Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1931-08-14 · Heft 63 (14.8.1931) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 63 (14.8.1931)
Date
1931-08-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653252-2653310--22512-2680740
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 388 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. A3, 14. VH!. 1931 Die Exekutive hatte eine Denkschrift unterbreitet, mit der zu stellen und zu fal en sie erklärte. Frau Blumenfeld berichtet, daß die Frage, ob Jic Wizo ein bloßer Verein oder eine Frauenbewegung־ sein solle, auf der Konferenz entschieden worden sei, und daß die Exekutive mit Ihrem Memorandum letzteres habe erzielen wollen. Doch habe die Konterenzmajoritat leider ersteres gewollt. Das Memorandum enthielt fünf Punkte; alle fünf Punkte wurden von der Konferenz angenommen. Daher fällt auch hierzu Frau Blumcnfclds Folgerung als irrig (übrigens scheint mir auch die Betrachtung des Memorandums inhaltlich als ein Mißverständnis), Ich muß nur noch einen Irrtum richtigsten™, den Frau Blumenfeld hinsichtlich Punkt 4 des Memorandums begeht. Sie sagt; ״So kam es, daß dieser Punkt zum Schluß In einer Fassung angenommen wurde, der den ursprünglichen Sinn ins Gegenteil verkehrte, indem gerade die beiden Leiterinnen aus dem Paragraphen herausgenommen wurden und außerdem der Vollzug dieses Punktes auf zwei Jahre suspendiert wurde.‘‘ Hierzu ist zu bemerken, daß das erste Amendement von der Exekutive selbst gebilligt, das zweite Amendement aber von Frau Sieff selber erfunden und seine Annahme von ihr unterstützt wurde. Also auch hier eine ganz andere Situation als Frau Blumenfeld glaubt. Es handelt sich nicht um zwei entgegengesetzte Richtungen auf dieser Konferenz, und es gibt demnach auch keine ״unterlegene Richtung“. Falls das Memorandum der Ausdruck einer solchen gewesen sein soll — das Memorandum wurde ja angenommen! Falls die Budgetierung der Kindergärten der Ausdruck einer solchen hätte sein sollen — die Vorsitzende der Finanzkommission Weiß doch selbst, daß hier keine Mentalität, sondern glatter Geldmangel die Ablehnung mit sich führte! Falls die Demission der vier Londoner Damen als Ausdruck einer solchen gewertet werden soll, so war auf der Konferenz ebenso klar wie fetzt nach Frau Sieffs Erklärung im ״Jewish Chronicle“, daß keine sachlichen Gründe für ihr Ausscheiden bestimmend waren. Die Londoner Exekutive ist im Amte geblieben. Frau Goodman, Frau Irwell und Frau Weizmann kamen mit dem gleichen Programme wie ihre nun demissionierteri Kolleginnen auf die Konferenz (d. h. Frau Dr. Weizmann kam erst zur Exekutive- und Councilsitzung), ihr Programm wurde akzeptiert und sie blieben mit der gesamten Exekutive — exc. die vier demissionierten Damen ־— an der Spitze der kommenden Arbeit. Niemand braucht innerhalb der Organisation für ein ״Programm einer weiten und umfassenden Frauenarbeit zu kämpfen“, denn er findet innerhalb der Wizo keine Gegner. Für weite und umfassende Frauenarbeit kämpfen wir alle nicht gegeneinander, sondern gemeinsam nach außen gegen Indolenz, Assimilation und Antizionismus für das Programm der Wizo. Die deutsche Delegation leistete auf der Konferenz sehr gute wertvolle Arbeit. Frau Freiers Stimme z. B. war eine der wertvollsten in den Beratungen. Wie positiv die Zusammenarbeit aller rein sachlich bemühten Delegierten in dieser schweren Konferenz war, zeigt u. a. die öffentliche Erklärung der deutschen Delegierten Flörsheim, Hamburg, und Winter, Köln (Vorsitzende der Misrachi-Frauengruppe), die mit den Worten schließt: ״Wir stellen mit Genugtuung fest, daß wir leich hei der ersten Forderung, die wir an die Wizo gestellt aben, Verständnis und bereitwilliges Entgegenkommen gefunden haben.“ Die Aufgaben der Wizo und der Ernst, in dem wir diesen Aufgaben ergeben sind, erlaubt uns nicht, interne Strömungen abstrakt zu konstruieren, und aus der Tatsache, daß hier und da in sachlichen Einzelfragen verschiedene Meinungen herrschten, sogleich siegreiche und besiegte Pzinzipe heranleiten. Es lag mir viel daran, Frau Blumenfeld zu zeigen, wo sie im Tatsächlichen geirrt oder mißverstanden hat, damit sie selbst und ihre Leserinnen sehen, daß die Pose irgendeiner Bitterkeit sich hier mir aus Fiktionen erzeugen ließe, an denen Frau Blumenfeld sicher nicht das geringste Interesse haben kann. Im Gegenteil! sie — wie ich — wie jede ergebene Mitarbeiterin an unserem Werke ist nur interessiert an ernster, verantwortungsvoller, fruchtbarer Leistung unserer Repräsentantinnen. Unsere letzte Konferenz war ein sehr gutes Stück ernster, verantwortungsvoller, fruchtbarer Leistung. Ich glaube, es war Dr. Sokolow, Mitglied unserer Exekutive, die diese Konferenz als ״die würdigste Wizokonferenz“ bezeichnet hat. Das war sie auch, die würdigste von allen bisherigen. Möge unsere kommende Arbeit das Niveau halten, das diese Konferenz gezeigt hat. Erwiderung Von Jenny Blumenfeld Dr. Mirjam Scheuer wirft mir mangelnde Sorgfalt in der Berichterstattung vor und bemängelt Irrtümer, die mir unterlaufen sein sollen. Diese Behauptungen sind durchweg unrichtig und seien sofort in Kürze richtiggestellt: 1. Meine Feststellung, daß bei den entscheidenden Ab- Stimmungen sich herausstellte, daß die Delegierten die Anträge mißverstanden und gegen ihre wirklichen Absichten gestimmt hatten, bezieht sich nicht nur auf den von Mirjam Scheuer erwähnten Beschluß, sondern vor allem auf den für den Ausgang der Konferenz entscheidenden Beschluß, nach welchem die Mädchenfarmen der Arbeiterinnen Organisation (Moazath Hapoaloth) zur Verpflichtungssphäre der Wizo gehören sollten. Dieser Beschluß ist nur deshalb zustände gekommen, weil ein großer Teil der Teilnehmer seine Tragweite nicht zu übersehen vermochte. Diese Tatsache wurde in der auf die Konferenz folgenden Counciltagung deutlich und machte die von Mirjam Scheuer zitierte Vollmachtserteilung an die Exekutive erforderlich. Dieser Umstand mag Dr. Scheuer nicht bekannt sein, da sie schon vor der Sitzung des Council abgereist war. Wäre die Tragweite des obigen Beschlusses den Delegierten bereits auf der Konferenz und nicht erst nach Schluß derselben in der Councilsit/ung au (gegangen, so wäre der Ausgang der Konferenz ein anderer und wir hätten nicht auf die Mitarbeit unserer bisherigen Führerinnen verzichten müssen. 2. Der erstaunliche Gleichmut, mit dem die Konferenz das Ausscheiden der demissionierenden Exek u t i v m i t g 1 i e d c r aufnahm, und den ich ihr zum Vorwurf mache, kam unter anderem in der Hast zum Vorschein, mit der die Demission vom Permanenzausschuß entgegengenommen wurde. Dali diese Entgegennahme das erste Mal, nämlich in der Nachtsitzung, voreilig und verfehlt war, ist ja dadurch bewiesen, daß cs nach Bemühungen und Verhandlungen doch gelungen ist, am nächsten Tage eine Exekutive unter Beteiligung der alten Exekutivmitglieder zustande zu bringen. Während der Permanenzausschuß die letzte Wahl der Exekutive vornahm, wurden noch Verhandlungen zwischen den Parteien geführt. Und hätte der Permanenzausschuß auf das Ergebnis gewartet und die Wahl nur um eine Stunde verschoben, so wäre es vielleicht doch zu einer Einigung gekommen und es wäre gelungen, der Resolution, die die Deniission verursachte, schon irn Permanenzausschuß die Interpretation zu geben, die ihr nachträglich in der Councilsitzung gegeben wurde. Im übrigen handelt es sich bei der Beurteilung einer Stimmung außerdem um Gefühlsmomente und ich kann nur sagen, daß viele Delegierte mit mir dasselbe Gefühl hatten. Ich möchte nur wünschen, daß Fräulein Dr. Scheuer und ihren Kolleginnen bei einer nächsten Konferenz Empfindungen erspart bleiben, die von den ausscheidenden Mitgliedern der alten Exekutive infolge der ihnen zuteil gewordenen Behändlung durchlebt wurden. 3. Zu dem Hauptvorwurf, der gegen meine Berichterstattung in der Budgetfrage erhoben wird, — ״entstellender Irrtum von Frau Blumenfeld“ — bemerke ich, daß hier eine schwere Beschuldigung in leichtfertiger Weise ausgesprochen wird. Dr. Scheuer hätte nur meinen Bericht sorgfältig zu lesen brauchen, um zu bemerken, daß sic hier den Posten für Schuldentilgung mit dem Posten für Konsolidierung verwechseit. Dr. Scheuer, die kein Mitglied der Flnanzkcmtmissicm war, scheint in der Tat zu glauben, daß es bei der Frage der Mädchenfarmen nur um £ 500 ging. Dieser Betrag von £ 500 war ein Teilbetrag der alten Schulden, die laut Vertrag zwischen Wizo und Jewtsh Agency von der Agency (genau so wie die Konsolidierung) übernommen worden war. Ä die Agency augenblicklich in finanziellen Schwierigkeiten war, sollte Ihr im nächsten Jahr der Betrag von £ 500 geliehen werden. In diesem Punkte gab es abgesehen vom Zahlungstermin gar keine Kontroverse. Oegenübergestellt wurden nicht Schulden und Kindergärten, sondern Konsolidierung der Mädchenfarmen (£ 5000) und Kindergärten (£ 3000), eine Entscheidung, die, wie ich in meinem Artikel ausführte, auf der Konferenz gar nicht getroffen wurde, sondern durch die Resolution, daß die ״Mädeben farmen zur Verpflichtungssphäre der Wizo gehören“, vorweggenommen worden ist. Dr. Scheuer weist darauf hin, daß die £ 3000 für die Kindergärten nicht da waren, sie vergißt nur, daß auch die £ 5000 für die Konsolidierung nicht vorhanden waren. Bei beiden Beschlüssen handelt es sich ausschließlich um die Richtung der zukünftigen Arbeit und die Verwendung der neu zu beschaffenden Mittel. Im übrigen war unter der Voraussetzung, daß die Kindergärten übernommen werden, die Hälfte des Betrages von privater Seite bereits zugesagt worden. 4. Zu der Bdaß mein Bericht unvollkommen ist da ich von der die Exekutive bevollmächtigenden Resolution keine Notiz genommen habe, sei bemerkt, daß diese Resolution ja keine Resolution der Konferenz ist und die Konferenz in keiner Weise beeinflußt hat. Außerdem ist diese Resolution im Protokoll unrichtig wiedergegeben und hat dadurch an Wert eingebüßt. Ich habe vor Wochen gegen diese falsche Wiedergabe protestier♦, habe aber bis heute keine Antwort erhalten. Dieser Punkt ist für mich also noch ungeklärt und schon aus diesem Grunde allein wollte ich die Angelegenheit in dem Bericht nicht behandeln. Es sei aber noch einmal betont, daß es sich um eine Resolution des Councils handelt, die also auf die Konferenz und ihre Ergebnisse keine Wirkung mehr hatte. in diesem Zusammenhänge sei nachträglich darauf hin- Siesen, daß Frau Weizmann sich ultimativ weigerte, mit ursprünglichen Beschluß der Finanzkommission in die Exekutive einzutreten. Da cs nach Schluß der Konferenz keine Möglichkeit zur Reassumierung gab, wählte man den von mir vorgeschlagenen Ausweg einer authentischen lnterpretation. 5. Die Tatsache, daß die Konferenz das Memorandum der Exekutive nach langen Kompromißverhandinngen, bei denen Frau Sieff. u. a., um die Bildung einer gemeinsamen Exekutive zu ermöglichen, auf das von Dr. Scheuer zitierte Amendement einging, soll als Beweis dafür dienen, daß es sich nicht um zwei entgegengesetzte Richtungen gehandelt hat. Ich verstehe nicht, warum Fräulein Pr. Scheuer sich so sehr .beraiMit,, sachliche Und programmatische Gegensätze zu leugnen. Es wäre in der Tat »ehr traurig, wenn man einem nur persö nliehen Gegensatz so ausgezeichnete führende Mitglieder eopfert hätte; das entspricht aber auch nicht der wirklichen achlage. Ich verweise hier auf den Artikel von Ada Fischmann, die von einer Aenderung der Programmrichtung der Wizo spricht und darauf hinweist, daß auch dort, wo scheinbar ein Personenkampf stattfand, in Wahrheit eine Ent- Scheidung über das Programm erfolgte. Als weiteren Beweis dafür, daß sachliche Gegensätze von mir in unberechtigter Weise konstruiert werden, bezieht sich Dr. Scheuer auf die Erklärung von Frau Sieff im ״Jewish Chronicle“. Frau Sieff habe dort erklärt, daß keine sachlichen Gründe für ihr Ausscheiden bestimmend waren. Das Gegenteil ist wahr. Die Er- Wärung von Frau Sieff ist im ״Jewtsh Chronicle“ vom 10. Juli (S. 36) erschienen. In ihrer zugleich im Namen von Frau Eder, Marks, Sacher, Stein, Berger, Gellner und Persitz abgegebenen Erklärung wird ausdrücklich von Meinungsdifferenzen in Fragen der Geldverwaltung, Administration und des Arbeitsgebietes der Wizo gesprochen. Diese Meinungsverschiedenheiten und die Konsequenzen rein sack• licher Natur sind in 6 Punkten dieses Statements niedergelegt, das mit folgendem Satz schließt: ״These points seem to us so fundamental that we found ourselves unable, in spite of great pressure put upon us, to enter a ״coalition" Exekutive whose composition would have led to incessant controversies on these matters of principle, as witnessed by us during the last two years in Palestine, and which would have made the carrying out of the principles for which we stand, impossible.“ Ich kann nur annehmen, daß Dr. Scheuer die Erklärung nicht selbst gelesen hat und steh auch in diesem Fall auf eine schlechte Berichterstattung verlassen hat. 6. Die Behauptung: die Londoner Exekutive ist im Amt geblieben, ist merkwürdig, wenn man weiß, daß die Mehrheit der Londoner Mitglieder — und nicht die unbedeutendsten — ausgeschieden ist. 7. Dr. Scheuer spielt gegen mich die anderen ״rein sachlich bemühten“ deutschen Delegierten aus. Daß die Wizo für die berechtigten misrachistischen Forderungen Verständnis zeigte, stelle auch ich mit Genugtuung fest, ich weiß nur nicht, wofür diese Feststellung im Zusammenhang mit unserer Diskussion beweiskräftig sein soll. Es ist bedauerlieh, daß ein Mitglied unserer neuen Exekutive durch Zensurerteilungen einzelne Mitglieder einer Delegation gegen ein anderes Mitglied in dieser Weise ausspielt. Diese Ausführungen sollen zeigen, daß ich in meinem Berichtsartikel keine entstellenden und irreführenden ßehauptungen aufgestellt habe und daß für mich keine Veranlassung besteht, meine Darstellung in irgendeinem Punkt zu korrigieren. Im englischen Unterhaus lenkte Kenworthy die Aufmerksamkeit des Außenministers auf die ״jüngsten Ueberfäüe und Ausschreitungen gegen jüdische Studenten an der Wiener Universität“ und fragte, ob die Völkerbundssektion für Minoritätenfragen aut diese Angelegenheit aufmerksam gemacht worden sei. Henderson erwiderte, er habe einen Bericht ü b e r d i e. Unruhen e [ halten; soweit ihm bekannt sei, hätten sie sich nicht wiederholt, und die Behörden seien anscheinend Herren der Lage. Es sei nicht anzimchmen, daß die Angelegenheit vor den Volkerbund gebracht werde. Aus dem arabischen Lager Der Präsident der Arabischen Exekutive, Muss Khasim Pascha, sandte an den High Commissioner eine Zuschrift, worin er die Aufmerksamkeit der Regierung darauf lenkt, daß dunkle Mächte am Werke sind, die Bewohn erdes Dorfes Shatta von ihrem Boden zu vertreiben und diesen den Juden auszuliefern. In einem weiteren Protestschreiben wendet er sich dagegen, daß eine große Zahl von Schülern von den Regierungsschulen abgewiesen wurden, weil sie die Prüfungen nicht bestanden haben. Die Arabische Exekutive fordert die Regierung auf, den Unterrichtsplau durch eine neutrale Kommission prüfen zu lassen und die Leitung des arabischen Schulwesens noch vor dem Ausscheiden des jetzigen High Commissloners den Arabern selbst in die Hand zu geben. Der Sekretär der Arabischen Exekutive, Dschemal Hussein!, hielt in Jerusalem vor einer Gruppe von 60 a m er i kan isehen Touristen einen Vortrag über die Palästina-Frage. Eine Anzahl der amerikanischen Touristen besuchte den M uf t i, wobei auch Auni Abdul Hadi anwesend war. Die Touristen stellten Fragen bezüglich der Bedeutung Jerusalems und Palästinas für die islamische Welt; ״Felesun“ berichtet darüber, es sei dem Mufti gelungen, den Amerikanern die falschen Auffassungen, die sie aus den Berichten jüdischer Journalisten in der amerikanischen Presse geschöpft haben, gründlich auszutreiben. Die arabischen Zeitungen bringen lange Berichte über die kürzlich in London im Hyde Park Hotel abgehaltene Versammlung der ״National Ligue“, bei der eine Reihe von Persönlichkeiten der englischen Aristokratie und der bekannte Abgeordnete Colonel Howard Bury Vorträge über die arabische Frage hielten. Die Vorsitzende der ״Liga“, Mrs. Farquharsöh, regte an, anläßlich der bevorstehenden indischen Round Tablc-Konferenz in London eine große englisch-indische Kundgebung in der Albert Hall zu veranstalten, die der Verteidigung der arabischen nationalen Interessen gewidmet sein soll. ״El Karmel“ schreibt, die englische Regierung mache aus dem Emir Abdulla einen ״kleinen Abdul Hamid“, indem sie ihm große Ländereien schenke und so das Unwesen des Dschiftlik, das von der Türkei selbst nach der Revolution sofort abgeschafft worden ist, in einem englischen Herrschaftsgebiet erneuere und einem Manne das Eigentum des Volkes in die Hand gebe. Der ägyptische Journalist Muchmad Asitil, der zur Zeit der Weizmann-Reise in Palästina weilte und damals als Mittelsmann für etwaige Verhandlungen bezeichnet wurde, veröffentlicht jetzt in der in Kairo erscheinenden Zeitung ״El S hu ra“ einen Artikel über den Zionistenkongreß, worin er darauf hinweist, der Kongreß habe gezeigt, daß die Mehrheit der Zionisten imperialistische Träume habe. Sogar Weizmann und Sokoiow haben erklärt, das palästinensische Judentum bilde eine Stütze für England am Suezkanal. Nicht nur die Revisionisten verlangen einen Judenstaat, sondern die Mehrheit der Zionisten strebe nach einem großen' Palästina auf Kosten der arabischen Länder, z. B. erstreben sie auch Trans Jordanien und die Abtrennung der Sinai-Halbinsel von Aegypten. Die arabische Zeitung, ״Merat el Sherk“ tritt dafür ein, zum Zentrum des arabischen Palästina an Stelle von Jerusalem die aufstrebende Stadt Nablus zu erklären. Jerusalem, so schreibt das Blatt, ist eine tote und schlafende Stadt, in der es keine wirkliche innere Bewegung gibt, während von Nablus immer wieder Anregungen und Bewegungen ausgehen, eine Fülle sozialer und politischer Veranstaltungen stattfinden, die ein Beweis der Energien sind, die in dieser Stadt schlummern. Man sollte das Zentrum der nationalen Bewegung nach Nablus verlegen (Man wir« versucht, eine interessante Analogie zu ziehen mit verschiedenen jüdischen Stimmen, die mit ähnlichen Argumenten für eine Verlegung des jüdischen Schwergewichtes nach Tel- Awi w eintreten. Vielleicht zeigt sich hier wirklich der Keim einer Lösung der arabisch-jüdisehen Schwierigkeiten?) Tschechoslowakei and Palästina Das tschechoslowakische Handelsministerium veröffentlicht einen Bericht über den tschechoslowakischen Außenhandel, der auch interessante Zahlen bezüglich des Handelsverkehrs mit Palästina im Jahre 1929 enthält. In diesem Jahre hat der tschechoslowakische Export nach Palästina rund 14 Millionen Kc betragen und ist gegen das Jahr 1927 um 51/2 Millionen Kc gestiegen. Die Tschechoslowakei führt haupt* sächlich BaumwoIIwaren, Glas und Glaswaren, Konfektion, Schafwolhvaren, Eisenwaren, Seidenstoffe, Papier und Leder nach Palästina aus. Der Import aus Palästina in die Tschechoslowakei ist im Berichtsjahr ebenfalls gestiegen, und zwar auf 800000 Kc gegen 580000 Kc im Jahre 1927. Importiert wurden Orangen und Zitronen, Flaschenweine, Därme und Blasen. Auffällig ist der starke Rückgang der Orangeneinfuhr in die Tschechoslowakei. Der Umsatz an Palästina-Orangen betrug 1927 194000 Kc, 1929 nur noch 64000 Kc. Passfields Stellung zum Zionismus. Zu Ehren des aus dem Amte scheidenden Mitglieds der früheren Zionistischen Exekutive S. Kaplansky fand im National Labour Club in London ein von der Landesexekutive der poale-zionistischen Partei Englands veranstaltetes Abschieds-Bankett statt, auf dem James Middleton als Vertreter der Labour Party bemerkenswerte Aeußerungen über die Stellung Lord Passfields zum Zionismus machte. Middleton erklärte, seiner Meinung nach stehe Lord Passfield noch immer den zionistischeu Aspirationen sympathisch gegenüber. ״Man sollte dessen eingedenk sein“, führte der Redner u. a. aus, ״daß es Sidney-webb, der jetzige Lord Passfield, war, der die Weltkriegsziele der Labour Party, zu denen auch die Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina gehörte, formuliert hat.“ In Beantwortung der Ansprache James Middletons führte Kaplansky aus, Lord Passfield sei durch eine falsche Analogie zwischen der jüdischen Siedlung, die die Araber nicht schädige^ sondern ihnen bloß Nutzen bringe, und dem gewöhnlichen Typus der Kolonisation durch europäische Plantagenbesitzer, bei der die Eingeborenen unterdrückt und ausgebeutet werden, irregeführt worden. Die Not der polnischen Juden. Am 11. d. M. fand im Scholem-Alechem-Klub, Berlin, ein Vortragsabend statt, auf dem Vertreter der Gemeinschaft ״Ort“, ״Ose“, ״Emigdirekt“ über die Lage der Juden in Polen referierten. Die Versammelten bekamen insgesamt vier Berichte zu hören. Es sprachen Dr. Silberfarb vom ״Ort“, Dr. Wulmann vom polnischen ״Ose“, dem Toz, L. Neustadt vom Verbande für Waisenhilfe in Polen und schließlich A. Goldin leichfalls vom Waisenhilfsverband. Die Redner legten dar, aß die Verelendung der polnischen Juden im stärksten Maße auf rein wirtschaftliche Entwicklungstendenzen zurückzuführen sei und wiesen nach, daß im Wege der Selbsthilfe eine Milderung dieses Notstands erlangt werden könne. Die Häufung von vier Referaten auf einem Vortragsabend erscheint uns ein technischer Regiefehler. Dr. Silberfarbs Ausführungen hätten, ohne daß wir die Wichtigkeit der übrigen Berichte verkennen, genügt, um ein Bild von der Situation der polnischen Juden zu vermitteln.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.