Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXVI (1931)
- Issue
- Heft 59 (31.7.1931)
- Date
- 1931-07-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2653252-2653306--22485-2680709- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 59, 31. VII. 1931 Seite 365 Ludwig Singer Unterwegs, 29. Juli 1931. Erst heute erreicht mich, zugleich mit der Schreckensnsehricht vöm Tode Lee K. Frankels, mit dem wir erst eben in Basel ahnungslos zusammensaßen, die Kunde vom Hinscheiden Dr. Ludwig Singers. Das Schicksal scheint es bös mit uns zu meinen — einer nach dem andern wird abberufen, die zionistische Bewegung und das Palästinawerk haben in den letzten Jahren eine lange Verlustliste, und man muß das Wort ״unersetzlich“ seines bei solchen Anlässen üblichen banalen Beigeschmackes entkleiden und ihm seine tragische Schwere wiedergeben, um ganz zu empfinden, daß diese Verluste, angefangen mit Marshall, der nach der Züricher Agency-Tagung dahinsank wie jetzt sein Freund Frankel nach der Baseler, wirklich nicht zu ersetzen sind. Und mit Ludwig Singer ist eine unwiederbringliche Epoche dahingesunfee״• ,Jugenderinnerungen tauchen auf, Erinnerungen aus der Frühlingszeit des Zionismus, als noch eine kleine Zahl Studenten zusammen mit einer hauptsächlich aus konservativem Milieu stammenden kleinbürgerlichen Schicht mit dem Elan der ersten Begeisterung für die zionistische Idee kämpften, unbekümmert um den widerstand des offiziellen Judentums, das in seiner naiven bürgerlichen Vorkriegs-Behaghchkeit von uns als eine träge, lebensarme Verfallserscheinung empfunden wurde. Damals brauste der Sturm der ersten zionistischen Propaganda durch die Lande, und in Böhmen ruhte die Last der Arbeit vor allem aut zwei Säulen, zwei jungen Advokaten, die — der eine im deutschen, der andere im tschechischen Sprachgebiet — die Zionistische Organisation erst schufen. Es waren Dr. Emil Margulies und Dr. Ludwig Singer, damals geradezu ein Dfoskurenpaar, das bei besonders festlichen, besonders großartigen Veranstaitungen in gemischtsprachigen Gebieten (z. B. in Prag) zusammen auftrat. Beide waren glänzende Redner, beliebt und von den Gesinnungsgenossen gefeiert, und sie haben eine weite Bresche in das Gemäuer der antizionistischen Welt geschlagen. Man kennt auch außerhalb Böhmens Dr. Singer als den Führer des tschechoslowakischen Judentums nach dem Kriege, als Präsidenten des jüdischen Nationalrates der tschechoslowa- Irischen Republik, Abgeordneten im Stadtrat und seit kurzer Zeit im Parlament, aber nur wenige außerhalb Böhmens wissen und vermögen zu würdigen, was es damals, im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts, zu bedeuten hatte, als dieser begabte? temperamentvolle, geistsprühende Mann, mit seiner weitmännischen Eleganz, seinem anziehenden Charme und heitersieghaften Humor und seiner unermüdlichen Tatkraft, sich dem Zionismus anschloß. Dr. Singer war der erste bedeutende Zionist aus dem tschechischen Kulturkreis, er war ein Unikum in seiner Generation; mit dem ganzen Fundus einer profunden historischen und literarischen Bildung ausgestattet, vermochte er der damals um sich greifenden tschecho-jüdisehen Assimilation, deren moralische und politische Schwächen er durchschaute, mit aller Kraft entgegenzutreten. Er ist der Lehrer einer ganzen Generation geworden, und nicht nur ,tschechischsprechende Juden, auch wir andern haben von ihm viel gelernt, denn gerade seine Kenntnis der tschechischen Geschichte hat ihm tiefe Einblicke in das Wesen nationaler Auferstehungsbewegungen ermöglicht, und statt zu würdeloser, oft lächerlicher Assimilation, spornte das Vorbild des von ihm geliebten tschechischen Volkes in seiner Darstellung zu besserem Verständnis des eigenen Wesens und der nationalen Werte an. Singer hatte etwas von der magnetischen Liebens- Würdigkeit, dem gebändigten Feuer und der realistischen Besonnenheit echten Führertums, und es war eine Selbstverstindlichkeit, daß er nach dem Umsturz der unbestrittene Führer des tschechoslowakischen Judentums — »Söwtf.fS, jüdisch sein will — wurde. Leider ist er infolge seiner lieberbürdung durch die Landespolitik in der Zionistischen Welt- Organisation nach dem Kriege tast gar nicht hervorgetreten, nnd unsere Ansichten über zionistische Politik gingen auch nicht immer konform. Aber nicht Singers Leistungen sollen hier geschildert, nicht seine Politik 8011 hier analysiert werden; nur ein Wort des Gedenkens an den Menschen Ludwig Singer, den Zionisten und Freund, den Vorkämpfer des Zionismus in schwerer Zeit, ist Bedürfnis in dieser wehmütigen stunde eines Abschieds für immer. Robert Weitsth, * Anläßlich des Ablebens des Abg. Dr. Singer laufen taglieh unzählige Beileidskundgebungen beim jüdischen National* rat in Prag ein, u. a. vom Präsidenten Maearyk, Minister Derer. BechynC, Meißner und vielen anderen Politikern, die zum Ausdruck bringen, welch großen Verlust nicht nur das Judentum, sondern auch das tschechoslowakische öffentliche Leben durch das Hinscheiden Dr. Singer* erlitten hat. Das Präsidium des Abgeordnetenhauses und der Prager Stadtrat legten am Grabe Dr. Singers große Kränze nieder. Die zionistischen Institutionen haben beschlossen, das Andenken an ihren verstorbenen Führer durch Errichtung eines Dr. Singer-Haines in Palästina zu ehren. Der KKL hat bereits mit der Einleitung dieser Aktion begonnen. — Die Jüdische Partei veranstaltete am Sonntag, dem 26. Juli, eine Trauerkundgebung, in der der Parteivorsitzende, Dr. Emil Margulies, die Gedenkrede hielt. Wie verlaute^ ist über die Nachfolge Dr. Singers im Parlamente noch nicht entschieden. Als Nachfolger auf der Liste der Jüdischen Partei würde der bekannte Prager Zionist Dr. Angelo Gold stein ins Abgeordnetenhaus nominiert werden. Dr. Goldstein nahm am letzten Baseler Kongreß als Delegierter der Allgemeinen "Zionisten teil und wurde von der Gruppe A in dte politische Kommission delegiert. Dr. Goldstein steht auch als Mitglied der Landeskommission des Jüdischen Nationalfonds in der ״vordersten Front“ der praktischen zionistischen Arbeit. Die letzte Entscheidung über die Nachfolgerschaft Dr. Singers liegt jedoch bei der obersten Parteiinstanz der Jüdischen Partei, die bisher noch nicht einberufen worden ist. Die Universitlf Frankfurt a. M. fiaf zur Wiederbe» Setzung des Lehrstuhls der semitischen Philologie an Stelle des vor einigen Monaten verstorbenen Professor H 0 r o w i 11 einen Ruf an Dr. Gotthold Weil, Direktor der Orientalischen Abteilung an der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin und Honorar- Professor an der Berliner Philosophischen Fakultät, ergehen lassen. Professor Gotthold Weil Ist Mitglied des Kuratoriums der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, des Vorstands der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, der Sprachwissenschaftlichen Kommission der Akademie für die Wissenschaft des Judentums und des Akademischen Rates der Universität Jerusalem. Auch Im Kuratorium der Jerusalemer Universität wird Gotthold Weil Professor Horöwitz ersetzen. Prof. Weil ist bewährter Gesinnungsgenosse. Prag,2$. Juli, (LT. A.) Das Statistische Stutsamt veröffentlieht vorläufige Ergebnisse Über den Zuwachs der jiidisehen Bevölkerungszahi In der Völksiählungsperlode 1921 bis 1930. Danach hat sich die ZahPder Juden dem Bekenntnis nach von 353978 auf 365768 erhöht, d. h. sic Ist um 0,8 #/4 gewachsen und stellt 2,42«/* der GesamtbevolkefUitg gegen 2,4 ,»/* fffl fahre 1921 dar. JÜDISCHE RUND5CRAU .....#־־.—.—.—■ —.—....־־- Bernard Shaw zur Jodenlrage M o s k a u, 27. Juli. (]. T. A.) In einem Gespräch mit dem Moskauer Vertreter der ITA. hat Bernard Shaw, der während seines bisherigen Aufenthaltes in der Sowjetunion den mit dem sowjetrussischen Aufbau in Zusammenhang stehenden Fragen, darunter auch dem Rassenproblem, das in diesem von so vielen Volksstämmen bewohnten Reich von besonderer Bedeutung ist, seine Aufmerksamkeit zugewandt hat, auch di« Judenfrage, wie sie sich in Rußland und in den anderen Ländern darstellt, erörtert. Shaw erklärte, er sei, auch auf Grund seiner Beobachtungen in Rußland, zur Ueberzeugung gelangt, daß letzten Endes die Mischehe den Unterschied zwischen Juden und Christen a ufheben werde. Nachdem er diese Meinung in vollem Ernste zum Ausdruck gebracht hatte, fügte Shaw scherzend hinzu, ein anderes Mittel zur Lösung der Judenfrage bestehe darin, daß die Juden ihren ״Superioritätskomplex“ verlieren. Die Juden müssen aufhören, sagte Shaw, sich anderen Volksstämmen gegenüber als überlegen zu fühlen, auch wenn sie manchmal allen Grund haben, sich so einzuschätzen. Shaw nahm mit Interesse von dem Schreiben Kenntnis, das Stalin vor einiger Zeit an die ITA. gerichtet hat und in dem er den Antisemitismus als ein ״Üeberbleibsel der für die Aera des Kannibalismus charakteristischen unmenschlichen Sitten“ bezeichnet und darauf hinweist, daß nach den Gesetzen der Sowjetunion militanter Antisemitismus unter Todesstrafe stehe. Der Charakterisierung des Antisemitismus durch Stalin stimmte Shaw rückhaltlos bei. Er erklärte, die von den Sowjets gegenüber Rassevorurteilen verfolgte Politik sei die einzig vernünftige. Es sei nicht einzusehen, warum zwei Menschen, wenn sie miteinander sprechen, in Rassebegriffen denken sollen. Ein nortnaler Mensch brauche sich solcher Dinge nicht bewußt zu sein. Wenn ich, erklärte Shaw, ein Mitglied der G. P. U. wäre und zwei Proletarier sähe, die miteinander über Rassefragen debattieren, ich würde sie beide einsperren. Mir scheint, daß das kommunistische Regime in Rußland in richtiger Weise an die Lösung der Judenfrage herangeht. Hier schaltete Shaw die Bemerkung ein, daß derJudefÜrdieWeitnichtminder ein Problem ist, als die Weltfür den Juden. Ich habe sagte er, niemals die verbreitete Ansicht geteilt, daß die Juden unter einem Minderwertigkeitskomplex leiden. Im Gegenteil, sie leiden unter einem Ueberwertigkeitskomplex. Das ist sehr schädlich für sie und verursacht anderen viel Aerger. Die Welt hat schon lange ihren Frieden mit den Juden gemacht. Aber der Jude will nicht seinen Frieden mit der Welt machen. Als fürchtete er, seine Worte könnten mißverstanden werden, erläuterte Shaw diese Aeußerung, indem er auf seine irische Abstammung Bezug nahm: Ich verstehe es, daß die Juden sich als besser fühlen als so viele andere, denn ich bin ein Ire, und die Iren sind vielleicht noch rassestolzer und arroganter als die Juden. Eine solche Arroganz ist aber in der proletarischen Welt, in der wir leben, nicht am Platze. Ein wichtiger Schritt zur Lösung der Judenfrage muß darin bestehen, daß die Juden sich von ihrem UeberwertigkeitsgefüM gegenüber anderen Nationen befreien. * Bernard Sh a w ist geistreich und intuitiv versteht er vieles, aber nicht alles. Auch seine Bemerkungen zur Judenfrage sind in einigen Wendungen blendend formuliert und manches, was Shaw sagt, ist auch zutreffend. Aber Shaw wird oft verleitet, Pauschalurteile über Fragenkomplexe zu fällen, die ein ernstes und gründliches Studium erfordern und nicht mit Aphorismen abzuttin sind. Zum Glück wird da*, meiste, was Shaw sagt, nur, *ehr interessant gefunden aber nicht ernst genommen. Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen für den fünften Band des G01* denen Buches des Keren Kajemeth Lejisrael, Jerusalem. 1. Das Hauptbüro des Keren Kajemeth Lejisrael in Jeru- Salem schreibt hierdurch einen Wettbewerb aus zur Erlangung von Entwürfen für den fünften Band des Goldenen Buches des Keren Kajemeth Lejisrael. 2. Zur Teilnahme berechtigt sind alle jüdischen Künstler. 3. Die Entwürfe sollen den Gedanken des Keren Kajemeth Lejisrael veranschaulichen und in hebräischen Lettern die In- Schrift Keren Kayemeth Lelsrael. Sefer Hasahaw, Kerach Chamischi enthalten. 4. Alle Entwürfe sind in einfacher, d. H. nicht überladener künst'erischer und geschmackvoller Darstellung zu übergeben. Sie sollen möglichst in Aquarellfarben hergestellt werden. Es ist ihnen eine Beschreibung beizufügen, aus der hervorgeht, in welchem Material die endgültige Ausführung gedacht ist. 5. Alle Entwürfe sollen drei Teile enthalten: a) die Vorderseife des Einbandes, b) den Rücken des Einbandes, c) die Rück- Seite des Einbandes. 6. Die Größe des fünften Bandes des Goldenen Buches muß der Größe der bisherigen Bände entsprechen. Jede Seite enthält 10 Eintragungen. Der Band hat 5000 Eintragungen, das heißt außer den Schutzseiten 500 Seiten. Der Umfang der Seiten ist: von innen gemessen: 65 cm hoch, 49 cm breit; alle Seiten zusammen sind 11,3 cm dick; mit dem Einband?«messen ist da* Buch 66 cm hoch, 49,5 cm breit und 4,3 cm dick. 7. Die Entwürfe sind, ohne jedes Kennwort versehen, so zeitig einzusenden, daß sic bis spätestens Dienstag, den 20. Oktober 1931, beim Hauptbüro des Keren Kajemeth Lejisrael für die Goldene Buch-Kommission eintreffen. Der Sendung ist ein verschlossenes Kuvert beizufügen, das keinerlei Kennwort trägt und den Namen des Künstler» sowie seine Adresse enthält. 8, Das Preisgericht besteht aus den Herren: Dr. Saul Tschernichowsky, Dr. S. A. van Vriesland, Hermann Strack. 9. Es gelangen drei Preise zur Verteilung: der I. Preis ist £P 35, der II. Preis ist £ 25, der lll. Preis ist £P 15. Das Preisgericht hat zu entscheiden, ob es die Preise verteilen kann, oder ob es der Meinung ist, daß keiner der eingereichten Entwürfe preiswürdig ist. 10. Eine Verpflichtung zur Ausführung eines der Entwürfe besteht nicht, 11. D*r KerCn Kajemeth Lejisrael ist berechtigt, auch nichtpreisgekrönte Entwürfe für den Preis von £P 10 anzukaufen. 12. Die preisgekrönten und die angekauften Entwürfe gehen mit allen Rechten in das Eigentum deslReren Kajemeth Lejisrael über. Die Entwürfe werden nach Verteilung der Preise effentlieh ausgestellt. Jerusalem, im Juni 1931. In einem Festakt bei der Verfassungsfeier der Frankfurter Universität wurde eine Büste von Paul Ehrlich, dem berühmten medizinischen Forsch« und Träger des Nobelpreises,, enthüllt. Die Enthüllungsfeier war äußerlich durch das Feh - len der chargierenden studentischen Korporatioaea g6k*noz«lchnet Bundeitagrnig zionistischer Mädchenvereinigungen Die diesjährige sechste Tagung des Kontinentaibundcs zionistischer Mädchenvereinigungen — Jugenddezernat der Wizo —■ fand vom 12. bis 15. Juli in N 0 v e S t r b s k e P 1 c s o , in der Hohen Tatra statt. Gruppen aus der Tschechoslowakei, Ungarn, Polen, Karpathorußland und Oesterreich waren vertreten. ln der Eröffnungsrede begrüßte Frau Marie Pollak (Wien) die Delegierten und Gäste, gedachte Theodor Her 715 und erwähnte den Präsidenten T. G. Masaryk. Frau Pollak betonte besonders die Bedeutung der Zusammenarbeit mit den jungen Oesinnungsgenossinnen aus Polen, deren Einflußnahme für die Zielsetzung des Kontinentalbundes von größtem Vorteile ist. Dr. Oskar Neumann (Bratislava), Delegierter des KKL- Hauptbüro, hielt einen Vortrag über seine Reise durch Palästina. Es folgte am nächsten Tage der Rechenschaftsberieht der Bundesleitung, aus dem hervorging, daß die Arbeit des Kontinentalbundes im letzten Jahre großen Aufschwung genommen und die Hachscharah-Bewegung in den Gruppen des KB sich gut entwickelt hat. Besonders erfolgreich gestaltete sich die Zusammenarbeit und das gute Einvernehmen mit der Wizo. Auch mit dem Hechaluz trat der KB. in nähere Beziehung. Für die Mädchen des KB, die nach Ercz auswandern wollen, wurde die Möglichkeit geschaffen, im Rahmen dieser Organisation Hachscharah zu machen und Zertifikate zur Einwanderung zu erhalten. Anschließend an den Rechenschaftsbericht des Bundes wurden die Tätigkeitsberichte der einzelnen Gruppen verlesen. Man erhielt ein anschauliches Bild von der Arbeit und erfuhr von der zielbewußten Erziehung junger Menschen zu zionistischer Arbeit, von ihren Kämpfen mit der assimilierten Umgebung. Interessant ist die Verschiedenheit östlicher und westlicher Ideenwelt, die hier zum Ausdrucke kam und in gegenseitiger Ergänzung den Boden für fruchtbare zionistische Arbeit bereitet. Der Bericht der Delegierten des Kontinentalbundes beim Wizo-Kongreß in Basel, Frau Dr. Henriette Lichtenstein- Rappaport, ergab mehrere Vorschläge für die künftige Zu* samrnenarbeit zwischen Frauen und Mädchen. Mit besonderer Freude wurde das Anerbieten der Wizo begrüßt, den Mädchen des KB Lern- und Arbeitsmöglichkeiten in ihren Institutionen in Palästina zu geben. Frau Dr. Martha Hof mann (Wien), Delegierte der Wizo- Zentrale in London, brachte in ihrem Referat über die Wizo- Konferenz neue Gesichtspunkte für Frauenarbeit und Frauenziele im Zionismus. Sie führte aus, daß die Frau Ihr Mifbestimmungsrecht, ihre Teilnahme am Wirken der Exekutive und des Aktions-Camitfe erst durch intensive Arbeit erringen müsse und daß es Aufgabe der Mädchen sei, zu erreichen, was die Frauen versäumt haben. Der zweite Abend der Bundestagung war der zionistischen Politik gewidmet. Herr Ing. Otto Braun (Wien) sprach über die gegenwärtige Lage im Zionismus und von zionistischer Problematik. — Fräulein Ros! Müller (Wien) sprach über die Bedeutung sozialer Arbeit in theoretischer und praktischer Riehtung und berichtete über die verschiedenen Aktionen, die der BK in Palästina bereits durchführte. Der Vortrag brachte viel Anregung zu praktischer Arbeit. — Fräulein Use Kantor (Prag} berichtete über die Tätigkeit der Mädchen des KB für den KKL. Ein Vormittag wurde dazu verwendet, mit den Delegierten er verschiedenen Gruppen in Kommissionssitzungen über wichge Gruppenfragen zu verhandeln Besonderen Raum-nahm die lesprechung der Hachscfcaraftund Alifahint Bunde ein. Nachdem der alten Bundesleitung das Absohrtorium erteilt rarde, erfolgte die Wahl der neuen Leitung und Kooptation iniger neuer Mitglieder. Ein Mitglied der neuen Bundesleitung ntwarf in kurzen Zügen das künftige Arbeitsprogramm, fte!!gemeinen Richtlinien werden beibehalten. Besonderer Nachruck wird wieder auf die Arbeit für den KKL gelegt, in einer Resolution wird es den Mitgliedern zur Pflicht gemacht, an der .usrüstung auswandernder Chaluzim tätigen Anteil zu nehmen nd die 6 ruppenführerinnen werden verpflichtet, ihr« Mädchen ir die Arbeit der Kultusgemeinden zu interessieren, damit der leist jugendlicher Arbeit auch in die Kultusstuben Eingang ragen, folgte das Referat von Dr. Susanne Munt* (Wien) ,er die Stellung des KB zur Politik. Der Vortrag gab ein Bild tr Ziele des KB und des Entwicklungsweges seiner Mitglieder, er Kontinentalbund sieht seine vornehmste Aufgabe in der rziehung seiner Mitglieder zu produktiver zionistischer Arbeit, r betont die Ueberparteilichkeit des Bundes, der in Seine« ahmen jedwede politische Betätigung vermeidet, seinen Mitliedern jedoch durch objektive Darstellung der jüdischen und onistischen Ideenwelt die Möglichkeit eigener zionistischer leinungsblldung gibt. Frau Marie Pollak schloß die Tagung it innigen Worten und faßte deren Ergebnis kurz zusammen, e verglich die Geschichte des tschechischen Volkes, auf dessen ältlichem Boden die Tagung des Kontinentalbundes zionisti-;her Mädchenvereinigungen — Jugenddezernat der Wizo — :hon zu wiederholten Malen stattfand, mit der Geschichte des idischen Volkes und eifert an, der ausdauernden Energie dieses Abschiedsabend für Col. Kisch In Jerusalem. Am 26. JuÜ fand in Jerusalem unter dein Vorsitz von Henrietta S z 01 d ein vom Waad Leuml veranstalteter Abschiedsabend für den aus seinem Amte ausscheidenden Colonel Kisch statt. Colonel Kisch hielt eine Ansprache, in der er ausführte, er habe in den neun Jahren seiner Tätigkeit in Palästina den Jlschuw in doppelter Gestalt gesehen. Er habe einerseits mit ihm Schmerz und Gefahr geteilt, andererseits aber auch die große Einwanderiing des Jahres 1926, den Aufstieg der Siedlungen im Emek und die Eröffnung der Hebräischen Universität miterlebt. Wenn er auch nicht immer mit den Ansichten des Jischuw übereingestimmt habe, habe er doch stets gefunden, daß seine Instinkte gesund waren. Zum Schluß dankte er allen seinen Mitarbeitern und insbesondere Henrietta Szold und Ben Zwi dafür, daß sie ihm die Durchführung seiner Aufgaben erleichtert haben. Weitere Ansprachen hielten Mftyer Di zengof f, der Vertreter der Jüdischen Gemeinde Haifa, Levin, MelzCr im Namen des Misraehi und Stempfftr im Namen der Kolonie Mach Tikwah. Die deutschen Universitäten zählten laut den neuesten Statistischen Angaben im letzten Wintersemester bei einer Gesamtzahl von 130 072 Studenten 66 ",0 Protestanten, 28 "/0' Kathollken, 4,303'״’ Juden und 1,55 ״/» Konfessionslose; die techfrischen Hochschulen 72״% Protestanten, 21 ׳״n Katholiken, 2,3",% Juden und 4,4 ״/״ Konfessionslose. Die deutsche Gesamtbevölkerung setzt sich aus 64,1 «,0 Pötestanten, 32,4 °/0 Kathöliken, 0,9 ״'»Juden und 2,6 */» Sonstigen zusammen. Die Universitäten in Berlin und Frankfurt t. M. haben die meisten jiidisehen Studenten mit etwa 10 ״/«, es folgen dann Heidelberg und Freiburg.