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Jüdische Rundschau · 1931-07-31 · Heft 59 (31.7.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 59 (31.7.1931)
Date
1931-07-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 302 JÜDISCHE RUNDSCHAU Ht, 59, ai.VE iftSi varhalte* angtetellt wird, und zwar, wla dar U»ter#t*ate- *akretfir Dr. Shiols der Ständigen Mandats-Kommission das Völkerbund#» in ihrer löteten Sitzung mitgeteilt hat, ganz ohne Rücksicht auf Shaw-Bericht und Simpson-Bericht. Dem Prlliminar-Bericht, den der Landeniwicklungsdirektor bis Ende 1011 m erstatten hat, muß ein Verzeichnis aller ״landlosen Araber" beigeschlossen werden, also nicht eine irgendwie «1saramengestellte Statistik, sondern «ine Liste der Namen und Adressen, und z« .jedem Namen müssen die Beweise dafür vorgelegt werden, daß der betreilende ״landlose Araber" durch jüdische Bodenkäufe landlos geworden ist. Daß sich die Leute drängen, wenn es heißt, die Regierung verleihe Entschädigungen und Benefizicn ist keine Besonderheit der palästinensischen Araber; das soll auch in den zivilisiertesten Ländern Vofkom* men. Der Landentvvicklungsdirektor wird also recht viel zu tun haben, um alle Gesuche um Aufnahme in seine Liste zu prüfen. Aber der MacDonald-Brief und die jetzt erlassene genaue Instruktion lassen keinen Zweifel darüber, daß der Kreis der ״landlosen Araber“ auf jene Personen begrenzt ist, die den Nachweis erbringen, daß sie durch jüdischen Bo• denkauf verdrängt wurden; und der Landentwickliingsdirektor hat zur Prüfung dieser Nachweise Sogar einen juristischen Beirat. Die erste Aufgabe des EntwiekJungsdirektors ist die An• Siedlung der in diesem eingeschränkten Sinti verstandenen ״landlosen Araber". Dann erst kann er zu seiner eigentlichen Aufgabe übergehen, die Landwirtschaft Pnlöatiflas und die landwirtschaftlichen Böden in ihrer Gesamtheit zum Nutzen der Araber und dar Juden so zu entwickeln, daß der palästinensiache Landwirt auf kleineren Bodenflächen größere Erträge erzielt und das Land also zur Aufnahme immer größerer und größerer Mengen von jüdischen Einwanderern fähig wird. Es ist kein Geheimnis, daß die in Basel gestürzte zionistische Exekutive sied! bemüht hat, von der Regierung die Zusicherung zu erhalten, daß von den für diese Entwicklung«־ arbait aufgewendeten Geldern — die Regierung will dafür eine Anleihe von zweieinhalb Millionen Pfund Sterling aufnehmen — gleich viel für jüdische wie für arabische Zwecke verwendet werden soll. Die Regierung lehnte es zunächst überhaupt ab, sich festzulegen, dann machte sie Gegen vor- Schläge, die vom Verhältnis 50:50 nicht sehr weit entfernt waren, von der Exekutive aber doch abgelehnt wurden. Wenn wir, nicht auf Grund müßiger Kombinationen, sondern auf Grund einer halbwegs genauen Kenntnis der in London geführte® Verhandlungen, annehmen, daß die Regierung etwa daran denkt, eine Million Pfund für jüdische, eineinhalb Millionen für arabisch© Kolonisation zu verwenden, sind wir wahrscheinlich nicht weit von ihren wirklichen Absichten entfernt. Was bedeutet das? Der Keren Hajessod hat in den zehn Jahren 1921 bis 1980 für landwirtschaftliche Kolonisation etwa eine Million Pfund ausgegeben und damit nicht nur den ganzen Emde und eine Reihe anderer Kolonien geschaffen, sondem Überhaupt di© ganze kolonisatorische Entwicklung der Nachkriegszeit, auch soweit sie aus Mitteln der P. I. C. A. und privaten Geldern finanziert wurde, recht eigentlich erst ermöglieht. Und doch: Welche Leiden und Entbehrungen, welche Sorgen und seelischen Qualen, welche Fehlschläge und schwereu materiellen Verluste hat es bedeutet, daß der Keren Hajessod dies© Million Pfund nur .1« Läufe von zehn Jahren״ nicht nach einÄ von *votiflterSfi f»tWeh*ha#11. Pl&n,''sondern nur von heute auf morgen, gemäß den von vielerlei Züfälligkeiten abhängigen Spendeneingängen, investieren konnte! Welch fewaltiger Ruck vorwärts wird ©s sein, wenn eine Million '!und In har bereit liegt und nach einem ganz klar von vornherein aufzustellenden Plan verwendet wird! Ich glaube, daß man sich keiner Uebertreibung schuldig macht, wenn man die Vermutung ausspricht, daß mit einer solchen Million das Doppelte an kolonisatorischem Effekt erzielt werden kann. Und damit ist Überhaupt unsere Kolonisation auf eine neue Basis gestellt. Es ist der Anfang gemacht zu dem notwendigen Uebergang von der Kolonisation aus gesammelten Spendengülden» zu der Kolonisation auf Grundlage internationalen Kredits, dem Uebergang von einer Kolonisation auf philanthropiacher Grundlage zu einer Kolonisation wirtschaftlichen und damit auch im eminentesten Sinn politischen Charakters. Dafür ist es im Grunde genommen recht unwesentlich, ob daneben für arabische Kolonisation ein gleicher oder ein höherer Betrag verwendet wird. Worauf es uns in allererster Reihe ankommen tauft, ist di# wirkliche Einbeziehung unserer Aufbauarbeit in ein großzügige« Entwicklungsprogramm der Regierung. Nur um ein mögliches Mißverständnis auszimehließen, 8011 noch unterstrichen werdet!: Die Leistung de» Keren Hajessod in den vergangenen zehn Jahren war die unumgängliche Vorbedingung für die Erreichung des jetzigen Stadiums und der Keren Hajessod und der Keren Kajemeth werden noch lange Zelt von entscheidender Wichtigkeit •ein, auch w׳enn die Regierung schon angeiangen haben wird, ihren Entwicklung«- plan auszuführen. Nichts wäre falscher als zu glauben, daß es bei einem solchen Unternehmen wie dem Aufbau des Jüdischen Nationalheims in Palästina jemals einen vollständigen Richtungswechsel, einen Bruch in der Tradition und ein© Möglichkeit geben könne, da« gestern Angebetete zu verbrennen, das gestern Verbrannte anzubeten. Unser Werk braucht Kontinuität und das Maß dos Verständnisses für Kontinuität, das das jüdische Volk beweisen wird, wird zugleich das Maß »einer politischen Reife »ein. London, 28. Juli- (J. T. A.) Im Namen der Jewish Agency hat Dr. Cyrus Adler an üenerai Arthur Qrenfell wauchope anläßlich seiner Ernennung rum High CommisSioner für Palästina ein Glückwunschtelegramm gerichtet, ln dem erklärt wird, es sei die feste Absicht der Jewish Agency, loyal an der Durchführung des Palästina-Mandats mitzuarbeiten, ln dem Telegramm wird ferner der Zuversicht Ausdruck gegeben, daß die Amtsfteriöde General Wauchöpes durch wachsendes Gedeihen des Jüdischen Nationalheims und des gesamten Landes Palästina gekennzeichnet sein werde. London, 28. Juli. (J. T. AJ Im Hauptbüro der revisicnistischen Weitunion fand eine Pressekonferenz statt, in der Meir G r o ßm an erklärte, Jabotinsky bleibe, öbwöhl tr bis zu der im Dezember stattfindenden revisionistischen Weltkonferenz Urlaub genommen hat, auch weiterhin Führer der Partei. Großman gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß alle Differenzen innerhalb der Partei in zufriedenstellender Weise gelöst werden würden. Die Revisionisten würden ihre direkte unabhängige politische Tätigkeit, einschließlich der Propaganda unter den britischen Parlamentariern, fortsetzen. Der Ailiag Min lat einige Wochen Weggewesen und Kat in einer Jüdischen Welt gelebt. Was man dort erfahren hat und wie es dort aussah, gehört auf ein anderes Kapitel. Trotz aller Unzulänglichkeiten, Enttäuschungen, Irrungen und Wirrungen waren diese Wochen, in denen man sich, wie fn einer Oa*e, ureigensten, für die Erhaltung seiner Art und seines Volkstums wichtigen Dingen widmete, Feiertage. Die Nüchternen, Erfahrenen und Denkenden haben auch im Zauberkreise von Gleichgesinnten nicht vergessen, daß sie nicht isoliert und unbeeinflußt in der Welt leben und daß Sie mit tausend Fäden und Tauen an die Interessen der gesamten Welt genäht und gebunden sind. Trotzdem war das Gefühl, wenigstens für kurze Zelt der Welt des Hasses, der Begeiferung und Ver* höhnung entrückt zu sein, ein Labsal für die Seele. Nun sind die meisten Teilnehmer an *den Baseler Tagungen i« ihren verschiedenen ״Daheimen“. Nur wenige von diesen Rückkehrern kommen in Länder, in denen die Tat- Sache ihres Judeseins ihnen nicht täglich und stündlich drohend und höhnend ln Erinnerung gebracht wird. Die meisten aber kommen aus der glücklichen Insel, Mustermesse Basel, in eine für*die Juden kalte und feindliche Welt. Darunter auch die Teilnehmer aus Deutschland. Wochenlang hatte man in Basel keine Zeit, die deutsche Presse zu verfolgen. Die wenigen Zeitungen aus Deutschland, die im Auslande gelesen werden, 4• h. die exportfähig sind, weit sie das Ausland in die Hand zu nehmen" geneigt ist, gaben dem Juden kein richtiges Bild über seine wirkliche Lage in seiner deutsehen Heimat. Erst, als man die Reichsgrenzen auf dem _ m _ _ Kapitalanlage in Palästina Informationen über günstige Möglichkalten von Kapitalinvestitionen durch Neugründungen oder Beteiligungen erteilt die Zentralstelle türme Organisierung des Absatzes paüsttnensiscfier Anlagewerte mi eer zionistischen Vereinigung tür Deutschland Berlin W18, MelnekestraBe 10 Fernftpraeiier: | Bismarck Till - 70 Heimwege überschritten hatte, da stürzten über einen die unzähligen Blätter und Blättchen, irr denen jede Spalte, jede Zeile voll bluttriefenden Judenhasses sind. Entsetzt — weil einige Wochen daran nicht mehr gewöhnt — stellt man fest, wie wahnwitzig verhetzt ein ungeheuerer Teil der Eteyölkerung in bezug auf die Juden ist. Man mußte sich ©öt VÖm ersten lähmenden Schrecken und vom Abscheu erholen, bevor man wieder Fühlung zu all diesen Vorkommnissen und Aeußerungen gewann, die leider Seit Jahren sozusagen das tägliche Brot der deutschen Juden sind. Da bekommt man zu lesen, daß ein Ritualmordhetzer, trotzdem er in der ersten Instanz verurteilt wurde, in der zweiten aus formalen Gründen freigesprochen wird. Da erfährt man, daß jeder politische Anlaß dazu ausgenutzt wird, um Juden zu beleidigen, jüdische Passanten zu überfallen und zu Gewalttätigkeiten gegen Juden aufzufordern. Der englische Premierminister MacDonald wird ln Berlin empfangen, was für Nationalsozialisten ein Anlaß ist, jüdisch aussehende Menschen in einer der belebtesten Straften Berlins zu verprügeln. Die gesamte deutsche Studentenschaft kürt ihren Vormann, selbstverständlich einstimmig einen national• sozialistischen rassenantisemitisclien Jüngling. Jungen und Mädels tragen Micky-Mäuse als Abzeichen, was ein Anlaß ist, gegen Finanzjuden und jüdische Entsittlichung Sturm zu laufen. Die Danat-Bank ist zusammengebrochen. Natürlich ist der einzig Schuldige, laut ״Völkischem Beobachter“, Jakob Gold- Schmidt, während die Brüder Lahusen, durch deren Vermittlung das Geld der Danat-Bank, wie vielfach behauptet wird, zu den Nationalsozialisten floß, und die wegen Verschiedener Unregelmäßigkeiten in Strafuntersuchung gezogen sind, als unschuldsvolle Engel dargestellt werden. Ein alter angesehener Schriftsteller, Ernst von Wolilzogen, stimmt in einem Artikel über das deutsche Bühnenwesen in den Chor der Judenfeinde ein. E» ist unmöglich, auch nur die gröbsten antisemitisehen Pöbeleien einer einzigen Woche zu erwähnen. Mit Lamentationen ist die Sache nicht aus der Welf geschafft und den Juden nicht geholfen. Was soll geschehen? Was kann geschehen? Das sind Fragen, denen sich alle verantwortlkhen jüdischen Körperschaften in Deutschland widmen sollten. Keinen Rangstreit mehr und keine Kompetenz- Zwistigkeiten! Wir haben oft nachdrücklich verlangt, daß jüdische Gemeinden und Landesverbände sich in den Dienst des Schutze» der gesamten Judenheit in Deutschland stellen. Diese Forderung Ist leider bis jetzt noch nicht durchgedrungen. Sie Ist von uns nicht erhoben worden, um das Arbeltsgebiet des Gentral-VereinS zu stören,• sondern vielmehr darum, weil wir durch das Medium der Gemeinden und Landesverbände eine Zusammenfassung aller jüdischen Kräfte herbeizuführen wünschen. - - Unsere Absicht ist mißdeutet worden. Der Zwang der Tatsachen aber muft schließlich doch dazu führen, daß eine Form der Zusammenarbeit aller Juden gefunden wird. Es kann nicht mehr so weiter gehen, daß durch die Usurpierung dieses für die Juden so wichtigen Arbeit»- gebietes durch einen Gesinnungsverein zahlreiche wertvolle Kräfte ausgeschaltet oder gezwungen werden, selbständig in einer Zeit vorzugehen, in der gerade der Zusammenschluß aller Juden ein dringendes Gebot ist. In einigen Tagen wird über den Stahlhelm-Volksentscheid betreffend die Auflösung des Preußischen Landtages, abgestimmt werden. Durch eine nur in Deutschland mögliche Verkettung der Verhältnisse werden auch die Kommunisten diesen rechtsradikalen Antrag unterstützen. Es ist möglich, daß er Erfolg hat. Von welcher Bedeutung das für die später vorzunehmenden Wahlen in den Preußischen Landtag werden kann, ist leicht vorauszusehen. Das stärkste Bollwerk der deutschen Republik und einer gerechten unparteilichen Verwaltung In Preußen und 11» Reiche kann auf diese Weise gestürzt werden. Welch« Folgen daraus für die Situation der Juden fließen können, bedarf nicht ausführlich beleuchtet zu werden. Wiewohl wir stet» auf dem Standpunkte gestanden haben, daß viel wichtiger als alle politischen Bedingütigen die wirtschaftlich« Deroute für die Lage der Juden in Deutschland Ist, vermögen wir doch voll einzuschätzen, wie einschneidend eine Judenfeind liehe Praxis der Verwaltung für jeden einzelnen Juden zu werden vermag. Ohne daß wir verkennen, in welchem Grade wir mit der Gesamtheit der in Deutschland lebenden Menschen ln jeder Hinsicht verknüpft sind, müssen wir uns doch sagen, daß unsere, die jüdische, Situation weit geflhrdeter erscheint als die der anderen Bevölkerungsteite. Soll man erst warten, bis all diese Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten Tatsachen geworden sind, bevor man sich zu einem geschlossenen Zusammengehen entschließt? Der Alltag ist jetzt in der ganzen Welt wenig erfreulich. Der deutsche Alltag noch unerfreulicher als in anderen Gegenden dieses Erdenrunds. Der Alltag des deutschen Juden aber ist *unerträglich. — Diese Empfindung hat man, wenn man vor! einem Ausflug ln Bezirke zurück gekehrt ist, In denen man in einer Art von Selbsttäuschung herausgehoben war aus der grausamen, harten Welt der jüdischen Galuth. s. ti. Der Evangelische Bund, der sich für politisch unparteiisch erklärt und ״seine Aufgaben in erster Linie in der Pflege protestantischen Öeffentlichkeitswillens sieht“, hatte auf seiner diesjährigen Generalversammlung der Frage ״Natiönalsozialismus" ein Referat gewidmet, das von dem rheinischen Bundesfflhrer D. Hermann Kreme r s gehalten wurde und nun unter obigem Titel in den ״Volksschriften des Evangelischen Bundes“ erschienen ist. Die ״Nachrichten für evangelische Gemeinde- und Sonntagsblätter (Mitteilungen des Evangelischen Bundes)" widmen dem Vortrag offiziell eine rückhaltlos zustimmende Be- Sprechung, in der darauf hingewiesen wird, daß der National- Sozialismus heute die wichtigste geistige Bewegung ist, und daß Kremers mit diesem Referat ״eine wirklich grundlegende und wegweisende Arbeit geleistet hat“. In dem Erwachen des Nationalsozialismus, heißt es in der Auslassung des erwähnten Organs des Evangelischen Bundes, begrüßt der Verfasser einen Aufbruch der deutschen Seele, die grundsätzlich zu bejahen ist: Volkstum ist Gottesschöpfung, es ist Träger einer eigenen Idee. Das ist Lutherscher Geist, der hier spricht. Und diesem Geiste gegenüber hat der Protestantismus Aufgaben. Als ein Verdienst des Nationalsozialismus bezeichnet das Mitteilungsblatt des Evangelischen Bundes das Aufwerfen der Rassenfrage, wenn auch der Protestantismus jede Rassenvergötzung entschieden ablehnt. In diesem Sinne sei der Staatsgedanke des Nationalsozialismus — der Staat kein Zweckverband, sondern Blntsverband — sowie die gelegentlich als ״preußisch“ bezeichnete Sozialmoral nicht abzulehnen. Eine zweite Gefahr drohe dem Nationalsozialismus von Rom: ״So sehr auf der einen Seite begrüßt werden muß, daß Hitler sich gegen jede Verquickung von Religion und Politik, und damit vor allem gegen das Zentrum, wendet, so sehr scheint doch sein Blick getrübt zu sein für die umfassende Bedentung der Reformation für dis deutsche Geistesleben und die deutsche Geschichte. ״Der Protestantismus, so wird gefolgert, sei auf dem richtigen Wege, wenn er die Aufgabe fühlt, als warnender treuer Eckart der nationalsozialistischen Be- \vegung׳ zur Seite zu treten.׳ '“־, ... ,, •'Kremers Schrift, ■heißt es zum Schlüsse, »011 dem National- Sozialismus das Besondere seiner Idee klar machen, fnsbesondere aber den deutschen Protestantismus aufrufen, ״daß er den Sinn der historischen Stunde, die jetzt anhebt, erkenne und seine geschichtliche Aufgabe in ihr erfülle“. .* Wie der Polizeibericht meldet, überfielen am Montag, dem 7 luli, kurz nach 6 Uhr, Nationalsozialisten in der Hedemannraße eine Gruppe von Reichsbannerleuten. Die herbeigerufene olizei nahm zwei Personen fest. ״Berlin am Morgen“ eiß hierzu ergänzend ־zu berichten: ״Nach den Berichten von ugenzeugen kam aus der Pultkammer Straße ein geschlossener ug von ungefähr 100 S.-A.-Leuten, der in die Friedrichstraße nbog und in der Nähe der Hedemannstraße einem etwa zwölf lann starken, vom MacDonald-Empfang kommenden eichsbannertrupp begegnete. Die Reichsbannerleute wurden 31t der vielfachen Uebcrmacht der Nazis überfallen. Die Nazis ■hlugen auf diejenigen, die sich nicht im letzten Moment m .cherheit bringen konnten, blindlings ein und ließen sie dam» ilflos liegen, um neue Heldentaten zu verüben. So wurden ehrere jüdisch aussehende Straßenpassanten, ie ruhig ihres Weges gingen, angerempelt und mißhandelt, benso wurden einige erwerbslose Schauspieler, die auf dem fege zu ihrem Nachweis in der Beußelstraße waren, tätlich!gegriffen. Ehe noch die Polizei zur Stelle war, hatten die äzis schon ihr Standquartier in der Hedemannstrafte aufgesucht ad sich dort versteckt.“ Die nach kurzem Verbot wieder erschienenen natiohai-sozialistischen Hauptblätter ״Völkischer Beobachter“ und ״Angriff“ teilen mit, daß die ״Deutsche Studentenschaft“ jetzt unter nationalsozialistischer Führung stehe, nachdem der 14. Deutsche Studententag den Nationalsozialisten Lienau einstimmig zum ersten Vorsitzenden der Deutschen Studentenschaft gewählt hat. Auch der dritte Vorsitzende und eine größere Zahl der Vor- Standsmitglieder seien Nationalsozialisten. Der neugewählte Vorsitzende erklärte in seiner Dankansprache, es käme jetzt darauf an, mit allen Mitteln dafür einzutreten, daß die studentische Selbstverwaltung in großdeutschem Sinne, die nur das Volksbürgerprinzip anerkennt, nicht nur aufrecht erhalten, sondem ln erheblichem Maße ausgebaut werde. * Ein Ritualmordprozeß wurde erneut vor der Großen Strafkammer in Köln verhandelt. Der nationalsozialistische Redakteur Grobe des ״Westdeutschen Beobachter“ wurde von der Anklage der Beschimpfung der jüdischen Religionsgesellschaft und der Aufreizung zum Klassenhaß freigesprochen. — drohe hatte tn einem Artikel die Ritualmordprozesse seines Parteifreundes Dr. Levy besprachen und dabei erneut die Behauptung aufgestellt, daß Ritualmorde vorgekoönneu und erwiesen seien, ln der Vorinstanz war Grobe zu 300 RM. Geldstrafe verurteilt worden. Warschau, 28. Juli״ (J.T.A.) Die Stadtgemeinde Warschau hat ihren einzigen jüdischen Beamten, Mautiee Rotmill, der viele Jahre hindurch an der Spitze des Wohlfahrtsamtes stand,, entlassen und eine Disziplinaruntersuchung gegen ihn eingeleitet. Rotmill wird beschuldigt, in seiner Abteilung einert jüdischen Hilfsbeamten namens Boruch Lifschitz beschäftigt und ihm, da der Posten nicht syatemiaiert war, «in kleines Gehalt aus Üntersttitzungageldern ausgezahlt zu bähen.

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