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Jüdische Rundschau · 1931-08-07 · Heft 61 (7.8.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 61 (7.8.1931)
Date
1931-08-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 81, 7. VIII. 1931 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 375 Durch verschiedene Brillen KongreJjbeirachtungen Von Richard Lichtheim Cs ist nur natürlich, daß die Kommentare zu den Ergehnissen des Kongresses je nach dem Standpunkt des Beschauers wechseln. Mancher sieht von seinem Platze aus, was ein anderer gar nicht bemerkt, und mancher legt großes Gewicht auf Vorgange, die dem anderen als unbedeutende Nebenhandlung erscheinen. Auch sogenannte ״Tatsachenberichte“ sind stark durch Meinungen und Stimmungen beeinflußt. So kommt es, daß zum Beispiel die Darstellungen der ״Jüd. Rundschau“, etwa der ״Rückblick“ Blumenfelds in der Nummer vom 21. Juli, oder der Artikel von Felix Weltsch in der Nummer vom 24. Juli sowie manche andere Berichte ganz und gar nicht dem Eindruck entsprechen, den ich von dem Kongreß empfangen habe. Einige der aufgestellten Behauptengen fordern geradezu eine Polemik heraus, z. B. wenn Blumenfeld sagt, daß die Gruppe B zum Zwecke der Exekutivbildung der Linken darin nachgeben mußte, daß ״durch eine eindeutige programmatische Erklärung zum Ausdruck gebracht wird, daß nicht die der Exekutivbildung vorangehenden Kongreßbeschlüsse, sondern die Grundsätze des Weizmann-Kurses auch für die künftige Arbeit maßgebend sein sollen.“ Noch viel weiter geht Felix Weltsch, der sein Kongreßergebnis in die Formel zusammenfaßt: ״Weizmann ist gestürzt, seine Politik hat gesiegt.“ Er spricht von einem ״klaren Sieg der Linken“, behauptet, daß die ״führenden Persönlichkeiten“ der Leitung ausgesprochene Anhänger der Weizmannschen Politik seien (eine Klassifizierung, die für Farbstein und Newman nicht sehr erfreulich ist), und erklärt schließlich, daß die Regierungsdeklaration der neuen Leitung das Gegenteil der ״reaktionären und arbeiterfeindlichen“ Kongreßbeschlüsse beinhalte. Wovon redet er eigentlich? Welcher Kongreßbeschluß äst durch die Erklärung der Exekutive aufgehoben worden? Man darf doch nicht mit aller Gewalt das Kongreßergebnis umdeuten, nur um zu beweisen, daß die Linke ״gesiegt“ habe und von Rechts wegen in der Leitung sitze. In Wirklichkeit sind alle Kongreßbeschlüsse, die die Abkehr vom Weizmann-Kurs bedeuten, in Kraft. Die hartnäckig wiederholte Forderung der Linken auf ״Reassümierung“ dieser Beschlüsse wurde von der Mehrheit abgelehnt und von der Linken schließlich fallen gelassen. Sogar die keineswegs ״eindeutige“, sondern sehr allgemein gehaltene ״Regierungserklärung“ der neuen Exekutive enthält nur am Schluß einen Satz über die jüdisch-arabischen Beziehungen, der den Weizmannsehen Formulierungen des Problems entspricht: dort kehrt die vielgepriesene, nach unserer Meinung völlig inhaltslose, nebelhafte Wendung wieder, daß das eine Volk nicht über das andere ״herrschen“ solle. Aber die im Zentrum der Debatte stehende Zielsetzung des Zionismus wird dabei nicht berührt. Im übrigen ist die Erklärung in ihren wirtschaftlichen Teilen von harmlosester Allgemeingültigkeit und widerspricht keinem einzigen der zuvpr gefaßten B^qhlüsse, ln dem allein wichtigen aktuell-politischen Abschnitt aber, der das Verhältnis zu England behandelt, wurde nicht die von der Linken vorgeschlagene Fassung gewählt, die in der Tat ganz ״weizmannistisch“ war, sondern dieser Abschnitt wurde im Sinne der politischen Auffassung der Mehrheit radikal verändert. Aus der von der Linken vorgeschlagenen, im Sinne der Antwort Weizmanns auf ■ den MacDonald-Brief gehaltenen Proklamierung der ״Kooperation mit der Mandatarmacht“ wurde nämlich die ״Energische Verteidigung der durch das Mandat dem jüdischen Volke gewährten Rechte“, und die ״Kooperation“ erscheint erst danach und mit dem Zusatz ״zwecks voller Verwirklichung des Mandats und zwecks Unterstützung der Regierung im Aufbau des Jüdischen Nationalheims“. Irrig ist auch die Darstellung, als ob gerade die Linke auf dem Eintritt Brodetskys in die Leitung bestanden habe. Die Linke war vielmehr bereit, auch ohne Brodetsky in die. Exekutive einzutreten und das politische Ressort allein zu übernehmen. Erst als hierüber zwischen den ״Koalitionsparteien“ eine heftige Polemik entstand, erklärte die Linke, nunmehr auf dem Eintritt Brodetskys bestehen zu müssen, der schon längst der Kandidat der Gruppe B und des Misrachi gewesen war und nur deshalb zunächst nicht annehmen durfte, weil die Weizmann-Gruppe der Allgemeinen Zionisten es ihm verboten hatte. Daß es der Gruppe B an Konsequenz fehlte, daß es unlogisch und unpolitisch war, zusammen mit Misrachi und Revisionisten bei allen wichtigen Fragen die Linke und die Gruppe A zu überstimmen, um dann schließlich doch mit der Linken eine Leitung zu bilden — in dieser Hinsicht stimmt unser Urteil mit dem der ״Jüdischen Rundschau“ überein. Nur muß man die gleiche Inkonsequenz der Linken vorwerfen, die krampfhaft an Dr. Weizmann festhielt, um dann nach dem Sturze Weizmanns und nach der Annahme einer ganzen Reihe von Beschlüssen, die mit dem bisherigen Kurs und besonders mit der äußeren Politik Dr. Weizmanns unvereinbar sind, dennoch in die Leitung zu gehen. Warum die Linke diese Inkonsequenz beging, ist klar: Sie hat Interessen zu verteidigen, was ihr in der Opposition viel schwerer fallen muß, als in der Regierung. Aus alledem ist nur zu folgern, daß der Kampf um die Füh rung im Zionismus noch nicht abgeschlossen ist. Die Entwicklung wird entweder zurück zu Dr. Weizmann oder vorwärts zum Revisionismus gehen. Die jetzige Exekutive ist in sich gespalten und kaum lebensfähig. Daß die Gruppe B dies nicht begriff, ist ein Fehler, der sich noch schwer rächen wird. 11. Dem Revisionismus hat der Kongreß bedeutende Erfolge, aber durchaus nicht den Sieg gebracht. Eben deshalb sind wir vielleicht objektivere Beurteiler des Kongreßergebnisses, als die in der Leitung vertretenen Gruppen, die sämtlich — teils gegen, teils für den Weizmannismus — gesiegt haben wollen. Als unser Erfolg ist es vor allem zu betrachten, daß der Kongreß nach der Generaldebatte den revisionistischen Antrag annahm, der politischen Kommission den Auftrag zu erteilen, eine Resolution über die zionistische Zielsetzung auszuarbeiten und dem Kongreß vor allen anderen Resolutionen zu unterbreiten. Damit hatte der Kongreß grundsätzlich die Notwendigkeit anerkannt, in der Zielfrage Klarheit zu schaffen. Ehe revisionistische Fraktion sah in dieser Zielsetzungs-Resolution keineswegs ein ״taktisches Manöver“ zur Beseitigung Weizmanns, sondern die wichtigste politische Aufgabe des Kongresses. Dieser Standpunkt ist von Jabotinsky und von mir in unseren programmatischen Reden entwickelt worden, und zwar schon vor Bekanntwerden des Ita-Interviews Dr. Weizmanns, das freilich manchen Kongreßbesuchern die Augen geöffnet haben mag und sie für unsere Anträge empfänglicher machte. Die Linke versuchte und versucht, die ihr unbequeme Zielsetzungsdebatte zu bagatellisieren. Hingegen gibt BIumenfeld als Wortführer der Gruppe A zu, daß die Debatte über den Sinn und das Ziel der Bewegung unvermeidlich geworden sei und auch in Zukunft nicht dem Ruhebedürfnis des Sehekeizahlers geopfert werden dürfe. Uns erscheint nach allem, was in den letzten Jahren geschah und von führender Stelle gesagt wurde, aus innerzionistischen Gründen wie vor allem aus Gründen der äußeren Politik die Klarstellung der zionistischen Ziele unbedingt nötig. Welche Gefahren außenpolitisch für den Zionismus durch die Haltung und die Aeußerungen Dr. Weizmanns und seiner Schule entstanden sind, beweist mit großer Klarheit der in der ״Jüdischen Rundschau“ vom 24. 7. zitierte Artikel des ״Near East and fndia“. Dieses dem Colonial Office nahestehende Blatt zeigt sich höchst indigniert darüber, daß der Kongreß England für die Unruhen in Palästina verantwortlich macht und daß er von der jüdischen Mehrheit in Palästina zu reden wagt. Das Blatt meint, die Zionisten lebten in einem Wolkenkuckucksheim und es erklärt ״kategorisch“, die Möglichkeit einer jüdischen Mehrheit bestehe nur in der Phantasie einiger Zionisten. Mit dem Unverstand dieser Zionisten wird dann der ״kluge“ Dr. Weizmann kontrastiert: ״Aber Dr. Weizmann scheint auf diesem Kongreß eine recht einsame Seele zu sein. Die Extremisten beherrschen das Feld“. Begreift man nicht, was es bedeutet, wenn ein englisches Blatt so schreibt? Merken die Zionisten nicht, was dieser Achad Haamismus feindseliger Beamter bezweckt? Das sind die Früchte einer Politik, deren Schädlichkeit nur dadurch beseitigt werden kann, daß man von vorne beginnt und der Welt noch einmal sagt, was Zionismus ist. — Der Kongreß hat sich dieser Erkenntnis genähert, aber er ist auf halbem Wege stehen geblieben. Er hat unter einem gewissen Druck den Mut verloren, seine wirkliche Meinung zu sagen, und hat eine verschwommene Formel gewählt, die nicht viel bedeutet, wenn man ihren Wortlaut prüft — wenngleich sie sehr viel bedeutet, sobald man ihre Entstehungsgeschichte kennt. Die Oeffentlichkeit weiß bereits, daß die politische Kommission zwei Beschlüsse gefaßt hatte, die zur Zieifrage Steilung nahmen. Der eine Beschluß galt dem Interview Dr. Weizmanns, das bekanntlich gerade wegen seiner Aeußerungen über die Zielsetzung, wegen der Ablehnung des Strebens nach der Mehrheit in Palästina, den Protest des Kongresses hervorgerufen hatte. Der Kommentar, den Dr. Weizmann dann auf Anregung der Linken und der Gruppe A zu diesem Interview gab, korrigierte nur den Satz, in welchem er gesagt hatte, die Forderung der Mehrheit werde von der Welt als Wunsch nach Vertreibung der Araber gedeutet werden. Hingegen nahm Dr. Weizmann nichts von der Behauptung zurück, daß ״Jüdische Mehrheit für die Entwicklung einer jüdischen Zivilisation und Kultur in» Lande nicht erforderlich“ sei. Diese Kernfrage wurde von ihm mit jenen unbestimmten Formulierungen umgangen, die wir von den Vertretern der Gruppe A kennen. Dem Kongreß genügten diese Erklärungen nicht. Auf Antrag der Politischen Kommission wurde der Mißbilligungsbeschluß gegen Dr. Weizmann angenommen. Damit war eigentlich die Haltung des Kongresses zur Zielfrage im Sinne der revisionistischen Auffassung ganz deutlich geworden. Ferner hatte die Politische Kommission mit der gleichen Mehrheit ihren Zielsetzungsantrag zunächst so formuliert, daß die Revisionisten sich ihm anschlossen und auf die Einbringung ihrer eigenen Formel zu verzichten bereit waren. Der Antrag der Politischen Kommission wandte sich gegen alle Versuche, das Ziel des Zionismus zu verkleinern und sprach — wie inzwischen überall publiziert worden ist — ausdrücklich von der ״jüdischen Mehrheit im Gebiet des historischen Palästina“. Gegen den Antrag stimmten in der Politischen Kommission die Linke und die Gruppe A, dafür alle anderen Gruppen, und zwar nach Beratung aller Fraktionen. Die Mehrheit des Kongresses war damit für die revisionistische Zi e 1 s e t zu n gs - formel gewonnen. Die frühere Exekutive bot alles auf, um den Beschluß zu verhindern: Sie entsandte Redner nach Redner in die Politische Kommission, um den Antrag zu bekämpfen: Brodetsky, Dr. Jacobson, Dr. Eder, Leonard Stein, Kaplansky — schließlich sprach Dr. Weizmann in einer gemeinsamen Sitzung des Permanenzausschusses und der Politischen Kommission gegen den Antrag. Es half alles nichts. Der Antrag wurde in der Politischen Kommission a n g e - nominell und sollte in den nächsten Stunden vor das Pienum gelangen. Da zirkulierten plötzlich die bekannten Telegramme aus Palästina, in denen die Politische Kommission davor gewarnt wurde, zu weitgehende Beschlüsse anzunehmen. Wie es kam, daß diese Telegramme abgesandt wurden, wird wohl nie völlig aufgeklärt werden; in jedem Fall taten sie ihre Wirkung. In der überreizten Atmosphäre des Kongresses, bei der Unmöglichkeit ruhigen Nachprüfens und Erwägens schreckte ein Teil der Delegierten der Gruppe B vor der Verantwortung zurück. Die in der politischen Kommission schon angenommene Resolution wurde durch einen in allgemeinen Wendungen gehaltenen Antrag ersetzt. Es wird darin von dem Zionismus als ״nationaler Befreiungsbewegung des jüdischen Volkes“ gesprochen, von seinem Willen, ״in seinem historischen Heimatland sein nationales Dasein zu erneuern“, es wird erklärt, daß der Kongreß ״jeden Versuch mit Entschiedenheit zurückweist, dieses Ziel des Zionismus zu verkleinern“, und einleitend beißt es: ״Angesichts der wiederholten Versuche, das Wesen des Zionismus zu entstellen, erklärt der Kongreß.. Vom revisionistischen Standpunkt erschien dieser Antrag in diesem Stadium des Kongresses, d. h. nach den Beschlüssen der Politischen Kommission, absolut unbefriedigend. Wir konnten uns in dieser ernsten Frage nicht den leichtherzigen Standpunkt zu eigen machen, den Dr. Halpern in der ״Jüdischen Rundschau“ vom 24. Juli mit folgenden Worten dargelegt hat: ״Nachdem die langen Diskussionen die Stirnmung der überwiegenden Mehrheit des Kongresses ganz klar gemacht hatten, legte die Gruppe B auf die Formulierung der Resolution keinerlei entscheidenden Wert; sie hätte, wenn nicht das bekannte Telegramm aus Palästina eingetroffen wäre, für eine Resolution, die das Wort «Mehrheit“ enthielt, gestimmt In dieser Darlegung kommt zum Ausdruck, daß die Gruppe B zwar sachlich mit der revisionistischen Zielauffassung übereinstimmte, aber doch nicht begriff, daß der Kongreß sich lächerlich machte, wenn er das wirkliche Ziel des Zionismus aus innerpolitischen wie aus außenpolitischen Gründen nochmals zu proklamieren beschloß, und dann wegen eines Telegramms hiervon wieder abließ. — So brachten wir denn unseren eigenen Antrag ein. Es muß jedoch von uns wie von den anderen Gruppen anerkannt werden, daß die Mehrheit, die für den nunmehr abgescliwächten Konimissionsantrag stimmte, — mit Ausnahme der Linken natürlieh, die zunächst Uebergang zur Tagesordnung auch über diesen Antrag gefordert hatte!! — damit eine Tendenz zum Ausdruck bringen wollte, die gegen Dr. Weizmanns Politik, gegen Brith Schalom und die ihm nahestehenden Gruppen gerichtet und im Sinne des ursprünglichen Beschlusses der Politischen Kommission war. Daß unser Antrag abgelehnt wurde, daß sich aus dieser Ablehnung Sturmszenen ergaben, daß Jabotinsky seine Delegiertenkarte zerriß, daß die revisionistische Fraktion schließlich den Saal verließ, weil die Linke Herrn Großman durch Toben und Singen an der Abgabe einer Erklärung hinderte — dies alles ändert nichts daran, daß auf dem Kongreß eine Mehrheit für die revisionistische Zielauffassung bestand, die in dem ursprünglichen Beschluß der Politischen Kommission zur Zielfrage und in dem Kongreßbeschluß über Weizmanns Interview sehr deutlich zum Ausdruck kam, ja sogar noch der schließlich vom Kongreß angenommenen Zielresolution die Färbung gab. III. Auch in anderen wichtigen Fragen machte sich der revisionistische Einfluß entscheidend geltend. Neben der Zielfrage war es vor allem die Kongreß-Kundgebung zum Mac Donaki-Brief, die ähnliche Kontroversen und die gleichen Mehrheitsverhältnisse ergab. Auch hier wurden zwar einige verschärfende Zusätze der revisionistischen Fraktion abgelshtit, aber der Haupttext der Kommission, an dessen Zustandekommen die revisionistischen Vertreter eifrig mitgearbeitet hatten, stand in deutlichem Gegensatz zu der Auffassung Dr. Wazmanns, der bekanntlich den MacDonald-Brief als ״Basis der Kooperation mit der Mandatarmacht“ anerkannt hatte und diese Anerkennung auch vom Kongreß forderte, _ Der vom Kongreß angenommene Beschluß erkennt in scharfem Gegensatz hierzu den MacDonald-Brief nur an als, ״Basis für weitere Verhandlungen, um die in ihm gegebenen Zusicherungen zur Durchführung zu bringen“ und er konstatiert zugleich, daß der Brief ״Einschränkungen und Grundsätze enthält, die zu Befürchtungen Anlaß geben׳. Auch hier hatten die Vertreter der Exekutive in der Polttischen Kommission für den Standpunkt Dr. Weizmanns gekämpft, und auch hier waren sie unterlegen. Schließüch sind noch zwei Beschlüsse von symptomatischer Bedeutung zu erwähnen: Der eine bezieht sich auf die Zusammensetzung der Palistina-Aemter, die bekanntlich bisher fast gänzlich unter dem Einfluß der Linken standen, nunmehr aber entsprechend der Stärke der Kongreßparteien zusammengesetzt werden sollen. Dieser Beschluß war der Linken ganz besonders verhaßt, und sie suchte mit allen Mitteln, die Wiederaufhebung des Beschlusses zu erreichen. Als dies mißlang, einigte die Linke sich (nach erfolgter Leitungsbildung) mit ihren ״Koalitions-Parteien“ auf Einbringung einer harmlos aussehenden Resolution, wonach das A.-C. bei der Zusammensetzung der Palästina-Acmter die ״chaluzischen Organisationen“ entsprechend berücksichtigen solle. Infolge des scharfen Protestes der Revisionisten wurde dieser Antrag aber erst angenommen — nunmehr mit Duldung der Revisionisten — nachdem der Kongreßpräsident erklärt hatte, die Resolution gelte nur ״im Rahmen des Kongreßbeschlusses“, der demnach unverändert in Kraft ist. Ein revisionistischer Antrag, der die politische Haltung der Leitung der Jerusalemer Universität mißbilligt, wurde gegen den heftigen Widerspruch der Linken angenommen. Auch hier versuchte die Linke, bei den Verhandlungen über die Bildung der Exekutive die Aufhebung des Beschlusses durchzusetzen, sehe!־ terte dabei aber ebenso, wie bei der geforderten Aufhebung der politischen Beschlüsse und des Beschlusses über die Palästinaämter. Schließlich begnügte die Linke sich mit einer nichtssagenden, von niemandem angefochtenen Resolution über die ״Lehrfreiheit“ an der Jerusalemer Universität. IV. Die Analyse des Kongresses und seiner Beschlüsse zeigt, daß der revisionistische Einfluß sehr stark war. Viele wichtige Beschlüsse, besonders die außenpolitischen, kamen unter diesem Einfluß in solcher Form zustande, daß der Gegensatz zu der bisher herrschenden Weizmannschen Auffassung ganz unverkennbar ist. Es zeigte sich ferner, daß die programmatische Uebereinstimmung zwischen Revisionisten, Misrachi und Gruppe B der Allgemeinen Zionisten in den meisten Fragen leicht herzustellen war. Den Gegenpol bildeten Dr. Weizmann, die Linke und die Gruppe A. Hatte diese letztere Gruppierung seit Jahren die Kongresse beherrscht, so war nun dank den 52 revisionistischen Stimmen eine neue, ganz anders gerichtete Mehrheit entstanden. Da die Gruppe B sich dennoch mit der Linken zur Leitungsbildung zusammenfand — ohne nenneiiswerte Konzessionen an die Linke, soweit die Beschlüsse des Kongresses in Frage kommen, aber mit sehr großen Kon- Zessionen, soweit es sich um die personelle Zusammensetzung der Leitung handelt — so wurde ein widerspruchsvoller Zustand geschaffen. Weizmann ist gestürzt, sein System ist durch die Kongreßbeschlüsse mißbilligt und aufgegeben — aber wir haben eine Exekutive, deren eine Hälfte aus Anhängern Dr. Weizmanns besteht, die seine Rückkehr wünschen und auch gewiß herbeiführen werden, wenn die andern: Hälfte sich dem nicht energisch widersetzt. Daß dieser Kampf entweder mit der Kapitulation vor Weizmann oder mit der Umbildung der Leihmg im revisionistisehen Sinne enden muß, ist klar. Wir werden dies** Kampf mit aller Energie führen. V. Warum ist — bei dieser programmatischen Haltung der Kongreßmehrheit — das Bündnis zwischen Gruppe B, Misrachi und Revisionisten nicht vollzogen und die Leitung nicht von diesen Gruppen auf dem Kongreß gebildet worden? Vor allem, weil die Gruppe B — typisches Bild des AUgemeinen Zionismus — unter sich in Grüppchen zerfallen und

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