Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 66 (25.8.1931)
- Date
- 1931-08-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 400 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 06, 25. Vm. 1Ö31 Angst, Beruhigung, Perspektiven Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AQ. Tel-Awiw, den 13. August 193!. ״Ich mache mir nichts aus den übertriebenen Gerüchten, weil ich mit Gewißheit weiß, daß die Regierung völlig Herrin der Lage Ist. Mit Tausenden von Soldaten, Flug• zeugen und Panzerwagen, mit britischer und palästinensischer Polizei können wir die Situation in jedem Falle beherrschen. Das Land braucht Frieden, und Frieden wird im Lande herrsche n.“ Das sind ein paar Sätze aus dem Interview׳, das der neue Chef der palästinensischen Polizei einem ausländischen Journalisten gewährt hat. Dieser Ausspruch ist durchaus charak• teristisch und skizziert die gegenwärtige Lage ganz genau. Die Regierung fühlt sich sehr viel wohler als vor zwei Jahren um diese Zeit, weil sie genügend Machtmittel in der Hand hat, um irgendwelche Ruhestörungen sofort zu unterdrücken. Sie fühlt sich auch deshalb wohler, weil sie hofft, daß das Bewußtsein des in Bereitschaft gehaltenen Militärs unternehmende Geister davon abhalten wird, Schwierigkeiten zu machen. Es läßt sich auch nicht leugnen, daß die Bevölkerung, der immer von neuem die Zahl der Truppen, Flugzeuge und Panzerwagen vorgehalten w׳ird, aus der Anwesenheit des Militärs eine gewisse Beruhigung schöpft. Und doch ist die Stimmung alles andere als ruhig und behaglich. Es erweist sich wieder einmal, daß Bajonette wohl als Schreckmittel ihren Zweck erfüllen, daß man aber atif ihnen nicht sitzen kann.... Am stärksten war die allgemeine Unruhe in der vorigen Woche zu spüren, als man noch nicht wußte, wie die Verhandlungen tiher den Aufostrcik enden würden. Damals herrschte in den Städten mit gemischter Bevölkerung und auch an den vom Verkehr entfernteren Siedlungen ein hoher Grad von Nervosität, so daß schon hei geringen Anlässen eine Panik zu befürchten war. Unter den Juden waren die Meinungen darüber geteilt, ob ein Ausbruch des Streiks wünschenswert sei oder nicht. Einerseits befürchtete man, daß ein solcher Ausstand mit seinen weittragenden wirtschaftlichen Folgen, der zu erwartenden steifen Gegnerschaft der Regierung und der unausbleiblichen Erregung, die Spannung, die ohnedies groß war, noch erhöhen würde. Andererseits war man sieh auch bewußt, daß eine Verhinderung des Streiks um jeden Preis neuen Zündstoff aufhäufen könne, besonders da die Forderungen der Automobilisten als gerecht empfunden wurden. Die Einsetzung einer Kommission und der Proteststreik von einem Tage erwiesen sich schließlich als ein guter Ausweg. Gleich nachdem der Beschluß der Chauffeur-Konferenz bekannt wurde, merkte man ein Aufatmen des Publikums. Die Gefahr des ,.großen Streiks“ erschien abgewendet, und zugleich bedeutete der Proteststreik ein Ventil für die erregten Geister. Die vorbildliche Durchführung der Aktion, das einheitliche Zusammenarbeiten von jüdischen und arabischen Chauffeuren und Garagebesitzern, die friedliche Art, in der sowohl die Streikenden wie auch das Publikum den Beschluß ausführten, da« Fehlen von Streikbrechern, all das trug nicht unwesentJ}eh**11 ein*r besseren Stimmung bei. Aber es stehen immer noch Wolken am Horizont. Verschiedene arabische Organisationen haben für den 15. August bei den Behörden um die Erlaubnis nachgesucht, entsprechend den Beschlüssen der Konferenz in Nablus demonstrieren zu dürfen. Bisher sind alle diese Gesuche abgelehnt worden und es läßt sich voraussehen, daß sie auch weiter keinen Erfolg haben werden, wie überhaupt die Regierung zurzeit mit der Unterdrückung jeder gefährlich scheinenden Aktion sehr viel rascher zur Hand ist als früher. J)a vorher angekündifte Revolutionen selten zum Ausbruch kommen und die Extremisten bei der gegenwärtigen Lage ohnedies bei Uriruhen kaum auf Erfolg hoffen können, darf man dem gefürchteten 15. August und auch den andern viel diskutierten Schreckensdaten mit einiger Ruhe entgegensehen. Man könnte‘sich vielleicht damit abfinden; man könnte sich vielleicht damit beruhigen, daß die Erregung, der Haß, die Spannung, die Furcht jetzt wieder langsam abschwellen werden, daß es wieder ruhiger wird —- bis hei dem nächsten Anlaß das ganze Schauspiel sich von neuem wiederholt. Wieder Agitation, wieder Verängstigung, wieder Erklärungen der Regierung, daß sie ,,Herrin der Situation" sei und so weiter ad infinitum. Aber diese Perspektive ist so wenig rosig, sie entspricht so wenig den Bedürfnissen des Landes und der jüdischen Arbeit im Lande, sie stellt so große Anforderungen, die schließlieh doch keine bleibenden Resultate liefern, daß man sich nicht damit abfinden kann. Die Regierung sollte sich gerade heute, in einer Zeit der Schwierigkeiten, darüber kiar werden, daß ihre Aufgabe größer ist als die ״Aufrechtcrhaltung der Ordnung“. Eine Aenderung der gegenseitigen Beziehungen und der geistigen Haltung -- das müßte das vornehmste Ziel jeder palästinensischen Politik sein. Presseschan B e i 1 i n s o n weist in einem Artikel des ״Dawar‘‘ auf die im Lande jetzt herrschende Beunruhigung hin und kommt nach einer eingehenden Analyse der englischen Politik zu dem Ergebnis, daß im Augenblick Unruhen in Palästina nicht zu erwarten sind, weil keiner der beteiligten Faktoren momentan ein wirkliches Interesse an Unruhen haben kann. Auch die Juden haben zugclernt und werden nicht wieder wie vor zwei Jahren seihst die Vorwände zum ״Ausbruch des Volkszorns“ liefern. Vorausgesetzt, daß die aufgestachelten ״Elementarkräfte‘‘ nicht den Zaum durchbrechen und daß die Juden sich von jeder Panik und jeder Unvorsichtigkeit fernhalten, worden keine Unruhen ausbrechen, falls nicht die gegenseitigen Beziehungen zwischen den drei Elementen in Palästina, Engländern, Arabern und Juden, sich ändern. Je stärker die jüdische Position wird, um so weniger werden die Gegner hoffen können, durch Gewalttaten sie zu erschüttern. Trotzdem, so schließt Beilinsou, ist die Lage seit einigen Monaten kein es wegs normal. Um die volle schwere Wahrheit zu sagen: Wir leben seit Monaten unter der Furcht vor Pogr om e n , und ein solcher Zustand hat beinahe ähnliche Folgen wie Pogrome selbst, Niedergeschlagenheit, Aufhören der praktischen Arbeit, auch einzelne Gewalttaten. Wenn also auch die Regierung Herrin der Lage bleibt, so ist der Zustand der einer dauernden Bedrohung, und damit kann man sich nicht abfinden. (Was dagegen zti geschehen habe, deutet der Verfasser nicht an.) * ״Da war“ begrüßt in einem Leitartikel den Amts antritt A r 1 0 s o r o f f s als Leiter des Politischen Departements in Jerusalem und betont, daß Ariosoroff, obwohl er mit der Arbeiterpartei, aus der er liervorgcgangen ist, fest verbunden bleibt, in seinem neuen Amt keinerlei Gruppeninteressen ver• treten wird, sondern dem jüdischen Nationalheim als ganzem sowie allen seinen Gruppen und Ständen dient. Das Blatt wendet sicli dagegen, daß die Bauernvereinigung in einem Tele• gramm an Sn’olow gegen die Betrauung Arlosoroffs mit der politischen Arbeit in Jerusalem protestiert hat. Auch der ״Doar Ha jo in“ hat einen scharfen Angriff auf Ariosoroff veröffentlicht. Dem gegenüber fordert ״Dawar" eine faire Chance und voll« Unterstützung des Jischuw für den neuen politischen Referenten in seiner schwierigen Situation. Die ,,europäische“ Habimah Von unserem palästinensischen Korrespondenten. Tel-Awiw, 11. August 1931. Die ״Habimah“ hat in dieser Woche ihre Saison abgeschlossen. Auf ihrer letzten europäischen Tournee hat sich die Habimah an neue Aufgaben herangewagt. Man wird sich auf den Uriei d’Acosta und den Shakespeare besinnen, wo bereits eine gegenüber den früheren Aufführungen neuartige Note angeschlagen wurde. Bei den letzten Leistungen der Habimah in Palästina ist der Sprung noch weit größer geworden und führt direkt in die europäische Moderne hinein. Man spielt Shaw und Somerset Maugham. Und schon in der Wahl der Themen klafft zwischen den ersten und — man möchte fast sagen spezifischen — Bühnenbildern dieser Truppe und ihren neuen Versuchen ein riesiger Zwischenraum. Vom ״Dybuk“, vom ״Golem“, vom ״ewigen Juden“, von ״Keter David“ bis zu Shaws ״Teufelsschüler‘‘ oder Maughams ״Heilig« Flamme“ ist der Weg nicht nur sehr weit, er erscheint auch keineswegs gerade. Es ist weniger ein Gang als ein Sprung und vielleicht — ein Sprung ins Ungewisse. Was die Habimah abgesehen von der Sprache auszeichnete und charakterisierte, besonders für Europa als eigenartig stempelte, war ein fremdartiger, man ist versucht zu sagen, exertischer Zug in der Kostümierung, den Bühnenbildern, den Tänzen — und den Themen. Bei aller Variierung in den einzelnen Charakteren und Gruppierungen blieb immer eine Grund- Stimmung vorherrschend, und die ständigen Besucher der Vor- Stellungen im Lande pflegten sich bei jeder Premiere an bestimmten Stellen mit einem Augurenlächeln anzusehen und sieh •zuzuflüstern: ״wieder einmal Dybuk!“ Denn bestimmte Effekte, Bewegungen, Beleuchtungen kamen immer wieder und man fragte sich gelegentlich, ob das nun immer so weiter gehen könnte. Jetzt hat das Ensemble mit voller Wucht den Versuch gemacht, mit der alten Tradition zu brechen. Es hat völlig die Themen gewechselt; es hat sich von der bisherigen Regie befreit und versucht, den Regisseur aus sich selbst heraus zu stellen. Und es hat schließlich sich an einem völlig neuen Stil versucht. Um die Wandlung in einen Satz zusammenzufassen : Die Habimah hat versucht, sich zu e u r o p ä i - sieren. Sehen wir zu, wie ihr das gelungen ist. Um mit Bernard Shaws ״Teufelsschüler“ anzufangen: hier ist der Sprung in die Moderne noch nicht so ersichtlich, da die Handlung in die Zeit der amerikanischen Freiheitskriege fällt und der äußere Rahmen noch nicht unbedingt eine Um- Stellung auf das zwanzigste Jahrhundert verlangt. Die Aufgabe ist nicht leicht, wie ja überhaupt kein Shaw leicht 7.u spielen ist. Und der ,,Teufelsschüler“ ist noch eine besonders harte Nuß. Man braucht nur die verschiedenen Vorreden des Autors dazu zu lesen, um lächelnd zu erfahren, wie es ihm selbst bei dem Besuch verschiedener Darstellungen seines Stückes erfangen Ist. Freilich liefern diese Vorreden auch mancherlei chliissel für die Auffassung, die der Dichter selbst sich von den Schauspielern ersehnt. Und diese Schlüssel sind schließlich nicht zu verachten, weil Shaw ja selbst wohl am besten wissen muß, was er ausdrücken wollte. Es läßt sich nun nicht leugnen, daß der Shaw-Kenner im Moment, wo der Vorhang aufgeht, einen bösen Schreck bekommt. Denn es beginnt mit einer dunklen, etwas schaurig anmutenden Szene, wo ein Governor in wilden Tönen befiehlt, einen Rebellen zu hängen. Man durchsucht sein Gedächtnis vergeblich, um in Shaws Stück eine solche Gestalt wie diesen Governor oder eine solche Szene zu finden. Und schließlich ist es eine Erleichterung, wenn dann der Vorhang aufgeht und es wirklich richtig mit Shaw beginnt. Vor dem zweiten Akt gibt es wieder so eine dunkle Szene wo bleibt Shaw? — und vor dem dritten auch. Das Stück wird eingerahmt durch die immer wiederkehrende Symbolik der rohen Gewalt, die die Freiheit unterdrückt. Nun kommt zwar in den köstlichen Gesprächen des Generals Burgoyne mit seinem unverbesserlichen Major Swindon etwas über dieses Thema vor, aber — mit umgekehrtem Vorzeichen! Denn der •Standpunkt der rohe« Gewalt, die sich selbstverständlich in den Dienst der hohen Ideale stellt, wird aufs schärfste und sarkastischste persifliert und gewissermaßen in den Nebensätzen erledigt. Warum sah man sich also genötigt, nicht nur zu streichen - - dazu kann die technische Not zwingen — sondern dazuzudichten, und zwar Dinge, die völlig aus dem Rahmen fallen? Es ist gefährlich, wenn man Shaw verbessern will. Was nun die Auffassung des Stückes betrifft: Diese Ge* schichte des ,,Teufelsschülers“, also eines von der engen puritanischcn Gesellschaft als verloren angesehenen Mannes, der im Moment der Not sich an Stelle des Ortspfarrers verhaften läßt und bereit ist, seine Stelle auf dem Schafott einzunehmen, während aus dem Harrer in eben dieser Stunde ein Führer der Miliz wird — diese Geschichte, an sich ungewöhnlich und bizarr — wird in den Händen der Habimah unverständlich. Der Regisseur muß das auch gefühlt haben, denn er hat sich so aus der Klemme herausgeholfen, wie schon andere Regisseure vor ihm — man lese Shaws Vorrede! — er hat die Liebe als Deus ex Machina angerufen und den Helden sich in die Frau des Pfarrers verlieben lassen, wodurch die Selbstaufopferung verständiieh werden soll. Freilich wird sie dadurch auch platt und völlig uninteressant, die Gestalt verliert ihren Reiz, ihre Be- Sonderheit. Während in dem Stück ausdrücklich erzählt wird, daß der Held in bester Verfassung geschlafen, gefrühstückt und mit seinen Wachen Karten gespielt habe, erblickt man ihn auf der Bühne hinter grimmigen Gitterstäben in einer geradezu tragischen Verfassung (!), verzehrt von Gram und Liebesqualen, was vielleicht den herkömmlichen Begriffen entspricht, aber durchaus nicht seiner von Shaw ausführlich gegebenen Charakteristik. Solche Mißgriffe häufen sich, auch bei anderen Figuren. Das wahrhaft Schlimme aber erwartet den Zuschauer im letzten Akt, der auf grimmige Weise frisiert, gestrichen und bearbeitet worden ist, so daß von seiner Eigenart wenig übrig bleibt. Der köstliche General Burgoyne ist dem Rotstift zum Opfer gefallen, sein« typischen Sentenzen über Krieg, Offiziere, das englische Kriegsministerium usw. fallen einfach unter den Tisch, seine Stelle nimmt der blindwütende Governor der erfundenen Dunkelszenen ein, in dessen Mund sich noch dazu einige Anschaumigen des Generals verirren, was die Verwirrung komplettiert. Und während Shaw am Schluß seinen Delinquenten durch den General, der ihn aus politischen Gründen zum Tode verurteilt hat, höfliehst zum Lunch einladen läßt, schließt es hier mit einer ebenso pathetischen wie platten Apotheose auf die Freiheit. Wenn man schon eine solche suchte, so hätte man sie aus dem letzten Akt nehmen können, wo der Held das kindliehe und rührende Wort spricht: ״Amen, mein Leben für die Zukunft der Welt!“ Das klingt wenigstens etwas origineller! Wer freilich Shaws echtes Stück nicht kennt, kamt doch an verschiedenen schauspielerischen Leistungen seine Freude haben, an dem Ernst, mit der die Aufgabe angepackt wird und dem redlichen Bemühen um neue Wege. Und diese neuen Wege sind noch interessanter in der Aufführung Maughams. Man muß hier von dem unerheblichen Stück absehen, das eine Mischung zwischen Propaganda für moderne Ansichten und Gesellschaftsdrama darstellt. 1111 Stück selbst ist nicht viel zu holen. Die Geschichte des verwundeten Fliegers, dessen Frau sich in einen anderen verliebt und dessen Mutter ihm zur richtigen Zeit zum Selbstmord verhilft, ist zwar begabt gemacht, aber doch etwas platt. Aber es ist ein geeignetes ÖDjekt für neue Studien der Habimah. Alles ist anders, als man c§ gewohnt ist: Die modernen Anzüge der Schauspieler, die man immer in phantastischen Gewändern g«- sehen hat; die große Ruhe, di« auf der Bühne herrscht; der Verzicht auf jede stark wirkenden Effekte; die sehr betonte Zurückhaltung im Ausdruck, in der Tongebung, der Nuancierung. Hier ist. fraglos ein beträchtlicher Fortschritt zu verzeichnen. Habimah-Aufführungen waren bisher übermäßig anstrengend für Auge und Ohr, nicht genügend abgestimmt, etwas gewaltsam in Formen, Farben und Bewegung. All das ist wie auf einen Schlag verschwunden. Man versucht, ein englisches Milieu mit seiner ganzen Zurückhaltung, strengen Form und Haltung darzustellen, arbeitet dabei mit den sparsamsten Mitteln und fährt im ganzen nicht schlecht dabei. Wenn bei diesem Versuch gelegentlich über das Ziel hinausgeschossen wird, so daß die zu heftige Bewegung früherer Aufführungen durch Steifheit abgelöst wird, so ist das wohl ein Resultat des ersten Versuches. Und trotz dieses Anfluges von Steifheit gibt es schauspielerische Höhepunkte, wie die Erzählung der Mutter im letzten Akt, wo mit kleinsten Mitteln ein großer Eindruck erzielt wird. Als Ganzes gesehen, sind die beiden Versuche interessant als eine Entwicklungsphase. Sich auf ״europäischem Gebiet“ zu versuchen, war für Habimah eine Notwendigkeit. Wenn der ״Teufelsschüler“ in vieler Hinsicht ein Mißgriff — man könnte sagen, ein Mißverständnis — war, so zeigt er doch neue Ansitze, und die Darstellung des Maugham ist in hohem Maß ein Erfolg. Es fragt sich nun, welchen Weg־ die Habimah weher gehen soll. Das Problem des Repertoires ist brennend. Es ist sicher für ihre Vielseitigkeit gut, daß sie für eine Zeitlang den Weg der großen Tragödie und der Exotik verließ, um sich an ganz anderem Stoffe zu versuchen. Aber es bleibt eben ein Versuch, der weiter führen muß. Die Auswahl weiterer Stücke ist nicht leicht. Einerseits kommt nur die Aufführung einer geringen Anzahl von Dramen im Jahre in Betracht, so daß eine Beschränkung auf wirklich wertvolle Dichtung drin• gend ist, dringender als in Europa mit seiner Fülle von Theatern der verschiedensten Art. Andererseits besteht die große Schwierigkeit der Ucbersctzung ins Hebräische, die. sich bei den zwei letzten Stücken fühlbar machte. Besonders bei Shaw erscheint eine Wiedergabe der etwas gewundenen, elastischen, brillierenden Sprache ungeheuer erschwert. Aber 'auch die einfache Sprache des modernen Oeseüschaftsstückes wird im Hebräischen schwerfällig, geziert, zu wenig leicht in der Handhabung. Vielleicht wäre diese Komplikation dadurch zu beheben, daß in solchen Fällen das literarische Hebräisch zugunsten des mehr Abgeschliffenen des täglichen Gebrauchs zurückträte. Nimmt man diese beiden Gesichtspunkte in Betracht und behält außerdem im Auge, daß diese Truppe für die im Lande heranwachsende Jugend der fast einzige Vermittler dramatischer Kunst ist, so wird man sich der Frage des Repertoires mit besonderem Ernst zuwenden. Die Freunde des Hebräischen und der Habimah in der ganzen Welt sollten hier ihren Rat und ihre Hilfe geben. Bei einer guten Auswahl der Stücke kann die Habimah zu einer wichtigem Hilfe im Aufbau der hebräischen Kulturwelt werden. Und wenn irgendwo, so ist gerade in Palästina das Theater als ״moralische Anstalt“ zu betrachten. Gerda Arlosoroff-Gofdherg. Amerikanische Kolonisation (Edna Ferber, Cimarron. Dtsch. Uebs. bei Gbr. Enoch, Hamburg 193t.) EdBa Ferber hat dem amerikanischen Büchermärkte schon mehr als einen Band der bekannten ״best Seilers“ geliefert. Ein ursprüngliches, frisch quellendes Talent, das zugleich mit dem Geschmack seiner Leser zu paktieren wußte. Fast noch niemals aber . vielleicht mit der einzigen Ausnahme des ״Show-Boat“, ihrer großartigen Komödiantengeschichte — ist ihr ein Wurf geglückt, der in gleichem Maße die Forderungen ihrer Leser und die Forderung, die der Künstler an sich selbst zu stellen verpflichtet ist, zu erfüllen vermochte wie dieses neueste ihrer Bücher, der in Amerika mit Begeisterung aufgenommene und nun in guter deutscher Uebersetzung vorliegende Roman ״Cimarron“. Ein glücklich gewähltes Thema: die Kolonisation des amerikanischen Staates Oklahoma — eines der aufregendsten Kapitel der jüngsten amerikanischen Geschichte; aufregend genug für jeden, der jemals über Kolonien und Kolonisierung nachgedacht hat. mehr als ein g' in den die Dichterin selbst gewiß ein *,wenig verliebt war und in den sich offenbar die Mehrzahl ihrer amerikanischen Leserinnen verliebt hat: Yancey Cravat, der ״Cimarron“, der seinen Namen von dem unheimlichen Gebiete ״Niemandsland* herleitet, dem Paradies für Mörder und Pferdediebe. Neben ihm aber steht mit ihrem herben Reize Sabra Cravat, die Frau des Pioniers, niemals müde, niemals verzagt — sie ist die Einzige, bei der wir manchmal an Frauen unserer eigenen kolonisatorischen Geschichte denken müssen. (Seltsam, daß der Name ״Sabra“ in Palästina die besondere Bedeutung des Urwüchsigen, Land-verbundenen hat!) Manche Chaluzah hat, wie sie, den Weg ins Unbekannte an der Seite des Marines angetreten. In. der wilden Welt um die Beiden, mitten in der mit amerikanischer Blitzschnelle erstehenden neuen Koionistenstadt Osage, findet sich auch die Gestalt eines Juden ein, der in seiner scheinbaren Hilflosigkeit und inneren Ueberlegenheit allmählich zum hilfreichsten Freunde der tapferen Frau wird. Aber auch Sol Levy kann sie nicht vor der letzten Einsamkeit retten: als ihr einziger Sohn der fremden und unheimlichen Anziehungskraft der indianischen Ureinwohner erliegt. Der junge Cimarron Cravat wird der Mann einer Indianerin und geht seiner Rasse und Kultur verloren; und der tollkühne Yancey, der Mann ihres Herzens, kehrt nur zum letzten Abschiede in ihre Arme zurück. Ein buntes und starkes Buch. Freilich schmeckt der Schluß einem europäischen Gaumen ein wenig nach-»Honig mit Zitronensaft“. B. B. S. De ״Moazath Hapoaloth“ in Palästina teilt mit, daß Ende Juli mit dem Bau des zweistöckigen Hauptgebäudes sowie der Ställe für die neue Mädchenfarm in Ness Ziona begonnen wurde. Man hoffe, bis zum Beginn der Regenzeit die Gebäude fertigzustellen und dann bereits Mädchen aufnehmen zu können. Die Eröffnung soll im Frühjahr 1932 stattfinden. Diese Maßnahmen werden auf Grund eines Uebereinkommens getroffen, das gemäß dieser Mitteilung zwischen der Wizo, der rumänisehen Frauenorganisation und der Moazath Poaloth bei der Wizo-Konferenz in Basel zustandegekommen sein soll. Jerusalem, 20. August. (J. T. A.) De Regierung hat bestimmt, daß die Stadt Hebron mit der Zahlung der über sie wegen der Massakers im August 1929 verhängten Ko Ile k - tivstrafe sofort beginne. Jeder Araber in Hebron mit Ausnahme derjenigen, die während des Massakers jüdische Mitbürger verteidigt haben, wird jährlich den Betrag von etwa 3 Dollar zu entrichten haben. Die Einhebung dieser Beträge wird solange fortgesetzt, bis die mit 14 000 Pfund festgesetzte Strafsumme voll erlegt ist. Die Araber hatten um einen Monat Zahlungsaufschub für die erste Teilzahlung gebeten- Es wurde ihnen jedoch nur eine dreitägige Frist gewarnt.