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Jüdische Rundschau · 1931-08-14 · Heft 63 (14.8.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 63 (14.8.1931)
Date
1931-08-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 386 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 63, 14. VUl 103! gesetze, die ilinen die Arbeit erschweren und die Rentabilität der Unternehmungen in Frage stellen. In der Tat sind die Lizenzauslagen ungewöhnlich hoch und die Steuern, die aut den Rohstoffen für das Autogewerbe lasten, übersteigen die in den Nachbarl,andern üblichen um ein Beträchtliches. Cs unterliegt kaum einem Zweifel, daß diese Belastung des Autoverkehrs durch die Regierung nicht nur aus fisitalischen Gründen erfolgt — wenn sich auch der Staatsschatz betrachtlicher Einkünfte aus dieser Quelle erfreut — sondern sich vor allem aus der E i s c n b a 1111 p o I i t i k der palästinensischen Administration ergibt. Palästina, ein kleines Land, das in deu letzten Jahren durch umfangreiche und zum Teil ausgezeichnete Straßenbauten erschlossen wurde, eignet sich in hervorragendem Maße für den Autoverkehr, der sich auch Jahr um Jahr mehr durchgesetzt hat, sowohl für den Transport von Personen wie auch von Gütern. Die Eisenbahn spielt im Verhältnis dazu nur eine untergeordnete Rolle. Sie dient dem Personenverkehr nur auf solchen Strecken, wo das Wegenetz nicht genügend ausgebaut ist — wie zum Beispiel auf der Strecke Jaffa—Haifa — oder da wo es sich um größere Entfernungen handelt wie Haifa—־Kantara. im übrigen kämpft die Bahn schwer gegen die Konkurrenz der Personen- und Lastautos, und es gilt im Lande als ein Axiom, daß die Regierung versucht, den Ausbau bestimmter Straßen — vor allem Jaffa- Haifa — nur darum aufzuhalten, weil sie eine weitere Benachteiligung der Bahn fürchtet. Und diese Bahn bat für die Administration nicht nur fiskalische Bedeutung, sondern erhält mit dem Ausbau des Hafens und den Vorbereitungen für die Bagdad-Bahn immer größeres strategisches Gewicht. Es schien somit nach den bisherigen Erfahrungen nicht viel Aussicht auf eine grundlegende Aenderung der Regierungspolitik gegenüber dem Autoverkehr zu bestehen. Ke Verhandlungen der Chauffeure zeigten auch zu Beginn des Jahres wenig Resultate und die Streikdrohung wurde bereits vor einem Monat laut. Es wurde dann eine Verschiebung erzielt, auch gewisse Konzessionen der Regierung erreicht, die die Lizenzgebühren nach einer bestimmten weitläufigen Skala heruntersetzte. Im wichtigsten Punkte, der Herab- Setzung der Benzinsteuer, trat keine Erleichterung ein. So hatten sich denn die Autobesitzer und Chauffeure zu dem letzten Mittel des Streiks entschlossen. Juden und Araber gehen dabei zusammen. Das ist nicht nur Bemerkenswert aus nationalen Gründen, sondern auch, weil es sich bei den Arabern in der Hauptsache um Garagenbesitzer haudelt, bei den Juden dagegen um Chauffeure, die in Kooperativen zusammengeschlossen sind. Für das Wirtschaftsleben des Landes _ muß ein solcher Streik weittragende Folgen haben, da nicht nur der Personen-, sondern auch der Gütertrarisport in hohem Maße von den Autos abhängt. Nach einem Beschluß der Streikleitung werden Wagen nur für medizinische Hilfe und zum Zeitungsvertrieb frei gegeben, im übrigen soll alles still stehen. ln letzter Stunde ist die Regierung mit einer Erklärung hervorgetreten, die an Klarheit nichts zu wünschen übrig läßt: auf weiteres Nachgeben sei nicht zu rechnen; die bisher erteilten Ermäßigungen seien das Maximum des Möglichen; auch friedliches Postenstehen sei verboten, da es sich um keinen üblichen Streik handele; und zum Schluß ein Rat an die Chauffeure: es sei besser, sich mit der Regierujig; zwecks Neuorganisation des" Aufogewerbes zu beraten, als einen Streik zu beginnen, der nur zu peinlichen Konsequenzen führen müsse. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Regierung sehr strikte Maßnahmen gegen den Streik treffen wird. Es ist weiter sicher, daß die Chauffeure und mit ihnen das Publikum nur relativ geringe Druckmittel in der Hand haben. Eine finanzielle Einbuße wird die Regierung durch das Stiliegen des Verkehrs nicht erleiden. Sie wird unter einen Druck der öffentlichen Meinung gestellt werden, und zwar von ziemlich allen Seiten ohne Unterschied der nationalen Zugehörigkeit. Aber in einem autokratisch regierten Lande will das wenig besagen und die Beamten der Administration haben betrachtliehe Hebung darin, die Forderungen der Bevölkerung zu überhören. Die Streikenden werden somit auf eine harte Probe gestellt werden. Im letzten Moment scheinen die Bemühungen verschiedener Kreise zur Beilegung des Konflikts Früchte zu tragen. Die Regierung hat der Vermittlung der Handelskammern zugestimmt. Es soll eine halbof f izielle Kommission zur Klärung der involvierten Wirtschaft«• fragen eingesetzt werden. Die Einziehung der Lizenzgebühren wird um einen Monat vertagt. Sollte die jetzt beratende Konferenz der Chauffeure auf diesen Vermittlungsvorschlag eingehen, so wäre vorläufig die Streikgefahr behoben. (In* zwischen ist bekanntlich der Streik auf eine 24stündige Demonstration beschränkt worden, die ohne jede Ruhestörung vor sich ging. — A. d. R.) Zehn Oeiraffinerien Nr Haifa? Die Berliner ״Industrie- und Handelszeitung“ bringt fol* gende Meldung aus Haifa: Nachrichten vom baldigen Beginn der Arbeiten an der Rohrleitung Haifa—Mossul haben einen Run von O elgesellschaften der verschiedensten Nationen um ihre Installierung am hiesigen Endpunkt der Pipeline zur Folge. Nach Mitteilungen aus zuverlässiger Quelle werden im Laufe des nächsten Jahres in Haifa und Umgegend nicljt weniger als zehn große moderne Oeiraffinerien gebaut werden. Auch an anderen Stellen Palästina« entfalten einzelne Petroleumkonzerne eine eifrige Tätigkeit. Nachrichten aus Jerusalem zufolge ist es den Geologen der Anglo Persian Company gelungen, wichtige Ölvorkommen in der Nähe des Toten Meeres und in der Nähe von Baissan zu entdecken. Aus Furcht vor einem Konflikt mit der Standard OH Company of New York, die für Bohrungen in Palästina eine alte türkische Konzession besitzt, wird über die Art und den Umfang der Untersuchungen strengstes Stillschweigen bewahrt Michael Nassatissin gestorben. In Bad Kissingen verstarb plötzlich an Herzschlag der bekannte Palästinafreund Michael Nassatissin im Alter von 56 Jahren. Nassatissin war im Jahre 1922 aus Rußland ausgewandert und lebte seither In London. Er war Direktor der Ruthenberg-Werke, in denen er eine Viertelmillion Dollar investiert hatte, und Mitbegründer der Tote Meer-Werke. Auch in anderen palästinensischen Unternehmungen hatte er große Summen investiert. Für verschiedene Palästinazwecke hat er bedeutende Beträge gespendet. Er beabsichtigte, sich in diesem Jahre in Palästina nieder״ zulassen. Presseschau Kritik am Mlsradhi Das eben erschienene Heft von ״Zion“, der Monet*־ schritt des deutschen M i s r a c h i, ist der Besprechung de* Kongresses gewidmet. Lazarus Barth schreibt in seinem Rückblick: ״Der Hauptgrund dafür, daß der Kongreß nicht ge- 1 in gen konnte, war, daß man zuviel von ihm erhofft hatte. Noch nie ist aus der Organisation heraus mit ahnlicher Intensität nach dem Kongreß gerufen worden! wie diesmal. Die Revisionisten haben ihre stärksten Register aufgezogen. Der Misrachi hat aus Protest dagegen, daß er nicht vor vier Monaten zustande gekommen' war, sein stärkstes Druckmittel ausgeübt und seine Vertreter aus der Exekutive der Zionistischen Organisation zurückgezogen. Die Radikalen und andere Radikale sahen in einem Kongreß den Ausweg aus den Schwierigkeiten. Der Kongreß hat aus keiner der Schwierigkeiten dura: Ausweg gefunden — das ist verständlich. Er hat aus keiner der Schwierigkeiten den Ausweg ernstlich gesucht — das ist charakteristisch. Die Schwierigkeiten lagen auf politischem, organisatorischem und finanziellem Gebiet. ' Die politische Kommission, die diesmal trotz der dringenden Wirtscha Itssorgen im Mittelpunkt stand, delegierte nach Anhörung der viele Stunden dauernden Berichte der Exekutive zwei Unterkommissionen, von denen die eine den MacDonald- Brief zu betrachten hatte, die andere die Anträge zur ״Ziel- Setzung“ überwiesen erhielt. Mit anderen Worten: Vor dem Forum der ersten sollte die Tätigkeit, vor dem der anderen die Gesinnung der Exekutive gerichtet werden...“ Der Verfasser bespricht dann im Einzelnen die bekannten Kongreßbeschlüsse und die Haltung des Kongresses zu Weizmann und sagt von diesem: ״Wer die Möglichkeit gehabt hat, seine politische Arbeit aus der Nähe kennen zu lernen, mußte sich überzeugen, daß er auch der Staatsmann war, der unter den ungünstigsten Umständen und in einer feindseligem Atmosphäre den nichtjüdischen Partnern gegenüber die Würde der nationalen Organisation des jüdisch« Volkes vertreten hat. Wenn auch jetzt Männer der Opposition die Möglichkeit haben, an leitender Stelle ihre Kräfte aktiv einzusetzen, so werden auch sie die Probleme anders sehen, als sie ihnen jetzt auf den Bänken der Opposition erschienen. 'Daß in einer Zeit so tiefer Enttäuschungen, wie es die letzten zwei Jahre waren, die Opposition sich verstärkte, konnte niemand wundernehmen.... Daß aber andererseits gerade in den Kreisen, die persönlich so stark mit einer organischen Weiterentwicklung der Nationalen Heimstätte verbunden sind, wie es die Arbeiterschaft ist, diese Opposition gegen die bisherige Leitung nicht gestützt wurde, sollte andererseits den Gegnern des bisherigen Systems zu denken geben.“ Dr. Oskar Wolfsberg befaßt sich vor allem mit der Haltung des Misrachi, innerhalb dessen bekanntlich die deutsche Gruppe der oppositionellen Minderheit angehört Er schreibt 11. a.: ״Auch ein falscher Standpunkt kann eindrucksvoll und groß vorgebracht werden. Keiner wird behaupten, daß die für eine Partei wie den Misrachi höchst sonderbare politische Haltung in der Generaldebatte rednerisch erfolgreich verteidigt worden sei. In dieser Generaldebatte, die nur reich an Sensation und derben Effekten, nicht aber an wirklichen Höhepunkten und ernsten, verantwortungsbewußten Reden war, hatte — um mich maßvoll auszudrticken — der Misrachi f.0׳ aftag es nicht, aktuelle Kritik aus tiefer uereentigKeif zu schöpfen oder wirklich legitim m i srachi st!s ch zu fundieren.... Statt dessen überbot man sich und andere in hämischen Bemerfeungen über Weizmanns Resignation, die man mit Genugtuung zur Kenntnis nahm und unterstrich, damit sie um Gotteswillen nicht in Vergessenheit gerate und durch stets wiederholte Zur-Kenntnisnahme an Gewicht zunehme. Ohne konstruktive Fähigkeit wurde an den Geschehnis*«! herumgeredet, alle längst und sattsam bekannten oft wiederholten kritischen Bemerkungen ohne Originalität wiederholt. Die U-ebersteigeruug, die besonders Farbstein, gegen den sich auch die vorhin geübte Kritik vorzugsweise gerichtet, leistete, als er die Fehler der unter Weizmanns Führung eingeschlagenen Politik der Exekutive summierte, setzten den Wert der Abrechnung von vornherein herab, weil jeder die Starke des Affekts herausfühlte," Weiter sagt Wolfsberg:. ״Unsere Kritik richtet sich gegen ein Dreifaches: t. gegen die Unreife der Vertretung politisdjer Anschauungen.... Eine der Gründe, die die Gegner der Erörterung der Endziele anführen, ist die Uebeizeugung, daß der Fortschritt des Aufbaus von Erez-Israel durch solche Diskussionen nur belastet werde. Und jeder, der sich zu der Ueberzeuguug durchgerungen hat, daß die Vollendung der zionistischen Aspirationen in stiller, entsagungsvoller Arbeit sich verwirklichen wird, lehnt eben um dessentwillen Rhetorik und Proklamationen als untaugliche Mittel ab. Je größer die Widerstände gegen unser Werk sind, um so notwendiger wird die Abkehr von diesen ungeeigneten Methoden und die Konzentration auf die Penetration paciflaue durch Aufbau. 2. wir wenden uns gegen die Vernachlässigung derjenigen Faktoren, ohne die unsere Politik nicht gedeihen kann. Wir brauchen die Sympathie der Welt, und wir sind mehr als alle Nationen aus unserer Lehre und aus unserer Situation dazu gehalten, die Sittlichkeit zu einem bestimmenden Element in der Politik werden zu lassen. 3. Wir warnen mit allem Nachdruck erneut die herrschende Richtung im Misrachi, die in der Forderung nach einem Judenstaate kulminiert, religiös zu verklären, und sie als notwendige Konsequenz unserer messlamscbm Erwartung zu deklarieren." Nach weiterer scharfer Kritik an der Haltung der Fraktion und der Handhabung des Fraktionszwanges kommt W., der sich auch sehr warm für Weltmann einsetzt, zu folg«- dem Ergebnis: ״Soll ich zusammenfassen, so muß ich sag«: der Misrachi war politisch kein dezidierender Faktor, er war in Abhängigkeit von Gruppen, die sich in der Endzielfrage besonders mutig hervortaten und im Sturze Weizmanns eine vordringliche Aufgabe sahen.“ * Kongreß Nachlese Der Frankfurter ״Israeli t", das Organ der ,»Agudas Isroel", schreibt: ״,.,Es ist das eingetreten, was kein Mensch vor* aussehen konnte: Der Mann, der jahrzehntelang Schulter an Schulter mit Weizmann zusammengearbeitet, ja in politischer Hinsicht niemals eine eigene Note angeschlagen hat, ist an Stelle Weizmanns zum politischen Führer gewählt, und zwar von denen gewählt worden, die Weizmann ihr Vertrauen in der schroffsten Weise verweigern zu müssen glaubten. Dieses Spiel ist dadurch geglückt, daß Herr Sokolow es für richtig fand, im Permanenzausschuß zu erklären, er fühle sich als Keines Menschen Platzhalter und werde nur seine ״eigene Politik“ verfolgen. Wie Herr Sokolmv cs nun fertig bringen will, ohne sich selber in hoffnungslos kompromittierender Art und Weise zu verleugnen, 1 von der durch die Realitäten gegebenen, von Weizmann verfolgten Linie abzuweich«, um seinen Wählern zu gefallen, bleibt zunächst sein Geheimnis. Daß er rein revisionistische Politik betreibt, ist zum Glück ausgeschlossen.... Fragt man nun, welche Rückwirkungen der Wechsel in der zionistischen Leitung nach den verschiedenen in Betracht kommenden Riehtungen ausüben wird, so kommen vor allem die Beziehungen zur Mandatarmacht in Betracht. Hier darf man hoffen, daß die Wahl Sokoiows, des intimsten Mitarbeiters Weizmanns, und Prof. Brodetskys der englischen Regierung Gewähr für eine bescheidene, den realen Machtverhältnissen entsprechende zionistische Politik bieten und England vor allen Dir: gen die Ausrede nehmen wird, es sei von den Juden selbst in die Arme der arabischen Maximalsten gedrängt worden. Den Arabern gegenüber wird zwar die Ausschaltung der Revisionisten aus der neuen Leitung nicht viel nützen, denn erstens ist Farbsteins Wahl immerhin ein höchst gefährliches Bekenntnis zu den Plänen der cliauvinistischen Politiker und zweitens lassen sich die Schäden, die in dieser Richtung die ganze Diskussion über das Endziel angerichtet hat, überhaupt nicht mehr aus der Welt schaffen. Allein man darf wenigstens hoffen, daß es der neuen Leitung eines Tages, auch wenn sie evtl. Herrn rarbstein opfern müßte, doch möglich sein wird, sich in ihrer arabischen Politik den Notwendigkeiten der Stunde und den realen Bedürfnissen des jischuws anzupassen. Die Erklärung der neuen Exekutive, daß man unter allen politischen Bedingungen an der Besiedlung Erez-lsraels durch Juden festhalten werde, klingt in dieser Be- Ziehung recht beruhigend.“ * Die liberale New Yorker Wochenschrift ״The Nation“ schreibt: Wenn das ״Menorah Journal“ zynisch bemerke, daß früher einmal ein Zionist ein Mann gewesen sei, der in Paläetina zu leben wünschte, jetzt aber einer sei, der in Palästina Kapital investiere und in New York davon seine 8 »/o Zinsen haben wolle, — so sei daran schon etwas Wahres. Denn der Zionismus sei zu einem großen geschäftsmäßigen Unternehmen geworden, das in einer harten Tatsachenwelt arbeite, und dessen tiefster Sinn dem jüdischen Volke oft durch eine Wolke von Statistiken verhüllt werde. Daraus erkläre sich das Wachstum des romantischen Revisionismus. Jabotinsky sei eine glühende Seele, die in täglicher Gemeinschaft mit dem großartigen Traum eines jüdischen Nationalstaates zu beiden Seiten des Jordan lebe. Er sei ein ״glänzender und gefährlicher Mann“. Denn die Jüdische Nationale Heimstätte stelle heutzutage eine Minderheit in einer kleinen Ecke der arabischen Welt dar, und sei mit ihrer Existenz auf die lauwarme Unter- Stützung angewiesen, die ihr die Engländer gegen die immer mißtrauischeren Araber gewährten. In Basel seien die Revisionisten zwar mit Hilfe verschiedener Bündnisse imstande gewesen, Weizmann zu stürzen, der dem Zionismus 15 Jahre mit größter Hingabe gedient habe, — aber Weizmann sei durch seinen alten Mitarbeiter Sokolow ersetzt worden. Auf deu Inhalt der Resolutionen hätten die Revisionisten zwar Einfluß geübt, doch sei es ihnen nicht gelungen, sic zu offenen Er- Klärungen eines politischen Zionismus zu machen. So bestehe das Resultat des Kongresses im wesentlichen darin, daß man einen treuen Lotsen habe über Bord gehen lassen, um dann nachher seinen Kurs ohne Nachdruck weiter zu steuern. — Der Zionismus sei augenblicklich offenbar in einem Stadium langsamer Bewegung- Eines Tages würden sich die Zionisten mehr als bisher über die fundamentalen Fragen klar werden müssen: Was ist der Zionismus? Was bedeutet Palästina für die Juden? Und schließlich: Was ist das Judentum überhaupt? A. P. 1׳(.!! i-J.fi; f \ > V « ' .׳ 5 ״׳. I X-! i t ־-־-׳־ ‘ ■י• '־־ ־■ ■-' ־ ־ ' ׳י׳י 5 ־- in der führenden Wiener ehri*tlich־sozi8len Zeitschrift ״Schönere Zukun ft“, die auch in Deutschland sehr verbreitet ist und einen kultivierten Antisemitismus pflegt, schreibt Dr. Gregor Uhlhorn in einem Aufsatz ״Zionistenkongre ß und katholische Oe ff entlieh keil“: Die Heftigkeit der Auseinandersetzungen zwischen den Rcvisionisten und den Anhängern Dr. Weizmanns dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, daß In Wirklichkeit gar kein tieferer Gegensatz bestände, sondern lediglich taktische Divergenzen. Es habe sich auf dem Kongreß herausgesteift, daß der Judenstaat und die jüdische Mehrheit von der weitaus überwiegenden Zahl der Zionisten als letztes Ziel betrachtet wurde; die Gegner der Revisionisten fürchteten nur eine klare Formulierung des •Endzieles, weil dann die ganze Welt erkennen würde, daß eine energische Fortsetzung der jüdischen Siedlungstätigkeit ohne Verdrängung der Araber nicht möglich sei, und ״letzten Endes auf eine Art Raub“ hinauslaufe; und dann auch, weil eine Entzweiung mit England unvermeidlich werden würde, da England zwar die mächtige Weltjudenheit nicht vor den Kopf stoßen wolle, andererseits aber auch auf die Araber Rücksicht nehmen müsse und daher auch seinerseits ein Interesse daran habe, es zu keiner klaren Formulierung des Endzieles kommen zu lassen. Aus diesen Gründen habe man einen ״wohltätigen Nebel“ über das Endziel gebreitet; aber die Absetzung Weizmanns zeige, wohin die Reise gehe. Im übrigen beweise der Kongreß, daß der Zionismus nicht einmal seinen eigenen Anhängern mehr als Lösung der Judenfrage erscheine. Sie seien darauf gefaßt, zum größten Teil weiter in der ״Verbannung“ zu leben. ״Gewiß gibt es unter den Zionisten Menschen genug, die aus einem tiefen und ehrlichen völkischen Empfinden heraus den Judenstaat als nationale Erlösung anstreben — aber für das große Ganze des Weltiudentums ist Palästina eine Prestige-Angelegenheit, nichts weiter.“ Man wolle zwar ein mächtiges jüdischen Zentrum schaffen, das Judentum irgendwo auf der Welt zur Souveränität bringen, aber man denke nicht im entferntesten daran, die Machtstellungen in den anderen Ländern aufzugeben. Man wolle also beides: ״die Heimstätte als Zeichen der Macht und wirkliche Weltmacht auf dem Umweg über die Beherrschung der Finanz und des Kulturbetriebes. Das ist das Ziel des gesamten Weltjudentums, gleichgültig ob zionistisch der nicht.“ Deshalb müsse die katlio-!Ische Oeffentlichkeit dem Zionismus gegenüber vorsichtig sein. ,.Alle Achtung vor den ehrlichen Kolonisten, die in schwerer Arbeit ihrem Volk zu nationalem Leben verhelfen wollen, —- die Drahtzieher aber verdienen keine Sympathie.“ (!!) Die Schlußfolgerung ist für die ganze Haltung des Blattes, das sich häufig mit jüdischen Fragen befaßt, bezeichnend: die Katholiken müßten die Juden in den christlichen Ländern zwar als nationale Minderheit achten und ihnen die natürlichen Rechte nicht vorenthalten, sie aber zugleich auf allen Gebieten in ihre Schranke« zurückführen. — Obwohl zwischen den Österreich!- sehen Christlich-Sozialen und dem deutschen Zentrum wichtige Unterschiede bestehen, ist diese Stimme gerade in dieser Zeit auch für uns von großem Interesse. A. P. Der londoner ״J e w i s h C h r 0 n l c l e“ schreibt in einem der phantastischen Berichte seines ״parlamentarischen Korrcsponaenten“, es bestehe Im Parlament das Gerücht, Dr. W e i zmann wolle bei den nächsten englischen Wahlen als Kandidat der Arbeiterpartei Mch um einen Sitz im Parlament bemühen. Darum habe er auch auf dem Kongreß mit der palästinensischen Arbeiterpartei zusammengearbeitet und in auffallender Weise auf ihren Banken Platz genommen. Weizmann habe immer eine Neigung zur Arbeiterpartei ge* habt. — Es braucht nicht gesagt zu werden, daß dieses hier als Kuriosum wiedergegebene Gerücht natürlich auf freier Erfindung beruht.

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