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Jüdische Rundschau · 1931-07-28 · Heft 58 (28.7.1931) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXVI (1931)
Issue
Heft 58 (28.7.1931)
Date
1931-07-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 358 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 58, 28. Vü. 1931 Die Universitäissiteungeii in Zfiridi Zürich, 26. Juli. U. T. A.) Das Kuratorium und der akademische Rat der Hebräischen Universität in Jerusalem haben in Zürich unter dem Vorsitz des Rektors der Universität Utrecht, Prof. L. S. Ornstein, mehrtägige Beratungen abgehalten, an denen der Kanzler der Hebräischen Universität Dr. J. L. Magnes, Dr. Cjrus Adler, N. Bentwich, Prof. S. Brodetsky, Prof. Martin Bub er, Prof. A. Frankel, Prof. J. Hademard, Dr. M. B. Hexter, Joseph C. Hyman, Prof. T. Lcvi-Civita , Dr. Schmarja L-evin, Dr. E. lipman, Dr. S. Löwenstein, Richter Julian W. Mack, Charles J. Rosenbloom, Prof. 1.. * *י > N. Sokolow, M. M• Ussisehkin, Dr. Stephen wise, sowie S. Ginsberg als Protokollführer und Dr. Rohn als Sekretär teilnahmen. Dr. Magnes, der unmittelbar vor Beginn der Konferenz aus den Vereinigten Staaten zurückgekehrt war, erstattete einen Bericht über die Entwicklung der Universität in den letzten zwei Jahren. Er führte u. a. aus, einer Erweiterung der Tätigkeit der Universität sei der Mange] an Mitteln hindernd im Wege gestanden, weshalb er sich genötigt gesehen habe, eine Tournee durch die Vereinigten Staaten m unternehmen, um die künftige aktive Mitarbeit der dortigen Freunde der Universität zu organisieren. Es wurde eine Vereinigung amerikspischer Freunde der Hebräischen Universität unter dem Vorsitz von Dr. Abraham Rosenbach zu dem Zwecke gebildet, die Idee der Hebräischen Universität in weitere Kreise zu tragen und neue materielle Unterstützung für die Arbeit der Universität zu finden. Die Tournee war insofern erfolgreich, als durch sie die Erhaltung der bestehenden Abteilungen gesichert werden konnte. Jedoch wird strengste Sparsamkeit geübt werden müssen. In der auf den Bericht folgenden allgemeinen Aussprache wurde die Frage der künftigem Ausdehnung der Lehrtätigkeit, insbesondere in den naturwissenschaftlichen Fächern, erörtert. Sodann wurden die Berichte des von der vorigen Sitzung des Kuratoriums eingesetzten Subkomitees entgegengenommen. Es wurde beschlossen, den von einem englischen Freunde der Universität gestifteten Lehrstuhl für das Studium der Probleme des internationalen Friedens aera Wunsche des Stifters entsprechend ״Ch a i m We i z m a nn - L e h rstu hl für Internationales Friedensrecht'‘ zu nennen. Die Besetzung des Lehrstuhls wurde einem Komitee des Kuratoriums übertragen. Auf Grund der Vorschläge des Subkomitees wurde beschlossen, systematische Kurse in Biologie als Hauptfach mit abschließenden Prüfungen und in Allgemeiner Physik als Nebenfach einzuführen. Ferner wurde beschlossen, Mathematik zu einem Hauptfach an der Universität zu erheben und im Rahmen des mathematischen Instituts eine Dozentur für angewandte Mathematik zu errichten, sobald die hierfür erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen werden. Sodann wurde die Frage der akademischen Vervvaltung der Universität besprochen. Es wurde ein Sub- Komitee eingesetzt, das Schritte zur Sicherung des rechtliehen Status der Universität als einer akademische Grade verleihenden Institution einleiten soll. Es wurde ein stän* diges Komitee des akademischen Rates, bestehend aus dem Vorsitzende!♦, des Rates und zwei anderen in Europa wohnenden Mitgliedern sowie drei in Amerika ansässigen Mitgliedem zum Zweck der Beratung der Universitätsleitung in Fragen der akademischen Verwaltung eingesetzt. Zum Vorsitzenden des akademischen Rates wurde Prof. Ornstein gewählt. Schließlich wurden die Bezeichnungen der akade- ...mischen Grade festgesetzt, die nach den ersten Graduierungs* Prüfungen 1m November dieses Jahres verliehen werden sollen. Es wurde beschlossen, den Professor an der Berliner Uni־ versität, Dr. Gotthold Weil, zum Mitglied des Kuratoriums m ernennen und ihn einzuladen, das nach dem Tode von Dr. Horovitz verwaiste Amt des beaufsichtigenden Direktors des orientalistischen Instituts der Universität zu übernehmen. Schließlich wurde eine Resolution angenommen, in der der Kanzler aufgefordert wird, im Einvernehmen mit der Jewish Agency bei der Palästina-Regierung um Erleichterung der Einreisebewilligung jür jüdische Studenten vorstellig zu werden. Der Dozent für Zoologie, Dr. Fritz Bod enhei m er, wurde zum außerordentlichen Professor ernannt. Richter Mack teilte mit, daß die neuen Pläne für das Rosenbloom-Hauptgebäude der Universität vollendet seien. Die Errichtung des Gebäudes wurde durch die Freigebigkeit von Frau S. Rosenbloom, die an der Sitzung des Kuratoriums teilnahm, ermöglicht. * _ New York, 26. Juli. (J, T. A.) Der Präsident der Gesellschaft amerikanischer Freunde der Hebräischen Universität, Dr. A, S. W. Rosenbach, teilt mit, daß 17 neue י Stipendien an der Hebräischen Universität in Jerusalem von den jüdischen Brüderschaften der Vereinigten Staaten gestiftet werden. Die einzelnen Stipendien befragen 100 bis 300 Dollar jährlieh und werden auf Grund eines Prüfungswettbewerbes zu Beginn des Herbstsemesters zur Verteilung gelangen. Außerdem hat der Frauenbund des Tempels in Cleveland zu Ehren Rabbi Abba Hillel Siivers ein Stipendium von 503 Dollar gestiftet. Tisclta be Ab In Jerusalem Jerusalem, 23. Juli. (J. T. A.) ln herkömmlicher Weise wurde in Jerusalem in der Nacht vom 22. auf den 23. Juli der Vorabend von Tischa be Ab gefeiert. Ueber 10 000 Juden, zum größeren Teil Jugendliche, zogen in feier• licher Prozession an der Klagemauer vorüber, wahrend die älteren Leute auf dem Platz vor der Klagemauer saßen und Klagelieder sangen. Da jede Art von Beleuchtung verboten war, war der Klagemäuerplatz in vollständige Finsternis gehüllt. In den Durchgängen zum Platz patrouillierten britische Polizisten, während auf dem Platz selbst 50 jugendliche jüdische Ordner eine Mittelkette bildeten, um die herum sich der Zug in Einzelreihe bewegte. Der Vorbeimarsch dauerte von Sonnenuntergang bis?Mitternacht. Am Schlüsse des Zuges kamen, begleitet von jungen Jeschi wah-Hörern, die orthodoxen Beter, zum Zeichen der Trauer barfuß. Die Ordnung wurde von zahlreichen Verwaltungsbeamten und Polizeioffizieren unter Leitung dßa jüdischen Distriktsbeamten Julius Jackobs überwacht, der ein Exemplar des Berichtes der Klagemauerkommlssion in der Hand trug. An diesem Tischa be Ab, dem zweiten nach dem verhängnisvollen Tischa be Ab im Jahre 1929, mit dem die palästinensischen Unruhen begannen, war die Trauerfeier zum ersten Male auf Grund der Bestimmungen des Berichtes der Klagemauerkammiasion geregelt Die Polizei beschlagnahmte Flugblätter, die die revisionistische Jugend verteilen wollte, ln diesen Flugblättern war zur Ablehnung der im Klageraauerbericht getroffenen und auch von den berufenen jüdischen Instanzen angenommenen Regelungen aufgefordert worden. Pr. Ludwig Singer | Unser Prager Berichterstatter hl schreibt uns: Heute, am 23. Juli, früh, starb eine der hervorragendsten Persönlichkeiten des tschechoslowakischen Zionismus, Abgeordneter Dr. Ludwig Singer, nach einem schweren Leiden, das sich in letzter Zeit durch eine anstrengende Vortragsreise für die Jüdische Partei in Karpatho-RuBland verschummert hatte. Dr. Singer, der schon zu Oesterreichs Zeiten lange Jahre Leiter der zionistischen Bewegung in Böhmen war, ist seit dem Umsturz der anerkannte Führer der jüdisch-nationalen Politik in der Tschechoslowakei und de facto auch der Führer der gesamten Judenheit dieses Staates, als deren erster Abgeordneter er vor zwei Jahren ins tschechoslowakische Parlament einzog. Dr. Singer wurde auch im Vorjahre als erster Zionist zum Vorsteher der Prager Jüdischen Gemeinde gewählt. Innerzionistisch ist er in den letzten Jahren nur gegen radikale Auswüchse hervorgetreten, die er als Real- Politiker bekämpfte. Zum XVII. Kongreß kandidierte er auf der Liste der Allgemeinen Zionisten. Dr. Ludwig Singer, geboren in Kolin am 13. Februar 1876, gehörte der zionistischen Bewegung seit dem Jahre 1907 an; von 1910—1915 war er Obmann des Zionistischen Distriktskomite für Böhmen. Im Jahre 1917 verhandelte er mit den tschechischen Politikern über die künftige Regelung der jüdisehen Angelegenheiten und nach dem Umstürze war er es, der die Verhandlungen mit der Regierung des neuen Staates seitens der Juden führte. Seit der Gründung des Jüdischen Nationalrates am 14. Oktober 1918 war er Präsident dieser Körperschaft. Als Präsident des Jüdischen Nationalrates und Mitglied des Comitd des dölegations Juives bei der Friedens- Konferenz verhandelte er im Jahre 1919 in Paris mit Minister Benesch wegen Regelung der Fragen der jüdischen Minorität, Diese Verhandlungen, die in Prag fortgesetzt wurden, führten schließlich zur Anerkennung der jüdischen Nation in der Verfassung. Bei den Gemeindewahlen im Jahre 1919 gelangte Dr. Singer als Listenführer der Jüdischen Partei in das Prager Stadtverordnetenkollegium und wurde von diesem in den Prager Stad trat entsendet. Im Oktober 1929 wurde er als erster jüdischer Abgeordneter in das Parlament der Republik gewählt, wo er die Forderungen der jüdischen Bevölkerung vertrat. Am 18. Juni 1930 wurde er, der als Listenführer der Zionisten bei den Wahlen In die Prager jüdische Kultusgemeinde-Repräsentanz kandidiert hatte, zum Präsidenten der Prager Jüdischen Gemeinde gewählt. Es war dies das erste Mal, daß ein Zionist mit dieser Funktion betraut wurde. Trauer nm Dr. Singer (Von unserem Berichterstatter.) hl, Prag, 26. Juli 1931. Die Nachricht von dem plötzlichen Ableben Dr. Singers hat in der tschechslowakischerf Judenheit große Bestürzung und Trauer hervorgerufen. Aus allen Teilen des Landes langen beim jüdischen Nationalrat in Prag Trauerkundgeburigen ein. Bei der Beerdigung, die heute früh stattfand, waren Deputationen aus dem ganzen Staatsgebiete anwesend. Dr. Singer wurde in einem von der Prager Jüdischen Gemcinde gestifteten Ehrengrabe unter großer Teilnahme der jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung und der Vertreter der staatlichen und städtischen Aemter beigesetzt. Der Bürgermeister der Stadt Prag, Dr. Baxa, hielt im Prager Stadtrat einen tiefempfundenen Nachruf auf den Verstorbenen. Vom Parlament, Rathaus, jüdischem Rathaus und Bet-Haam wehen schwarze Fahnen. Die Presse aller Parteien brachte längere Nachrufe auf Dr. Singer. Die ״Selbstwehr“, deren Kuratorium Dr; Singer angehörte, erschien mit einem Trauerrande. Max Brod, der mit Dr. Singer in den stürmischen Tagen des Umsturzes den jüdischen Nationalrat geleitet hatte, schreibt in dieser Nummer der ״Selbstwehr‘‘ u. a.: ״Eine tief jüdische Charaktereigenschaft Dr. Singers: daß ihn hei aller Skepsis, bei aller Einsicht in das unsaubere Hebelwerk der Politik dieser wahrhaft optimistische und idealistische Glauben niemals verließ, auch im sozusagen ärgsten Rummel nicht, auch nicht im kleinen Gezänk der Tagesfragen, die so leicht ins Persönliche gleiten. Immer blieb Ludwig Singer groß, von einer geradezu umfassenden Besonnenheit, immer strahlte Vertrauen aus ihm hervor, um das er warb, ln der Oeste seiner begütigenden und dabei doch konsequenten, im Ethischen unbeirrbaren Führung lag daher auch jene Eigenschaft, die nur den größten Staatsmännern eigen ist: echte Väterlichkeit.... Diese väterliche Kraft winf uns fehlen. Unersetzt bleibt sie allen, die er ehrlich, ohne falsche Winkelzüge, immeT geradeaus geleitet hat; denen aber, die ihn persönlich nahestehen durften, bleibt sie, von ihrer führerischen Kraft abgesehen, als ein Bild hell leuchtenden Menschentums im Gedächtnis.“ Dr. Fefix Weltsch umreißt im Leitartikel derselben Nummer die Bedeutung Dr. Singers für die tschechoslowakische Judenheit und führt u. a. aus: ״Wenn die Tschechoslowakei in ihrem offiziellen Verhalten zu ihrer jüdischen Bevölkerung immerhin den Eindruck eines vorgeschobenen Keiles des Westens mitten in kulturellöstliche Gebiete macht, so ist es nicht zu einem unwesentlichen Teile der Tätigkeit dieses Mannes zu verdanken, seiner Kenntnis des tschechischen Volkes und der tschechischen Staatsmänner und seiner klugen un-d geradlinigen Politik.“ Nattlnale Minderheiten und Juden Der in der internationalen Welt bekannte Vorkämpfer für das Recht der nationalen Minderheiten, der Slovene Dr. Jossip Wilfan, ehemaliger Abgeordneter im italienischen Pariament, hielt am 16. Juli in Basel einen Vortrag über ״Die nationalen Minderheiten und das jüdische Volk“. Zahlreiche Teilnehmer am XVH. Zionistenkongreß benutzten die Gclegenheit, um aus dem Munde eines Kenners der Frage der nationalen Minderheitsrechte Belehrung über ein Problem zu erhalten, das die Juden, besonders die Juden in den Ländern Osteuropas, in so hohem Maße interessiert. Dr. Wilfan schilderie die Entwicklung des Rechtes der Minderheiten und die Bestrebungen der Liga für Minderheitenrechte, den Status der nationalen Minderheiten in allen Ländern in einer befriedigenden Weise zu regeln. Als Slovene, sagte Dr. Wilfan, dessen Volk auch in einzelnen Staaten eine Minderheit darstellt, habe er für den Kampf der Juden um ihr nationales Recht in den einzelnen Ländern und insbesondere für die Be- Strebungen, in Palästina ein nationales Zentrum zu schaffen, Verständnis und Sympathie. Dr. Witfan zollte dem Beitrag jüdischer Führer und Politiker zum Ausbau der Minderheitsrechte vollste Anerkennung. Er gedachte bei dieser Gelegenheit besonders der Tätigkeit Nahum Sokolows und Leo Motzkins. Motzkin, der den Vorsitz in der Versammlung führte, schilderte die fruchtbare Tätigkeit Dr. Wilfans zum besten der unterdrückten Nationen und dankte ihm unter dem Beifall der ganzen Versammlung für seine Ausführungen. Jerusalem, 21. Juli. (J.T.A.) Für die in der Ent- Scheidung der Klagemauerkommission vorgesehene Stellung eines bevollmächtigten Vertreters des Rabbinats von Jerusalem, der einen ständigen Kontakt mit der Palästina-Regierung zum Zweck der Regelung des jüdischen Andachtsdienstes vor der Klagemauer aufrechterhalten soll, wurde vom Jerusalemer Oberrabbinat Rabbi Isaac Ornstein nominiert. Der Landentwicklungsplan Eine Erklärung Dr- Shiels im Unterhaus. London, 23. Juli. (J.T. A.) In der Sitzung des Unterhauses vom 23. Juli'richtete der Abgeordnete Ken worthy an den Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drumtnond Shiels, die Anfrage, ob die neue Untersuchung über Möglichkeiten der Ansiedlung und Landentwicklung in Palästina sich auch auf unbesetzte oder unbebaute Ländereien jenseits des Jordans erstrecken werde. Dr. Shiels erwiderte, Transjordanien werde in diese Untersuchung nicht einbezogen werden, da es unter einem anderen Verwaltungssystem stehe als Palästina. An den Ministerpräsidenten MacDonald richtete Abg. Ken worthy die Anfrage, ob dem Unterhause Gelegenheit zu einer Debatte über die vorgeschlagene Landentwicklungsanleihe geboten werden würde. Die Anfrage wurde vom Minister für die Dominions, J. H. Thomas, beantwortet. Er erklärte, es sei beabsichtigt, iin Parlament einen Gesetzvorschlag einzubringen, durch den das Parlament die Regierung ermächtigen soll, die Anleihe zu garantieren. Bei dieser Gelegenheit werde die Möglichkeit zu einer Debatte über den Landentwicklungsplan gegeben sein. Von den großen englischen Tageszeitungen hat vorläufig bloß ״Manchester Guardian“ zur Regierungserklärung über die Vorbereitung der Durchführung des Landentwicklungsplans Stellung genommen. Das Blatt unterzieht in seinem Leitartikel vom 21. Juli diese Erklärung einer scharfen Kritik und behauptet, die britische Regierung habe das Bodenproblem in Palästina nunmehr in einer weise dargelegt, die ״sich mit dem Geist des Mandats, das England die Pflicht auferlegt, eine dichte jüdische Siedlung zu ermutigen, nicht vereinbaren lasse“. Palästina sei ein kleines Land, die Regierung aber habe es noch kleiner gemacht. Die Araber hätten die Möglichkeit, zwischen dem Lande östlich und westlich des Jordans zu wählen; während Palästina stark bevölkert sei, sei Transjordanien ein leeres Land. Obwohl der ar-׳• Fellache aut einer neuen Pachtung jenseits des Jordans glücklicher leben könnte als in seinem alten Heimatsdorf, lehne es die britische Regierung ab, eine solche Lösung in Betracht zu ziehen, und behandle Transjordanien vollkommen als ein unabhängiges Gebiet, obwohl es rechtlich einen Teil des palästinensischen Mandatsgebietes bildet. Zürn Schluß wird erklärt, der Landen!- wicklungsplan würde bessere Aussichten haben, wenn die britische Regierung ihre Ansichten in diesem wichtigen Punkte ändern würde. Ein Schreiben Paul Goodmans an Lord Passlfeld London, 23. Juli. (J. T. A.) Der Instruktionsbrief betreffend die Vorbereitungsarbeiten für den Landentwicklungsplan, den der Minister für die Kolonien, Lord Passfield, an den High Commissioner Sir John Chancellor gerichtet hat, enthält einen Passus, in dem es als eine der Aufgaben des Landentwicklungsdirektors bezeichnet wird, ein Verzeichnis jener Araber anzulegen, die ״nachweislich von dem von ihnen früher besetzten Boden infolge des Umstands entfernt wurden, daß die Ländereien in jüdische Hände fielen“. Dieser Passus des lnstruktionsbriefes hat den Vorsitzenden der Politischen Kotnmission der Zionistischen Vereinigung für Großbritannien und Irland, Paul Goodman, veranlaßt, ein Schreiben an Lord Passfield zu richten, in dem darauf hingewiesen wird, daß der Ausdruck ״Ländereien, die in jüdische Hände fielen“ bei den Zionisten Englands den Elndrutk erwecken werde, daß die Instruktionen Lord Passfields in dem Geiste ausgeführt werden sollen, der in dieser Formulierung zum Ausdruck »kommt. Goodman bemerkt in seinem Schreiben, daß die Aufmerksamkeit der englischen Regierung wiederholt, allerdings erfolglos, auf die Frage der im Artikel 6 des Palästina-Mandates vorgesehenen Zuweisung von Staatsländereien und Oedland zum Zweck geschlossener jüdischer Siedlung gelenkt wurde, und daß alle für jüdische Kolonisation in Palästina erworbenen Böden nicht nur gesetzmäßig und zu einem mehr als angemessenen Preis erworben wurden, sondern daß auch in vielen Fällen den arabischen Pächtern außerdem eine Entschädigung gewährt wurde, obwohl eine solche gesetzlich nicht vorgesehen war. Jerusalem, 23. Juli. (J.T.A.) Für die Besetzung des in den Instruktionen zur Vorbereitung der Durchführung des Landentwicklungsplans vorgesehenen Postens eines jüdischen Beraters des Landentwicklungsdirektors werden Prof. Hexter, Dr. Arthur Ruppin und Agronom Wilkansky als Kandidaten genannt. Jeder dieser drei Kandidaten war an der Vorbereitung des Landentwicklungsplans beteiligt. Prof. Maurice ß. Hexter hat bei den Verhandlungen der englischen Regierung über den Landentwicklungsplan teilgenommen. Dr. Ruppin und Agronom Wilkansky wurden seinerzeit von der Londoner Exekutive aufgefordert, den Landentvvicklungsplan zu begutachten. Eine Amerika-Tournee Sokolows? Basel, 23. Juli. (J. T. A.) Die amerikanische Kongreßdelegation hat mit Nahum Sokolow eine Beratung über die von ihr geplante Reise in die Vereinigten Staaten abgehalten. Es wurde beschlossen, daß die amerikanischen Delegierten unmittelbar nach ihrem Wiedereintreffen in den Vereinigten Staaten Besprechungen mit der Leitung der Zionistisehen Organisation Amerikas über eine intensive Vorbereitung der geplanten Tournee Sokolows aufnehmen sollen. Die amerikanischen Delegierten haben versprochen, die neue Exekutive mit allen Kräften zu unterstützen. Die Kanalisationsröhren ln Haifa Jerusalem, 21. Juli. (J. T. A.) Die Regierung hat die Gemeindeverwaltung von Haifa beauftragt, das Röhrenmaterial für die Kanalisationsanlage der Stadt, in England zu kaufen. Bisher bezog die Gemeindeverwaltung die Kanalisationsröhren aus Belgien und Deutschland zu einem niedrigeren Preis als sie in England zu haben sind. Die Regierung hat die Stadtverwaltung auch daran gehindert, die Röhren von der Röhrenfabrik in T e [ - A w i vv, mit der die Stadtverwaltung von Haifa einen Vertrag abschließen wollte, zu beziehen. Die Anordnung der Palästina-Verwaltung steht im Widerspruch zum Artikel 18 des Palästina-Mandats, in dem festgelegt wird, daß in Palästina eine unterschiedliche Behandlung von Waren aus irgendeinem dem Völkerbund angehörenden Staate nicht gemacht werden darf. Durch einen Vertrag wurde diese Be- Stimmung auch auf die dem Völkerbund nicht angehörenden Vereinigten Staaten ausgedehnt. Auf diese Bestimmung des Mandats hat erst vor kurzem der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Shiels, im Unterhause in der Beantwortung einer vom Abg. Colonel Howard Bury gestellten Anfrage hingewiesen. Howard Bury hatte damals gefragt, ob die Kontrakte zur Lieferung der Maschinen für die Werke am Toten Meer mit britischen Firmen abgeschlossen worden seien.

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