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Jüdische Rundschau · 1931-08-07 · Heft 61 (7.8.1931) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 61 (7.8.1931)
Date
1931-08-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 378 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 01, 7. VIII. 1931 der wirkliche Sinn der Balfour-Deklaration und des Mandates ist und daß nichts anderes beabsichtigt ist. Dies ist die Politik der britischen Regierung von allem Anfang. Das Kolcmlalamt und die Palästina-Regierung sei keine zionistische Regierung und müsse das Land im Interesse der ganzen Bevölkerung regieren, darauf achtend, daß nicht der eine Teil der Bevölkerung dem anderen geopfert wird. Auch wenn Balfour- Deklaration und Mandat keinen ausdrücklichen Vorbehalt enthielte, hätte jede britische Regierung auf dieser Grundlage handeln müssen. Jede britische Regierung erstrebt die Bildüng eines Jüdischen Nationalheims und eines arabischen Nationalheims innerhalb eines palästinensischen Staates. Und wenn, was nicht unmöglich ist, England nicht ewig in Palästina bleiben sollte, so ist kein Nachfolger auszudenken, der den Juden mehr geben würde. Umgekehrt, wer immer an die Stelle Englands träte, würde den Juden wahrscheinlich viel weniger geben. Ein kluger Mann strebt nach dem Erreichbaren und verschwendet nicht seine Kräfte in einem nur der Kriegspsychologie entsprechenden Geschrei nach dem Unerreichbaren. Und eine starke, prosperierende, sich selbst erhaltende jüdische Minorität in Palästina, die in allen Fragen von jüdischer Bedeutung autonom ist, an der allgemeinen Regierung paritätisch — nicht so s ehr auf Grund der Zahl als der Qualität — teilnimmt, in guten Be- Ziehungen mit ihren nicht jüdischen Mitbürgern lebt, ist ein Ziel, das auf keinen Fall zu verachten ist. Dieses Ziel ist sicherlich noch ungewiß, aber es kann nicht als schlechthin unerreichbar erklärt werden. Wenn sich die Zionisten ohne Hintergedank e n diesem Ziel widmen und die anderen Juden, soweit sie noch jüdische Ideale haben, ihre Kräfte zur Mithilfe zur Verfügung stellen, dann kann dies Ziel erreicht werden. Hierzu aber muß ein großer Teil der Politik der Vergangenheit umgestürzt und ein neuer Weg gegangen werden. Die zionistische Propaganda muß einer vernünftigen Kontrolle unterworfen werden, damit sie nicht noch mehr Schaden stiftet, denn ihre Uebertreibum gen haben alle zionistischen Erklärungern in Mißkredit gebracht. Palästina leidet heute an einem Uebermaß von Politik, die sowohl auf jüdischer als auch auf arabischer Seite oft recht kindisch und unsachlich geführt wird. Man sollte eine Zcitlang •cHe Politik ausschalten, die nur auf Politik und Propaganda eingestellten zionistischen Führer sollten zurücktreten, und man sollte alle Kräfte auf die Schaffung eines selbstbewußten, sich selbst erhaltenden jüdi sehen Volkes im Lande konzentrieren. Der Verfasser behandelt dann die Beziehungen zwischen Juden und Arabern. Noch nie war das Verhältnis so schlecht wie jetzt. Alle Juden wissen, daß nur England und seine Truppen ein Massaker verhindern. Wenn manche Zionisten in ihrer Tollheit davon sprechen, man solle England den Aufenthalt im Lande ״kündigen״, so meinen sie selbst nicht, was Me sagen. Aber man sollte damit rechnen, daß die Engländer diese dauernden Vorwürfe als lästig zu empfinden beginnen. England hat mit Ausnahme von Haifa und eines, schmalen Landstriches kein wesentliches Interesse an Palästina, und die Kosten des Schutzes für die Juden sind so groß, daß das palästinensische Schatzamt britische finanzielle Hilfe in Anspruch nehmen muß. Wenn nun, wie zu erwarten ist, eine ״Sparsamkeits-Regierung“ in England zur Macht kommt, dann ist es möglich, daß man auch die Befrdung von der Belastung durch Palästina in Erwägung ziehen wird. Ohnedies sollten die A-Mandate nur 25 Jahre bestehen; — das Mandat für Irak ist im Erlöschen und das für Syrien und den Libanon dürfte auch nicht mehr lange dauern. Es ist also große Eile geboten, und zwar nicht, wie die Revisionisten meinen, in der Erreichung der jüdisehen Mehrheit, sondern in einer wirklichen Verständigung mit den n ichtjüdischen Einwohnern des Landes, die wohl stets eine Mehrheit bilden werden. Der Verfasser wendet sich dann gegen die von ihm als absurd bezeichneten Vorschläge, palästinensische Araber nach anderen arabischen Ländern zu verpflanzen. Man sollte mit diesem Gerede möglichst schnell Schluß machen, denn ohnedies sind die Araber überaus argwöhnisch und nehmen alle zionistische Großsprecherei und hysterischen Ausbrüche als bare Münze. Auch der Jüdische Nationalfonds müßte seine Politik ändern und bei der Entwicklung der von ihm erworbenen Ländereien auch die bisherigen arabischen Ansiedler neben den neuen jüdischen auf dem Boden belassen. Auch die Propaganda für ausschließlich jüdische Arbeit, ausschließliches Kaufen in jüdischen Geschäften usw., muß aufhören. Ein wichtiges Kapitel ist das Verhältnis der J u ־ den zu den Engländern. Statt angesichts der Sachlage die britischen Sympathien zu erstreben, verschreien die Juden Palästinas und die Zionisten in anderen Ländern alle britischen Beamten als Antizionisten und Antisemiten. Die äußerst beleidigende Kampagne gegen Luke und gegen Cafferata hat wohl dem Zionismus die Sympathien aller britischen Beamten des ganzen Reiches gekostet. Der Engländer ist tolerant und würde in Anbetracht der herrschenden Aufregung diese Kampagne verziehen haben, wenn sie nur von den Volksmassen und nicht auch von den verantwortlichen Führern gemacht worden wäre. Damals aber wurde von den maßgebendsten Zionisten der schwerste Unsinn als Beschreibung der britischen Politik in Palästina gedruckt, aber vor der Snaw- Kommission konnte man nichts beweisen. Der Verfasser verurteilt ebenso stark, was er die ״Uebertreibungen und Verdrehungen anläßlich der Kampagne gegen das Passfield-Weißbuch״ nennt, beschäftigt sich dann mit den Fragen des Gesetzgebenden Rates und der Landentwicklung und weist darauf hin, daß die Juden in diesen beiden Fragen im Begriffe sind, sich in eine Situation hineinzumanövrieren, die ihnen selbst später sehr unangenehm sein wird, so wie die jüdischen Vertreter im Jerusalemer Stadtrat vor einem Jahre ihre Aemter niedergelegt haben, in der Meinung, dadurch die ganze Körperschaft ins Wanken zu bringen, heute aber nach einem Ausweg suchen, um wieder zurückzukehren, ohne sich eine allzu große Blöße zu geben. Zum Schluß faßt der Autor des Artikels seine Ratschläge an die Zionisten in drei Punkten zusammen. Zunächst, was die zionistische Bewegung selbst betrifft, so möge man verstehen, daß die Aufgabe unserer Generation in der Legung der Grundsteine besteht, nicht in der Verkündung ferner Ideale. Bei dieser Arbeit aber müssen Menschen mit entsprechenden Fähigkeiten und Erfahrungen die Leitung haben. Was zweitens die Beziehungen mit den Arabern betrifft, so müssen diese schrittweise verbessert werden, wobei man bedenken muß, daß die Araber zu den offiziellen Zionisten kein Vertrauen haben. Vielleicht könnte mit Hilfe einer kleinen Gruppe von im Lande geborenen palästinensischen Juden unter Mithilfe von Persönlichkeiten wie Dr. Magnes und seinem Kreis sowie von Prof. Einstein, der bei den gemäßigten Arabern einen großen Namen hat, ein Versuch gemacht werden. Jedenfalls muß man wissen, daß ein solcher Ausgleich das größte Bedürfnis für das palästinensische Judentum ist. Drittens kommen die Beziehungen zwischen Juden und Engläadern. Die Juden sind in vieler Beziehung von den englischen Sympathien abhängig, und es kann auf lange Sicht keinesfalls günstig sein, mit der Regierung des Landes aut feindlichem Faß zu stehen. Die Beziehungen zwischen Juden und Engländern waren ursprünglich freundlich, und wenn man heute die Engländer als Antizionisten und Antisemiten bezeichnet, so ist dies keine Erklärung, sondern man müßte die Ursache für diese Sinnesänderung aufdecken. Auch hier ist klares Denken und Besonnenheit erforderlich. Die Engländer haben in Palästina eine Verantwortung gegenüber den Arabern ebenso wie gegenüber den Juden, und man darf nicht erwarten, daß die britischen Beamten mehr tun, als den Juden die Möglichkeit zu geben, selbst für ihre Befreiung tätig zu sein. Der Engländer kann es nicht ertragen, bei politischen Meinungsverschiedenheiten in großen und kleinen Dingen in maßloser Sprache angegriffen zu werden. Hier also muß Wandel geschaffen werden. Den Aufsatz dieses ״englischen Juden“ bezeichnet S o - low in seinem Schlußwort als ״typischen britischen Angriff auf die jüdische Position in Palästina״, der nur beweise, daß Mißtrauen gegenüber England am Platze ist. So endet unseres Erachtens diese Diskussion in einer ziemliehen Konfusion, obwohl sie für den intelligenten Leser manches sehr Beachtliche zutage gefördert hat, was als Baustein für ein künftiges zionistisches Gedankengebäude von Wert sein kann. Weizmann nid die Arbeiterschaft Wir haben bereits kurz gemeldet, daß am letzten Kongreßiag in Basel eine intime Aussprache zwischen Dr. Weizmann und der Arbeiter-Fraktion des Kongresses stattfand, wobei herzliche Reden gehalten wurden. Wir tragen hier noch eine Wiedergabe der Rede nach, die Weizmann bei dieser Gelegenheit an die Arbeiter richtete. Weizmann sagte ungefähr folgendes: ״Es war mit ein Herzensbedürfnis, noch im letzten Augenblick mit eurer Fraktion zusammenzukommen — mit der Fraktion, die so tapfer für den reinen Zionismus und gegen die dunklen Kräfte auf diesem Kongreß gekämpft hat. Als ein Mensch, der der Bewegung alles gab, was er ihr geben konnte, sage ich euch: Om einen solchen Kampf zu erleben und solche Kämpfer sehen zu dürfen, lohnen sich für mich die Leiden meines Lebens. Ich erinnere mich an die letzten Abendstunden meines Aufenthaltes in N a h a 1 a 1, wo ich sagte: Oft steigen Gedanken auf, warum denn gibt der Mensch sein Leben für Dinge hin, die sein Auge nicht sieht und seine Hände nicht greifen! Daher das Bedürfnis, von Zeit zu Zeit nach Erez-Israel zu kommen, um mit eigenen Augen zu sehen, von neuem den Sinn des Lebens zu erfassen. Wenn ich diesen Kongreß, und all das, was sich da abspielte, überblicke, kann sich Enttäuschung einstellen. Aber wenn ich Erez-Israel in mein Gedächtnis zurückrufe, mit all dem, was dort geschieht — dann kehrt mein Mut zurück. Wir sind niedergeschlagen, aber nur für kurze Zeit. Wir stehen am Ende eines Abschnittes, einer Periode voller Errungenschaften und schwerer Enttäuschungen. Immer dachte ich, und auch heute ist es meine Meinung, daß die Balfour-Deklaration und das Mandat uns als Gewinn des Weltkrieges zufklen. Die Balfour-Deklaration hing in der Luft, und erst nachdem sie gegeben war, begannen wir ihre Grundbasis zu bauen. Nach dem Gesetz der Schwerkraft muß ein Bau Zusammenstürzen, den man von oben zu bauen beginnt ln dem Maße, als die Grundbasis erweitert wird, wind auch der Sturz schwächer, wird die Erschütterung beim Fallen kleiner. Nicht an euch lag es, wenn diese Basis nicht das erwünschte Maß erreichte. Ihr tatet alles, um sie zu vergroßem — mit eurem Schweiße, eurem Blute, eurem Verstände, mit eurem ganzen Leben. Und ich sage ohne Phrase — jeder phrasenhafte Gedanke ist mir in diesem Augenblicke fern — auch ich trug mein Teil m der Errichtung dieser Basis bei. Wir waren die beiden schaffenden Kräfte in der Bewegung. Und es ist kein Zufall und keine Folge einer Partei- Politik, daß wir einander verstanden, ohne Worte zu sprechen —, im Gdud, im Emek, in Nahalal und in Merchawjah, und hier beim Kongreß. Wir begegnen uns jetzt voller Schmerzen, aber Erez-Israel wird nicht ohne Schmerzen gebaut werden. Ich will nicht danken, ich will mich nicht verabschieden. Wir stehen mitten im Kampfe. Ich weiß, wie schwer es euch fällt, mit einem so kleinen Budget, mit so mageren Aussichten zurückzukehren, da alles in der Luft hängt, nicht verankert, und voller Gefahren. Aber ihr habt die Kraft, um diese Prüfungen zu überwinden. Vielleicht wird jetzt eine Periode der politischen Entladung kommen, vielleicht ein anderer Geist zur Herrschaft gelangen. Vielleicht wird gerade dieser Kongreß, der das Gift in der Bewegung zur Lösung brachte, zu einer Gesundung führen. Ich werde keine Worte des Abschiedes sagen, wir werden uns wieder begegnen, auf dem langen Wege, der vor uns liegt, in der langen Front von Jerusalem bis San-Franzisko. Und wenn wir uns wieder begegnen, werden wir über das, was hier geschah, als eine vereinzelte Episode sprechen. Und vor uns werden wir den Beginn einer neuen Periode der Arbeit für das freie jüdische Erez-Israel sehen.״ Konferenz des Brfth Trnmpeldor in Polen Warschau, 4. August. (J.T. A.) Im Einsteinsaal des Akademischen Hauses zu Warschau wurde am Montag, dem 3. August, die Landeskonferenz de^ revisionistischen Jugend- Organisation Brith Trumpeldor in Anwesenheit von 250 Delegierten aus allen Teilen des Landes eröffnet. Der Führer des Brith Trumpeldor in Polen, A. Propes, erklärte in seiner Er- Öffnungsansprache, der Zweck der Beratungen der Konferenz (!) sei es, einen Weg zur Erzielung einer jüdischen B e v ö 1 k e - rungsmehrheit in Palästina zu finden. Namens der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation begrüßte H. F a r b s t e i n die Konferenz. In Beantwortung der Begrüßungsansprache versicherte A. Propes Herrn Färbstein des Vertrauens der Revisionisten, obwohl diese der neuen Exekutive als Gesamtheit ablehnend gegenüberstehen. Von Jabotinsky war ein Begrüßungstelegramm eingelangt, ln ihrem Antworttelegramm versicherte die Konferenz den obersten Führer des Brith Trumpeldor ihres un bedingten Gehorsams. Der Berliner Polizeipräsident hat die nationalsozialistische Zeitung ״Der Angriff״ auf drei Tage verboten, weil sie unter dem Titel ״Schluß mit der Mordkommune!" zu Gewalttätigkeiten gegen namentlich angeführte Personen aufgereizt hat. In dem Artikel war u. a. ausgeführt worden: ״. . . um den Verbrechern auf der Straße das Handwerk zu legen, muß man zuerst die Hetzer in den Redaktionsstuben erledigen. Zu diesen Verbrechern, die samt und sonders vom Staat an die Wand gestellt werden müßten, gehören aber auch Männer, wie der Jude Alfred Kerr vom Verlag Messe... Ihnen allen müßte zuerst der Prozeß gemacht werden, den Kerr, Feuchtwang e r, Renn, Münzenberg, Heinr. Mann, Eißler, Holitscher, Goldschmidt und Arnold Zweig. Das sind die Hetzer, die die Verbrechermeuten auf Nationalsozialisten und Schupos hetzen, das sind die intellektuellen Urheber jedes Mordes, der von vertierten Lumpen ausgeführt wird.“ Der Hebräische Weltverband Der XVII. Zionistische Kongreß faßte in seiner Sitzung vom 13. Juli eine Begrüßungsresolution zu der vor kurzem durch eine Konferenz in Berlin erfolgten Gründung des ״Brit Ivrit Olamit“ (Hebräischer Weltverband). Die Resolution lautet: 1. Der Kongreß begrüßt die Gründung des ״Brit Ivrit Olamit“ (Hebräischer Weltverband) und gibt seiner Hoffnung Ausdruck, daß dieser Weltverband die Einigung aller Faktoren und aller auf dem Gebiete der hebräischen Kultur tätigen Kräfte aller Richtungen ermöglichen wird. 2. Der Kongreß appelliert an die Zionistischen Organisationen, die Organ!- sierung der ״Brit Ivrit Olamit“ zu fördern. 3. Der Kongreß beauftragt die Exekutive, einen Monat im Jahre für Propagan da und Sammlungsaktionen zugunsten der jiidisch-nationalen Erziehungs- und Kulturanstalten aller Richtungen in der Diaspora festzusetzen. 4. Mit Befriedigung nimmt der Kongreß den Beschluß der Berliner Konferenz zur Kenntnis, einen hebräischen Weltkongreß einzuberufen, der zur obersten lnstanz aller Richtungen der hebräischen Weltbewegung in der Diaspora werden soll. Die Resolution wurde vom Kongreß mit großem Beifall angenommen. Eine Reihe von prominenten Mitgliedern des Kongresses sicherte ihre weitestgehende Unterstützung und aktive Mitarbeit zu. ln den nächsten Tagen gibt der ״Brit Ivrit Olamit“ einen Aufruf heraus über den weiteren Ausbau des Hebräischen Weltverbandes sowie die nächste Aktion zur Erneuerung und Belebung der hebräischen Bewegung und die Errichtung von Landeszentralen des B. I. O. in allen Ländern der Diaspora. Führende Mitglieder der Exekutive des ״Brit Ivrit Olamit“ werden zu diesem Zwecke einige Länder in West- und Osteuropa bereisen. Kein Boykott griechischer Ethrogim S a I o n i k i, 4. August. (J. T. A.) Ehe Nachricht von einer in den jüdischen Kreisen Polens, Ungarns, Amerikas und anderer Länder angeblich einsetzenden Bewegung zur Boykottierung von Ethrogim aus Griechenland hat unter der jüdischen Bevölkerung Salonikis Beunruhigung hervorgerufen. Maßgebende Persönlichkeiten der Jüdischen Gemeinde Saloniki haben ihrer Befürchtung Ausdruck gegeben, daß eine solche Bewegung den antisemitischen Elementen in Griechenland neuen Agitationsstoff liefern könnte. Ein Boykott griechischer Ethrogim, wird in den jüdisehen Kreisen Salonikis erklärt, sei durchaus unberechtigt, denn weder das griechische Volk als solches noch die griechisehe Regierung seien judenfeindlich eingestellt. Die Ausschreitungen in Saloniki seien ausschließlich das Werk einer kleinen Minderzahl nationalistisch verhetzter Elemente, während sich die Regierung Venizelos des vollen Vertrauens der jüdischen Bevölkerung erfreue, wie dies ja auch anläßlich der Wahlen zura Ausdruck gekommen ist. Verschärfte antisemitische Propaganda in Polen Warschau, 29. Juli. J. T. A.) Das Zentralorgan der nationaldemokratischen Partei ״Gazetta Warszawska“ hat in seinen beiden letzten Nummern Artikel veröffentlicht, die heftige Angriffe und ernste Drohungen gegen die jüdische Bevölkerung enthalten. In den von den nationaldemokratischen Führern Nowaczynski und Prof. Rybarski verfaßten Artikeln werden die Juden für die gegenwärtige schwierige ökonomische Lage in Polen verantwortlich gemacht. Prof. Rybarski erklärt, in den nationalen Kreisen Polens werde der Unmut über die Juden wachsen, wenn diese weiterhin die Politik der Regierung stützen. Wenn von der polnischen öffentlichen Meinung ein Feldzug gegen die Juden eröffnet werde, so sei dies nur die natürliche Folge der jüdischen Politik in Polen. Die jüdische Presse kommentiert lebhaft diesen Artikel, der als eine direkte Drohung gegen die Juden aufgefaßt wird. Die Zeitungen weisen darauf hin, daß schon lange nicht so gehässige antisemitische Artikel in Polen veröffentlicht wurden. Bildhauer Jacob Pleßner 60 Jahre. Am 18. August vollendet der bekannte jüdische Bildhauer Jacob Pleßner sein 60. Lebensjahr. Pleßner, der in Berlin geboren ist und hier lebt und schafft, ist einer der repräsentativen deutschen Plastiker. Von seiner Hand stammen mehrere Grabdenkmäler in Berlin, eine große Reihe Porträtplastiken, darunter die von der Kunstsammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde erworbene Büste von Moses Mendelssohn, und viele Kleinplastiken. Die Kunstsamm- Jung der Jüdischen Gemeinde, andere jüdische und auch Staatliehe Kunstsammlungen beherbergen mehrere seiner Schopfungen. Der Bildhauer, der sich vor einigen Monaten bei einem Unfall seinen rechten Arm gebrochen hat, schuf eine zeitlang allein mit dem linken Arm eine Reihe Plastiken, die zu seinen besten zählen. Die Leitung des Jugendhundes ״Gordonia“ (Sitz Chederah) bittet uns, zu berichtigen, daß bei der. Wiedergabe des Kongreß-Referates von Felix Rosenblüth in der Kongreß zeitung die Zahl der Mitglieder des Bundes irrtümlich mit 8000 anstatt mit 18 000 angegeben worden ist. Katz — Naumann, ln der Reihe der Besprechungen des Zionistenkongrcs&es und der Stellungnahme zum Zionismus anläßlich des Kongresses findet man neben vielen ernsten kritischen und ablehnenden Stimmen auch die Bemerkungen unserer alten ״Freunde“ vom ״Geserd“ (Gesellschaft zur Förderung des jüdischen Siedlungswerkes in der UdSSR) und vom Verbände der nationaldeutschen Juden. Die Herren vom yieserd sehen ihre Hauptaufgabe darin, die Zionisten zu bekämpfen. Sie täten viel besser daran, ihre Energien der Förderung ihrer Zwecke zuzuwenden. Wir haben es immer abgelehnt, die Bestrebungen des Geserd zu bekämpfen, weil wir jeden konstruktiven Versuch, einerlei wo immer er auch unternommen wird, zunächst mit aufrichtiger Sympathie begrüßen. Die Geserd-Leute sind aber a priori gegen alles, was nicht auf den kommunistisch-jewsekzistischen Leisten paßt. Im Mitteilungsblatt des Geserd Nr. 7 vom Juli 1931 schreibt, aus dieser Grundhaltung heraus, Leo Katz, der als Journalist am Kongreß in Basel teilgenommen hat, einen Aufsatz, der mit dem Worten schließt; ״Lohnt es sich überhaupt, hier noch einen Vergleich zu ziehen mit der ungeheuren Produktionsarbeit, die unter den Juden der Sowjet-Union vor sich geht?״ Katz’ Antipode Dr. Max Naumann von den Nationaldeutschen hat am Kongreß weder als Journalist noch als Zuschauer teilgenommen. Er referiert auf Grund von Zeitungsberichten und schließt seine Ausführungen mit den Worten: ״Darum: Hygiene und vor allem positives Deutschtum!“ — Berichterstatter und Kritiker, die, von ihrem Standpunkte aus betrachtet, so gesinnungstüchtig sind, daß sie ihre Ausführungen mit Wendungen schließen, die sie maniakalisch zu verwenden gewöhnt sind, verlieren das Anrecht, daß man zu dem, was sie sonst, im guten oder im bösen Glauben, zur Sache zu sagen haben, irgendwie ernsthaft Stellung nimmt. Daß wir doch des Zweigespannes Katz — Naumann Erwähnung getan haben, geschah mehr der Kuriosität wegen als um darzutun, daß ihre Bemerkungen irgendwelchen Eindruck!unterlassen haben.

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