Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 62 (11.8.1931)
- Date
- 1931-08-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 62, II. Vm. 1931 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 383 Die Vorbereitung der Makkabiah Von Kurt Jacobowitz. Die Vorbereitungen für die Makkabiah sind Jetzt so weit gediehen, daß man sich einen kurzert Ueberblick Ober das bisher Geleistete erlauben darf. Als im Jahre 1929 die Delegierten aller Länder des Makkabi- Weltverbandes in Mährisch-Ostrau den Beschluß faßten, im Jahre 1932 die erste jüdische Olympiade auf dem Boden von Erez-fsraei zu veranstalten, kannten sie wohl die Schwierigkeiten, die naturgemäß in der Durchführung eines solchen Riesenprojektes liegen, nicht aber konnten sie ahnen, daß man diese Großtat des Makkabi gerade in den schlimmsten Zeiten der äußeren wirtschaftlichen Krise und der inneren zionistischen Organisationskrise werde durchführen müssen. Es ist aber völlig■ unberechtigt, nun zu glauben, die Vorbereitungen für die Makkabiah hätten unter dem allgemeinen Pessimismus, der im Augenblick die Massen lähmt, gelitten. Im Gegenteil, gerade in den letzten Wochen ist Entscheidendes geschehen. Das vom Weltverbandspräsidium eingesetzte Makkabiah- Präsidium nahm die Vorbereitungen nach den folgenden Riehtungen hin in Angriff: Politische Verhandlungen, Organisation (innere Makkabiah-Organisierung, Reise, Aufenthalt, Besicht!- tungen, Verpflegung), Finanzen (Anmeldegebühren, Reise- und parkonten, Versicherungen, Aktion für den Bau eines Stadions, Propaganda), Sport und geistige Vorbereitung (Hebraisierung, Paiastinakunde, Musik usw.). ' Ueber den Erfolg der in London und Jerusalem mit Regierung und Verwaltung geführten Verhandlungen ist in der lewen Zeit so viel berichtet worden, daß eine längere Ausführung sich erübrigt. Nur soviel sei zusammenfassend gesagt: Die englisch e Regierung und die Palästina-Regierung haben gegen die Abhaltung der Makkabiah nichts einzuwenden. Im Gegenteil wird der Gedanke begrüßt als eine Möglichkeit, durch sportliche Zusammenarbeit auch mit ägyptischen und arabischen Sportorganisationen sowie mit den englischen Militärmannschaften und dem ״Hapoel“ die Atmosphäre zu reinigen. Diese Stellungnahme der Mandatarmacht gegenüber der Makkabiah hat eine große Bedeutung für gewisse Erleichterungen, auf die eine Menschenmasse von zirka 2000 Besuchern angewiesen ist. Es seien hier nur Erleichterungen in der Visenfrage, in der Quarantäne usw. erwähnt. Die Vorbereitungsarbeit in den einzelnen Kreisen des Weltverbandes ist $0 organisiert, daß unter dem zentralen Makkabiah-Präsidium bei den Kreisen Makkabiah-Kommissionen stehen, die dem Makkabiah-Präsidium für die Durchsetzung seiner Anordnungen verantwortlich sind und an deren Spitze ein Kommissar steht. In den Ländern unterstehen den Makkabiah-Kommissionen in den einzelnen Vereinen wiederum Unterkommissare, die örtlich die Verantwortung für die Durchführung aller Maßnahmen tragen. Durch diese Organisation, ist es möglich, in kürzester Zeit jede Anordnung des Makkabiah- Präsidiums im entfernten Ort durchzuführen. Für die Transportfragen, die einen erheblichen Raum der vorbereitenden Tätigkeit in Anspruch nehmen, hat das Makkabiah-Präsidium in seinem Rahmen eine besondere oberste Transportkommission unter der Leitung,von Dr. Ascher vom Palestine & Orient Lloyd bestellt. Von hier aus werden die Transportgruppen zusammengestellt, die Verträge mit den verschiedenen Schiffahrtsgesellschäften geschlossen und die Rundreisepläne für Palästina festgelegt. Die Oberste Transportkommission arbeitet in enger Fühlung mit dem Makkabi Erez-israeL Der Transport nach Erez- Israel wird von drei Häfen vor sich gehen, von Marseille (für Amerika, Nordafrika, Westeuropa), Triest (für Mitteln und ■Nord? europa) und Konstanza (für Balkan, Polen). Die Reisen zu den Häfen geschehen in Gesellschaftsform oder in Sonderzügen. Landung in Jaffa und Haifa. Jede Transportgruppe erhält eine Reihe von Aerzten beigestellt. Nach der Ankunft finden drei Tage lang die sportlichen und turnerischen Wettkämpfe statt. Im Anschluß daran zeigt man den Teilnehmern das Land. In sechs verschiedenen Besichtigungsgruppen, auf sechs verschiedenen Wegen, per Sonderzug und Autobus werden die Teilnehmer durchs Land geführt. Der Besichtigungsplan steht heute schon bis ins Einzelne fest. Es sind vorgesehen Besichtigungen der wichtigsten Kolonien, Städte und historischen Orte. Am Schabbat wird jede der Gruppen einen Ruhetag in einer der größeren Städte haben. Eine besonders schwierige Frage war die Unterbringung und Verpflegung in Palästina, aber auch hier sind die Vorbereitungen fast abgeschlossen. Nachdem die Stadtverwaltungen sich in anerkennendster Weise bereit erklärt haben, öffentliche Gebäude für Quartierzwecke zur Verfügung zu stellen, ist es ein leichtes gewesen, Privatquartiere zu beschaffen. Der Makkabi Erez-Jisrael ist im Augenblick dabei, durch Listeneinzeichnung die Wohnungsinhaber zur Aufnahme von Teilnehmern zu verpflichten. Für die aktiven Sportler soll besonders gut gesorgt werden. Unterwegs wird die Verpflegung, die in Tel-Awiw leicht durchzuführen ist, durch die vorzüglichen Arbeiterküchen, eventuell auch durch Feldküchen vorgenommen werden. Das Makkabiah-Präsidium hat durch ein Sparsystem allen Teilnehmern die Möglichkeit geschaffen, den Betrag der Reise- Spesen in kleineren Raten zu zahlen. Der Stand der Sparaktion, die von den einzelnen Ländern durchgeführt wird, ist d urchaus befriedigend, ln manchen Ländern, wie der Tschecho- Slowakei, haben zahlreiche Teilnehmer sogar bereits die ganzen Reisebeträge gezahlt. Das Makkabiah-Präsidium wird ferner eine Versicherung abschließen, durch die für den Fall, daß im letzten Augenblick durch höhere Gewalt die Abhaltung der Makkabiah verhindert wird, die bereits bei Verkehrsunternehmungen angezahlten Beträge gesichert sind. Die wichtigste finanzielle Aktion, die vom Makkabiah-Präsidium in Angriff genommen worden ist, Ist die Bausteinaktion für den Bau von Sportplätzen in Erez. Gewiß gibt es heute schon in einem Lande, dessen Makkabi über 3000 Mitglieder hat, Sportplätze. Aber zur Makkabiah werden die besten jüdischen Sportler aus der ganzen Welt antreten, und für sie reicht das Vorhandene nicht aus. Da die Augen der ganzen Weit kritisch auf unseren Leistungen ruhen werden, müssen die Sportplätze auch erhöhten Ansprüchen genügen können und die Möglichkeit guten Sports gewährleisten. Die Aktion, die in verschiedenen europäischen Ländern mit dem Besuch des 12köpfigen Motorradfahrerteams eingesetzt hat, hat teilweise schon befriedigende Ergebnisse gezeitigt. In anderen Ländern wird sie erst im Herbst mit aller Kraft aufgenommen werden. Das Sportprogramm der Makkabiah umfaßt alle bekannten Sportarten. Besonders stark sind Fußball*, Turn- und Leichtathietikmannschaften gemeldet, großartig wird sich das Auftreten unserer tschechischen Schwimmer gestalten. Die Frei- Übungen für die Makkabiah sind in einem Entwurf den Kreisen zugesteilt worden, haben jedoch geteilte Aufnahme gefunden. Das Makkabiah-Präsidium hat datier beschlossen, den Fachmann, Trbr. Bleyer in Mährisch-Ostrau, mit dem Entwurf neuer Uebungen zu beauftragen. Bei der kommenden Makkabiahkonferenz wird die Gesamtheit der Makkabiahkommiasare aller Kreise das abschließende Urteil fällen. Neben dieser sportlichen Seite legt das Makkabiah-Präsidium den größten Wert auf die geistige Vorbereitung der Makkablah-Teilnehmer. Hier berühren sich die bisher nicht erwähnten, aber als bekannt vorausgesetzten tieferen Elemente des Makkabiahgedankens mit der praktischen Arbeit. Was ist die Makkabiah? Eine moderne Pilgerfahrt nach Erez-Jisrael, die den seehschen und geistigen Kontakt schaffen soll zwischen dem Galuthjudentum und unseren Brüdern in Erez-Jisrael. Die Makkabiah gibt einen einzigen großen Anschauungsunterricht, ihre Wirkungen werden für die künftige zionistische Arbeit innerhalb und außerhalb unserer Vereine den mächtigsten Impuls geben. Das Makkabiah-Präsidlutn verlangt von jedem Teilnehmer daher die Kenntnis der hebräischen Sprache, Kenntnisse der Palästinakunde. Diese geistige Vorbereiiungsarbeit erfaßt jetzt endlich auch die Menschen, die sich ihr bisher aus Beauemlichkcits- oder anderen Gründen verschlossen haben, sic stellt im Mittelpunkt jeglicher Vereinsarbeit. So wird durch die gleichzeitige Vorbereitung der Seele, des Geistes und des Körpers ein Schritt weiter getan zur Schaffung des Idealbildes des Makkabi, des harmonisenen, jüdisehen Menschen. Im September d. J. findet noch einmal ein Qeneraiappell aller Verantwortlichen der Makkabiah-Arbeit statt. In Prag werden sich die Kommissare aller Länder treffen und die letzten Beschlüsse in allen Fragen gemeinsam festlegen. So wird der Makkabi-Weltverband die große zionistische Sache, die Makkabiah, trotz aller inneren und äußeren Widerstände durchführen und zu einem Erfolge führen, dessen Wirkungen in ihrer Größe noch gar nicht abzusehen sind. Weltkongreß jüdischer Pfadfinder (Von unserem Berichterstatter.) m. Colleviile sur Orne, 6. August In Colleviile, einem Dorf an der Küste der Normandie, wurde am 4. August ein Lager jüdischer Pfadfinder eröffnet, an dem etwa 300 Pfadfinder aus Frankreich. Deutschland, England,' Oesterreich, aus der Schweiz, Polen, Rumänien, der Tschechoslowakei, aus Griechenland, aus Nordafrika usw. teilnahmen. Das Lager soll zwei Wochen dauern, In einer Abendsitzung am 4. und 5. August wurde die Gründung eines Weltbundes jüdischer Pfadfinder vorgenommen. Der Leiter der französischen Organisation (eclaireurs isrealits frangais) betonte in einigen Worten der Eröffnung der Schaffung des Weltbundes (Union Mondiale) und den Wunsch, dal die Union keine Bindungen eingehe in ihrer Steilung zum religiösen Judentum und zum Zionismus. Der Generalsekretlr des Keren Kajemeth in Frankreich, Fischer, der hierauf das Wort ergriff, entbot im Namen des französischen KKL herzlichen Gruß, im folgenden erklärten die Vertreter Graß-Britanniens, Rumäniens, Deutschlands (Gustav Hoffner, vom IPD Leipzig), Griechenlands und Oesterreichs ihre Bereitschaft zur ernsten Mitarbeit. Es wurde nun eingetreten in die teilweise recht erregte Diskussion des ersten Kapitels der Satzungen: Ziel der Union. Von einer satzungsmäß'gen Verankerung der Arbeit für den KKL wurde abgesehen in Uebereinstimmung mit den Wünschen des Vertreters des KKL. Von grundlegender Bedeutung dagegen ist der letzte Punkt des Kapitels, der als (Haupt-)Z1el der Union angibt: Förderung der praktischen Arbeit und der Renaissance des Judentums und praktische Arbeit für Palästina (Favoriser Ia practique, la renaissance et un travaille practique pour la Pa- Iestine). Die Bestimmungen sind bewußt derart gehalten, daß auch Organisationen, die nicht satzungsgemiß zionistisch sind, die Möglichkeit einer Arbeit im Weltbund gegeben ist, — Der Vertreter des ״Haschomer HacaL־" forderte, daß als Ziel der Union festgefegt werden solle die Zusammenfassung aller Jugend-Bewegungen, die 1. die nationale Idee des jüdischen Volkes anerkennen, und die 2. eine praktische Arbeit für ein Nationalheim in Palästina fordern. Die Ver- Sammlung konnte sich nicht entschließen, in eine Ab- Stimmung, dieser Forderung einzutreten, weshalb ״Haschomer Hazalr“ erklärte, außerstande zu sein, in die Union einzutreten; er erklärte jedoch ausdrücklich die Bereitschaft seines Bundes, mit der Union arn gemeinsamen Ziel zu arbeiten. In den nächsten Tagen werden u. a. die Statuten beschlossen werden, ebenso wie der Arbeitsplan für die nächsten zwei Jahre, nach denen der 2. Weltkongreß stattfinden soll. Er wird voraussichtlich in Palästina statt findet!. Briefe an die Redaktion Eine Erklärung Dr. Eders London, 5. August 1931, An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“, Berlin. Sehr geehrte Redaktion! Obwohl Ich Ihre Zeitung erst mit einiger Verspätung zu Gesicht bekam, möchte ich noch nachträglich zur Vermeidung von Legendenbildungen einen Eindruck richtigstellen, der aus dem Artikel Dr. Halperns in Nr. 57 der ״Jüdischen Rundschau“ entstehen könnte. Die Gruppe A und insbesondere die englische zionistische Delegation widersprach dem Eintritt von B r o d e t s k y in die Exekutive nicht aus einer falsch verstandenen Loyalität zu Weizmann, sondern aus Loyalität gegenüber gewissen Prfnzipien, die ich hier nicht zu wiederholen brauche, da sie in Bfumenfelds Erklärung, die in Nr. 55 der ״Jüdischen Rundschau, Seite 338, veröffentlicht war, dargestellt wurden. Das einzige Mitglied der Gruppe, das anderer Meinung war, war der englische Delegierte Mr. Jänner, der jedoch sich in loyaler Weise dem Majoritätsbeschluß fügte. Eine zweite Bemerkung: Der Beschluß, daß Brodetsky in die Exekutive eintreten soll, wurde gefaßt, nachdem eine große Zahl Mitglieder der Gruppe A abgereist waren — einschließlich fünf von den Delegierten aus Großbritannien. Die Zurückgebliebenen waren völlig berechtigt, einen Beschluß im Namen unserer Gruppe zu fassen, und ich stelle nicht ihre Kompetenz in Frage, aber es muß ausgesprochen werden, daß in der Zeit zwischen Mittwoch, den 17. Juli, 6ßÜ Uhr morgens, als ich den Kongreß verließ, und 9,30 Uhr, einige Stunden später, als unser Beschluß abgeändert wurde, keine neuen Tatsachen zutage getreten waren — mit Ausnahme eines neuerlichen auf Dr. Weizmann ausgeübten Druckes, er möge unsere Gruppe zur Annahme nötigen. Ich bleibe bei meiner Ansicht, daß es nicht sehr fair gewesen ist, Dr. Weizmann die Verantwortung für die Bildung der neuen Exekutive zuzu» schieben. rch bin usw. M. D. Eder. * Sehr geehrte Redaktion! Halberstadt, 5. August. In ihrem Aufsatz ״Abkehr?“ in Nummer 59 der ״Jüdischen Rundschau“ hat Frau Bergel-Gronemann treffliche Erklärungen für gewisse Ursachen der Abkehr vom Judentum gegeben. Die weiter in dem Aufsatz gegebene Antwort auf die zweite darin aufgeworfene Frage, wie weit eine gewisse, näher skizzierte religiöse Gesinnung Raum im Judentum habe, und wie dem so Gesinnten das Judentum teuer gemacht werden kann, vermag jedoch nicht zu befriedigen, Es bleibe dahingestellt, ob ״gerade im Zeremoniaigesetz diese Gesinnung am deutlichsten zum Ausdruck kommt“ und ob ,,auch die abstrakteste Gottesvorstellung sich ohne sacriflcium intellectus mit der Ueberlieferung und dem Ritual verträgt“. Der Aufsatz befaßt sich ja nicht mit dem Judentum schlechthin, sondern mit der Frage, wie weit cs für Jenen tragbar ist und wertvoll sein kann, der sich aus eigener religiöser Erkenntnis heraus vom Judentum abgekehrt hat, der den religiösen Inhalt des Judentums ablehnt. Selbst wenn also die von Frau Bergei oben angeführten Voraussetzungen gegeben sein sollten, würde für ihn noch keine Veranlassung vorliegen, ohne positive Gründe das Judentum auf sich zu nehmen. Auch dann noch nicht, wenn ״im Judentum das skizzierte religiöse Gefühl deutlicher als in anderen Religionen zum Ausdruck kommt.“ Judentum kann vielmehr erst dann dem so religiös Empfindenden und Erlebenden etwas bedeuten, wenn es ihm ein Mehr gibt, sei es an religfösem Erlebnis, sei es durch etwas anders Geartetes. Es kann ihm nicht genügen, sich mit dem Judentum nur gerade abfinden zu können. Daß er ein religiöses Mehr empfangen würde, wird von Frau Bergei nicht gesagt und erscheint mir auch nicht erkennbar. Wollen wir versuchen, sein Interesse am Judentum wachzuhaltcn, so kann es wohl nur durch das andere Fundament desselben geschehen, durch den nationalen Gedanken. Ich bitte, mich nicht dahin mißzuverstehen, als habe ich in dem Aufsatz ein willkommenes Werkzeug für mich zur Dar- Stellung des nationalen Wesens des Judentums erblickt, vielmehr habe ich mich lange bemüht, eine andere Lösung zu fin• den. Schließlich erkenne Ich in der religiösen oder nationalen Fundierung des jüdischen Religionsgesctzes keinen allzu wesentlichen Unterschied, beides bildet wohl vielmehr eine Einheit. Unsere großen Gcsctzlehrer waren gewiß an religiöser Erlebniskraft und realer Erkenntnis nicht kleiner als wir; kamen sie dennoch zu der Festsetzung unzähliger Vorschriften, die dem von Frau Bergei Gezeichneten abseits von wahrer Religion zu stehen scheinen, so bleibt nur die eine Erklärung, daß Pflege der nationalen Einheit ihnen sittliche Pflicht bedeutete. Eine Religion, die nicht sämtliche sittliche Pflichten umschloß, mußte ihnen aber undenkbar erscheinen. Die so zu Zementierung des Volksganzen entstandenen Satzungen tragen daher sämtlich religiösen Charakter. Nur die Erkenntnis dieses Werdegangs wird den von Frau Bergei geschilderten Suchenden mit den religiösen Formen des Judentums und mit diesem selbst ausrusohnen vermögen. Ernst Baer. Vermischtes Die nächste Sitzung der RepräsentantenverSammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde ist für den 13. August einberufen. Auf der Tagesordnung steht als Hauptpunkt ein Antrag der Jüdischen Volkspartei betreffend Maßnahmen hinsichtlich der Beamten und Angestellten der Jüdischen Gemeinde. Palästinenser (Abiturient des Herzl-Gymnasiums in Tel- Awiw) wünscht Aufnahme in Familie in deutscher Universitätsstadt (freie Wohnung und Verpflegung) gegen hebräischen Unterricht und Beaufsichtigung von Kindern. Angebote erbeten an die Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Meinekestr. 10. Palästina-Reisende, Achtung! Ausnahmsweise fährt der 16 000-Tonnen-Dampfer ״Compiegne“ der Messageries Maritimes auf seiner Fahrt nach dem Femen Osten am 19. August über Beiruth und Jaffa. Da der Dampfer die Strecke in fünf Tagen zurflcklegf und ausnahmsweise billige Preise berechnet werden, besteht hier eine besonders günstige Fahrtgelegenheit. Anfragen an Palestine & Orient Lloyd, Berlin N 24, Fnedrich- Straße 121. Hebräisch sprechende Kindergärtnerin zu 41/Sjahrige!t Jungen und jüngerer Schwester wird vom Gesinnungsgenossen in Bukarest gesucht. Schriftliche Bewerbungen sind schnellstens an die Zionistische Vereinigung Für Deutschland, Berlin W 15, Meinekestr. 10, zu richten. Am 6. August fand in London die Vermählung des Marquis ot Reading mit Stella Charnaud statt, die jahrelang Lord Readings Sekretärin war. Lord Reading, der im Oktober v. J. 70 Jahre alt geworden ist, verlor seine erste Gattin Alice Edith, eine Tochter des verstorbenen Albert Cohen, im März 1930 nach 43jähriger Ehe. Seine neue Gattin steht Im 37. Lebensiahr. Lord Reading ist auch der Schwiegervater der Tochter Lord Melchetts, Lady Erleigh. Berliner Kalender B. Z. V, Gruppe Nord. Donnerstag, den 20. August, abends SV2 Uhr, in der Jüdischen Gemeinde, Rosenstr. 2—4. Referent Dr. Georg Halpern. — Gruppe Ost. Donnerstag, den 20. August, abends 8»/3 Uhr, in den Unionsälen, Oreifswalder Straße?22, Referent Dr. S 01 o weit sc hi k. Weitere Gruppenveranstaltungen werden in der nächsten Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ veröffentlicht. Ortsgruppe Berlin der Zionisten-RevUionisten. Mitglieder- Versammlung am Mittwoch, dem 12. August, SV» Uhr, im Restaurant Kaufmann, Kleiststr. 14. Tagesordnung: Referat von Richard Lichtheim: ״Verlauf und Folgen des XVII. Zionistenkongresses ih Basel“. Hapoei Hazatr. Donnerstag, 13. August, Meinekestr. 10, Sitzungssaal, Kongreßbericht. Referent: Dr. Georg Landauer. Gäste willkommen. Reth־Am. Am Mittwoch, dem 12. August, abends 8*/s Uhr, spricht im Beth-Am, Kurfürstendamm 01, Herr Dr. Georg Landauer über: ״Der Zionistische Kongreß in Basel und die neue Zionistische Politik“. Gäste willkommen. Jüdische Sozialdemokratische Arbeiterorganisation ״Poale Zion“. Mittwoch, den 12. August, abends 8y» Uhr, im Gemeindehaus, Rosenstr. 2—4. Melech Neustadt (Tel-Awiw) spricht über ״Den Kampf der Arbeiterschaft auf dem XVII. Zionistenkongreß“. Gäste willkommen! Das Gemeinschaftliche Hilfskomitee ORT-OSE-EMIG- DIRECT veranstaltet am Dienstag, dem 11. August, 9 Uhr abends, in den Räumen des Klubs ״Scholem-Aleichem“, Lutherstr. 48, einen Vortragsabend über die katastrophale Lage der polnischen Juden. Es sprechen Vertreter der Organisationen ORT, TOZ und der Jüdischen Waisenhilfe in Polen, die Herren Dr. M. Silberfarb, Dr. L. Wulman, Herr L, Neustadt und A. Goldin. Die Theodor Herzl-Nacht des Jüdischen Turn- und Sport- Klub Bar Kochba-Hakoah verspricht eines der größten Makkabi-Feste zu werden. Die Veranstaltung beginnt um 6y» Uhr mit einem sportlichen Querschnitt durch den vielfältigen Uebungsbetrieb des Klubs. Es werden in je 5 Minuten gezeigt: Ein Handball-Blitzspiel der Damen, Musterriege am Barren, Rugby-Demonstration, Gymnastikschule der Mädchen, Schach mit lebenden Figuren, ein lustiges Hockey-Polo-Spiel, Daniel Prenn in 5״ Minuten Tennis“, Schülerfußball, Sketch: Leichtathletik einst und jetzt, eine Fuchsjagd auf Skiern, Schwimmen ohne Wasser, Wandern und Singen der Jugend, Streich- Orchester. Nach Beendigung des sportlichen Querschnitts gelangt bei Scheinwerfer- und Fackelbeleuchtung das Makkabi-Spiel ״Theodor Herzl-Nacht 1931“ zur Aufführung. (30. August.) בבית־העם! ביום הרביעי׳ 12 לאויגוסט׳ בשעה 8 וחצי בערב׳ ירצה בבית־העם מר ד״ר גיאורג לנדויר עי הנושא: "הקונגרס הציוני בגזל והפוליטיקה הציונית החדשה". אורחים רצויים!