäre Matthias mehr Jude, so würde er es noch weit deutiicher fühlen: daß etwas Unwiederbringliches von hohen Werten verloren geht, wenn Asien stirbt. Wir sollten hier unser ״Memento mori“ empfinden. Denn das ״Entwicklungs“-Schicksal des Juden rechtfertigt jede Besorgnis, daß er mit dem Orient — sich selber versäumt. So unzulänglich der Zionismus und seine Position im Vorderen Orient hier auch behandelt ist (eine kleine Entschädigung sind herrliche Lichtbilder aus Palästina), dies bedeutende Buch zeigt in jedem Fall die Lebenssphäre, in die wir hineinwachsen müssen — ob wir wollen oder nicht —, um den Realitäten unserer alt-neuen Heimat gewachsen zu sein. Alice Iacob-Loewenson. Zur religidsen Frage Von M. Maschler, Ramat Gan (bei Tel-Awfw). Der Artikel ״Fußball und anderes Werk am Schabbath“ von Helene Hanna Thon (Nr. 57 d. ״J.R.“) berührt eine schwierige, aber der Lösung dringend bedürftige Frage. Man kann Verständnis haben für beide Standpunkte, dem religiösen der gesetzestreuen Juden, der auf unbedingte Schabbathruhe hält, und dem weltlichen der Jugend, die ihre Triebe nach körperlicher Bewegung und Kräftigung entfalten will. Aber weder das eine noch das andere scheint für die Zukunft richtunggebend zu sein. Es geht hier nicht allein um die Frage der Schabbathruhe und der Ausfüllung des Schabbaths, sondern um die Stellungnahme zur Religion in unserer Zeit im allgemeine״ und in Erez-Israei im besonderen. Die große Mehrheit des jüngeren Jischuws lehnt den jüdischen Gottesdienst von heute ab, hat keine Beziehungen mehr zu einer im Konfessionalismus erstarrten Religionsausübung, die ihnen keinerlei seelische Befriedigung gewährt. Daher ist ihnen der Schabbath nur ein aufgezwungener Ruhetag, der keine festtäglich erhebende Stimmung in ihnen aufkommen läßt. Auch die übrigen jüdischen Feiertag« werden bestenfalls als jüdische Nationalfeiertage verlebt, jedenfalls aber als weltliche Nichtarbeitstage. Mit der begreiflichen Befreiung von einem engen, starren, lebensfremden Konfessionaüsirms hat man aber auch gleichzeitig der Religion entsagt, Religion und Konfession vom Marxismus her miteinander identifizierend. So empfindet man am Schabbath und Feiertagen eine bedrückende Lücke und beängstigende Leere vielfach unter diesen Menschen. Es bestellt die Gefahr, daß sie in das amerikanisch-europäische niateriali׳tisch-rationalistische Fahrwasser gelangen, ln Erkenntnis der Lage ,bemühte sich die Oneg-Scliabbath-Gesellschaft, Vorträge am Schabbath zu veranstalten, aber da diese Vorträge meist weltlichen Charakter hatten, wurden sie der Sache nicht gerecht. Ich glaube, daß in weiteren Kreisen, besonders in den Kwuzoth, vielleicht teils unbewußt, religiöse Gefühle verbunden mit einem religiösen Sehnen vorhanden sind. Die Wiederverbindung mit der Natur vermag neues religiöses Leben zu erwecken, drängt zu einer neuen Einstellung zu Religion und Leben. Unser Judentum ist weder nur relig'ös noch nur national aufzufassen, sondern als untrennbare Einheit von Religion und Volkstum. Der bewundernswerte Fortbestand des Judentums bis auf dem heutigen Tag wäre ohne diese innige Verschmelzung von Religion und Volkstum nicht möglich gewesen. Zu allen Zeiten und unter allen Völkern waren gerade die Juden Verkünder religiös-ethischer Ideale. Angesehene religiöse Nichtjuden glauben noch heute, daß die religiöse Erneuerung des Judentums, die nur von Erez-Israel ausgehen kann, von großem Einfluß auf die gesamte Menschheitskultur sein würde. Die erstrebte Erneuerung des jüdischen Volkes in Erez- Israel kann nicht anders als national, sozial und religiös aufgefaßt werden. Die nationale und soziale Neugestaltung in Erez-Israel ist im Werden. Aus dem innigen Bedürfnis nach Erhebung der Seele über den Alltag, nach einem sinn- und inhaltvollen Leben, nach Einkehr, persönlicher Vervollkommnung, Harmonie, wahrem Menschentum wird die religiöse Erneuerung erwachsen. Religion, auf der Grundlage des Urjudentums, des prophetischen Judentums, anlehnend an Martin Bubers Anschauungen, mit umfassendem Verstand- 111s und Toleranz für alle religiösen Richtungen und menschliehen Bestrebungen, Brücken statt Schranken errichtend, lebensbejahend statt wirklichkeitsfremd, Gerechtigkeit und Menschenliebe verkündend, hinstrebend zur wahren menschliehen Gemeinschaft, wird imstande sein, dem Empfinden größerer Kreise jüdischer Menschen entgegenzukoinnien. Religion, nicht nur als exklusive Anschauung für Schabbath und Festtage, sondern auch unmittelbar in das Leben getragen, täglich geübt und verwirklicht bei den Handlungen und Verrichtungen des Alltags. Wenn es zunächst gelänge, an Schabbath und Festtagen freie, zeitgemäße, gehaltvolle religiös-ethische Vorträge zu veranstalten, welche hinführen zu den letzten und höchsten Dingen, zum Unendlichen und Ewigen, die menschliche Seele ergreifen und mit religiöser Weihe zu erfüllen vermögen, dann wäre das ein erster Schritt, der alle Schabbath-Beschränkungen vergessen lassen würde. Eine Intervenlion des Misrachi ln der heiß umstrittenen Frage der Veranstaltung von Fußballspielen am Sabbat in Palästina hat sich die Zentrale des Misrachi in Jerusalem an den Präsidenten des Makkabi-Weltverbandes, Herrn Dr. Leiewer-Berlin, gewandt und dessen Intervention erbeten. Der Misrachi schlägt vor, den FreltagNachmittag als Spiel- und Wettkampfzeit zu erklären. Entsprechend der durch die Weckendbewegung in europäischen Ländern für Sonnabend Nachmittag erreichten Arbeitsbeendigung solle durch Vereinbarung mit den jüdischen Arbeitgebern in Palästina erzielt werden, daß Angestellte bereits von Freitag Mittag an arbeltsfrei seien. Das Präsidium des Makkabi-Weltverbandeg wird nunmehr eingreifen und versuchen, auf diesem Wege den Konflikt zu lösen. Jiddische Lyrik Das beim Schutzverband deutscher Schriftsteller bestehende Kartell lyrischer Autoren (Berlin-Wilinersdorf, Kaiserpiatz 16) gibt eine Lyrik-Sammlung ״Fischerdorf“ des in Berlin lebenden jungen jiddischen Dichters A. N. Stenzei, aus dem jiddisehen übertragen von Etta Federn-Kohlhaas, heraus. Das Vorwort schrieb Arnold Zweig. Es heißt darin: Was wird er (der Leser) antworten, wenn diese Gedichte ihn nun ansprechen? Wird er den mächtigen und ruhigen Gehalt an Anschauung fühlen, der sich ihm hier egenüberstellt, die wortlos zwischen den Zeilen schwingende ichterische Kraft nachfühlen, die das Bildhafte mit lyrischer Stimmung sättigt?... Nach all den rednerischen und übersehwenglichen Poeten spricht hier mit der langsamen Zunge des echten Berufenen ein Dichter, dem •sich auf notwendige Weise, über die Schwere seines Daseins hinweg, alles in Anschauung, Prägung, rhythmischen Ablauf umsetzt, was er erlebt. Das Fischerdorf, in dem er arbeitet, wird Stellvertretung, und er sagt vom Dasein der Menschen ans, von ihren Gefährten, den Tieren, von ihrer Arbeit und ihrer Freude, wenn er nichts weiter in seine knappen Bilder setzt als eben den Alltag des ״Fischerdorfs“. im Jugenddorf Ben Schemen ist für den 22. und 23. August eine große Jugend-Kundgebung zupunsten des Weltfriedens anberaumt worden. Aus den Gemeinden Die AngestelltenkUndigungen in der Berliner Gemeinde. Am 19. August hat der Personaldezernent des Gemeinde- Vorstandes, Herr Moritz R o s e n 111 a I, dem größten Teile der Angestellten der Berliner Jüdischen Gemeinde vorsorglich gekündigt. Durch diese Kündigungen, die unter Außerachtlassung der Beschlüsse der letzten Repräsentanten Versammlung vom 17. August erfolgt sind, ist in die Reihet! der Angestellten Beunruhigung und — mehr als das — panischer Schrecken getragen worden. Es muß nicht erst ausführlich bewiesen werden, daß eine Entlassung in der gegenwärtigen krisenhaften Zeit gleichbedeutend mit der Vernichfung der Existenzmöglichkeit ist. Es ist kein Zweifel, daß nur ein geringer Bruchteil der Gekündigten entlassen werden muß, wenn man nicht auch bezüglich dieses Bruchteiles gewillt ist, Maßnahmen zu ergreifen, die auch ihm Besehäftigungsmögllchkeit geben können. Um so stärker ist es zu verurteilen, daß sozusagen eine Generalkündigung vorgenommen wurde. In der Rcpräsentantenversanimlung vom 17. d. M. ist eine gemischte Deputation gewählt worden, die sich mit der Frage der Kündigungen und des Abbaus zu beschäftigen haben wird. Sofort nachdem die Kündigungen erfolgt waren, ist von volksparteilicher Seite die rascheste Einberufung dieser Deputation, der von unserer Seite Alfred Berger und Oscar Cohn «!!gehören, verlangt worden. Die Kommission ist bereits am 24. d. M. zu ihrer ersten Sitzung zusammeiigetret«!. Unsere Freunde werden mit aller Entschiedenheit für eine erträgliche Regelung aller mit den Kündigungen und Entlassungen zusammcniiängeiidet! Fragen cintreten. Die Angestellten der Ber-* filier Jüdischen Gemeinde mögen versichert sein, daß die Jitd i s c h e Volk spartet es als ihre Uh rennflieht betrachtet, in diesen Tagen mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln zu verhüten, daß unbillige Härten in bezug auf die Angestellten zur Anwendung kommen. Der Vorstand der jüdischen Volks- Partei hat an den Betriebsrat der Angestellten der Berliner Jüdiselten Gemeinde ein Schreiben gerichtet, in welchem auf die in der Repräscntantcnversammlung vorn 17. d. M, ein gebrachten und angenommenen Anträge hitigfvviescn und zum Ausdruck gebracht wird, daß in dieser Zeit die notwendigen Ersparnisse auf eine Vielheit von Schultern gelegt werden müssen und nicht auf Kosten einzelner erfolgen dürfet!. Die Volkspartei ist überzeugt, daß sie in dieser Hinsicht sich durchaus im Einklang mit der Mein״״״ der überwiegenden Mehrheit der Angestellten der Berliner Jüdischen Gemeinde befindet. Wenn die jüdischen Angestellten sich dieser Ansicht restlos anschließcn und sie dem Gemeindevorstand zur Kenntnis bringen, so wird es möglich sein, Mittel und Wege zu finden, damit eine Ausstoßung von Anger,teilten und ihre wirtschaftliche Vernichtung vermieden werde. * Wir haben in der vorigen Nummer über die Notlage in der Wohlfahrtspflege in der Israelitischen Gemeinde in F rankfurt a. M. berichtet. Der in unserer Notiz erwähnte Aufruf ist nicht von der Gemeinde, sondern von dem Verein Jüdische W01t!f,';hrf!nfiere Frankfurt a. M. erlassen worden, der keine Abteilung der Gemeinde, sondern ein selbständiger Verband ist. Jugendarbeit Iflr den Keren Kafemeth Die Vorbereitung der Neujahrs-Aktion ist in den Jugendbünden in vollem Gange. Auf dyn Bundestagen, dieses Sommers hat der KKL überall eine große Rolle gespielt. Im KJV.-Camp hatte die Debatte wieder bestätigt, daß die Finanzpropaganda des KKL als einen der wichtigsten Zweige auch der zionistischen Ideenpropaganda angesehen wird. Der Brith Haolim hat in seiner schönen Resolution wieder die pädagogische Bedeutung• der Arbeitsverpfliclitung des Jugendlichen anerkannt. Der Kadimah hat der Forderung nach persönlieber Mitverantwortung der Einzelnen für das Jabreskontingent bereits eine bestimmte Form gegeben, indem er von jedem Zug die Ueherttahme einer bestimmten Dunamquote für das nächste Jahr verlangt. Die für Deutschland neue Gruppierung des Haschotner Hazair, dessen Formationen in Polen seit jeher die E I i t c t r u p p e des Nationalfonds darstellen, wird zweifellos auch hier diese noble Traditioti besonders pflegen. Und dty Deutsche Makkabikreis hat eine enge Verknüpfung der Vorbereitungen für das jüdische Wcltsportfest mit der KKL-Arbeit, die Verbindung der Gedanken ״Makkahiah“ und ״Bo tl e 11 e r I ö s u ng“ proklatniert. Mit dem Zeire Misrachi besteht ein sehr guter Kontakt, auch die meisten Gruppen dieses Verbandes sind wichtige Träger der KKL-Arbeit. In einer Zeit schwerster wirtschaftlicher Depression und trübster Aussichten ist die einmütige Bereitschaft der jüdischen Jugend in Deutschland für den KKL eine große Hoffnung. Die Jugend weiß, daß Bekenntnisse und Resolutionen noch keine Leistungen, sondern nur die Formulierung von Aufgaben sind. Die Neujahrs-Kampagne muH nun überall den Schritt vom Wort zur Tat bringen. Die beiden nächsten Sonntage sollen die Hauptaktion in ganz Deutschland bringen. Mehr als 50 Orte haben bis heute ihre Mitwirkung angemeldet, der KKL hofft, daß diese Zahl sich in den nächsten Tagen wieder auf 120 vergrößern wird wie im vorigen Jahr. Die Kampagne kann nur einen Erfolg haben, wenn sie eine wirkliche M assenaktion ist, denn in diesem Jahr muß der zu erwartende Rückgang in der Höhe der Spenden wettgemacht werden durch die Erfassung einer viel größeren Anzahl von Spendern. Deshalb ist es auch notwendig, daß jeder erwachsene Zionist sich an dieser Sammlung beteiligt, die für das Ergebnis des nächsten KKL-Jahres von ausschlaggebender Bedeutung ist. Eine Organisation zionistischer ״Veteranen“. Eine Reihe von alten Zionisten sendet uns einen Aufruf ״An die zionistisehen Veteranen in Palästina und in der Diaspora“, worin die Enttäuschung geschildert wird, mit der so mancher alter zionistische Kämpfer, nachdem er sein Lebensziel erreicht und nach Palästina gekommen ist, die Erfahrung macht, daß es für ihn keine angemessene Tätigkeit in Palästina gibt. Innerhalb des neuen, jungen Palästina "ist für die alt gewordenen Kräfte oft kein Raum mehr. Dies wird von den Betroffenen schmerzlich empfunden. Aus diesem Grunde haben die Unterzeichneten einen Verein unter dein Namen ״Brith Ri schon im“ (״Bund der Ersten") ins Leben gerufen, der sich folgende Aufgaben gesetzt hat:!. Eröffnung von Klubs in Tcl-Awiw, Jeru- Salem, Haifa und anderen Orten, wo die Mitglieder einander näher kennen lernen und sielt befreunden mögen. 2. Bedürftigen Mitgliedern auf verschiedene Weise beizustehen. 3. Altgewordenen und ruhebedürftigen Mitgliedern angemessene Unterkunft zu gewähren. 4. Beziehungen anzuknüpfen zwischen den Mitgliedern in Palästina und denen der Diaspora-Länder. Der Verein appelliert an alle Veteranen des Zionismus um tätige Sympathie und bittet um MitgHedsbeiträge je nach Können und Belieben. Der Aufruf ist unterschrieben von folgenden Namen: M. Ussischkin, Z. D. Levontin, Zew Gluskin, l.L. Goldberg, M. Dizcngoff, Zwi Belkowsky, A. Droyanow, A. L. Scheresdnewski, Ä. Babkow, A. Maze, M. Itzkowitz. Die Briefadresse lautet: A. Droyanow, Tel-Awiw, Allenby 15. Geld- Sendungen sind zu richten an: Zew Gluskir Tel-Awiw, P.O.B. 118.

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