Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 63 (14.8.1931)
- Date
- 1931-08-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 63, 14« VUL 1031 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 380 Sommerlager der Neue zionistische Jugend in Deutschland Von Dr. Walter Mecklenburg. Das Lager der zionistischen Jugend Deutschlands ist nach längerer Stagnation erwacht und in Bewegung geraten. Drei Ereignisse der letzten Monate zeigen das mit großer Deutlichkeit: der Ruf zur Einheit, der vom ״Brith Ha öl im“ ausging, der Versuch des ״H a s c h 0 m e r H a z a i r“ in Deutschfand Fuß zu fassen, die Einreihung des ״Kadimah“ in die zionistische Front. So zeigt sich freilich die Bewegung nur in inneren Auseinandersetzungen und Neugruppierungen und noch nicht in dem Angriff auf die nichtzionistische Front, der immer dringender wird. Aber wir können hoffen, daß unsere Bünde aus einer Periode der Auflockerung stark hervorgehen werden, imstande, auch den Kampf nach außen zu führen. Der Aufruf des ״Brith Haolim“ an die zionistische Jugend (״J• R»״ N/• 58) ist Beweis für den erfreulichen Willen dieses Bundes, seinen Rahmen äußerlich und sich Innerlich zu weiten. Man hat scheinbar den Fehler eines allzu starren Dogmatismus erkannt, man bemüht sich in letzter Zeit wieder mehr um die Erneuerung der Erziehungsarbeit. Ueber die Bedeutung des Auftretens des ״Haschomer Hazair“ — einer sehr radikal soziafistisch orientierten zionistischen Jugendbewegung des Ostens — kann deswegen wenig gesagt werden, weil seine Absichten und Aussichten in Deutschland recht undurchsichtig sind. Daß man in den Kreisen der zionistischen Jugendbewegung aus hündischen und zionistischen Motiven die Tätigkeit der Beauftragten des ״Haschomer Hazair“ mit Sorge und einigem Mißtrauen beobachtet, versteht sich von selbst, ebenso, daß den ideologische Kampf mit dieser Bewegung vorbereitet wird. Für die Lage in der zionistischen Jugend ist die Entscheidung des ״Kadimah“ auf dem letzten Bundestag wohl von der größten Bedeutung. Um den 1. August wurde folgende Erklärung über das Ziel des ״Kadimah“ in Naundorf bei Dessau beschlossen: ״Der ״Kadimah“ setzt es sich zum Ziel, junge Menschen zum Zionismus zu erziehen, d. h. zu Menschen, die sich in die jüdische Renaissancebewegung cinreihen und sich mit ihrer ganzen Person für den Aufbau Palästinas einsetzen, bereit und vorbereitet sind zur Alijah und zu aktiver zionistischer Arbeit in der Golah. Dieses Ziel kann nur durch intensive Erziehung von Charakter und Geist, nicht durch dogmatische Und parteigebundene Beeinflussung erreicht werden. Der Erziehungsweg des Bundes führt über die Erziehung zum Judentum, intensivste jüdische und hebräische Kulturarbeit.״ Diese Erklärung ist wichtig als Ausdruck für Willen und Weg einer jungen zionistischen Bewegung. Die Geschichte des ״Kadimah“ ist in den Grundzügen bekannt. Sie führte den Bund von der sehr weiten Basis eines ״positiven Judentums“ über die engere eines ״nationalen Judentums“ nach schweren Kämpfen zu der Einsicht, daß die Erziehungsarbeit, die er leistet, Er- Ziehung zum Zionismus ist. Der Bund erkannte, daß es sittliche Forderung und Bedingung innerer Kraft ist, diese Tatsache offen zu bekennen. Der Weg zu dieser Erklärung ist freilich durch häufige Austritte und Abspaltungen gekennzeichnet, eine Periode schwerer Erschütterungen, die mit diesem Bundestag wohl abgeschlossen ist. Das Recht auf solche Hoffnung gibt das Bundeslager und der ,Vexlauf d^r ,Debatte» der Tagung, Hier zeigte sich eine Verbundenheit der Menschen, eine Einheitlichkeit des Stils, wie nie zuvor auf einem Bundestag des ״Kadimah“. Gewiß ist der ״Kadimah“ noch kein völlig geschlossener, kein fertiger Bund — es bleibt noch viel zu tun übrig, um die zweifellos sehr guten Ansätze zu entfalten. Diese Aufgabe steht vor der n enge wählten Bundesleitung, vor Emmi Horowitz und Max Zimels, die mit einer ebenfalls gewählten Moazah (Dodik Kadinsky, Jaques Mendelsohn, Chanoch Reinhold, Enzio Sereni-Giwath Brenner, Moritz Spitzer) eng Zusammenarbeiten wird. Der Bundestag beauftragte die neue Leitung, die seit langem geführten Fusions- Verhandlungen mit den ״Zofim“ nunmehr abzuschließen, nachdem das bisherige Hindernis für die Vereinigung durch die Erklärung des ״Kadimah“ zu einem zionistischen Erziehungsbund beseitigt ist. Die Debatten der Tagung, in deren Rahmen auch Dr. Georg Landauer ein Referat hielt, zeigten volle Einsicht in den Ernst und die Verantwortung der Entscheidung. Diese Jugend weiß, daß die Erklärung zur zionistischen Erziehung nicht nur Abschluß einer längeren Entwicklung sein kann, sondern Beginn neuer Kämpfe um den Sinn des Zionismus werden muß. Die Führer des ״Kadimah“ wissen, daß eine Erneuerung des zionistischen Gedankens not tut. Sie erwarten nichts von überkommenen Formeln, auch nichts von den Patentlösungen, die häufig von Emissären aus dem Osten oder aus Palästina als einzige Heilswahrheit angeboten werden. Der ״Kadimah“ ergreift gern die Hand all derer, die kommen, um ihm zu helfen, aber er verschreibt sich nicht, keinen Menschen, keiner Partei, keinem engen Programm. Nicht aus Individualismus ■oder Rechthaberei, sondern aus der Erkenntnis, daß radikaler Zweifel am Anfang eines neuen Gedankens stehen muß. Wir sahen: die zionistische Jugend in aller Welt steckt im Nebel unfruchtbarer Worte, deren Schein in allzu großer Sicherheit, Naivität und Dogmatismus nicht erkannt wird. Sätze und Artikel sind nicht mehr Ausdruck selbsterrungener Gedanken, sondern Produkte einer Aneinanderreihung von standardisierten Begriffen. Glauben entsteht aus weltfremden Wunschträumen und nicht aus strenger Analyse der Wirklichkeit, Wille aus dumpfer Romantik und überhitzter Patheiik. Gefühle herrschen, wo Gedanken regieren sollten. Niemand wird leugnen, daß die zionistische Jugend in aller Weit trotz der Erstarrung ihres Denkens Großes geleistet hat. Aber es scheint, als ob es eine Gruppe zionistischer Jugend geben muß, die alles noch einmal prüft, neue Werte setzt. Diese Jugend muß ohne Ueberheblichkeit, in ruhiger Sachlichkeit an ihre Aufgabe gehen, sic muß scharfsichtig sein und sehr besonnen. Sie muß es ertragen können, wenn andere Bewegungen mit starken Worten Gefolgschaft und vor ihr einen Vorsprung gewinnen, sie darf sich nicht lohender Romantik, nicht dem Kult schönen Gemeinschaftslebens ergeben. Keine zionistische Vokabel und keine der Jugendbewegung und des Sozialismus darf ihr zu heilig sein, um nicht der Prüfung zu unterliegen, nichts darf selbstverständlich sein, nicht Marxismus und nicht Kibbuziuth. in größter Weite muß dieser Bund, der ״Kadimah", seinen Weg suchen, dem jüdischen Volk und Palästina zu dienen. Ein Bund, der vor sich diese Aufgabe sieht, braucht Ruhe. Er kann sich nicht parteimäßig einordnen und keine Fusionen im großen Maßstab eingehen wollen, bevor nicht sein eigener Weg klar ist. Einheit der zionistischen Jugendbewegung ist ein Wert, dem große Opfer gebracht werden müssen. Die neue von außen beabsichtigte Teilung der linken zionistischen Jugend in zwei Ströme können ־wir ebensowenig verstehen und billigen wie der Brith Haolim. Wir wünschten die Einheit auch jenseits der Landesgrenzen, und es scheint uns, daß in Deutschland bei dem Nichtvorhandensein von historischen Gründen für die Spaltung die trennenden Momente nur für eine Partei, nicht aber für die Jugend eine Rolle spielen dürft«!. Aber Einheit indischen Jugend ist kein Wert, dem die selbständige Entwicklung einer Jugend geopfert werden dürfte, die glaubt, ein eigenes Wort und «inen eigenen Weg suchen zu müssen und finden zu können. Der ״Kadimah" wird erst über Einigung sprechen können, wenn er weiter auf seinem Wege ist. Jetzt muß er seine t ז nabhängigkeit bewahren. Unabhängigkeit heißt nicht, daß der Bund nicht freundschaftliche Beziehung zu anderen zionistischen ßünden wünschte. Autonomie heißt auch nicht völlige Emanzipation von der älteren Generation, aus der viele dem Bunde helfen können. Nicht nur die Jugend fühlt heute die Notwendigkeit der neuen Fundierung eines Zionismus, der ganz den Menschen erfüllt und stand hält in den feindlichen Bewegungen unserer Zeit. Ich sprach so deutlich über die geistige Arbeit, die vor dem ״Kadimah“ liegt, daß es scheinen könnte, als handele es sich nur darum und als solle die praktische Arbeit dahinter zurücktreten. Der ״Kadimah" will keine Bewegung steriler Intcllcktueller sein. Entscheidendes Gewicht muß und wird auf die Erziehungsarbeit gelegt werden. Menschen sollen erzogen werden, nicht Soldaten, sondern Vorkämpfer, die wissen, was sie zu tun haben und was sie erwartet, die eine wirkliche ״Hachscharah“ erfahren haben. Leistung wird gefordert, ganzer Einsatz, der aus Verantwortung und voller Erkenntnis folgt, nicht aus unklarer Romantik. Dies ist der Weg einer neuen zionistischen Jugend in Deutschland, ein Weg voller Gefahren und Schwierigkeiten zu einem wichtigen Ziel. Man spricht von einem leichten und einem schweren Zionismus; dies ist, so will mir scheinen, der schwerste Zionismus. Bundestag des Brith Haolim Vom 2. bis 5. August fand im Dorfe Wendershausen bei Kassel der diesjährige Bundestag des Brith Haolim (jungjüdischer Wanderbund) unter Beteiligung von 460 Mitgliedem aus dem ganzen Reiche statt. Das Programm der Tagung umfaßte Referate über allgemein-jüdische Probleme und über spezielle Bundesfragen, sowie sportliche Wettkämpfe und sonstige festliche Veranstaltungen. Am ersten Verhandlungstage referierte Se ren i (Palästina) über die Lage im Zionismus. Der Referent befaßte sich mit den speziellen Aufgaben, die die sozialistischen Gruppen im gegenwärtigen Augenblick in der zionistischen Bewegung zu erfüllen haben. Der Nachmittag war einer Aussprache über Erziehungsfragen gewidmet. Es wurde die Notwendigkeit einer Vereinheitlichung und Systematisierung der Erziehungsarbeit hervorgehoben. Der nächste Tag brachte ein Referat über das Thema ״Der Bund in der Umwelt“, das in der Forderung gipfelte, der Brith Haolim solle jetzt, da immer größere Teile der zionistischen Jugend Deutschlands den Weg zur Chaluziuth fänden, gegen alle Spaltungstendenzen auf die Zusammenfassung der chaluzisthen Kräfte in einem einheitlichen Bunde hin wirken. Am letzten Tage wurde der Tätigkeitsbericht der Bundesleitung erstatte!, aus dem hervorging, daß der Brith Haolim derzeit 1300 Mitglieder zählt, von denen 180 in Palästina leben, und zwar 100 in der Kwuzah Givat Brenner, die übrigen in verschiedenen anderen landwirtschaftlichen Siedlungen. Auf der Sich&h, mit der der Bundestag seinen Abschluß fand, wurde eine neue Bundesleitung, bestehend äfis jää'kow Oppenheim (Givat Brenner, Berlin), Georg Pape und Leo Steinberg (beide Berlin), gewählt. Gleichzeitig mit dem Bundestage wurde ein J ü n - geren- Lager des Brith Haolim zu Ende geführt, das am 17. Juli unter Beteiligung von SO Jüngeren aus den Ortsgruppen Berlin, Leipzig, Chemnitz, Nürnberg, Fulda und einigen kleineren Ortsgruppen eröffnet worden war. * 111 der deutschen Presse war vor einigen Tagen die Meldüng verbreitet, daß eine Gruppe von Nationalsozialisten, vorwiegend Schüler der Koloniaischule in Witzenhausen, eine Gruppe von Jungsozialisten in einer Scheune in der Nähe des benachbarten Ortes Weudershausen überfallen haben. Es handelt sich hierbei um einen Angriff auf Mitglieder des Brith Haolim. Der Ueberfall konnte von den Mitgliedern des Brith Haolim noch vor dem Eintreffen der Polizei erfolgreich abgewehrt werden. Die Angreifer, die auf dem Rückweg von einer nationalsozialistischen Versammlung in der Stärke von etwa 40 Mann in die Scheune einzudringen versuchten, wurden von den sofort alarmierten Mitgliedern des Brith Haolim gezwungen, fluchtartig das Weite zu suchen, wobei sie in den Kleidern die Werra durchschwimmen mußten. Bei dem Zusammenstoß gab es einige Verletzte auf beiden Seiten. Dem Kasseler Ueberfallkommando, das etwas später auf dem Schauplatz eintraf, gelang es, mehrere Teilnehmer an dem Ueberfall, meist Kolonialschüler, festzunehmen. Bei einem der Verhafteten wurde ein scharf geladener Revolver gefunden. — Die Verhandlung wird in Kassel stattfinden. Sommer-Camp des Kartells jüdischer Verbindungen Vom 31. Juli bis 3. August fand auf dem jüdischen Siedlungsgut Groß-Gr. glow bei Kottbus das diesjährige Sommerlager des Kartells jüdischer Verbindungen, der größten zionistischen Studentenorganisation, statt. Die Tagung war aus allen Teilen des Reiches außerordentlich gut beschickt. Der offizielle Teil begann am Sonnabend abend. Nach einer Er- Öffnungsansprache des Vizepräsidenten Referendar Heinz Gerling, der die Einheit des Kartells und des Zionismus als ein Gebot der Stunde in dieser politisch und wirtschaftlich gefahrvollen Situation des Judentums forderte, hielt Referendar Hans Klee ein Referat über die ״Lage des Zionismus nach dem Kongreß“. Der nächste Tag, der unter der Parole ״Zionistische Werbung in Deutschland“ stand, wurde durch ein Referat von Dr. Ernst Marcus über ,,Zionismus im Angriff“ eingeleitet, in dem der Referent mit besonderer Sachkunde einen Ueberblick über die Psychologie der nichtzionistischen Judenheit gab, um hieraus Folgerungen für den Kampf gegen die assimilatorische Ideologie in liberalen und orthodoxen Kreisen und gegen den antizionistischen Teil der sozialen Bewegung zu ziehen. Heinz Wydra (Leipzig) referierte über ״Propagandamethoden unserer Umwelt“, wobei er eine ausführliehe Schilderung der nationalsozialistischen und kommimistisehen Agitation gab, die in ihrer Beobachtung psychologischer Gesetze auf stärkste Wirkung abgestellt sei, und von der jeder, der sich mit politischer Propaganda befasse, außerordentliches lernen könne. Dr. Hans Anton Wo 1 f f (Frankfurt a. M.) machte konkrete Vorschläge zur kommenden Winterarbeit, wobei er besonderen Nachdruck auf die bisher vernachlässigten Kleingemeinden und das flache Land legte,!:ine mitkrordentlieh eingehende Diskussion fand ihren Abschluß durch Beratungen in kleinen Kreisen, in denen die Werbe;■ktionen der einzelnen Verbindungen für die nächsten Monate vorbereitet wurden. Mit einem hebräischen Neshef und Sportkämpfen am nächsten Tage fand die Tagung ihren Abschluß. Samuel Abba Horodezky Za •«Inem 60. Geburtstage, am 10. Eiul (23. August) 1931 Von Emanuel bin Oorion. Das wundersame Gebilde, das man neuhebräische Literatu? nennt, im Gegensatz zur Tradition entstanden, rebelienhaft in Ursprung und Wirkung, von der Begeisterung für die Auf■׳ klärung getragen und scheinbar ganz unabhängig von der Umwelt, unabhängig auch von politischer Tendenz jeder Art — das ist der Boden, dem Samuel Abba Horodezky, der nun Sechzigjährige, entsprossen ist. Heute, da das gesprochene Hebräisch eine Sprache unter Sprachen ist, gibt es in ihr alle Vertreter des literarischen Wesens, wie wir sie aufzuzählen gewohnt sind: nämlich Poeten und Literaten, Journaüsfen und Publizisten, Fachschriftsteller und Gelehrte — das heißt, man fürchtet sich fast, es auszusprechen: der unheilvolle Prozeß der Spezialisierung, der für den Geist Rubriken schafft und alle Sprachen zum Esperanto macht, hat auch hier begonnen. Noch der neuhebräischen Literatur war, wie der rabbinischen, der mönchische Zug eigen, der dem Geist um des Geistes willen dient, keine praktischen Erwägungen kennt und von Arbeitsteilung, in der maschinellen Bedeutung des Wortes, nicht weiß. Ein Repräsentant dieser universalistischen Epoche ist auch Horodezky. Zwar kann man sein Fach bezeichnen: Darstellung der Lehrer und Lehren des Chassidismus, der jüdischen Mystik überhaupt, schließlich auch Literaturgeschichte des Rabbinischen — aber er ist ein Sohn jener für Europa schon fernen, den Juden noch nahen Vergangenheit, da Wissenschaft und Bildung untrennbare Begriffe waren. Das engere Gebiet Horodezkys, der Chassidismus, ist von ihm als hebräischem Schriftsteller zuerst bearbeitet worden, und er hat es auf seine Weise auch ausgeschöpft. Man kann ihn als den bezeichnen, der in dem Durcheinander der chassidischen Literatur Ordnung geschaffen, die klassischen Gestalten der Bewegung charakterisiert, die Ideen systematisiert und aus de״ zerstreuten Dokumenten das Wichtigste und Bezeichnende in Monographien oder speziellen Editionen zusammengestellt hat. Zeitlich sind ihm, außer dem ersten literarisdren Verfechter der Bewegung, Elieser Zweifel, die Historiker Graetz und auch Dubnow vorangegangen, und doch ist er der eigentliche Erschließet des Wissensstoffes. Graetz nahm zu sehr Partei, Partei dagegen; Dubnow wiederum schreibt von einer gewissen Warte aus. Bei Horodezky hat man vollkommen das Gefühl des Verbundenseins und Verwachsenseins mit der Materie. Er schildert die Dinge ohne jeden Ueberschwang, aber durchaus mit Liebe. Denselben Versuch einer Einteilung der Themen und Typen hat Horodezky auch innerhalb des umfassenderen Bereiches der jüdischen mystischen Literatur, von der die chassidischen Bücher nur einen Bezirk ausmachen, begonnen. Veröffentlicht sind, außer kleineren Arbeiten, eine nach Gegenständen geordnete reiche Auswahl aus den Werken des Kabbalisten Mose Cordovero und der erste Band einer umfassend gedachten Geschichte der jüdischen Mystik, beginnend mit dem SchÖpfungsberichte der Bibel. Die Abhandlungen über den Chassidismus und die Chassiden liegen in vier Binden gesammelt vor; dazu kommen Vier Binde Editionen, enthaltend Märchen, Sagen, Lehrsätze und Gespräche des Baal-Schem selbst, des R. Bär aus Meshiritschi, des R. Nachman aus Brazlaw und anonymer Herkunft. Unabhängig davon ist das in deutscher Sprache verfaßte Werk ״Religiöse Ströinungcii im Judentum“. Mit der rabbinischen Literatur beschattigen sich ein spezielles Werk ״Lekorot Harabbanut“ (Zur Geschichte des Rabbinisrnus) und eine Reihe von Beiträgen für die ״Encyclopaedia Judaica“, in der Horodezky sein Hauptgebiet fast ausschließlich bearbeitet. Die zehn Bände der von ihm begründeten und redigierten Jahrbücher ״Hagoren“ (Die Scheuer), die Materialien zur jüdischen Wissenschaft aus den verschiedensten Lagern vereinigen, können eine Station genannt werden in der Geschichte der gelehrten hebräischen Literatur des Ostens. Ein gemeinsamer Zug der neuzeitlichen Wissenschaften ist es, daß sie, statt unmittelbar vom Stoff, von Schulen und Richtungen ausgehen und ihren Ehrgeiz darein setzen, neue Schulen und Richtungen zu begründen; nichts veraltet aber so schnell wie konstruierte Systeme, und nichts ist so sehr dem Wechsel unterworfen wie der sogenannte ״neueste Stand der Wissenschaft“. Will man sich an etwas halten, so sind das die Quellen, wie sie sind, oder Arbeiten, die zwischen sich selbst und die Quellen nichts einschieben. Solche Wissenschaff hat auch durchaus den Wert der Literatur, in dem Sinne, wie wir bei der Nennung des alten jüdischen Schrifttums keinen Unterschied machen zwischen Dichtung, Spekuiation und Theologie, Das Merkmal der Tätigkeit Horodezkys ist nicht zuletzt die würdevolle Bescheidenheit, die Rolle des Soldaten mit letzter Treue auszufüllen — während es fast keinen Wissenschattier gibt, der sich nicht zum Offizier berufen fühlte. Der sich aber als einfacher Soldat fühlt, wird unversehens zum Pionier. Neue Broschüre. ״Zur Kritik der ideologischen Grundlagen der ,Brith Sdialom‘ vom Standpunkt des integralen Zionismus“, von Abraham Schwadron. (Hebräisch. — Hauptvertrieb; Bookstore ״Achiasaf“, Jerusalem. In Berlin: Buchhandlung R. Mass, Charlottenburg, Kantstr. 46. Preis 30 cents.) Ueber den Inhalt schreibt der Autor: ״Hier ist zum erstenmal der Versuch unternommen worden, die Ideologie der ״Brith Schalom“ nach ihren Quellen, Konsequenzen und Meinungsverschiedenheiten zu analysieren und einer objektiven Kritik zu unterziehen. Der integrale Zionismus, von dessen Gesichtspunkt aus diese Untersuchung durchgeführt wird, geht auf die völlige territoriale Lösung der Judenfragc durch Ueberwauderung der überwiegenden Mehrheit des jüdischen Volkes aus und stellt sich somit in Gegensatz zum heutigen offiziellen Zionismus aller Schattierungen, auch zum Revisionismus und Radikalismus, die alle in Palästina nur ein jüdisches Zentrum errichtet wissen wollen.“ Juristische Literatur. Im Verlag ״Hamischpat", Jertisalem, sind bisher erschienen: 1. ״Ha mischpat“, hebräische juristische Monatsschrift mit Beiträgen von palästinensischen und europäischen Fachgelehrten. B. I, II, Ili, IV (etwa 50 Druckbogen) 5 Dollar. — 2. Corpus iuris civilis: 1. Band: Institujiones. Hebräische Uebersetzung mit Einleitun g, Tabellen, Noten und Register von Dr. S. Eisenstadt Preis 3 Dollar. — 3. ״Ein Mischpat“. Bibliographisches Handbuch für die gesamte jüdische Rechtsliteratur. Preis 4V» Dollar, geb. 5 Dollar. — Adresse für Bestellungen: ״Hamishpat“ Jerusalem PtO.E 763.