Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 62 (11.8.1931)
- Date
- 1931-08-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2651273-2653252-2653309--22505-2680732- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 382 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 02, II. VIII. 1931 Kongreß - Nachlese Presseschau In den letzten Wohen befaßte sieh die Presse aller Länder mit dem Zionistenkongreß, wobei vielfach außer den Berichten über die Vorgänge auch Kommentare verschiedener Art gegeben wurden. Wir tragen hier einige interessante derartige Pressestimmen nach. Die ״Qermania“ veröffentlicht einen von großer Sachkenntnis zeugenden zusammenfassenden Bericht ihres Sonderkorrespondenten mit objektiver Schilderung der Vorgänge und kommt zu dem Ergebnis: ,״... So ist damit zu rechnen, daß das System Dr. Weizman ns, welches allein politisch vernünftig ist, im großen und ganzen weiterhin herrscht, ohne daß er selbst — wenigstens offiziell nicht — leitend beteiligt ist. In maßgebenden Kreisen aber ist man der Ansicht, daß er bald wiederkehren wird, da es keinen Kopf gebe, der ihn ersetzen könne. Das ist das formale Ergebnis des Kongresses. Das materielle Ergebnis darzulegen ist recht schwierig;, da es sich erst in den kommenden Jahren in schwerer politischer Arbeit zeigen wird." Ein anderes wichtiges katholisches Organ, die ״K ö 111. Volkszeitung“, stellt folgende Prognose: ״. . . Die Haltung des Kongresses war durch die schwierige außenpolitische Situation des Zionismus, der gegenwärtig sowohl Araber als auch Engländer gegen sich hat, gegeben —, Vorsicht bei allen Formulierungen war geboten. Diese Vorsicht hat jedoch die innenpolitischen Schwierigkeiten höchstens verstärkt, denn die Revisionisten sind unzufriedener als vorher, und auch die endgültige Abdankung Weizmanns, der vom Kongreß nicht zum Bleiben aufgefordert wurde, und die Wahl Nahum Sokolovvs zum Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation hat sie nicht besänftigt. Diese O pposi- 1 i ob wird, das ist der Eindruck nach diesen erregten Debatten, in den kommenden Jahren wahrscheinlich noch schärfer werden, und vielleicht einmal zu einer eindeutigen, zionistisch-nationalistischen Sonderbewegung werden, die sich von der Weltorganisation trennt, um auf eigenen Wegen das Ziel eines jüdischen Staatswesens zi! erreichen zu suchen.“ * Die ״Kölnische Zeitung“ beschließt ihren ausführ• liehen Bericht über den Kongreß mit folgendem Resümee: ״Der Zionistenkongreß dieses Jahres leitete keine neue Aera ein, er bewies nur, daß eine Bewegung wie die zionistische, für die es in der Geschichte keinen Vergleich gibt, nicht ohne Mißverständnisse auf vielen Seiten fortschreiten kann. Verfolgt sie auch ein hohes Ziel, für das sie die Sympathien der kulturtragenden Schichten aller Nationen nicht missen kann, indem die nach Palästina auswandernden Juden nicht zur Ausbeutung, sondern zur Produktivierung der Wirtschaft kolonisieren, so ist sie doch in ihren einzelnen Abschnitten, die sie durchläuft, von den Zeituraständea abhängig. Der Kongreß hat seine Ansicht kundgetan, daß ein Zionismus, der auf ein durchaus autonomes Gemeinwesen in Palästina, wie immer einmal die spätere politische Einordnung sein möge, verrichte, nicht mehr seinen Namen verdienen würde. Gute Freunde, wie General Smuts, haben den Zioniste» geraten, weniger van einem in der Ferne liegenden Endziel zu reden als praktisch darauf hinzuarbeiteil. Und darum kann es auch sein, daß heute bereits wieder Professor Weizmann, vorläufig in den Hintergrund getreten, doch wieder der kommende Mann ist Irgend jemand (es war Kurt Bluraenfeid — A. d. ״J. R.“) hat in den letzten Wochen fesagt, die großen Hindernisse, die der Verwirklichung des ionismus begegnen, rührten daher, daß er das l e t z t e GI i e d in der Nationalitätenbewegung, die das 19. Jahrhundert charakterisiert, sei. Ob man nicht mit demselben Recht annehmen kann, sie ergeben sich daraus, daß der Zionismus wie überhaupt die Judenfrage den Inbegriff der Minderheitenrechte versinnbildlicht, durch deren Befriedigung vielleicht doch das 20. Jahrhundert ausgezeichnet sein wird? * Die nationalistische ״Deutsche Allgemeine Zeitun g“, deren Redakteur Dr. Max Fischer stets den Zionisten zu mehr ״Herren-Mentalität“ geraten hat, schreibt nach dem Kongreß: u... Die Zionisten haben es nicht verstanden, sich den Arabern mit der Mentalität von Kolonisatoren eirtgegenzustellen und, gestützt auf ihre kulturelle, technische und finanzielle Ueberlegenheit, das Land gemäß der Balfour-Deklaration zu einem von Juden beherrschten Staatswesen zu wandeln. Solche Herren-Mentalität lag den Siedlern nicht, die größtenteils aus Ländern kamen, wo die Juden eine sozial gedrückte Schicht sind, die überdies mit demokratischen und sozialistischen Ideen infiziert war. So haben die Juden selbst sich mit dem arabischen ״Menschenbruder“ und ״Rassenbrüder“ auf den Standpunkt der Parität gestellt, haben selbst die Forderung des judenstaates durch diejenige des binationalen Staates abgeschwächt, haben in ihrer Mehrheit die Ge: danken der Selbstwehr verworfen und die Lösung der jüdischarabischen Konflikte voll optimistischen Vertrauens der britisehen Verwaltung überlassen. Die Engländer aber ihrerseits waren enttäuscht von den langsamen Erfolgen der zionistisehen Bewegung und ihrer geringen politischen Eigenkraft. So sind sie immer mehr von der Balfour-Deklaration ab- § «tickt und zu einer araberfreundüchen Politik übergegangen. s fragt sich aber, ob für eine kraftvollere jüdische Real- Politik, wie sie heute von der Opposition gefordert wird, noch Möglichkeiten der Erfüllung gegeben sind, oder ob nicht dem politischen Ideal des Zionismus, der Schaffung eines palästinensischen Judenstaates, bereits durch das Anwachsen des arabischen Nationalgefühls in Palästina die Erfüllung«- möglichkeiten entzogen sind... * Die ״Königsberger Hartungsche Zeitung“ schreibt am Schluß ihres (offenbar von einem Korrespondenzbüro stammenden) aus Genf datierten Artikels: ״Noch vorsichtiger als gegen die Araber war der Kongreß gegen England. MacDonalds Brief wurde ausdrücklich und gegen die Opposition der Revisionisten als Verhandlungsgrundiage anerkannt. Es war klar, daß man •weder den arabischen noch den englischen Partner in Palästina in diesem Augenblick verstimmen wollte. Man hat in Worten viel gegen England protestiert, aber zum Schluß doch erklärt, daß es besser sei, zu verhandeln, und zwar auf Grund des MacDonald-Briefes. Eine Entscheidung darüber, ob der Revisionismus oder die synthetische Richtung im Zionismus führen wird, ist noch nicht gefallen, denn die revisionistischen Anträge wurden mehr aus sachlicher Vorsicht, als aus ״Anti-Revisionismus“ abgelehnt; man hat sich auch nicht endgültig entschieden, ob man den Judenstaat oder die jüdische Kolonie in Palästina will. Aber eine solche Entscheidung muß einma 1 fallen.“ Die Schweizer Presse hat natürlich über den Kongreß täglich ausführliche Berichte veröffentlicht, oft mit eigenem Kommentar und politischer Stellungnahme. Interessant ist z. B. eine von der ״Neuen Züricher Zeitung* an das Auf* treten von Albert Thomas auf dem Kongreß geknüpfte Betrachtung, die hier noch nachträglich angeführt sei; ״... Das Erscheinen Albert Thomas, der heute schon kurz vorher in sehr geschickter und vorsichtiger Form vor allem Extremismus gewarnt hatte, hat um so größeren Eindruck gemacht, weil alle wissen oder sich haben sagen lassen, daß Thomas ein warmherziger Freund der zionistischen Bewegung ist, und zwar nicht erst seit heute und gestern. Schon seit laugen Jahren hatte er immer die Absicht, einmal persönlieh auf einem Kongreß die zionistischen Delegierten zu begrüßen. Daß cs nun gerade dieser Kongreß war, an dem Thomas seine Absicht durchführen konnte, ist in der Tat, wie alle mit den Genfer Zeitdispositionen Vertrauten wissen, ein reiner Zufall. Aber wird die Weit auch daran glauben? Liegt nicht der Gedanke, so falsch er auch ist, so sehr nahe, daß der Franzose Thomas in guter Absicht gerade zu diesem ersten an ti englisch eingestellten Kongreß gekommen sei, um Sympathien für Frankreich zu werben? Die einflußreichen und verständigen Zionisten hier in Basel weisen diesen Gedanken ebenso zurück, wie ihn sicher Thomas selbst ablehnen würde, denn sie sinÄ sich der Gefahr viel zu stark bewubt, die darin liegen müßte, wenn aus der zionistischen Bewegung, die das jüdische Volk aus einem viel mißhandelten Objekt zu einem Subjekte der Politik machen will, selbst wiederum ein Objekt der internationalen Rivalitäten werden sollte.“ * Die liberale englische Wochenschrift ״T h e N e w Statesman & Nation“, deren erste scharfe Kritik des Kongresses wir in Nr. 59 der ״J. R.“ wiedergegeben haben, schreibt nun, der Kongreß habe schließlich in einer freundlicheren Atmo- Sphäre geendet, als man nach dem Anfang erwarten durfte. Obwohl Mißtrauen und Bitterkeit gegen die britische Regierung bestehen blieben, sei doch die Mehrzahl der Zionisten bemüht, aus der jetzigen Lage in Palästina das Bestmögliche zu machen, und erkläre sich bereif, ״sich mit den Arabern auf der Grundlage gegenseitigen Vertrauens zu verständigen“. Hoffentlich würden hierzu die Landentwicklungsmaßnahmen helfen. Der neuernannte Direktor für Landentwicklung, French, werde jedenfalls reiche Gelegenheit haben, seine großen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Wenn er, der High Commissioner und das Kolonialamt die Sache im rechten Geist anpackten, müßte es ihnen wenigstens gelingen, die Mandatarmacht von den berechtigten und unberechtigten Vorwürfen zu reinigen, die das Weißbuch und der Simpson-Bericht hervorgerufen hätten. Und dann sei offenbar für die Araber und Juden selbst die Zeit gekommen, das ״gegenseitige Vertrauen“ wirklieh zu beweisen. * Die englische Zeitschrift ״The Near East and India“ schreibt bei Besprechung des Ergebnisses des Kongresses, es sei eine ungeheure Menge von Dampf verpufft worden, zum Schluß aber habe die Besonnenheit Überwegen.! Trotz des zur Schau getragenen Unwillens über Weizmanns Bemerkungen über eine jüdische Majorität in Palästina hat der Kongreß es abgelehnt, die revisionistische Definition des Jüdischen Nationalheims zu bestätigen. Und nicht nur wurden die Revisionisten geschlagen, der Kongreß wählte auch einen vollständigen Weizmannisten, Nahum Sokolow, zum Präsidenten. Und noch mehr: Obwohl Dr. Weizmann selbst so allgemeinen und bitteren Angriffen ausgesetzt war, ist es seine Pollt i k, die schließlich bestätigt wurde. Denn es ist nicht anzunehmen, daß Sokolow, ein so erfahrener Diplomat, sich wes entlieh von seinem Vorgänger unterscheiden wird. Man kann wirklich sagen: plus ga change, plus c’est la meine chose. Vielleicht die bemerkenswerteste Tatsache des Kongresses war die Niederlage der Revisionisten. Die Anhängerschaft von Jabotinsky kam bekanntlich zu dem Kongreß mit gewaltigen Hoffnungen auf Erfolg. Ueberal! in der jüdischen Welt war die Mandatarmacht schärfstens kritisiert worden und allgemein wurde angenommen, daß man zionistische Sündenböcke finden wird für die Bedrängnis, in die der Zionismus geraten ist. Und trotzdem konnten die Revisionisten nicht zur Macht gelangen. Es ist vielleicht nicht übertrieben, anzunehmen, daß der Moment, als Jabotinsky seinen Schekelausweis aus der Tasche zog und mit dem Ruf ״Zionisten heraus“ in Stücke riß, von künftigen Historikern als der Wendepunkt des Niederganges der re visionistisehen Bewegung betrachtet werden wird. Der Rest der zionistischen öffentlichen Meinung hat zwar auch noch seine Träume, kann aber, verglichen mit den revisionistischen Fanatikern, als nüchtern und sachlich bezeichnet werden. — Im weiteren Verlauf des Artikels spricht das Blatt die Ucberzeugung aus, daß die Kontinuität der palästinensischen Politik auch unter dem neuen High Commissioner gewahrt werden wird. Es ist, so schreibt das Blatt, dem Zionistenkongreß hoch anzurechnen, daß er trotz der heftigen und lächerlichen Angriffe einiger Delegierter im großen Ganzen es vorgezogen hat, sich an Tatsachen statt an Phantasien zu halten. Es mag zugegeben werden, daß die Beziehungen zwischen den Zionisten und der Mandatarmacht weniger herzlieh sein werden; aber der gegenseitige Standpunkt wird vielleicht jetzt besser verstanden werden als je zuvor. Die palästinensischen Araber aber, nachdem sie gesehen haben, wie die Zionisten auf dem Kongreß ihre eigenen Extremisten zurückdrängen, können zumindest einer Zusammenarbeit nicht weniger geneigt sein als zuvor. Wenn keine neuen Zwischenfälle eintreten, wird Sir John Chancellor, dessen Schicksal es war, die Last der drei schwersten Jahre der Nachkriegsgeschiente Palästinas zu tragen, seinem Nachfolger einen funktionierenden Betrieb übergeben. * Eine arabische Stimme Die englische Ausgabe des arabischen ״Felestin“ bespricht in ihrer Nummer vom 11. Juli, also noch vor Ende des Kongresses, die Lage, in der der Zionismus sich bei diesem Kongreß befindet, und die an Dr. Weizmann geübte Kritik. Dr. Weizmanns Verteidigung sei die eines Wissenschaftlers gewesen, der sich in erster Linie an Tatsachen hält. Weizmann aber ernte die Früchte der Saat, die er selbst gesät hat, denn er selbst habe übertriebene Hoffnungen bei den Zionisten genährt und sei sogar 1929 gegen Dr. Magnes aufgetreten, als dieser ein gemäßigtes Programm befürwortete. Wenn nun Weizmann vor den Kongreß mit einem Programm tritt, das bescheidener ist als das des Brith Schalom, darf man sich nicht wundern, wenn die enttäuschte Zuhörerschaft ihn wütend angreift. Wenn jemand aus einem angenehmen Traum erweckt wird, wünscht er sich, weiterzutrluraen und haßt den, der ihn weckt. Jabotinsky liefert noch das Narkotikum des Judenstaates, er hat nichts aus der Vergangenheit gelernt. Dr. Weizmann ist klüger, aber trauriger. In einem Punkt freilieh, so fährt ,,Fdestfi“ fort, müssen wir, mit allem Respekt vor dem zionistischen Führer, Dr. Weizmanns Erklärung als unrichtig bezeichnen. Er sagte: ״Ich glaube, ich kann nicht mit Recht beschuldigt werden, das arabische Problem vernachlässigt oder mich für die Sicherheit des Jüdischen Nationalheims auf britische Bajonette gestützt zu haben. In aller Bescheidenheit kann ich sagen, daß ich das arabische Problem in den Vordergrund der zionistischen Politik f" was immer das künftige numerische “Verhältnis sein mag' wir unsererseits keine politische Herrschaft anstreben.“ — Wie gutgläubig — schreibt ״Felestin“ — auch diese Entschlüsse für die Zukunft genommen werden mögen, kein Zweifel kann daran bestehen, daß der Zionismus weder durch Worte noch durch Taten den leisesten Versuch machte, die Araber zu versöhnen. Vielmehr wurde gleich zu Anfang der größte Schaden durch die rühmredigen Worte des von der zweideutigen Baifour-Deklaration f_. . •־־• liehen Reichtümer des Landes, woBei jede Gelegenheit ergriffen wurde, die Araber ihre Rückständigkeit fühlen zu fassen, haben zu der gegenwärtigen Lage beigetragen. Wenn also Dr. Weizmann jetzt auch die Dinge im richtigen Licht sieht, kann er doch nicht von dem Vorwurf freigesprochen werden, übertriebene und undurchführbare Hoffnungen in die Seele der Judenheit gepflanzt zu haben. — Im weiteren Verlauf des Artikels erklärt das Blatt, der Unterschied zwischen den zwei Schulen zionistischer Politik sei nur ein taktischer: Die einen verkünden das Ziel der jüdischen Majorität, die anderen meinen es durch Stillschweigen und praktische Arbeit schneller zu erreichen. Ein heimlicher nächtlicher Ueberfall wird für erfolgversprechender gehalten als ein offener Ueberfall mit fliegenden Fahnen und schallenden Trompeten. Der interessante Artikel schließt folgendermaßen: ״Diese ausführliche Darstellung eines rein zionistischen Problems soll dazu dienen, den arabischen Standpunkt nochmals klar zu machen. Der Araber bekämpft niemanden und keine Politik von vornherein, sondern er richtet sich nach dem Programm. Je mehr das zionistische Programm sich den arabischen Idealen nähert, desto größer sind die Chancen für Frieden; je mehr es in Widerspruch dazu steht, desto geringer sind die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit. Während der Jude durch Zerstreuung gelitten haL hat der Araber durch Unterdrückung gelitten. Nicht blind für die Leiden anderer, ist er nur im Rechte, wenn er zunächst an seine eigene Existenz denkt. Wenn ein anderer ermutigt worden ist, sein Elend auf Kosten des Arabers zu erleichtern, dann wehrt sich der Araber aus Selbsterhaltungstrieb. Es gab einen Ausweg für den Zionismus, als er ankam; dieser Weg ist noch vorhanden, wenn er ihn mutig beschreiten will. Der Araber will nicht irgend jemanden beherrschen; er will nur sich selbst befreien. Er wäre dankbar für jede Ihm geleistete Hilfe, aber nichts kann ihn veranlassen, auf sein Projekt einer arabischen Föderation zu verzichten. Wenn es jemand gibt, der bereit ist, bei Verwirklichung dieses Traumes zu beiten, dann ist er willkommen, in voller individueller Gleichberechtigung innerhalb dieses Gebildes zu leben; wenn es aber Leute gibt, die ihr schwaches Heim auf Kosten dieser Föderation aufbauen wollen, dann wird der Araber dagegen kämpfen. Der Zionismus steht ln bezug aut dieses Projekt am Scheidewege. Wir fragen Ihn, quo vadis?“ In einem späteren Artikel (am 25. Juli) bespricht dasselbe Blatt das Ergebnis des Kongresses und bedauert, daß die Ziele des Zionismus nicht deutlich formuliert worden sind. Die gefaßte Resolution gibt jeden Juden die Möglichkeit, den Zionismus so zu interpretieren, wie er es wünscht Diese Unklarheit ist weder gegenüber der Mandatarmacht noch gegenüber den Arabern ehrlich. Wenn die zionistischen Führer selbst ihr Ziel nicht anders als in so unbestimmten Worten beschreiben können, wie können sie erwarten, daß die Araber ernsthaft mit ihnen verhandeln und ihre Absichten nicht anzweifeln? Das Blatt zitiert dann einen Bericht der ״Morning Post“ über die Präsidentenwahl und schreibt dazu: ״Ein Führer, dessen Wahl durch die Hilfe der Revisionisten ermöglicht worden ist und der von Rabbi Wise, dessen Anklagereden auf dem Kongreß bekannt sind, unterstützt wird, wird sicherlich auf die Seite derjenigen neigen, deren Ziel die Schaffung eines jüdischenGemeinwesensist. Er selbst hält sich nicht für einen Weizmannisten und er ist gewiß kein Brith Schalomist. Wenn also der Kongreß vor einer klaren Deklaration seiner Politik zurückschreckte, so ergibt sich doch aus der Wahl -des neuen Führers, daß er fin besten Fall eine Art Kreuzung aus Allgemeinem Zionismus und Revisionismus darstellt. Die Stimmenthaltung der britischen Zionisten und der Lipsky-Gruppe ist bezeichnend, da diese die begeistertsten Anhänger von Dr. Weizmann waren... Die arabische Haltung ist klar. Die Araber waren niemals in Uebereinstimmung mit der Politik von Dr. Weizmann, noch weiter müssen sie daher von den Anschauungen der neuen Führer entfernt sein.“ Der Landentwicklungsplan Ueber den palästinensischen Landentwicklungsplan schreibt ״The Near East and 1 ndia“ ara 6. August, es scheine hierüber ein Mißverständnis zu bestehen. Gewöhnlich nehme man an, daß soundsoviel für die Araber und soundsoviel für die Juden ausgegeben werden soll, ln Wahrheit 18t aber nichts für die Araber als Araber oder für die Juden als Juden auszugeben, sondern alles für Palästina als solches. Wenn die Frage der depossedierten Araber oder die Frage des Kredits für jüdische Siedler behandelt wird, so kann dies nur unter dem Gesichtspunkt Ihrer Bedeutung als Palästinenser geschehen, nicht m Anbetracht ihrer Zugehörigkeit zu einer einzelnen Gemeinschaft. Wenn nur die Juden und die Araber dies einsehen würden, wären die Aussichten viel freundlicher. Aber ob diese Einsicht sich früher oder später einstellt oder nicht, die für die Landentwicklung verantwörtlichen britischen Beamten werden mit ihrer Arbeit vorwärts gehen in dem Bewußtsein, daß sie auf dem rechten Wege sind. Es wird jetzt von allen unparteiischen Beobachtern zugegeben, daß die britische Regierung endlich den zieht i g e n W e g gefunden hat. Esnat einige Jahre gedauert, aber jetzt darf es kein Abweichen davon geben. Dieser Landentwicklungsplan ist eines der wichtigsten Dinge, die in Palästina seit dem Krieg geschehen sind und es ist auch unabhängig von Personen, so daß die Ernennung eines neuen High Commissioners daran nichts ändern kann.