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Jüdische Rundschau · 1931-08-04 · Heft 60 (4.8.1931) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 60 (4.8.1931)
Date
1931-08-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 00, 4. Vm. 1931 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 371 aber die britischen Zionisten mit Ihrer jetzigen Haltung übereinstimmen, dann hätte meine Teilnahme an 3er Exekutive keinen Zweck, und ich würde die entsprechenden Konsequenzen liehen." Da Dr. Eder Präsident der Engllsh Zionist Federation ist, so hat sich auch die Exekutive der English Zionist Federation mit dieser Angelegenheit zu befassen gehabt und hat durch eine Resolution, die der neuen Exekutive der Zionistisehen Weltorganisation ihre Unterstützung ausspricht, zu erkennen gegeben, daß sie das abfällige Urteil Dr. Eders nicht teilt. Wir nehmen an, daß auch Dr. Eder seine ursprüngliche heftige Haltung nicht aufrecht hält. Man wird wohl der ganzen Episode keine große Bedeutung beimessen müssen, man hat lediglich wieder ein Beispiel dafür, wieviel überflüssiges Aergernis durch die Interview-Seuche hervorgebracht wird. Hoffen wir, daß jetzt mit diesen Interviews Schluß gemacht wird. Es ist Zeit, sich wieder ernsten Dingen zuzuwenden und nicht das Panier der JTA. kann die Achse sein, um die sich die jüdische Bewegung dreht. Chancellor Aber die Pica Kolonien Jerusalem, 30. Juli. (I.T.A.) Am 29. Juli wurde in der Kolonie Rischon le Zion der Beginn der Weinlese in den Baron Rothschildschen Weingärten feierlich begangen. An dem Fest nahm auch Sir John Chancellor teil Er hielt eine Ansprache, in der er auf den Besuch hinwies, den er im Mai d. J. während seiner Reise nach England Baron Edraond de Rothschild in Paris abgestattet hat Sir John Chancellor erzählte, er habe bei dieser Gelegenheit Baron de Rothschild, dem Gründer der jetzt unter der Verwaltung der PICA stehenden Kolonien seine Anerkennung über die erfolgreiche Entwicklung dieser Siedlungen ausgesprochen und mit Befriedigung feststellen können, daß zwischen diesen Koloniea und der arabischen Bevölkerung die besten Beziehungen bestehen. Am Schluß seiner Ansprache gab Sir John ChanceUor der Hoffnung Aüsdruck, daß die Vereinigten Staaten wieder ein ״feuchtes“ Land und damit ein Absatzgebiet für die ausgezeichneten Palästinaweine werden würden. Der ״Weizmann Lehrstnhl“ Jerusalem, 30. Juli. (J.T.A.) Es verlautet, daß für die Besetzung des von dem englisch-jüdischen Philanthropen Sir Montague Burton gestifteten ״Weizmann-Lehr- Stuhls für Internationales Friedensrecht“ an der Hebräischen Universität in Jerusalem Norman Bentwich in Betracht gezogen wird. London, 30. Juli. (J.T.A.) Der JTA. wurde auf ihre Anfrage mitgeteilt, daß das Kuratorium der Hebräischen Universität eine Kommission eingesetzt hat, die die Frage der Besetzung des Weizmann-Lehrstuhls entscheiden soll, daß aber bisher noch keine Berufung auf diesen Lehr- Stuhl erfolgt ist Als geeignetster Kandidat werde allerdings Norman jBentwich angesehen, doch sei seine Berufung vorläufig Im Hinblick darauf, daß die Frage seines künftigen Verhältnisses zur Palästina-Regierung und der Beibehaltung seines Amtes als Generalstaatsanwalt Palästinas noch nicht geklärt ist, nicht möglich. Es sei nicht ausgeschlossen, daß Bentwich im Falle der Annahme der Berufung genötigt sein würde, seine Stellung als Generalstaatsanwalt aumigeben. Brie!« an die Redaktion Mannheim, 2. August, Sehr geehrte Redaktion! Die Besprechung von Krojanker über Feuchtwangers Buch ,,Erfolg“ muß, gerade vom Standpunkt des Zionisten aus, erheblieh beanstandet werden. Es ist doch kaum eine ähnlich reizende Darstellung der seelischen Fremdheit des Juden vorhanden, als die entzückende Schilderung des Zusammenseins der politischen Duodezgrößen in der ״Tiroler Weinstube“. Da ist dieselbe seelische Struktur bei den Führern der Opposition, den ehrenwerten Herren Josef Wieninger und Ambros Grüner, wie bei ihren politischen Gegnern. Nur der Oppositionsführer Geyer, der Jude, wird von allen einmütig als fremd empfunden, sogar von der Kellnerin Resi, obwohl diese doch regelmäßig von Geyer ein besonders nobles Trinkgeld erhält. Wenn wir Zionisten von diesem seelischen Fremdsein erzählten, war es bisher oft Empfindungssache, jetzt haben wir die dichterische Nachschöpfung. Zur Desillusionierung vieler Geister in Deutschland ist diese Szene doch recht nachdenklich. Krojanker erkennt ferner eine ״absolute“ Gerechtigkeit nicht an. Nun gut, wie war es eigentlich in München? Der Jude Landauer viehisch zu Tode getrampelt. Der Täter, ein hoch feudaler Baron, erhält vom Amtsgericht München ein Strafmandat wegen groben Unfugs. Der Jude Eisner feige erschossen aus dem Hinterhalte. Der Täter, ein hoch feudaler Graf, ist seit Jahren in staatlicher oder halbstaatlicher An- Stellung. Der Jude Levin6 in Formen überhitzter Justiz ermordet. Die Mutter erhält eine Rechnung über die Kugeln zugeschickt, mit denen der einzige Sohn erschossen wurde. Diese innerpolitischen Dinge gehören eigentlich nicht in diese jüdische Zeitung. Sie gehören aber doch herein, weil sie leicht verstehen lassen, wenn es wie ״Eis aus Feuchtwangers Buch herausweht“. Das absolute Gerechtigkeitsgefühl des Juden kann diese Dinge nicht als Gerechtigkeit, sondern nur als deren Gegenteil verstehen. Rechtsanwalt Dr. Otto Simon. Palästina auf der sozialistischen Frauenkonferenz, in Verbindung mit dem Kongreß der zweiten Sozialistischen Internationale, der noch, während ich diese Zeilen schreibe, tagt, sowie mit der eben beendeten Arbeiter-Olympiade, fand in Wien die IV. Internationale sozialistische Frauenkonferenz statt. Im Rahmen der von 27 Ländern beschickten Konferenz war Palästina durch zwei Delegierte, Ada Fishman für den Arbeiterinnenrat (Moazath Hapoaloth) und Dr. Martha Hotmann (Poale Zion) vertreten. Bei dem feierlichen Begrüßungsabend, in dessen Rahmen Vertreterinnen aller Länder einige programmatische Worte für ihre Landsmannschaft äußerten, sprach Ada Fish man über die Gesamtlage der jüdisehen Arbeiter und insbesondere der Arbeiterinnen Palästinas. In der Debatte zu dem Referate Popp über die Frauenrechts־ läge sprach Dr. Martha Hof man n über den relativ erfolgreichen Kampf der palästinensischen Arbeiterinnen sowie der bürgerlichen jüdischen Frauen Palästinas um die Gieichberechtigung in politischer und ökonomischer Hinsicht. — Viel Beachfung fand im Rahmen der Buchausstellung dieser Tagung das bekannte Werk von Ada Fishman ״Die arbeitende Frau in Palästina“, mit dem sich die Referentinnen verschiedener Länder in ihren Berichten an ihre Heimatpresse befassen. Die Vertreterinnen Palästinas wurden vom Exekutivkomitee der Sozialistischen Frauen-Internationale zur Teilnahme an der nächsten Sitzung dieses engen Ausschusses eingeladen, a. n. Der Herausgeber des liberal-jüdischen ״American Hebrew Magazin“, Bemard Edelhertz, hat Selbstmord begangen. Die Streitfragen der Wizo-Konierenz Vorbemerkung der Redaktion s Wir haben über den Ver. lauf der Wizo-Konferenz in Botel, die bekanntlich zu heftigen Kontravertan Anlaß gegeben hat und mit dem Austritt einer Anzahl bisheriger Fährerinnen am der Exekutive der Wizo endete, bereite einen Bericht von Frau Jenny Blumenfeld veröffentlicht, die jene Auffattung vertritt, die bei der Wizo « Konferenz in der Minderheit blieb. Wir geben nun nachstehend einer Vertreterin der entgegengesetzten Ansicht das Wort. Der Artikel von Ada Fishman wurde unabhängig von dem Bericht von Frau Blamenfeld geschrieben und uns noch in Basel übergeben, konnte jedoch infolge der Ueberlattxsng unseres Blattet durch die Kongreßberichte bisher nicht abgedruckt werden. Die Verfaaterin ist eine bekannte Fahrerin der palästinensischen Arbeiterinnen und Leiterin der auf landwirtschaftliche Ausbildung von Chaluzoth abzielenden Lehrwirtschaft der Wizo. Nach dem scharfen Meinungskampf dieser Konferenz ist es nicht weiter erstaunlich, daß jede Partei die Dinge etwas einseitig von ihrem Standpunkt dar stellt und den Motiven 4er Gegenpartei nicht ganz gerecht wird. Es ist darum auch vielleicht zweifelhaft, ob der Standpunkt der unterlegenen Gruppe, der prominente, mit der Wizo seit Jahren führend verbundene Frauen angehören, von Ada Fishman richtig gewürdigt wird. Wir behalten uns vor, auf die kontroversen Fragen noch zurückzukommen, möchten jedoch schon jetzt den Wunsch aussprechen, daß über alle diese Meinungsverschiedenheiten hinweg die zionistische Frauenbewegung in ihrer umfassenden und fruchtbaren Tätigkeit unbeirrt fortfährt. In der Zeit vom 22. bis zum 30. Juni 1931 fand in Basel die VI. Wizo-Konferenz statt. Von Jahr zu Jahr konzentriert sich das Interesse der jüdischen Frauenwelt stärker um die Organisation der Wizo und immer größere Teile der jüdischen Frauenverbände fühlen sich von ihr angezogen. Das Wizo-Werk in Palästina, das die Frauen zu produktiver Arbeit im Lande schult und die Fürsorge für Mutter und Kind pflegt, ist längst als ein organisaier Teil der Zionistischen Organisation anerkannt worden. Auch aus den Gesichtem der Delegierten, die die einzelnen Landesverbände der Wizo zur Konferenz entsandt haben, war es abzulesen, daß der Wunsch, die Kraft der jüdischen Frau aut gesellschaftlichem und ökonomischem Gebiet zu verstärken, im Mittelpunkt ihres Denkens während der Verhandlungen stand. Trotzdem wird man feststellen müssen, daß der historische Anteil der Wizo an der Renaissance der jüdischen Frau und des gesamten jüdischen Volkes auf der Konferenz nicht zum Ausdruck kam. Sie war arm an gehaltvollen Referaten, dafür aber außerordentlich reich an Debatten. Die Referate, die die stärkste innere Anteilnahme bei den Frauen auslösfen, waren die über Propaganda und Kulturarbeit. Aber auch sie drangen nicht tiefer ein in die Hauptprobleme einer Weltorganisation zionistischer Frauen. Sie haben es nicht verstanden, die gesellschaftlich-ökonomische Stellung der jüdischen Frau klarzulegen und daraus abzuleiten, wo eine Weltvereinigung zionistischer Frauen mit ihrer Arbeit anzusetzen hätte. Das Ziel unserer Propaganda, ihr innerster Beweggrund ist nicht, lediglich Geld sammeln. Es geht vielmehr darum, die jüdische Frau innerhalb des jüdischen Volkes zu aktivieren, die Frau zur Einsicht in ihre eigentlichen Probleme zu bringen und sie zur gedanklichen und praktischen Mitarbeit an deren Lösung und der Lösung der nationalen Fragen zu veranlassen. Acht Tage lang tauchten die Frauen unter in einer hitzigen Debatte. Sie schien chaotisch, man hatte anfangs fast Mühe zu verstehen, was die Gemüter ergriff; aber allmählich wurden die Probleme bis zum Grund aufgerührt und es wurde deutlich, was zuerst unter scheinbar nur äuSertichen Forderungen verborgen lag. Wenn man rückblickend die Wizo- Konferenzen überschaut, so bedeutet die diesmalige einen gewaltigen Umschwung. Standen sich bisher die Exekutive und die Delegierten gegenüber wie Führer und eine willige Masse von Geführten, so hat diesmal ״das Volk“ die Führung in die Hand genommen und die Exekutive gezwungen, seiner Meinung und Stellungnahme aufmerksames Gehör zu geben. Erstaunt erlebte man, wieviel die Vertreterinnen der Landesgruppen In jahrelanger Arbeit gelernt haben und wie selbständig und sicher ihr Instinkt geworden war. An der Konferenz beteiligten sich 70 Delegierte aus 30 Ländern, Vertreterinnen von ungefähr 35 (WO Frauen, die sich bewußt und innerlich mit Erez-Israel verbunden haben. Den Anstoß zum Gefecht gab ein Memorandum, das die Londoner Exekutive der Konferenz vorgelegt hatte, im besonderen der Punkt 4. Dieser lautet: ״Um die Objektivität der Exekutive gegenüber allen ihren Institutionen und deren Arbeitsprogramm in Palästina zu bewahren, und zwar zum besten dieser Institutionen und des Werkes als solchem, ist es wünschenswert, daß die Verwalterinnen der Institutionen nicht gleichzeitig Exekutivmitglieder sind, obgleich sie zur Exeicutive immer zugezogen werden sollen, wenn es dieser wesentlieh erscheint, ihren fachmännischen Rat einzuholen,“ Wer die Wirklichkeit von Erez-Israel kennt, der weiß, daß man nicht Menschen ausschalten kann, die den Organismus des jüdischen Palästina mitschaffen, ohne die kein Erez- Israel entstehen kann. Die Wizo ist keine politische Partei, ihr Programm ist, eine bestimmte praktische Arbeit in Palästina durchzuführen. Aber der Sinn dieser Arbeit ist, die Frauen zu einer produktiven Kraft in ihrem Volkstum und dessen Entwicklung zu machen, zu Trägern einer Idee, — der Idee selbständiger, richtungsbewußter Frauenpersönlichkeiten, die einen vollen Anteil als ein dynamischer Faktor an dem Leben und der Zukunft ihres Volkes nehmen. Und jede Teilarbeit kann dieses Programm stärken oder schwächen. Es kommt auf den Later dieser praktischen Arbeit an. Leiterinnen von Institutionen, die bloße Beamtinnen sind, kann man austauschen, aber Personen, die schöpferische Kräfte sind, die den Sinn der Bewegung realisieren, sind nicht ohne weiteres ersetzbar. Eine Bewegung kann wohl Institutionen schaffen, aber die Institutionen können keine Bewegung hervorbringen. Hätte es sich bei Punkt 4 wirklich nur um das Prinzip gehandelt, ob Beamte der Wizo Mitglieder ihrer Exekutive sein können, so hätte in Erez-Israel gerade der einfache Ausweg gefunden werden können, wie ihn die beiden Ansfaltsleiterinnen auch selbst aufgezeigt haben: sic nämlich ihrer Funktion als Beamtinnen zu entheben, für den Fall, daß sie eine wichtigere und nützlichere Arbeit in der Bewegung zu leisten hatten. Aber gerade das sollte anscheinend vermieden werden. Doch in Erez-Israel ist es nicht anders. Die leitenden Beamten sind eben bei uns zumeist Verkörperungen der Kräfte, die das neue jüdische Leben schaffen. Also nicht in seiner Stellung als Beamten darf man ihn werten und diese_ zum Maßstab dafür nehmen, ob er in die oberste führende Körperschaff hineingehört, sondern man muß ihn nach seinen Qualitäten als Träger der Bewegung werten und darf nicht solche Träger zu bloßen Verwaltungsbeamten herabdrücken wollen. Das war es, was der Kampf um den Punkt 4 erreichen wollte. Ein zweiter Punkt, der heftige Auseinandersetzungen zur Folge hatte, war die Frage der finanziell-administrativen Kontrolle in der palästinensischen Wizo-Arbeit. So wie ihn die Exekutive formuliert hatte, bedeutete er eine Unterstützung des Punktes 4 und suggerierte die Vorstellung, als ob die Leiterinnen nicht selbst die notwendige Kontrolle wünschten. Einen gewissen reaktionären Beigeschmack hatte die Forderung, daß der Schatzmeister der Exekutive eine Art Vormund über die Anstaltsleiterinnen sein sollte, um die Kontrolle erst zu verwirklichen. Eine solche Form ist in Erez- Israel nicht anwendbar. Sie drückt die Anstaltsleiterin zu einem bloßen Instrument herunter und läßt de nicht als jemanden gelten, der selbst schöpferisch tätig zu sein versteht. Wenn dieser Punkt wirklich nur die Art der finanzielladministrativen Kontrolle hätte festlegen wollen, 90 hätte das die Zustimmung aller gefunden. Man hätte sich darauf _ geeinigt, daß man das mit der Agency beraten und die Riehtlinien festsetzen solle. Da aber die Exekutive keine Tat- Sachen anzuführen hatte, die darlegen konnten, daß die Wizo- Arbeit nicht den richtigen Weg gegangen sei, daß sie entweder in der Geldverwaltung oder in der Administration etwas besonderes zu wünschen übrig gelassen hätte, so wurde es durch die Debatte klar, daß sie auch hier die Entscheidung darüber kristallisierte, wie weit die schöpferischen Kräfte in, Palästina zur Auswirkung gelangen oder unterbunden sein sollten. Daß durch die Debatte zu diesem Punkt die Frauen Gelegenheit fanden, sich stärker als je bisher in die praktischen Einzelheiten der palästinensischen Wizo-Arbeit zu vertiefen, war «in besonders wertvolles Nebenergebnis. Die dritte zentrale Frage 'der Diskussion war die Affiliierung der Moazath Hapoaloth und der Histadruth Nasch im. Bei der Affiliierung der H. Naschim handelte es sich um die Verschmelzung mit einer Arbeitsgruppe, deren Programm der sozialen Fürsorge sich organisch dem Wizo-Programm einfügt, die sich mit der H, Arath, der palästinensischen Wizo-Gruppe, zu einer völligen Einheit vereinigt und die in ihrer bürgerlichen Einstellung, auch_ der Gesinnungsrichtung nach, sich leicht in die Wizo einfügen kann. Der Beweggrund für die H. Naschim war, die orgatiisatorische Einheit mit der Wizo herzustellen und ihre bitdgetären Bedürfnisse durch die Vereinigung besser zu decken. Die Frage der Finanzierung spielte daher eine ausschlaggebende Rolle bei den Unterhandlungen und bildete die Haupt- Schwierigkeiten. Die Affiliierung der M. Poaloth erfolgte jedoch aus einem anderen Antrieb, von einem zionistischen Standpunkt aus. Für sie war das Ausschlaggebende, daß die Frauen, deren Stellung In der Gesellschaft eine schwache ist, sich vereinigen, um eine größere Kraft darzustellen. Es waren also vor allem gesellschaftliche Erwägungen, die sie dazu bewogen, denn ihre 12 000 Köpfe zählende Organisation hat durch diesen Anschluß an Kraft nichts gewonnen, für die Wizo aber bedeutet er, daß ihr Charakter als der einer Frauenbewegung stärker betont wurde und daß der Inhalt, den sie in Palästina und in der Diaspora in dieser Hinsicht gewonnen hat, nun deutlicher geworden ist. Ein weiterer Punkt, bei dem sich die Debatte sehr scharf zuspitzte, war der Antrag der Exekutive, falls das Budget es gestattet, der Agency £ 3000 für Kindergärten zu bewilligen. Da die Wizo bei der gegenwärtigen schweren ökonomischen Lage nur ein Minimalbudget anzunehmen in der Lage ivar, so war von vornherein die Annahme dieses Antrages so gut wie ausgeschlossen. Wenn aber trotzdem sich die Gemüter über diesen Punkt so sehr erregen konnten, so lag der Grund darin, daß auch hier hinter dem Antrag, so wie in den zwei ersten Fällen, eine Richtung verborgen lag, die die Konferenz mit ihrer Auffassung von dem Aufgabenkreis der Wizo ablehnte. Es war schon an und für sich nicht am Platz, daß die Exekutive mit diesem Antrag kam, denn seit vier Jahren hatte die Wizo sich an dem Ausbau der Meschakim zu beteiligen begonnen und in den letzten zwei Jahren mit der Agency Verhandiungen wegen der Konsolidierung der drei Mischke Hapoaloth Nachlath Jehuda, Schunath Borochow und Petaeh Tikwah geführt, besonders ln der Frage der Uebernahme der Schulden im Betrage von £ 1450 und des Ausbaues bis zu ihrer Fertigstellung, was sich ungefähr auf £ 5000 belaufen würde. Trotz dieser Unterhandlungen hat die Exekutive im Budget keinen Betrag für Konsolidierung der Meschakim eingestellt, hingegen aber die £ 3000 für die Kindergärten. Aber die Frage war im tieferen Sinne keine Budgetfrage, denn auch für den Fall, daß die Wizo es sich finanziell erlauben könnte, der Agency zu helfen, hätte sie ein anderes Gebiet sich zu diesem Zweck aussuchen müssen, ein Gebiet, das mehr mit ihrem Programm zu tun hat. Kindergärten in Erez-Israel zu übernehmen, bedeutet, daß die Wizo ihre Prograramrichtung ändert. Mit derselben Berechtigung könnte man dann morgen mit irgendeinem anderen Ansuchen um finanzielle Unterstützung an sie herantreten. ־ Das Aufgabengebiet der Wizo umfaßt alles, was die jüdische Frau in Palästina für das Leben und die Arbeit in Erez-israel, In Stadt und Land vorbereitet und was sie zu ökonomischer Selbständigkeit und zu persönlicher Lebensgestaltung im Sinne der nationalen Renaissance erzieht. In allen Perioden seiner Geschichte hat das jüdische Volk verstanden, das geistige Leben zu pflegen und das Aeußerste für die Erziehung zu tun. Selbst in so schweren und sorgenvollen Zeiten, wie denen der Inquisition. Aber niemals hat das jüdische Volk sich darum bekümmert, die jüdische Frau ins geistige Leben einzuführen und ihr eine gesunde ökonomische Basis 1"m Organismus des Volkes zu geben. Und doch ist der ökonomische Zusammenhang eine große Verstärkung für den nationalen. Für die jüdische Frau hat die Renaissance beim Zionismus begonnen und er war es, der sie ideologisch erst erweckt hat. Die Leistungen der Wizo an sich sind vielleicht nicht so groß, wie die Bewegung, die sie entfesselt hat. Ihre schöpferischen Kräfte tragen heute schon die Wizo, nicht mehr ist es die Wizo, die sie trägt. Da kann sich die Wizo nicht für irgendein Objekt hergeben, dessen Finanzierung die Agency abstoßen will, denn sonst würde sie zur Adresse für alles, was materieller Unterstützung bedarf. Vom Standpunkt des etwa £ 250 000 betragenden Erziehungsbudgets spielen die für die Kindergärten geforderten £ 3000 keine ausschlaggebende Rolle. Sie werden den Jischuw nicht retten. Andererseits würde der Schaden für die Wizo, wenn sie ihre Prinzipien nicht intakt hält und sich für verschiedene Zwecke zersplittert, groß sein. Die Wizo zieht ihre Kraft daraus, daß sie ein Feld bestellt, das alle anderen, auch die allgemeine Zionistische Organisation brach liegen lassen, das aber uns, den Frauen, näher steht als jedes andere und durch dessen Bearbeitung wir doch gleichzeitig der jüdischen Gesamtheit erst die vollste Entwicklung zu sichern vermögen. Um das Fazit zu ziehen: alle Punkte, um die sich Debatten auf der Konferenz entwickelt hatten, sind in einem programmatischen Sinn miteinander verbunden und wenn der Kampf scheinbar ein Personenkampf war, so war er es deshalb, weil diese Personen gleichzeitig die Verhörperung eines Programmes sind. Die Konferenz wollte der Londoner Exekutive j'ede Möglichkeit schaffen, vollzählig zu bleiben, aber es ist trotz allen Entgegenkommens nicht geglückt. Nicht nur in der Personenfrage gab die Konferenz nach, sie erklärte sich auch damit einverstanden, daß die Anstaltsleiterinnen als Mitglieder der Exekutive in An geiegenheiten ihrer Institutionen kein Stimmrecht besitzen sollten, aber es nützte nichts. Der Teil der Londoner Exekutive, der sich zurückgezogen hat, muß sich Rechenschaft darüber geben, ob seine Handlungsweise gerechtfertigt war. Uns wird sie nur dann das Geschehene vergessen lassen, wenn die Ausgetretenen ihren Standpunkt revidieren und sich als ergebene Zionistinnen wieder mit unserer Arbeit verbinden werden. Es ist falsch, den Gesichtspunkt ״rechts und links“ an die Konferenz heranzutragen. Zu fast 90 0/0 war die Zusammensetzung der Konferenz eine bürgerliche. Aber eine roße, moralische Kraft war in ihr fühlbar, ein ehrliches treben, mit gesundem unverdorbenen Menschenverstand die Dinge zu sehen und zu beurteilen. Nur zwei Delegierte

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